Digital Business & Startups
Thelen: „Vier Jungs in der Garage“ – So liefen die ersten Jahre von Lilium
Am 4. Mai 2019 steht bei Lilium alles still. In der Kantine und vor Bildschirmen haben sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versammelt. Manche falten die Hände vor dem Gesicht, als würden sie beten. Alle Augen sind auf ein weiß glänzendes Fluggerät gerichtet: den fünfsitzigen Lilium-Jet.
Vier Jahre Arbeit haben auf diesen Moment hingeführt. Jetzt soll der Jet zum ersten Mal abheben. „Taking off in 3, 2, 1“, ist im Video des Unternehmens zu hören. Dann hebt der Jet senkrecht vom Boden ab. Er wackelt leicht im Wind, aber er schwebt.
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Für Keno Sanders, damals Ingenieur bei Lilium, war es ein Moment maximaler Anspannung. „Wir waren alle so nervös“, erzählt er einige Jahre später im Gespräch mit Gründerszene. Im Kopf seien alle Katastrophenszenarien durchgespielt worden: Der Jet könnte zur Seite driften, abstürzen, in Flammen aufgehen oder explodieren. Stattdessen hob er ab und landete wieder. Die Mitarbeiter brachen in Jubel aus.
Sanders erinnert sich an Umarmungen, Musik und Konfetti-Kanonen in der Kantine. „Es war einer der schönsten Tage meines Lebens“, sagt er. Für Lilium war dieser Flug der sichtbarste Beweis: Aus der Idee war tatsächlich ein Fluggerät geworden.
Doch die Geschichte beginnt bereits einige Jahre vorher – mit vier Ingenieuren der Technischen Universität München, einer sehr großen Vision und Investoren, die bereit waren, auf etwas zu wetten, das zunächst fast größenwahnsinnig klang.
Der erste Investor: Frank Thelen
Einer der ersten, der an Lilium glaubte, war Frank Thelen. Heute gehört Thelen zu den bekanntesten Investoren Deutschlands, auch wegen seiner Auftritte in der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“. Thelen war nicht nur einer der frühesten Investoren von Lilium, sondern gehörte später zu denjenigen, die versuchten, das Unternehmen mit Geld und Kontakten zu retten – als das Startup Ende 2024 kurz vor dem Aus stand.
Im Gespräch mit Gründerszene erinnert sich Thelen an sein erstes Treffen mit den Gründern. Es sei, „sehr platt gesprochen“, wie ein Treffen mit „den Jungs in der Garage“ gewesen, sagt er. Eine echte Garage war es nicht, sondern ein kleiner gemieteter Raum in einem Münchner Förderprojekt. Dort hätten die Gründer mit Elektronikteilen experimentiert, teils bei Alibaba bestellt, um herauszufinden, ob ihre Idee überhaupt funktionieren könne.
Die Gründer waren Daniel Wiegand, Patrick Nathen, Sebastian Born und Matthias Meiner. Thelen beschreibt sie als „Bilderbuch-Ingenieure“: technisch stark, aus einer renommierten Universität, geprägt von Deutschlands Auto- und Ingenieurskultur. Gleichzeitig seien sie keine typischen Gründer gewesen, die mit Venture-Capital-Begriffen um sich warfen. Im Gegenteil: „Das waren 100 Prozent Ingenieure, die eben nicht wussten, wie Venture Capital funktioniert“, sagt Thelen.
Gerade das habe ihn überzeugt. Nicht der perfekte Businessplan, sondern die technische Kompetenz, die Ergänzung im Team und die Größe der Idee.
Ein Kindheitstraum
Die offizielle Ursprungsgeschichte von Lilium führt zu Daniel Wiegand. Der Gründer und langjährige Kopf des Unternehmens sprach in Interviews immer wieder über seine frühe Begeisterung fürs Fliegen. Schon als Kind habe ihn die Luftfahrt fasziniert, sagte er 2021 im Handelsblatt-Podcast „Disrupt“. Seine Haustiere hätten Vögel sein müssen, er habe Modellflugzeuge gebaut und mit 14 Jahren den Segelflugschein begonnen.
2004 gewann Wiegand bei „Jugend forscht“ mit einem Modell eines Flugzeugflügels, der seine Form verändern konnte und so den Treibstoffverbrauch senken sollte. Später studierte er Luft- und Raumfahrt an der TU München.
