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Coupang: Koreanischer E-Commerce-Riese zahlt Kunden Billionen-Entschädigung


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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das südkoreanische E-Commerce-Unternehmen nimmt fast zwei Billionen Won in die Hand, um seine Kunden für die Auswirkungen eines Datenlecks zu entschädigen – umgerechnet etwa eine Milliarde Euro. Ab Mitte Januar erhalten alle 33 Millionen Kunden des Konzerns Gutscheine, die jedoch an Bedingungen geknüpft sind. Der Verursacher des Vorfalls, ein ehemaliger Mitarbeiter des Konzerns, hatte auf Millionen Datensätze zugegriffen und tausende Zugangscodes aufbewahrt.

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Die Daten kamen bereits im Juni 2025 abhanden, als der Ex-Mitarbeiter Kundendaten wie Namen, E-Mail- und Lieferadressen und die Bestellhistorie der Coupang-Kunden abgriff. Er hatte sich mittels eines gestohlenen internen Sicherheits-Tokens Zugriff auf die Daten verschafft. Der Täter bewahrte sie jedoch nicht auf – lediglich mehrere Tausend Zugangscodes für die Haustüren der Coupang-Kunden speicherte er. Wie Coupang berichtet, entsorgte der Leaker panisch seinen Laptop im Fluss (stilecht in einer Stofftasche mit Coupang-Logo), übergab jedoch einen PC nebst Datenspeichern den Ermittlern.



Aus dem Fluss gefischt: In dieser Coupang-Stofftasche entledigte sich der Leaker des inkriminierten Macbooks und zweier Backsteine.

(Bild: Coupang)

Kurios: Nicht koreanische Strafverfolger fanden den Mann, beschlagnahmten seine Geräte und analysierten sie, sondern Coupang spielte selbst Detektiv. Das sei jedoch keine „Privatermittlung“ gewesen, sondern in enger Absprache mit der koreanischen Regierung passiert, so der Konzern. Man habe sich zudem für forensische Untersuchungen der Dienste dreier „weltweiter Top-Cybersicherheitsfirmen“ bedient, nämlich Google Mandiant, Palo Alto Networks und Ernst & Young (EY). Letztere kassierten gegen den Insolvenzverwalter der Wirecard AG kürzlich eine Schlappe vor dem Bundesgerichtshof.

Der Coupang-Geschäftsführer trat im Dezember zurück und übernahm damit die Verantwortung für den Vorfall. Alle Coupang-Kunden waren bereits Ende November über das Leck informiert worden und erhalten nun eine Entschädigung. Die Interims-Geschäftsführung greift tief ins Konzernsäckel und offeriert jedem der 33 Millionen Kunden Gutscheine im Gesamtwert von 50.000 Won (ca. 29,50 Euro).

Allerdings gibt es einen Haken an der scheinbar großzügigen Geste. Die Gutscheine gelten nicht für das gesamte Angebot an Waren und Dienstleistungen, sondern sind viergeteilt: Geschädigte können für je 5000 Won (ca. 2,95 Euro) im Coupang-Marktplatz und bei Coupang Eats einkaufen, je 20.000 Won (etwa 11,83 Euro) entfallen auf die Reisesparte „Coupang Travel“ und R.LUX, Coupangs Beauty- und Luxusshopping-App.

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Genau für diese Stückelung kritisieren Anwälte den Konzern. Sie erzwinge vier separate Bestellungen für die volle Entschädigungssumme und befördere somit unnötigen Konsum. Zudem versuche Coupang, die finanzielle Belastung zu drücken, indem er lediglich Konsumgutscheine statt einer geldwerten Entschädigung ausgebe.

Besonders schwer wiege jedoch, zitiert die Zeitung Chosun Daily einen Opferanwalt, dass eine Klausel in den Gutscheinbedingungen weitere Ansprüche der Geschädigten ausschließe. So bleibe diesen etwa durch das „non-litigation agreement“ in den Bedingungen die Beteiligung an Schadenersatzklagen verschlossen. Ebensolche planen Anwaltskanzleien jedoch gemeinsam mit Betroffenen – und raten daher von einer Annahme der Gutscheine ab.

Das hierzulande fast unbekannte Unternehmen Coupang genießt in Südkorea einen Amazon-ähnlichen Status und offeriert neben Onlineshopping mit Blitzlieferung auch Videostreaming- und Essenslieferdienste. Mit seinen diversen Unternehmungen erwirtschaftet der Konzern hohe Umsätze: Im Geschäftsjahr 2024 waren es mehr als dreißig Milliarden US-Dollar. Doch nicht nur wegen des jüngsten Datenlecks, sondern auch wegen seiner Geschäftspraktiken steht das Unternehmen in der Kritik.

Das koreanische Arbeitsministerium kündigte am 7. Januar an, man untersuche mit einer Arbeitsgruppe Vorwürfe illegaler Entlassungen und der Verschleierung von Arbeitsunfällen. Mehrere Mitarbeiter der Coupang-Logistiksparte waren vergangenes Jahr zu Tode gekommen.

Kunden ergreifen zudem offenbar in Scharen die Flucht und bringen Coupangs Partner in die Bredouille. Vertreter der Gastronomiebranche und selbstständige Händler, die auf der Plattform des Konzerns ihre Produkte verkaufen, beklagten infolge des Datenlecks massive Umsatzeinbrüche und beklagten die ihrer Meinung nach mangelhafte Reaktion des Konzerns. Sie litten zudem unter hohem Preisdruck, zitiert Chosun den Sprecher einer Händlerorganisation. Das sei „keine Innovation, sondern wirtschaftlicher Mord.“

In der viertgrößten Wirtschaftsnation Asiens gab es im vergangenen Jahr zahlreiche Cyberangriffe und Datenlecks, darunter eines im Regierungsnetzwerk Onnara. Es war durch einen Artikel im US-Hackermagazin Phrack ans Licht gekommen – die ganze Geschichte präsentierten zwei heise-Redakteure auf dem 39C3.


(cku)



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