Digital Business & Startups
Zahlungsziele, Cashflow, Kredit: Wie Startups ihre Finanzen digital steuern
Mancher Gründer mag es vielleicht nicht, aber in den ersten Monaten und Jahren ist Geld ein überprominentes Thema, dem sich fast alles andere unterordnen muss. Das Business befindet sich in einer intensiven Phase – die Zeit, um sich intensiv mit der Finanzsteuerung zu beschäftigen, ist oftmals gar nicht vorhanden.
Doch gerade das ist für die wirtschaftliche Entwicklung des jungen Unternehmens buchstäblich lebenswichtig. Denn wer keine klaren Zahlungsziele setzt oder den Überblick über Einnahmen und Ausgaben verliert, riskiert einen stockenden Cashflow – und mit ihm das ganze Unternehmen. In diesem Umfeld wird die digitale Steuerung von Geldströmen nicht nur zum „nice to have“, sondern zum wichtigsten Überlebensfaktor.
Wer ein Startup gründet, wird sehr schnell mit dem Begriff des Cashflows in Berührung kommen. Cashflow beschreibt den tatsächlichen Geldfluss eines Unternehmens – also wie viel liquide Mittel zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung stehen.
Gerade für Startups ist das ein zentraler Indikator für die finanzielle Gesundheit ihrer Firma. Ein Unternehmen kann auf dem Papier profitabel aussehen und trotzdem in Zahlungsschwierigkeiten geraten, wenn beispielsweise Rechnungen zu spät beglichen werden oder hohe Ausgaben nicht gedeckt werden können, weil Einnahmen zu spät ankommen. Der Cashflow zeigt die reale Zahlungsfähigkeit an und damit die kurzfristige Überlebensfähigkeit. In Abgrenzung dazu erkennt man anhand des Gewinns, wie erfolgreich das Unternehmen aus wirtschaftlicher Perspektive ist.
Gerade in der Gründungs- und Wachstumsphase ist der Cashflow sehr anfällig für Schwankungen. Schon kleine Unregelmäßigkeiten können bedrohlich wirken – mit Folgen für die Lieferbeziehungen, die Gehaltszahlungen oder die eigene Bonität.
Vereinfachtes Cashflow-Diagramm

Pünktlich gezahlte Rechnungen sind das Herzstück des Chashflows. Denn nur Rechnungen entstehen durch Arbeit des Unternehmens. Alle anderen Geldeingänge kommen auf anderen Wegen zustande. Doch erst, wenn der Zahlungseingang erfolgt ist, kann die junge Firma mit den Erlösen weiter planen. Damit Liquiditätsengpässe aufgrund fehlender oder verspäteter Zahlungseingänge gar nicht erst entstehen, müssen Zahlungsströme aktiv gemanagt werden.
- Festlegung geeigneter Zahlungsziele
Ein wichtiger Hebel ist die Gestaltung der Zahlungsziele. Statt 60 Tagen, wie es in einigen Branchen üblich ist, können auch 14 oder maximal 30 Tage vereinbart werden. Je kürzer das Zahlungsziel ist, desto schneller fließt das Geld zurück ins Unternehmen.
- Nutzung digitaler Tools
Digitale Tools wie sevDesk, FastBill oder Lexoffice können bei diesem Prozess erheblich Zeit sparen. Eine gute Rechnungssoftware erstellt nicht nur professionell Rechnungen, sondern leistet auch das Tracking des Zahlungsstatus in Echtzeit.
Der gesamte Ablauf von der Rechnungsstellung bis zur Verbuchung wird allein durch diese beiden Maßnahmen erheblich beschleunigt. Wer Finanzprozesse digitalisiert, reduziert nicht nur das Risiko von Engpässen, sondern gewinnt wertvolle Zeit für das operative Geschäft.
Viele Startups arbeiten mit Eigenkapital bzw. mit Sponsoren, die ihre Idee unterstützen. Manchmal kann aber auch eine Kreditfinanzierung in bestimmten Phasen sinnvoll sein – zum Beispiel, wenn aufgrund einer großen Nachfrage die Lagerbestände weiter aufgebaut werden müssen. Doch welche Situationen sind das?
