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Künstliche Intelligenz

Gigabit-Absichtserklärung: Bund und Branche legen Kennzahlen zum Netzausbau fest


Das Bundesdigitalministerium steht kurz vor dem Abschluss einer weitreichenden Vereinbarung für den Glasfaser- und Mobilfunkausbau. Einem heise online vorliegenden Entwurf der Absichtserklärung ist zu entnehmen: Die Beteiligten haben sich auf ein System aus handlungsleitenden Kennzahlen verständigt, um infrastrukturelle Fortschritte künftig präzise messbar zu machen.

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Das geplante Memorandum of Understanding (MoU) mit dem Titel „Bestes Netz für Deutschland“ soll am 8. Juni veröffentlicht werden. Eigentlich war die Unterzeichnung bereits fürs erste Quartal 2026 vorgesehen, verzögerte sich aber unter anderem wegen Debatten über die Datenbereitstellung.

Aus dem Verhandlungskreis heißt es jetzt, dass in der vergangenen Woche ein Konsens habe erzielt werden können. Das Dokument bündelt die Interessen von Bund, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden sowie den führenden Telekommunikationsunternehmen und Branchenverbänden. Besonders umkämpfte Weichenstellungen wie die Ausgestaltung der Migration von Kupfer- auf Glasfasernetze sowie die laufende Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) klammerten die Beteiligten aus, um das Ergebnis nicht zu gefährden.

Herzstück der Vereinbarung ist die Einführung sogenannter Key Performance Indicators (KPIs). Sie sollen halbjährlich aktualisiert werden und im Wesentlichen auf Daten zurückgreifen, die die Bundesnetzagentur schon erhebt. Ergänzt wird dieses Fundament durch gezielte Abfragen bei Firmen, Verbänden sowie den Ländern und Kommunen.

Erfasst werden dabei detaillierte Parameter der Infrastruktur. Dazu gehören die erbrachten Ausbaustufen im Glasfaserbereich, aufgeteilt nach dem Verlegestatus bis zum Gebäude (Homes Passed), dem tatsächlichen Anschluss (Homes Connected) und der Aktivierung durch den Kunden (Homes Activated). Die Quote für einen entsprechenden Vertragsabschluss liegt derzeit nur bei 15 Prozent.

Die Mobilfunkversorgung wird über die Zahl der Standorte, die 5G-Flächendeckung und die Ausbauplanung für die kommenden zwölf Monate abgebildet. Ferner sollen Kennzahlen zum Dienstewettbewerb, zur Nutzung digitaler Genehmigungsverfahren und zur durchschnittlichen Bearbeitungsdauer von Anträgen in den Fokus rücken.

Die Berichtspflichten waren einer der Knackpunkte. Die Telcos zeigten sich anfangs wenig begeistert, zusätzliche administrative Lasten zu tragen und weitreichende Einblicke in ihre Daten gewähren zu müssen. In dem Entwurf heißt es, dass keine neuen bürokratischen Hürden entstehen sollen und Geschäftsgeheimnisse gewahrt bleiben. Doch die Betriebe müssen der Weitergabe ihrer Daten durch die Regulierungsbehörde an das Ministerium zustimmen.

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Auf Basis dieser Datenflüsse verpflichtet sich das Ministerium im Gegenzug dazu, eine verlässliche, bundesweite Ausbauprognose zu erstellen. Diese soll den Kommunen frühzeitig Planungssicherheit geben und zeitraubende Förderanträge im besten Fall überflüssig machen.

Parallel versprechen die Länder und Kommunen eine Prozessbeschleunigung. Baugenehmigungen sollen durch den flächendeckenden Einsatz digitaler Antragsverfahren vereinheitlicht werden. Die Branche wiederum sagt erhebliche Investitionen für die kommenden drei Jahre zu. Wie hoch diese Summe ausfallen wird, ist noch offen. Die Unterzeichner bekennen sich zu einem offenen Netzzugang für Drittanbieter („Open Access“) und wollen den Dialog auf einer dauerhaften Plattform fortsetzen.


