Künstliche Intelligenz
iX-Workshop: Schwachstellen aufdecken – Pentesting mit Open-Source-Tools
Cyberangriffe beginnen häufig mit kleinen Fehlkonfigurationen, ungeschützten Diensten oder öffentlich verfügbaren Informationen über ein Unternehmen. Wer verstehen möchte, wie Angreifer vorgehen, kann die eigene IT-Infrastruktur gezielter absichern und Sicherheitslücken frühzeitig erkennen.
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Ethical Hacking
Im iX-Workshop Sich selbst hacken – Pentesting mit Open-Source-Werkzeugen lernen Sie praxisnah, wie Angreifer Schwachstellen in Unternehmensnetzwerken identifizieren und ausnutzen. Dabei wechseln Sie die Perspektive und analysieren typische Angriffstechniken aus Sicht eines Pentesters.
Zu Beginn beschäftigen Sie sich mit Methoden der Open Source Intelligence (OSINT). Sie lernen, wie öffentlich verfügbare Informationen über Organisationen gesammelt und ausgewertet werden können und wie sich daraus potenzielle Angriffspunkte ableiten lassen – beispielsweise kompromittierte Zugangsdaten oder ungeschützte Dienste.
Darauf aufbauend arbeiten Sie mit verschiedenen frei verfügbaren Open-Source- und Audit-Werkzeugen, um Netzwerke zu analysieren, Webanwendungen zu überprüfen sowie Möglichkeiten zur Privilegieneskalation unter Windows und Linux zu identifizieren.
Das Gelernte praktisch anwenden
Ein besonderer Schwerpunkt des Workshops liegt auf der Analyse und Absicherung von Active Directory, einem der häufigsten Angriffspunkte in Unternehmensnetzwerken.
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Sie lernen typische Schwachstellen und Fehlkonfigurationen kennen und erfahren, wie sich diese gezielt erkennen und absichern lassen. Darüber hinaus beschäftigen Sie sich mit Sicherheitsmaßnahmen wie Mehr-Faktor-Authentifizierung und differenzierter Rechtevergabe, um Unternehmensumgebungen besser gegen Angriffe zu schützen.
Anhand realer Fallbeispiele und praxisnaher Übungen werden die einzelnen Phasen eines Cyberangriffs nachvollzogen – von der Informationsbeschaffung bis zur Ausweitung von Berechtigungen. Dabei erhalten Sie auch Empfehlungen und Unterlagen, um die vermittelten Techniken nach dem Workshop eigenständig weiter zu vertiefen.
Von Erfahrungen aus der Praxis lernen
Sie profitieren von der direkten Anleitung durch Ihren Trainer Yves Kraft, Head of Security Academy bei der Oneconsult AG.
Als ehemaliger Penetration Tester und Security Consultant verfügt er über langjährige Erfahrung in der Schwachstellenanalyse und Angriffssimulation. Im Workshop vermittelt er praxisnahe Einblicke aus realen Sicherheitsprojekten und zeigt, wie sich offensive Methoden sinnvoll nutzen lassen, um die eigene IT-Infrastruktur nachhaltig abzusichern.
Für wen ist dieser Workshop geeignet?
Der Workshop richtet sich an Administratoren, IT-Sicherheitsverantwortliche und technisch interessierte Fachkräfte, die Angriffstechniken besser verstehen und ihre Systeme gezielt härten möchten.

(ilk)
Künstliche Intelligenz
KI verrät die Stimmung im Hörbuch schon vor dem Reinhören
Oft sucht man länger nach dem richtigen Hörbuch, dem fesselnden Podcast oder dem passenden Spielfilm für den Abend, als man am Ende überhaupt zuhört oder hinsieht. Wer Audioinhalte oder Videos passend zur persönlichen Stimmung sucht, etwa „etwas Ruhiges zum Einschlafen“ oder „etwas Spannendes für die Bahnfahrt“, braucht Empfehlungen oder muss raten. Ein Kategoriebaum und eine Volltextsuche für Titel, Kurzbeschreibung und einige Keywords – mehr bieten die meisten Apps nicht.
