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Künstliche Intelligenz

KI-Update: Grok auf Abwegen, Suizid durch KI?, ChatGPT Health, SleepFM, CES-KI


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Eine KI-Forscherin hat 24 Stunden lang die Antworten von Grok analysiert, dem Chatbot von Elon Musks xAI. Ergebnis: Das System erstellt im Schnitt fast 7000 sexualisierte Deepfakes pro Stunde. Das ist mehr als 80-mal so viel wie auf fünf anderen Plattformen zusammen. Nutzer verlinken einfach ein Foto und fordern den Chatbot auf, die abgebildete Person in Bikini, Unterwäsche oder kurzer Kleidung darzustellen. Grok generiert dann entsprechende Bilder, teilweise auch von Minderjährigen und Kindern.

Das US-Magazin Wired fand heraus, dass auf der eigenständigen Grok-Website noch problematischere Inhalte entstehen. Wer dort Bilder erstellen lässt und auf den Teilen-Button klickt, generiert einen Link, den Google indexiert. Über die Suchmaschine lassen sich diese Inhalte dann finden. Dort erstellt die KI auch komplett nackte Darstellungen und sexuelle Handlungen. Ob es überhaupt Schutzmaßnahmen gegen verbotene pornografische Inhalte gibt, ist unklar. Grok prüft das Alter nicht. Am Freitagmorgen begann Grok damit, Bildgenerierungen abzulehnen. Dafür sei nun ein kostenpflichtiges Abo nötig.


Eigenwerbung Fachdienst heise KI PRO

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Google und Character.ai haben sich außergerichtlich mit Klägern geeinigt, die den Plattformen vorwerfen, Jugendliche zu Selbstverletzung oder Gewalt angestiftet zu haben. In einem Fall soll ein Jugendlicher nach monatelangen Chats mit einem Chatbot, der sich als Figur aus Game of Thrones ausgab, Suizid begangen haben. Die Mutter klagte. Es handelt sich um einen der ersten Fälle in den USA, in denen KI-Unternehmen wegen möglicher psychischer Schäden zur Verantwortung gezogen werden.

Character.ai hat inzwischen reagiert und unter 18-Jährige von der Plattform ausgeschlossen. Google war in die Rechtsstreitigkeiten verwickelt, weil Ex-Mitarbeiter des Konzerns Character.ai gründeten und Google-Technik lizenzierten. Details der Einigung bleiben geheim, auch ob Geld fließt. Die Gerichte in vier US-Bundesstaaten müssen dem Vergleich noch zustimmen.

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OpenAI hat „ChatGPT Health“ vorgestellt, einen separaten Gesundheitsbereich innerhalb von ChatGPT. Der KI-Assistent verknüpft persönliche Gesundheitsdaten mit dem Chatbot und soll Nutzern helfen, medizinische Befunde zu verstehen, Arztbesuche vorzubereiten und Fitnessdaten auszuwerten. Die EU, die Schweiz und Großbritannien sind vorerst ausgeschlossen. Zunächst ist die Funktion nur für eine kleine Gruppe früher Nutzer zugänglich, über eine Warteliste. Laut OpenAI stellen weltweit über 230 Millionen Menschen pro Woche Gesundheitsfragen an ChatGPT.

Das Herzstück ist die Integration mit Apple Health auf dem iPhone. ChatGPT kann auf Daten wie Schritte, Herzfrequenz oder Schlafmuster zugreifen. Fitness-Apps wie MyFitnessPal oder Peloton lassen sich verknüpfen, in den USA auch elektronische Patientenakten. OpenAI verspricht besondere Schutzmaßnahmen: Gesundheitschats werden getrennt gespeichert, mit Verschlüsselung. Die Daten sollen nicht zum Training der KI-Modelle dienen. Konkrete technische Details nennt OpenAI nicht. Warum die EU draußen bleibt: Gesundheitsdaten gelten nach der Datenschutzgrundverordnung als besonders sensibel. Datenübermittlungen in die USA brauchen spezielle Garantien. Würde ChatGPT Health als medizinisches Produkt eingestuft, müsste es die EU-Medizinprodukteverordnung erfüllen. Auch der AI Act könnte zum Problem werden.

Wissenschaftler der Stanford University haben ein KI-Modell entwickelt, das auf Basis von Schlafdaten Krankheitsrisiken vorhersagen soll. Sleep-FM nutzt riesige Datensätze von Schlafaufzeichnungen, um das Risiko für über 130 verschiedene medizinische Erkrankungen vorherzusagen. Trainiert wurde das Modell mit über 585.000 Stunden an Aufzeichnungen aus der Polysomnographie, bei der gleichzeitig Hirnströme, Herzaktivität, Muskelbewegungen und Atmung aufgezeichnet werden.

