Künstliche Intelligenz

Xreal vs. Viture: Worum es beim Patentstreit der Display-Brillen geht


Xreal und Viture sind die beiden führenden Hersteller von Display-Brillen. Seit Herbst sind die Unternehmen in einen Rechtsstreit verwickelt, der in Deutschland seinen Lauf nahm und inzwischen internationale Dimensionen angenommen hat.

Weiterlesen nach der Anzeige

Xreal warf Viture zunächst vor, das europäische Patent EP 3 754 409 B1 verletzt zu haben. Das Patent beschreibt eine spezifische Bauweise der für Display-Brillen typischen „Birdbath“-Optik und wurde im Mai 2025 erteilt. Viture hat beim Europäischen Patentamt Einspruch gegen die Erteilung des Patents eingelegt.

Nachdem Viture eine Abmahnung wegen Patentrechtsverletzung unbeantwortet gelassen hatte, beantragte Xreal im September beim Landgericht München I eine einstweilige Unterlassungsverfügung. Das Gericht gab dem Antrag noch im selben Monat statt. Die Verfügung untersagte Viture vorläufig, Geräte in Deutschland zu verkaufen, die das Patent verletzen.

Viture weist die Vorwürfe des Konkurrenten im eigenen Subreddit zurück und schreibt, dass er sowohl Berufung gegen die einstweilige Verfügung eingelegt als auch einen formellen Einspruch gegen die Gültigkeit des Patents eingereicht hat.

Gemäß Gerichtsunterlagen, die heise online vorliegen, hat Xreals Anwaltsteam Viture die Unterlassungsverfügung nicht rechtzeitig innerhalb der einmonatigen Frist ordnungsgemäß zugestellt. Infolge dieses formellen Fauxpas hob das Gericht die einstweilige Verfügung im November wieder auf, sodass Viture seine Display-Brillen weiterhin uneingeschränkt in Deutschland und anderen EU-Märkten vertreiben darf.

Mit der Aufhebung der Unterlassungsverfügung ist der Rechtsstreit jedoch keineswegs beendet. Das Damoklesschwert eines neuen Antrags oder Hauptsacheverfahrens hängt weiter über dem Unternehmen, zumal das Gericht die Patentverletzung zum Zeitpunkt der Verfügung als gegeben ansah. Die aktuellen Ereignisse dürften also erst das Vorspiel eines länger währenden Rechtsstreits sein.

Weiterlesen nach der Anzeige

Die Patentfehde hat sich zudem auf die USA ausgeweitet. Am 15. Januar 2026 reichte Xreal eine Patentklage bei einem texanischen US-Bezirksgericht ein. Sie wirft Viture die Verletzung des US-Patents Nr. 11.988.839 vor, das sich inhaltlich weitgehend mit dem europäischen Patent deckt.

„Bei der Klage geht es um mehr als nur ein einzelnes Patent“, schreibt Xreal in einer Pressemitteilung. Das Unternehmen wolle damit gegen systematische Patentverletzungen vorgehen.

Viture wiederum schreibt, dass das Patent größtenteils durch den Stand der Technik abgedeckt sei und bezichtigt Xreal der gezielten Desinformation.

Im Gegensatz zu eigenständigen Computern wie Apple Vision Pro oder Meta Quest 3 fungieren Display-Brillen eher als tragbare Monitore. Die Brillen werden per Kabel an externe Endgeräte wie Smartphones, Handhelds, Konsolen oder PCs angeschlossen und projizieren deren Inhalte auf ein virtuelles Display, das ein Sichtfeld von circa 50 Grad abdeckt. Obwohl Viture ein jüngeres Unternehmen ist (gegründet 2021, während Xreal bereits seit 2017 besteht), gleichen sich die Produkte beider Hersteller in puncto Ausstattung und Features mittlerweile stark.

Xreal hat mit den Modellen 1S und Neo erst kürzlich zwei neue Produkte eingeführt. Für dieses Jahr sind mindestens zwei weitere Geräte in Partnerschaft mit Asus und Google angekündigt. Das erste ist die für Gaming entworfene Display-Brille ROG Xreal R1, die eine Bildrate von bis zu 240 Hertz unterstützt und ein Kontrolldock für den gleichzeitigen Anschluss mehrerer Zuspieler bietet.

heise online XR-Briefing abonnieren

Jeden zweiten Montag, liefern wir Ihnen die wichtigsten Entwicklungen der XR-Branche. Damit Sie alles im Blick behalten.

E-Mail-Adresse

Ausführliche Informationen zum Versandverfahren und zu Ihren Widerrufsmöglichkeiten erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Das zweite Produkt entsteht unter dem Namen „Project Aura“ gemeinsam mit Google, läuft auf Basis von Android XR und wird wie Samsung Galaxy XR als „räumlicher Computer“ vermarktet. Anfang des Jahres gaben Google und Xreal eine mehrjährige Verlängerung ihrer strategischen Partnerschaft bekannt, wobei Xreal künftig als „führender Hardwarepartner für das Android-XR-Ökosystem“ fungieren soll. Kurz danach berichtete Bloomberg, dass das Unternehmen weitere 100 Millionen US-Dollar an Investitionskapital eingesammelt hat.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass es beim Rechtsstreit längst nicht mehr nur um Technik, sondern um die Positionierung beider Akteure auf einem Markt geht, der ein wachsendes Potenzial birgt.


(tobe)



Source link

Beliebt

Die mobile Version verlassen