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Feed und Fudder 79 – Zukunft des Agenturmarkts: KI, Trends, Chancen (Julian Schweizer)


Wohin entwickelt sich der Agenturmarkt? Wir sprechen mit Agenturgründer und SaaS‑Experte Julian Schweizer von ContentPaul aus Zürich über die großen Herausforderungen und Chancen des Agenturmarkts. Welche Rolle spielt KI in diesem Wandel?

Ist sie tatsächlich Treiber neuer Innovationen oder dient das Schlagwort am Ende nur als bequeme Ausrede, echte Neuerungen aufzuschieben? Wir diskutieren im Feed und Fudder Podcast, warum wirtschaftlicher Druck sowie alte Strukturen Agenturen aktuell stärker treffen als KI. Ein Grund: zu viele Silos im Unternehmen!

Wie sich diese aufbrechen lassen und warum Content der zentrale Business-Asset ist, hört ihr jetzt in der neuesten Folge. Denn spezialisierte Expertise dürfte auch in Zukunft gefragt sein. Denn allen Umbrüchen zum Trotz ergeben sich am Agenturmarkt auch neue Chancen.

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Transkript Feed und Fudder Podcast Folge 79 – Zukunft des Agenturmarkts: KI, Trends, Chancen (Julian Schweizer)

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Hier gibt es das Transkript zu Folge 79 – Zukunft des Agenturmarkts: KI, Trends, Chancen (Julian Schweizer)

Transkript

Alexander 

Hallo und herzlich Willkommen zum Feed und Fudder Podcast. Oder soll ich heute sagen: Grüezi miteinander. Ich habe heute einen wunderbaren Gast aus der Schweiz dabei. Stell dich doch am besten einfach mal unseren Zuhörerinnen und Zuhörern vor. Ich lasse dir das Wort, Julian.

Julian  

Danke Alex und Hallo miteinander. Das Grüezi wäre gar nicht nötig gewesen, ich glaube, man hört es sofort an meinem Akzent. Ich bin der Julian Schweizer aus Zürich, sogar Schweizer im Nachnamen, und freue mich, hier zu sein. Ich bin unter anderem Agenturgründer und heute in der Softwareentwicklung tätig, beziehungsweise für ein SaaS‑Unternehmen, das eine Software für Agenturen herstellt.

Alexander  

Ich war ja auf der AllSocial Marketing Conference in München. Erstmal vielen Dank an alle, die da waren. Ich hatte so tolle Gespräche mit euch und danke auch für euer Feedback. Und wenn ihr das nächste Mal live dabei sein wollt: Auf dem Blog gibt es jetzt schon Tickets für die nächste Ausgabe der Konferenz. Ich würde mich mega freuen, wenn wir uns dort sehen.  

Und weißt du, was ich kaum glauben konnte? Ein Thema wurde so oft besprochen, in Keynotes, in Gesprächen, in den Pausen: Im Marketing existieren immer noch so viele Silos. Wir haben die SEO‑Abteilung, jetzt neu dazu Geo, KI, und Social Media fristet manchmal ein Nischendasein. Es fehlt oft die Einbindung in die Gesamtstrategie. Selbst Alex Schultz von Meta, CMO für Analytics, hat gesagt: Man muss diese Silos aufbrechen!

Das ist so wichtig. Social Media, unser Schwerpunkt, muss stärker in die Unternehmensstrategie eingebunden werden. Viele Keynotes haben das gezeigt. Und du hast dir ja ein bisschen zur Mission gemacht, genau diese Silos aufzubrechen.

Julian  

Ja, im Grunde schon. Ich habe meine Agentur vor mehr als 15 Jahren gegründet. Und ich glaube, dieser Silo‑Aufbrechen‑Gedanke war schon damals präsent. Es hat sich eigentlich nicht so viel getan. Es gibt Modelle, die das versuchen, oder Systemansätze, die das versuchen. Unter anderem mit unserer Software, mit unserer Plattform, lässt sich das abbilden: Inhalte aus allen Kanälen auf einer Plattform verwalten, managen und abteilungsübergreifend zugänglich machen. So entsteht volle Transparenz im Unternehmen oder in der Agentur.  

