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Deutz AG modifiziert visuelles Erscheinungsbild – Design Tagebuch


Die Deutz AG präsentiert sich seit Kurzem mit einem neuen visuellen Erscheinungsbild. Der Motorenhersteller und Anbieter von Mobilitäts- und Energielösungen möchte damit die innerhalb des Unternehmens in den vergangenen Jahren vollzogene Transformation unterstreichen.

Die Deutz AG ist ein weltweit tätiger, unabhängiger Motorenhersteller mit Hauptsitz in Köln. Das Unternehmen wurde 1864 von Nicolaus August Otto und Eugen Langen unter dem Namen N. A. Otto & Cie. gegründet. Es gilt als die erste Motorenfabrik der Welt. Das Kerngeschäft umfasst die Entwicklung und Produktion von Diesel-, Gas- und Elektroantrieben für Einsatzbereiche wie Landtechnik, Bauwirtschaft und Materialhandhabung. Ergänzt wird das Portfolio durch weltweite Serviceleistungen und digitale Lösungen. Heute beschäftigt Deutz rund 6.000 Mitarbeiter weltweit.

Vor dem Hintergrund der Weiterentwicklung des Unternehmens vollzieht die Deutz AG ein Rebranding. Das neue Erscheinungsbild sei Ausdruck von Offenheit, Fortschritt und Innovationskraft und mache Tradition und Transformation nach innen wie nach außen sichtbar.

Deutz Branding Visual, Quelle: Deutz AG
Deutz Branding Visual, Quelle: Deutz AG

Auszug der Pressemeldung

Mit der Unternehmensstrategie „Next DEUTZ“ hat sich DEUTZ breiter aufgestellt und seine Widerstandsfähigkeit gestärkt. Auf die strategische Neuausrichtung und die Einführung einer neuen Organisationsstruktur mit fünf Business Units folgt nun der nächste konsequente Schritt: ein Markenauftritt, der die Transformation auch visuell auf den Punkt bringt. „Unsere neue Marke verbindet Bewährtes mit Neuem“, sagt DEUTZ-CEO Dr. Sebastian Schulte. „Tradition, Verlässlichkeit und der Stolz auf unsere Herkunft bleiben spürbar – etwa in der Unternehmensfarbe Rot oder im Symbol des Ulmer Münsters. Gleichzeitig steht der neue Auftritt für Offenheit, Fortschritt und Innovationskraft. Das offene D im neuen Logo-Schriftzug symbolisiert beispielsweise Zusammenarbeit und Transparenz, die Farbe Gelb Zukunftsoptimismus und Mut.“

Deutz Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Deutz AG, Bildmontage: dt
Deutz Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Deutz AG, Bildmontage: dt

Das neue Logo unterscheidet sich sowohl im Aufbau als auch im Ausdruck vom bisherigen Unternehmenszeichen. Statt zentrisch untereinander sind Bildmarke und Wortmarke nebeneinander angeordnet. Dabei wurden die Proportionen zugunsten der rechtsseitig der Bildmarke platzierten Wortmarke verändert – letztere ist künftig deutlich größer dargestellt.

Der Name – DEUTZ – ist weiterhin in Versalien gehalten, allerdings ist die Wortmarke in einer anderen Groteskschrift gesetzt. Die Buchstaben laufen noch einmal etwas breiter als jene im bisherigen Logo. Die lineare Strichstärke und insbesondere der fehlende Stamm im D verleihen der Wortmarke einen technischen Look. Der im bisherigen Logo enthaltene rote Unterstrich entfällt künftig.

Die Bildmarke bleibt erhalten, wurde allerdings kaum merklich verändert. Die Strichstärke ist marginal dicker. Bei diesem Logo handelt es sich um das traditionelle Markenzeichen von Magirus-Deutz, das erstmals im Jahr 1925 verwendet wurde und eine stilisierte Silhouette des Ulmer Münsters in Kombination mit einem M für Magirus darstellt.

