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Reddit Marketing für GEO und Social Media: Warum die Plattform plötzlich unverzichtbar wird


Einst Nische, plötzlich Mainstream? Reddit tauchte bis vor Kurzem in kaum einem Social‑Media‑Redaktionsplan auf. Vorrang erhielt Video-Content im 9:16 Format für TikTok und Instagram Reels. Dann erschien das Schlagwort “GEO” am Marketing-Himmel und plötzlich steht Reddit ganz oben auf der Social Media Agenda. Warum eigentlich?

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Wie KI für GEO Relevanz bewertet und warum Reddit dabei gewinnt

Die Antwort darauf beginnt mit einer kleinen Portion Ironie. Die Maschine misstraut der Maschine. KI‑Tools und Chatbots folgen einem Relevanzprinzip. Für jede Anfrage berechnen sie, welche Wörter mit der höchsten Wahrscheinlichkeit aufeinander folgen. Dafür greifen sie auf ihre Trainingsdaten, internen Datenbanken und weitere extrahierte Quellen zurück. Aus dieser Datengrundlage wählen sie schließlich jene Informationen aus, die für die User*innen am relevantesten erscheinen und daraus entsteht ihre Antwort.

Um diese Relevanz zu bestimmen, orientieren sich KI‑Modelle an Quellen, die sie als Relevanzmarker nutzen. Und weil sich heute in Sekundenschnelle nahezu jeder Inhalt generieren lässt, bei oft schwankender Qualität und Wahrhaftigkeit, setzen KI‑Tools vermehrt auf Quellen, die menschlichen Content kuratieren, prüfen oder besonders hoch bewerten, etwa Nennungen in Online‑Medien. Eine Plattform steht dabei jedoch ganz hoch im Kurs der KI: Reddit.

Als das Internet noch aus Foren bestand – und wie Reddit dieses Prinzip neu belebt

Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch daran, wie das Internet aussah, bevor Social Media Plattformen Einzug hielten. Wer sich online vernetzen wollte, landete in einem Forum. Und davon gab es zu wirklich jedem erdenklichen Thema eines. Manche Foren waren so riesig, dass man sich tagelang darin verlieren konnte, quasi der inoffizielle Vorläufer des Doom‑Scrollings.

Nach einem ähnlichen Prinzip, nur moderner, umfangreicher und mit deutlich mehr Social Media Elementen, funktioniert auch Reddit. Doch spannender als die technische Struktur ist das Verhalten der Communitys. Genau hier unterscheidet sich Reddit von anderen Plattformen und genau das macht Reddit für GEO so wertvoll.

Reddit Marketing: Wo echte Fragen entstehen und warum GEO davon profitiert

Reddit ist derzeit eine der wichtigsten Quellen für GEO, weil die Plattform einen unmittelbaren Einblick in die Sprache, Fragen und echten Probleme der User*innen bietet. Während klassische Keyword‑Tools lediglich Suchvolumen und Begriffvarianten anbieten, zeigt Reddit, wie User*innen tatsächlich denken, formulieren und diskutieren.

Screenshot aus dem Subreddit DigitalMarketing auf Reddit. Ein User stellt die Frage, ob GEO wirklich angesagt ist, weil sein Boss verlangt, ab sofort auch GEO in den Marketingaktivitäten zu berücksichtigen.
Ist GEO wirklich angesagt? Auf Reddit können User*innen ihre Fragen und stellen und in Subreddits darüber wirklich diskutieren. Quelle: Reddit.

Diese authentischen Beiträge tauchen zunehmend in Suchergebnissen auf, sowohl in den Antworten von KI‑Tools als auch bei Google, das inzwischen ebenfalls Inhalte aus Subreddits einbindet, besonders aus aktuellen Diskussionen.

Für GEO ist das ein guter Leitfaden. Ein Blick in die aktiven Subreddits zeigt schnell, welche Themen angesagt sind, welche Fragen die Communitys bewegen und wo neue Pain Points entstehen. Reddit ist damit auch ein exzellenter Hinweisgeber für Trends und Pain Points.

Subreddits: Das Herzstück von Reddit

Stichwort Subreddits: Sie sind der eigentliche Kern von Reddit und darin lauern die Antworten, nach denen die KI so gerne sucht. Reddit selbst ist ein communitybasiertes Netzwerk, das wiederum aus vielen verschiedenen Subreddits besteht. Subreddits sind ähnlich wie die oben erwähnten Foren Online-Räume, in denen die User*innen über ganz bestimmte Themen miteinander sprechen und diskutieren.

Die jeweilige Themenbreite variiert dabei je nach Community von kleiner Nische bis zu weitläufigen Communitys. Jede dieser Communitys hat eigene Regeln, Moderationen und häufig auch eine eigene Gesprächskultur. Beiträge werden dabei nicht von Algorithmen im Feed sortiert, sondern die User*innen entscheiden selbst durch Up- und Downvotes, was weit oben im Diskussionsbereich angezeigt wird.

Screenshot als Beispiel für den Aufbau eines Subreddits auf Reddit. Als Beispiel das Subreddit Social Media Marketing und eine Frage eines Users, was derzeit im Social Media Marketing gut funktioniert. Nach dem Veröffentlichen der Frage können alle weiteren Teilnehmer des Subreddits darüber diskutieren.
Beispiel für ein Subreddit zum Thema Social Media Marketing. Quelle: Reddit.

Und hier hat AI-Slop wenig Chancen. Die User*innen auf Reddit wollen sich mit anderen User*innen über ihre Erfahrungen und Meinungen austauschen. Häufig beginnen Gespräche mit Fragen nach Lösungen aller möglichen Probleme. Egal, was der Fokus eines Subreddits ist, die User*innen erwarten authentische Antworten, und KI-generierte Beiträge bekommen schnell ihre Downvotes.

