Künstliche Intelligenz
KI-Update kompakt: Google I/O, Karpathy, Apple KI, re:publica
Neue Gemini-Modelle und Upgrade für die Google-Suche
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Auf seiner Entwicklerkonferenz I/O in Mountain View hat Google die nächste Generation seiner KI-Modelle vorgestellt. Gemini 3.5 Flash soll viermal schneller arbeiten als andere Spitzenmodelle und in mehreren Benchmarks besser abschneiden als der Vorgänger Gemini 3.1 Pro. Ein neuer Rahmen namens Anti-Gravity erlaubt es Entwicklern, KI-Agenten zu bauen, die mehrstufige Aufgaben planen und ausführen. Das leistungsstärkere Gemini 3.5 Pro folgt im nächsten Monat.
Daneben präsentierte Google Gemini Omni Flash, das aus Text, Bildern und Videos neue Videoinhalte erzeugt und dabei physikalische Zusammenhänge berücksichtigen soll. Es startet sofort für Gemini Plus, Pro und Ultra sowie kostenlos auf YouTube Shorts. Die Google-Suche erhält zudem ihr größtes Upgrade seit 25 Jahren. Nutzer können Fragen in natürlicher Sprache stellen, Bilder oder Chrome-Tabs hochladen. Neue Suchagenten beobachten Themen rund um die Uhr im Hintergrund. Eine optionale Personal Intelligence greift auf Gmail oder Google Fotos zu.

KI-Warenkorb soll Einkäufe über alle Google-Dienste vereinen
Google hat auch den „Universal Cart“ vorgestellt, einen zentralen KI-Warenkorb für alle Google-Dienste. Nutzer können Produkte direkt aus Suche, Gemini, YouTube oder Gmail hinzufügen. Das System stützt sich auf Googles Shopping Graph mit über 60 Milliarden Produktlistungen, verfolgt Preise und schlägt Alternativen vor.
Für automatisierte Käufe durch KI-Agenten entwickelte Google das Agent Payments Protocol, bei dem Nutzer vorab Marken und Ausgabenlimits festlegen. Das Universal Commerce Protocol entstand gemeinsam mit Amazon, Meta und Microsoft. Der Start ist im Sommer in den USA geplant. Rechtliche Haftungsfragen bei autonomen Käufen bleiben offen.
Google zeigt kommende Smart Glasses
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Google hat zwei kommerzielle Designs für Smart Glasses präsentiert, die von den Brillenmarken Gentle Monster und Warby Parker stammen. Samsung liefert Hardware und Technik. Gentle Monster setzt auf ovale Gläser mit breitem, schwarzem Rahmen, Warby Parker auf ein dezenteres Design im Wayfarer-Stil.
Beide Modelle haben Kamera, Lautsprecher und Mikrofone, ähnlich wie die Ray-Ban-Brillen von Meta. Sie kommen im Herbst auf den Markt.
KI-Pionier Karpathy wechselt zu Anthropic
Der KI-Forscher Andrej Karpathy wechselt zu Anthropic. Er gehörte zum Kernteam der Frühphase von OpenAI, arbeitete zwischenzeitlich bei Tesla am autonomen Fahren und verließ OpenAI 2024 endgültig. Sein Wechsel zur direkten Konkurrenz gilt in der Branche als Niederlage für OpenAI. Bei Anthropic startet er laut Axios im Pretraining-Team, das sich um das grundlegende Training großer KI-Modelle kümmert.
Karpathy soll ein eigenes Team aufbauen, das mit dem Modell Claude die Pretraining-Forschung selbst beschleunigen soll. Der Ansatz stützt sich auf die Hypothese, dass sich Modelle künftig selbst verbessern helfen. Zuletzt arbeitete Karpathy an seinem Start-up Eureka Labs zum Einsatz von KI in der Bildung. Diese Arbeit will er zu gegebener Zeit fortsetzen.
Anthropics Sicherheits-KI findet komplexe Angriffsketten
Der Internet-Infrastrukturanbieter Cloudflare hat Anthropics Mythos Preview an mehr als 50 eigenen Code-Sammlungen getestet. Das Modell verband mehrere kleine Schwachstellen zu funktionierenden Angriffsketten und lieferte den Nachweis selbst, indem es Code schrieb, kompilierte und ausführte. Frühere Spitzenmodelle scheiterten laut Cloudflare-Sicherheitschef Grant Bourzikas genau an diesem Punkt.
