Digital Business & Startups
Dieses Startup erhöht jedes Jahr automatisch die Gehälter aller Mitarbeiter
Während viele Tech-Konzerne Benefits streichen und Stellen abbauen, geht das KI-Startup Lovable einen anderen Weg
Das Vibe-Coding-Startup Lovable will allen Vollzeitangestellten jedes Jahr zum Arbeitsjubiläum automatisch zehn Prozent mehr Gehalt zahlen – um Talente anzuziehen und langfristig zu halten.
„Wir betrachten Mitarbeiterbindung nicht als selbstverständlich. Sie wird als wachsender Wert gesehen, der aktiv anerkannt und belohnt wird“, schrieb Elena Varna, Growth Operator bei Lovable, am Donnerstag in einem Linkedin-Post.
Lovable setzt auf langfristige Mitarbeiterbindung
Lovable ermöglicht es Nutzern, mithilfe von KI-Prompts Apps, Websites und digitale Produkte zu bauen. Das Startup wurde erst 2023 gegründet und bereits im Dezember mit 6,6 Milliarden Dollar bewertet.
„Menschen werden wertvoller, je länger sie bleiben – und sie sollten sich keine Sorgen machen müssen, ob sie eine Gehaltserhöhung bekommen oder nicht“, schrieb Anton Osika in einem X-Post, in dem er einen Screenshot von Varnas Beitrag teilte.
„Je länger jemand bei Lovable bleibt, desto besser versteht die Person das Unternehmen, trägt zur Dynamik bei und prägt die Kultur“, sagte Maryanne Caughey zu uns. Die Regelung gilt laut Caughey für alle Vollzeitangestellten, die die Leistungserwartungen erfüllen.
Digital Business & Startups
Krebsdiagnose mit 22: „Dachte, ich hätte mich einfach gezerrt“
Ein Startup gegründet, den Mont Blanc bestiegen, einen Mammutmarsch über 100 Kilometer geschafft und ein Praktikum im CEO-Office von Mercedes Benz bekommen: Für John Müller läuft das Leben nach Plan. Bis eine Diagnose mit 22 Jahren plötzlich alles verändert. Karrierepläne, Leistungsdenken, Zukunft – alles muss warten. Knochenkrebs.
Vom Schüler-Startup zum VC
John Müller wächst im Allgäu auf und sammelt früh erste Gründungserfahrungen. Noch als Schüler designt und verkauft er Fahrradflaschen. Sein erstes „richtiges“ Startup gründet er 2021 während der Corona-Pandemie: das Partykartenspiel Soulmate. „Es ging dabei darum, wieder Menschen zusammenzubringen. Man war allein, sogar in Wohngemeinschaften und es gab kaum Gesprächsthemen. Da brauchte es einen Eisbrecher – etwas, das die Situation auflockert“, erzählt er Gründerszene. Er habe alles selbst gemacht: Design, Marketing, Vertrieb.
Aber nicht nur das Gründen fasziniert ihn, sondern auch die Finanzwelt: Investments, Börse, Finanzthemen. „Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen. Da meine Mutter mich sehr jung bekommen hat – da war sie 20 Jahre alt und aus der Ukraine frisch nach Deutschland gezogen – wusste ich, dass ich mich um die finanzielle Absicherung meiner Familie kümmern muss.“
2022 landet Müller nach einem VC-Praktikum als Intern im CEO-Office der Mercedes-Benz Group in Stuttgart. Es wirkt wie der nächste Schritt einer geradlinigen Karriere. Doch genau dort verändert sich sein Leben komplett.
Symptome bei einer Wanderung entdeckt
Die ersten Symptome bemerkt er im Urlaub. „Ich war in Schweden und am letzten Tag hatte ich Schmerzen an der Rippe. Ich dachte: Wir waren viel wandern, schwerer Rucksack, vielleicht hatte ich mir etwas gezerrt oder mich verhoben.“ Aber die Schmerzen hören nicht auf, werden immer stärker.
Für den sportlichen jungen Mann kommt das völlig unerwartet. Körperliche Herausforderungen ist er gewohnt. Er bestieg bereits den Vulkan Cotopaxi, lief den Jakobsweg und stand auf dem Mont Blanc. Nach einem kurzen Krankenhausbesuch in Schweden reist Müller zurück nach Deutschland – direkt in die Notaufnahme des Klinikums Stuttgart.