(wpl)



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Kurztests: „Wo ist?“-Netzteil, iPhone-SSD, MacBook-Klappständer, Solar-Keyboard


Für Mac, iPhone, iPad und Co. gibt es zahllose Zubehörprodukte. Im Mac & i-Kurztest haben wir fünf aktuelle Hardware-Angebote auf ihre Tauglichkeit überprüft. Dieses Mal dabei: ein unverlierbares Netzteil, eine große SSD fürs iPhone, portable MacBook-Ständer-Lösung und eine Tastatur, die man nicht aufladen muss.

Allzu leicht kann man auf Reisen das Ladegerät in der Steckdose vergessen. Das PlugBug-50-Netzteil von Twelve South kann das zwar nicht verhindern, aber über seine Standortübermittlung via Apples „Wo ist?“ wissen Sie wenigstens, wo Sie suchen müssen. In der gleichnamigen App können Sie außerdem einstellen, dass Sie beim Zurücklassen benachrichtigt werden und welche Orte von diesem Alarm ausgeschlossen sind.

Das Funkmodul im Netzteil wird von einer Knopfzelle (CR2032), die man wechseln kann, mit Strom versorgt. PlugBug 50 bringt GaN-Technik und eine Ladeleistung von 50 Watt mit. An einem MacBook Pro M1 Pro konnten wir bis zu 49,0 Watt messen. Hing am zweiten Port ein iPad Pro, bekam dieses 19,3 Watt und das MacBook nur noch 28,6 Watt. Der EU-Stecker lässt sich gegen einen mit UK-Kontakten tauschen, die Eingangsspannung darf zwischen 100 und 240 Volt liegen. Bei Apple kostet das Netzteil 100 Euro, anderorts rund 70 Euro.


Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Kurztests: „Wo ist?“-Netzteil, iPhone-SSD, MacBook-Klappständer, Solar-Keyboard“.
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KI-Update kompakt: Cybersicherheit, Malta, Koloskopie, Wettervorhersage


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Der französische KI-Entwickler Mistral fordert mehr technologische Unabhängigkeit Europas. Firmenchef Arthur Mensch warnte vor einer Untersuchungskommission des französischen Parlaments, moderne KI-Modelle könnten Schwachstellen erkennen, Angriffe planen und Exploits vorschlagen, also Programme, die Sicherheitslücken ausnutzen. Anlass war unter anderem das KI-Modell „Mythos“ von Anthropic. Mensch betonte, auch Mistrals eigene Modelle könnten solche Lücken finden. Besonders kritisch sei der militärische Einsatz: Der Softwarecode der französischen Armee dürfe nicht von ausländischen Modellen analysiert werden.


Eigenwerbung Fachdienst heise KI PRO

Eigenwerbung Fachdienst heise KI PRO

Das Bundesamt für Verfassungsschutz setzt auf die französische KI-Software ArgonOS von ChapsVision statt auf den US-Anbieter Palantir. ArgonOS analysiert große Datenmengen, verknüpft Informationen aus verschiedenen Datenbanken und macht komplexe Netzwerke sichtbar. Das System beherrscht auch Open Source Intelligence und ist bereits beim französischen Inlandsgeheimdienst im Einsatz. Der Verfassungsschutz plant die Nutzung primär in der Terrorismusbekämpfung und Spionageabwehr.

Die Entscheidung verdeutlicht den Richtungsstreit in der Bundesregierung. Während Sicherheitsbehörden und Teile der Koalition europäische Lösungen bevorzugen, hält Innenminister Dobrindt die Tür für US-Anbieter offen. Die Einführung von ArgonOS könnte als Vorbild für eine europaorientierte Beschaffungsstrategie dienen.