Mythos Preview liefert weniger spekulative Ergebnisse und klarere Schritte zur Reproduktion. Damit sinkt der menschliche Aufwand bei der Bewertung. Cloudflare warnt jedoch, dass dieselben Fähigkeiten bald auch Angreifern zur Verfügung stünden.

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Angriffe über Lücken überholen die mit gestohlenen Zugangsdaten
Erstmals seit 19 Jahren wurden 2025 häufiger Softwarelücken für Cyberangriffe ausgenutzt als gestohlene Zugangsdaten. Das geht aus dem Data Breach Investigations Report des US-Providers Verizon hervor. Bei fast einem Drittel aller Cyberangriffe stand eine Sicherheitslücke am Anfang.
KI-Technik hat vor allem dazu geführt, dass Kriminelle ihre erprobten Methoden automatisieren und skalieren. Hatten Softwarehersteller bislang oft Monate, um Lücken zu schließen, blieben dafür jetzt nur noch Stunden, heißt es im Report.
Ausmaß an Meldungen zu Sicherheitslücken kaum noch zu bewältigen
Linus Torvalds hat in seinem wöchentlichen Update zur Linux-Kernel-Entwicklung die Flut an KI-Funden zu Sicherheitslücken kommentiert. Nicht die Zahl der Funde stört ihn, sondern der Umgang damit. Viele Meldungen seien Dubletten, da auch andere mit KI-Tools dieselbe Lücke finden. Die Security-Mailingliste sei deshalb „fast völlig unbewältigbar“.
Torvalds fordert, vor jedem Report zu prüfen, ob die Lücke nicht längst geschlossen sei, und lieber gleich einen Patch einzureichen. „KI-Tools sind toll“, schreibt er. Wer sie nutze, müsse aber einen echten Mehrwert beitragen.
Weitere neue Features für Apples KI durchgesickert
Apple plant für iOS 27 nicht nur eine Chatbot-Siri, die neben Apple-Modellen auch Googles Gemini nutzt, sondern auch zusätzliche Privatsphäre-Funktionen. Chats sollen sich vom Speichern ausschließen lassen. Spezielle Guardrails sollen verhindern, dass sensible Informationen in der Memory-Datei landen.
Laut Bloomberg arbeitet Apple zudem an Verbesserungen bei der generativen KI in Apple Intelligence. Dazu zählen eine Vorschlagsfunktion für Genmojis, Wallpaper-Erstellung per Image Playground und eine bessere Grammatikprüfung. Kurzbefehle sollen sich künftig per Prompt auf iPhone, Mac oder iPad erstellen lassen.
Deutscher Übersetzungsdienst DeepL setzt jetzt auf AWS
Der Kölner Übersetzungsdienst DeepL verarbeitet Kundendaten ab heute nicht mehr ausschließlich auf eigenen Servern in Deutschland und Island. Das Unternehmen ergänzt seine Infrastruktur um die Cloud-Dienste von Amazon Web Services. Künftig verarbeitet DeepL die Inhalte weltweit in verschiedenen AWS-Regionen, darunter EU, USA und Japan. Nur Enterprise-Kunden können eine feste Region wählen.
Der Schritt zeigt das strukturelle Problem europäischer Tech-Unternehmen, die für weltweites Wachstum auf US-Infrastruktur angewiesen sind. Für diese gilt der CLOUD Act, der US-Behörden den Zugriff auf gespeicherte Informationen erlaubt, selbst wenn die Server in Europa stehen.
Cursor bringt günstiges Coding-Modell Composer 2.5
Cursor, einer der ersten Anbieter KI-gestützter Entwicklertools, steht seit dem Erfolg von Anthropics Claude Code unter Druck. Mit Composer 2.5 will das Unternehmen kontern. Das Modell bewegt sich auf dem Niveau aktueller Spitzenmodelle, kostet aber deutlich weniger. Es ist keine Eigenentwicklung, sondern basiert auf dem offen verfügbaren Kimi K2.5 des chinesischen Anbieters Moonshot und wurde mit 25-mal mehr synthetischen Coding-Aufgaben trainiert als der Vorgänger.
Cursor arbeitet bereits am Nachfolger, gemeinsam mit dem Raumfahrtkonzern SpaceX und dem KI-Unternehmen xAI. SpaceX lotet derzeit auch eine Übernahme von Cursor für 60 Milliarden US-Dollar aus.
