Connect with us

Datenschutz & Sicherheit

Wie verbreitet digitale Gewalt wirklich ist


Nacktaufnahmen, die ohne Zustimmung im Internet landen. Beleidigungen per Direktnachricht. Ex-Partner*innen, die das Handy verwanzen oder AirTags in der Tasche verstecken. All das bezeichnen Fachleute als digitale Gewalt. Es sind Taten, die im Internet oder mit Hilfe von technischen Hilfsmitteln passieren.

Wie häufig solche Taten in Deutschland vorkommen, dazu konnte man bislang nur rätseln. Eine repräsentative Studie, die belastbar hätte zeigen können, wie viele Menschen betroffen sind oder welche Taten sich besonders häufen, gab es nicht. Die letzte große Befragung zu Gewalterfahrungen stammt aus dem Jahr 2004, da war Facebook gerade neu und YouTube, Twitter oder Reddit waren noch nicht im Netz.

Auf die fehlenden Zahlen hatten Fachleute immer wieder hingewiesen, auch weil Deutschland eigentlich verpflichtet ist, die Daten zu erheben und sich nichts aufs Rätselraten zu beschränken. Seit 2018 gilt die Istanbul-Konvention, ein Abkommen des Europarats, das Frauen vor Gewalt schützen soll. Sie sieht auch vor, in regelmäßigen Abständen abzufragen, wie verbreitet Gewalt gegen Frauen ist.

Was die Kriminalstatistik nicht zeigt

Der Pflicht, Daten bereitzustellen, kam Deutschland Mitte Februar nach, mit Erscheinen einer Studie zu Gewaltbetroffenheit, die Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und der Präsident des Bundeskriminalamts Holger Münch gemeinsam vorstellten.

„Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“, kurz LeSuBiA, soll das sichtbar machen, was die Kriminalstatistik nicht abbilden kann: Wie viel Gewalt Menschen tatsächlich erleben. Denn das jährliche Lagebild des BKA behandelt zwar neuerdings ebenfalls die „Fallgruppe Digitale Gewalt“, zeigt allerdings nur einen Bruchteil der Fälle. Was nicht angezeigt und an eine Staatsanwaltschaft weitergereicht wird, taucht dort nicht auf.

Um dieses Dunkelfeld auszuleuchten, hat das BKA für LeSuBia mehr als 15.000 Menschen befragen lassen – darunter Männer, Frauen und Menschen, deren Geschlechtsidentität vom eingetragenen Personenstand abweicht oder die eine homo- oder bisexuelle Orientierung angeben. Das ist neu, frühere Umfragen beschränkten sich auf Frauen. Nun lassen sich direkte Vergleiche ziehen.

Abgefragt wurden verschiedenste Formen von Gewalt: körperliche und psychische Gewalt ebenso wie sexuelle Belästigung, Übergriffe oder Stalking. Die Studie bildet auch Taten ab, die sich unter der Schwelle von Strafbarkeit bewegen – zum Beispiel Demütigungen durch den eigenen Partner oder sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt.

Beleidigungen und Drohungen an der Spitze

Bei der digitalen Gewalt unterscheidet die Studie zwischen zwei Kategorien. Digitale Gewalt im engeren Sinne sind demnach Taten, die vermeintlich nur im Internet begangen werden können: Mit KI erstellte Nacktbilder, gefälschte Profile auf Datingseiten oder Angriffe auf den eigenen Avatar in Online-Spielen.

Jeder zehnte Mensch hat solche Gewalt erlebt.

Digitale Gewalt im weiteren Sinne soll Übergriffe abbilden, die auch im analogen Leben passieren: Stalking, Drohungen oder sexuelle Belästigung. Gaben Menschen in der Befragung an, das erlebt zu haben, fragten die Interviewer*innen nach: Geschah das auch mit digitalen Mitteln? Jede fünfte Frau (20 Prozent) und jeder siebte Mann (13,9 Prozent) waren laut Studie in den letzten fünf Jahren von digitaler Gewalt betroffen.