Unter next.deutz.com wird die Transformation des Unternehmens in Verbindung mit dem neuen visuellen Erscheinungsbild dokumentiert und präsentiert.

Begleitet wurde der Designprozess durch die Agentur Strichpunkt Design.

Kommentar

Ein Farbspektrum mit Differenzierungsqualität. Zwischen den vielen ultramarinblauen Unternehmensidentitäten, wie sie in der Industriebranche bestehen (siehe ähnliche Beiträge unten), sticht Deutz hervor.

Farbnamen wie „Energy Red“, „Dark Steel“, „Medium Steel“, „Light Steel“ und „Visionary Yellow“ lassen die Intention erkennen, der Marke eine über das Visuelle hinausgehende Sinnhaftigkeit zu verleihen. Der Farbname ist zweierlei: Selbstanspruch (nach innen gerichtet) und Botschaft (nach außen signalisierend). „Visionary“ wird zum Auftrag und zur Zielvorgabe. Mit Farbnamen wird Politik gemacht! In Bezeichnungen wie „Cadenabbia-Türkis“ und „Rhöndorf-Blau“ ist die politische Dimension derlei Namen besonders offensichtlich. Von beidem versprechen sich die jeweils Verantwortlichen eine Wirkung, von der Strahlkraft der betreffenden Farbe und von der Bedeutung des zugehörigen Farbnamens.

Bildmarke und Wortmarke bilden kein harmonisches Ganzes, so jedenfalls meine persönliche Wahrnehmung. Die jeweiligen Zeichen korrespondieren nicht wirklich miteinander. Beim bisherigen Logo ist es die gemeinsame Mittelachse, die beide Element bündelt. Auch von der Statik her ist dieses Zeichen ganz anders. Die Wortmarke bildet eine Art Sockel, verankert das Gesamtgebilde. Im neuen Logo begegnen sich Bildmarke und Wortmarke hingegen auf zwei unterschiedlichen Grundlinien. Die gedachte Senkrechte im offenen „D“ trifft zur linken Seite auf zwei Schrägen. Es fehlt das Verbindende. Die „Not“ wird kurzerhand zur Tugend erklärt, könnte man kommentieren. Statt gemeinsam, lässt man beide Zeichen einzeln in Erscheinung treten, wie im Webauftritt unter deutz.com, wo die Wortmarke „DEUTZ“ als alleiniger Hauptabsender dient, während das M-Signet als responsive Variante fungiert. Auch in anderen Anwendungen (Flaggen, Social Media) sind Wortmarke und Bildmarke jeweils solitär abgebildet. Eine Handhabe, die einer gängigen Praxis entspricht (siehe Deutsche Bank, Lufthansa, Mercedes, u.a.).

Insgesamt eine sinnvolle zudem optisch ansprechende Weiterentwicklung.

Mediengalerie

Weiterführende Links



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Im Kreativbusiness tätig, aber unsichtbar?! › PAGE online


»Sichtbarkeit ist eine Form von unternehmerischer Vorsorge«, sagt Jana Weithaler. Das gelte auch für die Preisgestaltung, nicht nur für Akquise. Earned Media kann dabei helfen, die Auffindbarkeit zu steigern – in vielen Fällen bringt das langfristig mehr als ein Social-Media-Post.

Im Kreativbusiness tätig, aber unsichtbar?! › PAGE online
Foto: Lara Ohl

Das Thema Sichtbarkeit ist für viele eine ungeliebte alltägliche Begleitung, man muss sich darum kümmern, hat aber häufig zu wenig Zeit – oder keine Lust. Das gilt für Freelancer:innen, kleine Designstudios und große Agenturen gleichermaßen. Doch nicht nur das, es wird auch regelmäßig unterschätzt, obwohl das Thema für langfristigen Erfolg so wichtig ist.

PAGE hat bei Jana Weithaler, Kommunikationsexpertin und Gründerin von Story Hype, nachgefragt, warum das so ist und weshalb Earned Media hier oft ein besserer Ansatz ist als Social Media.

