Künstliche Intelligenz
Tiny Core Linux 17.0: Eine moderne Distribution in wenigen Megabyte
Das Team hinter Tiny Core Linux hat Version 17.0 der minimalistischen Distribution veröffentlicht. Die neue Ausgabe aktualisiert die technische Basis auf einen aktuellen Stand: Linux 6.18.2 und den GCC-Compiler auf 15.2.0. Wie Team Tiny Core im Forum mitteilt, umfasst die Aktualisierung der Toolchain auch glibc 2.42, Binutils 2.45.1, util-linux 2.41.2 und e2fsprogs 1.47.3. Die kleinsten verfügbaren Editionen Core und CorePure64 bringen es lediglich auf rund 20 beziehungsweise 24 MByte – die Distribution zählt damit zu den kompaktesten verfügbaren Linux-Systemen.
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Der neue Kernel 6.18.2 bringt Unterstützung für neuere Hardware mit. Dazu gehören Apples M2-Serie, Billigprozessoren aus Intels Core-Ultra-300-Serie (Wildcat Lake) sowie haptische Touchpads. Mit GCC 15.2.0 umfasst die Distribution einen modernen Compiler mit erweiterten Sprachfunktionen: Die neue Version unterstützt OpenMP 5.2 und 6.0 mit Funktionen wie metadirective und declare variant. C23-Funktionen wie das #embed-Direktiv und Unsequenced-Attribute gehören ebenso dazu wie C++-Verbesserungen – darunter constexpr placement new sowie flat_map und flat_set aus der Standardbibliothek.
Systemanforderungen bleiben bescheiden
An den Mindestanforderungen ändert sich wenig: TinyCore benötigt laut aktueller FAQ mindestens 46 MByte RAM, MicroCore kommt mit 28 MByte aus. Empfohlen werden 128 MByte RAM plus Swap-Speicher sowie ein Prozessor der Pentium-II-Klasse oder neuer. Als absolutes Minimum genügt ein i486DX aus dem Jahr 1989. Die Distribution verzichtet weiterhin auf systemd und setzt stattdessen auf BusyBox sowie traditionelle SysV-ähnliche Init-Skripte.
Das Update von glibc auf Version 2.42 kann Auswirkungen auf bestehende Erweiterungen haben. Ältere TCZ-Pakete müssen möglicherweise neu kompiliert werden, um mit der aktualisierten C-Bibliothek zu funktionieren. Historisch erforderten solche Versionssprünge bereits Anpassungen, etwa beim Wechsel von glibc 2.28 auf 2.30 in früheren Tiny-Core-Versionen.
Die neue util-linux-Version 2.41.2 erweitert die Partitionsverwaltung um neue Optionen. Die Werkzeuge cfdisk, sfdisk und fdisk unterstützen nun Parameter wie –sector-size und –discard-free. Ein neuer T-Befehl ermöglicht das gezielte Verwerfen von Sektoren. Die Partitionstools bieten außerdem eine verbesserte Integration lokaler Konfigurationsdateien.
Sicherheitsverbesserungen im Dateisystem
Das e2fsprogs-Update auf 1.47.3 behebt mehrere sicherheitsrelevante Probleme. tune2fs schützt jetzt besser vor MMP-Session-Diebstahl, e2fsck prüft Journal-Inodes auf das Encrypt-Flag. FUSE2fs erhält Korrekturen für O_APPEND, O_TRUNC, POSIX-ACLs und das immutable-Flag. Eine neue udev-Regel verhindert das automatische Mounten von ext4-Dateisystemen über udisks, um potenzielle Sicherheitslücken zu vermeiden.
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Das Projekt hat ebenfalls die Skript-Sammlung aktualisiert: provides.sh, tce-update und tc-functions bieten eine verbesserte Unterstützung für HTTPS-Mirrors. Das update-everything-Skript erweitert nun automatisch den PATH um /usr/local/bin. shutdown.sh behandelt leere Zeilen in /opt/.xfiletool.lst korrekt. Die udev-Regeln 50-udev-default.rules erweitern die Berechtigungen für Eingabegeräte.
Tiny Core Linux bleibt seinem Konzept des On-Demand-Ladens treu. Erweiterungen werden über das TCZ-System bei Bedarf nachgeladen. Die Mirrors lassen sich über /opt/tcemirror oder mirrors.lst auswählen, wobei Version 17.0 die HTTPS-Unterstützung in den relevanten Verwaltungsskripten verbessert hat.