Angezeigt wird nur ein kleiner Teil davon: Bei Frauen waren es 2,4 Prozent der Betroffenen, die den Übergriff anzeigten, bei Männern tat dies nicht einmal ein Prozent.

Frauen trifft es öfter, aber nicht nur sie

Bei der digitalen Gewalt im weiteren Sinne ist Bedrohung der häufigste Tatbestand. Am häufigsten werden Menschen im Netz oder per Messenger beleidigt oder bedroht. Zwei von 100 Befragten hatten das in den vergangenen fünf Jahren erlebt. Einen nennenswerten Unterschied zwischen Männern und Frauen fand die Studie dabei nicht.

Auch auf die Frage „Wurden schon persönliche oder heimlich erstellte Fotos oder Videos von Ihnen im Internet veröffentlicht oder per Messenger versendet“ antworteten erstaunlich viele Männer mit „Ja“. Rund jede hundertste Person gibt an, das schon einmal erlebt zu haben, unabhängig vom Geschlecht. Öffentlich verhandelt wurden bisher vor allem Fälle, in denen intime Aufnahmen von Frauen öffentlich wurden.

Rund ein Prozent der Befragten hat zudem in den vergangenen fünf Jahren mindestens einmal erlebt, dass gefälschte Profile unter dem eigenen Namen auf Social Media oder Datingplattformen angelegt wurden. Auch hier sind Männer und Frauen gleichauf. Lediglich von digitaler Gewalt in Onlinespielen sind deutlich mehr Männer betroffen.

Laut Michaela Burkard vom Dachverband der Frauenberatungsstellen bff fallen diese Zahlen überraschend niedrig aus. „Aus den Beratungsstellen wissen wir, wie alltäglich Formen digitaler Gewalt dort mittlerweile sind“, sagt sie. Sie vermutet, dass viele dieser Gewaltformen von den Betroffenen zunächst nicht als Gewalt wahrgenommen werden. Auch in Beratungsgesprächen brauche es manchmal mehrere Anläufe, bis auch digitale Übergriffe zur Sprache kommen.

Je jünger desto wahrscheinlicher

Nennenswerte Unterschiede zwischen den Geschlechtern findet die Studie dennoch. Denn abgefragt wurde nicht nur ob, sondern auch, wie häufig eine Gewalterfahrung aufgetreten ist. Laut LeSuBia erleben Frauen Fälle von digitaler Gewalt außerhalb einer Partnerschaft fünf Mal so häufig wie Männer. Sie empfinden dabei zudem mehr Angst und beurteilen die Situationen als schwerwiegender.

Im Altersvergleich zeigt sich zudem: Jüngere Menschen sind stärker betroffen als ältere. Die Gruppe der 16 bis 24-jährigen weist die höchsten Zahlen auf. Dieser Unterschied zwischen den Altersgruppen sei bekannt, sagt Burkard, jedoch nicht in der Ausprägung. „Dass junge Erwachsene so viel stärker betroffen sind und die Betroffenheit ab einem gewissen Alter so stark schwindet, haben wir so bisher noch nicht gesehen.“

Überrascht war sie auch darüber, dass laut LeSubia digitale Gewalt bei den betroffenen Männern in 51,1 Prozent der Fälle von einer fremden Person verübt wird, während es bei den betroffenen Frauen 33,9 Prozent sind, die eine fremde Person als Täter*in angeben. Die Beratungsstellen hätten hier andere Erfahrungen. Die dort geschilderte Gewalt werde meist von (Ex-)Partner*innen verübt.

Eine von 100 Frauen von einem Ex-Partner digital gestalkt

Die Studie fragt auch ab, wie häufig Menschen Stalking unter Einsatz von digitalen Hilfsmitteln erfahren haben. In der Vergangenheit konnte man sich hier nur auf das stützen, was Menschen von der Frontlinie im Kampf gegen solche Gewaltformen berichteten: Beratungsstellen und Frauenhäuser sprechen seit Jahren von einem Anstieg der Fälle – ob mit Hilfe von Spionage-Apps oder der üblichen Bordmittel, die in jedes Handy eingebaut sind.

