Künstliche Intelligenz
Anthropics aussichtsloser Kampf gegen den Leak von Claude Code
Ein Moment der Unachtsamkeit reichte aus, um die mühsam errichteten Mauern um eines der wertvollsten Geheimnisse der KI-Industrie einzureißen. Was als „menschliches Versagen“ bei Anthropic begann, hat sich innerhalb weniger Wochen zu einem handfesten Skandal entwickelt, der die Grundfesten des digitalen Urheberrechts erschüttert.
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Im Zentrum steht der Quelltext von Claude Code: einem Werkzeug, das Programmierer bei der Softwareentwicklung unterstützt. Unlängst berichteten Beobachter über den vermeintlichen Diebstahl geistigen Eigentums durch einen Modell-Abgriff („Destillation“). Doch das war erst der Anfang der Sorgen für das KI-Startup. Eine versehentlich veröffentlichte Source-Map-Datei gab den Blick auf über eine halbe Million Zeilen Quellcode frei und löste eine Kettenreaktion aus, welche die Entwickler-Community in Aufruhr versetzte.
Der Sicherheitsforscher Chaofan Shou war einer der Ersten, der die Datei in einem öffentlichen Verzeichnis von Anthropic bemerkte. Damit ließ sich der kompilierte Code auf die ursprünglichen Quelldateien zurückführen. Bald darauf landete der originale Quellcode im Netz.
In der Welt von Open Source ist das Spiegeln von Inhalten und das Erstellen von Forks gängige Praxis. So verbreitete sich das Datenpaket binnen Stunden auf GitHub, bevor Anthropic den Fehler bemerken und das Original löschen konnte. Die Reaktion des Unternehmens war drakonisch: Über 8100 Löschanträge nach dem Digital Millennium Copyright Act (DMCA) gingen laut dem Blog IPKat raus, um die Verbreitung der Kopien zu stoppen. Doch die Geister, die Anthropic rief, ließen sich nicht so leicht bändigen.
Die Architektur der autonomen Agenten im Rampenlicht
Was das Leck so brisant macht, ist der Expertenanalyse zufolge die Natur des veröffentlichten Materials. Es handelte sich nicht um Details zur Funktion von Sprachmodellen wie Opus oder Sonnet, sondern um die Softwarearchitektur, die die Interaktion mit diesen steuert. Claude Code ist so wertvoll, weil es eine sehr effiziente Art darstellt, wie KI Software schreibt. Das Leck legte offen, wie das System Kontexte für Nutzeranfragen zusammenstellt und das sogenannte agentische Framework funktioniert.
Solche autonomen Agenten gelten als nächster Schritt in der KI-Evolution: Sie arbeiten nicht mehr nur vordefinierte Pfade ab. Vielmehr treffen sie eigenständige Entscheidungen, nutzen Werkzeuge und korrigieren ihre Anweisungen während des Prozesses selbst. Für die Konkurrenz von Anthropic war dieser Einblick eine Goldgrube, um eigene Systeme zu verbessern.
Zugleich wirft der Vorfall neue juristische Fragen auf. Pikant wird er durch den Umstand, dass Claude Code dem Vernehmen nach zu rund 90 Prozent von Claude selbst geschrieben wurde. Wenn eine KI ihren eigenen Quelltext verfasst, wie sieht es dann mit der Urheberschaft aus? US-Gerichte stellten mehrfach klar, dass vollautonome KI-Erzeugnisse keinen Copyright-Schutz genießen. Der Mensch muss das entscheidende Element der Schöpfung sein. Wenn Anthropic nun versucht, Rechte an Code durchzusetzen, der größtenteils von einer Maschine stammt, begibt sich die Firma aufs Glatteis.
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Claw-Code: Der agile Gegenschlag der Community
Die Entwicklergemeinde reagierte auf die Löschwelle mit der Flucht nach vorn. Innerhalb kürzester Zeit erschien Claw-Code, eine in Python neu geschriebene Version der Kernarchitektur. Sie geht auf die koreanische Entwicklerin Sigrid Jin unter Mithilfe einer anderen KI – OpenAIs Codex – zurück. Claw-Code avancierte zum am schnellsten wachsenden Repository in der Geschichte von GitHub.
