Künstliche Intelligenz
Spotifys neuer exklusiver Modus umgeht Audioverarbeitung von Windows
Eine neue Funktion für die Desktop-App von Spotify verhindert, dass sich Windows in die Audiowiedergabe des Musik-Streamingdiensts einmischt. Ist der Exclusive Mode aktiviert, läuft die Wiedergabe ausschließlich über das Audio-Interface. Das kann laut Spotify zu präziserer Tonqualität führen.
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Üblicherweise schaltet sich Windows in die Wiedergabe aller Audioquellen ein: Sounds können neu abgemischt oder anderweitig angepasst werden, bevor sie zum Digital-Analog-Wandler oder Audio-Interface kommen. Im exklusiven Modus umgeht Spotify den Windows-Audiomixer und gibt das Signal direkt an das Audiogerät weiter.
Das sorgt laut Spotify für „Bit-perfekte Wiedergabe“, dürfte aber vor allem Menschen mit feinem Gehör und hochwertigem Equipment auffallen. Der Exclusive Mode ist für die Wiedergabe von verlustfreien Audiodateien gedacht. Seit Herbst des vergangenen Jahres können Spotify-Nutzer Musik im FLAC-Codec bei einer Qualität von 24-bit/44.1 kHz anhören.
Kein Ton von anderen Quellen
Für den Alltagsgebrauch eignet sich der exklusive Modus dagegen nur eingeschränkt: Solange er aktiviert ist, kann das Gerät keine Töne von anderen Quellen abspielen. Das bedeutet: Musikhören beim Videospielen ist nicht möglich, und auch Audio-Benachrichtigungen für eingehende Mails werden nicht abgespielt. Wer die Musikwiedergabe beendet und ein YouTube-Video schauen will, muss den exklusiven Modus dafür in der Spotify-App manuell beenden.
Möglich ist es aber, ein Audiogerät im exklusiven Modus laufen zu lassen und ein anderes für die normale Windows-Wiedergabe zu benutzen. Dafür muss man das Wiedergabegerät in Windows umstellen. Podcasts, Musikvideos und Hörbücher unterstützen den exklusiven Modus auf Spotify zudem nicht.
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Der exklusive Modus steht Premium-Abonnenten von Spotify zur Verfügung. Auch in Deutschland lässt sich die Funktion bereits aktivieren. Dazu geht man in der Desktop-App von Spotify in die Einstellungen und scrollt zu „Wiedergabe“. Unter „Audioausgabe“ wählt man zuerst das gewünschte Gerät aus, bevor man den Schalter bei „Exklusivmodus für dieses Gerät aktivieren“ setzt.

In den Einstellungen der Desktop-App lässt sich der exklusive Modus aktivieren.
(Bild: Spotify)
Der exklusive Modus von Spotify nutzt den exklusiven Modus von WASAPI, der Windows Audio Session API, um die Audio-Pipeline zu kontrollieren. Eine Mac-Variante des Features ist laut Spotify aktuell noch in Entwicklung.
(dahe)
Künstliche Intelligenz
Tödlicher Titanic-Tauchgang: Keine Vorschriften für solche Tauchboote
Bei einer Besichtigungsfahrt zum Wrack der Titanic am 18. Juni 2023 implodierte das Tauchboot Titan. Alle fünf Personen an Bord waren sofort tot. Das Tauchboot war nirgends registriert. Das Begleitschiff war kanadisch und vom Hafen St. John’s in Neufundland ausgelaufen, weshalb die kanadische Verkehrssicherheitsbehörde TSB (Transportation Safety Board) die Todesfahrt untersucht hat. Am Mittwoch hat sie ihren Bericht M23A0169 veröffentlich. Darin beschreibt sie zahlreiche Mängel und spricht sechs Empfehlungen aus.
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Das Design der Titan war einzigartig und ungeprüft. Gebaut und betrieben wurde es von einer kleinen US-Firma namens Oceangate. Sie hat allerdings nicht überprüft, ob die von ihr getroffenen Annahmen über Material und Konstruktion auch wirklich zutrafen. Damit war völlig unklar, wie viele Tauchgänge die Kohlefaserhülle aushalten würde.