Im Forschungsprojekt „MANGAN – intelligente Metadatenextraktion und intuitive Suche bei gesprochenen Audioinhalten“ hat ein Team am Rechenzentrum der Universität Leipzig gemeinsam mit den Unternehmen Buchfunk und ifabrik Verfahren zur automatisierten Metadatenextraktion aus Audiodateien mit gesprochenen Texten entwickelt.
- Die Suche über Titel und Kurzinhalt hilft bei der Auswahl eines Hörbuchs oder Podcasts wenig.
- KI-Tools extrahieren zusätzliche Metadaten, welche die Stimmung beschreiben, die gesprochene Audioinhalte übertragen.
- Audioanalysen können auch Hinweise auf manipulative Meldungen liefern.
Dabei verfolgten die Forscher zwei Ziele: Es ging ihnen darum, gesprochene Audioinhalte intuitiv auffindbar zu machen und zugleich die dafür erforderlichen Metadaten automatisiert und damit wirtschaftlich skalierbar bereitzustellen. Das Ergebnis ist eine facettenreiche Suche, die nicht nur Titel und Genre kennt, sondern auch Tonfall, Tempo, Stimmprofil, Stimmung, Themen und Anspruch berücksichtigt. Andere Gruppen arbeiten daran, auch die Suchfunktionen für Videobestände schrittweise zu erweitern.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „KI verrät die Stimmung im Hörbuch schon vor dem Reinhören“.
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Künstliche Intelligenz
Missing Link: Chlorfreies Naturbad dank Technik
Im Naturbad Brackwede fehlt der typische Chlorgeruch. Auf den ersten Blick erinnert das Bad eher an einen großen und gepflegten Schwimmteich als an ein klassisches Freibad. Es ist kein natürlicher See und auch kein Becken, das sich selbst überlassen bleibt. Hinter der Kulisse aus Schilf und Kies arbeiten Pumpen, Rohrleitungen, Filter, Kompressoren und eine Steuerung, die den Wasserkreislauf überwacht. Ohne Computer, die die Steuerung der Anlage übernehmen, funktioniert das Bad nicht, wie Badeleiter Michael Joost bei einer Führung durch die Anlage erklärt.
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Die Deutsche Gesellschaft für naturnahe Badegewässer beschreibt biologische Freibäder als offene ökologische Systeme, die durch technische Regelmechanismen im Gleichgewicht gehalten werden. Nach Angaben der Bielefelder Bäder wird das Naturbad seit seiner Wiedereröffnung 2009 – als eines der ersten Naturbäder in der Region – ohne Chlor und andere chemische Desinfektionsmittel betrieben.

Badeleiter Michael Joost rechnet in Kubikmetern.
(Bild: heise medien)
Zur Aufbereitung gehören weiterhin technische Bauteile und Filtermaterialien, darunter auch ein Phosphatadsorber. Das Badewasser wird im Kreislauf aufbereitet; als Nachfüllwasser dient laut Schautafel in der Regel Wasser aus der Lutter, Trinkwasser kann ergänzend eingesetzt werden. Laut Joost kommt Trinkwasser nur sehr zurückhaltend zum Einsatz. In seltenen Fällen kann es genutzt werden, um das Beckenwasser etwas abzukühlen. Belastbare Mengenangaben liegen der Bielefelder Bäder und Freizeit GmbH (BBF) dazu jedoch nicht vor.

Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.
Das Wasser bleibt in Bewegung
Der Kreislauf beginnt an den Überlaufrinnen der Becken. Wasser, das durch Badende verdrängt wird, läuft in einen Schwallwasserbehälter. Pumpen befördern es von dort durch die Filterstrecken und zurück in die Becken. Auf den Schautafeln vor Ort sind mehrere Stufen dargestellt. Dazu gehört die sogenannte Geomatrix des Herstellers Klärschilf: ein Vorfilter, Sandfilter, ein Phosphatfilter und ein bepflanzter Bodenfilter, den die Anlage Geomatrix nennt. Das Wasser wird durch Sand, Kies und weitere mineralische Materialien geführt.