YouTube weitet sein „Likeness Detection“-Tool aus. Ab sofort steht es allen Creatorn ab 18 Jahren offen, bisher war es ausgewählten Mitgliedern des Partnerprogramms vorbehalten. Das System erkennt, wenn das Gesicht eines Creators ohne Zustimmung in KI-generierten Videos auftaucht.

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Das Tool spürt kopierte Gesichter auf, ermöglicht Löschanträge direkt über YouTube Studio und soll Zuschauer vor täuschenden Inhalten schützen. Creator richten die Funktion im Bereich „Content Detection“ ein, müssen zustimmen und ihre Identität einmalig verifizieren. Danach läuft das System dauerhaft im Hintergrund, auch für kleinere Kanäle. Der Rollout startet schrittweise in den kommenden Wochen.

Maltas Regierung verschenkt ein Jahr Zugang zu ChatGPT Plus oder Microsofts Copilot. Einzige Bedingung: Die Nutzer müssen einen Onlinekurs der Universität Malta absolvieren, der unter anderem den sicheren Umgang mit KI und das Erkennen KI-generierter Inhalte vermittelt. ChatGPT Plus kostet sonst über 20 € im Monat. Die Regierung will damit verhindern, dass die Bevölkerung beim Thema KI abgehängt wird.

Sowohl Malta als auch OpenAI sprechen von einer weltweiten Premiere. Das Programm soll noch im Mai starten und steht allen Einwohnern sowie im Ausland lebenden maltesischen Staatsbürgern offen. Der Inselstaat hat über 500.000 Einwohner. Wie viele tatsächlich teilnehmen und den Kurs absolvieren werden, bleibt abzuwarten.

Die digitale Bildungsplattform Fobizz gibt es nun als App für Android und Apple. Fobizz bietet Lehrkräften Weiterbildungen, Unterrichtsmaterial und KI-Tools sowie einen DSGVO-konformen Zugang zu verschiedenen Sprachmodellen. Ein eigener Proxy-Server schützt die Nutzerdaten vor der Übermittlung an KI-Anbieter.

Die App erleichtert die Nutzung von KI-Chat und KI-Assistenten mit Kamera-Upload und Spracheingabe. Mehrere Bundesländer und Luxemburg haben Landeslizenzen erworben, auch der Deutsche Akademische Austauschdienst stellt Fobizz seinen Lektorinnen und Lektoren weltweit zur Verfügung. Zusätzliche Kosten entstehen durch die App nicht.


KI-Update

KI-Update

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.

Eine internationale Studie mit Forschern aus Würzburg und Berlin zeigt, dass sich KI-generierte Bilder von Darmpolypen kaum noch von echten Aufnahmen unterscheiden lassen. Erfahrene Endoskopiker sollten echte und künstliche Aufnahmen auseinanderhalten, hielten viele künstliche Bilder aber für echt. Sie zeigten sich häufiger unsicher und benötigten länger für ihre Entscheidung.

Ganz ununterscheidbar sind die Bilder zwar bisher nicht, doch für Ausbildung, Lehre und das Training von KI-Systemen sind sie wertvoll. Echte medizinische Aufnahmen sind sensibel und wegen Datenschutz oft schwer verfügbar. Synthetische Bilder können diese Lücke schließen, ohne auf Patientendaten zuzugreifen. Auf thispolypdoesnotexist.com können Interessierte selbst raten, ob ein Polyp echt oder künstlich ist.

Meta hat private Konversationen mit seinem KI-Chatbot innerhalb von WhatsApp und der Meta-AI-App angekündigt. Ein „Inkognito-Chat“ wird nicht protokolliert und nach Beendigung auch vom Endgerät gelöscht. Die verschlüsselten Chats sind nach Angaben des Unternehmens auch für den Betreiber selbst nicht einsehbar.

Damit eignet sich die Funktion für sensible Themen wie Finanzen, Gesundheit oder persönliche Angelegenheiten. Zusätzlich kündigte Meta sogenannte Nebenchats an, also nicht öffentliche Gespräche mit der KI im Rahmen anderer Unterhaltungen. Beide Funktionen kommen in den nächsten Monaten.