Das Modell erkennt zuverlässig Risiken für über 130 Erkrankungen. Besonders präzise waren die Vorhersagen für Alzheimer, Prostatakrebs und Diabetes. Damit übertrifft Sleep-FM klassische medizinische Risikofaktoren wie Alter oder den Body Mass Index. Die KI liefert selbst dann verlässliche Daten, wenn ein Sensor ausfällt oder die Aufnahmequalität schwankt. In Kombination mit modernen Wearables wie Smartwatches könnten diese Erkenntnisse bald den Weg aus dem Schlaflabor in den Alltag finden und eine kontinuierliche Gesundheitsüberwachung ermöglichen.


KI-Update

KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

Auf der CES 2026 in Las Vegas liegt ein großer Schwerpunkt auf humanoiden Robotern. Auf vielen Messeständen laufen diese Roboter umher, wo sie vor wenigen Jahren noch nach drei Schritten umgefallen wären. Das Thema Physical AI kommt zum Tragen, Bewegungsdaten, mit denen sich solche Roboter trainieren lassen. Nvidia sammelt solche Daten. Das kanadische Start-up Happly Robotics hat ein Eingabegerät für Roboterhände entwickelt, das dem Nutzer über Motoren taktisches Feedback gibt. Er spürt, was der Roboter spürt. Das chinesische Unternehmen Agibot stellt sehr agile Roboter her. Boston Dynamics hat erstmals seinen Atlas-Roboter live vor einem großen Publikum vorgestellt. Hyundai plant, in Zukunft 30.000 solcher Roboter in seinen Fabriken einzusetzen.

Künstliche Intelligenz spielt auch im Automotive-Bereich eine große Rolle. Das niederländische Unternehmen HIA hat Behavioral Maneuvers vorgestellt, die Lenk- und Bremsbewegungen wie beim Menschen ausführen sollen. Grundlage dafür bilden Daten von Millionen von Fahrzeugen. Bosch verfolgt einen ähnlichen Ansatz mit seiner Software Vehicle Motion Management. Sie steuert Bremse, Lenkung, Antrieb und Fahrwerk so, dass Rollbewegungen in Kurven und Nick-Bewegungen beim Stop-and-Go-Verkehr vermieden werden. Das soll Reiseübelkeit mindern. Das US-Startup iMogul integriert ChatGPT in seine gleichnamige App, um Drehbücher zu analysieren, Zusammenfassungen zu erstellen und passende Regisseure und Schauspieler vorzuschlagen. Die App soll Autoren mit Produzenten vernetzen.

AMD hat mit einem neuen KI-Beschleuniger eines der weltweit größten Chipkonstrukte entwickelt. Insgesamt 12 Compute- und I/O-Chiplets sowie 12 Speicherstapel ergeben einen Chipverbund, der etwa so groß ist wie die Hand von AMD-Chefin Lisa Su. Bei Hardware für Rechenzentren folgt AMD immer mehr Nvidias Vorgehensweise. AMD entwirft das eigene Server-Design Helios mit möglichst viel eigener Hardware: Epyc-Prozessoren aus der neuen Venice-Generation, Instinct-MI455X-Beschleuniger, und Netzwerktechnik der übernommenen Firma Pensando.

Venice mit 256 CPU-Kernen nutzt etwa 20 Quadratzentimeter Siliziumfläche, der KI-Beschleuniger noch mehr. Die Chiplets entstehen mit 2- und 3-Nanometer-Technik von TSMC. Damit kommt die MI455X auf 320 Milliarden Transistoren. Die Chipspezifikation hält AMD bislang geheim. Die MI455X hat 12 HBM4-Stapel mit einer Gesamtkapazität von 432 GByte und einer gebündelten Übertragungsrate von fast 20 TByte pro Sekunde. Damit überholt AMD selbst Nvidias aktuellen Blackwell Ultra. Dessen Steckenpferd ist allerdings der fortschrittliche Software-Stack. Ob AMD dagegen ankommen kann, zeigt sich später im Jahr.

Microsoft und der Zahlungsdienstleister Stripe integrieren eine direkte Einkaufsfunktion in den KI-Assistenten Copilot. Nutzer in den USA können künftig Waren von ausgewählten Händlern erwerben, ohne das Chat-Fenster zu verlassen. Zum Start beteiligen sich Plattformen wie Etsy sowie Einzelhändler wie Urban Outfitters. Technisch basiert die Funktion „Copilot Checkout“ auf dem „Agentic Commerce Protocol“, einem offenen Standard für den KI-gestützten Handel, den Stripe mitentwickelt hat. Das System ermöglicht es KI-Agenten, den gesamten Kaufprozess von der Auswahl bis zur Bezahlung autonom oder teilautonom durchzuführen. OpenAI nutzt dieses Protokoll bereits für ChatGPT.

Die Umsetzung solcher Shopping-Funktionen gestaltet sich in der Praxis schwieriger als erwartet. Obwohl OpenAI bereits im September eine breite Shopping-Offensive ankündigte, verläuft der Start schleppend. Selbst Produkte prominenter Partner wie des Kofferherstellers Away sind bislang nicht über den Chatbot kaufbar. Das Kernproblem liegt in der Datenqualität: KI-Modelle haben Schwierigkeiten, unstrukturierte Produktdaten korrekt zu interpretieren. Oft ist für die KI nicht eindeutig erkennbar, ob ein Artikel tatsächlich auf Lager ist oder nur vorbestellt werden kann. Stripe versucht, dieses Problem durch eine Standardisierung der Händlerdaten an der Wurzel zu packen, doch die Bereinigung der Datenbanken erfordert viel manuelle Arbeit. Google arbeitet parallel an einem eigenen Standard, dem „Agent Payments Protocol“, das bereits über 60 Unternehmen unterstützen.