Die KI-Themen der re:publica
Auf der re:publica in Berlin spielt KI eine zentrale Rolle, oft mit kritischem Unterton. Auf der ARD- und ZDF-Bühne ging es um den Umgang mit KI-Tools in den Redaktionen, auch im Schatten eines Vorfalls aus dem Februar, als das heute-journal einen Beitrag über die US-Grenzpolizei ICE mit einem KI-Video bebilderte. Jana Heigl, Leiterin des Verifikationsteams beim Bayerischen Rundfunk, will acht von zehn KI-Bildern entlarven können, was angesichts der Fortschritte in der Bildgenerierung selbst für Profis utopisch klingt.
Mehrere Vorträge widmeten sich Companion AIs wie Character AI oder Replika. Rund eine Milliarde Menschen kommunizieren täglich mit Chatbots und bauen oft intime Verbindungen auf. Ein Schlagwort taucht immer wieder auf: „Sycophancy“, die opportunistische Gefälligkeit vieler Chatbots, die Abhängigkeit begünstige und besonders vulnerable Gruppen treffe. Professor Rainer Mühlhoff sprach über sein Buch „KI und der neue Faschismus“. Was auf der re:publica jedoch fehlt, sind konkrete Handlungsimpulse. Forderungen nach Regulierung bleiben oft vage.
Nur wenige Privatnutzer zahlen für KI
Nur 13 Prozent der privaten KI-Nutzer in Deutschland zahlen für die Dienste, kaum mehr als die 8 Prozent im Vorjahr. Das ergab eine Bitkom-Umfrage. Fast die Hälfte lehnt Bezahlmodelle komplett ab, nur 29 Prozent können sich einen Wechsel zu kostenpflichtigen Versionen vorstellen. Zahlende Nutzer geben im Schnitt 20 Euro pro Monat aus und erhoffen sich leistungsfähigere Modelle und bessere Qualität.
Da KI für die Anbieter teuer bleibt, rückt Werbung in den Fokus. OpenAI hat bereits Anzeigen in kostenlosen ChatGPT-Versionen eingeführt, da der Betrieb trotz hoher Nutzerzahlen Milliardenverluste verursacht.

(igr)
Künstliche Intelligenz
Instagram-Werbung mit Bildern von Kindesmissbrauch
Eine Recherche der britischen Rundfunkanstalt BBC bringt schockierende Versäumnisse bei der Bekämpfung von Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder auf Instagram ans Licht: Instagram-Betreiber Meta geht offenbar nur beschränkt gegen solche Werbung auf der Plattform vor, die Nutzer an indischsprachige Telegram-Gruppen für den Handel mit solchen Bildern weiterleitet. Meta streitet seine Untätigkeit ab, während einer der höchsten ehemaligen Richter Indiens die Justiz dringend gefordert sieht.
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Mit einem Konstrukt aus mehreren Accounts, die sexualisierten Content von erwachsenen Frauen enthielten, gelang es BBC-Journalisten, den Instagram-Algorithmus zum Ausspielen offensichtlich indischer pornografischer Inhalte zu bringen. Letztere zu verbreiten, ist in Indien schon per se illegal – unabhängig davon, ob es sich dabei um Minderjährige handelt oder nicht. Doch die Recherche offenbarte noch schlimmeres: Unter den Bedingungen zeigte der Algorithmus wiederholt Szenen sexualisierter Gewalt gegen Kinder, sexualisierte Inhalte mit Kindern oder Kinder, die unter Tränen von gerade gemachten Missbrauchserfahrungen berichten – kombiniert mit dem Aufruf an die Nutzer: Hier klicken für mehr!
Links auf Marktplätze für Missbrauchsdarstellungen
Ein entsprechender Link führte laut BBC zu einer Telegram-Gruppe, in der die angepriesenen Videos dann zu niedrigen Preisen angeboten wurden – teilweise für 99 indische Rupien (rund 90 Euro-Cent). Die BBC berichtet von insgesamt 30 solcher oder ähnlicher Fälle. 20 weitere Werbungen für Erwachsenen-Pornografie konnten die Journalisten ausmachen. Im einem näher beschriebenen Fall wendeten sich die Journalisten mit ihren Erkenntnissen an Meta. Der Konzern antwortete innerhalb von 24 Stunden und erklärte, dass der besagte Inhalt nicht entfernt wurde, weil keine Verletzung der Community-Richtlinien erkennbar sei. Bei einem anderen Fall antwortete Meta nach demselben Muster. Das verwundert vor allem, weil Metas Richtlinien für Werbetreibende das Zeigen von Nacktheit, Geschlechtsorganen und Kindesmissbrauch verbieten. Auch an Telegram meldete die BBC die entsprechenden Gruppen hinter den Instagram-Werbungen. Während Telegram sie zumeist entfernte, war eine Gruppe auch einige Zeit später noch aktiv.