Die Claw-Code-Macher stellen darauf ab, dass ihr Projekt keine proprietären Dateien von Anthropic enthalte. Es sei eine unabhängige Neuentwicklung. Anthropic steht damit vor dem Dilemma, dass seine KI-gestützten Rechtsabteilungen prüfen müssen, ob eine KI-übersetzte Version ihres KI-generierten Codes eine Copyright-Verletzung darstellt.
Die Masse an Löschaufforderungen verdeutlicht auch ein systemisches Problem des DMCA-Verfahrens. Anthropic ließ zunächst tausende Repositories sperren, nur um die Forderungen rasch auf knapp hundert gezielt betroffene Kopien einzuschränken. Kritiker fordern schon lange Reformen, da das aktuelle System Plattformbetreiber zwingt, Inhalte ohne gerichtliche Prüfung oder Beweise sofort zu entfernen. Für die KI-Branche wirkt das Copyright zunehmend veraltet: Wenn KI-Assistenten genutzt werden, andere KI-Systeme zu analysieren und nachzubauen, stoßen die klassischen Konzepte von Kopie und Original an ihre Grenzen.
Die Ironie bei der Geschichte: Anthropic versucht, sein digitales Versailles mit juristischen Mitteln zu verteidigen. Entwickler weltweit nutzen parallel genau jene Werkzeuge, die Anthropic und seine Konkurrenten perfektioniert haben, um rechtliche Grenzen zu verwischen.
Claw-Code existiert weiterhin und wird etwa von Elon Musks xAI dankend angenommen. Der Fall zeigt, dass die Ära, in der Immaterialgüterrecht durch bloße Geheimhaltung von Quellcode geschützt werden konnte, vorbei sein dürfte. Das könnte die Machtverhältnisse in der Softwarewelt umwälzen.
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(nie)
Künstliche Intelligenz
Google Brazos: Flüssigkeitskühlung für luftgekühlte Rechenzentren
Google packt mit seinem neuen Kühlsystem Brazos ein wachsendes Problem in Rechenzentren an: Moderne Chips für künstliche Intelligenz und High-Performance Computing (HPC) überschreiten regelmäßig eine Thermal Design Power (TDP) von 1000 Watt. Herkömmliche Luftkühlung stößt bei dieser thermischen Last an ihre physikalischen Grenzen. Bisher blieb Betreibern oft nur der kostspielige und zeitintensive Umbau der Facility-Infrastruktur auf wassergekühlte Systeme.
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Brazos soll diesen Prozess drastisch vereinfachen. Das System ist als Rack-basiertes, geschlossenes Liquid-to-Air-Modul konzipiert. Es erlaubt den Einsatz von flüssigkeitsgekühlter Hardware mit hoher Leistungsdichte in bestehenden, luftgekühlten Rechenzentrumsumgebungen. Statt das gesamte Gebäude aufwendig mit Kühlwasserkreisläufen auszustatten, lassen sich einzelne Racks modular nachrüsten. Laut Google ermöglicht dies eine One-rack-at-a-time-Strategie, bei der die Installation so unkompliziert wie bei Standard-Luftkühlungen bleibt.
Funktionsweise und Integration

(Bild: Google)
Technisch fungiert Brazos als geschlossene Kühleinheit, die Wärme direkt an den Komponenten aufnimmt und über hocheffiziente Wärmetauscher an den Warmgang des Rechenzentrums abgibt, wo sie von der vorhandenen Luftführung aufgenommen wird. Die Trennung zwischen dem IT-internen Kühlkreislauf und der Facility-Infrastruktur ist dabei der entscheidende Vorteil: Der Betreiber muss keine neuen Wasserleitungen durch das Gebäude verlegen.
