Künstliche Intelligenz
Sexualisierte Deepfakes: EU-Länder einigen sich auf Verbot
KI-Anwendungen zum missbräuchlichen Erstellen von sexualisierten Deepfakes sollen in der EU künftig verboten sein. Vertreter der Mitgliedstaaten und des Europäischen Parlaments einigten sich auf eine entsprechende Anpassung des KI-Gesetzes, wie die zyprische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte. Zugleich sollen andere KI-Regeln vereinfacht werden, um das wirtschaftliche Potenzial von Künstlicher Intelligenz (KI) in Europa auszuschöpfen.
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Bevor die Änderungen in Kraft treten können, muss die Einigung noch vom Plenum des EU-Parlaments und dem Rat der Regierungen der Mitgliedstaaten bestätigt werden. In der Regel gilt das als Formalie. Geht die Reform durch, würde das Verbot ab 2. Dezember 2026 federführend vom KI-Amt der EU durchgesetzt werden, das vor zwei Jahren geschaffen wurde.
Bei sogenannten Deepfakes wird etwa das Gesicht einer Frau in ein anderes Video – etwa eine Porno-Sequenz – eingefügt oder die Stimme künstlich nachgeahmt, sodass es wirkt, als würde sie Dinge tun oder sagen, die tatsächlich nie passiert sind. Durch die Entwicklung von KI ist die Erstellung täuschend echter Inhalte sehr viel einfacher geworden.
Das neue Verbot soll explizit auch auf das Erstellen von Inhalten abzielen, die sexuellen Kindesmissbrauch darstellen. Die FDP-Europaabgeordnete Svenja Hahn begrüßte die Einigung: „KI darf kein Werkzeug für sexualisierte Gewalt gegen Kinder sein“, teilte sie nach den bis tief in die Nacht andauernden Verhandlungen mit.
Grok-Skandale und deutsche Debatte über digitale Gewalt
Auf EU-Ebene rückte das Thema Ende vergangenen Jahres durch den KI-Chatbot Grok in den Fokus: Bis die von Tech-Milliardär Elon Musk geführte US-Firma hinter der Software diese Funktion einschränkte, befahlen Menschen der KI immer wieder, Frauen in von ihnen ausgewählten Bildern zu entkleiden. An Silvester entschuldigte sich der Chatbot selbst dafür, ein Bild von zwei Mädchen im Teenager-Alter „in sexualisierten Outfits“ erstellt zu haben.
In Deutschland bekam die Debatte über sexualisierte digitale Gewalt Ende März neue Dringlichkeit, als Collien Fernandes mit Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen an die Öffentlichkeit ging. Sie wirft ihm vor, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Inhalte verbreitet zu haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Seit Bekanntwerden der Vorwürfe gibt es bundesweit eine große Diskussion über digitale und sexualisierte Gewalt gegen Frauen – und breite Medienberichterstattung darüber. Tausende Menschen zogen für Demonstrationen auf die Straße und forderten mehr Schutz für Opfer. Im Zusammenhang mit dieser Debatte ging es auch immer wieder um sexualisierte Deepfakes und Deepfake-Pornografie. Material dieser Art kursiert schon seit Jahren im Netz.
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EU legte bereits 2024 Richtlinie vor
Die geplanten Gesetzesverschärfungen sind nicht die ersten EU-Regeln zur Bekämpfung digitaler Gewalt. Bestehende Regularien sehen bereits vor, dass in allen Mitgliedstaaten das Anfertigen und Verbreiten von manipulierten Darstellungen sexueller Handlungen ohne Zustimmung der Betroffenen unter Strafe gestellt werden soll.
Die entsprechende EU-Richtlinie ist zwar seit Mai 2024 in Kraft, von Deutschland allerdings bisher nicht in nationales Recht übertragen worden. Dafür hat die Bundesrepublik noch bis zum Sommer nächsten Jahres Zeit. Zuletzt kündigte Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) entsprechende Verschärfungen im Strafrecht und mehr Rechte für Geschädigte an.
