Künstliche Intelligenz
CloudLand 2026: Jetzt noch Vorschläge einreichen für das Cloud-Native-Festival
Das CloudLand-Organisationsteam lädt Entwicklerinnen und Entwickler, Architektinnen und Architekten, DevOps-Teams, Start-ups sowie Cloud-Enthusiasten dazu ein, das Programm des Cloud-Native-Festivals vom 19. bis 22. Mai 2026 erneut aktiv mitzugestalten. Gefragt sind Beiträge, die das breite Spektrum des Cloud-Native-Ökosystems abdecken – von Containern und Kubernetes über Platform Engineering und Observability bis hin zu KI in der Cloud und Security.
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Call for Papers: Beiträge für CloudLand 2026 gesucht
Der Call for Papers läuft bis zum 28. November 2025. Gesucht werden nicht nur klassische Vorträge, sondern vor allem interaktive, kreative und experimentelle Formate, die Wissen praxisnah vermitteln und die Community einbinden. Alle angenommenen Hauptvortragenden erhalten freien Zugang zum Festival.
Vielfalt an Formaten: Von Hands-on-Sessions bis Late-Night-Learning
Als Mischung aus Festival, Fachkonferenz und Community-Camp legt CloudLand besonderen Wert auf vielfältige Formate, den Austausch auf Augenhöhe und aktive Mitmachangebote. Im Bereich „Hands-on & Deep Dive“ können Referierende etwa praxisorientierte Workshops oder sogenannte Architecture Dojos anbieten, bei denen gemeinsam komplexe Systeme entworfen werden. Auch Wettbewerbe wie die „Troubleshooting Olympics“, bei denen Teams um die schnellste Bug-Fix-Zeit konkurrieren, sind im Programm ausdrücklich erwünscht.
Für Diskussion und Austausch stehen Formate wie Fishbowls, Podiumsdiskussionen oder moderierte Q&A-Sessions zur Auswahl. Wer lieber spontan arbeitet, kann in Open-Space- oder Unconference-Sessions eigene Themen vor Ort gestalten.
Darüber hinaus sucht das CloudLand-Organisationsteam Formate, die Unterhaltung und Wissensvermittlung kombinieren. Beispiele dafür sind etwa der „Cloud Native Escape Room“, das auf Start-ups ausgelegte „Innovation Shark Tank“-Pitchformat oder das „Cloud Native Pub Quiz“. Ergänzt werden diese durch kreative Sessions wie „Karaoke Code Reviews“ oder „Late Night Learning“ – informelle Gespräche und Wissensaustausch in entspannter Atmosphäre.
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(Bild: Moritz Rißmann / Enrico Bartz)
Neben fachlichen Sessions legt das Event großen Wert auf Begegnung und Community-Building. Dafür bieten sich verschiedene Networking-Elemente an: Im „Hallway Track“ gibt es strukturierte Gespräche zu unterschiedlichen Themenclustern, beim „Mentorship Speed Dating“ treffen erfahrene Fachleute auf Newcomer. Das „Lightning Talks Battle“ bietet Gelegenheit für kurze, prägnante Impulsvorträge, die das Publikum bewertet.
Auch Beiträge und Sessions von User Groups, Meetups und Community-Projekten werden ausdrücklich begrüßt – und bevorzugt behandelt. Wer sich hier engagiert, kann zusätzlich am Formatentwicklungsprozess mitwirken.
Tickets und weitere Informationen
Bis zum 24. März 2026 sind vergünstigte Early-Bird-Tickets über die Website cloudland.org erhältlich. Das Festival findet vom 19. bis 22. Mai 2026 im Heide Park Resort Soltau statt.
Interessierte Cloud-Native-Expertinnen und -Experten, die eigene Projekte, Tools oder Best Practices vorstellen möchten, können ihre Einreichungen über die Veranstaltungswebsite vornehmen. Ziel ist es, die Cloud-Native-Welt lebendig, interaktiv und gemeinschaftlich erlebbar zu machen.
Wer über das Cloud Native Festival auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte regelmäßig auf der Event-Website vorbeischauen oder dem CloudLand-Team in den sozialen Medien folgen – bei LinkedIn, Mastodon, Bluesky oder auf X.
