Künstliche Intelligenz
Vier 4K-Displays, 220 Grad Sichtfeld: Hypervision zeigt kompakten VR-Prototyp
Die Entwicklung von VR-Brillen verläuft widersprüchlich: Während die Auflösung der Displays in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugelegt hat, stagnierte das Sichtfeld weitgehend. Die meisten Geräte bieten weiterhin rund 100 Grad horizontal wie vertikal. Systeme mit deutlich größerem Sichtfeld sind hingegen oft größer, schwerer und weniger alltagstauglich.
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Dass es auch anders geht, demonstrierte Meta diesen Sommer mit neuen Forschungsprototypen, die ein weites Sichtfeld mit einem überraschend kompakten Design verbinden. Genau an dieser Schnittstelle bewegt sich auch das Start-up Hypervision, das seit 2020 an kommerziellen Linsensystemen für VR-Brillenhersteller arbeitet. Auf der Fachmesse UnitedXR Europe präsentierte das Unternehmen zwei Referenzdesigns, darunter eines, das schon bald in kommerzielle VR-Brillen einfließen könnte.
Ultraslim 220: Hochauflösend, weitwinklig und exorbitant teuer
Das erste und technisch anspruchsvollere Referenzdesign heißt „Ultraslim 220“. Der Name ist Programm: Der Forschungsprototyp bietet ein verzerrungsfreies Sichtfeld von 220 Grad horizontal und 94 Grad vertikal bei überraschend platzsparendem Design.
Um dieses weite Sichtfeld zu erreichen, kombiniert das Referenzdesign zwei 4K-OLED-Mikrodisplays und zwei Pancake-Linsen pro Auge: ein Paar für das zentrale und ein Paar für das periphere Sichtfeld. Die Linsen sind im vorderen Bereich miteinander verklebt und weisen eine Naht auf, die beim Durchblick jedoch nahezu verschwindet, wie sich VR-Veteran Christian Steiner vor Ort selbst überzeugen konnte.

Das Referenzdesign Ultraslim 220 setzt auf verklebte Linsen.
(Bild: Christian Steiner)
Steiner zufolge sieht man die Naht beim Bewegen des Kopfes noch leicht, weil es an dieser Stelle einen schmalen Unschärfebereich gibt. Er geht jedoch davon aus, dass sich dies durch Verbesserungen am Prototyp beheben lasse. Beeindruckend sei auch die Schärfe des Bilds: Dank der zwei 4K-Displays pro Auge erreicht der Prototyp eine Pixeldichte von 48 Pixeln pro Grad, ein angesichts des weiten Sichtfelds außergewöhnlich hoher Wert.
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Blick durch die Linsen der Ultraslim 220.
Die gleiche Architektur präsentierte Hypervision bereits vor drei Jahren. Neu am Ultraslim 220 ist, dass erstmals OLED-Mikrodisplays statt LCDs zum Einsatz kommen. Dies stellte eine Herausforderung für das Start-up dar, da OLED-Mikrodisplays deutlich kleiner sind und deshalb einer stärkeren optischen Vergrößerung bedürfen. Die geringe Größe bringt jedoch auch Vorteile mit sich: Sie ermöglicht ein kompakteres Brillengehäuse, auch wenn sich dies am rohen Versuchsaufbau der Ultraslim 220 nur erahnen lässt.

Die Ultraslim 220 zugrundeliegende optische Architektur im Querschnitt.
(Bild: Hypervision)
Ungewohnt für Christian Steiner ist, wie nahe die Linsen an den Augen zu liegen kommen. So nahe, dass sie die Wimpern berühren und Korrekturlinsen für Brillenträger unabdinglich machen. Ihm habe das Design noch einmal vor Augen geführt, wie weit das menschliche Sichtfeld tatsächlich ist und dass selbst 220 Grad nicht genügen, um es vollständig abzudecken. Auch wenn der periphere Bereich nur dazu diene, das Gefühl von Präsenz in VR zu vermitteln, steigere dies die Immersion dennoch erheblich.