Kein Ort für schnelle Marketing-Erfolge: Warum Reddit Zeit braucht

Aus der GEO-Perspektive ist es sinnvoll, diese Funktionsweise von Reddit zu kennen. Um Reddit wirklich zu verstehen und dort erfolgreich zu sein – und ich denke, das kann man nicht oft genug betonen – sollten sich Marken und Unternehmen bewusst sein, dass die Plattform völlig anders funktioniert als gewöhnliche Social Media Netzwerke. Darin liegt auch der Wert von Reddit.

User*innnn posten Beitragen, diskutieren miteinander und sprechen authentisch. Wobei natürlich wie jede Online-Community auch Subreddits über ganz eigene Sprachstile und Insider-Begriffe verfügen können. Du siehst auf Reddit, postet man nicht einfach mal einen Beitrag und hofft, dass etwas passiert. Du musst wirklich tief in die Subreddits und Communitys eintauchen.

Übrigens ein kleiner Tipp für alle, die sich auch der Social SEO widmen. Auch Google schätzt Reddit Beiträge und indexiert diese teilweise recht hoch. Sowohl für die GEO als auch eben die Social SEO solltest du zudem wissen, warum die User*innen bestimmte Themen nach oben voten. Nur so kannst du Inhalte erstellen, die Suchintentionen wirklich präzise widerspiegeln und auf die Fragen sowie Bedürfnisse der Community eingehen. Deswegen ist Reddit auch kein Kanal, um kurz vorbeischauen. Ansprechendes Reddit Marketing braucht Zeit.

Reddit ist kein Social Media Kanal wie jeder andere

Ebenso solltest du Reddit nicht nach einer Marketing Denkweise behandeln. Subreddits sind kein Platz für Eigenwerbung. Betrachte Reddit nicht als Marketing Plattform, sondern als Community Plattform. Denn durch den GEO-Hype ist die Gefahr groß, dass Marken, Agenturen und Unternehmen nichts unversucht lassen, um so schnell wie möglich auf Reddit sichtbar zu werden. Reddit bedeutet: Investiere Zeit und Ressourcen ins Community Management!

Reddit belohnt Community‑Arbeit, nicht Marketing‑Taktiken

Mehr Zeit für die eigene Community sollte eigentlich für jede Social Media Plattform gelten, auf der du aktiv bist. Aber für Reddit gilt das in besonderem Maße. Trotz aller GEO-Verlockungen! Ehrlich gemeinter Ratschlag: Wenn GEO in deinen Marketing-Bemühungen zurzeit an erster Stelle steht – was absolut legitim ist, gute Gründe für GEO gibt es einige, wie du hier in unserem GEO Best-of nachlesen kannst – solltest du lieber nicht auf Reddit sein. Und genauso wird direkte Werbung ebenso abgelehnt und mit Downvotes bestraft.

Ja, das ist vielleicht ein wenig drastisch, aber die Hauptmotivation für eine aktive Reddit-Präsenz sollte ausschließlich der Austausch mit der Community sein. Dafür wurde Reddit geschaffen und dafür sind die User*innen auf Reddit aktiv.

Performance ist dennoch erlaubt und Reddit bietet hier auch Möglichkeiten. Doch für organische Inhalte zählt nur: Wie und worüber sprichst du mit deiner Community? Und hierbei stehst nicht du oder dein Unternehmen im Mittelpunkt, sondern ausschließlich die Themen, welche deine Community bewegen.

Denke nicht an irgendwelche Chatbots, in denen dein Unternehmensname auftauchen soll, denke lieber daran, wie du mit gehaltvollen Inhalten Antworten auf die Anliegen deiner Community findest und wie Reddit für diesen Austausch dir eine Plattform bieten kann. Darum geht es bei Reddit: Die User*innen erwarten von Marken und Unternehmen, dass sie sich wie Teilnehmer*innen verhalten, sich an die Regeln der Subreddits halten und wirkliche Mehrwerte schaffen.



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Schattendasein vorbei: Warum Social SEO 2026 zur Pflichtdisziplin im Social Media Marketing wird!


Was sind die bekanntesten Social Media Marketing Disziplinen? Ohne lange zu zögern fallen sofort Begriffe wie Performance, Community-Management oder Video-Content ein. Doch im Vergleich zu allen anderen Disziplinen scheint eine ihr Dasein im Schatten zu fristen. Social SEO. 

Doch mit der jüngsten Ankündigung von Google, Social Signals in der Search-Console sichtbar zu machen, sollte auch ein Umdenken stattfinden. Mehr Platz für Social SEO in der Social Media Strategie! Und die KI hat auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Social SEO, GEO und vieles mehr: Mit dem AllSocial Newsletter bist du top informiert. Jetzt abonnieren und exklusiven Rabatt für dein AllSocial Marketing Conference Ticket sichern!

Warum Social Signals bisher im Schatten standen

Die Gründe, warum Social SEO und Social Signals kaum Beachtung finden, liegt an ihrer fehlenden Messbarkeit. Social Signals sind letztlich alle Interaktionen deiner Community mit deinen Inhalten. Also Kommentare, Share, Likes usw. Aus Sicht der Suchmaschine sind sie weniger harte SEO-Faktoren, wie Backlinks oder Keywords, sondern eher Anzeichen, dass deine Inhalte für deine Community relevant sind. Übrigens ist dieser Faktor noch wichtig, wenn wir einen kleinen Exkurs zur GEO machen, dem KI-Verwandten der herkömmlichen SEO.