(map)
Künstliche Intelligenz
Signaling X: Siemens zeigt U-Bahn-Steuerung CBTC auf herkömmlichen Servern
Auf dem Singapore Rail Test Center (SRTC) in Singapur hat Siemens Mobility im November erstmals der Presse, aber auch potenziellen Kunden im asiatisch-pazifischen Raum, sein neues Signaling-X-Steuerungssystem für U-Bahnen und ähnliche Systeme (Mass Transit) vorgestellt und die Funktion auch mit Testfahrten demonstriert. Signaling X kommt dabei eigentlich von der „Großen Eisenbahn“ (Mainline) und setzt als Besonderheit auf handelsübliche Server und nicht mehr auf proprietäre Hardware von Siemens. Die braucht es nur noch in Ausnahmefällen.
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Ziel des Systems ist die Steuerung und Überwachung bis hin zu vollautomatisierten Metro-Systemen nach dem Standard Communications-Based Train Control (CBTC). Das System ist dabei konzeptbedingt bereits in der Mindestausführung georedundant.
In Singapur hat man das freilich nicht zeigen können, denn der Testring hat ohnehin nur eine Länge von etwa 3 km. Dementsprechend fanden sich alle drei Server in einem 19-Zoll-Rack.
Der dritte Server ist für die Redundanz
Zwei Signaling-X-Server müssen aus Sicherheitsgründen immer gleichzeitig im Betrieb sein, der dritte ist die Redundanz. Alle drei Server können aber beliebig verteilt werden. Sollte es also zu einem Ausfall eines Servers durch einen Stromausfall, einer Überflutung oder eines Brandes kommen, kann der Betrieb weiterlaufen. Vor großflächigeren Ereignissen, wie etwa einem Erdbeben, schützt die Georedundanz aber nur bedingt. Dann hat der Verkehrsbetrieb aber ohnehin andere Probleme.
Der Vorläufer dieses georedundanten Konzepts ist übrigens die Umsetzung der digitalen Stellwerke in Norwegen bei der Bane Nor, über die Heise Online zuvor ausführlich berichtete.
Auf Kundenwunsch wären auch mehr Server möglich oder etwa das Vorhalten weiterer Server. Die Synchronisierung soll binnen weniger Minuten abgeschlossen werden können, so Siemens.
Proprietäre Hardware kann teils entfallen
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Die Umsetzung des serverbasierten Stellwerkbetriebs per Signaling X bringt laut Siemens mehrere Vorteile. Dank der Basis auf Standard-Netzwerkkomponenten gibt es die klassische Reichweitenlimitierung nicht mehr. Ein Elektronisches Stellwerk (ESTW) hat nämlich nur eine Reichweite von 6,5 Kilometern. Freilich gibt es noch Zwischenlösungen. Es muss nicht Signaling X von Siemens sein, um Stellwerke weiter entfernt zu betreiben. Hierzulande sind das etwa Digitale Stellwerke (DSTW).
Gleichzeitig wird in den Serverschränken viel Platz gespart. Die Installation auf dem SRTC zeigte das recht deutlich. Die vier gut gefüllten 19-Zoll-Racks mit dem alten CBTC-Equipment wurden durch ein kaum gefülltes Signaling-X-Rack ersetzt.

Solche proprietären Module wie das PIM50 sollen verschwinden. Sie brauchen viel Platz, für gerade einmal zwölf Eingänge. Eine Kreuzweiche bräuchte alleine acht Eingänge.
(Bild: Andreas Sebayang/heise medien)
Der gezeigte Platzgewinn ist aber nicht realistisch. Siemens erwartet weiterhin einige Komponenten, die nicht einfach ersetzt werden können, und beispielsweise Switches für das Netzwerk. In der Regel ist der Platzgewinn trotzdem signifikant, denn alleine die alten PIM50-Module für Signaleingänge benötigen schon enorm viel Platz im Rack.
Smart Object Control
Es kann aber nicht alles vollständig digitalisiert und zentralisiert werden. Auf einer Strecke finden sich alte Komponenten, die weiter betrieben werden sollen. In Singapur zeigte Siemens Mobility dafür eine neue Lösung, um alte Streckenhardware zu digitalisieren: Die Smart Object Control Box.

Ein Prototyp der Smart-Object-Control-Box. Unten werden fixierbare Ethernet-Kabel angeschlossen. Oben ist einer von zwei Stromanschlüssen für eine Weiche.
(Bild: Foto: Andreas Sebayang/heise medien)
In einer ersten Umsetzung will Siemens so Weichenantriebe über Ethernet mit den Signaling-X-Servern verbinden. Dazu müssen nur die Stromanschlüsse in die Box geführt werden. Das muss aber vorher in Siemens‘ Signalfabrik in Braunschweig erst getestet werden, denn bei Weichen und Weichenantrieben gibt es eine Vielzahl von Modellen.