Das ist eine der großen Herausforderungen, die ich immer wieder sehe: dass dieser Silo‑Gedanke vorherrscht und Abteilungen teilweise arbeiten, ohne zu wissen, was die anderen machen. Oder Disziplinen nicht wissen, was die andere Hand eigentlich tut.

Alexander  

Du hast es schon gesagt: Es ist eine Herausforderung. Und die andere große Herausforderung, wie könnte es anders sein, ist das Schlagwort Künstliche Intelligenz.  

Warum wir dich heute eingeladen haben: Du hast eine spannende Mischung. Du bist in der Softwareentwicklung tätig, hast eine Agentur gegründet, bist Marketingexperte, hast auch schon für den AllSocial Blog geschrieben, bist also auch Gastautor bei uns. Da kommt alles zusammen. Und du beobachtest den Agenturmarkt sehr genau.  

Darüber wollen wir heute sprechen: vom Silo‑Gedanken hin zum Agenturmarkt. Neben dem großen Schlagwort KI: Wie siehst du gerade den Agenturmarkt?

Julian  

Wenn man in seinen LinkedIn‑Feed schaut, könnte man meinen, der Markt löst sich gerade auf. Es klingt dort sehr dramatisch. Er ist sicher in Transformation. Ich habe das in unserer Agentur auch erlebt.  

Ich muss dazu sagen: Ich habe die Agentur vor 15 Jahren gegründet, ganz am Anfang von Social Media. Ich bin heute noch Gesellschafter, aber nicht mehr operativ tätig, weil ich mich auf die Software konzentriere, die wir entwickeln. Die ist übrigens aus der Agentur entstanden, aus unserem Alltag heraus.  

Ich spreche mit vielen Agenturinhaberinnen und ‑inhabern und höre überall diese Transformation. Und in den letzten Monaten verstärkt: wirtschaftlicher Druck. Das höre ich nicht nur aus der Schweiz, sondern viel stärker aus Deutschland. Aus Österreich weniger, aber aus Deutschland sehr deutlich.  

Da höre ich vor allem: Der wirtschaftliche Druck prasselt auf die Agenturen ein.

Alexander  

Und ist dieser Druck eher durch die aktuelle Weltlage bedingt, durch wirtschaftliche Unsicherheit, einbrechende Märkte? Oder ist es eher KI, die viel verändert, aber bei manchen noch Orientierungslosigkeit auslöst? Wie transformiert man diesen KI‑Prozess?

Julian  

Meiner Meinung nach wird die KI‑Sache ein bisschen vorgeschoben. Ausrede ist ein starkes Wort, aber ja, sie wird vorgeschoben. Ich sehe, dass der wirtschaftliche Druck zum einen aus der Wirtschaft selbst kommt, aber auch hausgemacht ist.  

Ich habe das selbst erlebt: In Europa hatten wir ein sehr starkes Wachstum. Wir hatten Tiefzinsen über 15 Jahre. Seit der Finanzkrise 2009 wurden die Zinsen gesenkt, um die Wirtschaft zu beleben. Das hat zu einem unglaublichen Investitionswachstum geführt. Davon haben besonders Digital‑Marketing‑Agenturen profitiert.  

Da kam eine neue Disziplin dazu, Social Media, aber auch viele andere digitale Maßnahmen. Alle sind mit dem Markt gewachsen.  

Jetzt ziehen je nach Branche dunklere Wolken auf. Unternehmen fahren Budgets runter, teilweise sehr konsequent und schnell. Das führt dazu, dass Agenturen mit Strukturen dastehen, die nicht für diese neuen Gegebenheiten gemacht sind.