Mehr dazu erfährst du auch in unserem Social Signals Spezial und unserer Übersicht zum Social SEO Monitoring.

Social Signals und GEO

Wenn schon das Google Update noch nicht ausreicht, um endlich von der Bedeutung von Social Signals überzeugt zu sein, vielleicht gelingt es der GEO. Kurz erklärt: GEO steht für Generative Engine Optimization das KI-Pendant zur klassischen SEO und ist auch für uns Social Media Manager*innen nicht ganz unbedeutend. 

Statt für Suchmaschinen optimierst du hier für KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity, die Inhalte analysieren und daraus ihre Antworten generieren. Und genau hier kommen Social Signals wieder ins Spiel. Denn KI-Modelle greifen zunehmend auf Social Media Inhalte zurück, um Marken, Themen und deren Relevanz einzuordnen. Ganz hoch im Kurs steht dabei übrigens die Plattform Reddit.

Interaktionen wie Shares und Kommentare werden so zu einem Indikator dafür, wie präsent und glaubwürdig eine Marke im digitalen Raum ist. Weil immer mehr User*innen ihre Suchanfragen direkt an KI-Tools stellen, sind Social Signals in doppelter Hinsicht relevant: für die klassische Suche und auf für Sichtbarkeit in KI-generierten Antworten. Social Signals ignorieren, ist verlorene Reichweite auf gleich zwei Kanälen.

Messbarkeit und Monitoring: Das ändert sich mit dem Google-Update für die Social SEO

Mit den neuen Platform Properties in der Google Search Console wird die Wirkung von Social Signals erstmals messbar. Nach derzeitigem Stand kannst du deine Kanäle auf Instagram, TikTok, X und YouTube direkt verknüpfen, unabhängig davon, ob du eine eigene Website hast. Anschließend siehst du, welche Suchbegriffe User*innen zu deinen Beiträgen führen und wie sie mit deinen Inhalten interagieren. Dadurch erhältst du die Möglichkeiten deine Social Signals besser zu monitoren und auszuwerten.

Social Signals für deine Social Media Strategie

Social Signals zu messen war davor immer so eine Sache, die manchmal eher dem Bauchgefühl glich. Spürbar, aber dennoch wenig aussagekräftig. Es waren mehr Vermutungen, welche Beiträge die Sichtbarkeit in der Suchergebnissen erhöhten. Jetzt siehst du es direkt in der Search Console.

Dadurch lässt sich gezielt erkennen, welche Formate und Themen in der Suche funktionieren und wie du deine Social SEO Maßnahmen entsprechend ausrichten solltest. Gleichzeitig rücken Social, SEO und Content näher zusammen, weil sie am selben Nutzerverhalten gemessen werden. Und das Update ist sicherlich kein Zufall. Seit Meta angekündigt hat, Instagram-Beiträge für die Google-Suche indexierbar zu machen, senden gleich zwei große Plattformen dasselbe Signal. Social Media Inhalte werden zu einem festen Bestandteil der Suche. Wer Social Signals wirklich versteht und darauf gezielt arbeitet, verbessert die eigene Reichweite und Sichtbarkeit.

Social Signals gezielt nutzen für mehr Reichweite und Sichtbarkeit

Aus den neuen Daten wird erst dann ein Vorteil, wenn du sie in konkrete Maßnahmen übersetzt. Setze auf Formate, die aktiv zur Interaktion einladen. Fragen, Umfragen oder Inhalte mit klarem Mehrwert erzeugen mehr Shares und Kommentare als reine Selbstdarstellung. Mehr Tipps, wie du über Social Signals und Social SEO Content deine Sichtbarkeit erhöhst, haben wir dir auch hier im Beitrag zusammengestellt.

Achte außerdem auf konsistente Marken- und Profilangaben über alle Kanäle hinweg. Das hilft Google, deine Profile korrekt zuzuordnen. Nutze die Reports auch, um Content-Lücken aufzudecken. Führt etwa eine Suchanfrage zu deinem Instagram-Post, aber du hast dazu keine passende Webseite, auf der die entsprechenden Angebote, Produkte oder Inhalte zu finden sind, dann weißt du, wo du vielleicht noch nachbessern solltest.

Social Signals klingen allerdings durch das Google Update verlockend. Aber zu viele auf einmal, dürfte kaum hilfreich sein. Verzichte auf Keyword-Stuffing und Über-Optimierung. Googles Spam-Systeme erkennen das in der Regel zuverlässig. Der Fokus sollte auch weiterhin auf echter Relevanz für deine Community liegen. Denn darum sollte es bei allen Inhalten gehen, egal ob für den Social Media Algorithmus, KI-Chatbots oder die Google-Suche. Echte Relevanz entsteht nur durch Mehrwerte für deine Community.

Mach Platz für Social SEO in deiner Strategie!

Social SEO hat lange im Schatten der großen Disziplinen gestanden. Nicht, weil sie unwichtig war, sondern weil ihr die Messbarkeit fehlte. Genau das ändert sich jetzt. Mit den Platform Properties liefert Google endlich die Daten, um die Wirkung von Social Signals sichtbar zu machen. Und im Zusammenspiel mit KI-Suche und Metas Öffnung Richtung Google-Indexierung zeigt sich, wie Social Media Inhalte fester Bestandteil der Suche geworden sind. Höchste Zeit also, Social SEO mehr Platz in deiner Strategie einzuräumen.