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„Es stellte sich heraus, dass dort an der Rippe ein Tumor gewachsen war. Und zwar so schnell, dass er auf den Nerv von der Rippe gedrückt hat.“ Die genaue Diagnose erfolgt später: Ewing-Sarkom – eine sehr aggressive und gleichzeitig extrem seltene Krebsform, die meist bei Kindern und Jugendlichen auftritt. „Das ist wie ein Sechser im Lotto, nur im negativen Sinne. 25 Menschen erhalten eine Diagnose, wie ich sie bekommen habe in Deutschland.“ Er bricht weinend zusammen, weiß nicht, wie er das durchstehen soll. Mit 22 Jahren zählte Müller bereits zu den älteren Patienten mit diesem Tumor.
10 Monate Krankenhaus, eine OP, 14 Chemozyklen
Ab der Diagnose geht alles schnell. Insgesamt verbringt Müller zehn Monate im Krankenhaus. Er erhält 14 Chemozyklen, Radiotherapie und eine große Operation, bei der Ärzte den Tumor zusammen mit zwei Rippen entfernen.
Sein Körper verändert sich radikal. Die Haare fallen aus. Er wird bettlägerig, verliert Muskelmasse und Fitness. „Ich war ein Jahr zuvor noch auf dem Mont Blanc gewesen und dann bin ich ein Jahr später kaum den zweiten Stock hochgekommen. Das war für mich schwierig zu verarbeiten. Ich habe mich im Spiegel nicht wiedererkannt.“
Dass ausgerechnet ihn eine solche Diagnose treffen könnte, hält Müller lange für unvorstellbar. Er ist Leistungssportler, ernährt sich gesund und ist viel in den Bergen. „Vielleicht sterbe ich bei einem Fahrradunfall, aber sicher niemals an Krebs“, denkt er damals. Der gesunde Lebensstil hat auch familiäre Gründe. „Mein Opa war Alkoholiker und starb daran. Mein Papa war Alkoholiker und starb daran. Da war ich zehn Jahre alt. Ich wusste, dass ich alles in meiner Kraft Stehende tun möchte, um nicht dem gleichen Schicksal zu unterliegen.“
Startup-Podcasts als Motivation
Im Krankenhausalltag zwischen Tropf und Strahlen-Therapie habe er viel Zeit gehabt. Viel Zeit um sich nicht nur mit den körperlichen Veränderungen auseinanderzusetzen, sondern auch mit seinen Zukunftsplänen. Auf seiner Heilungsreise will er keinen Tag verschwenden. Er erinnert sich an die Gedanken, die ihn im Krankenbett nicht losgelassen haben: „Ich weiß nicht, wie lange ich noch habe. Ich will mich mit den Themen beschäftigen, die den größten gesellschaftlichen Hebel haben. Etwas hinterlassen.“
Seine Motivation, weiterzumachen, findet er unter anderem im Startup-Kosmos. „Ich habe mich während des Krankenhausaufenthaltes Tag und Nacht mit dem Thema Gründung beschäftigt. 24/7 habe ich Podcasts gehört von jeglichen Gründern und VCs.“
Von der Chemotherapie zum Bewerbungsgespräch
Müller übersteht die Erkrankung. Baute eine gewisse Resilienz und Restistenz auf, sagt er heute. Und setzt sich Ziele. Noch während der Therapie beginnt er Bewerbungen zu schreiben. „Ich wollte unbedingt direkt wieder ins VC und dachte mir, Porsche Ventures wäre total toll. Für das erste Bewerbungsinterview hatte ich die Chemotherapeutika schneller durchlaufen lassen, damit ich es zeitlich schaffe. Mit meiner letzten Kraft bin ich dann nach Hause, habe den Laptop aufgeklappt und hatte das Gespräch.“
Mit Mütze auf dem Kopf, um die Krebsglatze zu verdecken, sitzt er vor dem Bildschirm. „Weil ich dachte, so erkennt man gar nicht, dass ich schwer krank bin. Und ich dachte, wenn ich erzähle, dass ich Krebs habe, habe ich keine Chance, angenommen zu werden. Im Nachhinein haben sie mir erzählt, dass es in der ersten Sekunde klar war, dass ich total krank war. Aber sie fanden meinen Mut beeindruckend.“ Er bekommt eine Zusage als Visiting Analyst. Das Feedback lautet: „John, der ist so verrückt, dass er trotz so einer schweren Diagnose bei uns anfangen will, den müssen wir haben.“
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Überleben ist nicht genug
Seit drei Jahren gilt Müller als krebsfrei. Nun will er etwas zurückgeben: „Ich hätte mir damals im Krankenhaus so sehr gewünscht jemanden zusehen, der trotz tödlicher Krebs-Diagnose so schnell wieder zurück ins Leben gefunden hat.“ Nach einem Auslandsaufenthalt in Mexiko, seinem Uni-Abschluss und einer Station bei dem EdTech-Startup KnowUnity, hat er sich dazu entschlossen, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen.