Mehrere Online-Händler üben Kritik an Amazons neuem KI-Tool „Buy For Me“. Das Programm listet laut einem Bericht von Modern Retail Produkte von externen Webseiten automatisch auf dem Amazon-Marktplatz, ohne dass die betroffenen Shop-Betreiber zugestimmt haben. Händler berichten, dass sie erst durch ungewöhnliche Bestellungen von einer speziellen Amazon-E-Mail-Adresse auf den Vorgang aufmerksam wurden. Das System nutzt KI-Agenten, um Produkte auf Drittanbieter-Seiten zu identifizieren und Bestellungen im Namen des Kunden dort auszuführen. Amazon integriert diese Artikel dann in die eigene Suche, versehen mit einem „Buy for Me“-Button. Immer wieder sollen darin auch Fehler wie falsche Beschreibungen oder Bilder enthalten sein.

Amazon verteidigt die Funktion als Service für Kunden, die so neue Marken entdecken sollen. Wer nicht mitmachen will, muss sich aktiv per E-Mail melden, um aus dem Programm entfernt zu werden. Während der Konzern externe Inhalte für den eigenen Marktplatz nutzt, geht er juristisch gegen andere Firmen vor, die Ähnliches tun. So mahnte Amazon kürzlich Perplexity ab, weil dessen Browser Nutzern ermöglichte, via KI auf Amazon einzukaufen, ohne sich dabei auf der Amazon-Nutzeroberfläche aufzuhalten.

Google erweitert seinen E-Mail-Dienst Gmail in den USA um neue KI-Funktionen. Im Zentrum steht eine neue Suchfunktion, die es Nutzern ermöglicht, den eigenen Posteingang mit natürlicher Sprache zu bedienen. Anwender können dann beispielsweise erfragen, wann der letzte Termin mit einem bestimmten Handwerker war. Die KI extrahiert die Antwort aus den entsprechenden E-Mails. Zusätzlich führt Google sogenannte „AI Overviews“ ein. Diese fassen lange E-Mail-Verläufe automatisch zusammen und heben die wichtigsten Punkte hervor.

Während die Zusammenfassungen kostenlos sind, bleibt die komplexe Frage-Funktion zahlenden Abonnenten vorbehalten. Die Schreibhilfe „Help Me Write“, mit der E-Mails erstellt oder überarbeitet werden können, schaltet Google hingegen für alle Nutzer frei. In einer Testphase befindet sich zudem eine Funktion zur Priorisierung des Posteingangs. Die KI analysiert dabei Kommunikationsmuster und Inhalte, um wichtige Nachrichten wie Rechnungen oder Arzttermine von weniger relevanter Post zu trennen. Wann die Funktionen nach Deutschland kommen, ist noch nicht bekannt.


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(mali)



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Künstliche Intelligenz

#TGIQF: Das Quiz rund um MTV-Musikvideos


Mit dem neuen Jahr endete bei MTV die Ära der Musikvideos. Was am 1. August 1981 in den USA mit begrenzter Reichweite und ein paar Dutzend Videos begann, beeinflusste zwischenzeitlich die Popkultur maßgeblich.

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Vor MTV musste man als Newcomer in unzähligen Radiosendern in heavy rotation laufen, um Bekanntheit zu erlangen. Als Alternative gab es nur vereinzelte Musiksendungen, in denen ein Auftritt für Reichweite sorgen konnte. Musikvideos waren ohnehin erst ein neues Phänomen: Zuvor wurden sie von Interpreten aufgenommen, um in Chart-Shows präsent zu sein, auch wenn sie nicht vor Ort sein konnten.

Zunächst war die Resonanz noch nicht überragend: MTV war anfangs nur von knapp 800.000 Zuschauern empfangbar, man hatte nur eine Handvoll Werbepartner und einen Grundstock von nicht einmal 200 Videos. Das sollte sich schnell ändern: Musikkonzerne wie Musiker entdeckten das Potenzial von Musikvideos. Generationen von Jugendlichen wurden von dem MTV geprägt – ein Antreiber der Popkultur.


#TGIQF: Das heise-online-Quiz

#TGIQF: Das heise-online-Quiz

„Thank God It’s Quiz Friday!“ Jeden Freitag gibts ein neues Quiz aus den Themenbereichen IT, Technik, Entertainment oder Nerd-Wissen:

Der Schritt nach Europa folgte etwas später und von London aus sorgte man auch auf dem alten Kontinent für Furore. Die 1990er wurden härter: Mit VIVA entstand ein deutsches Konkurrenzprodukt, zudem wurde MTV zum Pay-TV-Sender und verringerte damit seine Reichweite. Zudem nahmen Reality-Formate und Shows überhand und drängten Schritt für Schritt die klassischen Musikvideos aus dem Programm.