Julian  

Und von der Seite frisst sich dann auch noch die KI rein und das zusammen ist sehr explosiv. Das spüren Agenturen jetzt stark. Alle im Markt müssen sich transformieren, vielleicht nicht nur ein Stück weit, sondern ein größeres Stück. Aber es ist nicht nur der KI geschuldet. Künstliche Intelligenz ist eher ein Brandbeschleuniger. Ich sehe es so, dass sich der Ton aufgrund der wirtschaftlichen Gegebenheiten geändert hat und viele Agenturen noch auf alten Strukturen sitzen. Diese müssen jetzt zuerst aufgebrochen werden.

Alexander  

Du sprichst Strukturen an. Du hast gesagt, Agenturen sind in den letzten Jahren oft sehr schnell gewachsen. Du bist ja nicht der Meinung, dass der Agenturmarkt zusammenbricht. Allein durch deine Software würdest du ja keine Agentursoftware entwickeln, wenn du glauben würdest, dass der Markt kollabiert. Du bist eher optimistisch und sagst, es liegt an den Strukturen. Was meinst du mit Strukturen? Interne Strukturen, wie eine Agentur aufgebaut ist? Oder eher, wie sie servicemäßig aufgestellt ist? Viele schnell gewachsene Agenturen sind ja Voll‑Service‑Agenturen geworden. Oder liegt die Zukunft eher bei spezialisierten Agenturen, die nur Social Media, Paid, Performance oder Content anbieten? Oder geht es doch um interne Strukturen?

Julian  

Ich bin überzeugt, dass Spezialisten immer gefragt bleiben. Sie haben spezialisiertes Know‑how und das wird immer gebraucht. Als Spezialist ist man nie schlecht positioniert. Das andere ist: Wenn ich Onboardings mit neuen Kunden für unsere Plattform mache, sehe ich oft, dass sie ihre internen Prozesse kaum dokumentiert haben und sie sie auch kaum benennen können. Nicht, weil sie unfähig wären, sondern weil jedes Projekt individuell von den jeweiligen Projektleiterinnen und Projektleitern ausgestaltet wird.  

Sie haben keinen Systemansatz in der Agentur verankert, der sagt: So arbeiten wir. Das ist unser Prozess. Den ziehen wir bei jedem Projekt mit jedem Kunden gleich durch. Natürlich nie zu 100 Prozent, aber zumindest zu 90 Prozent. Und darauf kann man Prozesse optimieren und Effizienzen schaffen.  

Bei vielen Agenturen fehlt das. Das ist auch der Grund, warum sie zu uns kommen, weil sie technologische Unterstützung suchen. Während der Wachstumsphase fiel das nicht auf. Ein zusätzlicher Headcount fiel nicht ins Gewicht. Aber jetzt, wo Budgets zurückgehen, fehlen ein paar Euro oder ein paar Schweizer Fränkli. Und dann fällt es ins Gewicht. Das zeigt sich im EBIT am Jahresende.

Alexander  

Wir sind also wieder beim Thema Silos. Nicht nur zwischen Marketingdisziplinen, sondern auch Projektsilos innerhalb der Agentur. Es wäre sinnvoll, diese aufzubrechen und Projekte ganzheitlich zusammenzuführen. Du hast immer diesen schönen Begriff des Agentur‑Operating‑Systems. Dass man alles zusammenführt, um sich flexibler aufzustellen.

Julian  

Ja, unbedingt. Es ist egal, auf welcher Plattform man das macht. Es kann auch ein Google Drive sein. Wichtig ist, dass alle Inhalte am gleichen Ort mit der gleichen Naming Convention abgelegt sind. Das sind einfache Dinge, aber sie sind das A und O.  

Wenn jemand ausfällt, kann die nächste Person sofort übernehmen, ohne Zeit zu verlieren, weil das Projekt genauso aufgebaut ist wie alle anderen. Das sind Kleinigkeiten, die aber ein Multiplikator sind. Wenn ich sie nicht sauber umsetze, verliere ich als Agentur am Ende des Tages Geld.

Alexander  

Ich plaudere mal aus dem Nähkästchen. Wir kennen uns ja schon länger und reden viel miteinander. Du hast oft gesagt, Content ist eigentlich der wertvollste Asset, den Agenturen haben. Das sagst du immer wieder. Ich war überrascht, dass dieser Gedanke noch nicht überall angekommen ist. Warum siehst du Content als so wichtigen Business‑Asset, den man höher ansiedeln muss?