Das neue Verbot in der KI-Verordnung auf EU-Ebene, das sich nun abzeichnet, würde die Perspektive von der Bestrafung der Tat hin zum Verbot des Werkzeugs wechseln, also der KI-Anwendung an sich. Wobei Verhandlungsteilnehmer betonen, dass das Verbot nicht dazu führen soll, die Erstellung oder Manipulation von Bildern übermäßig stark einzuschränken.
Dafür soll in dem neuen Gesetz genau definiert sein, was sexualisierte Inhalte sind und was nicht. Nicht-einvernehmliche Bikini-Bilder, wie sie von Grok erstellt und auf X verbreitet wurden, könnten demnach erlaubt bleiben.
Verpflichtende Wasserzeichen für KI-Inhalte verschoben
Ursprünglich hatte die EU-Kommission Änderungen am KI-Gesetz vorgeschlagen, um die Wirtschaft und insbesondere die KI-Branche zu entlasten. Unternehmen forderten zuletzt aber immer wieder mehr Zeit, um die nötigen Anpassungen für die strikteren Vorgaben umzusetzen. Diese Zeit sollen die Anbieter von Chatbots und anderen Diensten laut der Einigung bekommen.
An Teile des Gesetzes, die das Europäische KI-Amt ursprünglich bereits ab August durchsetzen sollte, müssen sich die Firmen hinter ChatGPT, Claude und Co. jetzt erst ab Dezember 2026 halten. Spätestens dann sollen die Anbieter KI-Inhalte deutlich als solche kennzeichnen – generierte Bilder und Videos müssten sie also mit Wasserzeichen markieren. Andere Regeln soll das KI-Amt erst ab Dezember 2027 durchsetzen.
Industrie befürchtet Doppelregulierung
Aus der Industrie kamen zuletzt Forderungen, Doppelregulierungen abzubauen, um Europas Wettbewerbsfähigkeit nicht zu untergraben. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, die europäischen Regeln in diesem Bereich zu vereinfachen. Damit etwa die Maschinenbaubranche sich beim Einsatz von KI nicht an mehrere EU-Regularien gleichzeitig halten muss, sollen Ausnahmen geschaffen werden.
Für den CDU-Europaabgeordneten Axel Voss gehen diese Änderungen nicht weit genug: „Wir brauchen einen Rahmen, der Innovation ermöglicht und Schutz garantiert – nicht einen Flickenteppich aus sektoriellen KI-Sonderregeln“, kommentierte der Parlamentarier.
(olb)
Künstliche Intelligenz
Unbekannte senden falsche Katastrophenwarnung an Handys in Brasilien
Das ist wohl der Albtraum einer jeder Katastrophenschutzbehörde: Unbekannten Akteuren ist es gelungen, falsche Warnmeldungen über Brasiliens staatliches Warnsystem zu versenden. Die Behörden vermuten Cyberkriminelle hinter dem Vorfall. Derweil untersucht die Regierung, wie das passieren konnte.
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In der Nacht auf Samstag (Ortszeit) leuchteten in mehreren Regionen Brasiliens etliche Smartphones auf. Sie zeigten eine Warnung der höchsten Kategorie „Alarmstufe extrem“ und eine Nachricht des Zivilschutzes mit dem kryptischen Inhalt „misantropi4“ an. Der kryptische Part wird allgemein als das brasilianische Wort für Menschenhass, „misantropia“ interpretiert, wobei ein a durch eine 4 ersetzt wurde, typisch für den sogenannten „leet speak“ in der Hackerszene. Empfangen wurden die Warnungen in den Bundesstaaten São Paulo, Mato Grosso do Sul, Rio de Janeiro, Paraná und dem brasilianischen Bundesdistrikt, teilte die brasilianische Regierung mit – sie zählte insgesamt zehn der dubiosen Warnmeldungen an etliche Geräte.
Fake-Warnung per Cell Broadcast
Gesendet wurden die Nachrichten per Cell Broadcast, eine Technologie, die seit 2022 auch in Deutschland zu Einsatz kommt. Sie ermöglicht das Versenden von Warnungen etwa vor extremen Wetterlagen oder Gefahrensituationen an Handys in den jeweils betroffenen Regionen – ganz ohne eigens dafür installierte App. Zu hören jedes Jahr am bundesweiten Warntag, wenn hierzulande alle Handys testweise bimmeln.