Die Schautafel am Naturbad Brackwede zeigt den Wasserkreislauf. Über Überlaufrinnen gelangt Beckenwasser in einen Schwallwasserbehälter, wird durch Vor- und Phosphatfilter sowie den bepflanzten Geomatrix-Bodenfilter geleitet und danach aus einem Reinwasserspeicher zurück in die Becken gepumpt. Sensoren erfassen unter anderem Wasserstand, Durchfluss, Trübung und pH-Wert.
Auf der Schautafel wird EKO-PLANT als Technologiepartner genannt, inzwischen heißt die Firma Klärschilf. Die The Pauly Group hat ihre Angebote getrennt gebündelt. Klärschilf steht für die Entwässerung von Klärschlamm. FreibadPLUS ist die Marke für biologische Badewasseraufbereitung sowie für Umbau, Sanierung und Neubau von Freibädern.
(Bild: heise medien)
An deren Oberflächen und im Wurzelraum der Pflanzen siedeln Mikroorganismen. Sie übernehmen einen Teil der biologischen Reinigungsarbeit. Das Schilf allein reinigt das Badewasser nicht. Entscheidend sind die Filterstufen, die Wasserführung und die Pflege der Anlage. Pflanzen und Mikroorganismen sind Teil des Systems, arbeiten aber innerhalb eines technisch gesteuerten Kreislaufs. Die The Pauly Group, zu der die Marke Klärschilf gehört, beschreibt ihren Geomatrix-Bodenfilter ebenfalls als Kombination aus mechanischer Filtration durch Kies- und Sandschichten sowie biologischen Abbauprozessen im Wurzelraum der Schilfpflanzen.
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Die Anlage kann eine Menge von mehr als 3 Millionen Litern bis zu viermal täglich durch den Aufbereitungskreislauf führen. Das ist kein viermaliger Austausch gegen Frischwasser, sondern eine Umwälzung durch die Filteranlage. Wie oft und wie stark umgewälzt wird, hängt auch davon ab, wie viele Menschen gerade im Bad sind. An heißen Tagen gelangen mehr Sonnencreme, Hautpartikel, Schweiß, Schmutz und Nährstoffe ins Wasser. Dann muss die Anlage mehr leisten.
Im Technikraum steht ein Rechner, über den die Anlage überwacht und gesteuert wird. Dort lassen sich unter anderem die Umwälzleistung, die Wasserstände in den Filter- und Speicherbereichen sowie die Zufuhr von Lutterwasser ablesen und regeln. Mit der Software lässt sich die Fördermenge an Wasser je nach Besucherandrang anpassen, sie liefert hierfür auch Informationen. Wann aber die Umwälzung erhöht oder zusätzliches Wasser zugeführt wird, entscheidet weiterhin das Personal.
Phosphat soll Algen begrenzen
Ein wichtiger Teil dieser Technik ist der Phosphatfilter. Phosphat ist ein Nährstoff und kann das Wachstum von Algen fördern. Laut Beschilderung nutzt Brackwede einen Adsorber, der Phosphat bindet. Die Sandfilter werden regelmäßig mit Wasser und Druckluft rückgespült, damit sich abgelagerte Trübstoffe nicht dauerhaft festsetzen. Ein Sprecher der Pauly Group ordnet Sandfilter und Druckluftkompressor gegenüber heise online als Besonderheit der Anlage in Brackwede ein. Üblicherweise plane und baue das Unternehmen seine „FreibadPLUS-Anlagen“ mit einem Geomatrix-Bodenfilter und einem Phosphatfilter.

