Künstliche Intelligenz
Microsoft: Aktienkurs wegen des schwächeren Cloud-Ausblicks abgeschmiert
Nachdem Microsofts Ausblick auf das kommende Cloud-Geschäft bei der Vorstellung der Geschäftszahlen verhaltener ausgefallen ist als erhofft, ist der Aktienkurs des US-Softwarekonzerns am Donnerstag um 10 Prozent abgesackt. Dazu dürfte der Fakt beigetragen haben, dass Microsoft zwar ein deutliches Plus der Buchungen von Cloud-Kapazität vermelden konnte, das aber vor allem OpenAI zu verdanken ist. Hier bleibt unklar, wann das KI-Unternehmen diese Kapazitäten tatsächlich bucht und vor allem bezahlt. Die erhebliche Kurskorrektur an der Börse ist für die Microsoft-Anteile der stärkste Rückgang seit März 2020, schreibt CNBC. Der Marktwert des Konzerns ist allein am Donnerstag um 357 Milliarden US-Dollar gefallen.
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Laut den am Mittwoch vorgestellten Geschäftszahlen hat Microsoft den Umsatz und die Gewinne zwar erneut deutlich gesteigert, wobei die Cloud-Geschäfte einmal mehr die größten Wachstumstreiber waren. Aber das prognostizierte Azure-Wachstum von 39 Prozent lag minimal unter den Erwartungen der Anleger und Anlegerinnen. Die Kurskorrektur hat sich deshalb schon im nachbörslichen Handel angedeutet, am Handelstag kam es dann aber deutlich dicker. Dabei hatte Microsofts Finanzchefin darauf verwiesen, dass man ein höheres Wachstum hätte erreichen können, wenn man mehr Cloud-Kapazität für die Kundschaft bereitgestellt und nicht für Microsofts eigene KI-Kapazitäten vorgehalten hätte. Das Argument hat augenscheinlich aber nicht verfangen.
Anders als bei Microsoft hat die Vorstellung der Geschäftszahlen bei Meta die Aktienmärkte regelrecht begeistern können. Die Aktien des Facebook-Konzerns haben allein am Donnerstag um mehr als 10 Prozent zugelegt. Wie es um das Cloud-Geschäft insgesamt steht und welche Erwartungen die anderen Schwergewichte der Branche haben, wird nächste Woche deutlicher werden, dann stellen Alphabet und Amazon ihre Geschäftszahlen vor.
(mho)
Künstliche Intelligenz
Zielwert 50 Hertz: Wie Europas Stromnetz stabil bleibt
Damit das europäische Stromnetz stabil läuft, muss die Netzregelung die Frequenz bei möglichst genau 50 Hertz halten. Das gelingt nur, wenn Verbraucher und Einspeiser jederzeit im Gleichgewicht sind. Speisen die Kraftwerke mehr Energie ein, als die Verbraucher entnehmen, steigt die Frequenz. Entnehmen die Verbraucher mehr, als eingespeist wird, fällt die Frequenz. Alle Teile des europäischen Verbundsystems – so die offizielle Bezeichnung – laufen synchron: Misst man 49,98 Hertz in Hamburg, misst man das auch in Barcelona oder Paris.
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Bereits Abweichungen von mehr als 0,2 Hertz deuten auf ein größeres Ungleichgewicht hin. Regelleistung soll das Gleichgewicht sicherstellen. Negative Regelleistung bedeutet, dass Kraftwerke abgeschaltet oder mit weniger Leistung betrieben werden. Positive Regelleistung heißt, dass weitere Kraftwerke oder zum Beispiel Batteriegroßspeicher zugeschaltet werden.

Das europäische Verbundsystem ist eines der vielen Stromverbundnetze.
(Bild: Alinor)
In einem Verbundnetz stabilisieren sich die Teilnetze gegenseitig: Fehlt es zum Beispiel in Frankreich an Energie, fließt sie aus anderen Mitgliedstaaten; hat Frankreich zu viel davon, fließt sie in andere Staaten. So werden Ungleichgewichte, die ein isoliertes nationales Netz überfordern würden, problemlos ausgeglichen. Wenn die Störung in einem Teilnetz nicht vom Verbundnetz behoben werden kann, wird das Teilnetz abgekoppelt, um das Verbundnetz zu schützen.