Wir sind communityfinanziert

Unterstütze auch Du unsere Arbeit mit einer Spende.

LeSuBia zeigt, wie verbreitet das Ausspähen mittlerweile ist. Jede 30. der befragten Frauen hatte Erfahrungen mit digitaler Nachstellung. Weniger als jede zehnte Betroffene zeigte die Taten an.

Rund eine von 100 Frauen gab außerdem an, in den vergangenen fünf Jahren von einem Partner oder Ex-Partner gestalkt worden zu sein. In fast alles Fällen passierte das mit digitalen Mitteln. Männer sind ebenfalls von Stalking mit digitalen Mitteln betroffen, allerdings nur etwa halb so oft. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei sexueller Belästigung im digitalen Raum.

„Die sehr geringe Bereitschaft, erlebte Gewalt bei der Polizei zur Anzeige zu bringen, hat uns nicht überrascht“, sagt Burkard. „Aus unserer Arbeit mit den Beratungsstellen wissen wir, dass es in vielen Polizeidienststellen an Sensibilität und Fachwissen im Umgang mit Partnerschaftsgewalt mangelt. Insbesondere Formen digitaler Gewalt scheinen bagatellisiert zu werden, oder der digitale Raum wird als zu abstrakt begriffen, um das Gewaltgeschehen einordnen zu können.“

„Er wusste immer genau, wo ich war“

Keine isolierte Gewaltform

Stalking und digitale Gewalt treten zudem besonders oft in Kombination mit körperlicher oder psychischer Gewalt auf. Auch dieser Zusammenhang ist unter Fachleuten bekannt. „Digitale geschlechtsspezifische Gewalt ist eine Fortsetzung bereits bestehender Gewaltverhältnisse“, sagt Michaela Burkard, “sie taucht selten isoliert auf.“

Die methodische Entscheidung, für die Studie vermeintlich „reine”“Formen von digitaler Gewalt von Mischformen wie Stalking oder sexueller Belästigung zu trennen, findet sie daher nicht sinnvoll. „Es wird zu wenig deutlich, dass digitale Gewalt ein Querschnittsthema ist, das in fast allen anderen Gewaltformen zum Tragen kommt. Es macht deshalb wenig Sinn, sie isoliert darzustellen. Die Einteilung in einen engeren und weiteren Sinn ist da unserer Ansicht nach wenig hilfreich“, sagt sie.

Queere und trans Menschen besonders betroffen

Aus anderen Ländern ist bekannt, dass nicht nur Frauen, sondern auch Personen jenseits der heterosexuellen zweigeschlechtlichen Norm ein besonders großes Risiko haben, angegriffen zu werden. Auch Polizeistatistiken zeigen einen Anstieg der queer- und transfeindlichen Straftaten in den vergangenen Jahren – wobei unklar ist, wie viel davon auf eine erhöhte Anzeigebereitschaft zurückgeht.

LeSuBia zeigt jetzt: LSBTIQ* Menschen sind auch im Dunkelfeld bei allen untersuchen Gewaltformen häufiger betroffen als andere Menschen. Das gilt auch für digitale Gewalt.

Rund 2.300 der Befragten rechnet LeSuBia dieser Kategorie zu. Es sind Personen, die angaben, homo- oder bisexuell zu sein oder dass ihr Personenstand von ihrem selbst gewählten Geschlecht abweicht. 16 Prozent von ihnen haben demnach digitale Gewalt im Laufe ihres Lebens erfahren, mehr als 10 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. Sie sind damit doppelt so oft betroffen wie Menschen, die nicht in diese Gruppe fallen.