Als Nebeneffekt kann die Box auch Strommessungen durchführen und etwa eine erhöhte Leistungsaufnahme feststellen – oft ein Hinweis für eine fällige Wartung der Weiche. Die Weiche ist dabei der einfachste Anwendungsfall für die neue Box. In Zukunft könnten aber auch Objekte wie Türen auf dem Bahnsteig (Platform Screen Doors) oder absenkbare Seilsysteme, Achszähler oder sogar alte Signale an so eine Box angeschlossen werden und in Signaling X integriert werden, so Siemens Mobility im Gespräch mit Heise Online.
Migration auf Signaling X soll dank Fallback einfach sein
Für Verkehrsbetriebe interessant ist auch eine Teilumsetzung. Signaling X kann beispielsweise nur auf einem Teil einer Strecke eingesetzt werden. Ein Betreiber könnte eine Handvoll Stationen an einem Außenast auf das neue System migrieren. Da die Umschaltung recht schnell durchgeführt werden kann, was Siemens mit dem Ziehen von Kabeln seinen Kunden in Singapur auch demonstrierte, wäre auch erst einmal nur ein Testbetrieb etwa in der Nacht möglich. Der Wechsel auf das alte System als Rückfallebene ist bei Problemen ebenfalls möglich.

Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.
Auf dem Testring war die Migration zumindest technisch laut Siemens schnell umgesetzt. Nachdem auf einem digitalen Zwilling in Braunschweig alles durchgetestet wurde, musste das neue Equipment nach Singapur geschafft werden. Zuvor hatte Siemens Mobility die alte CBTC-Anlage noch installiert. Die eigentliche Umstellung dauerte dadurch rund einen Tag.
In einem Kundenszenario kommen hier natürlich noch Test- und Abnahmefahrten in der Praxis dazu. Wie lange ein System ausfällt, hängt von den jeweiligen Aufsichtsbehörden ab. Am ohnehin CBTC-kompatiblen Zug musste übrigens nichts für Signaling X geändert werden.
Züge kosten Rechenleistung
Einige Vorteile bietet das System auch beim nachträglichen Erweitern der Infrastruktur. Eine Belastung für die Server ist nämlich vor allem die Steuerung des Zugbetriebs und deren Überwachung. Je mehr unterwegs ist, desto mehr muss das System in Echtzeit leisten.
Auf der anderen Seite lässt sich der Server schon von Anfang an auf die mögliche Erweiterung der Flotte auslegen. Alles andere sind für die Server-Applikationen keine großen Herausforderungen. Ein paar zusätzliche Weichen belasten das System kaum. Auch sogenannte Infill-Stationen, also Bahnhöfe, die erst später mitten im Netz hinzugefügt werden, sollen sich leicht umsetzen lassen.

Signaling X auf drei Proliant-Servern von HPE.
(Bild: Andreas Sebayang/heise medien)
Prinzipiell kann der Betreiber zudem seine eigenen Server aussuchen und so eigene Belange besser berücksichtigen, solange die Rechner den initialen Health-Check von Siemens bestehen. Im Allgemeinen geht Siemens aber davon aus, dass Server gleich mitbestellt werden, die dann Siemens selbst aussucht. In Singapur wurde Signaling X auf HPEs Proliant-Servern der 11. Generation installiert.
Singapurs Testcenter und Bedeutung für Siemens
Im Testcenter wurde das System für den Metrobetrieb erst einmal nur vorgestellt. Im Rahmen der Vorstellung gab es noch diverse Workshops für potenzielle Kunden, die sich das System noch genauer anschauen durften. Dank des Testtracks hat Siemens hier ideale Voraussetzungen für Demonstrationen. Prinzipiell könnte Signaling X aber auch im Prüf- und Validationcenter Wegberg-Wildenrath installiert werden. Doch das ist weit weg.
Aus dem asiatisch-pazifischen Raum waren dementsprechend einige Kunden angereist. Natürlich schauen sich auch Singapurs Metrolinien-Betreiber SBS Transit und SMRT das System sehr genau an. Denn Siemens ist an allen Metrolinien des Stadtstaats mit mehr oder weniger vielen Komponenten beteiligt. Mal ist es die Stromversorgung und in vielen Fällen tatsächlich auch eine CBTC-Installation mit höchstem Automatisierungsgrad. Die neue Jurong-Region-Line wird 2029 auf Siemens‘ CBTC setzen, aber noch nicht auf Signaling-X-Servern.