Blackout und Neustart
In Ausnahmefällen reicht die positive Regelleistung nicht aus und die Netzfrequenz fällt weiter. Unter 49 Hertz beginnt das Netz dann automatisch, Last abzuwerfen, also Verbraucher vom Netz zu trennen – was in der Regel zuerst große Industriebetriebe und danach auch Haushalte trifft. Sinkt die Frequenz weiter, schalten sich die Kraftwerke bei etwa 47,5 Hertz zum Selbstschutz ab. Teile des Netzes brechen zusammen, noch laufende Teile sind nicht mehr frequenzsynchron. Folgt darauf ein unkontrollierter, länger anhaltender Ausfall ganzer Regionen oder Länder, spricht man von einem Blackout. Zu Blackouts kommt es im Schnitt nur alle paar Jahre, wie im April 2025 in Spanien und Portugal.
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Nach einem Blackout kann sich das Netz nicht mehr von selbst stabilisieren. Es muss mit schwarzstartfähigen Kraftwerken, etwa Wasser- oder Gasturbinenanlagen, neu aufgebaut werden. Sie bilden einzelne Inselnetze, die wieder synchronisiert und anschließend schrittweise zusammengeschaltet werden, bevor die Verbraucher nach und nach ans Netz gehen. Der Neustart nach einem Blackout dauert Stunden oder gar Tage.
Stromverbund über Kontinente
Zum europäischen Verbundsystem gehören auch einige nordafrikanische Länder. Nach dem Blackout in Spanien und Portugal half unter anderem auch Marokko dabei, den Netzbetrieb wieder aufzubauen.
Weil das europäische Verbundsystem auch mit anderen Stromnetzen Energie austauscht – darunter dem britischen –, beeinflussen dortige Routinen die Stromflüsse in Kontinentaleuropa. In Großbritannien existiert ein Phänomen namens „TV pickup“: Wenn eine beliebte Fernsehsendung in die Werbepause geht oder endet, steigt die Netzlast sprungartig um mehrere Hundert Megawatt an – deutlich stärker als in anderen Ländern.
Zu den üblichen Effekten von Toilettengängen und dem Durst nach kalten Getränken – also zusätzlicher Beleuchtung, anspringenden Kühlschrankkompressoren und hochregelnden Pumpen der Wasserversorgung – kommt in Großbritannien der massenhafte Griff zum Wasserkocher für die traditionelle Tasse Tee hinzu. In der Halbzeitpause des EM-Finales England gegen Italien 2021 schoss die Netzlast gar um 1800 Megawatt nach oben – fast so viel, wie Berlin zu Spitzenzeiten benötigt.
(geb)
Künstliche Intelligenz
Qualcomm & Mediatek: Smartphone-Herstellung bricht ein
Die weltweit größten Zulieferer von Mobilprozessoren für Android-Smartphones zeigen die Auswirkungen der Speicherkrise. Bei Mediatek brach der Umsatz mit Smartphone-Prozessoren schon im ersten Quartal 2026 sequenziell um 18 Prozent ein. Qualcomm erwartet dagegen im zweiten Kalenderquartal 2026 einen Umsatzrückgang von 18 Prozent mit Snapdragon-Prozessoren für Smartphones.
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Mediatek ist unter anderem früher betroffen, weil die Firma vor allem Billigprozessoren für die Einstiegs- und Mittelklasse verkauft. Hier wirken sich hohe Speicherpreise als Erstes negativ aus. Zuletzt setzte die Firma knapp 2,4 Milliarden US-Dollar mit Smartphone-Prozessoren um. Qualcomms Snapdragons stecken hingegen öfter in teureren Smartphones. Die Firma setzte im ersten Quartal noch gut sechs Milliarden US-Dollar mit Mobilchips um. Im zweiten Quartal sollen es rund 4,9 Milliarden US-Dollar werden. Der Jahresvergleich sieht mit einem erwarteten Rückgang von 22 Prozent noch schlechter aus.