Die Filtereinheit trennt die Behandlung von Becken- und Lutterwasser. Sand hält Trübstoffe zurück, ein Phosphat-Adsorber bindet Phosphat und begrenzt damit das Nährstoffangebot für Biofilm und Algen. Damit die Filter durchlässig bleiben, werden sie in regelmäßigen Abständen mit Wasser und Druckluft rückgespült.
(Bild: heise medien)
Das Ziel ist kein möglichst üppig wachsendes Biotop, sondern ein nährstoffarmes und stabiles System. Algen können in einem Naturbad vorkommen. Sie sind aber kein Beleg für gute Wasserqualität. Biologische Prozesse, die in einem gechlorten Becken möglichst unterdrückt werden, sind im Filterbereich eines Naturbads Teil der Wasseraufbereitung.
Die Pauly Group spricht in diesem Zusammenhang eher von Biofilm als von Algen. Nach Darstellung des Unternehmens soll die Begrenzung von Phosphat das Wachstum dieses Biofilms verringern und damit die Betriebssicherheit erhöhen. Je nach Reinigungsintervall könne Biofilm sichtbar werden und sich stärker entwickeln.
Regelmäßig gereinigte Anlagen seien laut Aussagen des Herstellers für Badegäste meist frei von wahrnehmbaren Algen. Biologische Prozesse, die im gechlorten Freibad unterdrückt werden, gehören hier zum System. Sichtbare Algen oder grünes Wasser sagen für sich genommen nichts darüber aus, ob ein Bad hygienisch einwandfrei ist. Dafür sind Laborwerte, technische Kontrolle und ein Betrieb nötig, der bei hohen Temperaturen oder starker Belastung gegensteuern kann.
Chlorfrei kann ein gesundheitlicher Vorteil sein
Der Verzicht auf Chlor ist nicht nur eine Frage des Geruchs. In klassischen Schwimmbädern reagiert Chlor mit Stoffen, die Badegäste ins Wasser eintragen. Dazu gehören Schweiß, Urin, Hautpartikel und Kosmetika. Dabei können chlorhaltige Desinfektionsnebenprodukte entstehen.
Besonders bekannt ist Trichloramin. Es sorgt für den typischen Schwimmbadgeruch und kann Augen, Nase, Rachen und Bronchien reizen. In einem Bad, das ohne chlorhaltige Desinfektion arbeitet, entsteht Trichloramin nicht über diesen Reaktionsweg. Das Umweltbundesamt (PDF) verweist allerdings vor allem auf Hallenbäder, weil sich der flüchtige Stoff dort in der Luft stärker anreichern kann als im Freien.
Das entbindet den Betreiber aber nicht von hohen hygienischen Anforderungen. In einem klassischen Freibad reduziert die chemische Desinfektion Krankheitserreger direkt im Beckenwasser. Ein Naturbad muss die Wasserqualität anders absichern. Dafür braucht es ausreichende Umwälzung, funktionierende Filter, eine begrenzte Belastung des Wassers und regelmäßige Untersuchungen. Das Umweltbundesamt verweist grundsätzlich darauf, dass öffentliche Becken besondere Vorkehrungen benötigen, weil Badegäste Mikroorganismen und Verunreinigungen ins Wasser eintragen.
Nach Auskunft von Joost kontrolliert und bewertet das Gesundheitsamt die relevanten Wasserparameter im Naturbad fortlaufend. Dies geschehe grundsätzlich in jedem Freibad, im Naturbad Brackwede aber mehr als dreimal pro Badesaison. Die Bielefelder Bäder und Freizeit GmbH (BBF), beziehungsweise die Stadt Bielefeld, orientiere sich beim Betrieb der Wasseraufbereitung an den einschlägigen Empfehlungen für öffentliche Schwimm- und Badeteichanlagen.