Julian  

Es ist nicht nur der wichtigste Asset für eine Agentur, sondern vor allem für den Kunden oder das Unternehmen. Content ist heute eine der wichtigsten Ressourcen in einer Organisation. Wenn ich diese Ressourcen sauber verwalte, ablege, manage und damit umgehe, kann ich immer wieder darauf zurückgreifen.  

Gerade in dieser feinteiligen Welt mit Social Media und vielen Kanälen, wo Inhalte eine kurze Laufzeit haben, brauche ich eine große Menge davon. Wenn ich Inhalte strukturiert manage, kann ich sie immer wieder anpassen und neu ausspielen.  

Wenn Content aber verzettelt in verschiedenen Abteilungen liegt, wird es immer schwieriger, ihn zu nutzen. Zentral verwaltet ist es viel einfacher.

Alexander  

Wie würdest du einen Ausblick geben? Bei der wirtschaftlichen Situation wissen wir nicht, was die Zukunft bringt. Hoffentlich nichts Schlimmes, wir haben seit Corona genug durchgemacht. Wie glaubst du, wird sich der Agenturmarkt entwickeln? Und du hast gesagt, KI wird manchmal als Ausrede genutzt. Wird KI irgendwann der wichtigste Treiber für die Entwicklung des Agenturmarkts oder bleibt die wirtschaftliche Lage entscheidend?

Julian  

Meine persönliche Meinung zur KI ist: Sie hat eine unglaubliche Entwicklung in den letzten 36 Monaten gemacht. Als ChatGPT mit Version 3.5 veröffentlicht wurde, hat das eingeschlagen wie eine Bombe. Niemand konnte glauben, was plötzlich möglich war, obwohl es eigentlich absehbar war. Die Modelle wurden schon in den 70er oder 80er Jahren entwickelt, aber die Rechenleistung fehlte.  

Es gab schon 2018 oder 2019 erste GPT‑Prototypen. Aber vor etwa drei Jahren kam es für die breite Masse und hat eine enorme Entwicklung hingelegt. Ich mache aber ein Fragezeichen, ob es im gleichen Tempo weitergeht. Da habe ich große Zweifel.  

Wir sehen: KI ist unglaublich gut in Recherche und Texterstellung. Wobei Recherche auf den ersten Blick gut wirkt, aber in der Tiefe schwieriger wird. In der Texterstellung hat KI viel ersetzt. Bei Bild und Video, wenn es wirklich markenkonform sein soll, beginnt es zu ruckeln. Da mache ich Fragezeichen, ob das Tempo so bleibt.  

Den Menschen braucht es weiterhin, vor allem in den nächsten fünf Jahren. Menschen müssen gemeinsam mit KI gute Inhalte produzieren. Was in 20 oder 30 Jahren ist, kann ich mir schwer vorstellen, aber ich glaube nicht, dass es kurzfristig so schnell weitergeht wie bisher.

 Auch Agenturen haben weiterhin ihre Daseinsberechtigung. Du hast es vorher korrekt gesagt: Wir entwickeln eine Software für Agenturen, sonst würden wir es nicht tun. Agenturen bleiben wichtig. Es braucht Spezialisten, die mit KI‑Tools umgehen können. Nicht alles kann in‑house gemacht werden. Es basiert nicht auf Knopfdruck. Jeder, der mit diesen Tools arbeitet, weiß: Es ist nicht so schnell gemacht. Es braucht viele Iterationen, bis man ein gutes Ergebnis hat. Und das kann weiterhin von Agenturen geleistet werden.

Alexander  

Das ist doch ein interessanter Ausblick. Dann beobachten wir das einfach mal und holen dich irgendwann wieder in den Podcast. Dann schauen wir, was sich bewahrheitet hat und was nicht. Und hoffentlich bessert sich bis dahin auch die Weltlage.  