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Ihr seid auf zu vielen Social-Media-Kanälen


Die Auswahl der richtigen Social-Media-Kanäle gehört zu den wichtigsten strategischen Entscheidungen. Trotzdem wird sie häufig auf Basis erstaunlich einfacher Argumente getroffen.

„Unsere Zielgruppe ist auf Instagram.“

Dieser Satz dürfte schon für sehr viele Social-Media-Kanäle verantwortlich gewesen sein. Er klingt schließlich vollkommen logisch. Wenn die eigene Zielgruppe auf einer Plattform unterwegs ist, dann sollte das Unternehmen dort ebenfalls präsent sein.

Das Problem ist nur: Mit dieser Logik landet fast jedes Unternehmen auf fast jedem größeren Social Network. Denn natürlich sind die eigenen Zielgruppen auf Instagram. Wahrscheinlich sind sie auch auf Facebook, YouTube, LinkedIn und TikTok. Je nachdem, wie weit man die Definition der Zielgruppe fasst, kommen noch Pinterest, Threads, Snapchat und ein paar weitere Plattformen hinzu.

Die Anwesenheit der Zielgruppe ist deshalb noch lange kein ausreichender Grund für einen eigenen Kanal. Sie ist eine Grundvoraussetzung, mehr aber auch nicht.

Die strategisch wichtigere Frage lautet deshalb nicht, ob die Zielgruppe auf einer Plattform vertreten ist. Die Frage ist, ob das eigene Unternehmen die Voraussetzungen mitbringt, um dort dauerhaft erfolgreich zu sein.

Ein Kanal braucht einen echten Content-Fit

Unternehmen sind erstaunlich gut darin, für jedes Social-Network eine mögliche Content-Idee zu finden. Für TikTok könnten wir kurze Videos drehen. Auf Instagram zeigen wir Einblicke hinter die Kulissen. Bei LinkedIn veröffentlichen wir das Fachwissen unserer Expert*innen und für YouTube machen wir irgendwann einmal eine Videoserie.

Das Problem ist nicht, für einen Workshop oder eine Präsentation ein paar gute Ideen zu entwickeln. Die Herausforderung beginnt einige Monate später, wenn aus den ersten zehn Ideen regelmäßig neue Inhalte entstehen müssen.

Ein Unternehmen sollte deshalb nicht nur fragen, ob es Inhalte für eine Plattform produzieren kann. Es sollte sich fragen, ob es dauerhaft Zugang zu den richtigen Themen, Geschichten, Personen und Situationen hat.

Ein Tourismusverband verfügt beispielsweise über einen anderen Content-Zugang als ein Industrieunternehmen. Eine Medienmarke kann Aktualität ausspielen, während ein Unternehmen mit vielen Fachleuten vielleicht einen Vorteil bei der Vermittlung komplexer Themen hat. Andere Unternehmen verfügen über starke Persönlichkeiten, außergewöhnliche Produkte oder einen exklusiven Blick hinter die Kulissen.

Nicht jeder dieser Vorteile funktioniert auf jedem Social Network gleich gut. Genau deshalb ist die Frage nach dem Content-Fit so wichtig.

Wer jeden Montag in einer Redaktionskonferenz verzweifelt nach einer Idee für den nächsten Post sucht, hat nicht automatisch ein Kreativitätsproblem. Vielleicht passt der Kanal schlicht nicht zu dem Content, den das Unternehmen glaubwürdig und dauerhaft produzieren kann.

Wo liegt unser struktureller Vorteil?

Mit dem Content-Fit eng verbunden ist die Frage, ob ein Unternehmen auf einer Plattform einen strukturellen Vorteil hat.

Social-Media-Teams schauen bei ihrer Planung gerne auf erfolgreiche Accounts und überlegen anschließend, welche Formate sie davon übernehmen können. Das ist zur Inspiration sinnvoll, führt strategisch aber nicht weit genug. Denn ein Format lässt sich kopieren, die Voraussetzungen für seinen Erfolg häufig nicht.

Ein Fußballverein hat direkten Zugang zu Spieler*innen. Ein Tourismusverband kann Orte und Erlebnisse zeigen, an die andere nicht ohne Weiteres kommen. Ein Hersteller verfügt über Wissen zu seinen Produkten und ihrer Entwicklung. Ein Handelsunternehmen sieht frühzeitig, welche Produkte und Themen bei Kund*innen an Bedeutung gewinnen.

Die interessante Frage lautet deshalb nicht nur: Was könnten wir auf diesem Kanal machen?

Sie lautet: Was können wir dort besser, glaubwürdiger oder konsequenter machen als andere?

Das muss kein spektakulärer Vorteil sein. Aber es sollte einen Grund geben, warum ausgerechnet dieses Unternehmen auf dieser Plattform dauerhaft relevante Inhalte veröffentlichen kann. Wer keinen solchen Vorteil findet, muss im Zweifel mit mehr Budget, mehr Produktionsaufwand oder einer höheren Frequenz dagegen anarbeiten.

Auch das kann eine strategische Entscheidung sein. Sie sollte nur bewusst getroffen werden.

Versteht jemand im Unternehmen das Netzwerk wirklich?

Ein Punkt wird bei der Auswahl neuer Kanäle besonders häufig unterschätzt: das notwendige Wissen über die Plattform.

Gibt es im Unternehmen jemanden, der das Netzwerk wirklich versteht? Jemanden, der es selbst nutzt, Entwicklungen verfolgt und ein Gefühl dafür hat, welche Inhalte funktionieren und warum Menschen sich dort auf eine bestimmte Weise verhalten?

Damit ist ausdrücklich nicht gemeint, dass diese Person jede neue Funktion am Tag der Veröffentlichung kennen muss. Es geht um ein grundsätzliches Verständnis für die Mechanik und die Kultur einer Plattform.