Gerade im Bau: Die Jurong Region Line.
(Bild: Andreas Sebayang/Privat)
Singapur baut sein Metrosystem gerade mit einer sehr hohen Geschwindigkeit massiv aus. Das Singapore Rail Test Center hat hier eine besondere Bedeutung, denn der Stadtstaat kann nun selbst Fahrzeuge und Systeme testen.

BU: Das SRTC nördlich des Tuas-Link-Depots.
(Bild: Bild: LTA/Government of Singapore)
Wichtige Abnahmefahrten werden in Zukunft auf den drei Teststrecken im SRTC durchgeführt: Der Außenring (60 km/h, Endurance Track, 190 m Radius), der innere Ring (50 km/h, Performance and Integration Track, 140 m Radius) und der High-Speed-Track als gerade Strecke (80 km/h).
Bisher fand dies überwiegend in China, Frankreich und Spanien statt, wie uns SBS Transit sagte. In gewissen Grenzen können Abnahmefahrten auf Testgleisen der Depots durchgeführt werden. Doch die sind nur etwa einen Kilometer lang, kein Kreis und erschweren den Betrieb des Depots.
Aktuell müssen die Züge übrigens per LKW in das Testcenter gebracht werden. Es soll aber bald zwei Gleisverbindungen zu zwei Metrolinien geben. Die erste Verbindung wird von der East-West-Endstation Tuas Link für deutsche Verhältnisse recht abenteuerlich in den Testring geführt.

Von hier geht es in Richtung SRTC. Rechts der Abzweig ins Depot.
(Bild: Foto: Andreas Sebayang/Privat)
Die Tuas-Link-Verbindung wird nämlich über die Ringbrücken über dem Wasser in das Zentrum der Anlage geführt. Entsprechende Vorbereitungen für Betonstützen sind im Testgelände auch überall zu sehen, durften aber nicht fotografiert werden.

Bis hier und nicht weiter. Der Außenbereich des SRTC. Eine Ebene darüber kommt die Tuas-Link-Verbindung.
(Bild: Andreas Sebayang/Privat)
Entwicklungen in Deutschland
Formal ist das System Signaling X for Mass Transit für den Nahverkehr gedacht. In Deutschland ist die Unterscheidung jedoch etwas schwierig. Hierzulande gehören S-Bahnen, wie die in Hannover oder Köln, zu der großen Eisenbahn mit teilweise eigener Infrastruktur. Die S-Bahnen in Berlin und Hamburg hingegen haben überwiegend eigene Netze samt spezieller Stromversorgung. Aber selbst bei Berlin (Birkenwerder) und Hamburg (Stade) teilen sie sich die Gleise mit der großen Eisenbahn.
U-Bahnen (Berlin, Hamburg, München, Nürnberg) und Stadtbahnen (Frankfurt am Main und viele andere) wären hingegen eindeutige Kandidaten für Signaling X for Mass Transit. In anderen Ländern wird das oft als Metro-System oder Light Rail Transit eingestuft. Die Grenzen sind aber fließend. Hierzulande gibt es noch wenige CBTC-Installationen. Die meisten kommen erst noch und Siemens Mobility ist oft beteiligt.
Frankfurt: Testfahrten ab 2026
In Frankfurt am Main werden etwa die Stadtbahnlinien U4 und U5 mit CBTC ausgestattet. Eine Werkstatt ist auch schon damit ausgestattet. Erste Testfahrten im Netz aber ohne Fahrgäste sind bereits für dieses Jahr geplant und 2027 soll das System online gehen. Danach folgen bis 2033 weitere Linien. Geplant ist der Betrieb ohne feste Signalblöcke. Stattdessen bewegen sich sozusagen die Signale mit einem Zug im „wandernden Raumabstand“, auch Moving Block genannt.
Bei niedriger Geschwindigkeit können die Züge so dichter hintereinander fahren, denn das Rotsignal wandert sozusagen vor dem Zug in Abhängigkeit vom Sicherheitspuffer zum Bremsen mit. Dann können auch in engen Kurven ohne Sicht auf die Strecke (oder Signale) die Züge dichter auffahren, was gerade beim Abbau von Verspätungen hilft. In manchen Systemen wird für solche Situationen das Fahren auf Sicht erlaubt. Die Metro in Oslo handhabt das vor allem am Jernbarnetorget nahe dem Hauptbahnhof Oslo S so. In Oslo arbeitet Siemens übrigens auch an einer CBTC-Installation und auch hier erst einmal ohne Signaling X. Der erste, drei Kilometer lange Abschnitt wurde im vergangenen Monat in Betrieb genommen.
