Datenschutz & Sicherheit
Fake-Entwickler aus Pjöngjang: Wie Nordkorea westliche Unternehmen unterwandert
Gefälschte Profile auf Job-Plattformen, KI-generierte Gesichter im Vorstellungsgespräch, gestohlene Identitäten im Lebenslauf: Nordkorea schleust laut US-Behörden systematisch IT-Arbeiter in westliche Unternehmen ein – und kassiert deren Gehälter für sein Atomwaffenprogramm. Die Aktivitäten sind Teil einer globalen Strategie im Bereich Cybercrime. Die USA haben im Zuge einer laufenden Kampagne Sanktionen gegen sechs Personen und zwei Organisationen verhängt, die das globale Netzwerk am Laufen halten. Auch Europa ist kein sicherer Hafen: Ein Mittelsmann operierte aus Spanien. Auch in anderen Teilen des Kontinents beobachtet die Google Threat Intelligence Group mehr Bewerbungen von nordkoreanischen IT-Fachkräften bei Firmen in Europa.
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Bei der Suche nach geeigneten IT-Fachkräften haben einige US-Unternehmen in den vergangenen Jahren offenbar auf jede Form von Präsenz verzichtet – selbst beim Vorstellungsgespräch. Das FBI riet deshalb bereits im Januar 2025 dazu, dass Firmen zumindest den Einstellungsprozess möglichst von Angesicht zu Angesicht vornehmen sollten. Zum Teil sind die Firmen offenbar auch auf dubiose Personalvermittler hereingefallen.
Nicht nur Fake-Arbeit, sondern auch Erpressung
Wäre es nur das Abkassieren von Löhnen gegen eine Arbeitsleistung, könnten vermutlich einige Firmen sogar damit leben, wenn das Geld nicht in Waffenprogramme fließen würde. Doch die US-Behörden warnen, dass solche IT-Agenten in Einzelfällen auch dazu übergehen, die Unternehmen zu erpressen. Dazu schleusten sie Malware in Firmennetzwerke ein und stahlen sensible Daten. Laut FBI wurden Quelltexte gestohlen und erst gegen Geld freigegeben. Ganze Code-Repositories, etwa auf GitHub, seien auf eigene Accounts und private Cloud-Speicher übertragen worden.
Das US-Finanzministerium beziffert den von Nordkoreanern erwirtschafteten Betrag allein für das Jahr 2024 auf 800 Millionen US-Dollar. Diese Summe ist jedoch nur ein Teil der Einnahmen: In einem Rekordjahr soll Nordkorea zudem zwei Milliarden US-Dollar Kryptogeld gestohlen haben. Bei den jetzt sanktionierten Personen handelt es sich unter anderem um den CEO einer Briefkastenfirma in Vietnam, die 2,5 Millionen US-Dollar für Nordkoreaner in Kryptowährung umtauschte. Der spanische Akteur vermittelte Freelance-IT-Verträge, andere koordinierten die Auslandsentsendung von IT-Arbeitern oder betrieben Geldwäsche. In den USA wurde erst kürzlich eine Helferin wegen des Einschleusens falscher IT-Fachkräfte aus Nordkorea zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.
Was das FBI Firmen rät
Das FBI rät Unternehmen dazu, bei der Vergabe von Zugriffsrechten restriktiv vorzugehen und den Netzwerktraffic sowie Remote-Verbindungen zu überwachen. Wie wichtig eine genaue Analyse ist, zeigte sich bei Amazon, wo eine minimale Tastatur-Verzögerung einen nordkoreanischen IT-Maulwurf entlarvte. Auch sollten externe Personalvermittler dahingehend überprüft werden, wie sie Neueinstellungen vornehmen.
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(mki)
Datenschutz & Sicherheit
KI-Agenten sollen eigene Ausweise erhalten, aus Estland
Estland soll das erste Land der Welt werden, das digitale Identitäten für KI-Agenten ausstellt. Das hat der Premierminister des Landes, Kristen Michal, angekündigt. Er greife dabei den Vorschlag eines KI-Beirats auf und danke diesem. Michal möchte, dass Estland jenes Land wird, in dem Künstliche Intelligenz so intensiv genutzt wird wie sonst nirgendwo.
