Künstliche Intelligenz
Zurück zu Buch und Stift: Norwegen verbannt KI aus Grundschulen
Norwegen gilt seit Jahrzehnten als Vorreiter der digitalen Bildung. Schon in den 1990er-Jahren hielten Computer Einzug in die Klassenzimmer, ab 2010 ersetzten Tablets wie das iPad zunehmend klassische Schulbücher und das Schreiben mit der Hand. Doch nun vollzieht das skandinavische Land eine Kehrtwende. Die norwegische Regierung reagiert auf sinkende Testergebnisse bei Schülern und erlässt ein weitreichendes Verbot für den Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz (KI) im Unterricht.
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Wie Premierminister Jonas Gahr Støre ankündigte, soll die Nutzung von KI-Werkzeugen für Grundschulkinder fast vollständig untersagt werden, um negative Auswirkungen auf den Lernerfolg zu verhindern.
Der Ministerpräsident begründete den Schritt laut der Agentur Reuters damit, der unbedarfte Einsatz von KI berge das Risiko, dass Kinder essenzielle Schritte in ihrer Bildungsbiografie einfach übersprängen. Das Wichtigste in der Schule sei nach wie vor, dass der Nachwuchs verlässlich Lesen, Schreiben und Rechnen lerne. Die neuen, strengen Standards sollen bereits mit dem kommenden Schuljahr in Kraft treten.
Klare Altersgrenzen
Dabei folgt die Regierung einem gestuften Modell, das sich am Alter der Kinder orientiert. Für die Klassenstufen eins bis sieben, also für Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren, gilt künftig ein generelles KI-Verbot. In der Sekundarstufe eins, bei den 14- bis 16-Jährigen, dürfen KI-Tools zwar zum Einsatz kommen. Allerdings nur unter strenger Aufsicht der Lehrkräfte und mit großer Vorsicht. Erst in der gymnasialen Oberstufe für Jugendliche zwischen 17 und 19 Jahren sieht das Konzept eine gezielte Vermittlung von KI-Kompetenzen vor, damit die Heranwachsenden angemessen auf die Anforderungen von Hochschule und Arbeitswelt vorbereitet werden.
Mit diesem Ansatz wählt Norwegen einen kompromisslosen Weg: Statt wie andere Staaten mühsam zu definieren, welche KI-Anwendungen schädlich sein könnten und welche nicht, zieht Oslo eine klare Altersgrenze und überträgt den Schulen die Verantwortung für die Durchsetzung.
In den USA etwa konzentriert sich die Regulierung im Rahmen des dortigen geplanten Guard Act primär auf KI-Begleiter – also Chatbots, die zwischenmenschliche Beziehungen simulieren. Breit aufgestellte, allgemeine KI-Werkzeuge wie ChatGPT, Gemini oder Copilot könnten so dort durch definitorische Schlupflöcher rutschen. Norwegen umgeht solche Vagheiten im Bildungsbereich konsequent.
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Erfolge durch Smartphone-Verbot
Der Vorstoß folgt derselben Logik wie das bereits 2024 erlassene Smartphone-Verbot an norwegischen Schulen: Junge Lernende benötigen demnach Schutz vor Technologien, die das Fundament des Lernens stören können. Dass dieser restriktive Kurs funktioniert, untermauern wissenschaftliche Daten. Eine Studie der Forscherin Sara Abrahamsson, die über 400 norwegische Mittelschulen untersuchte, zeigt messbare Erfolge der Smartphone-Sperre. Demnach führte der Bann zu einem spürbaren Rückgang von Mobbing sowie zu besseren Noten und einem Einbruch der Besuche bei schulpsychologischen Diensten um rund 60 Prozent. Dieser Effekt war besonders bei Mädchen ausgeprägt.
Obwohl beim Thema KI im Gegensatz zu Smartphones noch unklar ist, ob die Nutzung im Unterricht bereits ein ähnlich nachweisbares Schadensausmaß erreicht hat, will die Regierung nicht auf die nächsten Negativtrends bei den nationalen Leistungstests warten. Flankierend zur KI-Sperre kündigte Oslo ein Gesetzesvorhaben an, um die Anschaffung klassischer Schulbücher finanziell zu fördern. Damit verabschieden sich die Skandinavier bewusst vom jahrelangen Trend hin zu Tablet-Klassen.