Zu den Zahlen im ersten Quartal sagte Qualcomms Finanzchef Akash Palkhiwala in einer Analystenkonferenz: „Der Umsatz […] entsprach den Erwartungen, da die OEMs bei der Handyproduktion aufgrund der Auswirkungen der schwierigen Speicherlage weiterhin zurückhaltend sind.“
Tiefpunkt im zweiten Quartal denkbar
Zumindest in China erwartet Qualcomm in den nächsten Monaten den Tiefpunkt. Ab dem dritten Kalenderquartal soll es wieder graduell hochgehen. Zwischen den Zeilen wird klar: Bis der Markt wieder das Niveau von vor der Speicherkrise erreicht, kann einige Zeit vergehen.
Marktbeobachter erwarten über das gesamte Jahr betrachtet einen Verkaufsrückgang von mindestens acht Prozent. Das entspräche rund 1,15 bis 1,2 Milliarden Smartphones. Mediateks Ausblick ist noch schlechter: Ein Einbruch von 15 Prozent sei möglich.
Qualcomms Aktie schießt dank KI-Ausblick hoch
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Qualcomms Aktie ist nach Bekanntgabe des Geschäftsberichts nur wegen eines Ausblicks auf eigene KI-Chips hochgeschossen. CEO Cristiano Amon sagte, dass Qualcomm im Dezember erste Custom-Chips an einen Hyperscaler ausliefern will. Um was für einen Chip es sich handelt, verschwieg Amon. Die Liefermengen dürften zu Beginn allerdings gering sein.
„Darüber hinaus schreitet die Entwicklung unserer führenden Rechenzentrums-CPUs und hochleistungsfähigen KI-Inferenzbeschleuniger gut voran“, führte der Firmenchef aus.
Mediateks Aktie ist nach dem eigenen Geschäftsbericht leicht im Plus. Die Firma agiert bei KI-Chips vor allem im Hintergrund durch Designhilfe bei Beschleunigern, unter anderem bei Googles neuer TPU-Generation. Wachstum bei KI-Chips soll den schwächelnden Smartphone-Markt ausgleichen.
Quartalsgewinne
Spartenübergreifend setzte Qualcomm im vergangenen Quartal 10,6 Milliarden US-Dollar um. Der Nettogewinn von 7,4 Milliarden US-Dollar ist nur aufgrund einer milliardenschweren Steuerwertberichtigung so hoch. Der Gewinn vor Steuern lag mit 2,2 Milliarden US-Dollar etwas unter dem Vorjahresergebnis, ebenso der Umsatz.
Im jetzt laufenden Quartal erwartet Qualcomm insgesamt 9,2 Milliarden bis 10 Milliarden US-Dollar Umsatz. Wachstum in Sparten wie Auto-Prozessoren gleichen das schwächelnde Smartphone-Geschäft etwas aus.
Mediateks Gesamtumsatz lag bei gut 4,7 Milliarden US-Dollar, der Nettogewinn bei 771 Millionen US-Dollar. Einen Quartalsausblick veröffentlicht Mediatek wie andere asiatische Unternehmen nicht.
(mma)
Künstliche Intelligenz
Apples CEO-Wechsel und die wilden Gerüchte: Giftige Vorschusslorbeeren
Der Führungswechsel bei Apple ist noch nicht vollzogen, da überschlagen sich bereits die Gerüchte: Vision Pro (teil-)eingestellt, MagSafe könnte gestrichen werden, Smart Glasses mit Gestensteuerung. Was sonst eher in Maßen durch die einschlägigen Kanäle sickert, kommt gerade in Schüben – und das dürfte kein Zufall sein. Apple hat einen neuen Hoffnungsträger: Im September übernimmt John Ternus den CEO-Posten von Tim Cook, der wiederum als Executive Chairman im Verwaltungsrat aktiv bleibt. Mit dem Apple-Chef in spe John Ternus verbinden viele Beobachter, dass da einer kommt, der sich etwas traut. Einer, dem die Entscheidungsfreude zugetraut wird, die man Tim Cook zuletzt nicht mehr zugesprochen hat – vor allem im KI-Bereich, aber nicht nur dort. Und so projiziert die Gerüchtebranche auf den noch-nicht-amtierenden CEO alles, was sie sich unter einem mutigen Apple vorstellt: radikale Schnitte, frischer Anfang, Ende der Kompromisse.
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Malte Kirchner ist seit 2022 Redakteur bei heise online. Neben der Technik selbst beschäftigt ihn die Frage, wie diese die Gesellschaft verändert. Sein besonderes Augenmerk gilt Neuigkeiten aus dem Hause Apple. Daneben befasst er sich mit Entwicklung und Podcasten.