Drei Editionen verfügbar
Für x86_64-Systeme stehen drei Editionen bereit: CorePure64 als reine Kommandozeilen-Variante mit 24 MByte, TinyCorePure64 mit minimaler grafischer Oberfläche bei 41 MByte sowie CorePlus als erweiterte Version mit 275 MByte. Die Installation erfolgt entweder vom USB-Stick oder persistent mit tce=UUID-Parametern für dauerhafte Erweiterungen und Einstellungen.
Im Vergleich zu anderen minimalen Distributionen sticht Tiny Core vor allem durch seine extrem geringe Größe und RAM-Nutzung heraus. Alpine Linux setzt auf musl libc und Container, Void Linux auf runit und das XBPS-Paketsystem. Tiny Core punktet besonders bei Embedded-Systemen und älterer Hardware, wo absolut minimaler Ressourcenverbrauch gefragt ist.
Tiny Core Linux 17.0 steht auf der Projektwebseite zum Download bereit.
(fo)
Künstliche Intelligenz
Meta plant angeblich Gesichtserkennung für Smart Glasses
Meta will laut einem Bericht der New York Times noch in diesem Jahr Gesichtserkennung für seine Smart Glasses einführen. Die Zeitung beruft sich dabei auf mehrere mit den Plänen vertraute Quellen.
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Die Funktion werde intern „Name Tag“ (Deutsch: Namensschild) genannt und solle es Trägern ermöglichen, Personen in ihrer Umgebung zu identifizieren. Konzernchef Mark Zuckerberg wolle sich damit von konkurrierenden Produkten abheben und den KI-Assistenten der Brillen aufwerten, heißt es.
Metas Wearables entwickeln sich derzeit zum Verkaufserfolg: Brillenpartner EssilorLuxottica meldete am Donnerstag sieben Millionen verkaufte Geräte im vergangenen Jahr. Insgesamt dürfte sich die Stückzahl der Marke von zehn Millionen nähern. Für dieses Jahr ist eine massive Produktionssteigerung geplant.
Gesichtserkennung auf Meta-Nutzer beschränkt
Meta prüfe derzeit, wer durch die Gesichtserkennung überhaupt erkennbar sein soll, heißt es im Bericht der New York Times. Erwogen werde, dass nur Personen identifiziert werden, mit denen der Brillenträger auf einer Meta-Plattform vernetzt ist, oder Menschen mit einem öffentlichen Konto auf Meta-Diensten wie Instagram, die der Nutzer nicht persönlich kennt. Eine universelle Gesichtserkennung sei nicht geplant.
In einem internen Dokument, das der Zeitung vorliegt, heißt es, Meta habe die Funktion im letzten Jahr zunächst Teilnehmern einer Konferenz für Blinde bereitstellen wollen, bevor sie der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dieser Schritt sei jedoch nicht umgesetzt worden. Auch die aktuellen Pläne könnten sich noch ändern.
Politische Lage einkalkuliert
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Im vergangenen Jahr berichtete The Information, dass Meta schon 2021 geplant hatte, Gesichtserkennung einzuführen, sich jedoch dagegen entschieden hätte. In jenem Jahr erschien die erste Generation von Metas Smart Glasses, die bei Konsumenten jedoch nur wenig Anklang fand. Inzwischen haben sich sowohl die Marktlage als auch die politische Situation in den USA verändert.
Letztere hat Meta angeblich einkalkuliert: „Wir werden die Einführung in einem dynamischen politischen Umfeld vornehmen, in dem viele zivilgesellschaftliche Gruppen, von denen wir erwarten würden, dass sie uns angreifen, ihre Ressourcen auf andere Anliegen konzentrieren“, heißt es in dem internen Dokument, das der New York Times vorliegt.
In einer Stellungnahme dementierte Meta die Gerüchte nicht. „Wir hören zwar häufig von einem Interesse an einer solchen Funktion – und einige solcher Produkte gibt es bereits auf dem Markt –, prüfen derzeit jedoch noch verschiedene Optionen und werden behutsam vorgehen, falls und bevor wir etwas einführen“, ließ das Unternehmen mitteilen.