Filter und Pumpen nehmen viel Arbeit ab, aber nicht vollständig. Bei Hitze, vielen Badegästen oder starkem Pollenflug sammeln sich Algen, Laub, Rasenschnitt und andere organische Einträge im Wasser. Dann ist Handarbeit gefragt. Algen werden mit Netzen und einem Beckensauger entfernt, was auch bei konventionell betriebenen Bädern passiert. Das ist aufwendig, weil sich Partikel durch Wind, Strömung und Badebetrieb immer wieder neu verteilen können. Für Naturbäder gibt es laut The Pauly Group speziell angepasste Geräte. Ist der Algenwuchs zu stark, helfen gelegentlich auch Mitglieder des Fördervereins als eine Art ehrenamtliche „Putzerfische“ aus.
Das Bad in Brackwede wird vom Verein Naturbad Brackwede e.V. unterstützt. Dieser hat mit der BBF einen Vertrag geschlossen und übernimmt personalintensive Aufgaben, unterstützt den laufenden Betrieb und verantwortet die Kassenarbeit. Außerdem fließen nach Angaben des Vereins 70 Prozent der Mitgliedsbeiträge an die BBF. Nach Auskunft von Joost ist die Unterstützung des Fördervereins besonders in der Saisonvorbereitung und in der Nachbereitung wertvoll. Bei bestimmten Reinigungsarbeiten spielten jedoch arbeitsschutzrechtliche Vorgaben eine Rolle. Dafür seien Einweisungen und Schulungen erforderlich.
„Win-win-Situation“
Während Fachkräfte in konventionellen Bädern unter anderem mit Gefahrenstoffen wie Chlorgas und der entsprechenden Anlagentechnik umgehen müssten, erhöhe sich in Naturbädern laut The Pauly Group der Aufwand für Reinigung und Pflege. Ein Förderverein könne den Betreiber entlasten, sei aber nicht notwendig. Wie hoch die finanzielle Entlastung durch den Verein ist, lasse sich nicht genau beziffern, „weil das ehrenamtliche Engagement über vertragliche Regelungen hinausgeht. Der Mitgliedsbeitrag ist gleichzeitig die Eintrittskarte für die Freibäder. Vor diesem Hintergrund haben wir als BBF mit den Fördervereinen eine klassische ‚Win-Win‘-Situation“, erklärt Joost.
Ohne die Leistungen des Fördervereins müsste die BBF Aufgaben zur Reinigung nach Angaben von Joost vergeben oder in Eigenregie erledigen. Der Betriebskostenzuschuss der Stadt Bielefeld für die Bäder wäre dann deutlich höher. Dieser Zuschuss gleicht bei Schwimmbädern Kosten aus, „die durch Eintrittsgelder und sonstige Erlöse nicht vollständig gedeckt werden können. Damit wird sichergestellt, dass Schwimmbäder als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge für Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit erhalten bleiben“.
Technik entwickelt sich weiter
Das Naturbad Brackwede gehört zu den frühen Naturbädern, die Technik wurde weiter optimiert. Das Grundprinzip aus Wasserzirkulation, Bodenfilter und biologischen Reinigungsprozessen hat sich bewährt. Es lassen sich unter anderem zusätzliche Möglichkeiten zur Wassererwärmung nutzen. In Brackwede erwärmt sich die sonnenbeschienene Kiesschicht im Filter. Das darüber geführte Wasser nimmt einen Teil dieser Wärme auf und bringt sie zurück in den Kreislauf. An sehr warmen Tagen muss die Anlage zugleich darauf achten, dass sich das Wasser nicht zu stark erwärmt.
Für andere Anlagen nennt der Hersteller zusätzlich Wärmepumpen oder Solarabsorber als mögliche Wege, das Wasser zu erwärmen, abhängig von Standort und vorhandener Infrastruktur. Nach Angaben des Herstellers kann auch der Bodenfilter selbst als Wärmespeicher dienen, indem der Filterkies Sonnenwärme aufnimmt und an das durchströmende Wasser abgibt.