Schema der Titan
(Bild: TSB/Daniel AJ Sokolov)
Zwar war ein System eingebaut, dass den Materialstress erhob, doch wurden dessen Daten nicht regelmäßig ausgewertet. Zusätzlich gab es zwei Warnsystemen, die bei Problemen Alarm schlagen sollten. Eines funktionierte nicht. Ob das andere überhaupt so früh gewarnt hätte, dass Titan den über drei Stunden langen Tauchvorgang durchführen hätte können, hat Oceangate nie verifiziert.
Sicherheit war zweitrangig
Hinzu kam, dass die Firma mangelhaftes Kohlefasermaterial eingesetzt hat: billige Ausschussware, die beim Flugzeugzusammenbauer Boeing durchgefallen war. Dieses bekannt schlechte Material wurde dann auch noch unsachgemäß verbaut, gelagert und transportiert. Für den konkreten Unfall ohne Belang, aber beispielhaft für die Sicherheitskultur, war, dass die Titan keine von Innen zu öffnende Luke hatte. Außenstehende mussten Schrauben entfernen, um die Insassen aussteigen zu lassen.
Zudem war der Notfallplan völlig unzureichend. Das Begleitschiff hatte keine Möglichkeit, Titan unter Wasser zu orten. Theoretisch vorgesehen war der Einsatz von Tauchrobotern, sollte Titan nicht selbständig auftauchen können. Doch gab es keine Verträge mit Betreibern passender Tauchroboter. Dabei beschränkte sich die Lebenserhaltung für Titan-Insassen auf nur 96 Stunden. Passende Tauchroboter zu finden und vor Ort zu bringen dauerte dann auch deutlich länger.
Soziale Faktoren
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Diplomatisch fasst der kanadische Bericht die Zustände bei Oceangate, die zu dem tödlichen Unfall beigetragen haben, zusammen: „Das Risikomanagement Oceangates wurde durch Struktur und Zusammensetzung der Firma behindert und durch Machtverhältnisse sowie soziale und psychologische Faktoren beeinflusst.“ Wie schon aus einem US-Untersuchungsbericht zur tödlichen Titanic-Tauchfahrt bekannt ist, legte Firmenchef Stockton Rush nur mäßigen Wert auf Sicherheit.
Rush setzte auf Trial-and-Error und reagierte spontan auf Probleme. Mehrere Personen, die intern auf Sicherheitsrisiken hingewiesen hatten, verließen das Unternehmen oder wurden gegangen. Einer erstattete Anzeige bei der US-Arbeitssicherheitsbehörde OSHA, wurde durch eine Klage Oceangates aber zum Schweigen gebracht. Zum Zeitpunkt des Unglücks hatte Oceangate gar keinen Entwicklungsleiter mehr.
Firmenchef Rush kann nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden. Er ist eines der fünf Todesopfer.
Keine Aufsicht
Wasserfahrzeuge müssen in einem einzelnen Land registriert sein, das dann zuständig ist. Doch hat Oceangate seine Titan nirgends registriert. Einen Anlauf zu einer Registrierung auf den Bahamas hat die Firma wieder abgebrochen, nachdem dessen Behörde die notwendigen Voraussetzungen erklärt hatte, hält der kanadische Bericht fest.
Doch auch Registrierung bedeutet nicht, dass das Wasserfahrzeug zertifiziert sein muss. Konkret in Kanada fällt nur etwa ein Viertel der registrierten Flotte unter die Zertifizierungspflicht (abhängig von Größe und Maximalzahl etwaig beförderter Passagiere). Der Rest muss ebenfalls Betriebs- und Sicherheitsvorschriften einhalten. Ob sie das tun, wird nicht laufend behördlich geprüft. Das kanadische Verkehrsministerium setzt auf „risikobasierte“ Inspektionen.
Ausländische Schiffe, die in kanadische Häfen einlaufen, müssen sich vorab melden und können dann im Hafen untersucht werden. Das gilt allerdings erst ab 500 Bruttotonnen und nicht für Wasserfahrzeuge, die als Fracht durch andere Fahrzeuge importiert werden, wie es bei der Titan der Fall war.