Das lässt sich nicht vollständig durch Best-Practice-Präsentationen, Trendreports und gelegentliche Webinare ersetzen. Natürlich kann Wissen aufgebaut werden. Aber genau dieser Wissensaufbau ist dann Teil der Investition in einen neuen Kanal.

In der Praxis wird dieser Aufwand gerne vergessen. Ein Unternehmen entscheidet sich für TikTok, weil die Plattform strategisch relevant erscheint, und erwartet anschließend von einem Team, das bisher hauptsächlich Facebook und Instagram betreut hat, dass es TikTok nebenbei mit übernimmt.

Das kann funktionieren. Aber dann braucht es Zeit zum Lernen, Ausprobieren und Verwerfen. Es braucht Freiräume, um ein Gefühl für die Plattform zu entwickeln. Und es braucht die Bereitschaft, zu akzeptieren, dass nicht vom ersten Monat an alles funktioniert.

Wenn diese Zeit nicht vorhanden ist, sollte sie in der Kanalentscheidung auch nicht einfach ignoriert werden.

Können wir den Kanal auch in einem Jahr noch sinnvoll betreiben?

Der Start eines neuen Social-Media-Kanals ist meistens nicht das Problem. Für den Launch gibt es Ideen, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar ein zusätzliches Budget. Die eigentliche Frage ist, was ein Jahr später passiert.

Gibt es dann noch genügend Inhalte? Ist die zuständige Person noch da? Wurde das zusätzliche Budget verstetigt? Funktionieren die internen Freigabeprozesse? Werden Kommentare beantwortet? Gibt es Zeit für die Auswertung und Weiterentwicklung des Kanals?

Zu den Kosten eines Social-Media-Kanals gehört schließlich deutlich mehr als die reine Content-Produktion. Abstimmungen, Freigaben, Community-Management, Monitoring, Reporting und die kontinuierliche Weiterentwicklung müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Hinzu kommt, dass die Netzwerke sehr unterschiedliche Anforderungen stellen. Ein Unternehmen, das mit zwei guten LinkedIn-Beiträgen pro Woche erfolgreich arbeitet, kann daraus nicht ableiten, dass sich ein zusätzlicher Kanal mit demselben Aufwand betreiben lässt.

Genau an diesem Punkt werden Kanalstrategien häufig unrealistisch. Auf dem Papier werden Plattformen einzeln bewertet. Jede für sich erscheint machbar. In der Realität greifen aber alle Kanäle auf dieselben begrenzten Ressourcen zurück.

Und damit kommen wir zur wahrscheinlich wichtigsten Frage.

Was lassen wir dafür weg?

Jeder neue Kanal kostet etwas. Selbst dann, wenn kein zusätzliches Mediabudget eingeplant wird und die Produktion mit vorhandenen Ressourcen erfolgen soll.

Die Arbeitszeit, die in TikTok fließt, fehlt an anderer Stelle. Die Idee, die für ein Instagram-Reel umgesetzt wird, bindet Kapazitäten, die nicht für YouTube zur Verfügung stehen. Das Community-Management für einen weiteren Kanal muss von jemandem übernommen werden, der in dieser Zeit etwas anderes nicht macht.

Deshalb sollte die Frage bei einem neuen Social-Media-Kanal nie nur lauten: „Können wir das auch noch machen?“

Die bessere Frage lautet: Ist dieser Kanal wichtiger als das, was wir mit denselben Ressourcen stattdessen verbessern könnten?

Vielleicht ist es sinnvoller, aus einem mittelmäßigen YouTube-Kanal einen guten zu machen, statt zusätzlich TikTok zu starten. Vielleicht bringt es mehr, endlich ein funktionierendes Community-Management auf Instagram aufzubauen, statt den nächsten Kanal mit Inhalten zu füllen. Und vielleicht braucht das Unternehmen gar keinen weiteren Social-Media-Kanal, sondern mehr Budget für die Distribution der Inhalte, die bereits produziert werden.

Diese Abwägung fehlt in vielen Kanalstrategien. Statt Prioritäten zu setzen, werden immer neue Plattformen ergänzt. Das Ergebnis sind Social-Media-Teams, die ihre Ressourcen auf sechs oder sieben Kanäle verteilen und auf keinem davon genügend Zeit haben, um wirklich gute Arbeit zu leisten.

Eine gute Kanalstrategie sagt auch Nein

Natürlich spielen Ziele und Zielgruppen bei der Auswahl der Social-Media-Kanäle eine Rolle. Sie sollten zu diesem Zeitpunkt aber längst geklärt sein. Die Kanalauswahl ist nicht der Anfang einer Social-Media-Strategie, sondern eine Konsequenz aus ihr.

Erst danach beginnt die eigentliche Prüfung. Haben wir den passenden Content? Verfügen wir über einen strukturellen Vorteil? Gibt es das notwendige Wissen? Können wir den Kanal dauerhaft sinnvoll betreiben? Und ist der Einsatz unserer Ressourcen dort wirklich besser als an anderer Stelle?

Das Ergebnis dieser Prüfung darf auch sein, einen Kanal nicht zu bespielen.

Vielleicht sogar häufiger, als es vielen Unternehmen lieb ist.

Denn eine Strategie, die am Ende Instagram, TikTok, LinkedIn, YouTube, Facebook, Pinterest und Threads empfiehlt, hat keine Auswahl getroffen. Sie hat lediglich eine Liste der verfügbaren Plattformen erstellt.