Das Design ist auf den OCP-Standard ausgelegt. Das Open Compute Project ist eine 2011 von Facebook angestoßene, branchenweite Initiative, die offene Hardware-Spezifikationen für Rechenzentren entwickelt. Ziel ist es, durch standardisierte Designs die Effizienz zu steigern, Kosten zu senken und die Skalierbarkeit für Hyperscaler und Enterprise-Anwender zu verbessern.
Technische Spezifikationen
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Jede Brazos-Einheit belegt 11 Open Units (OU) an Rack-Höhe und ist für die Integration in OCP-ORv3-Racks optimiert. Ein voll ausgebautes System aus drei Einheiten unterstützt eine thermische Last von bis zu 60 Kilowatt pro Rack. Als Kühlmittel kommen wahlweise deionisiertes Wasser oder ein 25-prozentiges Propylenglykol-Gemisch (PG25) zum Einsatz. Die Energieversorgung erfolgt über einen 40- bis 60-Volt-Gleichstromanschluss, der direkt mit den Busbars des Racks verbunden wird.
Für den Betrieb ist zudem ein Monitoring integriert. Das System lässt sich lokal über ein Human-Machine-Interface (HMI) bedienen; für die Fernwartung steht ein Modbus-over-TCP-Protokoll bereit. Google hat bei der Konstruktion zudem auf die Wartungsfreundlichkeit geachtet. Die Einheiten sitzen auf Gleitschienen und lassen sich für Reparaturen leicht aus dem Rack ziehen. Pumpen und Lüfter sind als hot-swappable Field Replaceable Units (FRUs) konzipiert, was die durchschnittliche Reparaturzeit (MTTR) minimieren soll.
Google plant, die technischen Spezifikationen, Design-Prinzipien und visuellen Assets in den kommenden Monaten über die Foren des Open Compute Project öffentlich zugänglich zu machen. Anschließend lassen sich die Entwürfe evaluieren, um die Kühlung für künftige Hochleistungsrechner-Architekturen zu skalieren. Darüber hinaus ist das System bereits allgemein verfügbar; die Fertigungspartner sind laut Google bereit, die Brazos-Designs für den breiteren Markt zu produzieren und anzubieten. Technische Details finden Interessierte in der offiziellen Vorstellung von Brazos.
(fo)
Künstliche Intelligenz
Guter Jahrgang voraus: Apples 27er-Systeme und Siri AI | Mac & i-Podcast
Drei große und mehrere kleine Betriebssysteme hievt Apple im Herbst auf Version 27. Damit kommen Siri AI und schwerwiegende Änderungen an der viel diskutierten Liquid-Glass-Bedienoberfläche auf iPhones, Macs, iPads und Apple Watches. Zugleich verspricht Apple handfeste Leistungs- und Funktionsverbesserungen an vielen Ecken und Enden.
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In Episode 124 knöpfen sich Malte Kirchner und Leo Becker die neuen Betriebssysteme im Detail vor – von iOS, macOS und iPadOS über watchOS, tvOS, visionOS bis audioOS. Wir tauschen erste konkrete Erfahrungen aus und diskutieren über die tiefgreifenden Änderungen an Liquid Glass, besonders in macOS 27. Uns beschäftigt außerdem der radikale Schnitt, mit dem Apple relativ junge Uhren wie die Ultra 1 ausklammert und wo die Reise für die Systeme insgesamt hingeht. Zum Schluss blicken wir auf Siri AI, die im Alltagseinsatz für allerhand Überraschungen sorgt.
Apple-Themen – immer ausführlich
Der Apple-Podcast von Mac & i erscheint mit dem Moderatoren-Duo Malte Kirchner und Leo Becker im Zweiwochenrhythmus und lässt sich per RSS-Feed (Audio) mit jeder Podcast-App der Wahl abonnieren – von Apple Podcasts über Overcast bis Pocket Casts.
Zum Anhören findet man ihn auch in Apples Podcast-Verzeichnis (Audio) und bei Spotify. Wir freuen uns über Feedback, Kritik und Fragen an podcast@mac-and-i.de.
