Digital Business & Startups
Wir haben viel gelernt – teilweise schmerzhaft
eleQtron, 2020 von Christof Wunderlich, Jan Leisse und Michael Johanning als Spin-Off des Lehrstuhls für Quantenoptik der Universität Siegen gegründet, „entwickelt, produziert, betreibt und vermarktet Rechenzeit auf Ionenfallenbasierten Quantencomputern“.
Schwarz Digits, EIC Fund, Ankaa Ventures, das Laser-Ausrüstungsunternehmen Precitec, NRW.Bank, IFB Hamburg und Altinvestor Earlybird investieren 57 Millionen Euro in das Unternehmen. Zuvor sammelte das Unternehmen, das derzeit über 100 Mitarbeitende beschäftigt, rund 16 Millionen ein.
Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründer Jan Leisse einmal ganz ausführlich über den Stand der Dinge bei eleQtron.
Wie würdest Du Deiner Großmutter eleQtron erklären?
Ich würde meiner Großmutter vermutlich sagen: Manche Probleme sind so komplex, dass selbst die besten Supercomputer der Welt irgendwann nicht mehr sinnvoll weiterkommen – zum Beispiel bei der Entwicklung neuer Materialien, Medikamenten, oder zum Beispiel in der Logistik. Wir bauen Computer, die auf eine ganz andere Art rechnen als heutige Computer – so genannte Quantencomputer. Diese sollen genau solche Probleme lösbar machen. Und eleQtron baut diese Maschinen mit einer eigenen patentierten Technologie.
War dies von Anfang an Euer Konzept?
Der technologische Kern war von Anfang an klar: Wir setzen auf Ionenfallen und unsere eigene MAGIC-Technologie, bei der Qubits mit Mikrowellen statt mit hochkomplexen Lasersystemen gesteuert werden. Am Anfang standen natürlich stark Forschung, Technologieentwicklung und die Frage im Vordergrund: Können wir diesen Ansatz wirklich in funktionierende Systeme übersetzen? Heute fokussieren wir uns darauf, diese Technologie in kommerzielle Produkte zu transformieren. Es geht nicht mehr nur darum, einen wissenschaftlichen Proof Point zu liefern, sondern robuste, betreibbare Quantencomputer zu bauen, Kundenzugang zu schaffen und konkrete Anwendungen mit Partnern zu entwickeln. Also kein klassischer Pivot im Sinne von „wir machen jetzt etwas völlig anderes“, sondern eher eine konsequente Weiterentwicklung: von der Forschungsidee zum skalierenden DeepTech-Unternehmen.
Wie hat sich eleQtron seit der Gründung entwickelt?
eleQtron wurde 2020 als Spin-off der Universität Siegen gegründet. Seitdem sind wir von einem kleinen Gründungsteam zu einem Unternehmen mit inzwischen mehr als 100 Mitarbeitenden gewachsen. Wir haben heute Standorte in Siegen und Hamburg, arbeiten mit führenden Forschungs- und Industriepartnern zusammen und konnten einen Auftragsbestand von über 54 Millionen Euro aufbauen. Zu unseren Kunden gehören unter anderem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DLR, im Rahmen der Quantencomputing-Initiative sowie das Forschungszentrum Jülich. Mit der aktuellen Series-A-Finanzierung über 57 Millionen Euro gehen wir nun in die nächste Phase: Skalierung der Technologie, Ausbau des Teams und unserer Kapazitäten.
Wie seid Ihr mit Euren Investor:innen in Kontakt gekommen?
DeepTech ist ein Markt, in dem Vertrauen, technologische Substanz und langfristige Perspektive entscheidend sind. Viele Gespräche entstehen deshalb nicht über klassische Pitch-Events, sondern über Netzwerke, gemeinsame Überzeugungen und intensive technische Due Diligence. Mit Earlybird hatten wir bereits sehr früh einen starken VC an Bord, der unser Potenzial erkannt hat. Für die Series A war uns dann wichtig, einen Lead-Investor zu finden, der nicht nur Kapital mitbringt, sondern auch strategisch versteht, worum es geht: Quantencomputing als kritische Zukunftsinfrastruktur. Schwarz Digits war dafür aus unserer Sicht der ideale Partner. Schwarz ist eine der finanzstärksten Unternehmensgruppen Europas und investiert gezielt in digitale Infrastruktur und technologische Souveränität. Das war für uns kein „Dumb Money“, sondern ein sehr bewusster strategischer Fit.
Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung so richtig schief gegangen?
In DeepTech geht ständig etwas schief. Das gehört quasi zum Geschäftsmodell – nur nennt man es dort meistens „Erkenntnisgewinn“. Wir bauen keine App, bei der man nach zwei Wochen A/B-Testing weiß, welcher Button besser funktioniert. Wir arbeiten an extrem komplexer Hardware, an physikalischen Grenzen, Engineering, Software, Systemintegration und gleichzeitig am Aufbau eines Unternehmens. Der Übergang von Forschung zu Produkt wird uns noch eine Weile begleiten. Eine Technologie im Labor zu demonstrieren ist das eine. Daraus ein robustes, skalierbares System mit klaren Prozessen, Roadmaps, Qualitätsstandards und Kundenanforderungen zu machen, ist eine ganz andere Aufgabe. Da haben wir viel gelernt – teilweise schmerzhaft, aber immer notwendig, sonst stünden wir heute nicht da, wo wir sind. Wichtig ist, Fehler bewusst zuzulassen, sie schnell zu erkennen und daraus nachhaltig zu lernen. Fail fast, eigentlich schon eine Binsenweisheit.
Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben sehr früh auf einen technologisch differenzierten Ansatz gesetzt – und daran konsequent festgehalten. Unsere MAGIC-Technologie ist der Kern unseres Unternehmens. Sie kombiniert die Vorteile von Ionenfallen – also sehr stabile, natürliche Qubits – mit mikrowellenbasierter Steuerung. Das ist aus unserer Sicht ein besonders vielversprechender Weg, um Quantencomputer skalierbar zu machen. Außerdem haben wir früh verstanden, dass Technologie allein nicht reicht. Man braucht ein starkes Team, ein belastbares Netzwerk aus Partnern, Kunden, Investoren und die Fähigkeit, ein funktionierendes Unternehmen aufzubauen. Wir können deshalb heute 54 Millionen Euro Auftragsbestand und eine 57-Millionen-Euro-Series-A vorweisen. Das schaffen nicht alle und darauf sind wir sehr stolz, dass uns das gelungen ist. Natürlich sind wir jetzt nicht „angekommen“. Wir haben wahnsinnig viel zu tun. Wir wollen weiter wachsen, unsere Technologie perfektionieren, unseren Kunden Zugang zu unseren Systemen verschaffen und mit unseren Maschinen echte Probleme lösen. Und genau dahin wird auch das frische Kapital fließen.
Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Nicht zu früh aufgeben – aber auch nicht zu lange an falschen Annahmen festhalten. Gerade in DeepTech braucht man eine sehr seltsame Mischung aus Sturheit und Lernfähigkeit. Man muss an eine große Vision glauben, obwohl der Weg dorthin oft ungewiss, teuer und unbequem ist. Gleichzeitig muss man bereit sein, ständig dazuzulernen, Pläne anzupassen und sich ehrlich anzuschauen, was funktioniert und was nicht. Mein zweiter Tipp wäre: Baut früh ein Team, das nicht nur technisch brillant ist, sondern auch unternehmerisch denken kann. Aus einer großartigen Technologie wird nicht automatisch ein großartiges Unternehmen. Mir hilft außerdem die Philosophie: „Don’t hire assholes!“ Ich bin unglaublich froh, dass wir es immer wieder schaffen, großartige Menschen mit Herz und Verstand an Bord zu holen.
Wo steht eleQtron in einem Jahr?
In einem Jahr wollen wir in der nächsten Skalierungsphase sichtbar weiter sein. Das heißt: Wir werden unser Team weiter ausgebaut haben, unsere Technologieplattform weiterentwickeln, die Industrialisierung unserer Systeme vorantreiben und gemeinsam mit Partnern konkrete Anwendungspfade weiter schärfen. Für uns ist die Series A kein Endpunkt und auch kein Selbstzweck. Sie ist der Startschuss für die nächste Phase. Einfach gesagt: In einem Jahr wollen wir weniger darüber sprechen, was Quantencomputing eines Tages leisten könnte – und mehr darüber, was unsere Systeme konkret ermöglichen.