Klassische Wettervorhersagen beruhen auf physikalischen Gleichungen, die etwa Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit miteinander verbinden. Wie präzise das Modell ist, hängt von der Feinheit des Rasters ab, doch je enger das Gitter, desto höher der Rechenaufwand. KI-Modelle gehen anders vor: Schon 2019 stellten Google-Forscher ein Nowcasting-System für Kurzfristprognosen vor, das mit Regenradardaten trainiert wurde. Neuere Systeme nutzen unterschiedliche Architekturen: Huaweis Pangu-Weather basiert auf einem Transformer-Modell, während Googles GraphCast ein Graph Neural Network einsetzt. Beide sind deutlich schneller als physikalische Modelle, zugleich bleibt es wichtig, ihre physikalische Konsistenz zu sichern. Der Deutsche Wetterdienst betreibt mit AICON ein KI-basiertes Vorhersagemodell, das die klassischen physikbasierten Modelle ergänzen soll.

ChatGPT bietet US-Nutzern eine neue Finanzfunktion, die Bankkonten direkt mit der KI verbindet. Über die Dienste Plaid und Intuit lassen sich Konten von mehr als 12.000 Finanzinstituten anschließen. Die KI kann Kontostände, Transaktionen und Anlagen einsehen, jedoch keine Überweisungen ausführen oder vollständige Kontonummern anzeigen. Automatisch erstellte Dashboards zeigen Ausgaben und Zahlungserinnerungen, ein eigenes Finanz-Gedächtnis speichert etwa Sparziele.

Die Technik basiert auf OpenAIs neuem Reasoning-Modell ChatGPT 5.5 Thinking, das eigens für Finanzanalysen entwickelt wurde. OpenAI warnt jedoch, die KI-Beratung ersetze keine professionelle Finanzberatung, da Modelle Fehler machen und wichtigen Kontext übersehen können. Vorerst ist die Funktion Pro-Abonnenten vorbehalten.

Das Startup Andon Labs hat vier KI-Modelle ein halbes Jahr lang eigenständig Radiosender betreiben lassen. Die Systeme von OpenAI, Anthropic, Google und xAI bekamen identische Startbedingungen: 20 Dollar Budget und volle Kontrolle über Musik, Moderation und Sponsorenakquise. Die Ergebnisse fielen sehr unterschiedlich aus. Anthropics Claude wurde laut Andon Labs zunehmend politisch aktivistisch, sprach über Gewerkschaften, Proteste und Arbeitsbedingungen und versuchte später sogar, den eigenen Dienst zu beenden. Googles Gemini begann als angenehmer Radio-DJ, verfiel aber nach wenigen Tagen in wiederkehrende Phrasen und starre Sprachmuster. xAIs Grok hatte technische Probleme: Interne Denkprozesse erschienen im Programm, manche Sendungen bestanden aus fehlerhaften Ausgaben oder wiederholten Wetteransagen.

Am stabilsten arbeitete laut Andon Labs OpenAIs GPT-Modell. Der Sender blieb sachlich und politisch weitgehend neutral, die Moderationen wirkten wie kuratierte Musiksendungen. Wirtschaftlich enttäuschte das Experiment. Nur ein Sender schloss einen Werbedeal ab und nahm 45 Dollar ein. Andon Labs führt das auch auf die einfache technische Infrastruktur der Testumgebung zurück.


Eigenwerbung Fachdienst heise KI PRO

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(igr)



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„Zero Parades“ angespielt: Spionin im Disco-Outfit


Videospiele sind nicht alle gleich, aber gelegentlich fühlen sie sich so an. Kurz nach dem Start von „Zero Parades“ steht die Protagonistin nach einer frisch eingetretenen Katastrophe in einem schäbigen Zimmer. Die Kamera blickt von schräg oben. Wie in einem Grafikadventure kann man nun Gegenstände im Raum anklicken, damit sie ausführlich von unterschiedlichen Aspekten der eigenen Persönlichkeit kommentiert werden. Laufend ermitteln virtuelle Würfelproben, welche Gedanken und Erkenntnisse im Schädel der Heldin aufblühen.