Eine gute Kanalstrategie erklärt deshalb nicht nur, wo ein Unternehmen aktiv sein sollte. Sie schafft auch die Kriterien, um sich bewusst gegen Plattformen zu entscheiden.

Die richtige Plattform ist nicht einfach die, auf der eure Zielgruppe unterwegs ist. Es ist die Plattform, auf der ihr die Voraussetzungen habt, dauerhaft relevante Inhalte zu produzieren, das Netzwerk zu verstehen und eure begrenzten Ressourcen besser einzusetzen als an anderer Stelle.



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Feed und Fudder Podcast 85 – Corporate Influencing


Wenn aus Mitarbeitenden Markenbotschafter werden! Corporate Influencing ist einer der Social Media Trends der letzten Zeit und Unternehmen versprechen sich viel davon. Mehr Nähe zur Community, authentische Kommunikation, echte Menschen statt langweiliger Unternehmensaccounts.

Corporate Influencer verspricht viel – wenn man die Corporate Influencer machen lässt. Und da beginnen die Herausforderungen. Wir sprechen im Feed und Fudder Podcast mit Social Media Marketing Expertin Lisa Merki über Chancen, Stolperfallen und Erfolgsfaktoren eines Corporate Influencer Programms.

Wie finden Unternehmen die richtigen Persönlichkeiten, wie viel Zeit braucht Corporate Influencing wirklich und warum sind Loslassen und Ownership entscheidend? Welche Plattformen sind empfehlenswert und warum sollten Unternehmen bei allen Hürden trotzdem nicht auf Corporate Influencing verzichten? Denn ohne ist eine Unternehmenskommunikation kaum noch vorstellbar.


Mehr zum Thema:

Zwischen Company-Vorgaben und persönlichen Inhalten – wie viel Freiheit brauchen Corporate Ambassadors?

Community Management und Zielgruppen-Analyse: Die besten Insights aus Blog und Podcast


Transkript Feed und Fudder Podcast 85 – Corporate Influencing

Du bist grad irgendwo, wo es still sein muss, schmöckerst lieber in Texten oder möchtest unsere Folge barrierefrei mit deinem Screenreader lesen? Kein Problem!

Hier gibt es das Transkript zu Folge 85 – Corporate Influencing

Transkript

Alexander

Hallo und herzlich Willkommen beim Feed und Fudder Podcast. Wir haben heute ein Gesprächsthema, das sich viele von euch da draußen gewünscht haben. Und dann habe ich gedacht, laden wir uns einfach mal einen tollen Gast dazu ein. Wir sprechen heute über Corporate Influencing. Und wie gesagt, ich bin nicht allein, sondern ich habe heute Lisa dabei. Schön, dass du da bist, Lisa. Stell dich doch einfach mal kurz vor.

Lisa

Ich bin Lisa.

Ich arbeite als Senior Social Media Managerin bei Social Hub, bin aber auch freiberuflich im Social Media Marketing unterwegs und mache Speakings und Co. Und was für das heutige Thema am spannendsten ist: Ich habe bei uns vor eineinhalb Jahren das Corporate‑Influencer‑Programm aufgebaut und betreue es intern. Ich habe viele Hindernisse und Typen gesehen und ich glaube, es lohnt sich total, in dieses Thema deeper reinzugehen, weil viele Aspekte unterschätzt werden. Deswegen freue ich mich total, heute hier zu sein.

Alexander

Auf jeden Fall. Bei Corporate Influencing denke ich zuerst an die LinkedIn‑Unternehmensseite. Aber da haben wir ein kleines Problem: Der LinkedIn‑Algorithmus mag Unternehmensseiten nicht besonders. Ich glaube, aktuell sind es nur rund zwei Prozent Sichtbarkeit im Feed. Also macht es Sinn, wenn man Personen einbindet. Aber „beauftragen“ klingt nicht authentisch, und das ist die erste Herausforderung. Wie würdest du Personen auswählen, um mit Corporate Influencing zu starten?

Lisa

Das ist kein einfaches Thema, weil viele Ebenen reinspielen und es stark von der Unternehmensgröße abhängt. Der Best Case ist eine Bewerbungsphase, weil man so die Leute erreicht, die sich proaktiv melden würden. In manchen Unternehmen werden auch Personen aktiv angesprochen. Ich glaube, es braucht ein Zusammenspiel aus beidem, weil es Menschen gibt, die sich das nicht zutrauen, obwohl sie gut geeignet wären.

Gerade die Bewerbung zeigt intrinsische Motivation, die für die Langfristigkeit extrem wichtig ist. Wir öffnen alle sechs Monate eine Bewerbungsphase und schauen dann: Passt das? Ist die Dedication da? Haben sie sich mit dem Thema beschäftigt? Wenn ja: Let’s go.

Alexander

Und wie hält man die Leute langfristig bei der Stange?

Lisa

Es ist wirklich kein einfaches Thema. Viele denken, man setzt ein Programm einmal auf und dann läuft es von selbst. Aber die leitende Person muss immer wieder Ideen entwickeln, um die Leute zu motivieren weil wir das alles neben unseren eigentlichen Jobs machen. Wir arbeiten mit Incentives, zum Beispiel exklusivem Merchandise, das nur Corporate Influencer bekommen. Das ist an Zugehörigkeit gekoppelt: x Monate aktiv = Item 1, y Monate aktiv = Item 2.

Wir machen auch Challenges, damit sowohl Gemeinschafts‑ als auch Wettbewerbsmotive angesprochen werden. Was aber noch wichtiger ist als Incentives: gute Betreuung. Es braucht eine dedizierte Ansprechperson, Wissenssessions, Workshops, Feedback auf Postings. Interner Ownership ist entscheidend. Deshalb sehe ich es kritisch, wenn eine externe Agentur alles übernimmt und intern niemand Verantwortung trägt. Das ist essenziell für langfristige Motivation.