Ich habe auch noch etwas mitgebracht. Wir haben ja immer unsere Social Wins und Fails am Ende jeder Folge. Und beim Stichwort KI habe ich heute etwas, das gleichzeitig Win und Fail ist. Win, weil es ein mega lustiges Tool ist. Fail, weil es uns Menschen irgendwie den Spiegel vorhält.  

Die KI‑Übersetzungsfunktion von Kagi hat jetzt ein LinkedIn‑Feature. Da kannst du alles eingeben und es wird in LinkedIn‑Sprache übersetzt. Ich habe das Tool getestet mit dem Satz: Ich war heute einkaufen. Das Tool macht daraus:  

Heute ging es darum, meine persönlichen Supply Chains zu optimieren. Ich habe einen Deep Dive in lokale Markttrends genommen, damit meine Ressourcen für diese Woche maximal effizient sind. Es geht nicht einfach nur um Einkaufen, es geht um strategisches Anpassen an meine Umwelt. Wie hast du heute deine Logistik aufgelevelt? Lass uns connecten und diskutieren.  

Ich finde es mega witzig, weil die KI ja mit dem trainiert wurde, was früher auf LinkedIn stand. Und es ist lustig, wie diese KI LinkedIn sieht.

Julian  

Ich habe es auch gesehen, ich habe es gestern entdeckt. Ich musste sehr schmunzeln über das Beispiel. Aber eigentlich braucht man diesen Translator gar nicht. Man kann einfach seinen LinkedIn‑Feed öffnen. Der ist voll von diesem Zeug. Ich hoffe sehr, dass das bald wieder abnimmt, weil ich wirklich Augenkrebs bekomme, wenn ich diese Announcements lese. Ich denke mir jedes Mal: Oh Gott.

Alexander  

Aber wir haben ja zum Glück coolen Content, wie hier im Podcast. Vielen Dank, dass du heute da warst. Viele Grüße in die Schweiz.

Julian  

Danke Alex, tschüss, mach’s gut.

Alexander  

Und liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, macht’s gut. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.



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Metas neuer Creative Setup Workflow: Was sich wirklich ändert – und warum das nicht nur eine UI-Frage ist!


Gastbeitrag von Julian Schweizer

Änderungen im Meta Ads Manager sind nichts Neues. Wer regelmäßig mit Facebook- und Instagram-Werbung arbeitet, hat sich längst daran gewöhnt, dass Buttons verschwinden, Menüs umziehen und Prozesse plötzlich anders aussehen als gestern noch. Meistens sind das kleine Anpassungen – manchmal nervend, selten wirklich bedeutsam.

Diesmal ist es anders.

Seit April 2026 rollt Meta einen grundlegend neuen Creative Setup Workflow im Ads Manager aus. Was zunächst wie ein Interface-Update aussieht, verändert in Wirklichkeit, wie du als Werbetreibender Kontrolle über deine Anzeigen ausübst. Und je nachdem, wer du bist, ist das entweder eine Erleichterung – oder ein ernstes operatives Problem.

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Kurzer Exkurs: Wie ist eine Meta-Anzeige eigentlich aufgebaut?

Um zu verstehen, was sich ändert, hilft ein kurzer Blick unter die Haube.

Eine Meta-Anzeige besteht aus zwei zentralen Komponenten: dem Creative und dem Ad.

Das Creative enthält alle gestalterischen Elemente deiner Anzeige – Text, Bild, Video. Je nach Anzeigentyp wird das Creative technisch über unterschiedliche API-Felder definiert.

Das Ad hüllt das Creative ein. Bisher standen im Ads Manager drei Typen zur Verfügung:

Standard Anzeigenformat – ein Bild oder Video, eine Platzierungskonfiguration. Du hast exakt definiert, was wo erscheint. Technisch gesteuert über object_story_spec.

Dynamic Creative – du lieferst mehrere Bilder, Videos, Texte und CTAs, Meta testet automatisch alle Kombinationen und optimiert, welche Elementkombination für welchen Nutzer am besten funktioniert. Wird schrittweise aus dem UI entfernt – technisch unterstützt die API noch alle Kampagnenziele. Gesteuert über asset_feed_spec.