(tobe)
Künstliche Intelligenz
RAM: Plastik- statt Pappverpackung soll vor Betrug schützen
Der DRAM-Riegelhersteller Corsair tauscht bei einigen Arbeitsspeicher-Kits die Verpackung aus. Statt in einer Pappschachtel kommen sie künftig in durchsichtigem Kunststoff. Corsair reagiert damit auf Betrugsmaschen, die aufgrund der aktuellen Speicherkrise besonders lukrativ sind.
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Die neue Verpackung des Herstellers Corsair (unten vorn) im Vergleich mit der alten (oben hinten).
(Bild: Corsair)
Im Idealfall sehen Interessierte schon bei einem Kauf vor Ort, dass sich originale Riegel in der Verpackung befinden. Beim gängigeren Onlinekauf soll die Bauchbinde dagegen besser vor einer der gängigsten Betrugspraktiken schützen: Betrüger bestellen den Speicher, tauschen die Riegel aus und schicken das Päckchen dann wieder retour. Manche Händler prüfen Rücksendungen nur unzureichend und verkaufen sie anschließend erneut. Bisher hatten Corsair-Kits nur einen durchsichtigen runden Aufkleber, um eine Verpackung zu verschließen. Diese ließ sich öffnen, ohne den Aufkleber zu beschädigen. Die Bauchbinde reißt dagegen auf.
Vengeance macht den Start
Corsair stellt die Verpackungen laut Ankündigung bei allen Varianten seines DDR5-Arbeitsspeichers aus der Vengeance-Serie mit zwei Modulen um, einschließlich der normalen Versionen und der RGB-Varianten. Um den Umwelteinfluss etwas aufzufangen, betont der Hersteller die Verwendung von recyceltem Kunststoff.
Bis alle alten Kits mit der Pappverpackung abverkauft sind, könnte noch einige Zeit vergehen. Wer aktuell Corsair-Speicher bestellt, könnte noch die alte Ausführung erhalten.
Generell gilt gerade mehr denn je: Käufer sollten Speicherriegel genau inspizieren und nach dem Einbau die Spezifikationen auslesen. Das gängige Auslese-Tool CPU-Z zeigt im Reiter Memory die wichtigsten Daten an, darunter die Kapazität und die im BIOS eingestellten Frequenzen sowie Timings.
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(mma)
Künstliche Intelligenz
AirTag 2 im Praxistest: 50 Meter statt 15 – ein echter Gamechanger | c’t 3003
Apple verspricht beim AirTag 2 eine deutlich höhere UWB-Reichweite – aber stimmt das auch in der Praxis? c’t 3003 hat den neuen Tracker gegen den Vorgänger und Motorolas Android-Alternative antreten lassen. Das Ergebnis: Bis zu 50 Meter statt 15 Meter Nahfunk-Reichweite machen beim Suchen einen gewaltigen Unterschied.
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Transkript des Videos
(Hinweis: Dieses Transkript ist für Menschen gedacht, die das Video oben nicht schauen können oder wollen. Der Text gibt nicht alle Informationen der Bildspur wieder.)
Guck mal hier, das ist ein AirTag 2 und ja, sieht genauso aus wie die Version, die vor 5 Jahren rausgekommen ist, kostet auch genauso viel und ist das zurzeit preisgünstigste Gadget von Apple.
Auch wenn mir das ein bisschen peinlich ist: Die AirTags sind für mich persönlich der Hauptgrund, warum ich wahrscheinlich für ewig im Apple-Ökosystem rumhänge, weil ich ohne die Dinger einfach nicht mehr leben kann. Und der AirTag 2 soll das jetzt alles noch viel besser machen, mit einer deutlich höheren Reichweite, was für mich echt ein Gamechanger wäre. Denn ich habe das ständig, dass ich irgendwas suche, aber mein Handy keine Verbindung zum AirTag aufnimmt – und dann laufe ich da immer so doof rum, bis ich da eine Verbindung bekommen habe.
In diesem Video testen wir das Ganze unter harten, realen Bedingungen am und im Heise-Verlag und finden heraus, ob die neuen AirTags wirklich besser sind. Und ich habe auch noch den härtesten Konkurrenten aus dem anderen Lager in den Test reingenommen: Und zwar den Moto Tag für Android-Smartphones, der auch wie die AirTags über Ultra-Breitband, also UWB, zentimetergenau ortbar ist. Bleibt dran!