Eine Minderheit unter den Freibädern
Naturfreibäder sind in Deutschland weiterhin eine Minderheit. Die Deutsche Gesellschaft für naturnahe Badegewässer nennt mehr als 200 öffentliche Freibäder mit biologischer Wasseraufbereitung. Biologische Aufbereitung braucht Fläche, sorgfältige Planung und einen Betrieb, der auf Wetter, Wassertemperatur und Besucherandrang reagieren kann. Die Pauly Group entwickelt und baut nach eigenen Angaben seit 2002 Naturerlebnisbäder und saniert Freibäder zu biologisch aufbereiteten Naturbädern. Auch andere Anbieter bauen Naturbäder mit biologischer Wasseraufbereitung, etwa die Polyplan-Kreikenbaum Gruppe aus Bremen. Sie plant ebenfalls kommunale Natur- und Chlorbäder und sanierte nach eigenen Angaben auch bestehende Freibäder zu Anlagen mit biologischer Aufbereitung. Die konkreten Umsetzungen unterscheiden sich von Bad zu Bad.
Auch der ökologische Vorteil lässt sich nicht pauschal behaupten. Ein Naturbad verzichtet auf chemische Dauerdesinfektion und bereitet Wasser im Kreislauf auf. Das spricht für den Ansatz. Gleichzeitig benötigen Pumpen, Kompressoren und Steuerungstechnik Strom. Filtermaterialien müssen gepflegt, rückgespült und teilweise ersetzt werden. Bauaufwand, Flächenbedarf und Frischwasserverbrauch gehören ebenfalls zur Bilanz. Für Brackwede gibt es nach Auskunft der BBF derzeit keine interne oder externe Umweltbilanz, die das Naturbad mit einem konventionellen Freibad ähnlicher Größe vergleicht.
Die The Pauly Group bewertet Naturbäder grundsätzlich als nachhaltiger und wirtschaftlicher im Betrieb als konventionelle Bäder. Das Unternehmen verweist auf einen sparsameren Umgang mit Wasser, den Verzicht auf chemische Desinfektionsmittel und die Möglichkeit, Strom für Pumpen während sonniger, besucherstarker Zeiten über Photovoltaikanlagen auf Funktionsgebäuden zu erzeugen.
Der ökologische Vorteil ist laut der Pauly Group vielfältig. „Die heute sehr wichtige Ressource Wasser wird im Freibad mit biologischer Wasseraufbereitung deutlich effizienter und nachhaltiger eingesetzt. Damit leisten Naturbäder insbesondere mit den Bodenfiltern und dem Verzicht auf Chemikalien einen wichtigen Beitrag im Kontext der Schwammstadt (Wasserbewusste Stadt, Verdunstung vor Ort, effizienter Einsatz der Ressource Wasser). Gleichzeitig sind selbstverständlich technische Einbauten wie Pumpen notwendig, wie bei einem konventionellen Freibad auch. Dabei werden heute aber insbesondere der Strombedarf durch PV-Anlagen auf den Funktionsgebäuden gedeckt“.
Gerade wenn viele Gäste im Bad sind, benötigt das Naturbad viel Strom, so der Sprecher der The Pauly Group. Ein Vorteil sei jedoch, dass aber auch die meisten Gäste im Bad sind, wenn die Sonne scheint. Für das Naturbad Brackwede kann keine Solarenergie genutzt werden, da sich die für die Platzierung der Paneele infrage kommenden Gebäude im Schatten befinden.
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(mack)
Künstliche Intelligenz
EU-Verpackungsverordnung: Warum kleine Händler ihre Shops schließen
PPWR – was klingt wie der Name für einen Kernreaktortypen, sorgt derzeit für Aufregung in sozialen Medien. Händler schließen ihre Onlineshops oder versenden nicht mehr ins Ausland. Insbesondere die Betreiber kleiner Onlineshops schlagen Alarm: Bedroht die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), die Verpackungsverordnung der EU, den Einzelhandel?