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Foto (oben): eleQtron
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Nie wieder einkaufen gehen: Mit diesem KI-Prompt automatisiert ihr euren Alltag
Antong Yin hat ein KI-Startup gegründet – und delegiert als Poweruser auch seinen Wocheneinkauf an einen automatischen Workflow.
Einkaufen per Prompt: Der Gründer Antong Yin delegiert seinen Alltag an Künstliche Intelligenz (KI). Lebensmittel, Abende im Restaurant, Marketing für sein Startup – all das plant und erledigt ein KI-Agent für den Berliner. “In den vergangenen zwei Jahren haben sich viele neue Wege entwickelt, KI sinnvoll einzusetzen“, sagt er im Interview mit Gründerszene. „Automatisierungen und Coding sind mit Abstand die größte Zeitersparnis.“
Yin ist Co-Gründer und CEO von Acemate AI. Das Startup baut eine Lern- und Lehrplattform für Hochschulen und andere Bildungsträger. Anhand von Notizen und Vorlesungen generieren Userinnen und User mit Acemate Karteikarten, Lernaufgaben und Podcasts.
Für Yin selbst ist KI ein Sparringspartner für neue Ideen: „Manchmal rede ich einfach fünf bis zehn Minuten“ in einen Chatbot. Außerdem hat er Workflows gebaut, die für Acemate neue Kunden und Märkte recherchieren. Sie planen automatisch Werbebudgets und erstellen Kampagnen für Social Media.
Claude Cowork als „digitaler Mitarbeiter“
Diese Workflows baut Yin mit Claude Cowork. Hierfür beschreibt Yin im Chatfeld ein Ziel, und der KI-Assistent leitet daraus konkrete Aktionen ab. Das System erledigt Aufgaben selbstständig, wie ein “digitaler Mitarbeiter”. Es greift zu auf den Computer und kommuniziert mit zahlreichen Apps, etwa Slack, Powerpoint oder Google Chrome.
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Claude Cowork zerlegt also Textprompts in Teil-Schritte, die das Programm dann abarbeitet. Es sortiert Ordner auf dem Computer, erstellt Projekte oder erledigt Aufgaben im Internet-Browser. “Claude ist sozusagen mein Entwickler, wenn es um Automatisierungen oder weitere Coding-Tasks geht – ohne, dass ich heute noch eine einzige Zeile Code schreibe”, sagt Yin.
Die Technologie übernehme für ihn sogar den Wocheneinkauf und reserviere Tische in Restaurants. Wie das funktioniert, erklärt Yin im Interview. Er sagt: „Ich glaube, das kann wirklich jeder schreiben, der noch nie eine Zeile Code in seinem Leben gesehen hat.“
Das KI-Unternehmen Anthropic hat im Januar die kostenpflichtige Desktop-App veröffentlicht. Nur Abo-Userinnen und -User können Claude Cowork herunterladen. Während der Sitzungen brauchen Computer immer eine Internetverbindung.
Wer Routine-Aufgaben mit Claude Cowork löst, kann einen „Skill“-Prompt erstellen. Das ist eine Anleitung, ähnlich wie ein Handbuch oder eine Checkliste für Fachaufgaben. Diesen “Skill” speichert Claude Cowork als Vorlage, und ihr könnt ihn beliebig oft aktivieren. Dafür legt ihr einen Trigger fest, beispielsweise einen bestimmten Prompt. Wie immer gilt: Je präziser der Input, desto zielführender der Output.