Alexander

Und das sind genau die Gründe, warum Corporate Influencing sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringt. Sie sind die Gründe, warum so viele Leute sich für dieses Thema interessieren und auch bei uns angefragt haben, hey, macht doch mal bitte was dazu. Aber das sind eben auch die Herausforderungen.

Da kommt man nicht drum herum zu sagen, sie sind am Anfang recht hoch. Aber gehen wir mal kurz weg von den Herausforderungen. Warum lohnt sich aus deiner Sicht überhaupt Corporate Influencing? Warum sollte man bereit sein, diese Herausforderungen anzunehmen? Was kann man damit erreichen?

Lisa

Ich glaube, den größten Vorteil sieht man schon in der Sache selbst. Corporate Accounts werden immer ein Stück weit weiter weg vom Menschen sein. Es ist ein Logo, das für eine Unternehmenskultur steht und für die Menschen dahinter. Und genau diese Menschen sind es, die ein Unternehmen zu dem machen, was es ist. Sie sichtbar zu machen und ihnen eine Stimme zu geben, ist unglaublich wertvoll.

Wenn jemand mit dem eigenen Gesicht sagt, das ist meine Meinung, das ist meine Erfahrung, dann entsteht Vertrauen. Das wird immer authentischer wirken als ein Corporate Account, der abgesegneten Unternehmenssprech veröffentlicht. Das hat ein ganz anderes Trust‑Level.

Viele Unternehmen nutzen Corporate Influencing fürs Employer Branding. In Bewerbungsgesprächen stellt sich jedes Unternehmen toll dar. Aber wenn Mitarbeitende Real Talk geben und erzählen, wie es wirklich ist, dann glaubt man das viel eher als dem abstrakten Unternehmen. Das ist ein riesiger Vorteil.

Und durch verschiedene Persönlichkeiten im Unternehmen schafft man viel mehr Anknüpfungspunkte. Wenn ich mit dem Corporate Account nicht connecte, dann vielleicht mit Mitarbeiter B oder F. So spricht man unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Bereichen an. Das ist die große Stärke.

Alexander

Das mit der Vielfalt finde ich sehr schön. Wenn man es richtig macht, zeigt man damit auch, dass man moderne Arbeitskultur nicht nur in Stellenanzeigen verspricht, sondern wirklich lebt. Corporate Influencing ist ein Echtzeit‑Beweis dafür, dass die Werte eines Unternehmens ernst gemeint sind. Oft erleben wir ja das Gegenteil: schöne Werte auf Papier, aber in der Praxis passiert nichts. Du hast das Wort Seele gesagt.

Wir sind Menschen, wir haben Emotionen. Wie verhindert man, dass ein Corporate‑Influencer‑Account einfach ein Copy‑and‑Paste‑Kanal der Unternehmensseite wird?

Lisa

Es steht und fällt mit der Haltung, mit der man das Thema angeht, und mit einer Person, die es verteidigt. Bei uns war es so: Ich kam ins Unternehmen und war sofort überzeugt, dass Corporate Influencing zu uns passt. Ich hatte intrinsische Motivation, das aufzubauen. Als dann Vorschläge aus dem C‑Level kamen wie „Wir könnten Ghostwriting machen“, war ich diejenige, die gesagt hat: Wenn wir es so machen, brauchen wir es gar nicht machen. Es braucht jemanden, der das Thema schützt und auf dem richtigen Weg hält. Es kann nur funktionieren, wenn es authentisch ist.

Es gibt Unternehmen, die zentral gesteuerte Kommunikation machen und Texte vorgeben. Das kann bis zu einem gewissen Grad funktionieren, je nach KPIs. Aber es wird nie so vertrauensstiftend sein wie echte Menschen, die selbst posten.

Alexander

Und wir haben eine Herausforderung noch nicht angesprochen: Loslassen und Ownership. Damit tun sich Unternehmen extrem schwer. Ich denke da immer an Ikea. Ikea macht großartige Socia Media Kampagnen, weil sie keine Freigabeschleifen haben. In fast jeder Feed und Fudder‑Folge sagen wir denselben Satz: Leute, lasst diese Freigabeschleifen endlich sein.

Gebt euren Leuten Verantwortung und freie Hand. Sonst passiert genau das, was wir kennen: Trends sind längst vorbei, wenn Unternehmen sie posten. Wie kann man Corporate Influencern diese Verantwortung geben? Wie schafft man dieses Loslassen?

Lisa

Man muss sich bewusst sein, dass Corporate Influencing immer ein Stück weit Kontrollverlust bedeutet. Man kann keine Freigabeschleifen für persönliche Accounts einführen, die den Menschen gehören. Ich fände es sogar bedenklich, wenn das so wäre. Deshalb würde ich Corporate Influencing nur Unternehmen empfehlen, die bereit sind, diesen Kontrollverlust zu akzeptieren.

Sonst wird es nur eine leere Hülle einer verlängerten Unternehmenskommunikation. Es ist nicht einfach, Kontrolle abzugeben, aber es gehört Vertrauen dazu. Mitarbeitende, die Corporate Influencer werden, leisten viel. Sie stehen mit ihrem Gesicht für das Unternehmen. Das würden nur Menschen tun, die wirklich hinter dem Unternehmen stehen. Niemand, der das Unternehmen schlecht findet, würde sagen: Klar, ich werde Corporate Influencer.