Anschubfinanzierung – der wichtigste Kredit-Anlass
Wenn das Geschäftsmodell steht, erste Kunden vorhanden sind und das Unternehmen durch den Aufbau eines Teams, Investitionen in Technik oder Marketing skalieren will, hilft ein Kredit dabei, die dafür notwendigen Mittel zu bekommen. Weiterhin existieren drei andere Situationen, in denen ein Kredit die richtige Wahl sein kann:

Besonders in sehr frühen Phasen mit schwankenden Einnahmen ist es für ein junges Unternehmen nicht immer leicht, einen klassischen Kredit zu erhalten. Die Hausbanken prüfen dabei unter anderem die Bonität der Gründer, vorhandene Sicherheiten sowie die bisherigen Umsätze.
So bekommen auch Start-ups einen Kredit
Wer als Start-up ohne lange Wirtschaftshistorie unkompliziert einen Kredit beantragen möchte, kann das an besten über digitale Kreditplattformen. Sie bieten meistens wesentlich flexiblere Möglichkeiten als Hausbanken, arbeiten mit vereinfachten Antragsprozessen, nutzen alternative Scoring-Modelle. Auch Mikrokredite mit kurzen Laufzeiten können eine Lösung sein, wenn in der Aufbauphase gezielt kleinere Beträge benötigt werden. Die Angebote unterscheiden sich jedoch stark in Laufzeit, Zinssatz und Voraussetzungen – ein Vergleich lohnt sich.
Wer die eigene monatliche Belastung realistisch einschätzen will, kann vorab verschiedene Szenarien mit einem Kreditrechner online durchspielen. So lassen sich Laufzeiten, Raten und Zinskosten transparent gegenüberstellen – eine wichtige Grundlage für fundierte Finanzentscheidungen.
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Foto (oben): KI-generiert mit Flux Kontext Fast
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Woran du erkennst, ob dein Chef wirklich gut kommuniziert
Teams arbeiten, wie ihre Chefs sprechen: Vision und Begeisterung stecken an – aber Unsicherheit auch. Wie gute Kommunikation funktionieren kann, erklärt Jason Modemann, Gründer von Mawave.
Sprache entscheidet täglich darüber, ob ein Team Orientierung hat oder rumeiert. Denn Führung und Kultur passieren vor allem über Worte. Über das, was ich als Chef sage. Und über das, was ich nicht sage. Genau deshalb achte ich als CEO heute sehr bewusst darauf, wie ich kommuniziere und arbeite aktiv daran, darin besser zu werden.
Für mich gelingt gute Führung durch Sprache durch folgende drei Dinge:
1. Klarheit
Viele Chefs reden viel, aber nur wenige führen wirklich durch Sprache. Ich habe schon oft mitbekommen, dass das Management verklausuliert spricht, Dinge weichzeichnet oder sich hinter Buzzwords versteckt. Am Ende fühlt sich das für Mitarbeitende so an, als würde man sie für dumm verkaufen.
Was es stattdessen braucht, ist Klartext. Das ist keinesfalls zu verwechseln mit Härte. Ganz im Gegenteil: Ein Chef, der klar spricht, gibt Sicherheit. Einer, der schwammig formuliert, erzeugt Chaos – selbst wenn er fachlich brillant ist. Klare Sprache heißt also nicht automatisch kalt oder rücksichtslos zu sein. Es heißt, ehrlich, transparent und mit Perspektive zu kommunizieren. Und Mitarbeitende brauchen genau diesen Klartext, um den Sinn hinter Entscheidungen zu verstehen und Orientierung zu bekommen.
Klarheit bedeutet für mich übrigens nicht nur, wie etwas gesagt wird, sondern auch, dass es gesagt wird. Einer der häufigsten Führungsfehler ist in meinen Augen: zu wenig Kommunikation. Aus Bequemlichkeit, aus Konfliktvermeidung oder weil man glaubt, gewisse Dinge würden sich von selbst erklären. Kleiner Spoiler: Tun sie nicht. Schweigen ist deshalb genauso schädlich wie schlechte Sprache.
2. Selbstkontrolle
Der größte Hebel für mich ist tatsächlich, mir meine eigenen All-Hands, Talks und Aufzeichnungen regelmäßig anzuhören. Manchmal mache ich das, weil ich zufrieden war. Manchmal, weil ich gemerkt habe: Das war nicht gut. Aber genau darum geht es. Ich will verstehen, wie ich wann wirke.