(lbe)
Künstliche Intelligenz
Zu teuer: Dells Neo-Konter XPS 13 kostet das Eineinhalbfache vom MacBook Neo
Das MacBook Neo räumt den Notebookmarkt um: Ein so wertiges Gerät im schicken Vollmetallgehäuse und mit gutem Bildschirm kostete bislang deutlich mehr als die je nach Ausstattung 700 oder 800 Euro, die Apple aufruft. Dementsprechend hoch fallen bisher die Verkaufszahlen aus, was wiederum bei anderen Herstellern Begehrlichkeiten geweckt hat: Sowohl Acer als auch Dell stellten ihre Neulinge Swift Air 14 beziehungsweise XPS 13 zu Monatsbeginn explizit als Neo-Konkurrenten vor.
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Dass beide nicht den niedrigeren der beiden Apple-Preispunkte angreifen werden, also die Ausstattung mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 256er-SSD, war schon bei der Ankündigung klar. Doch wiederum bei beiden war das erklärte Ziel, den höheren Preispunkt zu treffen – dann ebenfalls mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 512-GByte-SSD, aber eben auch mit weiteren Pluspunkten wie beleuchteten Tastaturen, mehreren flotten USB-C-Buchsen und matten Bildschirmen.
Dell löst sein Versprechen allerdings nur auf dem US-amerikanischen Heimatmarkt ein: Dort startet das XPS 13 für 700 US-Dollar, was der hiesigen 800-Euro-Stufe entspricht. Schüler und Studenten bekommen bei Apple wie Dell 100 US-Dollar Rabatt. In Deutschland zeichnet Dells Webshop seit dieser Woche ein völlig anderes Bild: Hierzulande lässt sich das XPS 13 erst ab satten 1050 Euro vorbestellen – also dem Eineinhalbfachen des Startpreises, mit dem das MacBook Neo antritt.
Und der Dell-Preis gilt für ein Notebook mit nur 8 GByte Arbeitsspeicher. Anders als das Neo bekommt man das XPS 13 zwar auch mit 16 GByte; damit steigt der Preis aber auf 1200 Euro.
Für 700 Euro bekommt man hierzulande bereits etliche andere Notebooks, die sogar 16 GByte Arbeitsspeicher mitbringen; in allen Fällen handelt es sich dabei jedoch um ältere Geräte, bei denen man andere Abstriche machen muss.
Studenten bekommen das Basismodell des XPS 13 für 800 Euro, aber das sind dann wiederum 100 Euro mehr als wenn man das Neo mit Studentenrabatt bei Apple kauft. Letzterer läuft zudem unbefristet, während Dells 800-Euro-Angebot schon Ende Oktober ausläuft; danach gibt es nur noch die üblichen, portfolioweiten 10 Prozent Studentenrabatt.
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Wir sprechen in allen Fällen obendrein über die offiziellen Preisempfehlungen der Hersteller; die Straßenpreise liegen beim Neo längst spürbar darunter.
Und Acer?
Acers Neo-Gegenstück Swift Air 14 ist derzeit noch nicht in Preisvergleichen aufgetaucht. Auf der Computex wurde uns allerdings von einem europäischen Mitarbeiter bestätigt, dass das Notebook sicher bei 800 Euro starten wird – und auch die notwendige Strategie dahinter erklärt: Stückzahlen, Stückzahlen, Stückzahlen. Obwohl das Swift Air 14 technisch mit 16 GByte ausgestattet werden könnte, wird es hierzulande ausschließlich in einer Ausstattungsvariante mit Intel Core 5, 8 GByte RAM und 512er-SSD zu kaufen sein. Varianz wird es nur bei der Gehäusefarbe geben.
Das Swift Air 14 (SFA14-I31) soll noch in diesem Monat in den Verkauf gehen. Bislang ist es noch nicht in Preisvergleichen oder bei Händlern aufgetaucht.
(mue)
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