Die Idee für Lilium kam ihm, so erzählt er es, während eines Auslandssemesters in Glasgow. Dort sah er ein Video der V-22 Osprey, eines US-Militärflugzeugs mit kippbaren Rotoren. Es kann senkrecht starten und landen wie ein Helikopter, im Flug aber schneller und weiter fliegen als ein klassischer Hubschrauber.
Später überzeugte er seine Kommilitonen Nathen, Born und Meiner. Gemeinsam begannen sie zu rechnen, ob ein elektrisch betriebenes, senkrecht startendes Flugzeug überhaupt möglich wäre. 2015 gründeten sie die Lilium GmbH, benannt nach Otto Lilienthal, dem deutschen Flugpionier.
Lilium wollte mehr als ein Flugtaxi bauen
Liliums Vision war von Anfang an größer als das, was viele mit dem Begriff Flugtaxi verbinden. Während andere eVTOL-Entwickler vor allem an kurze urbane Strecken dachten – etwa als Alternative zum Stau in Großstädten –, wollte Lilium ein neues Hochgeschwindigkeitsverkehrsmittel bauen.
Daniel Wiegand beschrieb das Ziel einmal so: Lilium solle ein nachhaltiges Verkehrsmittel schaffen, das langfristig für jedermann zugänglich sei. Der Preis solle irgendwann auf dem Niveau eines ICE-Tickets liegen. Statt milliardenschwere Bahntrassen zu bauen, sollten mittelgroße und kleine Städte direkt miteinander verbunden werden.
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Der Lilium-Jet sollte elektrisch fliegen, bis zu 300 Kilometer pro Stunde schnell sein und ursprünglich bis zu 300 Kilometer Reichweite schaffen. Später musste das Unternehmen diese Angaben nach unten korrigieren.
Entscheidend war aber die technische Grundsatzentscheidung: Lilium setzte auf ein eVTOL in Jetform. Das unterschied das Münchner Startup von vielen Wettbewerbern, die ihre Fluggeräte eher nach dem Vorbild eines Helikopters bauen. Das machte das Vorhaben von Lilium zwar spektakulärer – aber auch schwieriger.
Die ersten Millionen
Nach Thelens Einstieg folgte 2016 eine Finanzierungsrunde mit Atomico. Die Venture-Capital-Firma des Skype-Mitgründers Niklas Zennström investierte zehn Millionen Euro in Lilium. Für deutsche und europäische Verhältnisse war das damals eine außergewöhnlich große frühe Runde.
Der Einstieg von Atomico war ein Signal an die Branche: Lilium war nicht nur eine verrückte Idee aus München, sondern ein Startup, dem internationale Top-Investoren zutrauten, eine neue Kategorie der Mobilität zu bauen.
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Mit dem Geld arbeitete das Team in den folgenden Jahren am ersten Demonstrator. Im April 2017 sollte der kleine, unbemannte Prototyp zeigen, ob das technische Konzept funktioniert. Er war kleiner und leichter als der spätere Jet, wurde ferngesteuert und hatte weniger Rotoren.
Ein Video des Testflugs zeigt, wie der Demonstrator senkrecht startet, geradeaus fliegt, eine Kurve dreht und wieder senkrecht landet. Für das Team war die erste große Hürde genommen. Lilium erklärte damals, das technische Design funktioniere wie geplant. Nun könne man sich auf das fünfsitzige Fluggerät konzentrieren.
Noch im selben Jahr floss deutlich mehr Geld. Im September 2017 investierte der chinesische Tech-Konzern Tencent gemeinsam mit weiteren Geldgebern 90 Millionen Dollar. Dazu gehörten unter anderem die Liechtensteiner Privatbank LGT, Obvious Ventures des Twitter-Mitgründers Ev Williams und erneut Atomico.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Lilium bereits etwa 100 Millionen Euro eingesammelt – für ein deutsches Startup im Jahr 2017 eine seltene Größenordnung.
Arbeiten bei Lilium: „Wir waren verliebt in diese Idee“
Mit dem Geld wuchs auch das Team. 2017 kam Dirk Gebser zu Lilium. Er hatte zuvor bei Konzernen wie Rolls-Royce, BMW und Airbus gearbeitet und wurde später Managing Director, war unter anderem zuständig für Produktion, Einkauf, Engineering und Qualität.