Liebe Hackerinnen, liebe Internetsurfer, herzlich willkommen hier bei…
Lasst uns gleich mal reinstarten in unseren Praxistest, bevor ich dann später erkläre, wie das technisch alles funktioniert. Erstmal in Gang setzen die Dinger und das finde ich immer wieder magisch, denn man muss da einfach nur diese Lasche abziehen und schon meldet sich das Smartphone und sagt: „Hey, ich habe einen Tag gefunden, soll ich den installieren?“ Also wirklich richtig schön einfach. Und das klappt beim Moto Tag übrigens exakt genauso wie bei den Apple AirTags.
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Hier ist einmal Keno aus der Zukunft. Mir ist kurz vorm Hochladen dieses Videos aufgefallen, dass die Nahbereichssuche mit Ultra-Breitband im Moto Tag nur mit Google-Pixel-Pro-Telefonen funktioniert und ich habe ein normales Pixel 9 verwendet. Das kann nur Bluetooth, kein Ultra-Breitband. Und deshalb funktionierte mit dem Moto Tag keine Nahbereichssuche, also die Suche mit dem Pfeil und der Meterangabe. Tut mir leid, blöder Fehler, den Test hole ich auf jeden Fall nach, also im Vergleich zu AirTags. Dann machen wir ein Short-Video, das verlinke ich dann hier in diesem Video als angepinnten Kommentar. Trotzdem viel Spaß mit dem Video, die Infos zu den AirTags und die anderen Infos zum Moto Tag, die stimmen alle in dem Video.
Jetzt aber nach draußen. AirTag 1, AirTag 2 und Moto Tag hat mein Kollege Sahin gut versteckt. Ungefähr 50 Meter entfernt von mir. Ich habe dann so versteckenmäßig mir die Augen zugehalten. 50 gezählt. Ja, und dann habe ich versucht mit Moto Tag und dem alten AirTag die Fährte aufzunehmen. So, dann fangen wir mal an mit Google, würde ich sagen. Okay, Moto Tag anmachen. „In der Nähe suchen“, wird verbunden. Also hier funktioniert nicht. Ich probiere aber jetzt mal das alte AirTag. So, AirTag 1, „Suchen“ in der Nähe. AirTag 1 „Suchen“ ist nichts. Ich würde sagen, hier stehe ich schon ziemlich im Mittelpunkt und ist trotzdem bei beiden nichts. Beide haben noch kein Signal. Jetzt probiere ich noch mal den Tag 2. Jetzt, der geht jetzt – und der auch noch nicht, aber zumindest hat er gerade schon mal … bietet er es jetzt wenigstens an. Ah, er hat jetzt kurz „Verbunden“ gesagt, der Google Tag. Wenn ich … mach das mal systematisch, dass ich jetzt hier … Also er sagt „Verbunden“, aber es wird mir hier irgendwie kein Signal schwach … Ja, „Versuche dich an einen anderen Ort zu bewegen“. Keine Chance mit dem AirTag 2, erstmal auch nicht. Und dann bin ich aber einfach ein bisschen rumgelaufen und habe geguckt, wann der AirTag 2 anschlug. Und das war schon relativ schnell der Fall.
Aha! Guck mal, jetzt hat er direkt ausgeschlagen, der AirTag 2. Bei 23 Meter Entfernung. So, und dann habe ich an dieser Stelle auch bei den anderen beiden Tags geguckt, ob die auch schon gesehen werden. Und der AirTag 1? Nicht. Und das Moto Tag zeigt mir nicht mal an, dass ich überhaupt … Also könnte ich das klingeln lassen? Gerät klingelt. Gut, aber das hilft mir jetzt gar nicht weiter. Weil ich höre nichts. Wurden sie nicht. Das bedeutet, ohne AirTag 2 wäre ich hier noch viel länger kopflos rumgelaufen. Aber dank AirTag 2 hatte ich ja dann direkt meinen Pfeil. Ich wusste also, wo es lang geht. Das hat dann mit AirTag 1 und Moto Tag deutlich länger gedauert, bis die dann auch endlich mal die Fährte aufgenommen haben. Da muss ich also deutlich näher dran.