Source link

Datenschutz & Sicherheit

Die Natur ist unsere Quelle der Zufälligkeit: zum Tode von Michael O. Rabin


Michael O. Rabin wurde als Sohn des Rabbiners Israel Rabin und der Schriftstellerin Ester Rabin am 1. September 1931 in Breslau geboren. Die Familie wanderte 1935 in das britische Mandatsgebiet für Palästina aus. Sein mathematisches Interesse wurde durch seinen Lehrer Elisha Netanyahu mit der Aufnahme in einen kleinen Kreis interessierter Schüler gefördert. Als er mit 16 Jahren 1948 im israelisch-arabischen Krieg in die Armee eingezogen werden sollte, setzte sich der berühmte Mathematiker Abraham Fraenkel für seine weitere Ausbildung an der Universität ein. 1952 schloss Rabin das Studium mit einer Masterarbeit über ein von Emmy Noether entdecktes Problem ab, was ihm ein Stipendium an der Universität Princeton einbrachte. Dort studierte er zusammen mit Dana Scott bei Alonzo Church, bei dem auch Alan Turing studiert hatte.

Weiterlesen nach der Anzeige

Rabin und Scott wurden im Sommer 1957 von IBM eingeladen und schrieben dort die Arbeit über „Finite Automata and Their Decision Problems“, in der sie sich mit den (heute so genannten) neuronalen Netzwerken von Warren McCulloch und Walter Pitts beschäftigten. 1956 hatte der Logiker Stephen Cole Kleene mit seinem Theorem die Klasse der regulären Sprachen in die Informatik eingeführt und deshalb konnten Rabin und Scott mit ihrer Arbeit über nichtdeterministische Automaten Kleenes Annahmen bestätigen. „Wir hatten eigentlich keinen tieferen philosophischen Grund, diesen Nichtdeterminismus in Betracht zu ziehen, obwohl er, wie wir heute wissen, im Zentrum der P = NP-Frage steht – einem Problem von immenser praktischer und theoretischer Bedeutung. Für uns war das lediglich eine von mehreren Varianten“, sagte Rabin im Interview über seinen Lebensweg, das er seinem Schüler Dennis Shasha gewährte. Im Jahre 1976 bekamen er und Scott für diese Arbeit den Turing Award, was bis heute Gegenstand von angeregten Diskussionen ist.

Nach dieser Episode beschäftigte sich Rabin mit kryptographischen Problemen, angeregt über ein Problem, das ihm John McCarthy gestellt hat: Wie kann ein Spion, der sein Passwort sagt, zuverlässig von einem Wächter erkannt werden, der das Passwort errechnen soll? Die Antwort war der Aufsatz „Probabilistic Algorithm for Testing Primality“ von Rabin. Der Primzahlentest, heute als Miller-Rabin-Test bekannt, liefert nach sechs Tests bei langen Zahlen schnell mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent die Antwort auf die Frage, ob eine Zahl eine Primzahl ist und wird deshalb in vielen kryptografischen Anwendungen eingesetzt. Mit seinem Aufsatz „Digitalized Signatures and Public-Key Functions as Intractable as Factorization“ lieferte Rabin 1979 die Grundlagen für das Rabin-Kryptosystem, das im Gegensatz zum Primzahlentest kaum genutzt wird.

Später war Rabin nach jahrelanger Forschung und Lehre an der Hebrew University, deren Rektor er zeitweilig war, ab 1982 wieder bei IBM und gehörte dort bis 1994 zum Science Advisory Committee. 1987 entwickelte er mit Richard M. Karp den Rabin-Karp-Algorithmus, der bei der Suche nach Plagiaten mit einem effizienten Hash-Verfahren aufwartet. Im Interview über seinen Lebensweg schildert er, wie wichtig die Rolle des Zufalls für seine Arbeit gewesen ist. „Das Einwirken von Zufall bei so vielen algorithmischen Problemen ist mir völlig rätselhaft. Es ist effizient, es funktioniert; aber warum und wie, ist mir ein absolutes Rätsel. Algorithmen benötigen in ihrer Reinform eine physikalische Zufallsquelle. Es handelt sich also um eine Art Zusammenarbeit zwischen uns Informatikern und der Natur als Quelle des Zufalls. Das ist einzigartig und wirft einige Fragen in der Physik und Philosophie auf.“


(mho)



Source link

Weiterlesen

Datenschutz & Sicherheit

Gimp: Version 3.2.2 schließt Codeschmuggel-Lücke mit GIFs


close notice

This article is also available in
English.