Seine Mission: „Mit meiner Geschichte möchte ich Hoffnung machen, dass Krebs nicht das Ende bedeuten muss, sondern dass man seine Träume trotzdem in die Hand nehmen kann.“
Ab dem 8. Mai, genau drei Jahre nach der Entfernung des Tumors, möchte John Müller von Berlin aus mit dem Fahrrad bis zum Taj Mahal fahren, der berühmtesten Sehenswürdigkeit Indiens. Unterwegs will er Krankenhäuser entlang der Strecke besuchen und die Reise auf der Website 8000km.live und auf Social Media dokumentieren.
Support aus der Startup-Welt
Unterstützt wird er auch aus dem ganzen Startup-Netzwerk: „Ich hatte nichts als eine Idee und eine Webseite, als Marius Meiners bereits an mich geglaubt hat.“ Dessen KI-Startup Peec AI ist Hauptsponsor bei dem Projekt.
Auch operativ bekommt er Rückhalt aus dem Ökosystem: Beim Aufbau seiner Website helfen ihm Langdock und Lovable. Für den „Energy Boost“ sorgen das Softdrink-Startup Holy sowie LapCoffee. Sonnenschutz erhält er von Sun Matters, bekannt aus der TV-Show „Die Höhle der Löwen“.
Über die Internetseite sammelt er Spenden für einen Notfall-Fonds für junge Sarkompatienten und Sarkomzentren in Deutschland. „Schon vor dem Start konnte ich bereits 25.000 Euro an Spenden sammeln.“ Auf diese Summe ist er stolz.
„80 Tage lang 100 Kilometer Fahrrad fahren – ich mache es genau für die, die gerade nicht Fahrrad fahren können. Für die, die gerade im Krankenhaus um ihr Leben kämpfen.“
Vor drei Jahren kämpft John Müller noch selbst um sein Leben. Heute zeigt er anderen Krebspatienten, dass selbst nach der dunkelsten Diagnose wieder Zukunft möglich sein kann. Und wird damit zu genau dem Vorbild, das er sich damals im Krankenhaus selbst gewünscht hätte.
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+++ DeepL +++ Entlassungen +++ Motatos +++ Sirplus +++ KI-Startups +++ Millionenexit +++ Sizeless +++
#StartupTicker
+++ #StartupTicker +++ Entlassungen: DeepL streicht 250 Jobs (Viertel der Belegschaft) +++ Motatos zieht sich aus Deutschland zurück +++ Welche KI-Startups Investoren jetzt wirklich interessieren +++ Das Leben nach einem Millionenexit +++ So funktioniert Sizeless +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Freitag, 8. Mai).