Und was man auch sagen muss, der Moto Tag ist deutlich unpraktischer. Aber klar, man kann alle diese Tags auch einfach piepen lassen. Aber das finde ich A, ziemlich unelegant und B, hört man es oft einfach nicht. Wir haben die Schallpegel bei uns im Labor gemessen. Dazu gehe ich später noch im Detail ein. Ich lasse es mal klingeln. Okay, das höre ich. Ah. Im Reifen? Ah, ja, sehr gut, okay. Also ich hätte es irgendwann wahrscheinlich gefunden mit Moto Tag. Und irgendwann hätte ich wahrscheinlich, wenn ich halt so brainless hier rumgelaufen wäre, wäre irgendwann der AirTag 1 angeschlagen. Und dann zeigt er einem halt auch irgendwann einen Pfeil an, wie jetzt. Das ist jetzt das AirTag 1. Das hat jetzt auch einen Pfeil, aber der Pfeil geht halt erst an, wenn man relativ dicht dran ist. Und beim AirTag 2 hatte ich den Pfeil halt schon 15 Meter weiter. Also ich bleibe hier jetzt einfach mal stehen und lasse alle drei piepen. Das ist der Moto Tag, das ist der AirTag 1. Schon durchdringender. Und jetzt der AirTag 2. Ja, das hat Druck. Ganz klar besser.
Ich habe auf jeden Fall beim Anpiepen beim Draußentest erst was gehört, als ich sehr dicht dran stand. Auch da war der AirTag 2 mit Abstand am lautesten. Die lagen halt auf diesem Radkasten und das schluckt natürlich so ein bisschen Schall. Aber in der Praxis kommt es ja auch mal vor, dass die Teile irgendwo vergraben sind. Deshalb lieber die Nahfunkfunktion benutzen, wie ihr am Anfang ja schon gesehen habt, also mit diesem neckischen Pfeil, zumindest bei den AirTags. Damit lassen sie sich völlig problemlos finden, ohne nerviges Gepiepe. Wenn man sich denn im Nahfunkbereich befindet, das muss man eben, sonst gibt es keinen Pfeil. Und das ist halt bei den AirTags 2 aus deutlich weiterem Abstand möglich, was natürlich praktisch ist. Also draußen mit direktem Sichtkontakt hatten wir beim AirTag 2 fast 50 Meter Entfernung gemessen. Beim AirTag 1 haben wir dann ungefähr ab 15 Meter schon das Signal verloren, ähnlich wie beim Moto Tag. Also das ist ein wirklich riesiger Unterschied. Punkt für den AirTag 2 schon mal.
Direkt mal der Einschub, weil ich das echt ziemlich oft höre. Nein, AirTags sind keine GPS-Tracker. AirTags kommunizieren nicht mit GPS-Satelliten, sondern das funktioniert viel einfacher. Die funken alle zwei Sekunden ein klitzekleines Bluetooth-Low-Energy-Hallo-hier-bin-ich-Signal in die Welt und wenn dann ein Apple-Gerät in Reichweite ist, dann kann das das empfangen und ein Signal ans AirTag schicken und sagen: „Piep mal“, also über Bluetooth. Und dann piept das AirTag und man kann es hoffentlich finden, weil man hört das dann ja – oder auch nicht, weil es unter drei Sofakissen liegt oder da halt im Radkasten von dem Auto oder halt gar nicht in Reichweite ist. Da kommen dann die anderen Funktionen ins Spiel und die sind technisch schon deutlich komplexer.
Denn einmal empfangen dieses Hier-bin-ich-Signal alle Apple-Geräte und im Fall von Google auch viele Android-Geräte, dazu komme ich später aber nochmal, also auch welche, die gar nichts mit dem AirTag zu tun haben. Wenn ihr zum Beispiel gerade dieses Video in der U-Bahn auf einem iPhone guckt, dann ist das nicht unwahrscheinlich, dass euer Telefon gerade AirTags empfängt und deren Position ans Apple-Netzwerk sendet. Anonymisiert und ohne, dass ihr das mitbekommt. Ja, das ist standardmäßig aktiviert, ihr könnt es aber auch abschalten, indem ihr in den Einstellungen auf Apple-ID, also auf euren Namen, dann den Punkt „Wo ist?“, dann auf „Mein iPhone suchen“ und dann den Schalter bei „Wo ist?“-Netzwerk deaktivieren. Aber dann könnt ihr selbst euer Telefon auch nicht mehr orten, ganz wichtig.