PAGE: Warum unterschätzen viele Sichtbarkeit systematisch?

Jana: Weil gute Arbeit immer noch als Selbstläufer gedacht wird. Viele glauben, wenn die Projekte stark sind, kommen die Kunden von alleine. Im Designbereich kommt dazu, dass Sichtbarkeit oft mit Selbstvermarktung gleichgesetzt wird, und die fühlt sich für viele unangenehm an. Dabei ist Sichtbarkeit kein Marketingtrick, sondern eine Voraussetzung, um überhaupt in Auftraggeber:innen-Köpfe zu gelangen. Wer nicht sichtbar ist, existiert für potenzielle Kund:innen auch nicht. Das andere Problem: Sichtbarkeit wird oft nur dann zum Thema, wenn die Auftragslage einbricht. Dann ist es aber meistens zu spät, weil PR und Markenaufbau einfach Zeit brauchen.

PAGE: Führt zu wenig Sichtbarkeit dazu, dass das Business langfristig schlechter läuft?

Jana: Definitiv. Wer nicht sichtbar ist, lebt von Empfehlungen und Bestandskund:innen. Das ist ein ziemlich fragiles Modell. Sobald ein wichtiger Auftrag wegbricht oder die Konjunktur schwächelt, fehlt der Puffer. Sichtbarkeit ist eine Form von unternehmerischer Vorsorge. Sie ist die Basis für eine Akquise-Pipeline, die unabhängig vom aktuellen Auftragsbestand funktioniert. Außerdem verändert sie das Gespräch mit potenziellen Kund:innen grundlegend. Wer in relevanten Medien stattfindet oder als Stimme zu bestimmten Themen wahrgenommen wird, muss sich seltener erklären und kann höhere Honorare durchsetzen. Sichtbarkeit ist also auch ein Hebel für die Preisgestaltung, nicht nur für Akquise.

Endlich mit dem Selbstmarketing starten. Tipps für Akquise für KreativeEndlich Eigenmarketing starten mit Hilfe der PAGE Academy: Wie gelingt Eigenmarketing, das authentisch ist UND funktioniert? In unserem Impuls-Webinar am 11. Juni 2026 zeigt Akquise-Expertin Katrin Saleike, wie Designer:innen und Kreative mit einem klaren System regelmäßig wertschätzende Kund:innen und gut bezahlte Aufträge gewinnen.

PAGE: Viele setzen beim Thema Sichtbarkeit auf die sozialen Netzwerke, ist das immer noch der richtige Weg?

Jana: Social Media ist ein Kommunikationskanal von vielen. Das Problem ist: Wer ausschließlich auf Instagram oder LinkedIn setzt, baut auf gemieteter Reichweite. Wir wissen alle, wie schnell sich Algorithmen ändern können oder Plattformen Relevanz verlieren – wie zum Beispiel Facebook. Zudem verschwinden Inhalte im Feed nach wenigen Stunden. Was ich oft sehe und als größtes Problem wahrnehme: Social Media ist eine Bubble. Wer dort sichtbar ist, erreicht sehr oft andere aus der eigenen Branche, nicht aber die Auftraggeber, die man eigentlich gewinnen will. Wenn ich also soziale Netzwerke als meinen Hauptkanal nutze, muss ich mich fragen, wer meine Posts sieht, mit diesen interagiert und ob das wirklich meine Zielgruppe ist. Echte Reichweite und vor allem Glaubwürdigkeit entstehen oft woanders. Wer nur auf eigene Kanäle setzt, verpasst die Hebelwirkung von Medien, die bereits eine relevante Leserschaft haben.

PAGE: Was leistet Earned Media, was Social Media nicht kann?

