Künstliche Intelligenz
Heimkino-Test: „Das Verschwinden des Josef Mengele“ polarisiert
Man möchte meinen, das Thema Nationalsozialismus im Film sei inzwischen überstrapaziert und aus jedem Winkel betrachtet – neue Eindrücke könne es kaum noch geben. Im vergangenen Jahr zeigte jedoch Jonathan Glazer mit „The Zone of Interest“, dass dieses Kapitel noch lange nicht abgeschlossen ist und sich sehr wohl neue Aspekte in die öffentliche Diskussion einbringen lassen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Nun ist „Das Verschwinden des Josef Mengele“ auf Blu-ray Disc und im Stream erschienen. Gedreht von dem in Berlin lebenden russischen Theater- und Ballettregisseur Kirill Serebrennikov verkörpert August Diehl den Lagerarzt von Auschwitz, der sich auf der Flucht in Südamerika den Fragen seines Sohnes Rolf stellen muss. Der Film sorgt selbst in unserer Redaktion für gegensätzliche Bewertungen – und liefert zugleich eine ungewöhnlich radikale visuelle Umsetzung, die wir technisch und inhaltlich prüfen.
Nicht nur das Thema und die Darstellung von August Diehl lassen diesen Film aus dem Einerlei der Unterhaltungsbranche herausstechen. Es ist auch die Ästhetik des hauptsächlich in Schwarzweiß mit extremen Kontrasten und aufwendigen Kamerafahrten gedrehten Films. Wie gut diese Ästhetik funktioniert und was Blu-ray sowie Stream daraus machen, zeigt unser detaillierter Blick auf Bild, Ton und Inszenierung.
Bevor wir die Technik ab Seite 3 genauer beleuchten, gehen wir zunächst auf Inhalt und Produktionsprozess ein. Weil die Meinungen der beiden Autoren über den Film auseinandergehen, haben wir das Fazit am Ende in zwei Abschnitte unterteilt. Wir freuen uns über spannende und dem Thema gerecht werdende Diskussionen im Forum.
Vom Buch zur Graphic Novel zum Film
„Das Verschwinden des Josef Mengele“ wurde ursprünglich von Olivier Guez 2017 als Roman veröffentlicht. Das nur 224 Seiten dünne Buch erzählt in kurzen Kapiteln die Flucht Mengeles von Deutschland 1949 bis zum Fund seiner Leiche 1979 an einem Strand in Brasilien. 2023 erschien die zugehörige Graphic Novel von Matz und Jörg Mailliet.
Der im vergangenen Jahr im Kino und nun auch auf Disc und im Stream veröffentlichte Film erzählt nicht die gesamte Fluchtgeschichte, sondern konzentriert sich auf die Zeit, als Mengeles Sohn Rolf 1977 seinen damals 66-jährigen Vater mit falschem Pass in São Paulo besucht, um ihn zur Rede zu stellen. Dabei verschachtelt der Film die Geschehnisse in mehreren Zeitebenen. In Rückblenden erzählt er, wie Mengeles Familie in Günzburg an Einfluss gewann und Josef wieder in den Familienbetrieb eingliedern wollte. Josef habe schließlich nur seine Pflicht getan und sich nichts vorzuwerfen.
Weiterlesen nach der Anzeige

„Du wirst nie begreifen“: Auch hier irrt Josef Mengele (August Diehl, rechts). Sein Sohn Rolf (Max Bretschneider) hat verstanden, warum er sich von seiner Familie distanziert.
(Bild: DCM / Leonine)
Einen Eindruck von dem, was in Auschwitz geschah, gibt eine auf 16-mm-Farbfilm gedrehte Sequenz, die die Flucht und Diskussionen nach gut einer Stunde für zehn Minuten unterbricht. Die Stummfilmszenen zeigen ungeschönt und mit detaillierten Beschreibungen in den Untertiteln, wie Mengele die Häftlinge aussortiert und ermorden lässt, um aus ihren Leichen Präparate für die Rassenforschung anzufertigen.
Geduld. Geduld!
Zum Kontrast legt Serebrennikov das Lied „Geduld“ von Hermann von Gilm und Richard Strauss über die Bilder aus dem Lager und konfrontiert damit die Kunstmusik der bürgerlichen Hochkultur mit dem Rückfall in die Barbarei von Auschwitz. Die Geduld, die das romantische Lied anmahnt, verweist dabei auf die perverse Situation der Opfer, die sie bei der Verfolgung der Täter aufbringen mussten.