Mit dem Aufkommen von YouTube, Instagram oder TikTok änderte sich auch die Art Musik zu konsumieren. Musikvideos wurden allgegenwärtig und deren Konsum nicht mehr von linearen Sendern abhängig. Deswegen war Ende 2025 Schluss mit den Musikvideos im Programm von MTV. Doch was war der letzte gespielte Song?

Das wollen wir von Ihnen wissen in unserem Quiz zum eingeschneiten Freitag. In der heiseshow stellte Malte Kirchner den Rategöttern Dr. Volker Zota und Ben Schwan drei Fragen zu MTV vorab. Nur so viel: Es war (Nerd)-Kunst. Auf MTV Rewind findet man einen Web-Player im klassischen MTV-Format.

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Sie können in Ruhe in 11 Fragen maximal 110 Punkte erreichen. Die Punktzahl kann gern im Forum mit anderen Mitspielern verglichen werden. Halten Sie sich dabei aber bitte mit Spoilern zurück, um anderen Teilnehmern nicht die Freude am Quiz zu verhageln. Lob und Kritik ist wie immer gern gelesen.

Bleiben Sie zudem auf dem Laufenden und erfahren Sie das Neueste aus der IT-Welt: Folgen Sie uns bei Mastodon, auf Facebook oder Instagram. Und schauen Sie auch gern beim Redaktionsbot Botti vorbei.

Und falls Sie Ideen für eigene Quizze haben, schreiben Sie einfach eine Mail an den Quizmaster aka Herr der fiesen Fragen.


(mawi)





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Künstliche Intelligenz

Top 10: Der beste 3D-Drucker mit Filament im Test


Bambu Lab X1 Carbon im Test

Der neue 3D-Drucker X1C von Bambu Lab ist der – sorry – krass geilste 3D-Drucker, den wir je in den Fingern hatten. Haufenweise smarte Technik ersetzt Fummeln, Basteln und Frickeln. Wie Lidar-Sensoren & Co. den 3D-Druck revolutionieren, zeigt der Test.

VORTEILE

  • erstklassige Druckqualität
  • große Materialauswahl
  • beeindruckende Sensorik für anfängertauglichen Druck
  • mehrfarbiger Druck möglich

Der neue 3D-Drucker X1C von Bambu Lab ist der – sorry – krass geilste 3D-Drucker, den wir je in den Fingern hatten. Haufenweise smarte Technik ersetzt Fummeln, Basteln und Frickeln. Wie Lidar-Sensoren & Co. den 3D-Druck revolutionieren, zeigt der Test.

3D-Druck war lange Zeit mehr ein Hobby als eine Anwendung. Mal eben etwas drucken? Geht nur mit einem gut aufgebauten, gut eingestellten Drucker. Und oft auch nur, wenn man weiß, was man tut. Welches Material als Druckplatte für welches Filament, welche Temperatur für Druckbett und Düse? Ab wie viel Grad Überhang muss man Stützstrukturen (Support) drucken, bis wohin sieht es auch ohne Support noch anständig aus? Haufenweise Fragen, auf die sich 3D-Druck-Fans für ihren Drucker, ihre Filament-Auswahl und ihre Interessen eigene Antworten erarbeiten mussten. Wer nicht Tausende Euros für einen Industrie-Drucker investiert hat, musste experimentieren, ausprobieren und basteln – immer und immer wieder.

Jetzt kommt der Bambu Lab X1 Carbon daher. Mehrfarbig drucken, automatischer Material- und Filament-Wechsel, Live-Kamera, Cloud-Anbindung, App-Steuerung, Fehlererkennung, automatische Extrusions-Kalibrierung, und, und, und: Der Bambu Lab X1 Carbon hat alles und kann alles, was die Technik derzeit bietet – und in dieser Kombination zu diesem Preis so einmalig, dass er die gesamte Konkurrenz aussticht und 3D-Druck vom Hobby zur Anwendung wird – zumindest fast. Aber der Reihe nach.

Aufbau

Beim Qidi X-Max 3 (Testbericht) waren wir schon begeistert. Selbst beim Aufbau hilft dort die Software, indem sie auf dem Touchscreen-Display anzeigt, wie man die Transportsicherungen löst und den Drucker Schritt für Schritt startklar macht. Und wenn der Qidi dann einmal so weit ist, druckt er unglaublich schnell, gleichzeitig in beeindruckender Qualität – und hat einen riesigen Bauraum. Daher: Wer groß drucken möchte, kommt am X-Max 3 nicht vorbei.

