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Sportuhr Polar Street X für 250 Euro überzeugt im Test: stylish, günstig, gut


Freches Design, klarer Fitness-Fokus und ein fairer Preis: Mit der Street X will Polar die Gen Z erobern. Ob das gelingt, klärt unser Test.

Während Garmin mit Uhren wie der Fenix 8 versucht, das iPhone unter den smarten Sportuhren zu etablieren, geht Polar bewusst andere Wege. Mit Fokus auf wesentliche Features und Gesundheitsfunktionen, einer hippen Optik und einem vergleichsweise niedrigen Preis hat der finnische Hersteller die neue Street X als attraktives Wearable für eine junge, urbane Kundschaft auf den Markt gebracht.

Die Uhr, die vom Design in gewisser Hinsicht an eine G-Shock erinnert, wird als City-Sportuhr vermarktet und verfügt über ein robustes AMOLED-Display mit 1,28 Zoll, ein integriertes GPS-Modul sowie ein stoßfestes Gehäuse. Dazu verspricht der finnische Hersteller eine Akkulaufzeit von bis zu zehn Tagen.

Ob die Polar Street X mit ihrer unverbindlichen Preisempfehlung von 250 Euro der neue Preis-Leistungs-Tipp unter den Sportuhren werden kann, klärt dieser Testbericht.

Design & Tragekomfort

Polar setzt sich beim Design der Street X bewusst von der eher dezenten, fast biederen Optik anderer Uhren wie der Vantage V3 ab. Stattdessen erinnert die Uhr an die Ende der 90er- und Anfang der 2000er-Jahre extrem beliebten G-Shock-Modelle, von denen derzeit die Baby-G ein kleines Comeback feiert. Trotz des kantigen Designs wirkt die Street X aber keinesfalls klobig oder grob. Da das Display nicht übermäßig groß ausfällt, macht sich die Uhr auch an schmaleren Handgelenken gut als Accessoire.

Erhältlich ist die Street X in drei Farben: Schwarz, Weiß und Oliv. Alle Modelle kommen mit einem Silikonarmband, ein längeres Wechselarmband liegt bei. Das Armband macht einen robusten Eindruck, allerdings hat die aufgeraute Oberfläche bei der weißen Variante einen Nachteil: Schmutz bleibt in der feinen Maserung leicht hängen, sodass man das Armband häufiger reinigen muss, wenn man die Uhr wechselnden Umgebungsbedingungen aussetzt.

Erfreulich ist das geringe Gewicht der Street X, die inklusive Armband nur 48 g auf die Waage bringt. Das Gehäuse besteht aus robustem Kunststoff, das Display aus kratzfestem Gorilla Glass. In unserem Test überstand die Street X dementsprechend problemlos Stürze aus anderthalb Metern Höhe auf Asphalt sowie Schläge mit einer Kugelhantel am Handgelenk.

Display

Als Anzeige hat Polar der Street X ein 1,28 Zoll großes AMOLED-Display verpasst, das wir auf Wunsch in einen Always-on-Modus versetzen können. Letzterer wirkt sich allerdings auf die Akkulaufzeit aus. Die Display-Helligkeit lässt sich in drei Stufen (hoch, mittel, gering) regulieren. Eine automatische Anpassung an das Umgebungslicht gibt es nicht. An der Lesbarkeit der Anzeige hatten wir aber durchweg nichts zu meckern, weil das Display auch bei direkter Sonneneinstrahlung immer gut zu entziffern blieb.

Die Display-Auflösung entspricht mit 416 × 416 Pixeln dem Standard, wobei die Street X mit einer scharfen Anzeige und angenehmer Farbgebung punkten kann. Wer möchte, hat die Möglichkeit, die Zifferblätter und die Widgets in den Einstellungen der Uhr anzupassen.

Einrichtung & Bedienung

Die Polar Street X funktioniert wie von anderen Polar-Uhren gewohnt in Kombination mit der Polar-Flow-App. Der Kopplungsprozess dauert nur wenige Minuten, wobei wir währenddessen auch direkt ein paar Daten zu Körpergröße, Gewicht, Geschlecht, Alter und bevorzugtem Handgelenk angeben, an dem wir die Uhr tragen. Ein Nutzerkonto ist übrigens verpflichtend.

Nach der Kopplung der Street X an die App können wir direkt das aktuelle Firmware-Update herunterladen und installieren. Der Prozess an sich dauert ein paar Minuten. Die App an sich mag auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig aufgebaut sein, wenn man das Kachelprinzip anderer Anbieter gewohnt ist, allerdings findet man sich nach kurzer Zeit auch hier schnell zurecht.