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Mit ihrem Inkrafttreten am Mittwoch steht die Verordnung als unmittelbar geltendes EU-Recht über dem deutschen Verpackungsgesetz. Vor allem kleinere Onlinehändler klagen, dass sie die damit verbundenen Auflagen nicht stemmen können – und geben lieber auf.
Die Menge macht den Müllberg
Der Boom des Online-Shopping lässt auch die Berge von Verpackungsmüll wachsen. 40 Prozent des Plastikmülls in der EU sei Versandabfall, rechnet die EU-Kommission vor. Dass das kein wünschenswerter Zustand ist, darüber sind sich die meisten Akteure sogar einig – zumindest diejenigen, die sich schon bislang an den entsprechenden Systemen beteiligen können oder müssen.
Bislang galt bei Verpackungen aus Handelssicht ein vergleichsweise klares System. Es gab nur zwei Sorten von Verpackungen: alles, was nicht beim Verbraucher verbleibt oder reine Umverpackung ist, führte zu Rücknahmepflichten. Für Pfandflaschen, Fässer für giftige Stoffe oder Einwegpfandverpackungen galt: Die Hersteller müssen sich beim deutschen LUCID-System registrieren, bei der „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“ (ZSVR). Dort müssen zudem Daten zum Unternehmen und Versand abgegeben werden.
Wer aber auch Verpackungen verwendet, die üblicherweise beim Endkunden in die Mülltonne wandern, muss den Weg der „Systembeteiligung“ gehen: Sich registrieren und dann entsprechend der genutzten Verpackungen die Entsorgung oder das Recycling mitfinanzieren. Solche Systeme soll es in Zukunft in allen europäischen Staaten geben.
Doch damit endet die Klarheit bereits. Die „PPWR“ stellt die Anbieter vor ganz unterschiedliche Fragen. Eine der zentralen: Ab wann ist man eigentlich Hersteller einer Verpackung – und wann Erzeuger? Hier schafft die Verordnung eine komplizierte Abgrenzung mit unterschiedlichen Pflichten, die im grenzüberschreitenden Warenverkehr vor allem kleine Händler vor Probleme stellt.
Erzeuger müssen sich etwa darum kümmern, dass die Verpackungen die Anforderungen der Verordnung erfüllen und alles dokumentieren. Hersteller sind verpflichtet, sich um die Entsorgung der Verpackungen zu kümmern. Das beinhaltet unter anderem, sich an den jeweiligen Recyclingsystemen der Länder zu beteiligen.
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Die EU nennt das „erweiterte Herstellerverantwortung“. Das EU-Recht hat dafür bisher die Möglichkeit der freiwilligen Zusammenarbeit mit einem Bevollmächtigten in dem jeweiligen Land vorgesehen. Dieser Bevollmächtigte wird mit den neuen Regeln zu einer Pflicht.
Beim Inlandswarenverkehr sind Erzeuger und Hersteller im Sinne der PPWR in der Regel identisch. Das gilt zum Beispiel für Händler, die Produkte unter einer eigenen Marke mit eigener Verpackung verkaufen. Beim Versand in ein anderes Land gilt grundsätzlich, dass derjenige als Hersteller gilt, der als erster das Produkt ins Land einführt.
Für spezialisierte Händler mit internationaler Kundschaft wird das zu einem Problem: Wer aus dem Ausland nach Deutschland oder aus Deutschland ins Ausland versendet, gilt im Zielland der Sendung immer als Hersteller – egal, wie viele Sendungen es sind, ob 5 oder 5 Millionen – und muss dann die entsprechenden Pflichten erfüllen.
Hehres Ziel, mangelhafte Umsetzung
Eigentlich hat die PPWR unter anderem das Ziel, dass sich auch Direktimporteure an die europäischen Vorschriften halten. Denn auch chinesische, vietnamesische oder kanadische Versender sollen sich künftig an den Systemkosten von Entsorgung und Recycling beteiligen und problematische Verpackungen vermeiden. Auch wird mit der Regelung ein Wettbewerbsvorteil für Nicht-EU-Anbieter ausgeglichen.
