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WIN-Initiative investiert 2,64 Milliarden Euro in Startups – ohne Steuergeld
Mit der WIN-Initiative sollen bis 2030 zwölf Milliarden Euro in Startups und Scaleups fließen. Der erste Report zeigt Fortschritte – aber es wird auch deutliche Kritik an Tempo und Strategie laut.
WIN-Initiative auf Kurs: Gemeinsam mit dem Bundesfinanz- und dem Bundeswirtschaftsministerium hat die KfW den ersten Jahresreport zum Programm für Wachstums- und Innovationskapital vorgelegt. Die Bilanz für 2025 fällt positiv aus. Aber Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen und Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst mahnen: Trotz Fortschritten gebe es weiterhin entscheidende Stellschrauben zu drehen.
Darum geht es bei der WIN-Initiative
Die Initiative wurde im September 2024 unter der Ampel-Regierung von Bundesfinanzministerium, Bundeswirtschaftsministerium, Bundeskanzleramt, der KfW, Unternehmen und Verbänden gegründet, um privates Kapital für Startups und Scaleups in Deutschland zu mobilisieren.
Hierzu zählen Beteiligungen an jungen Unternehmen – als direkte Investments, über Venture-Capital-Fonds oder -Dachfonds. Weitere Investitionen umfassen etwa Fremdkapital für diese Unternehmen. Das Ziel ist, bis 2030 Investitionen von zwölf Milliarden Euro zu erreichen. Im Auftrag der Bundesregierung koordiniert die KfW die WIN-Initiative.
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Das sind die Ergebnisse des Reports
Die Ergebnisse des Jahresreports: Bis Ende 2025 wurden 2,64 Milliarden Euro von insgesamt 12 Milliarden Euro zugesagten Commitments in den Markt investiert. Thematisch konzentrieren sich Investitionen in junge Unternehmen mit den Schwerpunkten KI, Klima- sowie Sicherheits- und Verteidigungstechnologien.
61 Prozent des Kapitals fließt nach Deutschland. 37 Prozent der Investitionen fließt in den europäischen Markt, heißt es in einer Mitteilung des Bundesministeriums der Finanzen, des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und der KfW. Rund 67 Prozent der Milliardensumme flossen in Scaleup-Unternehmen in fortgeschrittenen Wachstumsphasen. Zehn Prozent gingen an Startups, 18 Prozent wurden als Seed-Kapital in Early-Stage-Gründerinnen und Gründer investiert.
Ein Großteil der Mittel sei demnach in klassische Venture-Capital-Fonds (51 Prozent) geflossen. Direktinvestitionen in Unternehmen machen acht Prozent aus, Venture-Capital-Dachfonds sechs Prozent.
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„Wir arbeiten weiter daran, die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschafts- und Innovationsstandorts Deutschland zu stärken. Wir wollen in zentralen Bereichen Technologieführerschaft erreichen“, sagt Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. „Mit dem Standortfördergesetz hat die Bundesregierung außerdem die Rahmenbedingungen für junge und innovative Unternehmen maßgeblich verbessert. Das schafft die Arbeitsplätze von morgen und stärkt unsere Souveränität.“
Lob für Fortschritte der Startup-Förderung
Zuletzt hatte das Bündnis 90/Die Grünen scharfe Kritik an der Umsetzung geübt. Nun gibt es lobende Worte von Katharina Beck (Bündnis 90/Die Grünen), Sprecherin für Finanzpolitik und Berichterstatterin: „Die WIN-Initiative ist im Plan, das ist nach einem Jahr großer Untätigkeit der neuen Bundesregierung endlich eine gute Nachricht für den Startup-Standort Deutschland. 2,64 Milliarden Euro in gut einem Jahr, 6 von 10 Maßnahmen umgesetzt, Pensionskassen mit mehr Spielraum für VC-Investitionen durch die angehobene Risikokapitalquote, Standortfördergesetz verabschiedet. Das zeigt, dass dieser Ansatz funktioniert. Gekostet hat es den Steuerzahler nichts.“
Grüne fordern konkrete Schritte für 25-Milliarden-Ziel
Trotzdem hapere es noch an einigen Stellen, insbesondere die Kommunikationsstrategie der Bundesregierung wird von den Grünen kritisiert. Keine Pressekonferenz, kaum Kommunikation durch die Bundesregierung – es sei einfach zu still um den Report. „Reiche und Klingbeil verkennen ganz offensichtlich das riesige Potenzial der WIN-Initiative. Wer neue Investoren gewinnen und weitere Commitments mobilisieren will, muss auch öffentlich dafür eintreten.“ Dieses Signal bleibe aus.
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Und noch eine weitere Forderung haben die Grünen, denn die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag das Ziel formuliert, das Kapital auf über 25 Milliarden Euro zu verdoppeln. Aber: „Eine Verdoppelung setzt voraus, dass die Bundesregierung konsequent handelt. Davon ist nichts zu sehen“, sagt Katharina Beck. Deshalb fordert sie, dass sich die Regierung nun für die geplante Verdoppelung einsetzen müsse.
Bitkom fordert mehr Tempo
Auch die noch vier noch offenen WIN-Maßnahmen, darunter die Stärkung von Dachfondsstrukturen und die Reform der privaten Altersvorsorge sollten ebenfalls zügig umgesetzt werden, so Beck. „Auf europäischer Ebene braucht Deutschland eine stärkere Verhandlungsposition beim 28. Regime einem einheitlichen Rechtsrahmen, der Gründen und Skalieren in Europa für alle erleichtern würde.“
Auch der Digitalverband Bitkom mahnt in einer Mitteilung, dass es weitere Schritte brauche, um die Wachstumskapital-Lücke wirklich zu schließen. „Ausgerechnet dort, wo es wirklich zählt, sind die Beteiligten der WIN-Initiative noch die Umsetzung schuldig“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Für Stiftungen und Family Offices muss es attraktiver werden, in Startups zu investieren.
Und vor allem Pensionskassen und Versorgungswerke müssen einen Teil ihres Kapitals in junge Technologieunternehmen investieren – davon würden beide Seiten profitieren, weil dann auch breite Bevölkerungsteile am Erfolg von Startups teilhaben könnten. Und schließlich müssen Investoren, die wie zum Beispiel Business Angels frühzeitig in Startups eingestiegen sind, ihre Anteile auch weiterverkaufen können.“ Er fordert mehr Sichtbarkeit für diese Themen und deutlich mehr Tempo von der Politik gefragt.