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Ich höre mir die Aufnahmen natürlich nicht analytisch und im Detail an, sondern meist ganz beiläufig. Ich achte dabei ganz konkret auf die Basics:
- Spreche ich zu schnell oder zu monoton?
- Mache ich Pausen?
- Kommt Dynamik rein?
- Transportiere ich Ruhe oder Unruhe?
All das hat nichts mit Rhetorik-Seminaren zu tun, sondern mit Selbstkontrolle. Dieses Bewusstsein dafür, wie man klingt – nicht nur was man sagt – ist für mich ein extrem wichtiger Leadership-Skill. Nur wer weiß, wie er wahrgenommen wird, kann seine Kommunikation gezielt verbessern.
3. Perspektivwechsel
Einer der größten Kommunikationsfehler ist meiner Meinung nach, davon auszugehen, dass das Gegenüber schon verstanden hat, was gemeint war. Die Verantwortung dafür liegt immer beim Sender – nicht beim Empfänger. Deshalb gehe ich nie automatisch davon aus, dass meine Message angekommen ist, nur weil ich sie ausgesprochen habe.
Gute Führung heißt für mich, regelmäßig die Perspektive zu wechseln: Raus aus dem eigenen Kopf, rein in den des Gegenübers. Da hilft es auch, einfach mal nach einem Meeting oder Call nachzufragen.
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Jeden Tag üben
Gute Sprache kostet nichts, aber sie entscheidet über so vieles. Und das Beste daran: Man kann sie jeden Tag üben. Beim Abendessen mit Freunden, im nächsten Meeting, im kurzen Update zwischendurch. Wer bereit ist, an seiner Sprache zu arbeiten, arbeitet automatisch an seiner Führung.
Denn am Ende gilt: Teams arbeiten so, wie ihre Chefs sprechen.
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+++ Parloa +++ Unicorn +++ EGYM +++ Bitpanda +++ IPO +++ Idagio +++ Funding Gap +++
#StartupTicker
+++ #StartupTicker +++ KI-Startup Parloa wird nun mit 3 Milliarden bewertet +++ Fitness-Unicorn EGYM schlüpft unter das Dach von Playlist +++ Streaming-Startup Idagio ist gerettet +++ Kryptobörse Bitpanda drängt an die Börse +++ Der Funding Gap zu den USA wächst +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Freitag, 16. Januar).
#STARTUPLAND: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere zweite STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: STARTUPLAND 2026 findet bereits am 18. März statt. Sichere Dir jetzt schon Dein Ticket zum Sparpreis
#STARTUPTICKER
Parloa
+++ Tempo, Tempo, Tempo! Das Berliner AI-Unicorn Parloa sammelt weitere 350 Millionen US-Dollar ein. Die Bewertung steigt dabei auf 3 Milliarden Dollar. Durable Capital Partners, Altimeter Capital und General Catalyst sowie EQT Ventures, RPT Capital, Senovo und Mosaic Ventures investierten erst im Mai 2025 beachtliche 120 Millionen US-Dollar in das Unternehmen. Im Zuge der Investmentrunde wurde das Unternehmen damals erstmals mit mehr als 1 Milliarde Dollar bewertet und erreichte somit den begehrten Unicorn-Status. Nun folgt – wie erwartete – die nächste Investmentrunde. Dabei steigt insbesondere General Catalyst ein. Parloa, 2017 von Malte Kosub und Stefan Ostwald als Future of Voice gegründet, kümmert sich als „Conversational AI-Plattform“ um die Automatisierung des Kundenservices. Insgesamt flossen nun bereits rund 570 Millionen Dollar in das Unternehmen, das auch von den beiden Fußball-Weltmeistern Mario Götze und Bastian Schweinsteiger finanziell unterstützt wird. Mit Black Forest Labs (Freiburg), n8n (Berlin), DeepL (Köln) und Parloa gibt es hierzulande derzeit vier KI-Startups mit Unicorn-Status (Bewertung: 1 Milliarde US-Dollar oder mehr). Nur Black Forest Labs (3,25 Milliarden) wird derzeit höher bewertet als Parloa. Mehr über Parloa
EGYM – Playlist