Flexible Ads – du lädst bis zu 10 Bilder oder Videos hoch, Meta entscheidet automatisch ob die Anzeige als Single Image, Video oder Carousel ausgespielt wird. Bisher hauptsächlich für Sales- und App-Promotion-Kampagnen verfügbar. Technisch gesteuert über creative_asset_groups_spec.

Diese drei Typen bleiben technisch im Hintergrund bestehen. Was sich ändert, ist das UI.

Was der neue Workflow konkret bedeutet

Meta führt im Ads Manager einen einheitlichen Creative Setup Workflow ein, der alle Kampagnenziele abdeckt. Die bisherige Unterscheidung zwischen den drei Anzeigentypen verschwindet aus dem Interface – stattdessen gibt es einen nahezu vereinheitlichten Erstellungsprozess.

Die Auswahl eines Creative Setups im Meta Business Manager. Ausgewählt werden können entweder einer Bilder Anzeige oder eine Video Anzeige.
Der neue Erstellungs-Workflow im Anzeigenmanager von Meta. Quelle: Screenshot aus dem Meta Ads Manager.

In der Praxis funktioniert das so: Du lädst bis zu 10 Bilder oder Videos für eine einzige Anzeige hoch. Für jedes Creative lässt sich individuell festlegen:

  • Drei Crops pro Creative für die gängigen Seitenverhältnisse (quadratisch, vertikal, horizontal)
  • Eigener Primarytext, Headline und Beschreibung pro Creative
  • Individuelle Ziel-URL pro Creative
  • Placements ein- oder ausschalten pro Creative
Die Auswahl der Medieninhalte für eine Anzeige im Meta Ads Manager. Möglich sind biz zu 10 Bilder und Videos pro Anzeige.
Neu: Du bestimmt bis zu 10 Bilder/Videos pro Anzeige. Quelle: Screenshots aus dem Meta Ads Manager.

Das klingt nach mehr Kontrolle – und auf Creative-Ebene ist es das auch. Wer bisher separate Anzeigen für verschiedene Creatives oder Produkte angelegt hat, kann das künftig in einer einzigen Anzeige zusammenfassen – mit individuellem Text und individueller URL pro Bild.

Dazu kommt ein lang ersehntes Feature: Performance-Reporting pro Creative Asset. Wer mit Flexible Ads gearbeitet hat, kennt den Schmerz – die Reporting-Granularität war kaum vorhanden. Das ändert sich jetzt.

Was du verlierst

Soweit die guten Nachrichten. Nun zur anderen Seite.

Was der neue Workflow nicht mehr bietet, ist die präzise Steuerung darüber, welches Creative in welchem Format auf welcher Platzierung ausgeliefert wird. Meta übernimmt diese Entscheidung automatisch – und ergänzt deine Assets dabei eigenständig mit KI-generierten Elementen wie Musik, Text-Overlays oder automatisch generierten Bildvarianten.

Du kannst zwar noch bestimmen, auf welchen Placements bestimmte Creative-Varianten nicht laufen sollen. Aber die Grundlogik hat sich verschoben: Nicht mehr du entscheidest vollständig, was wo und wie erscheint. Meta entscheidet – mit dem Algorithmus als Regisseur.

Der Medieneditor im Ads Manager. Abgebildet ist die Funktion zum Zurechtschneiden von Bildern.
Pro Bild/Video bestimmst du nun den Ausschnitt für die unterschiedlichen Platzierungen. Quelle: Screenshot aus dem Meta Ads Manager.

Hinzu kommen konkrete technische Einschränkungen beim Cropping: Für das quadratische Format steht nur 1:1 zur Verfügung, obwohl Meta offiziell auch 5:4 unterstützt. Für vertikal gibt es nur 9:16, obwohl 4:5, 3:4 und 2:3 laut Dokumentation ebenfalls gültig wären. Wer für den Feed auf 4:5 setzt – was viele Profis tun – kommt im neuen Workflow aktuell nicht zum Zug.