Keine Regeln
Vor allem aber gibt es keine verpflichtenden Normen für Design, Herstellung und Betrieb von Tauchbooten. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hat zwar Richtlinien erarbeitet (Maritime Safety Committee Circular 981), deren Befolgung aber freiwillig ist. Daher empfiehlt die kanadische Verkehrssicherheitsbehörde dem Verkehrsministerium, sich bei der IMO dafür starkzumachen, diese Richtlinien in internationale Verträge oder Normen aufzunehmen.
Zusätzlich sollte die Monarchie die Einhaltung der Richtlinien für alle Tauchboote vorschreiben, die in Kanada registriert sind, ein kanadisches Begleitschiff haben oder in der ausschließlichen Wirtschaftszone vor den Küsten des Landes betrieben werden. (Die Titanic liegt außerhalb dieser Zone, Anmerkung.)
Drei weitere Empfehlungen zielen auf bessere Kommunikation zwischen Behörden sowie konkrete Definition von Risikofaktoren, die behördliche Inspektionen auslösen ab. Der sechste Rat betrifft bessere Zusammenarbeit zwischen der Mannschaft eines Tauchbootes und der Crew seines Begleitschiffes.
(ds)
Künstliche Intelligenz
Neuer Regulierungsärger für Apple: Italien leitet DMA-Untersuchung ein
Apple droht neuer Regulierungsärger in der Europäischen Union (EU): Mit der italienischen Wettbewerbsbehörde AGCM wird die Untersuchung diesmal nicht von der EU-Kommission in Brüssel, sondern aus einem EU-Mitgliedsland angestoßen. Die Wettbewerbshüter in Italien wollen überprüfen, ob Apple auf iPhone und iPad die iCloud gegenüber alternativen Cloudanbietern bevorzugt – und ob dies mit den Vorschriften des Digital Markets Act (DMA) vereinbar ist. Im Falle eines Verstoßes drohen Apple empfindliche Strafen, die von der EU-Kommission als Durchsetzungsbehörde ausgesprochen werden können.
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In dem formellen Beschluss zur Einleitung einer Untersuchung gegen Apple vom 9. Juni 2026 werden zwei Beispiele genannt, in denen alternative Cloudanbieter gegenüber Apple benachteiligt sein sollen. Erstens soll nur über die iCloud ein vollständiges Geräte-Backup mit Apps, Nachrichten und Einstellungen möglich sein. Und zweitens verwehre Apple Cloud-Mitbewerbern auch, dass ihre Dienste gleichwertig für die Hintergrundsynchronisierung und andere iCloud-Funktionen eingesetzt werden.
Apple sucht das Gespräch
Bei Apple zeigt man sich überrascht über den plötzlichen Vorstoß aus Italien: „Die neuen Bedenken zu iCloud kamen in unseren ausführlichen Gesprächen mit der Europäischen Kommission zu Interoperabilität nie zur Sprache.“ Die EU-Kommission habe Apples DMA-Verpflichtungen zuletzt auch im Streit um Siri AI und den Digital Markets Act thematisiert, heißt es in einer Stellungnahme Apples, die heise online vorliegt. Apple arbeite gewissenhaft daran, seinen Verpflichtungen unter dem DMA nachzukommen. „Wir freuen uns auf den Austausch mit der italienischen Behörde, um ihre Bedenken im Detail zu besprechen und auszuräumen.“
Das Verfahren – laut Medienberichten die erste nationale DMA-Untersuchung in Italien – geht offenbar auf einen Whistleblower-Hinweis zurück, der am 9. April 2025 bei der Behörde eingegangen ist. Es ist unklar, ob es sich um eine Einzelperson, ein Unternehmen oder einen Konkurrenten handelt. Nach der ersten Meldung erhielt die Behörde weitere Ergänzungen am 24. Juli 2025 und am 16. Februar 2026.
Italienische Behörde ist „alter Bekannter“
Apple habe nun 60 Tage Zeit, eine Anhörung zu beantragen. Das Verfahren müsse bis zum 31. März 2027 abgeschlossen sein. Die EU-Kommission wurde laut der italienischen Behörde am 8. Juni 2026 informiert.
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Es ist nicht die erste Begegnung Apples mit der italienischen Behörde: Bereits im Dezember 2025 erhielt Apple von der AGCM einen Bußgeldbescheid über 98,6 Millionen Euro. Die Behörde warf Apple Missbrauch seiner beherrschenden Stellung im App-Markt vor. Konkret ging es um die App Tracking Transparency, die von App-Entwicklern verlangt, dass diese sich für das Tracking von Usern zuerst das Einverständnis der Nutzer einholen müssen.