Ein weiteres Projekt findet sich in Hamburg. Bis Ende 2027 soll eine Strecke mit sieben Stationen zwischen Jungfernstieg und Horner Rennbahn (U2/U4) ausgestattet werden. Zudem will man wie Frankfurt (M) in einem Moving-Block-Verfahren fahren und so den Taktabstand von heute 150 auf zukünftig 100 Sekunden reduzieren.
Auch Berlin will auf den Linien U5 und U8 bis 2029 und 2033 CBTC einführen. Die Stadt hat auf der U4 schon in den 1980er-Jahren einen automatischen Forschungsbetrieb gehabt, das Projekt dann aber aufgegeben.
Allerdings sehen diese neuen Projekte nur den Grade of Automation 2 (GoA2) vor, also nur einen teilautomatisierten Betrieb. Zudem setzt das Projekt Digitale Schiene Deutschland im digitalen Knoten Stuttgart auf das GoA-Level 2. Hierzulande nennt man das auch „Hochautomatisiertes Fahren“.
Was neu klingt ist es aber nicht unbedingt. Das in Deutschland bekannteste Beispiel dürfte die U-Bahn in Nürnberg sein. Die fährt schon lange mit einem CBTC-System nach GoA4, also komplett ohne Fahrpersonal. Das nächste GoA4-Projekt wird vermutlich die U-Bahnlinie U5 in Hamburg werden. Einen guten Überblick über CBTC-Projekte in Deutschland bietet stellwerke.info.
Hohe Automatisierung muss kein Personal sparen
Nimmt man Singapur als Beispiel, dann hat der kleine Stadtstaat schon heute eine erstaunlich hohe Anzahl an GoA4-Systemen. Nicht nur von Siemens, wohlgemerkt. Auch Alstom und Thales spielen hier groß mit.

Unterschiedliche CBTC-Systeme in Singapur
(Bild: Strides/SMRT)
Betreiber SBS Transit ist vor allem von der Zuverlässigkeit angetan. Die Downtown Line gehört nach eigenen Angaben zu den zuverlässigsten Linien weltweit und liegt auf Platz zwei hinter einer Linie von Hongkong. Die Mean Kilometers Between Failures (MKBF) liegt demnach bei 8.156.000 Kilometern. Die Linie ist damit für Siemens auch eine Art Referenz, denn sowohl Signaltechnik, Depottechnik als auch Elektrifizierung stammen von dem Hersteller, allerdings auch durch die Übernahme des Unternehmens Invensys 2012, das die Downtown Line initial ausstattete.
Entgegen vielen Annahmen spart man mit der modernen Technik aber kaum Personal – zumindest in Südost- und Ostasien. Jeder Zug hat einen Customer Service Officer. Wer mit der Singapore Metro fährt, der findet diesen meist vorne. Auf den Stationen gibt es laut SBS Transit mindestens einen Station Master und einen Assistant Station Master. Größere Stationen haben auch mehr Personal. In Deutschland wäre das eine luxuriöse Personalausstattung von Bahnhöfen, obwohl hierzulande meist noch manuell gearbeitet wird.
Hinweis: Siemens Mobility hat den Autor zum Besuch des Singapore Rail Test Centers eingeladen und die Reisekosten übernommen.
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(nen)
Künstliche Intelligenz
eHealth: iOS‑App zeigt Störungen in der Telematikinfrastruktur
Wenn das E‑Rezept nicht abrufbar ist oder die elektronische Patientenakte (ePA) zeitweise nicht funktioniert, betrifft das nicht nur Arztpraxen und Apotheken, sondern auch Versicherte. Für sie bleibt häufig unklar, ob gerade eine größere Störung der Telematikinfrastruktur (TI) vorliegt oder ob das Problem lokal begrenzt ist. Eine kürzlich veröffentlichte iOS‑App soll mehr Transparenz schaffen.
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Native App mit SwiftUI
Nach der Veröffentlichung von „TI-Monitoring.de“ – unter anderem auf GitHub – steht jetzt auch eine native App für iPhone, iPad und Macs zur Verfügung, die den aktuellen Status zentraler TI‑Dienste übersichtlich darstellt. Die Anwendung basiert auf öffentlich zugänglichen Statusdaten der Gematik und bereitet diese in einer mobil nutzbaren Form auf. Die Daten werden automatisch alle 5 Minuten aktualisiert.