Der Wechsel vom Konzern ins Startup sei „wie Tag und Nacht“ gewesen, erzählt Gebser. Bei Lilium habe man keine Assistentin mehr gehabt, vieles selbst organisieren, in der Prototypenwerkstatt einfache Werkzeuge kaufen und hemdsärmelig arbeiten müssen.
Trotzdem beschreibt er die frühe Zeit bei Lilium als außergewöhnlich. Das Miteinander sei offen und ehrlich gewesen, der Teamgeist stark. Man habe sich über Fehler gefreut, weil man daraus lernen konnte. Neue Mitarbeitende seien begrüßt und beklatscht worden. Für Gebser war es „eine der schönsten Zeiten“ seiner langen Industriekarriere.
Auch Keno Sanders beschreibt diese Phase ähnlich. „We were in love with this idea and this vision“, sagt er. Alle seien hochmotiviert gewesen und hätten mehr gemacht, als ihre Jobbeschreibung verlangte.
Es ging den Mitarbeitenden also nicht nur um Geld oder Karriere. Viele hätten laut Thelen vermutlich bei Airbus, Boeing oder anderen Unternehmen mehr verdienen können. Was sie anzog, war die Mission – und die Nähe zu Entscheidungen in einem Unternehmen, das etwas völlig Neues bauen wollte.
Der Höhepunkt: der fünfsitzige Jet
2019 arbeiten bereits mehrere hundert Menschen bei Lilium. Am 4. Mai folgt der nächste große Meilenstein: der erste unbemannte Flug des fünfsitzigen Jets.
In einem Unternehmensvideo kündigt Daniel Wiegand an: „We promised the world a five seater jet. And today we are delivering on that promise.“ Dann folgt der Countdown. Der Jet hebt ab, schwebt kurz und landet wieder.
Für Lilium war das ein Triumph. Für die Mitarbeitenden, die den Flug verfolgten, ein emotionaler Höhepunkt. Für die Öffentlichkeit ein Bild, das zeigte: Dieses Startup baut nicht nur Folien und Visionen. Da steht ein Fluggerät auf dem Boden – und es fliegt.
Doch gerade dieser Moment wirft rückblickend eine Frage auf: War die Wette, die Lilium einging, vielleicht von Anfang an zu groß?
Das Unternehmen wollte nicht einfach ein Flugtaxi bauen, sondern einen vollelektrischen Senkrechtstarter in Jetform. Es wollte Reichweite, Geschwindigkeit, Nachhaltigkeit, Bezahlbarkeit und industrielle Skalierung zusammenbringen. Dafür brauchte es enorme technische Fortschritte, eine neue Infrastruktur, Zulassungen – und sehr viel Kapital. Zum Schluss steckten 1,5 Milliarden Euro in Lilium.
Die ganze Geschichte des deutschen Flugtaxi-Entwicklers könnt ihr ab sofort auch hören: Unser investigativer Storytelling-Podcast „Cashburners: die Lilium-Story“ erzählt in sechs Folgen vom Aufstieg und Fall des Unternehmens. Überall, wo es Podcasts gibt.
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13 millionenschwere Investments, die alle gesehen haben sollten
#DealMonitor
Investment-Bilanz für den heißen Juni: Im vergangenen Monat zählten wir 13 zweistellige bzw. dreistellige Millioneninvestments bei denen rund 2,6 Milliarden Euro bewegt wurden. Darunter Neura Robotics, Stark, Isar Aerospace, Finn und Taktile.

Unser Investmentrückblick auf den Juni 2026: Auch im vergangenen Monat konnten einige Startups, Scaleups und Grownups wieder üppige Millionenbeträge einsammeln. Manche dieser Unternehmen kennt in der Startup-Szene quasi jeder, andere wiederum fliegen trotz bekannter Investoren und millionenschwerer Investmentbeträge weiter unter dem Szene-Radar. Hier die größten Finanzierungsrunden der vergangenen Wochen, es geht dabei um rund 2,6 Milliarden Euro.