Jana: Earned Media bringt mehr Glaubwürdigkeit. Wenn ein:e Journalist:in über jemanden schreibt, hat er:sie die Person geprüft, eingeordnet und für berichtenswert befunden. Er:sie ist ja quasi wie ein Gate-Keeper. Das ist meiner Meinung nach eine andere Währung als ein veröffentlichter Social-Media-Post. Social Media hat seinen Platz. Es ist großartig, um eigene Arbeiten zu zeigen, ein Portfolio aufzubauen, mit Kolleg:innen in den Austausch zu gehen oder kurzfristig Aufmerksamkeit für ein konkretes Projekt zu erzeugen. Aber Social Media ist kein Ersatz für redaktionelle Berichterstattung, sondern eine Ergänzung. Viele Freelancer:innen, Designstudios und Agenturen haben Earned Media allerdings nicht auf dem Schirm. Sie denken bei Sichtbarkeit reflexartig an Instagram oder LinkedIn, aber kaum an Fachmedien, Wirtschaftspresse oder Branchenmagazine, die von der eigenen Zielgruppe gelesen werden. Dazu kommt die Halbwertszeit: Ein guter Artikel in einem Fachmagazin oder in einer Tageszeitung wird oft über Jahre gelesen, geteilt, zitiert und taucht in Google-Suchen auf. Ein Social-Media-Post ist nach drei Tagen vergessen. Wer langfristig sichtbar sein möchte, kommt um Earned Media nicht drumherum.

PAGE: Gibt es konkrete Tipps, um Earned Media anzugehen?

Jana: Zuerst würde ich empfehlen, Themen zu finden, die über das eigene Portfolio hinausgehen. Wer nur eigene Projekte zeigt, ist austauschbar. Wer eine klare Haltung zu Branchenfragen hat, sich zu Trends äußert oder zu Themen wie KI im Design, Nachhaltigkeit sowie Brand Building – oder zum Wandel der Kreativbranche eine Meinung formuliert, wird für Stakeholder der Kreativbranche und im Speziellen für Journalist:innen interessant.

Zweitens: Themen besetzen, statt einzelne Projekte zu pitchen. Es gibt seltener einen Artikel, weil ein Studio einen neuen Kunden gewonnen hat. Aber sehr wohl, wenn dieses Studio über aktuelle Herausforderungen sprechen kann.

Drittens: Die richtigen Medien für die eigene Zielgruppe identifizieren, nicht die größten. Ein Fachmedium mit 20.000 relevanten Leser:innen und somit potenziellen Auftraggeber:innen, ist wertvoller als eine Tageszeitung, in der man untergeht. Wer Kund:innen im Mittelstand sucht, sollte in Wirtschaftsmedien sichtbar sein, nicht nur in Designmagazinen.

Und viertens: Beziehungen zu Redaktionen und anderen Content-Verantwortlichen aufbauen und herausfinden, was welche Zielgruppen wirklich interessiert. Massenmails nach dem Gießkannen-Prinzip helfen wenig.

Danke. 



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Umwerfend modern: Pentagram rebrandet St. Paul’s Cathedral › PAGE online


Our 18th century doors are open: Pentagram hat die legendäre St. Paul’s Cathedral, Gotteshaus, Wahrzeichen und Touristenattraktion mit einer neuen Visual Identity versehen, die alle willkommen heißt – und bei der die Steinmetze der Kathedrale eine besondere Rolle spielten.

Umwerfend modern: Pentagram rebrandet St. Paul’s Cathedral › PAGE online

Was für eine Aufgabe! Ein solch legendären Ort mit einer neuen Visual Identity zu versehen: St. Paul’s Cathedral, die von 1710 bis 1963 das höchste Gebäude Londons war und, nahe der Themse gelegen, bis heute die Skyline der Stadt prägt.

Genauso berühmt wie ihre spektakuläre Kuppel ist ihre Flüstergalerie. Und auch, wie die Kathedrale den 28 Bomben, die im Blitzkrieg 1940 auf sie herabregneten, standhielt.

»The People’s Cathedral« wird sie liebevoll genannt und möchte mit einer neuen Visual Identity unterstreichen, dass sie ein Ort der Einkehr und Besinnung, des Glaubens und des Feierns ist, »eine Kathedrale für London und die Welt« in der jeder willkommen ist.