Anthropic selbst warnt vor Sicherheitslücken in Claude Cowork. Denn die agentengestützte Arbeitsweise, der Internetzugriff und die Möglichkeit, eigenständig auf Websites und Computer zuzugreifen, bergen Risiken. Der Hersteller empfiehlt, keinen Zugriff auf lokale Dateien mit sensiblen Informationen zu gewähren – also etwa Finanzdokumente, vertrauliche Unterlagen oder persönliche Daten. Wer die Chrome-Erweiterung nutzt, sollte den Zugriff auf vertrauenswürdige Websites beschränken und sensible Konten außen vor lassen. Anthropic rät außerdem, Claude aktiv auf verdächtige Aktionen zu überwachen: unerwartete Klicks, ungewöhnliche Eingaben oder Hinweise auf sogenannte Prompt-Injection-Angriffe, bei denen externe Inhalte versuchen, die KI zu manipulieren. Besondere Vorsicht gilt beim direkten Computerzugriff – anders als bei anderen Cowork-Tools gibt es dort keine zusätzlichen Berechtigungsprüfungen.
Claude liest die Einkaufsliste – und bestellt im Onlineshop
Für seinen Wocheneinkauf hat Yin Claude Cowork befohlen, sich über den Chrome-Browser mit dem Online-Shop eines Supermarkts zu verbinden, in dem Yin sich einmalig im Browser angemeldet hat. Dafür nutzt der KI-Assistent automatisch sogenannte MCP-Schnittstellen. Außerdem soll er die “Reminders”-App auf Yins Apple-Notebook auslesen. Darin pflegt Yin nämlich unter dem Namen “Groceries” seine Einkaufsliste.
Folgenden Prompt hat Yin dafür in Claude Cowork geschrieben:
Erstelle einen Claude Cowork Skill, der meinen Wocheneinkauf auf REWE automatisiert. Lies meine Einkaufsliste aus Apple Reminders (Liste „Groceries“) via osascript. Übersetze jeden Artikel in einen kontextuell passenden deutschen Suchbegriff (z.B. Müllbeutel Bad -> Kosmetikeimer Müllbeutel 10L). Öffne REWE über Claude in Chrome MCP. Prüfe zuerst meine Kaufhistorie unter „rewe.de/shop/deine-produkte“. Wenn ein passendes Produkt dabei ist, direkt hinzufügen. Falls kein Match: REWE-Suche nutzen und die günstigste, kontextuell passende Option wählen. Lege alles in den Warenkorb, hake die Artikel in der Reminders-Liste ab und schick mir einen kurzen Bericht.
Sobald Yin den Skill aktiviert, liest Claude Cowork die Einkaufsliste aus. Anschließend öffnet es den Chrome-Browser. Hierfür hat Yin zuvor eine Claude-Extension zugelassen. Autonom ruft die KI den Online-Shop auf, sucht die gewünschten Produkte und legt sie in den Warenkorb.
Wenn Yin etwa regelmäßig denselben Gouda oder Feta kauft, kann Claude das aus der Historie erkennen und die Waren bevorzugen. „Bei Waren mit großer Preisspanne hilft es, im Prompt noch einmal genauer zu definieren, was man kaufen möchte“, sagt er. „Wenn ich zum Beispiel schreibe: ‚billiger trockener Rotwein zum Kochen‘, dann würde Claude nicht die teuerste Flasche herausholen.“
Der letzte Schritt bleibt bei Yin. „Am Ende schaue ich natürlich trotzdem noch einmal in den Warenkorb, bevor Claude Unsinn kauft.“ Erst dann bestellt er die Lieferung.
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Ein Assistent fürs Abendessen
Für Reservierungen im Restaurant nutzt Yin eine weitere Funktion von Claude Cowork: Scheduled Tasks. Manche Restaurants öffnen Reservierungen erst 14 oder 30 Tage im Voraus. Im Chat beschreibt Yin die Aufgabe, verlinkt das Buchungsportal, gibt Datum und Uhrzeit an und bestätigt. Ab diesem Moment läuft der Vorgang von selbst: Sobald das Buchungsportal die Tische freigibt, öffnet Claude Cowork den Browser, füllt das Formular mit Yins hinterlegten Kontaktdaten aus und bestätigt die Reservierung – ohne dass Yin selbst eingreifen muss. Eine Bedingung gilt jedoch: Sein Laptop muss zum vereinbarten Zeitpunkt online sein.