Deshalb würde ich immer die positive Intention sehen. Am Anfang kann man Rahmenbedingungen festlegen: Was geht, was geht nicht, welche Informationen sind vertraulich. Aber danach sollte man möglichst viel Freiheit geben. Davon profitieren alle am meisten.

Alexander

Und du hast ja gerade gesagt, Rahmenbedingungen. Ich weiß nicht, ob man das pauschal beantworten kann, aber die Leute, die Corporate Influencing übernehmen, haben ja trotzdem noch ihren eigentlichen Job im Unternehmen. Das ist ja erstmal ein Mehraufwand. Was meinst du, kann man das in einer Stundenzahl festhalten? Wie viel Zeit braucht man fürs Corporate Influencing oder sollte das Unternehmen den Leuten Freiraum schaffen?

Lisa

Also Freiraum schaffen auf alle Fälle. Ich finde, das sollte in der Arbeitszeit stattfinden. Ansonsten verlangt man den Leuten viel zu viel ab. Und ich glaube, arbeitsrechtlich ist es auch nicht okay. Man sollte es realistisch einschätzen. Am Ende hängt es davon ab, wie viele Ressourcen das Unternehmen freimachen kann und was vertretbar ist. 

Ich finde zwei bis drei Stunden pro Woche realistisch, gerade wenn man keine Unterstützung wie Ghostwriting hat, sondern alles selbst macht. Am Anfang ist das Setup schwieriger, weil man mit Menschen arbeitet, die nicht die gleiche Content‑Creation‑Erfahrung haben. Da kann man nicht erwarten, dass alles sofort super ist.

Es dauert, bis man einen Groove entwickelt. Es hängt auch davon ab, welche Frequenz man erwartet und wie viel Zeit man geben kann. Wenn man nur eine halbe Stunde pro Woche hat, sollte man überlegen, ob es überhaupt Sinn macht. In der Zeit überlegt man gerade mal, was man posten möchte. Man muss dem Thema Priorität geben und sagen: Ja, das ist uns wichtig, und dafür schaffen wir Zeit.

Alexander

Wir haben jetzt die meiste Zeit über LinkedIn gesprochen. Der Vorteil dort ist, dass man mit einem persönlichen Profil ohnehin im Business‑Kontext unterwegs ist. Aber wie sieht Corporate Influencing auf anderen Plattformen aus? Instagram, TikTok? Macht es Sinn, ein Business‑Profil als Person einzurichten oder kann man Corporate Influencing auch mit dem Privataccount machen?

Lisa

Zur Plattformauswahl: Ich sehe Unternehmen, die das auch auf Instagram oder TikTok umsetzen. Es hängt stark davon ab, was für ein Unternehmen man ist, ob B2C oder B2B, und welches Ziel man verfolgt. Wenn man Employer Branding pushen möchte, kann Insta oder TikTok Sinn machen. Wir als B2B‑Brand haben dort wenig Mehrwert.

Ich finde es auch in der Handhabung schwieriger. Videos zu coachen ist ein viel größeres Unterfangen als Schreiben und Fotos. Fotos kann man gemeinsam erstellen, Videokonzeption und Schnitt sind viel individueller. Es gibt Unternehmen, die das machen, und dort sehe ich oft separate Profile für Corporate Influencer.

Viele wollen ihr privates Profil nicht dafür nutzen. Es gibt aber auch Personal Brands, die beides verbinden, allerdings ohne das Unternehmen stark in den Vordergrund zu stellen. LinkedIn ist für Business‑Ziele meist der beste Ort: Netzwerk aufbauen, Kontakte knüpfen, PR‑Möglichkeiten. Und es ist in der Programmhandhabung viel einfacher zu steuern als andere Plattformen.

Alexander

Und vielleicht zum Abschluss: Würdest du empfehlen, wegen der Ressourcen lieber eine Plattform richtig gut zu machen?

Lisa

Auf alle Fälle. Das gilt im Corporate Influencing genauso wie im Social Media Marketing. Wenn die Ressourcen nicht reichen, alles vernünftig zu machen, sollte man sich auf eine Plattform konzentrieren. Coacht die Leute dort gut, betreut sie eng und gebt ihnen eine solide Basis. Wenn ich mir vorstelle, zusätzlich zu LinkedIn auch noch Instagram für zwölf Leute zu coachen, wäre das ein enormer Mehraufwand. Man sollte überlegen, wie man Ressourcen sinnvoll einsetzt, um das Beste herauszuholen.

Alexander

Vielen Dank für diesen wunderbaren Einblick ins Corporate Influencing. Ich hoffe, ihr da draußen habt ein paar Antworten bekommen und vielleicht auch ein bisschen die Scheu verloren. Das Interesse ist hoch, aber die Bereitschaft, es zu tun, ist oft noch niedriger. Ich hoffe, wir konnten euch Mut machen. Probiert es einfach aus. Wenn die Leute erstmal dabei sind, macht es allen Beteiligten Spaß.

Lisa

Das glaube ich auch. Ich finde, es schafft eine schöne interne Community und stärkt den Zusammenhalt zwischen Abteilungen, gerade im Remote‑Setting. Es gibt der Unternehmenskultur viel zurück. Also auf allen Ebenen eine große Empfehlung. Wenn ihr Fragen habt, meldet euch gerne bei mir auf LinkedIn. Ich tausche mich sehr gerne dazu aus und hoffe, ich konnte die Lücke zwischen Lust und Angst ein bisschen schließen. Vielen Dank für die Einladung.

Alexander

Schön, dass du da warst. Ihr da draußen, wir hören uns in der nächsten Folge Feed und Fudder.

Lisa

Tschüssi!



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