+++ Mega-Fusion im Fitness-Segment! Das Münchner Fitness-Unicorn EGYM und das amerikanische Fitness- und Wellness Unicorn Playlist (Mindbody, Booker und ClassPass) fusionieren. Das gemeinsame Unternehmen wird mit 7,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Wobei EGYM im Zuge des Zusammenschlusses wohl mit 2,5 Milliarden bewertet wurde – siehe Handelsblatt. Zudem bekommt das Fitness-Imperium weitere 785 Millionen US-Dollar Kapital. EGYM, 2010 von Philipp Roesch-Schlanderer und Florian Sauter gegründet, digitalisiert seit Jahren die Fitnesswelt. Ein Schwerpunkt ist dabei inzwischen eGym Wellpass, eine „abonnementbasierte Gesundheits- und Wellnesslösungen für Unternehmen“. Wichtigster Wettbewerber von EGYM ist das Berliner Unternehmen Urban Sports Club (USC), das seit dem vergangenen Jahr zum Wellbeing-Unicorn Wellhub (früher als Gympass bekannt) gehört. Wellhub legte dabei 600 Millionen US-Dollar (Cash und Anteile) für USC auf den Tisch. Die Konsolidierung im gehypten Fitness-Segment ist somit weiter voll im Gange. Mehr über EGYM
Bitpanda
+++ IPO-Time! Die österreichische Kryptobörse Bitpanda liebäugelt schon länger mit einem IPO. Nun gibt es ein spanendes Update! Wie Bloomberg berichtet möchte das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 an die Börsen – und zwar in Frankfurt am Main. Das Wiener Unternehmen strebt dabei eine Bewertung zwischen 4 und 5 Milliarden Euro an. (Bloomberg) Mehr über Bitpanda
Idagio
+++ Rettung! Das insolvente Berliner Musik-Startup Idagio, eine „Streaming-App für klassische Musik“ kann weitermachen. „Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens übernehmen der Berliner Musikunternehmer Ki Soo Lee und sein Geschäftspartner Jim Chang aus Singapur die Gesellschaft“, berichtet nmz. Der Aufbau des Unternehmens, 2015 von Till Janczukowicz und Christoph Lange (beide nicht mehr an Bord) gegründet, kostete bis Ende 2022 (neuere Zahlen liegen nicht vor) bereits knapp 35 Millionen Euro. 2021 übernahm der englische Investor Lansdowne Partners, hinter dem vor allem Steven Heinz steckt, die Mehrheit bei Idagio. Zuvor wurde der Streamingdienst von Tengelmann Ventures (TEV), btov Partners und Macquarie finanziell unterstützt. Im Sommer 2025 schlitterte das Unternehmen in die Insolvennz (Eigenverwaltung). (nmz) Mehr über Idagio
Funding Gap
+++ 2025 markierte eine klare Verschiebung hin zu KI und Defense Tech. Warum Kapital selektiver fließt, die Finanzierungslücke (Funding Gap) zu den USA wächst und 2026 mehr Exit-Druck bringen dürfte. Mehr Gastbeitrag von Julian Riedlbauer (Drake Star)
Köln
+++ Das Kölner Startup-Ökosystem zeigte sich auch 2025 wieder von seiner besten Seite. In Köln sind wieder zahlreiche neue Startups entstanden. Zudem konnten etliche junge und aufstrebende Unternehmen Millionensummen einsammeln. Mehr bei StartupsToWatch
Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker
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Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3
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Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten
#Interview
Eigentlich wolle das Team hinter dem Startup MAIA eine Art „Notion für Industrieunternehmen“ aufbauen. Das Konzept kam aber nicht an. „Wir mussten das Team komplett neu aufstellen und praktisch über Nacht ein neues Produkt entwickeln“, sagt Gründer Mathias Jakob.

MAIA aus Leipzig, 2021 von Carolin Maier, Mathias Jakob und Moritz von Hammerstein gegründet, kümmert sich um industrielle Produktentwicklung. „Wir geben diesem Unternehmen eine neue Kollegin an die Seite, MAIA. Und diese Kollegin ist etwas ganz Besonderes“, sagt Gründer Jakob zum Konzept. Anfangs wollte das Team eine Art ‚Notion für Industrieunternehmen‘ bauen. Das Produkt entsprach jedoch „nicht den Markanforderungen“. So entstand MAIA.