#STARTUPLAND

STARTUPLAND: Founders. VCs. Visionaries
+++ Am 10. März 2027 findet im RheinEnergieStadion in Köln unsere vierte STARTUPLAND Conference statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über STARTUPLAND
#STARTUPTICKER
DeepL
+++ Harter Einschnitt beim KI-Unicorn! Das Kölner KI-Unternehmen DeepL, bekannt für seine Übersetzungsdienste, streicht 250 Jobs (ein Viertel der Belegschaft) und baut seine Strategie komplett um. „This decision wasn’t made lightly – it is the most difficult I’ve had to make in my career. However, it is a deliberate structural choice about how DeepL needs to operate to remain a global AI leader“, schreibt Gründer Jarek Kutylowski auf Linkedin. Kurzum: Die mächtige KI-Konkurrenz setzt DeepL massiv zu. Im Zuge der Entlassungen kündigt Kutylowski zudem weitere größere Veränderungen an: „We are completely reshaping how we operate, with AI at the center – not just in the products we create, but in how we work every day“. Eine Entwicklung, die derzeit viele Unternehmen durchmachen. Eine Schocknachricht ist dieser Doppelschlag deswegen kaum, eher eine erwartbare Reaktion auf den unglaublichen Wandel, der derzeit überall stattfindet. DeepL muss nun wieder schneller werden, um im weltweiten KI-Wettstreit weiter mithalten zu können. Nach eigenen Angaben verfügt DeepL derzeit über 200.000 Geschäftskundinnen und -kunden. Zuletzt wurde das Unternehmen mit 2 Milliarden US-Dollar bewertet. Der geplante IPO von DeepL scheint damit auch erst einmal in weitere Ferne gerückt zu sein. (Linkedin) Mehr über DeepL
Motatos
+++ Rückzug! Der schwedische Online-Supermarkt Motatos (gehört zu Matsmart), bei dem sich alles um die Rettung von Lebensmittel dreht, zieht sich aus Deutschland zurück. „Angesichts der aktuellen Marktdynamik haben wir uns entschieden, unsere Bemühungen auf den Ausbau unserer Präsenz in den nordischen Ländern zu konzentrieren“, teilt das Unternehmen zum Rückzug mit. In Deutschland ging Motatos 2020 an den Start. Nach eigenen Angaben verfügte das Unternehmen hierzulande über „rund 300.000 aktive Kundinnen und Kunden“. Dabei erzielte der Retter-Shop einen Umsatz in Höhe von 35 Millionen Euro. Profitabel war das Geschäft aber lange nicht. Online-Supermärkte sind und bleiben in Deutschland ein schwieriges Geschäft. Auch der Berliner Motatos-Wettbewerber Sirplus musste dies bereits erleben. Das Unternehmen schlitterte 2024 in die Insolvenz und schaffte dann mit deutlich verändertem Konzept vor und hinter den Kulissen den Neustart. Mehr über Sirplus
Millionenexit
+++ Lesenswert! Drüben beim Tagesspiegel spricht Blinkist-Gründer Sebastian Klein, der rund 90 % seines Vermögens in eine Stiftung übertragen hat, über sein Leben nach dem Millionenexit. „Mein Eindruck war: Diese Millionen sind jetzt zu viel. Es passieren Dinge, die für mich als Individuum schlecht sind, und auch für den Rest der Gesellschaft“, sagt er unter anderem. Zur Erinnerung: Das Berliner Startup Blinkist wanderte 2023 unter das Dach von Go1 (Kaufpreis rund 200 Millionen). Nach dem Exit baute Klein den gemeinwohlorientierten Investmentfonds Karma Capital auf. „Ich habe das Geld gestiftet, es ist dauerhaft gemeinnützig gewidmet, ich kann es also nicht wieder herausnehmen“, führt der Ex-Millionär aus. (Tagesspiegel) Mehr über Blinkist
KI-Startups
+++ Die aktuelle KI-Phase ist weniger von Möglichkeiten geprägt als von Umsetzung. Unternehmen erwarten belastbare Lösungen statt Experimente. Investoren achten stärker auf reale Nutzung statt auf Versprechen. Mehr im Gastbeitrag von Hauke Hansen (AI.FUND)
Sizeless
+++ Der Weg, bis aus Sizeless ein Startup wurde, war lang! „Die Entwicklung war technisch fordernd, weshalb wir bereits vor der offiziellen Gründung mehrere Jahre im universitären Startup-Ökosystem geträumt, gebaut und validiert haben“, sagt Gründer Leander Peters. Mehr über Sizeless
#DEALMONITOR
Investments & Exits
+++ Gesundheitskonzern Fresenius investiert in HealthTech Avelios Medical +++ HealthTech ViViRA sammelt Kapital ein +++ Finanzspritze für Onyx Biotech. Mehr im Deal-Monitor
Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3
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Ein Wort bringt ein Berliner KI-Startup jetzt vor Gericht: „Steuerberater“
„KI-Steuerberater“ klingt nach Zukunft. Die Berliner Steuerberaterkammer sieht darin ein rechtliches Problem – und verklagt jetzt das Startup Accountable.
Stell dir vor, du baust ein Startup auf, alles läuft rund, und dann klopft nicht der VC an, sondern direkt die Berliner Steuerberaterkammer mit einer Klage an die Tür. Genau das ist jetzt bei Accountable passiert.