Nachdem die Verantwortlichen Pentagram’s Arbeit für »The Book of Kells Experience« und für das »Jane Austen’s House« gesehen hatten, kamen sie die Kreativen zu. Der Londoner Pentagram-Partner Dominic Lippa übernahm – und entwickelte mit seinem Team eine Identity, die nicht nur tief in der Historie verwurzelt ist, sondern auch umwerfend modern.

 



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Wenn KI denkt, hören wir dann auf zu denken? › PAGE online


KI verändert Design nicht nur als Werkzeug, sondern als Denkpartner im Prozess der Bedeutungsbildung. Die Masterarbeit von Tim Milwa zeigt, wie sich Gestaltung von Kontrolle und Produktion hin zu einem relationalen, interpretativen Prozess verschiebt.

Wenn KI denkt, hören wir dann auf zu denken? › PAGE onlineBild: Tim MilwaKI-Modelle können in Sekundenschnelle Bilder, Texte und visuelle Inspirationen produzieren und verändern damit nicht nur die Geschwindigkeit gestalterischer Prozesse, sondern auch ihr grundlegendes Verständnis. Was bedeutet es heute noch zu gestalten, wenn ein KI-Tool auf Knopfdruck Bilder generiert? Wo liegt die Grenze zwischen Werkzeug und Mitgestalter:in? Und wer trägt kreative Verantwortung, wenn Gestaltung zunehmend ein Zusammenspiel zwischen menschlicher Intention und algorithmischen Systemen wird?

Mit diesen Fragen setzt sich Tim Milwa in seiner Masterarbeit »Intelligente Werkzeuge für Bedeutungsarbeit im Design« auseinander. Im Zentrum steht nicht technische Optimierung, sondern Gestaltung als Bedeutungsarbeit. Forschungsleitend ist die Frage: »Wie kann die Interaktion von Mensch und generativer KI gestaltet werden, um Menschen bei der Bedeutungsarbeit im Gestaltungsprozess zu unterstützen?«

Es geht nicht um Effizienz, sondern um ein verändertes Verständnis von Gestaltung. Nicht als lineare Umsetzung, sondern als interpretativer, kontextabhängiger Prozess, in dem KI zunehmend mitwirkt.

Gestaltung als Bedeutungsarbeit

Gestaltung wird in der Arbeit nicht als formale Disziplin verstanden, sondern als Praxis der Bedeutungsproduktion. Design ist dabei kein reines Lösen vorgegebener Probleme, sondern ein Prozess, in dem Probleme selbst erst definiert werden. Designer:innen gestalten damit aktiv Bedeutungsräume.

Gestaltung ist immer auch Interpretation: eine Auseinandersetzung mit Material, Kontext und Intention, die sich nicht vollständig standardisieren lässt. Genau hier entstehen Spannungen durch KI-Systeme.

Die hohe generative Kapazität von KI eröffnet zwar eine große Vielfalt an Varianten, begünstigt zugleich aber eine frühe Fixierung auf stimmig wirkende Vorschläge, deren Bewertung aber tiefe menschliche Reflexion benötigen würde. Viele der Automationen sorgen kurzfristig für Gewinne, verringern aber langfristig Lerneffekte für Designschaffende und untergraben damit die zukünftige Qualität der Ergebnisse. Während klassische Werkzeuge menschliche Intention unterstützen, bringen KI-Systeme eigene »Interpretationen« ein, die aus Trainingsdaten und statistischen Mustern entstehen.