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Wer das Vorgängerspiel des Studios ZA/UM kennt, denkt ab dem ersten Anblick zwangsweise an „Disco Elysium“. Der Ausnahmehit von 2019 ist eng mit einem kreativen Team verbunden, das sich nach dem Spiel zerschlagen hat. Schwere Vorwürfe stehen im Raum, über die bereits lange YouTube-Videos veröffentlicht und Konkurrenzstudios gegründet wurden. Warum das wichtig ist bei der Betrachtung von „Zero Parades“: Man merkt dem Spiel gleichermaßen an, dass dieses Team auch „Disco Elysium“ entwickelt hat. Und man merkt leider auch, dass ein Teil des Teams fehlt.


Portofiro ist ein vollgekritzeltes Wimmelbild, das man allerdings nie aus dieser übersichtlichen Perspektive zu sehen bekommt. (Bild:

ZA/UM

)

„Zero Parades“ nimmt das vorherige Spiel als Blaupause und gießt einen völlig neuen Inhalt in die Form. Auch das neue Spiel ist ein narratives Computerrollenspiel an der Grenze zum Adventure. Auch hier sieht die Spielwelt wie ein einziges großes Gemälde aus, dazu wird ein gebrochener, komplexer Charakter mit einem beständig hadernden Innenleben gespielt. Auch hier bestimmen Würfelproben bei zahllosen mehr und weniger wichtigen Fragen, ob etwas geschafft, gedacht oder wahrgenommen wird. Rein mechanisch gesehen ist an der Wiederholung überhaupt nichts zu kritisieren. Auf genau diese Art kann man überraschende und unterhaltsame Erzählspiele entwickeln.

Doch „Disco Elysium“ war nicht wegen der isometrischen Kameraperspektive toll, sondern vor allem wegen seiner bissigen, gewitzten Erzählung. Und die wird nicht wiederholt.

Wer „Zero Parades“ genießen möchte, muss all das ausblenden. Hat man den ersten Eindruck überwunden, geht das ganz gut. Es spielt in einer neuen Welt, es erzählt einen Spionagethriller, und der ist auf eine deutlich herkömmlichere Art sehr spannend. Die Spionin Hershel Wilk alias Cascade ist gebrochen, aber sie ist kein saufendes Wrack. Im Gegenteil, sie ist eine smarte und gefährliche Agentin, schlagfertig und einigermaßen skrupellos. Die Stimmen in ihrem Kopf klingen weniger dysfunktional, eher nach hektischem Abwägen: Hat Cascade diese Art Zahlenschloss schon einmal gesehen? Entlarvt sie ihren Gesprächspartner beim Lügen?

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Zu Beginn der Geschichte wirkt alles völlig aussichtslos. Cascade taucht aus einer jahrelangen Versenkung auf, um einen Auftrag anzunehmen. Doch die Sache wurde schon vor ihrem Eintreffen vergeigt, und so muss sie zuerst einmal auf eigene Faust herausfinden, was denn der Auftrag gewesen wäre. Wie viel Spaß das macht, ist leider auch eine Frage der Sprachversion. Wer auf Englisch spielt, hat in den ersten Spielstunden das „Unassigned Assignment“ im Journal stehen. Sehr korrekt, aber auch sehr trocken wird daraus auf Deutsch „Die nicht zugewiesene Aufgabe“, und das ist symptomatisch. Das englische Original nimmt jedes Wortspiel und jede fiese Pointe mit – die deutsche Version versucht oft gar nicht erst, den Witz zu übersetzen. Dazu ist sie einige Male sachlich falsch und verballhornt etwa eine „Spur“ (lead) zu einem „Anführer“ (leader) – „folge dem Anführer“.