Beim Aufbau des Bambu Lab X1 Carbon (oder kurz X1C) wirkt es zunächst wie ein kleiner Rückschritt, denn er hat nicht einmal ein Display, was einem beim Zusammenbasteln helfen könnte: Das liegt noch in einer der Zubehör-Kisten und wird erst später montiert. Bei den ersten Schritten hilft eine kleine gedruckte Anleitung. Sie ist nicht ganz so gut wie das, was der Qidi auf seinem Bildschirm zeigt – ein wenig mitdenken muss man also doch. Andernfalls verbleibt unterhalb des Druckbetts noch ein aufgeschäumtes Material, das den Drucker beim Transport schützt.

Dennoch, nach etwa 30 Minuten sind alle Schrauben der Transportsicherungen gelöst, alle Pappschachteln und Schaumstoff-Kissen entfernt und der Inhalt der Kisten ist am passenden Platz eingetroffen. In unserem Fall befindet sich das automatische Materialsystem, kurz AMS, im Drucker. Der Kasten hat Platz für vier Filament-Rollen und wechselt das Filament automatisch je nach Bedarf. Entweder, um mehrere Farben zu drucken, oder um das jeweils passende Material für einen Druck ohne Wechsel im Angebot zu haben. Das spielt auch bei Sonderfällen eine Rolle, etwa das Aufbrauchen von fast leeren Filament-Spulen oder das Drucken von Stützstrukturen mit speziellem Support-Filament, das sich einfach ablösen lässt.

Um das Filament in das AMS zu laden, setzt man einfach eine Spule in ein freies Fach, tippt auf dem Touchscreen, dass man den jeweiligen Slot laden möchte, und steckt das vordere Ende des Filaments in den Einzug. Der Drucker zieht das Filament ein, erkennt Farbe, Material und nötige Einstellungen anhand eines RFID-Tags an der Spule – und es kann losgehen. Moment mal – benötigt man dafür Original-Filament von Bambu Lab? Ja, zumindest, wenn man diesen Komfort möchte. Der X1C kommt auch mit jedem anderen Filament klar, aber in dem Fall muss der Anwender Einstellungen wie Temperaturen von Druckbett und Düse von Hand wählen.

Einrichtung

Sobald die Hardware steht, geht es auf dem hochauflösenden Touchscreen-Display weiter. Der Drucker möchte eine Verbindung zum WLAN aufbauen. Anschließend gilt es, die Handy-App zu installieren und den Account einzurichten (ohne muss man auf diverse Cloud-Funktionalitäten, Live-Überwachung & Co. verzichten) – und den Drucker noch ein wenig kalibrieren zu lassen. Dieser Prozess läuft automatisch durch. Dabei tastet der X1C sein Druckbett ab. Sehr cool: Es handelt sich hier um einen der wenigen Drucker, die ohne manuelles Z-Levelling auskommen. Man muss den richtigen Abstand zwischen Düse und Druckbett nicht mit Hilfe irgendwelcher Papier- oder Plastikstreifen justieren. Stattdessen bestimmt die Drucker-Sensorik den richtigen Abstand selbstständig.

Bevor es an den ersten Druck geht, werfen wir noch einen Blick auf das Druckbett. Die Druckunterlage wird magnetisch gehalten, so wie das heute üblich ist. Das ist praktisch, da man sie nach Abschluss eines Druckvorgangs einfach aus dem Drucker nehmen und ein wenig biegen kann, um die Objekte abzulösen. Die Druckunterlage ist zweiseitig ausgeführt. Die eine Seite ist beschriftet mit PLA, die andere mit „Engineering Plate“ – je nachdem, welches Material man drucken möchte, verwendet man eben die eine oder andere Seite des Druckbetts.

Auf beiden Seiten sollte man bitte ein Haftmittel verwenden. Dafür packt Bambu Lab einen Klebestift mit ins Paket. Schade: Wir hätten uns gewünscht, dass eine PEI-Druckplatte für PLA gleich mit dabei ist – dann könnte man sich den Klebestift hier auf jeden Fall sparen. Die PEI-Platte gibt es für 41 Euro als Zubehör-Produkt. Wer viel PLA druckt, für den ist das wahrscheinlich eine gute Investition, allein, weil man das Druckbett nicht mit Spülmittel reinigen und danach mit neuem Klebstoff einschmieren muss.

Ein Katalog mit druckbaren Modellen (Makerworld) ist in der Bambu-Handy-App hinterlegt. Hier kann man direkt auf dem Smartphone ein Modell auswählen und den Druck starten – zumindest mit voreingestellten Settings zum Thema Druckqualität. Und tatsächlich: Der Druck startet kurz nach der Auswahl des Modells in der App. Und, um das gleich vorwegzunehmen: Er ist nicht nur gelungen, sondern sieht wirklich hervorragend aus.

Damit das alles so klappt, hat der Hersteller einiges an Aufwand getrieben. Neben dem AMS mit der automatischen Filament- und Einstellungserkennung gibt es etwa einen Lidar-Sensor, der vor jedem Druck die Durchflussmenge des Filaments kalibriert. Dabei schmilzt er ein paar dünne Linien an den Rand des Druckbetts und vermisst sie hinterher. Das Gleiche passiert, wenn man es nicht aus Zeitgründen unterbindet, mit der ersten Druckschicht. Sie wird ebenfalls per Lidar vermessen, um sicherzustellen, dass die Haftung stimmt und keine Bestandteile abgerissen sind. Erst dann druckt der Bambu Lab wirklich los – mit beeindruckender Geschwindigkeit. Besser, einfacher und zuverlässiger haben wir das noch nie gesehen.