In handelsüblichen Geräten wird dieses Linsensystem so bald nicht auftauchen. Mit Herstellungskosten von rund 10.000 US-Dollar ist das Referenzdesign in erster Linie für industrielle und militärische Anwendungen vorgesehen.
PanoVR1: Eine Lösung für den Massenmarkt
Das zweite auf der Messe präsentierte Referenzdesign „PanoVR1“ ist dank seiner einfacheren Architektur deutlich erschwinglicher und bietet technische Eigenschaften, die stärker auf die Bedürfnisse des Konsumentenmarkts zugeschnitten sind. Auch hier kommen Pancake-Linsen zum Einsatz.
Das horizontale Sichtfeld beträgt im Vergleich zwar nur 160 Grad, dafür ist das für die Immersion so wichtige vertikale Sichtfeld auf 120 Grad erweitert. Auch dieses Referenzdesign zeigte Hypervision bereits früher. Neu daran sind die 2,7K-LCD-Panels von TCL, die eine höhere Pixeldichte von 28 PPD ermöglichten und dank Local Dimming bessere Schwarzwerte bieten.

Das Referenzdesign „PanoVR1“.
(Bild: Christian Steiner)
Eine VR-Brille mit diesem Linsensystem würde Meta Quest 3 in gleich drei wichtigen Punkten schlagen: beim Sichtfeld, bei der Auflösung und beim Kontrast, der sich dank Local Dimming OLED-Niveau nähert. Da PanoVR1 LCDs statt OLED-Mikrodisplays nutzt, fällt der Aufbau nicht ganz so kompakt aus wie bei Ultraslim 220.
Um PanoVR1 zu einem marktfähigen Preis anbieten zu können, arbeitet Hypervision derzeit mit mehreren Partnern daran, die Grundlagen für eine Massenfertigung zu schaffen. Diese Vorbereitungen sollen im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Eine Vermarktung des Linsensystems scheint damit nicht mehr allzu fern.
Eine VR-Brille mit Hypervision-Technik steht bereits in den Startlöchern: Das französische Start-up Lynx wird im Januar den Nachfolger seines Mixed-Reality-Headsets Lynx R-1 vorstellen und hat angekündigt, dass es über das bislang weiteste Sichtfeld aller autarken VR-Brillen verfügen wird. Laut Hypervisions Technikchef Arthur Rabner handelt es sich um ein anderes Linsensystem als PanoVR1, das kein ganz so weites Sichtfeld bietet. Das sei aber auch nicht nötig, weil das neue Lynx-Gerät auf Mixed Reality mit offener Peripherie setzt.
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Ein weites Sichtfeld stellt autarke VR-Brillen vor deutlich größere Herausforderungen als PC-VR-Geräte. Durch die größere Bildfläche müssen erheblich mehr Pixel und Objekte gerendert werden. Das bringt mobile Chips schnell an ihre Grenzen und erhöht die Wärmeentwicklung: beides Faktoren, die autarke Geräte limitieren und Hersteller wie Meta davor zurückschrecken lassen, ein größeres Sichtfeld als bisher anzustreben.
Wie groß die erforderliche Rechenleistung ist, zeigt Metas Forschungsprototyp „Boba 3“ mit einem Sichtfeld von 180 Grad horizontal und 120 Grad vertikal, der in diesem Jahr auf der SIGGRAPH demonstriert wurde: Er wurde von einer RTX 5090 angetrieben. Ein besonders weites Sichtfeld dürfte daher noch lange Zeit PC-VR-Brillen vorbehalten bleiben.
(tobe)
Künstliche Intelligenz
Weltraumteleskop James Webb: Neuer Rekord bei am weitesten entfernten Galaxien
Das Weltraumteleskop James Webb hat erneut einen Rekord gebrochen: Es hat die am weitesten entfernte Galaxie entdeckt und jetzt bestätigt. Die Galaxie mit der Bezeichnung MoM-z14 weist eine Rotverschiebung von 14,44 auf, haben die Verantwortlichen der Weltraumagenturen ESA, NASA und CSA jetzt bekannt gegeben. Das heißt, wir sehen sie so, wie sie gerade einmal 280 Millionen Jahre nach dem Urknall ausgesehen hat. Die Entfernung der bereits im Frühjahr 2025 entdeckten Galaxie ist spektroskopisch bestätigt worden, schreiben die Betreiber des Weltraumteleskops. Mit dem Fund hat das hochmoderne Instrument die Grenzen des für uns beobachtbaren Universums noch einmal weiter in Richtung des Urknalls verschoben.