Die Startseite besteht aus einer Art von Tagebuch, das untereinander aktuelle Daten und Aktivitäten auflistet. Über das Kontextmenü können wir dann separate Detailansichten für Aktivität, Schlaf, Training und mehr aufrufen. Zudem können wir die App in den Einstellungen mit anderen Diensten wie Strava, Komoot, TrainingPeaks und MyFitnessPal verbinden.

Neben der Bedienung der App ist auch die Steuerung der Street X für Nutzer, die von einem anderen Hersteller zu Polar wechseln, anfangs etwas ungewohnt. Denn die Sportuhr besitzt insgesamt fünf Buttons am Gehäuse, mit denen wir durch die Menüs navigieren. Ein Button steuert ausschließlich die integrierte LED-Taschenlampe, während zwei weitere Tasten dazu dienen, durch die Menüs der Uhr zu scrollen. Dazu gibt es noch den Auswahl-Button und eine Zurücktaste. Auch hier gilt: Nach kurzer Zeit hat man sich an die Anordnung der Bedienknöpfe gewöhnt.

Zusätzlich können wir die Street X auch mit Touch-Gesten steuern, was im Test zuverlässig funktioniert. Ruckler oder Input-Lags gibt es keine, das Display kommt auch mit feuchten und verschwitzten Fingern gut zurecht.

Training & Fitness

Obwohl die Street X sich an eine Zielgruppe richtet, die primär die eigene Gesundheit im Blick hat und weniger zur Riege der Profiathleten zählt, hat sich Polar nicht bei der Auswahl der Trainingsprofile zurückgehalten. Insgesamt unterstützt die Street X mehr als 170 verschiedene Sportarten. Davon wählen wir 20 Stück in der App aus, die wir dann über das Trainingsmenü der Uhr zum Aufzeichnen unserer Sporteinheiten nutzen können. Die Auswahl an Profilen reicht dabei von klassischen Ausdauer- über Trend-, Winter- und Wassersportarten sowie verschiedene Fitnessmodule.

In der Polar-Flow-App lassen sich die Trainingsansichten für jedes Profil individuell anpassen. Je nach Sportart können wir bis zu acht Ansichten konfigurieren und während des Trainings durchwechseln. Auch die angezeigten Daten lassen sich pro Ansicht genau festlegen. Die Auswahl variiert je nach Sportart – Ausdauerdisziplinen wie Laufen und Radfahren sind dabei am großzügigsten ausgestattet. Was uns im Test fehlt: beim Krafttraining die Option, Sätze und Wiederholungen manuell oder automatisch zu zählen, und beim Schwimmen das Erfassen der absolvierten Bahnen.

Zu den Highlights der Trainingsfunktionen, die die Street X zu bieten hat, gehören einige Polar-eigene Features. Basierend auf unseren Trainingsdaten misst die Uhr den sogenannten Training Load und wägt dabei die körperliche Beanspruchung gegen unsere Belastungstoleranz ab. Der Algorithmus berechnet dann, ob unser Training produktiv oder überlastend ist.

Besonders für Kraftsportler interessant ist die Erholungsoptimierung: Dieses Tool analysiert die Herzfrequenz während des Trainings, um die bestmögliche Ruhezeit zwischen Trainingssätzen zu berechnen. Das funktioniert im Test hervorragend und bekommt von uns eine uneingeschränkte Nutzungsempfehlung. Ebenso gibt die Funktion Running Power an, welche Leistung wir beim Laufen einsetzen und wie wir basierend darauf die Intensität unserer Bewegung anpassen sollten. Auch das klappt einwandfrei und kann das regelmäßige Lauftraining sinnvoll unterstützen.

Schließlich bietet die Street X noch drei weitere, bereits von anderen Polar-Uhren bekannte Trainingsfeatures: Nach einer Einheit können wir uns anzeigen lassen, welche Energiequellen unser Körper während des Trainings bevorzugt genutzt hat (Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate). FitSpark macht uns konkrete Vorschläge für Trainingseinheiten, basierend auf unserem Erholungsstatus und unserem aktuellen Fitnesslevel. FuelWise erinnert uns während des Trainings an die optimale Zufuhr von Nährstoffen, Energie und Flüssigkeit.

Zusätzlich gibt es in der Polar-Flow-App das kostenpflichtige Polar-Fitnessprogramm. Letzteres bietet an die Leistung der Nutzer angepasste Trainingspläne für verschiedene Sportarten, wobei alle vier Wochen ein neuer Plan generiert wird. Nach einer kostenlosen Testphase von 30 Tagen kostet das Programm 10 Euro pro Monat.