Die größten Investments
Neura Robotics
+++ US-Konzerne wie Tether, Amazon, NVIDIA und Qualcomm sowie imec.xpand, Bosch, Schaeffler, Lingotto, InterAlpen Partners und Co. investieren – wie bereits erwartet wurde – bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar (eine absolute Rekordsumme) in Neura Robotics. Mehr über Neura Robotics
Stark
+++ Der amerikanische Geldgeber Sequoia Capital, Nato Innovation Fund (NIF), Project A Ventures, Air Street Capital, 201 Ventures, Advent und Döpfner Capital investieren 500 Millionen Euro in Stark. Mehr über Stark
Isar Aerospace
+++ Der US-Investor Island Green und der britische Geldgeber Molten Ventures sowie Altinvestoren wie HV Capital, Lakestar, UVC Partners und KfW Capital investieren 270 Millionen Euro in Isar Aerospace. Die Firmenbewertung soll bei rund 2 Milliarden Euro liegen. Mehr über Isar Aerospace
Finn
+++ Der kanadische Geldgeber Portage, Planet First Partners, Korelya Capital, White Star Capital, HV Capital, Picus Capital, SevenVentures, BC Partners Credit und Runway Growth Capital investieren 140 Millionen Euro (darunter 40 Millionen Fremdkapital) in FINN. Mehr über Finn
Taktile
+++ Goldman Sachs, Balderton, Index Ventures, DIG Ventures, Tiger Global, Visionaries, and Y Combinator investieren 110 Millionen US-Dollar (Series C) in Taktile. Mehr über Taktile
encosa
+++ Der Kölner Venture Capitalist Realyze Ventures, Bayern Kapital, Verve Ventures, Blum Ventures, Kopa Ventures, First Momentum Ventures, Redstone, Heliad, WEPA Ventures und UnternehmerTUM Funding for Innovators sowie mehrere Business Angels investieren 25 Millionen Euro (Fremd- und Eigenkapital) in encosa. Mehr über encosa
Theo
+++ Der New Yorker Venture Capitalist Insight Partners und Blackrock investieren 25 Millionen Euro (Fremd- und Eigenkapital) in Theo, zuletzt als Hallo Theo unterwegs. Mehr über Theo
Varm
+++ Der niederländische Impact-Investor ABN Amro Sustainable Impact Fund, GET Fund, Aurum Impact, Emerge Partners, Pale Blue Dot und noa investieren 17,5 Millionen Euro in Varm. Mehr über Varm
Almetra
+++ Der Investor blisce/ (Paris, New-York), NAP, Merantix Capital, Robin Capital, Underline und Critical Ventures sowie Business Angels investieren 16,3 Millionen Euro (Series A) in Almetra, früher als Deltia bekannt. Mehr über Almetra
Jupus
+++ Semapa Next, der Venture-Arm der portugiesischen Semapa Group, NRW.Venture, Acton Capital und High-Tech Gründerfonds (HTGF) investieren 13 Millionen Euro in Jupus. Mehr über Jupus
Cortea
+++ Der englische Investor Dawn Capital, der Berliner Geldgeber Cherry Ventures, Mosaic Ventures, Discovery Ventures sowie Business Angels wie Larry Bradley investieren 12 Millionen Euro in Cortea. Mehr über Cortea
Flagright
+++ Der US-Investor Infinity Ventures, Sella Direct Ventures, Frontline und Y Combinator investieren 12,5 Millionen Dollar in Flagright. Mehr über Flagright
Galvany
+++ Der niederländische EnergyTech-Investor SET Ventures und der Berliner ClimateTech-Geldgeber AENU investieren im Rahmen einer Seed-Investmentrunde 10 Millionen Euro in Galvany. Mehr über Galvany
Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): KI
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Quantum Systems erhält 1,2 Milliarden
#DealMonitor
+++ #DealMonitor +++ DefenseTech Quantum Systems erhält 1,2 Milliarden +++ Sophora Unternehmerkapital investiert in Squer +++ Livekindly Collective übernimmt Veggie-Startup Greenforce +++

Im #DealMonitor für den 02. Juli werfen wir einen Blick auf die wichtigsten, spannendsten und interessantesten Investments und Exits des Tages in der DACH-Region. Alle Deals der Vortage gibt es im großen und übersichtlichen #DealMonitor-Archiv.