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Instrument wirft immer neue Fragen auf
MoM-z14 gehört zu einer größer werdenden Gruppe von überraschend hellen Galaxien im frühen Universum, rufen die Forscher und Forscherinnen in Erinnerung. Davon gebe es 100-mal mehr, als laut den bisherigen Modellen möglich sein sollten. Wie bei MoM-z1 wurde bei einigen davon unerwartet viel Stickstoff nachgewiesen. Vorstellbar sei, dass in der viel dichteren Umgebung vergleichsweise kurz nach dem Urknall supermassereiche Sterne entstanden sind, die den Stickstoff produziert haben könnten, schreibt das Team. Das wären Sterne der allerersten Population, nach denen aktuell intensiv gesucht wird. Noch gibt es diesbezüglich aber nur verschiedene Hypothesen. Jeder neue Fund des Weltraumteleskops macht deutlich, wie dringend sie nötig sind.
Bei MoM-z14 gibt es demnach auch Hinweise darauf, dass sie inmitten eines dichten Nebels aus Wasserstoff liegt, den die frühesten Galaxien erst einmal wegräumen mussten, um das Universum transparent zu machen. Erst während dieser Reionisierung ist mehrere hundert Millionen Jahre nach dem Urknall der lichtdurchlässige Kosmos entstanden, den wir heute kennen. Während dieser „kosmischen Morgendämmerung“ haben die ersten Sterne und Galaxien die Elektronen von den Wasserstoffkernen (den Protonen) getrennt. Die konnten dann keine Photonen (also Licht) mehr absorbieren, das Universum wurde transparent. Das Weltraumteleskop James Webb wurde mit dem erklärten Ziel konstruiert, diesen Prozess zu beobachten.
Das Weltraumteleskop James Webb wurde am 25. Dezember 2021 gestartet, und zwar auf so ideale Weise, dass der eingesparte Treibstoff eine Verdoppelung der Missionsdauer auf 20 Jahre ermöglicht hat. Anfang Juli 2022 hat das Instrument dann die Forschungsarbeit aufgenommen und sorgt seitdem mit großer Regelmäßigkeit für wichtige und teils bahnbrechende Entdeckungen. Eine Reihe seiner Beobachtungen stellt unsere Annahmen zur Frühgeschichte auf die Probe. So wurden mit dem Gerät winzige, extrem helle und auffallend rote Lichtpunkte entdeckt, bei denen es sich womöglich nicht um überraschend reife Galaxien, sondern aktive Schwarze Löcher handelt. Vor zwei Jahren wurde außerdem eine unerwartet frühe Kollision zweier außergewöhnlich massereicher Galaxien gefunden.
(mho)
Künstliche Intelligenz
DMEA: Digital Health Messe wechselt Standort ab 2027
Die DMEA, die größte deutschsprachige Messe im Bereich digitaler Gesundheit, findet 2026 zum letzten Mal in Berlin statt. Grund sei eine strategische Neuausrichtung, teilte der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) mit, der die DMEA veranstaltet. Den neuen Standort der Fachmesse ab 2027 gibt der Verband noch nicht bekannt. Derweil kündigte die Messe Berlin an, ab 2027 gemeinsam mit dem Branchenverband Bitkom eine neue Fachmesse zum Thema Digital Health am Standort Berlin aufzuziehen.
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Laut einer Pressemitteilung des bvitg soll der Wechsel des Standorts vor allem dem Wachstum der DMEA in den vergangenen Jahren Rechnung tragen. „Der Standortwechsel eröffnet uns neue Möglichkeiten, das Format konsequent innovativer, internationaler und zukunftsgerichteter auszurichten“, betont der Hauptgeschäftsführer des bvitg Sascha Raddatz.
