Digital Business & Startups
Woran die meisten KI-Startups scheitern werden
Fabian Westerheide ist Gründungspartner des KI-fokussierten Venture-Capital-Investors AI.FUND und investiert seit 2014 privat über Asgard Capital in KI-Unternehmen. Westerheide berät öffentliche und private Institutionen strategisch im Bereich KI und lädt jährlich zur KI-Konferenz Rise of AI nach Berlin ein.
Die meisten KI-Startups scheitern nicht, weil ihre Technologie schlecht ist. Sie scheitern, weil Microsoft ihr Geschäftsmodell integriert.
Genau das erleben wir gerade. Die eigentliche Entwicklung ist nicht, dass Foundation Models zur Commodity werden. Die größere Verschiebung findet eine Ebene darüber statt: LLMs entwickeln sich zur Infrastruktur-Schicht bestehender Plattformen. Damit wandert auch die Wertschöpfung nach oben – in Orchestrierung, Integration, Datenzugang, Governance und Distribution.
Die großen Plattformen integrieren KI-Agenten und Workflow-Automation inzwischen direkt in ihre Kernprodukte. Sobald Agenten Teil der Standardsoftware werden, greift eine alte Plattformregel: Die Plattform verdrängt die Ergänzungen.
Viele KI-Startups raisen aktuell Kapital für Produkte, die bei Microsoft, Salesforce oder SAP bereits auf der Roadmap stehen.
Wo Verdrängung entsteht
„LLM plus schönes Interface“ reicht nicht mehr
Viele KI-Produkte verlieren nicht wegen schlechter Technologie, sondern weil sie kein eigenes Recht am Kunden besitzen. Sobald die großen Plattformen eine solide 80-Prozent-Lösung nativ integrieren, wird das Produkt schnell zum Nice-to-have. Und genau diese Budgets verschwinden in schwierigeren Marktphasen zuerst.
Horizontale Copilots werden austauschbar
Standard-Use-Cases wie Zusammenfassungen, Meeting-Recaps oder das Verfassen von E-Mails sind längst Teil der Plattformen geworden. Wer hier nur „ein bisschen besser“ sein möchte, konkurriert am Ende gegen die nächste Produktankündigung.
Die größte Gefahr für viele KI-Startups ist deshalb nicht OpenAI, sondern der nächste Copilot-Rollout.
Unternehmen kaufen keine Demo mehr
Der neue Standard lautet: Agenten, Tools, Workflows und Kontrolle.
Enterprise-Kunden kaufen heute nicht mehr nur Antworten, sondern operative Ausführung – inklusive Logs, Rollen, Policies, Monitoring, Nachvollziehbarkeit und Haftungsfähigkeit. Wer das nicht liefern kann, bleibt dauerhaft im Pilotprojekt hängen. Und genau diese Pilotitis ist das stille Sterben vieler B2B-KI-Startups.
Deshalb verschwinden gerade ganze Startup-Wellen innerhalb weniger Jahre, ähnlich wie früher Produkte, die durch native Plattformfunktionen ersetzt wurden.
Wo echte Chancen entstehen
Die nächste große Lücke liegt nicht im nächsten Chatbot.
Sie entsteht dort, wo Plattformen keinen automatischen Zugriff haben: in realen Prozessen, proprietären Daten und operativer Verantwortung.
Regulierte Märkte
Bereiche wie Public Sector, Finance, Healthcare oder kritische Infrastruktur kaufen keine Prompt-Magie, sondern Betriebsfähigkeit. Entscheidend sind Datenhoheit, Auditierbarkeit, Compliance-by-design und klare Verantwortlichkeiten. Gerade hier können europäische Anbieter echte Vorteile entwickeln, weil Vertrauen, Rechtssicherheit und lokale Infrastruktur plötzlich strategisch relevant werden.
Vertikale Workflows mit proprietären Daten
Maschinendaten, Produktionsrealität, Lieferketten, Feldservice oder proprietäre Dokumentenbestände schaffen echte Eintrittsbarrieren. Der Unterschied zwischen einem Feature und einem Unternehmen lautet heute nicht mehr „wir nutzen KI“, sondern „wir besitzen den Prozess“.
Infrastruktur statt Killer-App
N8n ist dafür ein gutes Beispiel. Nicht die eine große KI-Anwendung, sondern das Workflow-Rückgrat zwischen Tools, Systemen und Agenten. Solche Bausteine gewinnen, wenn KI zum Betriebssystem wird. Denn jede Agenten-Architektur braucht am Ende Schnittstellen, Rechtekonzepte, Monitoring und Workflow-Orchestrierung. Wer diese Infrastruktur liefert, sitzt an einer robusten Stelle der Wertschöpfungskette.