It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

In den Verarbeitungsroutinen für mehrere Bildformate in Gimp schlummern Schwachstellen, die Angreifer etwa zum Einschleusen und Ausführen von Schadcode missbrauchen können. Dazu reicht das Öffnen manipulierter Bilddateien etwa im GIF-Format aus. Ein Update auf Gimp 3.2.2 schließt die Lücken.

Weiterlesen nach der Anzeige

Die Schwachstelleneinträge sind jetzt in der Nacht zum Donnerstag erschienen. Etwa in der ReadJeffsImage-Funktion der GIF-Ladekomponente können Angreifer einen potenziellen Pufferüberlauf missbrauchen, um über die Grenzen eines angelegten Puffers hinauszuschreiben. Das kann möglicherweise zum Ausführen beliebigen Codes beim Verarbeiten sorgsam präparierter GIF-Dateien führen (CVE-2026-6384, CVSS 7.3, Risiko „hoch“). Die Gimp-Entwickler haben die Lücke laut Bugtracker bereits geschlossen.

Weitere Sicherheitslücken betreffen Plugins zur Verarbeitung bestimmter Dateiformate. Ein Pufferüberlauf beim Einlesen von „file-seattle-filmworks“-Dateien kann zum Absturz führen (CVE-2026-40919, CVSS 6.1, Risiko „mittel“). Eine präparierte PVR-Image-Datei kann ebenfalls einen Denial-of-Service provozieren (CVE-2026-40918, CVSS 5.5, Risiko „mittel“). Ein Integer-Überlauf kann hingegen beim Lesen von FITS-Bildern auftreten, wodurch ein Null-Byte-Puffer angefordert wird, was zu einem Heap-basierten Pufferüberlauf beim Schreiben von Pixeldaten führt. Auch das kann möglicherweise zum Einschleusen von Schadcode missbraucht werden (CVE-2026-40915, CVSS 5.5, Risiko „mittel“).

Manipulierte ICNS-Bilder könnten lesend auf Speicherbereiche jenseits der vorgesehenen Grenzen aufgrund einer Schwachstelle in der Funktion icns_slurp() zugreifen und so möglicherweise Informationen auslesen (CVE-2026-40917, CVSS 5.0, Risiko „mittel“). Sorgsam präparierte TIM-Bilder können zudem zu einem Denial-of-Service führen, da Gimp beim 4BPP-Dekodieren einen Überlauf erzeugt (CVE-2026-40916, CVSS 5.0, Risiko „mittel“).

Wer die betroffenen Dateiformate GIF, file-seattle-filmworks, FITS, ICNS oder TIM einsetzt, sollte das Update auf Gimp 3.2.2 nun unbedingt nachholen. Die Installationspakete stehen auf der Download-Seite zum Herunterladen bereit.

Gimp 3.2 erschien Mitte März und hatte dabei auch hochriskante Codeschmuggel-Lücken geschlossen.

Weiterlesen nach der Anzeige


Update

16.04.2026,

17:31

Uhr

Gimp 3.2.2 schließt die Schwachstellen, in der Meldung angepasst. Lediglich die CVE-Schwachstelleneinträge wurden erst jetzt veröffentlicht.


(dmk)



Source link

Weiterlesen

Datenschutz & Sicherheit

Polizeiliche Kriminalstatistik: Mit Vorsicht zu genießen


Jedes Jahr im Frühling veröffentlicht das Bundeskriminalamt die Polizeiliche Kriminalstatistik. Sie wird von Vielen wahrgenommen als genaues Abbild von Kriminalität im Land und dementsprechend oft auch politisch instrumentalisiert. Dabei ist die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zuallererst eine Art Arbeitsbericht der Polizei. Sie ist mit Vorsicht zu genießen.