So, aber wieder zurück zum Standardfall, wenn ihr das aktiviert habt. Also wenn ihr in dieser U-Bahn zum Beispiel euren Rucksack liegen gelassen habt, ihr aber schon längst wieder woanders seid, dann könnt ihr hier auf der Karte in der „Wo ist?“-App sehen, wo euer Rucksack ist, ohne dass ihr selbst in Funkreichweite seid. Das regeln die anderen iPhones. Und das ist das Coole. AirTags laufen so circa ein Jahr mit so einer ganz kleinen Billo-Knopfzelle und sind super klein und leicht und können zumindest an Orten, wo viele iPhones rumlaufen, genauso gut lokalisiert werden wie echte, viel stromhungrigere GPS-Tracker. Wie AirTags übrigens als Diebstahlschutz funktionieren, dazu hatten wir schon ein eigenes Video, da will ich hier jetzt nicht drauf eingehen.
Aber AirTags haben, wie ich am Anfang ja schon gezeigt habe, noch eine dritte Funktion und das ist eben dieser Ultra-Breitband-Funk, der bei AirTags „Genaue Suche“, bei Moto Tag „In der Nähe suchen“ heißt. Das ist ziemlich faszinierende Technik, finde ich. Im Gegensatz zu Bluetooth, das nur ziemlich ungenau die Signalstärke misst, nutzt UWB extrem kurze Pulse auf einem breiten Frequenzspektrum, das ist so zwischen 6 und 9 GHz. Und die messen die Time of Flight, also die Zeit, die das Signal vom Handy zum AirTag und zurück benötigt. Und weil das iPhone mehrere Antennen hat dafür, erkennt es die Richtung, aus der das Signal kommt und kann deshalb eben diesen neckischen Pfeil anzeigen.
Allerdings, ich habe ja gerade von Antennen im Telefon gesprochen, muss das Handy das unterstützen. Bei Apple heißt das zum Beispiel U1-Chip. Bei Apple wäre das ab dem iPhone 11 und anderen Geräten, die Liste seht ihr hier, könnt ihr Pause drücken. Aber diese verbesserten Ortungsfunktionen des AirTag 2, also die größere Reichweite, die ihr gerade gesehen habt, die funktionieren nur mit U2-Chip und die gibt es erst ab dem iPhone 15. Mit älteren Geräten könnt ihr die AirTags 2 auch problemlos verwenden, aber dann habt ihr eben nicht die höhere Reichweite. Fürs Moto Tag braucht ihr ein Android-Telefon mit UWB-Chip. Das sind recht viele, aber zum Beispiel bei den Google-eigenen Pixel-Geräten nur die Pro-Varianten ab dem Pixel 6.
Leider ist aber auch das Empfangen von anderen Android-Geräten, also was ich euch gerade mit dem U-Bahn-Beispiel erklärt habe, unseren Erfahrungen nach viel unzuverlässiger bei Android, weil die Funktion, dass man fremde Tags meldet, da nicht standardmäßig eingeschaltet ist. Das muss man aktivieren und das machen offenbar nur wenige Leute. Und das ist halt der Grund, warum ich persönlich AirTags verwende. Achso, nur noch mal ganz deutlich gemacht: Für AirTags braucht man Apple-Geräte und für Googles Find-My-Device-Tags braucht man Android-Geräte. Es wäre viel schöner, wenn das übergreifend funktionieren würde, aber leider nein.
So, das war jetzt der Erklärungsteil, jetzt weiter zum Indoor-Test. Die Kollegen haben es irgendwo versteckt bei Heise in den Büros und ich durfte suchen. Jetzt probiere ich das Ganze mal mit meinem AirTag 1. Oh, kriegt direkt eine Verbindung, interessant. Aber genau das gleiche Problem wie gerade, dass mir jetzt zwar „Verbunden“ angezeigt wird, aber nicht in welche Richtung. „Versuche dich an einen anderen Ort zu bewegen“. Ja, so und jetzt mal der Tag 2. „Verbunden“, ja direkt eine Angabe, 24 Meter und ich kann jetzt hier erstmal nicht, also okay, ich komme dem näher, ich kriege auch hier noch kein Signal, da ist ein Pfeil, okay, hier ist falsch, hier ist richtig, ich bin jetzt hier noch mal bei 13 Metern und jetzt gucke ich mal den AirTag 1. „Signal suchen“, weit entfernt. Ja, weit entfernt hilft mir jetzt nicht viel weiter. 4,8. Okay, also hier in diesem Raum im Sekretariat ist auf jeden Fall der AirTag. Ich werde aber jetzt mal den AirTag 2 ausschalten. Ich werde jetzt hier mit dem Moto Tag versuchen. Hier. Hilft mir wenig weiter. Okay, also man sieht hier irgendwie, dass sich das so füllt. Soll irgendwie noch irgendwas bedeuten. Füllt es sich weniger. Ah, hier füllt es sich mehr. Okay. Es ist hier. Sagt Moto Tag. Okay. Klingeln lassen. Ha. Nur mit Moto Tag gefunden. Aber auch nur, weil das AirTag 2 mir hier diese Anfangsarbeit gemacht hat. Wunderbar.