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KI-Agenten sind Softwareroutinen, die zwar Auftraggeber haben, aber eigenständig Entscheidungen berechnen und ausführen. Dabei nutzen sie regelmäßig Zugangsdaten zu Konten ihrer Auftraggeber, seien es E-Mail-Konten, Cloud-Speicher oder Bankkonten. Damit erhalten sie die selben Rechte wie der Auftraggeber selbst. Entscheidet ein Agent unvorteilhaft, kann das richtig ungemütlich und teuer werden, beispielsweise durch Datenlöschung oder Geldverschwendung. Auch unerwünschte Datenausleitung ist ein mögliches Problem.
Rechteverwaltung statt alles oder nichts
Michal will diese Situation nicht hinnehmen. „Agenten müssen beschränkte, kontrollierbare und überprüfbare Autorisierung haben“, schreibt der seit knapp zwei Jahren amtierende Regierungschef. „Zum Beispiel muss es möglich sein, zu bestimmen, ob ein Agent Daten nur lesen kann, Dokumente ausarbeiten oder innerhalb eines fixen finanziellen Rahmens agieren darf.“
Dabei könnten eigenständige digitale Ausweise für KI-Agenten tatsächlich helfen. Eine eigenständige Identität kann ermöglichen, dass sich der KI-Agent gegenüber dem von ihm genutzten System als Agent im Auftrag eines bestimmten Auftraggebers ausgibt, anstatt so zu tun, als wäre er sein Auftraggeber selbst. Anhand dieser Unterscheidung kann das genutzte System dann granulär Zugriff auf Funktionen gewähren oder eben auch nicht.
Michal möchte Vertrauen in die neue Technik stärken. Und er denkt außenpolitisch: Wenn Estland es schaffe, „schnell und weise“ zu agieren, könne es auch als kleines Land dazu beitragen, internationale Standards zu beeinflussen. Ob die digitalen Identitäten optional oder für (bestimmte) KI-Agenten verpflichtend werden sollen, hat der liberale Politiker noch nicht gesagt. Ebenso wenig hat er über seinen Zeitplan gesprochen.
(ds)
Datenschutz & Sicherheit
NIS2-Mahnung: BSI setzt neue Frist zur Registrierung bis Ende Juli
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verschärft bei der Umsetzung der NIS2-Richtlinie den Ton, setzt aber zunächst weiter auf Kooperation. Seit Inkrafttreten des novellierten BSI-Gesetzes am 6. Dezember 2025 müssen sich betroffene Unternehmen beim BSI registrieren. Ziel ist es, Störungen und Sicherheitsvorfälle bei Einrichtungen mit besonderer Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft zu verhindern.
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Die gesetzliche Registrierungsfrist ist am 6. März abgelaufen. Doch die Umsetzung stockt. In einem heise online vorliegenden Schreiben an Branchenverbände räumt das BSI ein, dass sich deutlich weniger Firmen angemeldet haben als erwartet. Die Organisationen sollen ihre Mitglieder daher erneut auf die Pflicht hinweisen. Das BSI geht davon aus, dass alle noch ausstehenden Registrierungen bis spätestens 31. Juli 2026 abgeschlossen werden.
Um den Prozess zu erleichtern, verweist die Behörde auf einen Frage-Antwort-Katalog, eine unverbindliche Betroffenheitsprüfung sowie weitere Informationsangebote unter dem Hashtag „#nis2know“. Offene Fragen sollen über die Verbände gebündelt ans BSI übermittelt werden. In Ausnahmefällen gewährt die Behörde eine Nachfrist von sechs Wochen nach Klärung offener Fragen.
Eine BSI-Sprecherin sagte heise online, der Stand der Anmeldungen sei „grundsätzlich zufriedenstellend“. Bis Ende Mai hätten sich knapp 18.500 Einrichtungen registriert. Der Aufwand sei gerade für bislang nicht regulierte Firmen und den Mittelstand hoch. Deshalb baue das Amt weiter auf Aufklärung. Zugleich macht die Behörde deutlich, dass bei anhaltenden Verstößen Bußgelder möglich seien. Sie können bis zu 500.000 Euro betragen.
Experten fordern: „Zähne zeigen“
Der IT-Sicherheitsrechtler Dennis-Kenji Kipker und der Rechtsanwalt Stefan Hessel bewerten die Lage kritischer. Dass mehr als die Hälfte der betroffenen Unternehmen ihrer Registrierungspflicht nicht nachkommt, halten sie für ein alarmierendes Signal. Wer sich nicht melde, beachte gesetzliche Anforderungen zur Cybersicherheit nicht ausreichend.