Für wen das funktioniert – und für wen nicht

Für den einfachen Werbetreibenden ist dieser Wandel eine echte Vereinfachung. Du lädst deine besten Assets hoch, und Meta erledigt den Rest. Kein manuelles Anpassen von Formaten, kein Nachdenken über Platzierungsstrategien. Der Einstieg wird niedrigschwelliger, und in vielen Fällen wird der ROAS – so zumindest das Versprechen von Meta – besser sein als bisher.

Für professionelle Werbetreibende und Marken mit klaren Brand Guidelines ist die Situation eine andere.

Wer exakt steuern muss, welche Botschaft in welchem Format auf welchem Placement erscheint, verliert genau das im UI. Meta könnte ein Bild anders zuschneiden, einen Text-Overlay setzen oder Musik hinzufügen – ohne Vorschau, ohne Freigabe.

Ein konkretes Beispiel: Ein Autohersteller bewirbt ein Leasing-Angebot und ist gesetzlich verpflichtet, die Finanzierungs-AGBs sichtbar und vollständig in der Anzeige darzustellen. Wird das Bild automatisch zugeschnitten oder von einem KI-generierten Element überlagert, können genau diese Pflichtangaben wegfallen. Autohersteller sind bei weitem nicht die einzige Branche, in der das ein ernstes Problem ist – überall dort, wo regulatorische oder markenrechtliche Anforderungen an Werbemittel bestehen, wird der neue UI-Workflow zur Herausforderung.

Die entscheidende Unterscheidung: UI vs. API

Hier kommt der wichtigste Punkt für alle, die professionell mit Meta Ads arbeiten.

Der neue Creative Setup Workflow ist eine Änderung im User Interface des Meta Ads Managers. Im Hintergrund läuft bei Meta alles nach wie vor wie bisher – Dynamic Creative, Flexible Ads und das Standard Anzeigenformat bleiben als technische Grundlage vollständig erhalten.

Das bedeutet: Über die Meta Ads API können professionelle Werbetreibende weiterhin exakt definieren, welches Video oder Bild in welchem Format auf welcher Platzierung ausgespielt werden soll. Die technische Kontrolle ist nicht verloren – sie wurde lediglich aus dem UI entfernt.

Wer also bisher alles über die Benutzeroberfläche gesteuert hat, steht vor einer echten Herausforderung. Wer über die API oder entsprechende Tools arbeitet – wie zum Beispiel die Plattform des Autors, über die er an dieser Stelle aus rein journalistischen Gründen schweigt – kann seine bisherigen Workflows weitgehend beibehalten.

Ein Tausch, kein reiner Verlust – aber du musst dich entscheiden

Der neue Meta Creative Setup Workflow ist kein einfacher Kontrollverlust. Er ist ein Tausch: mehr Flexibilität und besseres Reporting auf Creative-Ebene, weniger Kontrolle über Format und Platzierung im UI.

Für viele wird das funktionieren. Für manche sogar besser als bisher.

Aber wer Kontrolle über seine Markenkommunikation aus gutem Grund braucht, sollte sich jetzt mit der API-seitigen Steuerung vertraut machen. Denn im UI wirst du diese Kontrolle bald nicht mehr finden – und „bald“ ist in diesem Fall bereits angekommen.

Hast du den neuen Creative Setup Workflow bereits in deinem Account? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag. Es besteht keine bezahlte Kooperation.



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Social-Media-Marketing und Community-Management: Warum das eine ohne das andere nicht funktioniert


Social-Media-Marketing ist in den meisten Unternehmen klar strukturiert. Es gibt Strategien, Redaktionspläne und definierte Ziele, an denen sich die Arbeit ausrichtet. Community-Management läuft in der Regel parallel dazu, wird aber selten gleichberechtigt gedacht. Das ist nicht gut und auch kein Zufall. Sondern es ist die direkte Folge davon, wie Social Media in vielen Organisationen verstanden wird: als Kanal zur Verbreitung von Inhalten.

