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TikTok ist back – doch die Erklärung wackelt
Der Sturm in weiten Teilen der USA soll die Ursache für TikToks vergangene Ausfälle gewesen sein. Doch viele Nutzer:innen zweifeln an dieser Erklärung. Schließlich traten die Störungen genau in einer Phase auf, in der die Plattform unter neuer Führung läuft, die politisch als Trump-nah gilt – und zugleich Berichte über eingeschränkte Sichtbarkeit von Beiträgen kursieren, die dem US-Präsidenten missfallen könnten.
Nach tagelangen Ausfällen in den USA sagt TikTok jetzt: Die App läuft wieder. Verantwortlich sei der heftige Wintersturm gewesen, der die US-Ostküste im Griff hatte und dabei auch ein wichtiges, von Oracle betriebenes Rechenzentrum traf und dort einen Stromausfall auslöste, so das USDS Joint Venture TikTok. Dadurch seien Netzwerk- und Speicherprobleme entstanden, die zehntausende Server betrafen. Posten, Videos entdecken, Likes und Views in Echtzeit sehen – vieles ging zeitweise nicht.
Doch viele halten die Erklärung für zu bequem. Denn die Störungen trafen genau den Moment, in dem TikTok in den USA unter einer neuen Struktur läuft, die als politisch Trump-nah eingeordnet wird. Als Reichweiten plötzlich einbrachen, die For You Page teils stehenblieb, neue Videos nicht ausgespielt wurden und Likes oder Kommentare verzögert oder gar nicht angezeigt wurden, deuteten viele das nicht nur als Technikproblem, sondern als mögliche Einschränkung politischer Inhalte. TikTok spricht von einer technischen Kettenreaktion – doch das Timing lässt das Misstrauen nicht verschwinden.
„TikTok is GONE“
– User berichten von riesiger Veränderung in den USA
Störung trifft auf strukturellen und politischen Umbruch
Die US-Version von TikTok steht seit dem Neustart unter neuer Führung massiv in der Kritik. Schon in den ersten Tagen häuften sich Beschwerden, viele Nutzer:innen suchten nach Alternativen oder löschten die App direkt. Laut Sensor Tower-Daten stieg die Zahl der TikTok-Löschungen innerhalb weniger Tage um 150 Prozent im Vergleich zu den Monaten zuvor – ein signifikanter Ausschlag zugunsten neuer Player.
Die Kurzvideo-App Skylight wuchs nach dem Deal auf über 380.000 Nutzer:innen, während Upscrolled laut AppFigures binnen weniger Tage 41.000 Downloads verzeichnete. Teilweise meldeten diese bislang kaum bekannten Apps sogar Server-Probleme durch den plötzlichen Andrang.
TikTok selbst versucht, die Lage zu beruhigen. In einem offiziellen Statement heißt es, die App sei nach einem schweren, wetterbedingten Ausfall wiederhergestellt worden.
TikTok service restored. pic.twitter.com/Pn3ZSTmKU3
— TikTok USDS Joint Venture (@tiktokusdsjv) February 1, 2026
TikTok wieder da, aber das Vertrauen (noch) nicht
Technisch klingt Sturmerklärung auf den ersten Blick plausibel. Sie erklärt, warum Server ausfallen und warum Funktionen wie Posting, Likes oder Views zeitweise gestört waren. Doch der Zeitpunkt und der politische Kontext lassen viele Nutzer:innen an dieser Erklärung zweifeln. Der Ausfall fiel exakt in die Phase, in der das US-Geschäft von TikTok unter einer neuen, mehrheitlich US-kontrollierten Struktur läuft, die von einigen Branchenexpert:innen politisch Trump-nah eingeordnet wird – insbesondere weil führende Investor:innen wie Oracle eng mit dem US-Präsidenten verbunden sind.
Es häufen sich Berichte darüber, dass TikTok offenbar Reichweite für politisch sensible Themen drosselt. Nutzer:innen berichten etwa, dass Videos über Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE, Proteste in Minneapolis oder kritische Beiträge zu Donald Trump ungewöhnlich wenige Views bekommen oder kaum hochgeladen werden konnten. Laut der Los Angeles Times hat das sogar Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom veranlasst, offiziell zu prüfen, ob Trump-kritische Inhalte systematisch benachteiligt werden.
Gleichzeitig legt der Vorfall offen, wie anfällig die stark zentralisierte Infrastruktur großer Plattformen ist. Wenn Posting, Discoverability und Leistungsmetriken gleichzeitig ausfallen, trifft das Creator und Marketer wirtschaftlich direkt. Views sind Einnahmegrundlage, Watchtime ist Argument gegenüber Partner:innen, Performance-Daten sind Planungsbasis. Fallen diese Signale weg, bleibt nicht nur Frust – sondern Zweifel daran, wie verlässlich TikTok als Marketing-Umfeld noch ist.