Zurück in Günzburg: Die Familie plant die Zukunft von Josef, derweil die Dienstboten den herrschaftlichen Tisch decken.
(Bild: DCM / Leonine)
Zurück zur Flucht: In Argentinien wird Mengele festgenommen – allerdings nicht wegen seiner Taten in Auschwitz, sondern weil er im Land streng verbotene Abtreibungen vorgenommen hatte. Gegen ein Bestechungsgeld kann er sich freikaufen. Um 1960 flieht er über Paraguay schließlich nach Brasilien und kommt dort bei dem ungarischen Pärchen Stammer unter, das aus seiner Flucht Kapital schlagen will.
Zur musikalischen Untermalung arbeitete der Komponist Ilya Demutsky hauptsächlich mit dissonanten Flächen von Streichern und Bläsern, um eine permanente Unruhe zu erzeugen und Mengeles Paranoia zu spiegeln – ähnlich wie bei Stücken von Krzysztof Penderecki, die Stanley Kubrick für „The Shining“ einsetzte.
Der in Uruguay und Lettland gedrehte Film lebt vom Hauptdarsteller August Diehl, der Mengele als verbitterten Rassenideologen darstellt, der einzig bedauert, seine „wissenschaftliche“ Arbeit nicht fortsetzen zu können. Er fürchtet jedoch die Aufarbeitung, will sich nicht vor Gericht verantworten und weicht den bohrenden Fragen seines Sohnes immer wieder aus.
Künstliche Intelligenz
E-Ink-Notiztablets im Vergleich: Das richtige Gerät für Ihre Zwecke
E-Ink-Notiztablets sind längst mehr als digitale Schreibkladden. Manche ersetzen den E-Book-Reader, andere sind mit offenem Android besonders vielfältig einsetzbar – und einige erleichtern die Arbeit mit KI. Unser Ratgeber hilft Ihnen, das richtige Gerät für Ihre Zwecke zu finden.
Wie bei klassischen Tablets steht auch bei Notiztablets die Systemfrage an erster Stelle. Allerdings ist sie schwieriger zu beantworten, weil die Auswahl deutlich größer ist. Während man sich bei Tablets lediglich zwischen iPadOS und Android sowie allenfalls noch Windows entscheiden muss, verpasst fast jeder Hersteller von Notiztablets deren Betriebssystemen einen ganz eigenen Anstrich.
- Die Auswahl an E-Ink-Notiztablets wächst beständig. Es gibt Generalisten, Arbeitstiere und E-Reader mit Extras.
- Dank bunten E-Ink-Displays eignen sich manche Tablets ideal fürs Lesen von Comics.
- Einigermaßen ordentliche Handschriften wandeln fast alle Geräte treffsicher in Text um.
Grob lassen sich die Geräte in drei Kategorien einteilen: puristische Schreibgeräte, Android-Allrounder und E-Reader mit Extras. Je nachdem, wie die eigenen Anforderungen aussehen, lassen sich so schnell zwei Drittel aussortieren.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „E-Ink-Notiztablets im Vergleich: Das richtige Gerät für Ihre Zwecke“.
Mit einem heise-Plus-Abo können Sie den ganzen Artikel lesen.
Künstliche Intelligenz
Unbekannte senden falsche Katastrophenwarnung an Handys in Brasilien
Das ist wohl der Albtraum einer jeder Katastrophenschutzbehörde: Unbekannten Akteuren ist es gelungen, falsche Warnmeldungen über Brasiliens staatliches Warnsystem zu versenden. Die Behörden vermuten Cyberkriminelle hinter dem Vorfall. Derweil untersucht die Regierung, wie das passieren konnte.
Weiterlesen nach der Anzeige
In der Nacht auf Samstag (Ortszeit) leuchteten in mehreren Regionen Brasiliens etliche Smartphones auf. Sie zeigten eine Warnung der höchsten Kategorie „Alarmstufe extrem“ und eine Nachricht des Zivilschutzes mit dem kryptischen Inhalt „misantropi4“ an. Der kryptische Part wird allgemein als das brasilianische Wort für Menschenhass, „misantropia“ interpretiert, wobei ein a durch eine 4 ersetzt wurde, typisch für den sogenannten „leet speak“ in der Hackerszene. Empfangen wurden die Warnungen in den Bundesstaaten São Paulo, Mato Grosso do Sul, Rio de Janeiro, Paraná und dem brasilianischen Bundesdistrikt, teilte die brasilianische Regierung mit – sie zählte insgesamt zehn der dubiosen Warnmeldungen an etliche Geräte.