Europa unterschätzt sich selbst
Europa hat längst mehr als nur Modell-Debatten.
Unternehmen wie Mistral, Celonis, DeepL, Helsing oder Synthesia zeigen, wo KI tatsächlich Wert erzeugt: in Prozessen, industrieller Realität, sicherheitskritischen Systemen und realen Enterprise-Anwendungen.
Dort wird langfristig Geld verdient, nicht im nächsten generischen KI-Wrapper.
Die drei entscheidenden Fragen für 2026
1. Werde ich in zwölf Monaten ein Button in Microsoft, SAP oder Salesforce?
Wenn die Antwort Ja lautet, braucht es etwas, das nicht kopierbar ist: Prozessmacht, Datenzugang oder Distribution.
2. Was ist mein unfairer Vorteil?
Daten, regulatorischer Zugang, bestehende Kundenbeziehungen, Hardware- oder Edge-Zugang – irgendetwas, das sich nicht innerhalb eines Quartals replizieren lässt.
3. Baue ich ein Produkt oder betreibe ich ein System?
Agenten sind kein Feature. Agenten sind Betrieb. Wer in diesem Markt bestehen will, muss Themen wie Rechte, Monitoring, Qualitätssicherung, Failover und Kostenkontrolle beherrschen.
Genau dort entstehen die neuen Budgets.
Fazit: KI wird OS
Die Bereinigung im KI-Markt kommt nicht, weil KI kleiner wird. Sie kommt, weil KI zunehmend Teil von allem wird.
Und sobald KI zum Betriebssystem wird, überleben nicht die lautesten Wrapper, sondern die Unternehmen, die Prozesse besitzen, Distribution kontrollieren oder die Infrastruktur liefern, ohne die keine Agenten-Ökonomie stabil funktionieren kann.
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„Two and a Half Men“-Star Ashton Kutcher startet neuen KI-Fonds
Als Schauspieler wurde Ashton Kutcher weltberühmt, als Investor gehört er längst zu den erfolgreichsten im Silicon Valley.
Hollywood-Star Ashton Kutcher startet einen neuen Venture-Capital-Fonds. Der Schauspieler und Investor verlässt nach elf Jahren den von ihm mitgegründeten VC-Fonds Sound Ventures und gründet gemeinsam mit Morgan Beller eine neue Investmentfirma. Das berichtet das The Wall Street Journal.
Beller war zuletzt General Partner beim Seed-Investor NFX und arbeitete zuvor bei Meta an dem Krypto-Projekt Libra sowie als Partner bei Andreessen Horowitz.
Fokus auf KI-Infrastruktur statt KI-Modelle
Der Wechsel gilt nicht als Reaktion auf Probleme bei Sound Ventures. Im Gegenteil: Der Fonds zählt zu den erfolgreicheren Investoren der vergangenen Jahre und war früh an Unternehmen wie OpenAI, Anthropic, World Labs, Brex und Gusto beteiligt.
Spannend ist vor allem der neue Investmentfokus: Während Sound Ventures zuletzt verstärkt auf etablierte KI-Unternehmen setzte, will Kutcher künftig bereits in einer deutlich früheren Phase investieren – und zwar vor allem in KI-Infrastruktur, Energie und Deeptech. Gemeint sind etwa Rechenzentren, Stromversorgung oder Technologien, die die nächste Generation von KI überhaupt erst ermöglichen.
Laut dem Wall Street Journal waren unterschiedliche Vorstellungen über die Ausrichtung des Fonds einer der Gründe für die Trennung. Kutcher bleibt Sound Ventures dennoch als Berater erhalten, während sich die Partner beider Fonds künftig gegenseitig unterstützen.
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+++ Quantum Systems +++ Theo +++ Fusion Bionic +++ Squer +++ seedtrace +++ Kloster Kitchen +++
#StartupTicker
+++ #Wochenrückblick +++ Quantum Systems +++ Theo +++ Fusion Bionic +++ Squer +++ KoRo +++ seedtrace +++ Rauch +++ Kloster Kitchen +++ The Exploration Company +++ European Astrotech +++ Green Club +++ Livekindly Collective +++ Greenforce +++

Was gibt’s Neues? In unserem #Wochenrückblick liefern wir einen schnellen Überblick darüber, was in der deutschsprachigen Startup-Szene zuletzt wirklich wichtig war!