Schwarz-weißes Diagramm zur Visualisierung von Denk- und Entwicklungsprozessen. Mehrere geschwungene Linien verlaufen vom Ausgangspunkt „Implicit Frame“ auf der linken Seite zu verschiedenen Endpunkten rechts. Die Linien kreuzen und verzweigen sich, begleitet von schwarzen und grauen Quadraten. Schwarze Quadrate markieren „Productive irritation“, während die Linien als „Scaffolded externalization“ gekennzeichnet sind. Die Pfade führen zu zwei Ergebnisbereichen: „Imaginable Frames“ sowie „(Un-)Imaginable Frames“. Die Grafik vermittelt den Eindruck komplexer, nichtlinearer Denk- und Gestaltungsprozesse.
Durch bewusste Irritationen von der KI (hier als kleine Quadrate dargestellt) sollen Designer:innen zu neuen Ideen angeregt werden. Bild: Tim Milwa

Zwischen Kontrolle, Offenheit und Emergenz

Ein zentrales Spannungsfeld ist die Frage nach Kontrolle. In klassischen Designprozessen gilt sie als zentrales Qualitätskriterium: Je präziser ein Ergebnis geplant und umgesetzt werden kann, desto höher wird die gestalterische Leistung bewertet. Kontrolle steht hier für Orientierung, Sicherheit und die klare Übersetzung einer Intention in ein Ergebnis.

KI-Systeme unterlaufen dieses Prinzip jedoch grundlegend, da ihre Ergebnisse trotz klar formulierter Eingaben nicht vollständig vorhersehbar sind. Selbst kleine Variationen im Prompt können zu stark unterschiedlichen Resultaten führen. Gestaltung verschiebt sich dadurch von einem Modell der Steuerung hin zu einem Prozess der Moderation. Designer:innen geben nicht mehr nur vor, was entsteht, sondern reagieren zunehmend auf das, was das System zurückspielt, bewerten und selektieren diese Vorschläge. Kontrolle wird damit nicht aufgehoben, sondern verteilt und neu ausgehandelt.

Eng damit verbunden ist das Konzept der Emergenz. Es beschreibt das Auftreten von Eigenschaften oder Ergebnissen, die nicht direkt aus den einzelnen Bestandteilen eines Systems ableitbar sind, sondern erst durch deren Zusammenspiel entstehen. Übertragen auf den Designprozess bedeutet das, dass Ergebnisse nicht vollständig im Voraus definierbar sind, sondern sich erst im Verlauf der Interaktion zwischen Mensch und KI herausbilden.

Verschiebung von Creative Agency

Eine der zentralen Fragen betrifft Creative Agency, also die Fähigkeit, bewusst gestalterisch zu handeln. Während diese klassisch beim Menschen liegt, verschiebt sich dieses Modell durch KI-Systeme.

Diese Vorstellung von geteilter Agency bedeutet jedoch nicht, dass menschliche Gestaltungsmacht verschwindet, sondern dass sie sich verändert. Designer:innen werden zu Kurator:innen oder Moderator:innen eines Prozesses, der nicht vollständig kontrollierbar ist.

Gleichzeitig wirft diese Entwicklung auch kritische Fragen auf: Wie lässt sich Verantwortung definieren, wenn Ergebnisse gemeinsam entstehen? Wer entscheidet, welche Vorschläge angenommen oder verworfen werden? Und inwieweit beeinflussen die Trainingsdaten und Algorithmen der Systeme die gestalterischen Entscheidungen?

»Kaleido«: Ein experimentelles Designprojekt

»Kaleido« ist ein experimentelles Werkzeug zur Erforschung der Mensch-KI-Interaktion. Es ist kein fertiges Produkt, sondern ein Forschungsinstrument, das neue Formen der Zusammenarbeit sichtbar macht. Nutzer:innen geben Impulse und erhalten visuelle Antworten, die nicht vollständig vorhersehbar sind und oft unerwartete Ergebnisse erzeugen.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass KI kreative Prozesse zwar beschleunigt, aber auch dazu führen kann, dass Ideen sich früh verfestigen und weniger Vielfalt entsteht. Designer:innen werden dadurch stärker zu Kurator:innen bestehender Vorschläge. Kaleido setzt genau hier an: Es soll nicht nur bei der Gestaltung helfen, sondern vor allem zum Nachdenken anregen. Durch gezielte Fragen der KI werden Entscheidungen, Bedeutungen und Kriterien im Designprozess sichtbar gemacht.