Im Interview mit deutsche-startups.de stellt der MAIA-Macher Jakob sein Unternehmen einmal ganz genau vor.
Wie würdest Du Deiner Großmutter MAIA erklären?
Stell dir ein riesiges Unternehmen vor, Oma, das seit Jahrzehnten komplizierte Maschinen baut. Das ganze technische Wissen ist in Zehntausenden von Dokumenten und den Köpfen der erfahrensten Mitarbeiter verstreut. Wir geben diesem Unternehmen eine neue Kollegin an die Seite, MAIA. Und diese Kollegin ist etwas ganz Besonderes! Erstens: Sie hat alles gesehen und vergisst nichts: Wir geben ihr all die Zehntausende von Dokumenten zu lesen. Wenn jemand eine Frage hat, hat sie die Antwort in Sekunden parat und sagt dazu noch genau, wo sie es nachgelesen hat. Das ist die Grundlage. Zweitens: Sie kann mitdenken und kombinieren: Jetzt kommt der Trick. Sie kann auch Wissen finden, das so nirgends direkt steht. Wenn in einem Dokument steht, dass Bauteil A extremer Kälte standhält, und in einem ganz anderen steht, dass es auch enormen Druck aushält, kann MAIA von selbst schlussfolgern: ‚Eine Kombination dieser beiden Teile wäre perfekt für eine Maschine am Meeresgrund!‘ – auch wenn das noch nie jemand so aufgeschrieben hat. Drittens: Das Wichtigste ist aber: MAIA hört zu und lernt von den Kollegen und Kolleginnen. Sie zieht ihr Wissen nicht nur aus fertigen Dokumenten, sondern direkt aus den Gesprächen, die sie führt. Wenn ein Kollege ihr im Gespräch eine Information gibt, die bisher nirgends aufgeschrieben war, oder wenn sie – wie bei dem Bauteil-Beispiel – Zusammenhänge zwischen den Zeilen erkennt, dann fängt sie dieses Wissen auf. Sie extrahiert diese neuen Erkenntnisse, dokumentiert sie selbstständig und macht sie sofort für alle anderen verfügbar. Was eben noch nur im Kopf eines Einzelnen oder verborgen in den Daten steckte, ist im nächsten Moment eine geprüfte Antwort für das ganze Team.“
Wie wollt Ihr Geld verdienen, also wie genau funktioniert euer Geschäftsmodell?
Wir setzen auf ein ganz klassisches B2B-SaaS-Modell. Unser Fokus liegt dabei klar auf der Enterprise-Lösung für Teams ab 20 Nutzern. Diese startet bei 59 Euro pro Nutzer im Monat und
beinhaltet erweiterte Funktionen sowie eine persönliche Betreuung. Für Teams mit weniger als 20 Mitarbeitenden bieten wir außerdem eine Professional-Lizenz für 49 Euro pro Nutzer an – hier allerdings ohne die direkte Betreuung. Ergänzend dazu bieten wir bei Bedarf Workshops, Enablement-Programme und vertiefende Beratung an – direkt durch unser Team oder über ausgewählte Partner. Diese Services verstehen wir als Unterstützung für einen erfolgreichen Roll-out, sie machen aber nur einen kleinen Teil unseres Umsatzes aus. Über 98 % unserer Erlöse sind wiederkehrende SaaS Umsätze aus den Lizenzen.
Wie ist die Idee zu MAIA entstanden?
