Künstliche Intelligenz
Tiny Core Linux 17.0: Eine moderne Distribution in wenigen Megabyte
Das Team hinter Tiny Core Linux hat Version 17.0 der minimalistischen Distribution veröffentlicht. Die neue Ausgabe aktualisiert die technische Basis auf einen aktuellen Stand: Linux 6.18.2 und den GCC-Compiler auf 15.2.0. Wie Team Tiny Core im Forum mitteilt, umfasst die Aktualisierung der Toolchain auch glibc 2.42, Binutils 2.45.1, util-linux 2.41.2 und e2fsprogs 1.47.3. Die kleinsten verfügbaren Editionen Core und CorePure64 bringen es lediglich auf rund 20 beziehungsweise 24 MByte – die Distribution zählt damit zu den kompaktesten verfügbaren Linux-Systemen.
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Der neue Kernel 6.18.2 bringt Unterstützung für neuere Hardware mit. Dazu gehören Apples M2-Serie, Billigprozessoren aus Intels Core-Ultra-300-Serie (Wildcat Lake) sowie haptische Touchpads. Mit GCC 15.2.0 umfasst die Distribution einen modernen Compiler mit erweiterten Sprachfunktionen: Die neue Version unterstützt OpenMP 5.2 und 6.0 mit Funktionen wie metadirective und declare variant. C23-Funktionen wie das #embed-Direktiv und Unsequenced-Attribute gehören ebenso dazu wie C++-Verbesserungen – darunter constexpr placement new sowie flat_map und flat_set aus der Standardbibliothek.
Systemanforderungen bleiben bescheiden
An den Mindestanforderungen ändert sich wenig: TinyCore benötigt laut aktueller FAQ mindestens 46 MByte RAM, MicroCore kommt mit 28 MByte aus. Empfohlen werden 128 MByte RAM plus Swap-Speicher sowie ein Prozessor der Pentium-II-Klasse oder neuer. Als absolutes Minimum genügt ein i486DX aus dem Jahr 1989. Die Distribution verzichtet weiterhin auf systemd und setzt stattdessen auf BusyBox sowie traditionelle SysV-ähnliche Init-Skripte.
Das Update von glibc auf Version 2.42 kann Auswirkungen auf bestehende Erweiterungen haben. Ältere TCZ-Pakete müssen möglicherweise neu kompiliert werden, um mit der aktualisierten C-Bibliothek zu funktionieren. Historisch erforderten solche Versionssprünge bereits Anpassungen, etwa beim Wechsel von glibc 2.28 auf 2.30 in früheren Tiny-Core-Versionen.
Die neue util-linux-Version 2.41.2 erweitert die Partitionsverwaltung um neue Optionen. Die Werkzeuge cfdisk, sfdisk und fdisk unterstützen nun Parameter wie –sector-size und –discard-free. Ein neuer T-Befehl ermöglicht das gezielte Verwerfen von Sektoren. Die Partitionstools bieten außerdem eine verbesserte Integration lokaler Konfigurationsdateien.
Sicherheitsverbesserungen im Dateisystem
Das e2fsprogs-Update auf 1.47.3 behebt mehrere sicherheitsrelevante Probleme. tune2fs schützt jetzt besser vor MMP-Session-Diebstahl, e2fsck prüft Journal-Inodes auf das Encrypt-Flag. FUSE2fs erhält Korrekturen für O_APPEND, O_TRUNC, POSIX-ACLs und das immutable-Flag. Eine neue udev-Regel verhindert das automatische Mounten von ext4-Dateisystemen über udisks, um potenzielle Sicherheitslücken zu vermeiden.
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Das Projekt hat ebenfalls die Skript-Sammlung aktualisiert: provides.sh, tce-update und tc-functions bieten eine verbesserte Unterstützung für HTTPS-Mirrors. Das update-everything-Skript erweitert nun automatisch den PATH um /usr/local/bin. shutdown.sh behandelt leere Zeilen in /opt/.xfiletool.lst korrekt. Die udev-Regeln 50-udev-default.rules erweitern die Berechtigungen für Eingabegeräte.
Tiny Core Linux bleibt seinem Konzept des On-Demand-Ladens treu. Erweiterungen werden über das TCZ-System bei Bedarf nachgeladen. Die Mirrors lassen sich über /opt/tcemirror oder mirrors.lst auswählen, wobei Version 17.0 die HTTPS-Unterstützung in den relevanten Verwaltungsskripten verbessert hat.
Drei Editionen verfügbar
Für x86_64-Systeme stehen drei Editionen bereit: CorePure64 als reine Kommandozeilen-Variante mit 24 MByte, TinyCorePure64 mit minimaler grafischer Oberfläche bei 41 MByte sowie CorePlus als erweiterte Version mit 275 MByte. Die Installation erfolgt entweder vom USB-Stick oder persistent mit tce=UUID-Parametern für dauerhafte Erweiterungen und Einstellungen.
Im Vergleich zu anderen minimalen Distributionen sticht Tiny Core vor allem durch seine extrem geringe Größe und RAM-Nutzung heraus. Alpine Linux setzt auf musl libc und Container, Void Linux auf runit und das XBPS-Paketsystem. Tiny Core punktet besonders bei Embedded-Systemen und älterer Hardware, wo absolut minimaler Ressourcenverbrauch gefragt ist.
Tiny Core Linux 17.0 steht auf der Projektwebseite zum Download bereit.
(fo)