Digitale Demarkationslinie
Auch außerhalb des Klassenzimmers verschärft Norwegen das Tempo und plant bis Ende 2026 ein Gesetz, das Kindern unter 16 Jahren den Zugang zu sozialen Medien verbietet. Australien hat ein solches Verbot für Unter-16-Jährige bereits Ende 2025 in Kraft gesetzt. Großbritannien sowie mehrere EU-Länder prüfen ähnliche Schritte. Dahinter steht die Debatte, ob ein striktes Verbots- und Altersmodell effektiver ist als der Versuch, die Tech-Konzerne und deren Produkte direkt zu regulieren.
Die norwegische Strategie stößt aber an Grenzen. Da generative KI mittlerweile auf praktisch jedem internetfähigen Gerät läuft, endet die Reichweite des Schulverbots am Nachmittag. Um den Jugendschutz auch im privaten Raum durchzusetzen, setzt die geplante Social-Media-Gesetzgebung der Regierung auf verpflichtende Altersprüfungen durch die Plattformbetreiber. Wie genau sich Altersgrenzen für KI-Tools außerhalb von Institutionen verlässlich kontrollieren lassen, hat noch kein Staat gelöst.
Deutsche Digitalisierungsdebatte
Der Kurswechsel im Norden befeuert auch die Debatte in Deutschland, wo die Digitalisierung der Schulen ohnehin Dauerthema ist. Nach dem Ausbau von WLAN und der Anschaffung von Tablets wächst in den Bundesländern die Skepsis gegenüber einer zu frühen Digitalisierung.
Zwar fordern Bildungsverbände und Digitalpolitiker, das Thema KI fest in den Lehrplänen zu verankern. Das soll die Medienkompetenz stärken. Zugleich warnen Bildungsforscher und Psychologen vor den Gefahren von Ablenkung, schwindender Konzentrationsfähigkeit und dem Verlust handwerklicher Grundfertigkeiten wie dem Schreiben mit der Hand. Das norwegische Modell dürfte Verfechtern einer restriktiveren Digitalpolitik und einer Rückbesinnung auf analoge Lehrmedien Auftrieb geben.
(nen)
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Hunderte Milliarden Euro an Klimaschäden durch deutschen Solarstrom gespart
Die rund sechs Millionen installierten Solarstromanlagen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren großen volkswirtschaftlichen Nutzen gebracht. Nach Berechnungen des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) wurden zwischen 2020 und 2025 fossile Energieimporte im Wert von rund 20 Milliarden Euro ersetzt und zugleich Klimaschadenskosten von bis zu 250 Milliarden Euro vermieden.
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Der Verband beruft sich auf Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA). Demnach wurden in diesem Zeitraum knapp 390 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom erzeugt. Laut BSW-Solar verdrängte diese Strommenge im deutschen Stromsystem vor allem Erdgas- und Steinkohlekraftwerke und verringerte damit sowohl den Bedarf an fossilen Brennstoffimporten als auch die damit verbundenen Treibhausgasemissionen.
Durch die Nutzung von Solarstrom in Deutschland wurden demnach in den vergangenen 20 Jahren rund 500 Millionen Tonnen Treibhausgase (CO₂-Äquivalente, netto) vermieden. Mehr als die Hälfte davon entfiel allein auf die Jahre 2020 bis 2025. In diesem Zeitraum wurden rund 270 Millionen Tonnen Treibhausgase vermieden. Die Berechnungen basieren auf Zahlen des UBA (Tabelle 8.1)
Schätzung: Bis zu 250 Milliarden Euro an Klimaschadenskosten gespart
Letzteres entspricht auf Basis von Schätzungen des UBA (siehe Seite 11) vermiedenen Klimaschadenskosten von bis zu rund 250 Milliarden Euro, wenn heutige und zukünftige Generationen gleichwertig berücksichtigt werden. Hinzu kommen vermiedene Energieimporte. Nach Schätzungen des BSW-Solar summiert sich deren Wert allein in den vergangenen sechs Jahren auf über 20 Milliarden Euro.
Der in Deutschland erzeugte Strom stammte 2025 wie in den beiden Jahren zuvor überwiegend aus erneuerbaren Quellen. 58,6 Prozent der ins Netz eingespeisten Strommenge wurden aus Windkraft, Sonne und Biogas gewonnen.