#STARTUPLAND

STARTUPLAND: Founders. VCs. Visionaries
+++ Am 10. März 2027 findet im RheinEnergieStadion in Köln unsere vierte STARTUPLAND Conference statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über STARTUPLAND
#Wochenrückblick – Was zuletzt wirklich wichtig war!
STARTUP-RADAR
Brandneu
+++ In den vergangenen Tagen haben wir folgende Startups vorgestellt: Pace Race, ContextFab, nu:legal, ContexMesh, CyberSafe24, peeps, Zelara, MARIMET, encosa, Whaaat AI, SYLO, Neura Space, Shark Finance, Camperr und IX Gruppe. Mehr im Startup-Radar
Newsletter
+++ Im Startup-Radar-Newsletter, unserem kostenpflichtigen Newsletter, berichten wir über diese Startups: mkind, Wakeline, Zapdesk, valueverde, Previty, Seppy, patchley, Knowlix, SudZero, praedia, Stabley, NoraNotes.ai, FamilyStories, re-entry und mevio. 30 Tage kostenlos testen
INVESTMENTS
Quantum Systems
+++ Blackstone, Noteus, Airbus, Advent, BOND, Fidelity Management & Research Company, Wellington Management, A.P. Moller Holding, Elephant Lake Ventures Balderton und HV Capital investieren 1,2 Milliarden US-Dollar in Quantum Systems. Mehr über Quantum-Systems
Theo
+++ Der New Yorker Venture Capitalist Insight Partners und Blackrock investieren 25 Millionen Euro (Fremd- und Eigenkapital) in Theo, zuletzt als Hallo Theo unterwegs. Mehr über Theo
Fusion Bionic
+++ Stream Capital, TGFS-Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS), Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Sachsen (MBG) und die (SBG) – Sächsische Beteiligungsgesellschaft investieren 5,8 Millionen Euro in Fusion Bionic. Mehr über Fusion Bionic
Squer
+++ Die Berliner Beteiligungsgesellschaft Sophora Unternehmerkapital investiert eine „mittlere achtstellige“ Summe in Squer – siehe Brutkasten. Mehr über Squer
MERGERS & ACQUISITIONS
KoRo – seedtrace
+++ Das Berliner Food-Grownup KoRo übernimmt (Erwerb der IP) das Berliner Lieferketten-Startup seedtrace. Mehr über KoRo
Rauch – Kloster Kitchen
+++ Der österreichische Fruchtsafthersteller Rauch übernimmt das insolvente Ingwer-Shot-Startup Kloster Kitchen – siehe auch aboutdrinks. Mehr über Kloster Kitchen
The Exploration Company – European Astrotech
+++ Das deutsch-französische NewSpace-Startup The Exploration Company (TEC) übernimmt das 2027 gegründete Unternehmen European Astrotech Ltd (EAL), das sich unter anderem um Antriebssysteme für Raumfahrzeuge kümmert. Mehr über The Exploration Company
Green Club
+++ Die beiden Green Club-Macher Tobias Drabiniok und Peter Falk übernehmen die Anteile ihres langjährigen Investors Dirk Schneider (BackWerk, Hans im Glück), der zuletzt 100 % am Unternehmen aus Essen hielt. Mehr über Green Club
Livekindly Collective – Greenforce
+++ Das New Yorker Veggie-Unternehmen Livekindly Collective übernimmt das 2020 gegründete Münchner Fleischersatz-Startup Greenforce – siehe Lebensmittel Zeitung. Mehr über Greenforce
OFFLINE
Grenion
+++ Pleite! Die Mannheimer Grenion Group, zu der Marken wie HelloBody, Banana Beauty und Mermaid+Me gehören, ist insolvent. Mehr über Grenion
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Shutterstock
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KI schreibt fast den gesamten Code – doch der Boom hat seinen Preis
In Startups entsteht fast jede Zeile Code mit KI – doch mit der neuen Geschwindigkeit wächst auch ein unerwartetes Problem.
Bei Alma, einer KI-App für Ernährungscoaching, wird inzwischen nahezu jede Zeile Code von künstlicher Intelligenz geschrieben. „Ich übertreibe nicht“, sagt Mitgründer und CEO Rami Alhamad. „Fast alles, was wir veröffentlichen, wird von KI generiert.“
Mit Alma ist das Unternehmen nicht allein. In einer Umfrage unter mehr als zwei Dutzend Startup-Gründern und Venture-Capital-Investoren stellte Gründerszene fest, dass KI sich innerhalb kürzester Zeit zum wichtigsten Autor von Startup-Code entwickelt hat. Das mit Abstand bevorzugte Werkzeug: Claude Code von Anthropic.