Fällt MagSafe weg?
Dabei lohnt sich ein genauer Blick auf die Substanz der Gerüchte. Das Vision-Pro-Ende ist das stärkste von ihnen – MacRumors berichtet mit Verweis auf interne Quellen, dass das Hardware-Team sei aufgelöst und auf andere Projekte verteilt worden, darunter Siri. Interessant dabei: Ternus war der Überlieferung nach selbst skeptisch gegenüber der Vision Pro, zumindest in ihrer schweren 3500-US-Dollar-Form. Der CEO-Wechsel wäre tatsächlich ein guter Zeitpunkt, die Vision Pro aus dem Rennen zu nehmen. Tim Cook hat sie sich als Produkt zu eigen gemacht – er rückt ab September aus dem Fokus. Eine Abkehr muss dennoch nicht wie ein Eingeständnis aussehen, dass da etwas nicht funktioniert hat. Apple könnte es als allgemeine Neuordnung verkaufen und Ternus gleich so aussehen lassen, dass er anpackt: also keine Entscheidung gegen die Vision Pro, sondern für einen stärkeren Fokus.
Die Smart-Glasses-Gerüchte sind ebenfalls plausibel – Apple soll bereits an mindestens vier verschiedenen Brillen-Designs arbeiten. Das MagSafe-Gerücht hingegen ist das dünnste der drei: aufmerksamkeitsstark, aber kaum haltbar angesichts von Apples Zubehör-Strategie und dem Qi2-Standard, den Apple selbst mitgeprägt hat.
Zu hohe Erwartungen sind ein Korsett
Für Apple ist die Aufregung im Moment gar nicht schlecht. Die Diskussion belebt das Interesse. Wenn selbst das Streichen von MagSafe als realistisches Szenario durch die Tech-Medien geistert, traut man Apple immerhin Überraschungen zu. Der Konzern wirkt disruptiv. Bei allem Entsetzen über das Vorhaben werden Erinnerungen an beste Steve-Jobs-Zeiten wach: Ein CD-Laufwerk im Notebook weglassen? Das erschien damals auch wie ein Frevel, der sich als goldrichtige Entscheidung erwiesen hat.
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Aber genau hier beginnt das Problem. Wir haben es mit Cook selbst erlebt: Zu hohe Erwartungen werden für Apple zum Korsett. Wenn die Messlatte so liegt, dass nur der radikale Wandel als Erfolg gilt, kann jedes normale Produktjahr nur als Enttäuschung gelesen werden.
Alles über den Haufen zu werfen, wäre kein Mut
Die Realität wird nüchterner aussehen: Ternus übernimmt kein Apple in der Krise, sondern ein Apple in Kontinuität. Sein erstes Amtsjahr wird er damit verbringen, Cooks Entscheidungen überzeugend zu verkaufen, die gemessen an den Vorjahren schon aufregend genug sind – das iPhone Fold, das Jubiläums-iPhone 2027, womöglich ein MacBook Pro mit Touchscreen. Dinge, die seit Jahren in der Pipeline sind und deren Kurs längst gesetzt ist. Und an denen Ternus nebenbei maßgeblich als Hardware-Chef selbst beteiligt war.
Ein Apple, das über Nacht seine Strategie komplett umwirft, wäre kein mutiges Apple. Es wäre ein chaotisches. Folglich sind die gerade überbordenden Gerüchte zwar in gewisser Weise Vorschusslorbeeren, weil sie John Ternus etwas zutrauen, was man bei Tim Cook offenbar nicht mehr erwartet hat. Aber es sind giftige Beeren, weil sie die ohnehin hohe Messlatte für den neuen Apple-CEO unnötig noch höher anlegen. Und der dürfte neben seinen Alltagsaufgaben und den Hardware-Neuvorstellungen genug damit zu tun haben, zum Beispiel Apples KI-Kurs zu begradigen, die Drittentwickler bei Laune zu halten und Kritik an der Softwarequalität zu zerstreuen. Gesunde Skepsis gegenüber wilden Gerüchten, die in nächster Zeit sicher noch zunehmen werden, ist kein Pessimismus. Sie ist die Voraussetzung dafür, Apple fair zu bewerten.
(mki)
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