In der PKS werden mutmaßliche Straftaten erfasst, welche die Polizei an die Staatsanwaltschaften weitergibt. Ob diese dann die Verfahren einstellen und ob jemand verurteilt wird, erfahren wir aus dieser Statistik nicht. Wir erfahren auch nicht, ob die Steigerung einer Kriminalitätsart darauf beruht, dass die Polizei ihren Schwerpunkt verlagert hat, die Ermittlungsmethoden besser wurden, das Dunkelfeld sich aufhellt oder Menschen bereitwilliger Straftaten anzeigen.

Zudem gibt es rassistische Einstellungen, die dazu führen, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen von der Polizei stärker kontrolliert oder von der Mehrheitsbevölkerung öfter angezeigt werden, was deren Präsenz in der Statistik erhöht. Das alles verzerrt die Polizeiliche Kriminalstatistik.

Polarisierung und Stigmatisierung

Die Statistik steht wegen wegen ihrer Anfälligkeit zur Instrumentalisierung und auch rassistischen Stimmungsmache in der Kritik. „Die polizeiliche Kriminalstatistik ist als Instrument zur Bewertung der Sicherheitslage ungeeignet“, hieß es in einem offenen Brief (PDF), den zahlreiche Menschenrechtsorganisationen und Kriminolog:innen vergangenes Jahr unterzeichnet haben. Vielmehr trage die Statistik zur Polarisierung der Gesellschaft und Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen bei, so die Unterzeichnenden.

Das Medienhaus Correctiv hat nun beliebte Mythen und Instrumentalisierungen rund um die Kriminalstatistik einem Faktencheck unterzogen. Der Artikel weist zum Beispiel darauf hin, dass eine Verbindung von polizeilicher Statistik und Justizstatistiken überfällig wäre. Dann könnte man nachvollziehen, wie häufig aus der polizeilichen Erfassung als Straftat am Ende auch eine Verurteilung vor Gericht wird. Den wie Correctiv schreibt, wurden laut statistischem Bundesamt 60 Prozent der Ermittlungsverfahren eingestellt.

Der Faktencheck zeigt auch, dass die Zahl der Fälle mit dem Bevölkerungswachstum zu tun hat. Mehr Tatverdächtige heiße nicht notwendigerweise, dass auch prozentual mehr Menschen kriminell geworden seien. Der prozentuale Wert wird mittels der „Tatverdächtigenbelastungszahl“ statistisch erfasst. Correctiv hat nun diesen Wert angeschaut und kommt zum Schluss:

[..] obwohl die absolute Zahl der Tatverdächtigen in den vergangenen Jahren zwischendurch gestiegen ist (etwa zwischen 2013 und 2015 oder zwischen 2021 und 2023): Der Anteil der Menschen in der Gesellschaft, die von der Polizei eines Verbrechens verdächtigt wurden, ist seit 2009 insgesamt gesunken.

Ein anderes Feld im Bericht von Correctiv sind Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Diese sind in den vergangenen Jahrzehnten laut der PKS dramatisch angestiegen. Die Hintergründe sind dabei vor allem auch ein besserer gesetzlicher Schutz vor solchen Straftaten durch eine Erweiterung dessen, was überhaupt strafbar ist, sowie eine gestiegene Sensibilität, so dass mehr Menschen und vor allem Frauen sich trauen, solche Straftaten auch anzeigen. Dennoch ist das Dunkelfeld in diesem Gebiet immer noch groß, so kam kürzlich heraus, dass bei digitaler Gewalt etwa 97 Prozent aller Fälle nicht zur Anzeige kommen.