Meta überprüft die Inhalte seiner Werbekunden in der Regel automatisiert. Die Prüfung umfasst verwendete Bilder, Videos, Text und Tonspuren sowie Links. Hier scheint das System nicht gegriffen zu haben. In einer Stellungnahme gegenüber der BBC räumt Meta später ein: „Kein System ist perfekt und es ist möglich, dass Verstöße von unseren Prüfungsprozessen unerkannt bleiben.“ Erkannte Fälle von Kindesmissbrauch würden an das National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC), eine US-Einrichtung zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch, gemeldet.
Meta macht Kasse mit problematischer Werbung
Madan Lokur ist ehemaliger Richter an Indiens oberstem Gerichtshof. Er befürchtet, dass Meta nach den Maßstäben des indischen Gesetzes bereits kriminelle Aktivitäten mit den Praktiken bei sexuellen Werbeinhalten verfolgt, um damit Geld zu verdienen. Das geht aus seiner Sicht soweit, dass das die Justiz nach dem Grundsatz „suo moto cognizance“ handeln könnte: Ein Gericht kann dann ohne vorangegangene Hinweise wie Ermittlungen oder Klagen gegen ein Verbrechen aktiv werden.
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Werbung auf Metas sozialen Plattformen bringt dem Unternehmen den allergrößten Teil seines Umsatzes. Laut Geschäftsbericht 2025 rund 196,2 Milliarden US-Dollar von 200,1 Milliarden US-Dollar. Darunter auch etliche betrügerische Werbungen. Mit denen verfolgt Meta ein fragwürdiges System: Ein automatisches System berechnet bei jeder Werbung die Betrugswahrscheinlichkeit. Erst, wenn diese über 95 Prozent liegt, erfolgt die Sperrung. Mit höheren Werten darunter macht Meta Kasse: Die Werbetreibenden müssen für das Risiko, das sie mitbringen, für ihre Werbung draufzahlen. Im Bereich der Betrugsmaschen schlägt Meta also durchaus Profit aus potenziell problematischer Werbung.
Ex-Vizepräsident: Meta schützt Nutzer nicht genug
Das wirft ein Schlaglicht auf Metas Probleme mit Kinderpornografie in Indien. Die BBC sprach darüber auch mit dem ehemaligen Meta-Vizepräsidenten Brian Boland. Von 2009 bis 2020 verantwortete er auch Metas Werbegeschäft. Dabei entfernte er auch massenhaft problematische Werbebeiträge. Doch mit der Zeit habe sich Metas Kurs hier gewandelt. „Der Tauschhandel a la ‚Mehr Nutzerinteraktionen statt Schutz vor schädlichen Inhalten’ wurde bei Meta zu einem der Kernthemen“, kritisiert er. Metas Algorithmus sei darauf ausgelegt, Nutzer auf den Plattformen zu halten, indem ihnen immer „etwas noch extremeres und verlockenderes“ angezeigt werde. Der Algorithmus sei zwar nicht darauf ausgelegt, so wörtlich, „Menschen zu Pädophilen zu machen“. Aber es sei ein mögliches Ergebnis, wenn die Meta-Verantwortlichen nicht aggressiv einen schützenden Kurs im Hinblick auf die Nutzer verfolgen würden.
Ein Problem in seinem Umgang mit dem eigenen Algorithmus und problematischer Werbung wiegelt Meta ab. Dass Meta wissentlich und absichtlich Werbung mit Kindern an Nutzer mit pädophilen Neigungen ausspiele, sei eine „kategorisch unpräzise“ Darstellung, betonte Meta gegenüber der BBC. Kindesmissbrauch sei ein grausames Verbrechen und Meta würde dieses in seinen Apps aggressiv bekämpfen. 2025 seien rund vier Millionen Accounts automatisch deaktiviert worden, nachdem sie „genügend Anzeichen für potenziell verdächtiges Verhalten“ gezeigt hätten. Metas Experten würden kontinuierlich an neuen Technologien arbeiten, um Sexualstraftätern das Handwerk zu legen und Erkenntnisse über diese auch mit anderen Unternehmen teilen.