Insgesamt blieb die Strommenge aus erneuerbaren Quellen mit 256,9 Milliarden Kilowattstunden im Jahresvergleich nahezu unverändert und ihr Anteil an der Gesamtmenge sank um knapp einen Prozentpunkt. Dagegen legten konventionelle Energieträger zu, vor allem Kohle und Erdgas: Sie lieferten 181,3 Milliarden Kilowattstunden (plus 3,6 Prozent) und kamen auf einen Anteil von 41,4 Prozent.
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Wichtigster Energieträger war trotz einer abnehmenden Menge erneut Windkraft, die 30 Prozent zur gesamten Stromproduktion beitrug. Unterdessen nahm die Stromeinspeisung aus Photovoltaik 2025 im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 17,4 Prozent auf 70,1 Milliarden Kilowattstunden zu.
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(nen)
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Komponist für „Doom“ und „Duke Nukem 3D“ verstorben
Im Alter von 81 Jahren ist der US-amerikanische Komponist und Jurist Robert Caskin Prince III, genannt Bobby, am vergangenen Dienstag verstorben. Der schon zu Lebzeiten legendäre Musiker prägte den Sound von Computerspielen der 1990er Jahre und blieb der Branche auch darüber hinaus verbunden.
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Bevor es jedoch so weit kam, strebte Prince gleich mehrere Karrieren an. Zwar spielte er schon zu seiner Schulzeit in einer Band, studierte danach aber erst einmal bis zum Bachelor-Abschluss Psychologie. Nachdem er nach Angaben seiner Familie von 1969 bis 1970 im Vietnam-Krieg kämpfte, machte er auch noch den Master-Abschluss und hätte Counselor werden können, vergleichbar mit dem Beruf des Psychotherapeuten. Dann wandte er sich jedoch der Jura zu, promovierte 1980 und wurde als Rechtsanwalt zugelassen.
Vom Juristen zum Spiele-Musiker
Seiner Familie zufolge ließ ihn die Musik jedoch nie los, und so antwortete er Anfang der 1990er Jahre auf eine Online-Nachricht von Scott Miller – dem Gründer von Apogee Software, bei denen später „Wolfenstein 3D“ erscheinen sollte. Miller suchte Komponisten für Spiele, zunächst die erfolgreiche Serie „Commander Keen“. Während bei großen japanischen Spielefirmen die Musiker oft fest angestellt waren, arbeiteten zu dieser Zeit in den USA viele Komponisten auf Basis von Aufträgen.
Und da muss man sich an die Vorgaben der Designer halten und immer weiterempfohlen werden. Das konnte Bobby Prince offenbar sehr gut, zu seinem größten Erfolg, dem Soundtrack des ersten „Doom“ (1993), kam es auch durch exakte Umsetzung dessen, was die Designer wollten. Der inhaltliche Doom-Mastermind, John Romero, gab Prince einige CDs, darunter aktuelle Werke von Alice in Chains, Pantera und Metallica – und so klingen die Stücke in „Doom“ dann eben auch: Wie der moderner gewordene Metal und Grunge der frühen 1990er, nicht mehr nach dem hektischen, brutalen Thrash, mit dem Metallica neben anderen Anfang der 1980er der harten US-Rockmusik eine ganz neue Richtung gegeben hatten.
Metal war die Vorgabe
Von Romeros Studio, id Software, kam vor „Doom“ auch schon 1992 „Wolfenstein 3D“, das ebenfalls auf Rock bis Metal setzt. Die Möglichkeiten der PC-Soundsysteme, vor allem des allgegenwärtigen „Sound Blaster“ von Creative Labs waren da aber noch sehr begrenzt. Für „Doom“ konnte Bobby Prince dann aber die Möglichkeiten des General-Midi-Standards ausreizen. Dass insbesondere die charakteristische Musik des ersten Levels (E1M1) je nach Qualität des Gitarren-Samples der Soundkarte unterschiedlich klingt, fiel auch damals schon auf. In einem Video über einen Besuch bei id Software vom November 1993 erklärt Prince seine Arbeitsweise mit General Midi an dieser Stelle.
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Doom – E1M1
Der Song „At Doom’s Gate“, abgespielt von einem vernünftigen General-Midi-System. So gut klang das 1993 nur auf den wenigsten PCs, weil die Synthi-Hardware dafür sehr teuer war.