Konkreter wird Ecky Oesterhoff, Vorstandsmitglied des bvitg, in einem Beitrag für das Branchenportal kma Online. Mit den derzeit 870 Messeausstellern, 470 Rednern und über 20.000 Besuchern der DMEA sei der Messeplatz in Berlin schlicht an seine Grenzen gekommen. Die DMEA sei mittlerweile nicht mehr nur für den deutschsprachigen Raum bedeutend, sondern gewinne an Relevanz in Europa. Den englischsprachigen Teil der Messe wolle man für internationale Besucher stetig erweitern.
Neue Digital-Health-Messe angekündigt
Dass die Messe Berlin und der bvitg ihre Zusammenarbeit nicht nur aus Gründen der strategischen Neuausrichtung beendet haben, legt die zeitgleiche Ankündigung der Konkurrenzveranstaltung nahe. Im gleichen Zeitfenster der bisher in Berlin veranstalteten DMEA soll ab 2027 die „Smart Health Europe“ auf dem Berliner Messegelände stattfinden, teilte die Messe Berlin mit.
Die gemeinsam von der Messe Berlin und dem Bitkom veranstaltete Fachmesse will „Europas neue Leitveranstaltung für Digital Health“ werden und insgesamt internationaler ausgerichtet sein. Man wolle „zum zentralen Treffpunkt der europäischen Digital-Health-Community“ werden, schreibt die Messe Berlin.
Die Smart Health Europe würde damit zum europäischen Pendant der Smart Health Asia, die im Sommer 2026 zum ersten Mal in Singapur stattfindet.
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(rah)
Künstliche Intelligenz
FritzOS 8.20/8.21: Updates für drei Fritzbox-Router
FritzOS 8.20 beziehungsweise die Hotfix-Version 8.21 gelangt auf drei weitere WLAN-Router von Fritz. Die Glasfaser-Fritzbox 5690 und das DSL-Modell 7690 bekommen FritzOS 8.20. Der Kabel-Router Fritzbox 6670 Cable erhält FritzOS 8.21.
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Der Funktionsumfang ist bei beiden Versionen identisch. Der Hersteller spricht wie gehabt von mehr als 40 Neuerungen und Verbesserungen, darunter ein Ausfallschutz und ein überarbeiteter Online-Monitor.
Das FritzOS 8.21 für die Fritzbox 6670 Cable enthält Fehlerbehebungen, die zuvor andere Kabel-Router wie die Fritzbox 6690 betrafen. Es fehlten etwa IPv6-Adressen in der Übersicht zu den WireGuard-Verbindungen. Bei der Fritzbox 6670 Cable sollten diese Probleme gar nicht erst auftreten. Die Schwestermodelle 5690 und 7690 benötigen diese kabelspezifischen Zusätze nicht und erhalten daher FritzOS 8.20.
Die Updates lassen sich wie gehabt über die Weboberfläche anstoßen. Standardmäßig lässt sie sich über die IP 192.168.178.1 im Browser öffnen. Alternativ stellt Fritz die ISO-Dateien über einen Download-Server bereit. Der Fritz-Repeater 3000AX hat FritzOS 8.20 bereits Mitte Januar erhalten.
Neuerungen in der Übersicht
Eine Kernfunktion ist der sogenannte Failsafe: Per WAN, LAN oder USB können Nutzer ein Ausfallschutzgerät anschließen, auf das der Router bei Internetproblemen zurückgreift. Das Ausfallschutzgerät kann ein Modem, ein Router oder ein Mobilfunkstick für eine alternative Internetverbindung sein. Auch ein Smartphone mit USB-Tethering funktioniert in dem Modus.
Der Online-Monitor erhält zusätzliche Analysefunktionen. Nutzer können sich den gesamten Traffic der letzten zwei Wochen anzeigen lassen, aber auch nach Top-Verbrauchern und Einzelgeräten filtern. So kann man nachschauen, wer die Internetleitung am intensivsten nutzt.
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Weitere Verbesserungen umfassen das Fritz NAS mit neuer Upload-Freigabe zum Teilen ganzer Ordner, neue Optionen fürs Smart-Home und Erleichterungen beim Aufziehen von Mesh-Netzen.
(mma)
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