STARTUPLAND 2027: SAVE THE DATE

The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere phänomenale dritte STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: Die nächste STARTUPLAND findet am 10. März 2027 statt. Mehr über Startupland
INVESTMENTS
Quantum Systems
+++ Blackstone, Noteus, Airbus, Advent, BOND, Fidelity Management & Research Company, Wellington Management, A.P. Moller Holding, Elephant Lake Ventures Balderton und HV Capital investieren 1,2 Milliarden US-Dollar in Quantum Systems. Die Bewertung des Defensetechs steigt auf rund 8 Milliarden US-Dollar (zuletzt rund 3 Milliarden Euro). „Die Mittel aus der Finanzierungsrunde sollen in den Ausbau von Produktionskapazitäten, die Absicherung der Lieferketten, die Skalierung der Lieferinfrastruktur in verbündeten Märkten sowie die Weiterentwicklung in Software und KI fließen.“, heißt es in einer Presseaussendung. Der englische Investor Balderton Capital und Co. investierten im Rahmen einer Series-C-Erweiterungsrunde zuletzt 180 Millionen Euro in das Unternehmen. Quantum-Systems, 2015 von Florian Seibel, Michael Kriegel, Tobias Kloss und Armin Busse gegründet, setzt auf unbemannte Flugdrohnen für militärische und zivile Zwecke – samt Softwareplattform. Mehr über Quantum-Systems
Squer
+++ Die Berliner Beteiligungsgesellschaft Sophora Unternehmerkapital investiert eine „mittlere achtstellige“ Summe in Squer – siehe Brutkasten. Das Wiener Unternehmen, 2019 von Manuel Klein, Matthias Kreuzriegler, David Leitner und Lukasz Juszczyk gegründet, positioniert sich als „Partner für Software-Modernisierung und digitale Transformation“. Mehr als 100 Mitarbeitende arbeiten derzeit für Squer. 2023 expandierte das Wiener Unternehmen nach München. Zuletzt übernahm Squer das Münchner KI-Startups Unit 214. Mehr über Squer
MERGERS & ACQUISITIONS
Livekindly Collective – Greenforce
+++ Das New Yorker Veggie-Unternehmen Livekindly Collective übernimmt das 2020 gegründete Münchner Fleischersatz-Startup Greenforce – siehe Lebensmittel Zeitung. Das Münchner Food-Unternehmen, von Thomas Isermann gegründet, sammelte in den vergangenen Jahren eine zweistellige Millionensumme in die Jungfirma. Zu den Geldgebern gehörte auch Fußball-Weltmeister Thomas Müller, Moderator Joko Winterscheidt und Feinkost-Macher Michael Käfer. Zuletzt war die Finanzierungslage bei Greenforce angespannt. Ein Zusammenschluss mit dem Wettbewerber Livekindly war schon vor Monaten ein Thema, kam dann aber ins Stocken. Mehr über Greenforce
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Foto (oben): azrael74
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17 Arbeitsplätze geschaffen – trotzdem kein dauerhaftes Bleiberecht für Gründer
2015 floh Fahim Noori aus Afghanistan. Heute beschäftigt er 17 Menschen – trotzdem bekommt er keine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.
In Celle betreibt Fahim Noori einen Pflegedienst mit 17 Mitarbeitenden. Er spricht perfektes Deutsch, zahlt Steuern und erwirtschaftet nach eigenen Angaben rund 80.000 Euro Gewinn im Jahr. Trotzdem bekommt er bis heute keine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Wie kann das sein?
Für Noori hat das ganz konkrete Folgen: Banken tun sich bei Krediten schwer, Leasinggesellschaften ebenso. Dabei würde der 34-Jährige seinen Pflegedienst gerne weiter ausbauen. Die Nachfrage ist da. Neue Mitarbeitende würde er sofort einstellen. Doch ausgerechnet die Bürokratie bremst ihn aus.
Unternehmer – und trotzdem kein dauerhaftes Bleiberecht
Eigentlich würde Noori gerne deutscher Staatsbürger werden. Doch in Celle dauern Einbürgerungsverfahren derzeit rund zwei Jahre. Das räumt eine Sprecherin auf unsere Anfrage ein. Die Ausländerbehörde gilt als chronisch unterbesetzt.