Das System funktioniert wie ein Overlay im Designprozess. Es hilft dabei, Ideen weiterzuentwickeln und neue Perspektiven zu eröffnen, anstatt direkt fertige Lösungen zu liefern. Das Ziel besteht darin, Gestaltung offen zu halten und als Raum für Experimente, Reflexion und neue Ideen im Umgang mit KI zu nutzen.

Screenshot einer experimentellen Design- und Interface-Umgebung mit Fokus auf eine Smartphone-Wetter-App.
Nutzer:innen werden durch den Prototypen dazu aufgefordert, Designs und Applikationen wie die Apple Wetter-App zu hinterfragen. Die KI fragt sie aktiv, welche Emotionen oder Werte sie mit bestimmten Designs verbinden. Bild: Tim Milwa

Erkenntnisse über Verschiebungen im Design

Die Arbeit zeigt, dass KI nicht nur ein neues Werkzeug ist, sondern Design grundlegend verschiebt. Gestaltung wird relational, dynamisch und ko-kreativ. Mensch und Maschine wirken gemeinsam an Bedeutungsproduktion.

Ein weiteres theoretisches Ergebnis betrifft die Rolle und Handlungsmacht von KI im Designprozess. Die prototypischen Erkenntnisse widersprechen einer festen Einordnung von KI als bloßem Werkzeug oder als autonomem Akteur. Stattdessen zeigt sich Handlungsmacht als graduell, situativ und gestaltungsabhängig. Je nach Interaktionsform übernimmt KI unterschiedliche epistemische Teilhandlungen, etwa das Spiegeln bestehender Bedeutungen, das Generieren alternativer Deutungen oder das bewusste Irritieren etablierter Frames. Diese Formen von Agency sind lokal begrenzt und werden erst durch die Rückkopplung an menschliche Interpretationsprozesse epistemisch wirksam.

Ergänzend zu den kritischen Fragen der KI gibt es auch bestimmte Modi, die aktiviert werden können. Ein Beispiel ist der »Perspective Switch«, bei dem die KI eine andere Perspektive einnimmt und somit unterschiedliche Gedanken zu einem Design teilen kann. Bild: Tim Milwa

KI erscheint somit weder als Werkzeug noch als autonomes Subjekt, sondern als relationaler Faktor im Zusammenspiel mit menschlicher Interpretation. Die Ergebnisse zeigen jedoch auch Einschränkungen: Vereinfachte Prozesse können zu oberflächlichen Auseinandersetzungen führen und die Tiefe gestalterischer Reflexion reduzieren.

Fazit: Gestaltung als relationaler Prozess

Die Arbeit macht deutlich, dass KI nicht nur Gestaltung beschleunigt, sondern ihr Fundament verschiebt. Gestaltung ist nicht länger linear, kontrollierbar oder rein menschlich gesteuert, sondern ein relationaler Prozess, in dem Bedeutung im Zusammenspiel entsteht. Zentral ist der Umgang mit Unsicherheit: KI-gestützte Gestaltung ist geprägt von Ambiguität, Unvorhersehbarkeit und Iteration. Diese Bedingungen erfordern weniger Kontrolle als vielmehr Reflexion, Offenheit und ein kontinuierliches »Neudenken« von Entscheidungen.

Über Tim 

Tim Milwa arbeitet im Bereich Strategic Design und legt dabei den Fokus auf Strategie und fundierte Recherche als gestalterische Grundlage. Er bringt Ideen durch ein breites gestalterisches Skillset in erlebbare Anwendungen über unterschiedliche Medien hinweg.

Er studierte Media & Interaction Design (B.A.) und arbeitete als UX-Designer, bevor er den Master in Strategic Design an der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd absolvierte.

In seiner Masterarbeit untersucht er, wie Generative KI nicht primär zur Automatisierung, sondern als Werkzeug zur Erweiterung von Bedeutungsarbeit im Design eingesetzt werden kann.

Bild: Tim Milwa



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