Die Polar Street X verfügt über ein integriertes GPS-Modul inklusive Routenführung und Back-to-Start-Funktion. Dabei unterstützt die Uhr die Navigationssysteme GLONASS, Galileo und QZSS. Ein Höhenbarometer und ein Kompass sind ebenfalls integriert. Das GPS-Tracking macht in unserem Test einen sehr ordentlichen Job. Bei einer rund 5 km langen Laufeinheit weicht die gemessene Strecke nur minimal von den tatsächlichen Laufwegen ab, und zwar dort, wo besonders dichter Bewuchs im Wald für einen nicht optimalen Satellitenempfang sorgt. Die Abweichungen sind aber so gering, dass sie sich in der Praxis de facto nicht auswirken.

Wer möchte, kann die Street X über die Polar-Flow-App mit Komoot verbinden, wodurch in Komoot erstellte Routen für die Routenführung auf der Sportuhr verfügbar werden. Wir können uns dann von der Uhr über die Route führen lassen. Auf eine Kartenanzeige müssen wir dabei verzichten, aber das ist von einer Sportuhr dieser Preisklasse auch nicht zu erwarten. Die Navigation funktioniert im Test aber reibungslos und gibt zuverlässig Abzweigungen, verbleibende Strecke und das Höhenprofil an.

Ein zentraler Bestandteil der Sport- und Trainingsfunktionen ist der optische Pulssensor der Street X, der auf Polars bewährte PrecisionPrime-Technologie setzt. Diese verspricht auf dem Papier eine sehr genaue Messung unserer Herzfrequenz, was sich im Test dann auch größtenteils bestätigt. Die Uhr liefert bei gleichmäßigem Training wie einer Laufeinheit im GA1-Bereich genaue Werte, die nur geringfügig von den Ergebnissen eines Pulsgurtes abweichen. Das ist aber erwartbar, weil eine optische Messung am Handgelenk nie mit der Genauigkeit eines Brustgurtes mithalten kann.

Am ehesten machen sich Unterschiede noch bei HIIT-Einheiten oder kurzen Sprints bemerkbar: Hier läuft die Messung etwas verzögert ab, sodass die Uhr bei sehr kurzen Anstiegen der Herzfrequenz lediglich einen Mittelwert registriert. Auf das gesamte Training und die Errechnung der durchschnittlichen Herzfrequenz wirkt sich das allerdings praktisch nicht aus. Wer ohne eine hundertprozentige Messgenauigkeit nicht leben kann, kommt um die Anschaffung eines Brustgurtes aber nicht herum. Ein solcher lässt sich übrigens problemlos an die Street X koppeln.

Schlaf & Gesundheit

Ein Blick auf die Features zum Schlaf- und Gesundheits-Tracking der Street X zeigt: Polar hält sich hier an das Konzept, das sich bereits bei anderen Uhren des Herstellers bewährt hat. Die Street X misst unsere Herzfrequenz, Hauttemperatur sowie unsere Schlafphasen. Einen Sensor für die Blutsauerstoffsättigung gibt es nicht. Basierend auf den gemessenen Daten erstellt die Polar-Flow-App einen Schlafindex, der auf einer Skala von 1 bis 100 unsere Schlafqualität basierend auf Menge, Stabilität und Regeneration bewertet.

Außerdem finden wir in der App konkrete Angaben zur Schlafkontinuität und zu Schlafunterbrechungen. Vergleiche mit vergangenen Aufzeichnungen helfen uns dabei, langfristige Trends zu erkennen. Insgesamt funktioniert das Tracking im Test gut und liefert subjektiv glaubwürdige Werte. Teilweise gab es aber Blöcke im Schlaf-Tracking, die als unerkannt markiert wurden. Hier konnte die Uhr keine Messung durchführen, was in der App damit begründet wird, dass wir möglicherweise auf unserem Arm gelegen haben.

Zusätzlich zeigt der sogenannte Wert für Boost durch Schlaf auf einer Skala von 1 bis 10 an, wie sich der Schlaf auf Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit am folgenden Tag auswirkt. Neben Schlafmenge und Schlafqualität berücksichtigt die App auch den Schlafrhythmus, um eine möglichst genaue Prognose zu erstellen. Im Test liefert das Feature glaubwürdige Werte, die mit dem subjektiven Empfinden übereinstimmen.

Weitere nennenswerte Gesundheitsfeatures, abgesehen vom Polar-eigenen Atemübungsprogramm Serene, das der Stressreduzierung dient, hat die Street X allerdings nicht zu bieten. Eine EKG-Funktion fehlt ebenso wie die Möglichkeit, den weiblichen Zyklus aufzuzeichnen. Vermisst haben wir zudem eine Anzeige der Herzfrequenzvariabilität.