Die Idee entstand während einer Masterarbeit in Zusammenarbeit zwischen der Universität St. Gallen HSG und dem Hasso Plattner Institut HPI. Der Fokus lag darauf, warum in Industrieunternehmen so unfassbar viel Zeit mit der Suche nach Produktinformationen verschwendet wird. Über ein paar Ecken haben sich durch diese Masterarbeit Carolin und ich kennengelernt und beschlossen, das Problem weiter zu untersuchen und eine Softwarelösung dafür zu entwickeln. Ende 2021 haben wir daraufhin unser Unternehmen Prodlane gegründet. Unser erstes Produkt war quasi ein ‚Notion für Industrieunternehmen‘ – wir wollten eine zentrale Plattform schaffen, in der alles Wissen manuell gesammelt wird. Trotz erster Kunden und anfänglicher Erfolge wurde schnell klar, dass das Produkt nicht den Markanforderungen entsprach und ein Pivot notwendig war. Zur gleichen Zeit hatten wir im alten Produkt bereits eine erste Version einer KI-gestützten Suche auf eigenen Daten entwickelt. Das Kundenfeedback auf dieses eine Feature war überwältigend – viel stärker als auf das bisherige Hauptprodukt. Wir haben uns also entschieden, dieses Feature in den Mittelpunkt zu stellen. Anfangs war MAIA noch eine generische KI-Suche. Da wir aber durch unser erstes Produkt bereits tief im Thema technische Dokumentation steckten, merkten wir schnell, dass wir durch eine Spezialisierung auf den Industriesektor und technische Daten eine dramatisch höhere Qualität liefern können als allgemeine Lösungen. Das war die Geburtsstunde der heutigen MAIA.
Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Zum einen der gerade erwähnte Pivot. Wir mussten das Team komplett neu aufstellen und mit sehr begrenzten Ressourcen praktisch über Nacht ein neues Produkt entwickeln und an den Markt bringen. Da war Geschwindigkeit alles. Die zweite Herausforderung war die Detailschärfe beim Product-Market-Fit. Es reicht nicht, zu wissen, dass Ingenieure lange suchen. Wir mussten tief eintauchen und verstehen: Warum genau ist es so schwer? Wie sehen die Workflows im Detail aus? Und vor allem: Was sind die gemeinsamen Muster bei all unseren Kunden und wo gibt es Unterschiede? Diese Komplexität in einem standardisierten Produkt sauber abzubilden, war eine harte Nuss. Und schließlich mussten wir anfangs gegen eine doppelte Skepsis ankämpfen: Etablierte Industrieunternehmen sind naturgemäß vorsichtig – erst recht gegenüber dem Hype-Thema KI und dann auch noch gegenüber einem jungen Startup. Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten, um zu beweisen, dass unsere Lösung sicher und verlässlich ist. Zum Glück hat sich das Blatt hier inzwischen gewendet und die Offenheit ist deutlich gewachsen.
Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf eurer Agenda?
Produktseitig stechen wir noch tiefer in unsere Nische. Das große Thema ist hier die Extraktion von implizitem Wissen. Wir arbeiten inzwischen sehr eng mit einigen großen Kunden zusammen, die uns tiefe Einblicke in ihre Strukturen und Prozesse gewähren, die uns vorher verborgen blieben. Dieses Feedback nutzen wir, um Funktionen zu entwickeln, die noch präziser auf die Arbeitsweise in der Industrie zugeschnitten sind. Auf operativer Ebene steht der Abschluss unserer ISO 27001 Zertifizierung kurz bevor. Das ist für uns ein entscheidender Schritt, um unsere Organisation weiter zu professionalisieren und die Zusammenarbeit mit Enterprise-Kunden noch schneller und reibungsloser zu gestalten. Und strategisch bereiten wir unsere nächste Finanzierungsrunde für das zweite Quartal 2026 vor. Die Signale sind bisher sehr positiv, aber wir wissen natürlich, dass bis zur Unterschrift immer ein gutes Stück Arbeit vor uns liegt.
Wo steht MAIA in einem Jahr?
In einem Jahr wird sich MAIA als einer der Industriestandards für technisches Wissensmanagement etabliert haben – und das über die DACH-Region hinaus im internationalen Einsatz. Der Treibstoff für dieses Wachstum ist unsere geplante Finanzierungsrunde zu Beginn des Jahres. Mit dem frischen Kapital werden wir ordentlich Gas geben: Wir planen, unsere Teamgröße in den nächsten zwölf Monaten fast zu verdoppeln. Dazu gehört auch, dass wir unsere physische Präsenz ausbauen. Wir werden mindestens einen weiteren Standort in Deutschland oder der Schweiz eröffnen und gleichzeitig die ersten Mitarbeiter im europäischen Ausland einstellen, um unsere internationalen Kunden noch direkter betreuen zu können.
WELCOME TO STARTUPLAND

SAVE THE DATE: Bereits am 18. März findet unsere dritte STARTUPLAND statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über Startupland
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): MAIA
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