Dieses Verständnis führt dazu, dass Social-Media-Marketing einer vergleichsweise einfachen Logik folgt. Inhalte sollen Reichweite erzeugen, Aufmerksamkeit binden und im besten Fall zu einer Handlung (im Unternehmen) führen. Diese Logik ist schlüssig, weil sie messbar ist. Entsprechend viel Aufwand fließt in Planung, Umsetzung und Optimierung der Inhalte. Die zentrale Frage lautet dabei meist: Welcher Content funktioniert. Weniger Beachtung findet, was nach der Veröffentlichung passiert. Also in dem Moment, in dem Menschen beginnen, auf Inhalte zu reagieren.

Und genau an diesem Punkt beginnt Community Management: Sobald Inhalte Reaktionen auslösen, verschiebt sich die Perspektive. Es geht nicht mehr um Ausspielung, sondern um Einordnung, sowohl von Inhalten als auch von Interaktionen. Kommentare, Rückfragen oder auch Kritik sind deshalb keine Störfaktoren, sondern ein zentraler Bestandteil von Social Media. Trotzdem wird Community-Management in der Praxis häufig auf das Reagieren reduziert: schnell antworten, freundlich bleiben, Diskussionen moderieren. Das ist operativ notwendig, beschreibt aber nur einen kleinen Teil dessen, was hier eigentlich passiert.

Denn in den Reaktionen steckt mehr als nur Interaktion. Sie zeigen, wie Inhalte verstanden werden, wo Erwartungen nicht erfüllt werden und welche Themen tatsächlich relevant sind. Diese Perspektive fehlt, wenn Social Media ausschließlich über (Plattform-)Kennzahlen gesteuert wird. Reichweite und Interaktionen geben Auskunft darüber, ob Inhalte gesehen werden. Sie sagen aber wenig darüber, wie sie eingeordnet werden. Genau diese Einordnung entscheidet jedoch darüber, welchen „Wert“ ein Inhalt hatte.

Das Problem liegt dabei weniger im fehlenden Verständnis als in der Struktur. In vielen Teams ist Community-Management kein eigener Bestandteil der Strategie, sondern (notwendiger) Teil der Umsetzung. Es gibt keine klaren Ziele, keine systematische Auswertung und kaum eine Verbindung zu anderen Bereichen. Feedback aus der Community bleibt punktuell, statt in die weitere Arbeit einzufließen. Während Content kontinuierlich optimiert wird, fehlt die gleiche Konsequenz im Umgang mit den Reaktionen darauf.

Die Folge ist, dass Social Media in der Praxis oft wie ein Einbahnstraßen-Kanal funktioniert. Inhalte werden ausgespielt und anschließend verwaltet, aber nicht weiterentwickelt. Themen werden gesetzt, ohne sie aus der Interaktion heraus zu schärfen. Das funktioniert, solange der Fokus auf Reichweite liegt. Sobald es um Wirkung geht, wird es zum Problem, weil eben eine zentrale Perspektive fehlt.

Community-Management verändert genau diese Perspektive. Es verschiebt den Blick weg von der Frage, was funktioniert, hin zu der Frage, warum etwas funktioniert oder eben nicht. Das betrifft nicht nur einzelne Inhalte, sondern die gesamte Ausrichtung. Ja, manchmal sogar die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Themen, Formate und Prioritäten lassen sich anders bewerten, wenn die Reaktionen der Community systematisch einbezogen werden. Und ehrliches Community-Feedback hilft dabei, das eigene Angebot zu schärfen und zu verbessern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Community Management nicht nur mitläuft, sondern bewusst eingeplant und gesteuert wird.

Fazit

Social-Media-Marketing sorgt dafür, dass Inhalte sichtbar werden. Community Management entscheidet, wie sie aufgenommen und eingeordnet werden. Beides gehört zusammen, erfüllt aber unterschiedliche Aufgaben. Solange dieser Unterschied nicht berücksichtigt wird, bleibt ein Teil der Wirkung ungenutzt.



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Feed und Fudder Podcast 81 – Social Media Verbot!?




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