Und ja, da gab es wieder den gleichen Effekt wie draußen. Das AirTag 2 schlug viel früher an als die anderen beiden Tags. Schon bei 24 Meter Abstand innen, drinnen, durch Wände. Das ist extrem viel und sollte deshalb auch für sehr große Wohnungen oder Häuser ausreichen. Und damit war es dann halt wirklich kein Problem, die Tags zu finden. Ich hätte das natürlich irgendwann auch mit Moto Tag und AirTag 1 gefunden, aber das hätte auf jeden Fall deutlich länger gedauert.
Ja, und jetzt noch die Pieper-Tests. Hatte ich ja versprochen aus unserer schallarmen Kammer. Da haben wir beim AirTag 2 einen maximalen Schallpegel von 81 dBA aus einem Meter Entfernung gemessen. Beim AirTag 1 waren es 75 dBA. Näher am echten menschlichen Höreindruck ist der gemittelte Pegel. Und da haben wir 75 dBA beim AirTag 2 gemessen und 66 dBA beim AirTag 1. Den Moto Tag hatten wir nicht in der schallarmen Kammer, der piept aber subjektiv noch leiser als der AirTag 1. Also auch hier ganz klarer Sieger, AirTag 2.
Der AirTag 2 ist jetzt technisch erstmals dazu in der Lage, dass ich in meiner Wohnung wirklich von jedem Punkt aus jede AirTag-Position abrufen kann. Mit dieser genauen UWB-Suche, also inklusive Entfernungsangabe und Richtungspfeil. Vorher musste ich immer rumlaufen in der Wohnung, bis das AirTag irgendwann geortet war, was ich ziemlich nervig finde. Oh ja, und jetzt überlege ich sogar, mir einen AirTag in die Mütze zu nähen. Also AirTag 2 ist für mich echt ein Gamechanger. Vor allem, was ich auch gut finde, dass der Preis sich nicht geändert hat. 35 Euro für einen und man findet öfter mal Angebote für ungefähr 100 Euro für einen Viererpack. Wenn man die direkt bei Apple kauft, kann man die auch so schön gravieren lassen. Finde ich preislich ehrlich gesagt okay, vor allem weil die Dinger echt lange halten und weil man die Batterien selbst tauschen kann.
Ja, also ganz klar, der AirTag 2 zieht mich noch mehr ins Apple-Ökosystem, was ich eigentlich gar nicht will, weil ich geschlossene Systeme nicht mag, aber manchmal muss man die Kröte schlucken, wenn man wie ich ständig Dinge sucht. Zumindest kann ich ja unter Linux einfach im Browser Apple-Geräte piepen lassen, wenn ich mich da bei Apple eingeloggt habe, aber der ganze Ultra-Breitband-Nahfeld-Suchkram, das klappt nur mit iPhones oder Apple Watches. Und genau das brauche ich halt, weil ich meine Mitmenschen privat und auch beruflich vermutlich wahnsinnig machen würde, wenn ich bedenke, wie oft ich so am Tag Dinge suche, also die ich dann die ganze Zeit piepen lassen müsste. Ja, und bei Android funktioniert diese UWB-Nahsuche eben noch nicht so gut. Also noch, ne? Ich hoffe, dass sich das irgendwann ändert. Oder, dass die Teile irgendwann plattformübergreifend funktionieren. Das wäre natürlich noch toller.
Ja, wie seht ihr das? Gerne in die Kommentare schreiben. Wir lesen alles. Gerne c’t-3003-Podcast hören und den Hype-Newsletter abonnieren. Tschüss.
c’t 3003 ist der YouTube-Channel von c’t. Die Videos auf c’t 3003 sind eigenständige Inhalte und unabhängig von den Artikeln im c’t Magazin. Die Redakteure Jan-Keno Janssen, Lukas Rumpler, Sahin Erengil und Pascal Schewe veröffentlichen jede Woche ein Video.
(jkj)
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