Sein Prompt:
Reserviere einen Tisch für 2 Personen am [Datum] um [Uhrzeit] über diesen Buchungslink: [Link]. Meine Kontaktdaten: [Name, Telefon, E-Mail]. Man kann erst 14 Tage im Voraus buchen — erstelle einen Scheduled Task, der die Reservierung automatisch am frühestmöglichen Tag aufgibt.
„Das finde ich das Schöne an KI: Der Zugang zu diesen tollen Technologien wird auf einmal demokratisiert“, sagt Yin. „Jeder kann seine eigenen Apps und seine eigenen Automatisierungen bauen. Ich bin sehr gespannt darauf, wie sich das in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren weiterentwickeln wird.“
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„Etwas Einzigartiges geschieht gerade“: Nvidias Startup-Chef sieht Deutschland vor KI-Boom

Mit seinem Startup-Programm Inception unterstützt NVIDIA weltweit mehr als 22.000 junge Unternehmen, in Deutschland sind rund 1000 Startups dabei.
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Von Freundin trennen, um mehr arbeiten zu können
Unter den eher unerwarteten Folgen des KI-Wettlaufs ist eine neue Trennungsfloskel aufgetaucht: Es liegt nicht an dir, sondern an meinem Startup.
Lee Beckman, 30, Gründer eines Edtech-Startups, führte etwa fünf Monate lang eine Fernbeziehung mit seiner Freundin, als ihm klar wurde, dass ihn der Aufbau seines Unternehmens so sehr auslaugte, dass ihm kaum noch Energie für die Beziehung blieb. Wenn er sie abends anrief, sei sein Kopf „so voll mit Informationen und dem Versuch, so viele Dinge gleichzeitig zu erledigen“, dass „kein Platz mehr im Gehirn übrig war“.
„Ich habe gemerkt, dass ich mich für meine mentale Gesundheit auf sie verlassen habe – und das fand ich nicht fair“, sagt Beckman.
Die panische Angst vor der dauerhaften Unterschicht
Auch Archish Arun, 21, war rund sechs Monate mit seiner Freundin zusammen, als er beschloss, Stanford abzubrechen und Vollzeit an seinem von Y Combinator geförderten Video-Produktions-Startup zu arbeiten. Er geriet so stark in das rasante Tempo eines Frühphasen-Startups, dass er ungeduldig wurde, wenn sie Zeit brauchte, um einen Streit zu verarbeiten – er wollte eine Lösung so schnell wie einen Bugfix. Das Leben im Startup-Takt habe „viele unserer Probleme viel schneller an die Oberfläche gebracht“, sagt er.
Das ist auch mir passiert. Wie viele junge Gründer ist mein Ex-Freund überzeugt, dass in den kommenden Jahren die Gewinne des KI-Booms an diejenigen gehen werden, die jetzt darauf aufspringen – während der Rest von uns in einer dauerhaften Unterschicht feststeckt. Wir waren neun Monate zusammen, als er mir sagte, dass er nach San Francisco ziehen werde, um Fellow bei Andreessen Horowitz zu werden und sein Medien-Startup zu skalieren – und dass er dafür unsere Beziehung in New York beenden müsse.
Der ständige KI-Druck, etwas aufzubauen
„Ich habe das Gefühl, ich schulde es mir selbst, diesem Traum nachzugehen, den ich seit meiner Kindheit habe“, sagte er. „Und wenn wir zusammenbleiben, werde ich jede freie Minute damit verbringen, zu versuchen, nach New York zurückzukommen, um dich zu sehen.“
Autsch. Mich traf vor allem das Gefühl völliger Kontrolllosigkeit. Ich entwickelte eine einseitige, fast parasoziale Abneigung gegen Marc Andreessen, von dem ich das Gefühl hatte, er habe mir meinen Freund gestohlen, ohne es überhaupt zu versuchen. Gleichzeitig wurde mir klar, dass ich damit nicht allein bin.