Fake-Warnung per Cell Broadcast
Gesendet wurden die Nachrichten per Cell Broadcast, eine Technologie, die seit 2022 auch in Deutschland zu Einsatz kommt. Sie ermöglicht das Versenden von Warnungen etwa vor extremen Wetterlagen oder Gefahrensituationen an Handys in den jeweils betroffenen Regionen – ganz ohne eigens dafür installierte App. Zu hören jedes Jahr am bundesweiten Warntag, wenn hierzulande alle Handys testweise bimmeln.
Nach dem jetzigen Vorfall ist die Cell-Broadcast-Plattform der brasilianischen Regierung vorübergehend außer Betrieb. Die Regierung geht von einem Cyberangriff aus und hat forensische Ermittlungen eingeleitet. Wieviele Geräte die Angreifer letztlich erreichen konnten, das ließe sich aktuell nicht bestimmen, da es sich um eine „inoffizielle“ Warnung handele, erklärte Wolnei Wolff, verantwortlicher Sekretär des Ministeriums für Integration und regionale Entwicklung. Er verwies auf die laufende Untersuchung, die sehr bald Ergebnisse liefern werde und die Plattform zudem sicherer machen solle.
Betreiber des Warnsystems ist Brasiliens nationale Kommunikationsagentur Anatel, sie sieht die Ursache offenbar nicht bei den Telekommunikationsanbietern, über deren Infrastruktur die Warnungen letztlich gesendet werden. Stattdessen verweist sie in ihrer Presseerklärung ebenfalls auf die Warnplattform des Zivilschutzes.
Neue Erkenntnisse über den Hergang des Angriffs dürften auch für andere Staaten interessant sein, die ebenfalls ein Cell-Broadcast-System nutzen – etwa Deutschland. Auch hier gab es schon einen Missbrauch nationaler Warnsysteme, allerdings keine Cyberattacke. Über die Warn-App Katwarn rief die Kreisverwaltung von Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz vorigen Sommer tausende Menschen dazu auf, das Pfalzlied zu singen. Hintergrund war der laufende Dürkheimer Wurstmarkt, bei dem gerade ein Fernsehteam vor Ort war. Die Behörde räumte den Vorfall ein und sprach von einem Fehler.
Weiterlesen nach der Anzeige
(nen)
Künstliche Intelligenz
Agentic QA: Wie KI-Agenten die Qualitätssicherung transformieren
Mit dem Aufkommen der LLMs hat sich das Tempo von Innovation und Wandel im Bereich des Softwaretestens neu definiert.
KI-Agenten können die Schwerarbeit übernehmen – Tests generieren, Protokolle analysieren und Schnittstellen überwachen –, während sich Experten darauf konzentrieren, Ergebnisse auszuwerten, Risiken einzuschätzen, die Qualität der KI-Ergebnisse sicherzustellen und KI-gesteuerte Prozesse zu steuern.
Die Rolle des Teams erweitert sich: Qualitätsexperten können nun strategisch über Risiken nachdenken, Fachwissen zur Abstimmung von Geschäft und Technologie einbringen und die Verhaltensoptimierung intelligenter Testagenten steuern. In dieser neuen Ära ist ihre Arbeit dynamischer, fokussierter und unverzichtbarer denn je.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Agentic QA: Wie KI-Agenten die Qualitätssicherung transformieren“.
Mit einem heise-Plus-Abo können Sie den ganzen Artikel lesen.
-
Künstliche Intelligenzvor 3 Monaten
JBL Bar 1300MK2 im Test: Soundbar mit Dolby Atmos, starkem Bass und Akku‑Rears
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenEmpfehlungsalgorithmen bei TikTok erklärt: Die Maschine hinter dem Endlos‑Feed
-
Social Mediavor 3 MonatenVon Kennzeichnung bis Plattformpflichten: Was die EU-Regeln für Influencer Marketing bedeuten – Katy Link im AllSocial Interview
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonateniX-Workshop Angriffsziel lokales AD − Schwachstellen finden und beheben
-
Künstliche Intelligenzvor 2 Monaten„Don’t Starve Elsewhere“: Survival‑Hit kehrt nach zehn Jahren zurück
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenWeitere Entlassungswelle bei Disney: Bis zu 1000 Mitarbeiter betroffen
-
Künstliche Intelligenzvor 2 MonatenKine‑Exakta: Die erste Spiegelreflexkamera fürs Kleinbild
-
Künstliche Intelligenzvor 2 Monaten
xTool P3 im Test: CO₂-Laser mit 80 Watt schneidet und graviert auch Acryl