Weitere Funktionen

Mit der Street X richtet sich Polar an ein Publikum, das eine günstige, aber stylishe Sportuhr ohne unnötigen Schnickschnack zum Tracking der eigenen Trainingseinheiten sucht. Deshalb beschränkt sich der Hersteller bei der Auswahl zusätzlicher Features auf ein paar wenige Funktionen. Die Street X bietet keinen eigenen Musikspeicher, unterstützt aber die Steuerung von Musik auf dem Smartphone. Eingehende Benachrichtigungen lassen sich auf der Uhr anzeigen und Anrufe entgegennehmen, wobei die Uhr auf ein integriertes Mikrofon ebenso verzichtet wie auf eine Schnellantwort-Funktion.

Ein Highlight der Street X ist die am oberen Gehäuserand integrierte LED-Taschenlampe. Sie lässt sich über eine separate Taste direkt aktivieren und in vier Helligkeitsstufen anpassen. Neben weißem Licht bietet die Taschenlampe auch eine Rotlichtfunktion.

Intensität und Lichtfarbe lassen sich über das Taschenlampen-Menü steuern, das Ein- und Ausschalten funktioniert aber auch außerhalb des Menüs über die separate Taste. Damit lässt sich die Lampe flexibel beim Training oder bei anderen Aktivitäten nutzen, ohne dass das Menü dauerhaft geöffnet bleiben muss. Praktisch: Einmal vorgenommene Helligkeitseinstellungen bleiben erhalten, eine erneute Konfiguration entfällt bei jedem Einschalten. Insgesamt wirkt die Taschenlampe wie ein durchdachtes Feature und erweist sich im Test als nützliches Extra.

Akku

Polar verbaut in der Street X einen Akku mit 385 mAh – ordentlich, aber nicht überragend. Gemessen an Größe und Gewicht der Uhr wirkt das wie ein sinnvoller Kompromiss. Im reinen Smartwatch-Modus soll die Sportuhr laut Hersteller bis zu zehn Tage durchhalten. Aktiviert man sämtliche Tracking-Funktionen und das GPS dauerhaft, sind es nach Polars Angaben noch 43 Stunden bis zum nächsten Ladevorgang.

In unserem Test absolvierten wir drei anderthalbstündige Sporteinheiten, davon zwei mit aktiviertem GPS-Tracking. Dazu liefen die dauerhafte Herzfrequenzmessung und Benachrichtigungen mit. Unter diesen Bedingungen verlangte die Street X nach sechseinhalb Tagen wieder nach dem Ladekabel, das übrigens im Lieferumfang enthalten ist. Für eine Uhr dieser Preisklasse geht der Wert absolut in Ordnung, auch wenn die Konkurrenz teilweise leicht die Nase vorn hat.

Preis

Die Polar Street X kostet laut unverbindlicher Preisempfehlung in allen drei Farbvarianten 250 Euro und gehört damit zu den günstigsten Uhren im Polar-Portfolio. Der Straßenpreis entspricht zum Testzeitpunkt annähernd der UVP.

Fazit

Polar hat mit der Street X eine klare Zielgruppe im Blick, und das macht sich sowohl beim Design als auch bei den Features der sogenannten City-Sportuhr deutlich bemerkbar. Man hat den Eindruck, dass der finnische Hersteller möglichst viel Gegenwert für einen möglichst geringen Preis bieten möchte – und dieser Plan geht größtenteils auf.

Das Design der Uhr und deren Verarbeitung können in unserem Test ebenso punkten wie die durchdachte Auswahl an Trainingsfunktionen. Viele Trainingsprofile und viele Einstellungsmöglichkeiten sorgen dafür, dass wir die Uhr detailliert an unsere Bedürfnisse anpassen können. Wer Sport treibt, um fit zu bleiben, bekommt mit der Street X ein gutes Tool an die Hand. Sportler mit gehobenem Anspruch sollten sich anderswo umsehen, gehören aber auch nicht zur Zielgruppe der Street X.

Das GPS-Tracking ist uns im Test positiv aufgefallen. Die Sensoren arbeiten überraschend genau und liefern hervorragende Ergebnisse. Das Navigationsfeature verzichtet zwar auf eine echte Kartenanzeige, das lässt sich in Anbetracht des günstigen Preises, den Polar für die Street X aufruft, aber verschmerzen.

Wo hingegen noch Luft nach oben bleibt, sind die bestenfalls im Mittelfeld anzusiedelnde Akkulaufzeit und die sparsame Auswahl an smarten Features. Beides ist unserer Meinung nach aber wegen des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses der Street X verschmerzbar.



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