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Die Experten drängen deshalb auf ein entschlosseneres Vorgehen des BSI. Zwar habe auch der Gesetzgeber durch unklare Ausnahmen Rechtsunsicherheit geschaffen. Die Behörde verliere sich aber zu sehr im Detail, statt klare Leitlinien zu setzen. Das Motto müsse lauten: „Zähne zeigen.“ Nur gezielte Kontrollen und spürbare Sanktionen könnten dem Gesetz die nötige Wirkung verleihen. Andernfalls drohe NIS2 zum „Papiertiger“ zu werden und die angestrebte bessere Cybersicherheit eine theoretische Vorgabe zu bleiben.
(wpl)
Datenschutz & Sicherheit
Soziale Netzwerke : Warum W Social mehr kalter Kaffee als heißer Scheiß ist
Mit großem Brimborium startet heute das soziale Netzwerk W Social, das sich selbst seit Monaten großspurig als europäische Alternative zu Twitter darstellt. W Social will besser sein, weil man die Daten in Europa hostet. Außerdem muss man dort für einen Account über 18 Jahre alt sein und mit seinem Personalausweis nachweisen, dass man eine Person ist. So sollen Bots, Spam, Desinformation und Manipulation ausgeschlossen werden, das Versprechen des Anbieters.
Mal abgesehen davon, dass mit diesem Konzept Identifizierungspflichten und Alterskontrollen im Netz Vorschub geleistet wird, ist vollkommen unklar, warum wir ausgerechnet einem profitorientierten schwedischen Start-Up glauben sollen, es besser zu machen als die etablierten Twitter-Alternativen Mastodon, Bluesky oder auch Eurosky.
Geldgeber von W Social sind laut Medienberichten ein schwedisches Medieunternehmen, mit an Bord sind Leute von Spotify und Ericsson, die Geschäftsführerin war früher bei Ebay. W Social kündigt jetzt schon die Einführung für Werbung und Micropayments für Medienartikel hinter Bezahlschranke an.
Es gibt unkommerzielle Alternativen
Im Gegensatz dazu gibt es mit dem Fediverse, zu dem auch Mastodon gehört, seit Jahren unzählige unkommerzielle Alternativen und Projekte. Technisch ähnlicher zu W Social ist Eurosky, das Projekt der nicht-kommerziellen Modal-Stiftung aus den Niederlanden. Es hat vor einigen Tagen auch eine von Bluesky unabhängige App veröffentlicht.
Technisch baut W Social wie Bluesky und Eurosky auf dem AT-Protokoll auf. Das ist ein offenes, föderiertes Protokoll für soziale Anwendungen und Netzwerke. Es ermöglicht eine Interoperabilität zwischen verschiedenen Anwendungen sowie die Möglichkeit, Benutzerkonten umzuziehen.
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W Social profitiert davon, dass schon Millionen Nutzer:innen bei Bluesky dabei sind, mit denen die W‑Social-Nutzer:innen interagieren können. Das ist der große Vorteil föderierter Protokolle. Es ist also schon etwas los, wenn das Projekt startet. Im Gegensatz zu etablierten Gegenspielern Mastodon, Bluesky und Eurosky, die Open Source sind, setzt W Social aber auf geschlossenen Code. Auch das führt nicht gerade zu mehr Glaubwürdigkeit.
Vorschusslorbeeren von ganz oben
Was an dem ganzen Trubel aber wirklich verwundert: Die Europäische Kommission, Ursula von der Leyen, die Europäische Zentralbank und deren Präsidentin Christine Lagarde haben gerade ihren Bluesky-Account nicht irgendwann zu Eurosky umgezogen, sondern zu W Social. Das und vieles mehr hat die Aktivistin Elena Rossini herausgefunden.
Bei soviel Vorschusslorbeeren würde mich ja interessieren, welche Kontakte das schwedische Startup hat spielen lassen, um die sonst in Sachen soziale Netzwerke eher schwerfällige EU-Kommission zu sich zu locken. Geht es der Kommission darum, Identifizierungspflichten zu stärken oder Anwendungsfälle für das EUDI-Wallet zu schaffen? Oder kennt man sich einfach gut und kommerziell ist der Kommission immer lieber als unkommerziell? Oder irgendwas mit digitaler Souveränität, weil das ja immer gut kommt? Es bleibt unklar.
Bekannt ist auf jeden Fall auch, dass W Social auch Rechtsradikalen, sofern sie denn ihren Pass vorzeigen, Raum geben will. Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel sei willkommen, ließ die CEO von W Social den Schweizer „Blick“ wissen. Und Blocklisten wie bei Bluesky werde es nicht geben. Na dann, wohl bekomms!
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