In Deutschland hängt die Bekämpfung von solchen Inhalten maßgeblich von solchen Hinweisen aus den USA ab. Unternehmen wie WhatsApp, Instagram, Microsoft und Google konnten in der Vergangenheit in Europa etwa Inhalte mit automatisierten Programmen scannen und verbotene Inhalte an das NCMEC melden. Die Organisation leitet solche Hinweise weltweit an Strafverfolgungsbehörden weiter – in Deutschland ans Bundeskriminalamt. Überhaupt erst möglich machen das die automatischen Systeme, die in Indien offenbar nicht funktionierten. Doch in der EU steht die Erlaubnis, Chats auf WhatsApp, Instagram & Co. nach möglichen Straftaten zu scannen, auf der Kippe. Im EU-Parlament geht es kommende Woche darum, eine Ausnahme von europäischen Datenschutzregeln zu verlängern, die Online-Plattformen das Durchsuchen von privater Kommunikation erlaubt.
Zwei Baden-Württemberger Minister appellieren in einem Brief an EU-Abgeordnete, das Vorhaben zu unterstützen: „In den Jahren 2024 und 2025 wurden dem Bundeskriminalamt jeweils über 200.000 Hinweise übermittelt“, heißt es in dem Brief. Mehr als die Hälfte habe sich als strafrechtlich relevant erwiesen, schreiben Innenminister Manuel Hagel und Justizminister Moritz Oppelt (beide CDU) weiter.
Metas früherer Werbe-Chef Boland selbst hat seinen Instagram-Account im vergangenen Jahr gelöscht. Nur darin sieht er noch eine Chance auf einen positiven Kurswechsel. „Aber nur wenn massenhaft Menschen sagen: ‚Es reicht, vergesst es, ich bin raus hier‘ wird Meta letztendlich reagieren.“
(nen)
Künstliche Intelligenz
Digitale Schiene: Bund zieht positive Bilanz bei neuen Stellwerken
Die Modernisierung der deutschen Schieneninfrastruktur durch digitale Stellwerkstechnik (DSTW) kommt voran. Sie steht aber vor Herausforderungen, die viele Großprojekte betreffen. Eine entsprechende, grundsätzlich positive Bilanz zum sogenannten Schnellläuferprogramm für die digitale Schiene zieht die Bundesregierung in einer jetzt veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion. Einschlägige Vorhaben haben demnach unter Beweis gestellt, dass sich der Ersatzneubau von Stellwerken unter den richtigen Rahmenbedingungen und bei entsprechender Priorisierung spürbar beschleunigen lasse.
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Das 2020 gestartete Programm verfolgt das Ziel, die Bahn technologisch zu erneuern und den Markt für Stellwerkshersteller breiter aufzustellen. Das soll helfen, die Abhängigkeit von wenigen etablierten Akteuren zu reduzieren.
Die Exekutive versucht schon länger dem Eindruck entgegenzutreten, dass der Bund und die Deutsche Bahn (DB) es mit der Digitalisierung der Schiene nicht ernst nähmen und teure Verzögerungen riskierten. Allein mit dem Haushalt 2024 seien für die Vorhaben der digitalen Schiene rund 2,3 Milliarden Euro an Haushaltsmitteln und Verpflichtungsermächtigungen zusätzlich gebunden, hieß es voriges Jahr. Knapp 350 Millionen Euro sollten in die Ausrüstung des strategisch wichtigen Rhein-Alpen-Korridors mit dem Europäischen Eisenbahnverkehrsleitsystem (ERTMS) fließen.
Technische Meilensteine und offene Schnittstellen
ERMTS zählt neben dem Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System) und digitalen Stellwerken zu den wichtigsten Säulen eines modernen Bahnverkehrs, durch den Zugabstände verdichtet werden und mehr Kapazitäten auf dem bestehenden Netz entstehen. Ein weiterer Baustein für mehr Unabhängigkeit und Effizienz ist die technische Standardisierung auf der Ebene der Stellwerke. Nach Regierungsangaben setzt das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) gezielt auf den Einsatz standardisierter Schnittstellen bei der Ausrüstung signaltechnischer Anlagen.