Wer die Druckeinstellungen selbst beeinflussen möchte, kommt mit der App nicht weit. Hier gibt es zwar gut druckbare Modelle mit brauchbaren Voreinstellungen, aber spätestens, wenn es bei komplexeren Modellen mal um Stützstrukturen geht oder um Mehrfarbigkeit, kommt man um eine Slicer-Software auf dem PC nicht herum. Bambu Lab hat einen eigenen Slicer namens Bambu Studio im Angebot. Der basiert auf den Open-Source-Anwendungen Prusa Slicer und Super Slicer und bedient sich in Teilen auch an Cura. Dabei heraus kommt eine einfach zu bedienende, auf Wunsch aber auch unfassbar detailreiche Software. Wer sich grundlegend mit 3D-Druck auskennt, hat Programm und Drucker in Minuten eingerichtet. In der Praxis laden wir nur noch Modelle als STL-Datei herunter, ziehen sie per Drag-and-drop in das Bambu Studio, wählen die Qualität und das gewünschte Filament.

Je nach Größe des Modells dauert es nun wenige Sekunden bis mehrere Minuten, bis die Druckdatei für den X1C vorbereitet ist. Dank Cloud-Anbindung muss man, wenn man eingeloggt ist, bisher nicht einmal Dateien auf eine Speicherkarte ziehen – sondern startet den Druck einfach per Mausklick auf dem PC. Ganz wie in Word. Hinweise in englischer Sprache helfen Anfängern bei typischen Problemen, beispielsweise wenn Support-Strukturen abgeschaltet sind, die Überhänge des Modells aber zu groß sind.

Filament und Materialien

Bambu Lab hat uns das Testgerät zusammen mit diversen Rollen verschiedener Filamente zur Verfügung gestellt, darunter PLA, PLA Matte, PLA-CF (mit Carbonfaser-Verstärkung) und ASA. Wir haben im Test vorwiegend mit Filament von Bambu gearbeitet – und wir raten hauptsächlich Anfängern, auch diesen Weg zu gehen. Zwar ist das Filament hier etwas teurer, aber aufgrund der praktischen Lösung mit den RFID-Tags und den gespeicherten, optimalen Druckeinstellungen eben super einfach zu verwenden. Zumindest, wer ein AMS sein Eigen nennt, wird den Filament-Aufpreis sicher gerne zugunsten von Komfort und Qualität akzeptieren. Und wer möchte, kann jederzeit auch anderes Filament einspannen – muss sich dann aber eben selbst um die richtigen Einstellungen für den Druck kümmern.

Kurz und knapp: Der Bambu X1 Carbon war bei uns im Test ziemlich genau zwei Wochen fast im Dauereinsatz. Es war nur bei PLA-CF gelegentlich ein manuelles Eingreifen nötig, weil das Filament nach Abschluss des ansonsten perfekten Drucks festhing und von Hand herausgezogen werden musste. Beim einzigen Druck, der im Chaos endete, haben wir das Objekt mittendrin von Hand umgeschubst – um zu sehen, wie der X1C darauf reagiert.

Dank seines geschlossenen Bauraums und der hohen möglichen Temperaturen von Druckbett und Düse gibt es weitestgehend nichts, was der Bambu nicht druckt. Wer die Auflösung noch weiter erhöhen möchte, bekommt Nozzles mit geringerem Durchmesser, wer noch exotischere Materialien drucken will, bekommt auch Druckunterlagen für besonders hohe Temperaturen.

Druckbild & Geschwindigkeit

Wer diesen Testbericht bis hier gelesen hat, dürfte unsere Begeisterung für den X1C sicherlich schon gespürt haben. Die Ergebnisse, die hier nach zwei Wochen intensiven Druckens vor uns liegen, können sich sehen lassen. Vereinzelt gibt es vielleicht Kleinigkeiten, die noch ein wenig besser sein könnten – aber um das überhaupt so gut hinzubekommen, sind bei anderen Druckern schon Stunden über Stunden an Tuningmaßnahmen in Slicer, Druckerprofil und Druckerfirmware geflossen. Der Bambu druckt einfach alles, sehr nahe an der Perfektion, und vollkommen unkompliziert.

Besonders schöne Oberflächen haben wir mit PLA-Matte und PLA-CF erreicht. Hier sieht man bis auf wenige Ausnahmen bisher nicht einmal die einzigen Schichten. Aber auch ein testweise gedruckter Entlüftungsschlüssel für Heizkörper aus ASA sieht so aus, als hätten wir ihn nicht gerade vom Druckbett gezogen, sondern für Geld im Baumarkt gekauft.