Die iOS‑App entstand laut Angaben des Entwicklers, Lukas Schmidt-Russnak, unter anderem aus dem Wunsch heraus, ergänzend zu der Open-Source-Web-Anwendung (ti-monitoring.de) eine native Anwendung mit SwiftUI zu entwickeln und die bestehende Funktionalität auf die Apple‑Plattform zu übertragen.
Auf der Startseite der App, die heise online vorab getestet hat, werden sämtliche relevanten TI‑Komponenten nach Produkttyp gruppiert angezeigt, jeweils mit ihrem aktuellen Verfügbarkeitsstatus. Dazu zählen unter anderem Verzeichnisdienste, VPN-Zugangsdienste, der E-Mail-Dienst KIM, ePA‑Aktensysteme oder Dienste rund um das E‑Rezept. Einzelne Gruppen können aufgeklappt werden, um Details zu den jeweiligen Komponenten einzusehen. Die Darstellung ist dabei bewusst reduziert gehalten und auch ohne tiefere technische Vorkenntnisse nachvollziehbar.
App zeigt TI-Status an
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Ergänzend bietet die App eine Übersicht auf Ebene konkreter TI‑Anwendungen. Dort wird zusammengefasst, wie sich der aktuelle Zustand der Infrastruktur auf bekannte Anwendungen wie E‑Rezept, ePA oder KIM auswirkt. Bei gemeldeten Störungen lassen sich zusätzliche Informationen abrufen, etwa ob es sich um einen Teil‑ oder Totalausfall handelt, ob Wartungsarbeiten laufen und welche Funktionen konkret betroffen sind.
Für Nutzerinnen und Nutzer mit höherem Informationsbedarf, etwa in medizinischen Einrichtungen oder IT‑Abteilungen, lassen sich Benachrichtigungen individuell konfigurieren. So können Statusänderungen gezielt für ausgewählte Komponenten oder Anbieter gemeldet werden, ohne dass alle Meldungen pauschal ausgelöst werden. Wie bei vergleichbaren Monitoring‑Diensten gilt, dass die Daten ohne Gewähr bereitgestellt werden und aufgrund komplexer Abhängigkeiten innerhalb der TI nicht jede Einschränkung eindeutig abgebildet werden kann.
Die Basisversion der App ist kostenlos. Eine erweiterte Pro‑Version mit zusätzlichen Detailansichten und konfigurierbaren Benachrichtigungen ist als Einmalkauf für 4,99 Euro erhältlich.
(mack)
Künstliche Intelligenz
Auf Meta Quest grassiert die Piraterie
Das größte VR-Ökosystem steht derzeit an mehreren Fronten unter Druck. Die Verkaufszahlen der Meta Quest sind rückläufig und Nutzer geben deutlich weniger Geld für Spiele aus als noch vor einigen Jahren. Auch das Publikum hat sich gewandelt: Meta Quest wird heute besonders intensiv von Kindern und Jugendlichen genutzt, die kostenlose Multiplayer-Erlebnisse bevorzugen. Studios, die klassische Singleplayer-Spiele entwickeln, haben mit einbrechenden Umsätzen zu kämpfen und sind vielfach von Entlassungen oder Schließungen betroffen.
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Die aktuelle Situation ist nach Ansicht einiger Entwickler nicht allein auf Marktdynamiken zurückzuführen. Sie sehen in der schrankenlosen Piraterie einen Mitgrund für die Krise der VR-Branche und werfen Meta Passivität gegenüber einem Problem vor, das eine ohnehin angeschlagene Industrie weiter aushöhlt.
Eine florierende Piraterie-Szene
In den Medien wurde bislang kaum über Piraterie auf Meta Quest berichtet, was angesichts der Größe und Professionalität der Szene überrascht. Eine zentrale Rolle spielt die mit Abstand meistgenutzte Plattform „Rookie Sideloader“. Das PC-Programm listet tausende VR-Spiele, die sich per Mausklick auf Meta Quest herunterladen lassen. Selbst Updates von Spielen sind mit der Anwendung möglich. „Es gibt unter VR-Entwicklern den Scherz, dass die Nutzererfahrung und Zuverlässigkeit besser sind als die des Quest Stores“, sagt ein VR-Entwickler, der anonym bleiben möchte.

Die Bedienoberfläche des in Entwicklung befindlichen „Rookie Sideloader“ 3.0.