Nach dem jetzigen Vorfall ist die Cell-Broadcast-Plattform der brasilianischen Regierung vorübergehend außer Betrieb. Die Regierung geht von einem Cyberangriff aus und hat forensische Ermittlungen eingeleitet. Wieviele Geräte die Angreifer letztlich erreichen konnten, das ließe sich aktuell nicht bestimmen, da es sich um eine „inoffizielle“ Warnung handele, erklärte Wolnei Wolff, verantwortlicher Sekretär des Ministeriums für Integration und regionale Entwicklung. Er verwies auf die laufende Untersuchung, die sehr bald Ergebnisse liefern werde und die Plattform zudem sicherer machen solle.
Betreiber des Warnsystems ist Brasiliens nationale Kommunikationsagentur Anatel, sie sieht die Ursache offenbar nicht bei den Telekommunikationsanbietern, über deren Infrastruktur die Warnungen letztlich gesendet werden. Stattdessen verweist sie in ihrer Presseerklärung ebenfalls auf die Warnplattform des Zivilschutzes.
Neue Erkenntnisse über den Hergang des Angriffs dürften auch für andere Staaten interessant sein, die ebenfalls ein Cell-Broadcast-System nutzen – etwa Deutschland. Auch hier gab es schon einen Missbrauch nationaler Warnsysteme, allerdings keine Cyberattacke. Über die Warn-App Katwarn rief die Kreisverwaltung von Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz vorigen Sommer tausende Menschen dazu auf, das Pfalzlied zu singen. Hintergrund war der laufende Dürkheimer Wurstmarkt, bei dem gerade ein Fernsehteam vor Ort war. Die Behörde räumte den Vorfall ein und sprach von einem Fehler.
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(nen)
Künstliche Intelligenz
Agentic QA: Wie KI-Agenten die Qualitätssicherung transformieren
Mit dem Aufkommen der LLMs hat sich das Tempo von Innovation und Wandel im Bereich des Softwaretestens neu definiert.
KI-Agenten können die Schwerarbeit übernehmen – Tests generieren, Protokolle analysieren und Schnittstellen überwachen –, während sich Experten darauf konzentrieren, Ergebnisse auszuwerten, Risiken einzuschätzen, die Qualität der KI-Ergebnisse sicherzustellen und KI-gesteuerte Prozesse zu steuern.
Die Rolle des Teams erweitert sich: Qualitätsexperten können nun strategisch über Risiken nachdenken, Fachwissen zur Abstimmung von Geschäft und Technologie einbringen und die Verhaltensoptimierung intelligenter Testagenten steuern. In dieser neuen Ära ist ihre Arbeit dynamischer, fokussierter und unverzichtbarer denn je.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Agentic QA: Wie KI-Agenten die Qualitätssicherung transformieren“.
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Künstliche Intelligenz
Anthropic: Angst vor China-Spionage soll Auslöser für KI-Lockdown sein
Die Trump-Regierung greift im globalen KI-Wettlauf mit harten Bandagen durch. Auslöser für weitreichende Exportkontrollen gegen die KI-Schmiede Anthropic ist ein schwelender Konflikt um den Zugang zu dessen leistungsstärkster Technologie, dem Modell Claude Mythos. Anthropic stellte dieses System im Rahmen seines Programms Project Glasswing laut Wired auch dem südkoreanischen Telekommunikationsriesen SK Telecom zur Verfügung. Das soll die Sicherheitsbehörden im Weißen Haus auf den Plan gerufen haben, die hinter der südkoreanischen Firma verdeckte Verbindungen nach China vermuteten.
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Die Nervosität in Washington rund um eine potenzielle Peking-Connection verschärfte sich, als Amazon das Weiße Haus auf Schwachstellen in Fable 5 aufmerksam machte. Dabei handelt es sich um eine modifizierte Version von Mythos, die Anthropic Anfang Juni für die Öffentlichkeit freigegeben hatte. Amazon-Forscher demonstrierten, dass sich die eingebauten Sperren umgehen lassen, wodurch unbefugte Nutzer Zugriff auf die Cybersicherheitsfähigkeiten von Mythos erlangen könnten.