Dating, ohnehin schon chaotisch für karriereorientierte Menschen in ihren Zwanzigern, ist aus den Fugen geraten. Die Diagnosen sind vielfältig: Swipe-Kultur, Ghosting, eine wachsende Einsamkeitskrise, die zunehmende politische Kluft zwischen Männern und Frauen, wirtschaftliche Unsicherheit, die Menschen dazu bringt, Heirat hinauszuzögern. Und für eine bestimmte Gruppe kommt heute ein weiterer, besonders heikler Faktor hinzu: der Druck, etwas aufzubauen.
Lieber aufs Startup konzentrieren, statt auf die Beziehung
Angelockt von den Versprechen der Künstlichen Intelligenz schotten sich viele junge Gründer zunehmend von ihrem sozialen Leben ab. Im vergangenen Jahr sagte ein General Partner von Y Combinator der New York Times, das Durchschnittsalter der Teilnehmer liege inzwischen bei 24 Jahren – nach 30 im Jahr 2022. Die Gründer, mit denen ich für diese Geschichte gesprochen habe, betonten, dass sie gute Partner sein wollen. Doch zwischen den ohnehin schon enormen Anforderungen eines Frühphasen-Startups und dem „Jetzt-oder-nie“-Druck des KI-Booms haben viele ihre bestehenden Beziehungen aufgegeben, um sich ganz auf die Arbeit zu konzentrieren. Ihre Ex-Partner wollten sich dazu nicht äußern.
Wenn ein junger Gründer „eine Beziehung führen will, muss er sie mit derselben Zielstrebigkeit behandeln wie sein Unternehmen – und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er dazu nicht in der Lage ist“, sagt Amy Andersen, Dating-Coach aus dem Silicon Valley. Unter ihren Gründer-Klienten seien diejenigen, die bereit für eine ernsthafte Beziehung sind, meist Mitte bis Ende 30. „Mitte 20 eher nicht“, sagt sie.
Ich frage Andersen, was sie einem 26-jährigen Gründer raten würde, der darüber nachdenkt, eine gesunde Beziehung zu beenden, um sich auf den Aufbau seines Startups zu konzentrieren. Ich erwähne nicht, dass dieses hypothetische Szenario meine eigene Realität war.
„Ich halte das für eine gute Idee, weil er auf sich selbst hört und sehr ehrlich einschätzt, was er leisten kann“, sagt Andersen. „Wenn er sich für die Beziehung entscheiden würde, hätte er am Ende wahrscheinlich Reuegefühle. Und irgendwann würden die Frustration und die Realität, dass es schwer ist, beides unter einen Hut zu bekommen, an die Oberfläche kommen.“ Hart.
Ein Grund, warum es so schwierig ist, mit einem jungen Gründer zusammen zu sein, liegt darin, wie eng ihr Startup mit ihrer Identität verknüpft ist, sagt Yariv Ganor, ein Startup-Psychologe, der häufig mit Gründern in Beziehungen arbeitet. „Der Partner muss in gewisser Weise akzeptieren, dass das Startup Priorität hat. Das Startup ist oft eine Erweiterung der Gründerperson – viele sehen es als eine Art Verkörperung ihrer selbst“, sagt Ganor.
Für viele junge Gründer rückt Dating hinter den Aufbau ihres Startups zurück – weil es sich für sie schlicht unverantwortlich anfühlt, finanziell und emotional in etwas anderes zu investieren als in ihr Unternehmen.
„Ich investiere so viel und verbrenne jeden Monat so viel Geld mit meinem Business. Da wirkt es einfach nicht wirtschaftlich sinnvoll, zusätzlich ins Dating zu investieren“, sagt Beckman. Seit der Trennung von seiner Freundin im Jahr 2024 sei er auf gerade einmal zwei Dates gewesen. Mein Ex hat mir etwas Ähnliches gesagt: Er wolle in San Francisco erst einmal ein fast mönchisches, enthaltsames Leben führen.
Der „Hackathon-Ansatz“ beim Dating
Einige Gründer, die daten, haben gleichzeitig unrealistisch hohe Erwartungen daran, wie leicht sich der perfekte Partner finden lässt. Max Marchione, 25, Gründer des Longevity-Startups und Peptid-Anbieters Superpower, sagte mir, er würde einer Frau eine einwöchige „Probezeit“ geben – und in dieser Zeit prüfen, ob er sich ein Leben für immer mit ihr vorstellen kann.