Solche Interfaces ermöglichen es, Komponenten und Systeme unterschiedlicher Hersteller flexibel miteinander zu verschalten. Das stärkt der Exekutive zufolge nicht nur den Wettbewerb. Der Ansatz eröffne auch kleineren Anbietern die Möglichkeit, sich am Markt zu beteiligen. Das EBA begleite diesen Prozess durch einen kontinuierlichen Austausch mit den beteiligten Firmen und unterstützt deren technische Entwicklungen, ist der Antwort zu entnehmen. Parallel wirke die Behörde im Rahmen der Verwendungsprüfung auf einen effizienten Einsatz der Mittel hin.
Zwei neue Lieferanten, weitere möglich
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Die Marktöffnung zeigt erste Erfolge. Laut DB konnten neben den zwei etablierten Systemherstellern mittlerweile zwei weitere Lieferanten berücksichtigt werden. Für künftige Vergaben bestehe die Perspektive, dass weitere Hersteller zum Zuge kämen. Diese hätten die strengen technischen Anforderungen bislang zwar noch nicht erfüllt, befänden sich aber in einem guten Entwicklungsprozess.
Dass der Wandel greift, zeigt dem Verkehrsministerium zufolge auch der Lieferantenpool für die Rahmenverträge der elektronischen und digitalen Stellwerke: Er bestehe inzwischen vollständig aus Herstellern, die über das Schnellläuferprogramm eingebunden und aufgebaut worden seien.
Die konkrete Umsetzung einzelner Pilotprojekte ergibt indes ein gemischtes Bild: Es reicht von reibungslosen Punktlandungen bis zu massiven Verzögerungen. Vorzeigebeispiele wie das Vorhaben im sauerländischen Finnentrop laufen planmäßig und sind seit Mai 2022 ohne signifikante Herausforderungen in Betrieb.
Auch in Kleve-Kempen und der Region Wörth-Germersheim rollt der Verkehr seit Ende 2022 über die neue digitale Technik. Dabei mussten die Projektbeteiligten eine hohe Komplexität meistern, die sich aus mehreren Nachbarstellwerken sowie sensiblen Schnittstellen nach Frankreich und zu privaten Betreibern ergab. Kleinere technische Störungen wie Übertragungsprobleme in Kleve-Kempen ließen sich durch den Austausch von Verkabelungen beheben.
Finanzielle Intransparenz
Andererseits offenbaren Projekte wie in Ansbach-Triesdorf oder an der „Zwieseler Spinne“ Tücken des Marktes. In Franken verzögerte die fehlende Verfügbarkeit eines sicherheitsrelevanten Produktes die Inbetriebnahme um fast vier Jahre bis Anfang 2026. Noch deutlicher zeigen sich die Hürden eines Markteintritts bei dem Eisenbahnknoten im Bayerischen Wald: Hier verschiebt sich die Fertigstellung der Innenanlage von 2023 auf voraussichtlich 2028.
Als Grund nennen das Verkehrsressort und die DB eine strategische Neupositionierung des dortigen Lieferanten, der sich aus der Systemfertigung zurückgezogen habe und nur noch Komponenten zuliefere. Um solche Planungsphasen bei neuen Herstellern zu stabilisieren, müsse die Bahn diese „entzerren“, was eine längere Projektlaufzeit bedinge.
Ein vertrauliches Kapitel bleiben die Finanzen der Projekte. Sämtliche Detailfragen zu den ursprünglichen und finalen Kosten der Vorhaben verweigert die Regierung unter Verweis auf die Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der DB InfraGO. Vertragskonditionen würden bundesweit individuell verhandelt, argumentiert das Ministerium. Eine Offenlegung könnte potenziellen Auftragnehmern taktische Vorteile in künftigen Verhandlungen verschaffen und so die fiskalischen Interessen des Bundes schädigen. Entsprechende Wirtschaftsdaten hat die Exekutive als Verschlusssache eingestuft.
(nen)
Künstliche Intelligenz
Projekt Medusa: Dutzende Festnahmen wegen sexueller Übergriffe nach Sedierung
In einer international koordinierten Aktion haben Strafverfolgungsbehörden unter Federführung des deutschen BKA und seinem britischen Gegenstück NCA einen Schlag gegen Missbrauchsnetzwerke durchgeführt. Seit Donnerstag dieser Woche ist bekannt, dass einige neue solcher Netzwerke gefunden wurden, 57 Personen wurden festgenommen, insgesamt gibt es 113 Ermittlungsverfahren. 158 Opfer wurden in Sicherheit gebracht, über die Details der betroffenen Personen und der Schutzmaßnahmen lassen sich die Ermittler aus offensichtlichen Gründen nicht aus.