Wie viele Computermusiker dieser Zeit nutzte er also die technischen Möglichkeiten so gut wie möglich aus. Die Plattformen, neben einer Vielzahl von PC-Soundsystemen auch Konsolen, waren damals auch in ihren musikalischen Fähigkeiten sehr unterschiedlich. Dass der „Doom“-Soundtrack zum Klassiker, und schließlich sogar zum US-Kulturgut wurde, ist aber vor allem der klaren, einfachen Komposition zu verdanken. Bobby Biggs traf die von Romero gewünschte Horror- und Metal-Atmosphäre sehr genau, und war auch insgesamt für das Sounddesign verantwortlich. Die Effekte stören die Musik nicht, sondern passen ins Gesamtkonzept.
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Nach „Doom“ auch der „Duke“
Nach dem Welterfolg von „Doom“, der 3D-Shooter als Genre fest etablierte, arbeitete Prince auch an dessen unmittelbaren Konkurrenten „Duke Nukem“ (1996) von 3D Realms, da er ja nicht fest an id Software gebunden war. Dessen unverkennbares Titelstück „Grabbag“, das schließlich auch die Thrash-Band Megadeth coverte, stammt jedoch nicht von ihm. Diesen Song steuerte Lee Jackson bei, mit dem Prince häufiger zusammenarbeitete. Für „Duke“ schrieb und arrangierte Prince jedoch mindestens zwei andere Songs.
Als id Software sich dann kurz nach dem „Duke“ 1996 aufmachten, das Shooter-Genre mit „Quake“ erneut umzukrempeln – unter anderem mit echter 3D-Grafik samt Hardware-Beschleunigung – war Prince jedoch aus dem Rennen. id Software, namentlich Co-Designer American McGee, wollten für die dann auch als Audio-CD verfügbare Musik einen noch größeren Namen haben. Die Wahl fiel auf Trent Reznor und dessen Projekt „Nine Inch Nails“.
Seine letzte bekannte Arbeit für ein Spiel lieferte Bobby Prince erst 2014 ab. „Wrack“ ist eine in knallbuntem Comic-Stil gehaltene Hommage an frühe Shooter, und da passte das Sounddesign von Prince gut. Seine Familie schreibt in einem Nachruf davon, dass Prince zuletzt krank gewesen sei. Es bleibt nur zu hoffen, dass er die Aufnahme seines Werks für „Doom“ in die US-Nationalbibliothek vor wenigen Wochen noch bewusst miterlebt hat.
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Lyten übernimmt Northvolt-Gelände wohl für 60 Millionen Euro
Über die Zukunft der deutschen Vermögenswerte des insolventen schwedischen Batteriezellherstellers Northvolt gibt es offensichtlich eine Einigung. Das US-Start-up Lyten habe sich mit der staatlichen Förderbank KfW und den Regierungen von Bund und Schleswig-Holstein für die Brache bei Heide auf einen Übernahmepreis in Höhe von rund 60 Millionen Euro verständigt, heißt es in einem Bericht des Spiegel.
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Das deckt sich mit Informationen, die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Eine offizielle Bestätigung steht jedoch noch aus. „Die Landesregierung ist weiter in Gesprächen mit Lyten“, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. In der kommenden Woche würden sich das Kabinett und zwei Landtagsausschüsse mit dem Thema befassen. Bis dahin werde sich die Regierung nicht zu dem Thema äußern.
Lyten will auf dem Grundstück bei Heide eine Batteriezellenfabrik, einen Batteriespeicher und ein Rechenzentrum bauen. Statt der ursprünglich von Northvolt angedachten rund 3000 Jobs soll es aber nur noch etwa 1000 geben. Vor der Northvolt-Pleite hatte die staatlichen Förderbank KfW eine Wandelanleihe in Höhe von rund 600 Millionen herausgegeben. Bund und Land bürgten jeweils zur Hälfte.
Im Zuge der Übernahme der deutschen Northvolt-Tochter durch Lyten konnten Bund und Land noch 153 Millionen Euro sichern. Der finanzielle Schaden Schleswig-Holsteins liegt damit bei mehr als 200 Millionen Euro, wird jedoch durch den Grundstücksverkauf noch etwas sinken.
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