Für die US-Regierung fügten sich die Puzzleteile zu einem Bedrohungsszenario zusammen: Ein mächtiges KI-Werkzeug, das Software-Sicherheitslücken aufspüren kann, lag offenbar in den Händen eines Partners mit Verbindungen nach China. Dazu kam die Angst vor der möglichen Freischaltung aller Funktionen.
Per Exportbeschränkung ordnete das Weiße Haus an, sämtlichen ausländischen Staatsbürgern den Zugriff auf Mythos und Fable 5 zu entziehen, um jeglichen Datenabfluss Richtung Peking zu kappen.
Da eine Filterung nach Nationalitäten technisch kaum datenschutzkonform umsetzbar ist, zog Anthropic die Notbremse und schaltete die betroffenen Modelle ab. Dass die US-Regierung in diesem Fall derart kompromisslos reagierte, dürfte auch an Amodeis Weigerung liegen, sich politisch unterzuordnen. Das Pentagon hatte Anthropic wegen eines Streits über Massenüberwachung bereits im März vor die Tür gesetzt.
Geschäftliche Verstrickungen mit Peking
Dass gerade SK Telecom ins Visier der US-Falken geriet, ist historisch begründet. Zwar erwirtschaftete die Mobilfunksparte in China zuletzt kaum Umsatz und bestreitet jegliche unzulässige Nähe zu Peking. Doch SK Telecom ist Teil eines größeren Konglomerats, dessen Tochterfirmen Halbleiter- und Energiegeschäfte mit der Volksrepublik betreiben.
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Zudem unterhält SK Telecom seit über zwanzig Jahren das Joint Venture UNISK mit dem staatlichen chinesischen Telekommunikationsanbieter China Unicom. Diesen Konzern belegte die Trump-Regierung frühzeitig wegen mutmaßlicher Verbindungen zum chinesischen Militär mit Investitionsverboten. Der US-Regulierer FCC verbannte ihn aus dem US-Netz. Für das Weiße Haus Grund genug, die Reißleine zu ziehen.
Inzwischen versucht Anthropic, den Schaden in Washington zu begrenzen. Das Startup hat seine Lobby-Präsenz im Kapitol in diesem Jahr verdreifacht, ein Büro in Washington eröffnet und hochkarätige Republikaner sowie Ex-Trump-Mitarbeiter angeheuert. Aktuell verhandeln beide Seiten täglich über eine Lösung, bei der ein gemeinsames technisches Prüfverfahren den Weg für eine Wiederinbetriebnahme ebnen könnte. In der Tech-Branche wächst zugleich die Sorge, dass der China-Verdacht einen Präzedenzfall schafft und eine „elektronische Überprüfung der Staatsbürgerschaft“ zur Standardbedingung im Silicon Valley wird.
Ein Bumerang und der Kontrast zu OpenAI
Kritiker werfen Amodei vor, die geopolitische Tragweite und die China-Paranoia in Washington unterschätzt zu haben. Eigene Warnungen seien ihm zum Verhängnis geworden: Amodei hatte zuvor betont, dass Mythos zu mächtig für hochentwickelte Cyberangriffe sei, um es ohne Kontrolle freizugeben. Zwar sprangen Anthropic nach der Zwangssperre über 175 Tech-CEOs und Cybersicherheitsexperten in einem offenen Brief bei. Doch das Vertrauen der US-Sicherheitsbehörden scheint verspielt.
OpenAI-Chef Sam Altman schaltete dagegen nach Trumps Wahlsieg sofort auf Kuschelkurs. Der ChatGPT-Betreiber stellte frühere Mitarbeiter des Präsidenten ein, finanzierte im Sinne der Regierung US-Rechenzentren und schickte über Lobby-Gruppen Gelder an Politiker, die gegen eine KI-Regulierung eintreten. Der Lohn der politischen Anpassung zeigte sich beim jüngsten G7-Gipfel: Altman saß beim KI-Lunch direkt neben Trump. Amodei musste mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vorliebnehmen.
(nen)
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