Apple wurde von der EU-Kommission 2023 (für iOS) und 2024 (für iPadOS) als Gatekeeper eingestuft. Derzeit streitet Apple mit der EU-Kommission auch darum, ob der DMA Siri AI von iPhones in der EU fernhält – iOS 27 soll ohne die neue KI-Siri in die EU kommen. Damit gelten für Apple besondere Pflichten, etwa die zur Interoperabilität nach Artikel 6, Absatz 7 des DMA. Apple und andere Gatekeeper müssen damit Funktionen für Mitbewerber gleichberechtigt öffnen.
(mki)
Künstliche Intelligenz
Weg von Big Tech: Deutschland und Frankreich beschließen Souveränitäts-Plan
Nach den eher vagen Vereinbarungen des Berliner Souveränitätsgipfels im November wollen Deutschland und Frankreich den nächsten Schritt zur Stärkung von Europas digitaler Unabhängigkeit gehen. Zum Auftakt der Messe VivaTech 2026 in Paris haben die zwei Länder am Mittwoch eine gemeinsame Definition digitaler Souveränität veröffentlicht. Sie wollen damit dazu beitragen, kritische Abhängigkeiten im Tech-Bereich konsequent zu reduzieren und souveräne Lösungen aus Europa zu unterstützen.
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Digitale Souveränität ist demnach die Fähigkeit, Technologien wie Hard- und Software „unabhängig, selbstbestimmt und sicher zu entwickeln, bereitzustellen, zu nutzen, anzupassen und zu kontrollieren“. Die Entscheidungsgewalt über deren Prozesse und Aktivitäten soll so gewährleistet werden. Das Papier hat eine gemeinsame Taskforce beider Länder erarbeitet. Es soll auch als politischer Impuls die Debatte über das neue Paket der EU-Kommission für technologische Souveränität bereichern.
Für Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) ist das Vorhaben etwa aufgrund zunehmender Cyberangriffe und Unterbrechungen in den Lieferketten ein geopolitisches Gebot der Stunde. Europa dürfe sich nicht länger selbst im Weg stehen, sagte er. Es müsse die Kräfte bündeln, um heimische Start-ups zu stärken und globale Champions aufzubauen. Als größte EU-Mitgliedstaaten wollen Deutschland und Frankreich vorangehen, weitere Partner mobilisieren und das Thema in kommenden Rechtsakten verankern.
Sechs Dimensionen für digitale Unabhängigkeit
Die neue Definition beschreibt digitale Souveränität anhand von sechs Dimensionen, die durch konkrete Kriterienkataloge untermauert werden. Im Zentrum stehen rechtliche Durchsetzungsmöglichkeiten, der Schutz sensibler Daten sowie die Resilienz kritischer Infrastrukturen. In der Praxis bedeutet das etwa die bevorzugte Nutzung digitaler Produkte von Anbietern aus der EU oder vertrauenswürdigen Partnerstaaten.
Um Lock-in-Effekte zu vermeiden, setzt die Strategie auf Open-Source-Lösungen und modulare Architekturen. Zudem soll der gezielte Auf- und Ausbau eigener Recheninfrastrukturen für KI und Cloud-Computing vorangetrieben werden.
Flankiert wird die Initiative durch die Neuauflage des Deutsch-Französischen Zukunftswerks. Diese Plattform soll den Austausch zwischen privaten Akteuren und den digitalen Ökosystemen beider Länder intensivieren, um die technologische Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit Europas zu erhöhen.
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Frankreichs Digitalministerin Anne Le Hénanff verwies hier auf die Partnerschaft zwischen SAP und Mistral AI als erstes greifbares Beispiel dafür, dass eine europäische, souveräne KI den realen Bedürfnissen von Verwaltungen und Firmen gerecht werden könne. Zu den ersten neuen Aufgaben des Zukunftswerks gehört die Erarbeitung eines gemeinsamen Katalogs souveräner Digitallösungen sowie eines Rahmens zur Bewertung kritischer Interdependenzen.
(wpl)
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