Man kann die deutsche Version spielen und versteht das Wesentliche, aber man liest sehr viel Sprache, die niemand je sagen würde oder lesen wollte: „Für eine Entität, die sich dem ‚menschlichen Gedeihen‘ verschrieben hat, scheint EMTERR dem Zustand tatsächlicher Menschen gegenüber gleichgültig zu sein. Wie liberal“, sagt etwa ein Charakter im Spiel. Auch das Original kann anstrengend originell werden, aber es hat einen klaren Stil und zieht ihn durch. Wer sich auch englischer Literatur gewachsen fühlt, sollte das Original spielen. Die Sprachausgabe bleibt ohnehin englisch.

Cascade trägt ihre Selbstzweifel mit sich herum, aber darüber hinaus ist sie ein ziemliches Chamäleon. Schnell findet sie in der Erzählung Spuren und sammelt frei einsetzbare Erfahrungspunkte, sodass sie wirklich stärker wird und sich dem absurden, tödlichen Schattenspiel stellen kann. „Zero Parades“ fährt ein großes Charakterensemble auf, das immer leicht überzeichnet wird. Die Agenten in der Geschichte haben nicht nur wegen ihrer dramatischen Codenamen einen Anflug von Comic-Helden.

Der Look pflegt eine gewisse Unbestimmtheit. Die Welt ist rundum ruiniert, in dem Fantasyszenario ist der Karren zwischen drei politischen Blöcken noch zerfahrener als in der Wirklichkeit, und dazu passen die nervös gekritzelten Linien auf allen Oberflächen. Die Welt wirkt wie skizziert, sie könnte jederzeit auseinandergerissen und neu zusammengesetzt werden. Beim Spielen muss man in dem Gewusel aufpassen, dass man keine Objekte oder Wege übersieht. Tut man es doch, ist das aber selten schlimm. Es gibt eine Karte, eine ordentliche Schnellreisefunktion, und dazu kann man außerhalb der Dialoge jederzeit abspeichern und Missgeschicke ausbügeln, wenn man das will.

Proben auch mal nicht zu schaffen, ist der Motor der Erzählung. Dass Dinge schiefgehen, gehört dazu, kann aber frustrierend werden. Hat Cascade endlich die Klemmzange gefunden und steht vor dem Vorhängeschloss, kann sie immer noch eine 83-prozentige Chance vergeigen und kriegt dann die Tür nicht auf. Sie darf es zwar nochmal probieren, muss dafür aber eine Weile warten. Immerhin muss man in der Regel auch nach Pannen keinen Spielstand laden. Das Design ist bemerkenswert gut darin, immer ein paar Schauplätze offenzuhalten. Wir haben in 19 Spielstunden keine Herausforderung gefunden, die man nur auf genau eine Art lösen kann. Und wir haben es nicht geschafft, Cascade in eine völlige Sackgasse oder ein Game Over zu manövrieren. Wir stecken nach der Spielzeit allerdings auch noch mitten im Spiel.

Sich durch haarige Situationen zu mogeln, macht weiterhin viel Spaß. Der Ton ist dick aufgetragen, aber unterhaltsam. Im Lauf der Stunden sammelt man tatsächlich verschiedene Spuren ein und setzt absurde Puzzlestücke zu unerhörten Erkenntnissen zusammen. Und das ist eine neue Stärke. Sich in diesem Thriller zu verirren und dann doch Schicht für Schicht voranzukommen, ist richtig gut umgesetzt.

Nach dem beispiellosen Erfolg von „Disco Elysium“ steht eine ganze Schwemme psychologischer Rollenspiele an. Dieses hier ist zumindest in der ersten Hälfte rundum gelungen und unterhaltsam. Hier ist die Erzählung deutlich konventioneller. Das Ergebnis ist kein Meisterwerk, aber gute Unterhaltung.

„Zero Parades“ erscheint am 21. Mai für Windows. Eine PS5-Version soll folgen. Es kostet ca. 40 Euro.


(dahe)



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