Milliarden fließen in KI-Programmierer
Programmieren entwickelt sich gerade zum vielleicht wichtigsten Anwendungsfall generativer KI. Investoren stecken Milliarden in Startups wie Lovable, Replit und Cursor.
Vergangene Woche kündigte SpaceX an, Cursor für 60 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Anthropic hat zudem die Unterlagen für einen Börsengang eingereicht, der noch in diesem Jahr erwartet wird.
„KI hat jedem eine Kreissäge in die Hand gedrückt“
Für Dan Lorenc, Mitgründer und CEO des Cybersicherheitsunternehmens Chainguard, ist der Wandel enorm.
„KI hat jedem eine Kreissäge in die Hand gedrückt“, sagt er. „Man arbeitet viel schneller, aber es ist auch deutlich einfacher, sich dabei einen Finger abzuschneiden. Im Moment versucht jeder herauszufinden, welche Sicherheitsvorkehrungen nötig sind, um diese Technologie verantwortungsvoll einzusetzen.“
Lorenc lässt inzwischen seinen gesamten Code von Claude Code erzeugen. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei rund 60 Prozent.
„Damals hat man den Code noch selbst geschrieben, und die Sprachmodelle haben einem höchstens etwas Tipparbeit abgenommen“, sagt er. „In den vergangenen vier bis sechs Monaten sind die Modelle und die Entwicklungswerkzeuge so gut geworden, dass man sie hauptsächlich noch steuert. Was früher Wochen oder Monate dauerte, lässt sich heute in Stunden oder wenigen Tagen erledigen.“
Entwickler schreiben kaum noch selbst
Ähnlich sieht es bei Wordsmith AI aus, einer KI-Plattform für Rechtsteams. „Menschen schreiben nur noch sehr wenig Code direkt selbst“, sagt CTO und Mitgründer Volodymyr Giginiak. „Die entscheidende Frage ist heute nicht mehr, wer den Code schreibt, sondern wie viel Eigenständigkeit die KI dabei besitzt.“
Aktuell erledigt KI nach seiner Einschätzung etwa zehn Prozent aller Aufgaben vollständig autonom. In einem Jahr könnten es bereits 80 bis 90 Prozent sein.
„Softwareentwicklung verschwindet nicht – sie wird grundlegend neu organisiert“, sagt er. „Die wertvollsten Entwickler werden diejenigen sein, die den richtigen Kontext schaffen, damit KI effektiv arbeiten kann.“
Der Preis für das höhere Tempo
Doch die neue Geschwindigkeit hat ihren Preis. Viele Gründer berichten von fehlerhaftem, schlecht wartbarem oder unnötig kompliziertem KI-Code. „Der Trend, den ich für 2026 sehe: Die ,Vibe-Coding‘-Blase wird eine Welle fragiler und kaum wartbarer Produkte hervorbringen, die von Menschen entwickelt wurden, die sie nach dem Launch gar nicht langfristig betreuen können“, sagt Zukunftsforscher Jason Alan Snyder.
Investoren sprechen bereits von einer „Cleanup Tax“
Auch Almas Investor Menlo Ventures warnt vor den Schattenseiten. In einem Bericht aus dem vergangenen Dezember bezeichnet die VC-Firma das Phänomen als „Cleanup Tax“.
Die Produktivitätsgewinne beim Schreiben von Code könnten durch den zusätzlichen Aufwand für Fehlerbehebung und Qualitätssicherung teilweise wieder verloren gehen. Das führe zu einem „ROI-Paradox“: KI macht Entwickler zwar deutlich schneller, erzeugt aber gleichzeitig neue Arbeit.
Menschliches Urteilsvermögen wird wichtiger
Auch bei Blueprint, einem Startup für KI-Software im Gesundheitsbereich, wird inzwischen fast der gesamte Code von KI geschrieben. Im August vergangenen Jahres lag dieser Anteil noch bei 40 Prozent.
CEO Danny Freed sieht darin vor allem einen Vorteil: Neue Ideen lassen sich heute deutlich günstiger und schneller testen. Dennoch seien menschliche Entwickler wertvoller denn je. „Geschmack und Urteilsvermögen sind heute entscheidender als jemals zuvor“, sagt Freed. „Nur weil etwas gebaut werden kann, heißt das noch lange nicht, dass es auch gebaut werden sollte.“
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