Das erkennen auch alle Branchenverbände an – doch die Umsetzung ist das Problem. Die größte Hürde ist die Pflicht, in jedem europäischen Land zukünftig einen Bevollmächtigten nennen zu müssen, in das man seine Waren exportiert. Denn statt auf ein gemeinsames europäisches System setzt die Verpackungsverordnung weiterhin auf die verschiedenen Systeme in den Mitgliedstaaten.
Die Möglichkeit, dass analog zur Plattformregulierung des Digital Services Act (DSA) ein Firmensitz oder einzelner Bevollmächtigter in der EU reichen würde, sieht die PPWR nicht vor.
Händler schließen Länder aus – oder ganz
Während das für die Riesen der Branche kein Problem ist, wird es für kleine Versandhändler wie den vor allem über Social Media präsenten Pokémonkarten-Händler AlphaOmegaZ zu einem sehr großen. Selbst wenn er will, kann er bei manchen seiner Vertriebskanäle keine Länder ausschließen, weshalb der Anbieter seinen Shop bei Whatnot erst einmal dichtgemacht hat. Und damit ist er kein Einzelfall.
Die neuen Regeln sind seit April 2024 beschlossene Sache. Offenbar hat die Zeit den Anbietern nicht zur Vorbereitung gereicht. Allerdings gibt es in vielen EU-Staaten noch gar keine fertigen Systeme. Zudem fehlen nach wie vor die eigentlich nötigen Umsetzungsrechtsakte zur PPWR – also weitere Vorschriften auf EU-Ebene, wie die Verordnung konkret angewandt werden soll.
EU-Kommission setzt auf schnellen Omnibus
Die Aufregung ist nicht nur in den sozialen Medien groß. Händler sind verunsichert und sehen ihre Existenz bedroht. Für zusätzliche Verunsicherung sorgten verschiedene Auslegungen in der Frage, ob man schon durch das bloße Anbringen eines Versandaufklebers auf einen Originalkarton zum Erzeuger oder Hersteller wird. Zwar hat die EU-Kommission inzwischen klargestellt, dass das grundsätzlich nicht so ist, doch sehen Experten noch einige Fallstricke und offene Fragen.
Ansonsten rät die Kommission selbst erst einmal zur Gelassenheit. In einem umfangreichen Frage-und-Antwort-Katalog verweist sie darauf, dass die zuständigen nationalen Aufsichtsbehörden die Anbieter unterstützen sollten. Es ginge auf keinen Fall darum, Warenflüsse zwischen Unternehmen oder zu Verbrauchern zu unterbrechen oder zu behindern.
„Nur da, wo die Nichteinhaltung von einem Anbieter nicht korrigiert wird, sondern dauerhaft ist, sind die Mitgliedstaaten zur Durchsetzung mit weiteren Maßnahmen wie Verboten oder Rückrufen befugt“, heißt es in dem Dokument – das rechtlich, anders als der Verordnungstext der PPWR selbst, allerdings keinerlei Verbindlichkeit hat.
Offenkundig ist aber auch den zuständigen Stellen bewusst, dass die Regelungen noch Nachbesserungsbedarf haben. Es gehe um einen „flexiblen und pragmatischen Ansatz“ und Entlastung von kleinen Unternehmen, betonte eine Sprecherin der EU-Kommission in Brüssel. Eine Vereinfachung der Regeln vor allem für kleinere Unternehmen sei bereits in Arbeit.
Laut dem Vorschlag soll mit dem sogenannten „Umweltomnibus“ die Pflicht, einen Bevollmächtigten zu nennen, zumindest bis 2035 ausgesetzt werden. Der Vorschlag liege seit vergangenem Dezember bei Europaparlament und den Mitgliedstaaten, so die Kommission.
(vbr)
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