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Die Ermittlungen wurden von den Behörden unter dem Namen „Projekt Medusa“ geführt. Diese Anspielung auf das Fabelwesen aus der griechischen Mythologie zeigt schon die bis vor wenigen Jahren unbekannte Dimension dieser Verbrechen: Vier neue Netzwerke der Täter wurden bei der aktuellen Aktion entdeckt. Die Zahl der Mitglieder in diesen Vereinigungen, die sich in Chatgruppen von Messengern und Gruppen auf Pornoplattformen organisiert hatten, geben die Ermittler nicht an.
Beteiligt an der Aktion waren Behörden aus Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada, den Niederlanden, Spanien, Ungarn, den Vereinigten Staaten sowie Europol. Das Projekt wurde im April 2026 gestartet, die konkreten Maßnahmen wurden dann Ende Juni in der Zentrale der britischen National Crime Agency (NCA) in London koordiniert.
Planung und Dokumentation von Gewalt im Internet
Breite Aufmerksamkeit bekam das Phänomen des organisierten Missbrauchs von Personen, die mit Drogen und Medikamenten betäubt wurden, erst durch den Fall der Französin Giselle Pelicot. Die Frau war über Jahre von ihrem damaligen Ehemann und Dutzenden anderen Männern sediert vergewaltigt worden. Die Täter erstellten Aufnahmen der sexualisierten Gewalttaten, tauschten sie im Internet, und diskutierten über Mittel, mit der Menschen widerstandsunfähig gemacht werden und ihre Erinnerung beeinträchtigt werden sollte.
In der Folge rückten diese auch Vergewaltigernetzwerke genannten Gruppen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Das Ziel der weit überwiegend männlichen Täter aus dem persönlichen Umfeld der Opfer wird von Ermittlern als „chemische Unterwerfung“ beschrieben. Der internationale und auch von Europol verwendete Begriff ist „drug-facilitated sexual assaults“. Dabei werden Frauen, teilweise auch Kindern, Medikamente, Alkohol, andere Drogen und auch Schmerzmittel ohne ihr Wissen verabreicht. Letztere Mittel dienen dazu, um für die Opfer die körperlichen Folgen nicht unmittelbar erkennbar zu machen, wie das BKA mitteilt.
Das Erkennen fällt auch Opfern schwer
Neben den sexuellen Übergriffen ist allein auch schon das Verabreichen dieser Substanzen ohne Zustimmung eine Straftat. Die Ermittler weisen darauf hin, dass durch Laien verabreichte Substanzen neben den sexualisierten Gewaltakten zusätzlich lebensgefährlich sein können. Daher wird den Beschuldigten auch gefährliche Körperverletzung und ein Tötungsversuch vorgeworfen. Weil das Erkennen der Gewalttaten durch die Substanzen auch für die Opfer schwierig sein kann, weisen die Ermittler vermehrt darauf hin, wie das besser erfolgen kann. Das BKA nennt dafür die folgenden im Volltext zitierten Auffälligkeiten:
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- ungewöhnlich lange Schlafdauer bzw. ungewöhnlicher Schlafrhythmus
- nicht nachvollziehbare Benommenheit / Abgeschlagenheit am Morgen
- Erinnerungslücken
- Erwachen an Orten, ohne zu wissen, wie man dorthin gelangt ist
- Auffälligkeiten am Körper (z. B. Übelkeit, blaue Flecken, Geschlechtskrankheiten), für die es keine Erklärung gibt
Die Polizei Hamburg weist zudem darauf hin, dass wegen der Flüchtigkeit von manchen der verwendeten Mittel im Verdachtsfall möglichst schnell das jeweilige Institut für Rechtsmedizin verständigt werden sollte. Vom BKA wiederum kommt die generelle Empfehlung, gegebenenfalls den Notruf der Polizei (Telefonnummer 110) zu wählen. Als weitere Anlaufstellen nennt das Bundeskriminalamt die Online-Beratung des Weissen Rings sowie das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen (Telefonnummer 116 016). Unter letzterem Link finden sich zudem weiterführende Informationen für Betroffene und zum Erkennen von sexualisierter Gewalt.
(nie)
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