Demografische und soziale Aspekte ignoriert

Beliebt in rassistischer Stimmungsmache, die ja derzeit von AfD bis zum Bundeskanzler Konjunktur hat, ist das Narrativ von kriminellen Migrant:innen. Die PKS erfasst keinen Migrationshintergrund, wer einen deutschen Pass hat, ist deutsch – egal, wo die Person geboren ist oder welche Nationalität die Eltern hatten. Die in der PKS erfassten Nicht-Deutschen hingegen sind nicht nur Geflüchtete oder hier lebende Menschen ohne deutschen Pass, sondern auch Tourist:innen. Wer also mit Fallzahlen aus der PKS hantiert, um rechte Stimmung zu machen, ignoriert nicht nur das, sondern auch, dass bei den Nicht-Deutschen die Altersstruktur jünger ist und jüngere Menschen, egal von wo sie kommen, in der Regel mehr Straftaten begehen. In Lagebildern erfasst das Bundeskriminalamt hingegen erst seit 2015 die Kriminalität von „Zuwanderern“, laut dem BKA Menschen, die ein Asylverfahren durchlaufen, einen Aufenthaltstitel oder eine Duldung haben oder abgeschoben werden sollen.

Rechtsradikale hantieren gerne mit der sogenannten „Messerkriminalität“, die angeblich seit dem Jahr 2015 explodiert sei. Das ist unseriös, wie Correctiv darlegt: Denn „Tathandlungen, bei denen der Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgeführt wird“ werden erst seit dem 1. Januar 2024 vollständig erfasst. 90 Prozent der erfassten „Messerkriminalität“ wird von Männern über 21 Jahren verübt. Tatsächlich sind dabei in der Statistik nicht-deutsche Täter überrepräsentiert. Neben demografischen und sozialen Aspekten gibt es zahlreiche weitere Faktoren, die dieses Ungleichgewicht begünstigen, wie die Kriminologin Gina Wollinger darlegt.

Wir sind communityfinanziert

Unterstütze auch Du unsere Arbeit mit einer Spende.

Verzerrte Wahrnehmung von Kriminalität

Die Gefahr einer Verfälschung des Kriminalitätsbildes durch die polizeiliche Statistik wird verstärkt dadurch, dass sehr viele Menschen eine völlig von der Realität abgekoppelte Wahrnehmung der Kriminalität haben. In einer Befragung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) aus dem Jahr 2021 gingen fast zwei Drittel von einer starken bis sehr starken Zunahme der Kriminalität in den letzten fünf Jahren aus, während nur sechs Prozent der Befragten die Kriminalitätsentwicklung realistisch einschätzten.

Woher diese Fehlwahrnehmung kommt, ist nicht abschließend untersucht. Die Studie der KAS zeigte sich hier einigermaßen ratlos: Die Sorge vor einer Zunahme der Kriminalität lasse sich nicht mit sinkender tatsächlicher Kriminalität aus der Welt schaffen, stellten die Autor:innen damals fest.

Einen Anteil an diesem Phänomen haben vermutlich die Nachrichtenwertfaktoren Negativität und Nähe, die Medien dazu bringen, Berichte mit Schaden und Kriminalität in unserer Nähe als relevanter zu bewerten. So entsteht medial eine Schieflage, die nicht der realen Entwicklung entspricht. Diese Schieflage wird befeuert von einer Innenpolitik, die auf diese Fehlwahrnehmungen eingeht, was die Berichterstattung zum Thema Sicherheit weiter verstärkt. Hinzu kommt auch ein Altersfaktor, den die Studien bestätigen: Je älter die Befragten, desto mehr Angst haben sie vor Kriminalitätszunahme. In einer alternden Gesellschaft steigt also die Furcht und damit auch der politische Druck auf das Thema.

Eng gefasster Sicherheitsbegriff

Der Fokus des Sicherheitsbegriffs auf Delinquenz und Kriminalität trägt zudem zu einer weiteren Verzerrung und damit verschobenen politischen Prioritäten bei. Ein erweiterter Sicherheitsbegriff würde soziale Sicherheit hervorheben, dazu gehören Wohnraum, eine gerechte Vermögensverteilung, ein gutes Gesundheitssystem, einfache Mobilität sowie die Absicherung von Arbeitsplätzen. Ein noch weiter in die Zukunft gerichteter Sicherheitsbegriff würde auch die Gefahr von Kriegen, Umweltkatastrophen und Klimakollaps in den Fokus nehmen.



Source link

Weiterlesen

Beliebt