Mindestens so beeindruckt hat uns auch die Tatsache, dass der X1C Funktionsteile am Stück druckt. Ein Fidget-Spinner, der sich nur in eine Richtung drehen lässt? Eine Handy-Halterung mit mehreren Scharnieren? Solche Bauteile fallen am Stück aus dem Bambu – man muss sie nicht mehr zusammensetzen und benötigt keine Schrauben. Damit das klappt, muss die Präzision schon auf extrem hohem Niveau liegen.

Und die Geschwindigkeit? Diese ist sehr hoch, aber die Konkurrenz ist teilweise noch schneller. Bei Standard-Einstellungen fährt der Druckkopf in der Einstellung „fein“ beim Infill mit 430 mm/s, Außenwände mit 200 mm/s. So dauert das Benchy-Schiff in feiner Einstellung etwa 40 Minuten, eine 15 cm hohe Spiderman-Büste war nach 4 Stunden fertig. Zum Vergleich: Der anfangs erwähnte Qidi X-Max 3 hat für das Benchy in anständiger Qualität gerade einmal 14 Minuten benötigt. Allerdings vergehen, wenn man ihn lässt, beim Bambu auch immer erst einmal gute 6 Minuten für Vorbereitungen wie das Leveln des Druckbetts, das Kalibrieren des Extruders und das Prüfen der ersten Schicht per Lidar-Sensor. Gerade Anfänger werden zu schätzen wissen, wie verlässlich und zuverlässig der Bambu Lab X1 Carbon druckt – und die paar Extra-Minuten gerne in Kauf nehmen.

Der Druck mit mehreren Farben hat nur einen sehr beschränkten Anwendungsfall. So wirklich farbig drucken kann man damit nicht, sondern eben die Filament-Farbe wechseln. Das dauert aber jedes Mal – und der Drucker wirft das Misch-Material beim Farbwechsel, also dem Übergang von einem Filament zum anderen, hinten als Überschuss aus. Letztlich dauert das von uns gedruckte Benchy in zwei Farben so 6,5 Stunden statt 40 Minuten. Und am hinteren Auswurf hat der X1C knappe 100 Gramm farblich vermischte Filament-Reste ausgeworfen. Dennoch: Es ist toll, dass das klappt, und es gibt sicherlich gute Anwendungsfälle für den Mehrfarbdruck. Wer aber denkt, mal eben eine knallbunte Disney-Figur drucken zu können, irrt.

Die integrierte Kamera zeichnet auf Wunsch eine Zeitraffer-Aufnahme des Drucks auf. Außerdem wird sie für eine Bildauswertung genutzt. Per KI, sagt zumindest der Hersteller, erkennt sie unter anderem Spaghetti-Bildung, wenn ein Druck nicht gut läuft. Kommt es zu einem Fehler, gibt es sofort eine Push-Nachricht auf die Handy-App. Man kann live überprüfen, ob der Druck wirklich ein Problem hat – und gegebenenfalls direkt auf Pause drücken oder den Druck anhalten. Das funktioniert in der Praxis tatsächlich.

Das zweifarbige Benchy wiegt 12 Gramm. Zusätzlich hat der Drucker aber 100 Gramm Filament beim Farbwechsel hinten ausgeworfen und in den Turm gedruckt. Das Verhältnis wäre besser, würde man mehrere gleiche Objekte gleichzeitig drucken. Der Wechsel kommt trotzdem „nur“ einmal pro Schicht vor.

Preis und Alternativen

Der X1 Carbon kostet beim Hersteller regulär 1349 Euro ohne und 1629 Euro mit dem Filament-Wechsler AMS. Aktuell liegt er bei 1149 Euro ohne AMS respektive 1399 Euro mit. Das ist viel Geld für einen 3D-Drucker. Vor allem, wenn man betrachtet, dass günstigste Modelle schon für 60 bis 70 Euro zu haben sind. Einen deutlich günstigeren Einstieg in die Thematik gibt es, zwar mit Einschränkungen, aber einfach und gut, bei Bambu in Form des A1 Mini für 199 Euro.

Aber: Noch nie war 3D-Druck so frustfrei und einfach wie beim Bambu Lab X1C. Gleichzeitig sehen unsere Druckergebnisse allesamt überdurchschnittlich gut aus. Wer einen 3D-Drucker sucht, der verlässlich funktioniert – ohne viel Fachwissen zu benötigen, ist hier genau richtig.

Wer nicht so viele verschiedene Materialien drucken möchte, kann sich mit dem P1P den kleinen Bruder von Bambu Lab ansehen. Ihm fehlt die Gehäuse-Einhausung, weswegen viele Hochtemperatur-Materialien herausfallen, sowie einige Feinheiten und Sensoren für das letzte Quäntchen der Perfektion. Allerdings kostet er nur die Hälfte des X1C.

Das passende Filament ist mit 30 bis 40 Euro pro Kilo-Spule etwa ein Drittel bis zur Hälfte teurer als Verbrauchsmaterial anderer Hersteller. Wer sich mit der Thematik nicht weiter befassen möchte, ist hier genau richtig.