(Bild: Github)
Die Aussage ist überspitzt, verweist jedoch auf einen wahren Kern. Rookie Sideloader erfordert einen PC und eine Kabelverbindung sowie das Hinzufügen einer Ausnahme für Windows Defender. Aber ist das Programm einmal eingerichtet, ist es ausgesprochen nutzerfreundlich. Und am „Rookie Sideloader“ wird weiterhin aktiv gearbeitet: Derzeit befindet sich Version 3.0 in Entwicklung, die laut Github-Beschreibung eine „vollständige Überarbeitung der Bedienoberfläche, deutliche Leistungsverbesserungen und erweiterte Funktionen bringen soll“.
Die dahinterstehende Gruppe nennt sich „VRPirates“ und betreibt ein gut strukturiertes, detailliertes Wiki, das Einsteiger Schritt für Schritt an Installation und Nutzung des Programms heranführt. Neben einer FAQ enthält es Listen von Spielen, die im Multiplayer funktionieren, sowie von Titeln, die bislang nicht „gecrackt“ werden konnten.
Die Anhänger der Plattform tauschen sich auf dem offiziellen Discord-Server der Gruppe aus, der Tausende aktive Nutzer versammelt. Eine weitere zentrale Anlaufstelle ist das Reddit-Subforum r/QuestPiracy mit mehr als 100.000 Mitgliedern. Eine beachtliche Zahl angesichts der vergleichsweise kleinen Größe des VR-Markts.
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Das Ausmaß des Problems
In welcher Größenordnung illegal kopiert wird, lässt sich nicht exakt beziffern. Es gibt jedoch Anhaltspunkte. Bis vor etwa einem Jahr zeigte „Rookie Sideloader“ die exakten Downloadzahlen einzelner Titel an und ermöglichte Entwicklern damit einen direkten Vergleich mit den eigenen Absätzen. Inzwischen haben die Betreiber auf ein relatives Beliebtheitsranking umgestellt, das diese Daten nicht mehr offenlegt.
„Selbst auf Basis dieser relativen Werte zeichnet sich ein klarer Trend ab“, sagt ein VR-Entwickler. „Premiumspiele verschwinden oft bereits nach einer Woche aus den Verkaufscharts, halten sich jedoch monatelang in den Top 10 des Rookie Sideloader“. Ein prominentes Beispiel ist das 2025 erschienene Singleplayer-Abenteuer „Ghost Town“, das zu den besten VR-Spielen des Jahres zählt. Es fiel frühzeitig aus den Top 50 der meistverkauften Quest-Titel und war bei Raubkopierern gleichzeitig sehr populär. Weit vorn in der Beliebtheit rangiert auch das VR-Spiel „Pistol Whip“, dessen Studio Cloudhead Games in dieser Woche Entlassungen von 70 Prozent der Belegschaft ankündigte.

Das Studio hinter dem VR-Kultspiel „Pistol Whip“ musste in der aktuell schwierigen Marktsituation einen Großteil der Mitarbeiter entlassen.
(Bild: Cloudhead Games)
Eine weitere Datenquelle lieferte Meta versehentlich selbst. Im vergangenen November tauchte in Metas Analysewerkzeugen für Entwickler für kurze Zeit ein neues Dashboard auf, das Daten zu App-Sideloads enthielt und Rückschlüsse auf die Zahl illegaler Downloads zuließ. Auch wenn Meta das Dashboard rasch wieder entfernte, konnten einige Entwickler ihre eigenen Daten sichten und mit Verkaufszahlen abgleichen. Dabei ergaben sich je nach Titel Raubkopierraten zwischen 1:1 und 1:4. Die branchenweit bekannte VR-Spieleschmiede Vertical Robot bestätigte dies auf Nachfrage. Ein Vertreter sagte, dass den Zahlen zufolge auf jede verkaufte Kopie der Titel „Red Matter“ und „Red Matter 2“ etwa vier illegale Downloads entfallen würden.
„Ich kann nachvollziehen, dass es immer eine Nachfrage nach so etwas geben wird“, sagt der CEO eines anderen VR-Studios in einer Stellungnahme. „Aber als jemand, der auf Verkäufe angewiesen ist, um Mitarbeitende zu bezahlen, ist es schmerzhaft zu sehen, wie einfach Rookie Sideloader es einem sehr großen Publikum macht.“
Meta lässt Entwickler im Dunkeln
Selbst unter der Annahme, dass ein Teil verhinderter Raubkopien nie zu einem Kauf geführt hätte, bleibt Piraterie für Entwickler mit einem messbaren Schaden verbunden. Ein Schaden, der sich durch wirksamere Schutzmaßnahmen seitens Meta reduzieren ließe. Dass die bestehenden Mechanismen derzeit deutlich unter dem Standard klassischer Spielkonsolen und anderer geschlossener App-Ökosysteme liegen, darin sind sich Entwickler einig.