Das Steuer-Startup hat ein KI-Produkt namens „KI-Steuerberater“. Das soll Selbstständigen alles rund um Steuern leichter machen: Fragen beantworten, Belege sortieren, Steuererklärungen vorbereiten. Die Kammer sieht das kritisch. Grund: Schon der Begriff „KI-Steuerberater“ sei problematisch, weil er gegen Wettbewerbsregeln verstoßen und den geschützten Titel „Steuerberater“ berühren könnte. Auch das Produkt selbst steht in der Kritik, weil es aus Sicht der Kammer zu nah an klassischer Steuerberatung sei, ohne dass das Unternehmen dafür entsprechend zugelassen ist.
Mitgründer Tino Keller zeigt sich überrascht und sagt zu Gründerszene: Der Begriff „KI-Steuerberater“ erwecke seiner Meinung nach nicht den Eindruck eines echten Steuerberaters. „Wir sagen ja gar nicht, dass wir Steuerberater sind. Wir sagen, dass es sich um eine KI handelt“, argumentiert er.
Zwischen Gesetz und Software-Realität
Juristisch stützt sich die Kammer unter anderem auf das sogenannte Vorbehaltsrecht von Steuerberatern. Heißt: Bestimmte Aufgaben wie echte, individuelle Steuerberatung dürfen nur von entsprechend ausgebildeten und zugelassenen Profis gemacht werden.
Das Startup kontert: Diese Grenzen werden eingehalten. Man arbeite zwar mit Steuerberatern zusammen, bleibe aber bewusst aus deren Kerngeschäft raus. Die eigenen Mitarbeiter dürften keine Steuererklärungen oder klassischen Vorbehaltsaufgaben machen, solche Fälle würden direkt an Steuerberater gehen.
Gleichzeitig räumt er ein, dass sein Produkt bei komplizierteren Fällen, etwa mit Immobilien, GmbH-Anteilen oder Krypto an seine Grenzen stößt. Dann werde ein Export erstellt und an Steuerberaterpartner übergeben, die die Steuererklärung übernehmen, erklärt er. „Unser Anspruch ist, dass wir uns ans Gesetz halten. Wir haben nur eine andere Interpretation als die Steuerberaterkammer“, so Keller.
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Dass die Kammer jetzt juristisch vorgeht, sorgt beim Startup eher für Stirnrunzeln als für Panik, vor allem weil die Software längst von tausenden Selbstständigen genutzt wird, wie Keller erzählt.
KI trifft Regulierung: Ein struktureller Konflikt
Accountable sieht die Sache nicht nur als reinen Streit um das eigene Produkt. Für Keller geht es grundsätzlich darum, wie KI in streng regulierten Bereichen überhaupt eingesetzt werden darf. „Innovation sollte man nicht verbieten. Die Frage ist vielmehr, ob sie in Deutschland vorangetrieben wird oder woanders“, sagte er uns.
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Auch die Klage selbst könnte aus seiner Sicht ein Signal über den Einzelfall hinaus setzen. „Ich glaube auch, die Angst vor solchen Klagen bremst Innovation.“ Gleichzeitig gehe es darum, den Streit zu klären und Regeln für KI zu entwickeln: „Wir fechten das jetzt aus und danach gibt es hoffentlich eine gesellschaftliche Diskussion und Entscheidungen dazu.“
Wie sehen das andere Steuerexperten? Wir haben dafür mit Fabian Walter, besser bekannt als „Steuerfabi“ gesprochen. Auf Tiktok und Instagram folgen mehr als 1,3 Millionen Menschen seinen Beiträgen über die komplexe Welt der Steuern. „Im Kern geht es aus meiner Sicht um den Schutz des Berufsstands“, sagt Walter zu Gründerszene. Ganz falsch sei das aus seiner Sicht nicht, weil der Titel „Steuerberater“ für Qualität und Verantwortung stehe. Gleichzeitig kritisiert er aber: „Die Kammer greift ein Symptom an, nicht die Ursache. Viele Selbstständige finden keinen Steuerberater oder können sich keinen leisten.“
Dennoch mein Walter: „Die Bezeichnung KI-Steuerberater halte ich für problematisch“. Der Begriff suggeriere eine Art Berufsausübung, die eine Software nicht leisten könne. „Eine KI haftet nicht und kann dich auch nicht vor dem Finanzamt vertreten“, so seine Kritik. Besser seien Begriffe wie Steuer-KI oder KI-Steuerassistenz. Aber er denkt auch: Hätten Berufsstand und Kammer stärker an solchen KI-Lösungen mitgearbeitet, wäre der Konflikt womöglich entspannter verlaufen.
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