„Es gab eine Phase, in der ich strikt gesagt habe: ‚Ich gehe gar keine Beziehung ein.‘ Jetzt ist es eher so: Wenn ich denke, dass ich jemanden vielleicht heiraten könnte, teste ich das eine Woche lang – und treffe danach eine Entscheidung“, sagt Marchione.
Andersen sagt, sie habe diesen „Hackathon-Ansatz“ beim Dating schon bei mehreren Gründern beobachtet. „Sie sind es gewohnt, voll reinzugehen, mit maximalem Einsatz zu testen, ob etwas funktioniert“, sagt sie. „Genau diese Mentalität hat ihnen wahrscheinlich auch zum Erfolg im Job verholfen.“ Sie hält sieben Tage allerdings für zu kurz, um jemanden wirklich kennenzulernen – hat aber auch mit Gründern gearbeitet, die innerhalb von zwei bis vier Wochen die Liebe gefunden haben.
Gründern fehle oft die emotionale Intelligenz, die Frauen suchen, die grundsätzlich offen dafür sind, sie zu daten, sagt Andersen. „Sie suchen jemanden, der die Balance zwischen IQ und EQ mitbringt. Und genau dieser EQ ist im Silicon Valley etwas schwerer zu finden“, sagt sie. Für viele Gründer sei „Kommunikation wahrscheinlich die am meisten unterschätzte Fähigkeit“.
Seine Ex-Freundin habe nicht zu ihm gepasst, weil sie „zwei bis drei Stunden Aufmerksamkeit pro Tag“ braucht
Um mit einem Early-Stage-Gründer eine Beziehung zu führen, braucht es einen bestimmten Typ Mensch. Dmitri Mirakyan, 31, sagt, seine Ex-Freundin habe nicht zu ihm gepasst, weil sie „zwei bis drei Stunden Aufmerksamkeit pro Tag“ gebraucht habe. Das sei „extrem schwer gewesen“, da er einen 9-to-5-Job hatte und parallel sein Startup Creed aufbaute, das sich selbst als „erste KI mit christlichen Werten“ bezeichnet.
Ganor sagt, am besten kämen Gründer mit Menschen zurecht, die „geben – also in Beziehungen viel einbringen, ohne ständig etwas im Gegenzug zu erwarten“.
Mirakyans aktuelle Freundin scheint genau so jemand zu sein. Sie spürt, was er braucht. Er erzählt, dass er vor einigen Monaten während der Hochzeitszeremonie eines Freundes in Indien in Panik geriet, weil es ein Problem mit seiner App gab.
Warum ich keine Gründer mehr date
„Eine völlig nachvollziehbare Reaktion wäre gewesen: ‚Du bist auf der Hochzeit meiner Freunde, du blamierst mich – was machst du da?‘ Das ist schon die zweite Hochzeit dieses Jahr, bei der ich meinen Laptop rausholen musste“, sagt Mirakyan. „Ich war sichtbar gestresst und am Handy – und statt genervt zu sein, hat sie mir das WLAN organisiert, einen Platz zum Sitzen gesucht und mir Snacks gebracht.“
„Für mich war es kein großes Problem, dass er einen Arbeitsnotfall hatte“, sagt seine Freundin. „Für mich war eher entscheidend: Es stresst ihn, und es stresst mich, ihn so zu sehen. Also wollte ich einfach helfen.“
Ich bin mir nicht sicher, ob ich so viel Geduld gehabt hätte. Mich hat es schon genervt, wenn mein Ex vergessen hat, ein Restaurant zu reservieren und wir dann irgendwo anstehen mussten – oder wenn er Pläne abgesagt hat, um nicht mit zu den Partys meiner Freunde zu kommen, sondern stattdessen die Nacht durchzucoden.
Ich date inzwischen keine Early-Stage-Gründer mehr. Mein neuer Freund ist verlässlich, entspannt und macht um 18 Uhr Feierabend. Er ist Engineer bei einem Big-Tech-Konzern. Vielleicht wird er eines Tages von KI ersetzt und landet in der permanenten Unterschicht – aber wenigstens haben wir Zeit füreinander.
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