Meta verwies auf Nachfrage auf zwei Schutzmaßnahmen: eine Systemprüfung („Attestation API“), die die Integrität von Gerät und Software sicherstellen soll, sowie eine Kaufprüfung („Entitlement Check“), mit der festgestellt wird, ob ein Nutzer eine App tatsächlich erworben hat.

Piraterie dürfte vor allem bei jungen Nutzern verbreitet sein. Das ist nach Ansicht einiger Entwickler jedoch kein Grund, nichts dagegen zu unternehmen.
(Bild: Meta)
Während Letztere laut einem VR-Entwickler von Raubkopierern automatisch umgangen werden kann, greife die Systemprüfung nur bei Titeln, die zum Spielen zwingend eine Online-Komponente benötigen. Reine Singleplayer-Spiele würden damit nicht effektiv geschützt und seien entsprechend überproportional von Piraterie betroffen. Doch selbst bei Multiplayer-Titeln gelte dieser Mechanismus eher als Anti-Cheat-Maßnahme denn als wirksamer Schutz vor Piraterie. Im Reddit-Subforum r/QuestPiracy finden sich keinerlei Berichte über anhaltende Konsequenzen mit abschreckender Wirkung.
Mit Blick auf die Zukunft bleibt Meta vage und erklärt, man arbeite weiterhin an Schutzmaßnahmen und werde über entsprechende Lösungen informieren, sobald sie verfügbar seien. Ob und wann diese erscheinen, bleibt weiterhin offen. Klar ist, dass Entwickler seit Langem auf eine Reaktion des Unternehmens warten, die über Lippenbekenntnisse hinausgeht.
Schattenseiten einer offenen Plattform
Ein häufig geäußerter Vorwurf seitens Entwickler lautet, dass Meta Nutzeraktivität und Bindungsrate derzeit über alle anderen Erfolgsfaktoren stellt und ein konsequentes Vorgehen gegen Piraterie daher als kontraproduktiv betrachtet. Zudem wird befürchtet, dass Meta der Kategorie der Singleplayer-Spiele ohnehin keine hohe Priorität mehr einräumt. Die aktuell aktivste Nutzergruppe bevorzugt Multiplayer-Titel mit Free-to-Play-Geschäftsmodell, die weniger oder kaum raubkopiert werden. Ein weiterer möglicher Grund für Metas Zögern liegt darin, dass die auf Android basierende Meta Quest als vergleichsweise offene Plattform positioniert wurde, die Sideloading zulässt. Restriktivere Schutzmaßnahmen stünden mit dieser Politik potenziell im Konflikt.
An Ideen zur Verbesserung der Situation mangelt es Entwicklern nicht. Sie reichen von konkreten Vorschlägen für wirksamere Schutzmaßnahmen über Analysewerkzeuge, mit denen sich Piraterie besser nachverfolgen und Raubkopierer konvertieren lassen, bis zu einer restriktiveren Plattformpolitik, die Sideloading stärker einschränkt. Zudem sprechen sich einzelne Entwickler für deutlich schärfere Maßnahmen aus. „Meta sollte konsequent gegen Rookie Sideloader vorgehen und es der Plattform nicht so leicht machen. Eine Abmahnung („Cease-and-Desist“) könnte die Webseite, den GitHub-Auftritt und das Reddit-Subforum unterbinden. Ich bin schockiert, dass ein solcher Schritt bislang ausgeblieben ist“, sagt ein VR-Entwickler.
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„Rookie Sideloader“ beschwichtigte betroffene VR-Entwickler zunächst damit, Spiele auf Anfrage von der Plattform zu entfernen. Von dieser Möglichkeit machten bislang knapp zwei Dutzend Entwickler und Studios Gebrauch. Inzwischen berichten jedoch mehrere Entwickler, dass dieses Angebot für neue Anfragen nicht mehr gewährt wird.
Auf der Webseite der Betreiber heißt es, dass „Rookie Sideloader“ Kosten für Server und Bandbreite verursache, weshalb die Piraten auf Spenden angewiesen seien. Um mehr über die Motivation hinter dem Projekt zu erfahren, haben wir versucht, die Betreiber zu kontaktieren, was über Discord problemlos möglich ist. Eine Stellungnahme oder ein Gespräch, selbst unter Zusicherung von Anonymität, wurde jedoch abgelehnt.
(tobe)
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