Fazit

Lange hat uns kein 3D-Drucker mehr so begeistert wie dieser. Die Perfektion der Konstruktion, die durchdachte Software, das umfangreiche Zubehör, die hohe Präzision: So muss 3D-Druck sein. Es gibt keinen einfacheren und besseren Drucker in dieser Preisklasse oder darunter. Wer einfach nur drucken möchte, bekommt mit dem X1-Carbon von Bambu Lab das derzeitige Optimum.



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Cloudflare-Rekordstrafe: Italiens harter Anti-Piraterie-Kurs trifft DNS-Resolver


In einer weitreichenden Entscheidung hat die italienische Kommunikationsbehörde Agcom den Infrastrukturriesen Cloudflare zu einer Geldstrafe von exakt 14.247.698,56 Euro verurteilt. Mit dem Beschluss von Ende Dezember erreicht der Konflikt um das italienische Anti-Piraterie-System „Piracy Shield“ eine neue Eskalationsstufe (Az.: 333/25/CONS). Die Aufsichtsinstanz wirft dem US-Konzern vor, eine Auflage zum Sperren illegaler Streaming-Inhalte beharrlich ignoriert zu haben.

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Der Ursprung des Streits liegt in einer im Februar 2025 von der Agcom erlassenen Anordnung. Damit verdonnerte der Regulierer Cloudflare, den Zugriff auf über 15.000 Domains und IP-Adressen zu unterbinden. Grundlage ist das italienische Anti-Piraterie-Gesetz von 2023 („Legge antipirateria“). Es verpflichtet Diensteanbieter dazu, gemeldete rechtsverletzende Inhalte innerhalb von nur 30 Minuten nach Meldung über die Plattform „Piracy Shield“ unzugänglich zu machen. Besonders im Fokus steht dabei der öffentliche DNS-Resolver 1.1.1.1 von Cloudflare. Laut Agcom ermöglicht es dieser italienischen Nutzern, systematisch bestehende Websperren zu umgehen und weiterhin auf illegale Live-Übertragungen von Sportveranstaltungen zuzugreifen.

Das Millionenbußgeld setzte die Behörde mit dem jetzt veröffentlichten Beschluss auf Basis von einem Prozent des globalen Jahresumsatzes von Cloudflare an. Sie rechtfertigt diese Berechnung mit der grenzüberschreitenden Struktur des Unternehmens: Da die Infrastruktur von Cloudflare weltweit ausgerichtet sei und die Umgehung lokaler Sperren erst ermögliche, müsse auch die Sanktion eine entsprechend „abschreckende Wirkung“ entfalten und über den nationalen Rahmen hinausgehen.

Agcom betont dabei die Schwere des Verstoßes: Cloudflare nehme eine „entscheidende Rolle“ bei der Verbreitung illegaler Inhalte ein, was laut Schätzungen zu massiven wirtschaftlichen Schäden im Sportsektor führe.

Cloudflare verteidigte sich im Verfahren mit massiven technischen und systemischen Einwänden. Das Unternehmen gab an, dass ein „Filter“ im DNS-Resolver 1.1.1.1 täglich rund 200 Milliarden Anfragen verarbeiten müsste. Dies sei eine „unverhältnismäßige und unzumutbare“ Lösung, die zu erheblichen Latenzproblemen führen und die Effizienz des gesamten Systems beeinträchtigen würde. Zudem warnte der Betreiber von Content Delivery Networks (CDN) vor den Gefahren des „Overblocking“, da die Sperrung von IP-Adressen auch unbeteiligte Webseiten vom Netz trennen könnte.

Die italienischen Regulierer ließen diese Argumente nicht gelten. Sie verwiesen auf die „hohe technologische Kompetenz“ des Konzerns, der sehr wohl in der Lage sei, zielgenaue Sperren zeitnah umzusetzen.

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Die Entscheidung des Regulierers stützt sich auf Artikel 1 des Gesetzes 249/1997, das den Grundstein für die italienische Medienregulierung legt. Es ist die erste Sanktion dieser Größenordnung gegen einen CDN- und DNS-Anbieter in Italien. Die Behörde unterstreicht damit ihren Anspruch, internationale Konzerne ohne Sitz in Italien zur Einhaltung lokaler Gesetze zu zwingen, sofern ihre Dienste im Land genutzt werden. Cloudflare hat bereits angekündigt, die Entscheidung vor dem regionalen Verwaltungsgericht (Tar Lazio) anzufechten.

Der Fall hat laut TorrentFreak eine Bedeutung, die weit über Italien hinausreicht. Sollte die Strafe Bestand haben, müssten sich auch andere Anbieter wie Google oder OpenDNS darauf einstellen, ihre Dienste künftig nach den variierenden Vorgaben einzelner Nationalstaaten filtern zu müssen. Hierzulande urteilte das Oberlandesgericht Köln 2023: Cloudflare haftet als Dienstleister für den beschleunigten Abruf von Internetinhalten unter Umständen nicht nur als Störer, sondern auch als Täter von Urheberrechtsverletzungen.


(nie)



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