Noori versucht es deshalb erstmal gar nicht mit der Einbürgerung. So viel Zeit hat er als Unternehmer nicht. Deshalb beantragt er zunächst eine Niederlassungserlaubnis. Doch auch darauf wartet er seit Monaten.
Im Kern geht es um eine Frage: Kann Noori seinen Lebensunterhalt dauerhaft sichern? Er kann anhand seiner Buchhaltung einen Gewinn von rund 80.000 Euro im vergangenen Jahr nachweisen. Doch das reicht der Behörde offenbar nicht.
Besonders bitter: Beim Amt will man jetzt auch die Unterlagen für 2026 sehen. Weil Noori im aktuellen Jahr viel investiert hat, sind die Zahlen viel schlechter, erzählt er uns. Ausgerechnet seine Investitionen in weiteres Wachstum könnten nun gegen ihn ausgelegt werden.
Gerade Gründer haben es besonders schwer
Als Unternehmer kann Noori sein Einkommen nicht so einfach nachweisen wie ein Angestellter mit Gehaltsabrechnungen. Seine wirtschaftliche Situation muss umfassender bewertet werden und genau das erschwert das Verfahren.
Dabei war Fahim Noori nach seiner Ausbildung selbst als Pflegekraft mal angestellt, erzählt er. „Es gab eine große Nachfrage für Pflegedienste, also wollte ich mir selbst etwas aufbauen.“ Offenbar mit Erfolg. Unter einem Artikel der Celleschen Zeitung auf Facebook finden sich Anhaltspunkte für Nooris guten Ruf.
Eine ältere Dame schreibt: „Ich habe Fahim kennengelernt, als ich Hilfe brauchte. Ich kenne seine Geschichte und es ist unglaublich, wie er sich durchgekämpft hat. Ich bin stolz, ihn zu kennen und wünsche ihm von Herzen, dass der Amtsschimmel seinen Hintern bewegt und ganz schnell das Nötige erledigt.“ Ein anderer kommentiert: „Für mich ist er ein Paradebeispiel gelungener Integration und gelebten Unternehmergeistes.“
Von der Flucht in die Selbstständigkeit
Dieser Unternehmergeist ist Noori eigen. Aber er ist nicht ohne Momente des Zweifelns. Die Fluchtbiographie hat ihre Spuren hinterlassen. Noori kam 2015 aus Afghanistan. Die aktuellen Probleme kommen ihm „wie gar nichts vor“, wenn er sie mit seinen früheren vergleicht: Zunächst wurde sein Antrag auf Asyl abgelehnt. Die Folge: Noori litt an Depressionen. Mit einer Psychotherapie kämpfte er sich zurück. Er durfte seine Ausbildung abschließen und erhielt später doch noch Asyl.
„Ich sehe jedes Problem als Chance“, sagt er. „Es geht um den Willen, um das Dranbleiben.“ Sein aktueller Aufenthaltstitel läuft Mitte August aus. Abschieben wird Deutschland ihn voraussichtlich nicht. Stattdessen dürfte er erneut eine befristete Aufenthaltserlaubnis erhalten. Wieder für drei Jahre.
Die Bürokratie bremst das Wachstum
Aber die Befristung steht seinem Unternehmertum im Weg. Er braucht einen Kredit von der Bank, damit der Pflegedienst weiter wachsen kann. Anfragen potenzieller Kunden sind da, Noori würde am liebsten noch mehr Leute einstellen. Aber er braucht auch Autos für die Angestellten. Und die kann er als Mann mit befristetem Aufenthalt ebenso schlecht leasen.
Der Fall von Fahim Noori ist besonders hart. Aber er steht beispielhaft für die Überforderung der deutschen Verwaltung. Die wird in Politik und Startup-Szene seit langem kritisiert.
Talenten „den Teppich ausrollen“
„Wer sich hier eine Existenz aufbaut, Menschen einstellt und Steuern zahlt, darf dabei nicht an überlasteten Behörden scheitern“, sagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katharina Beck zu Gründerszene. Die amtierende Regierung habe zwar viel versprochen: „eine Unternehmensgründung innerhalb von 24 Stunden, einen One-Stop-Shop für alle Behördengänge, und für die bessere Gründungseinwanderung besonders wichtig: eine digitale Work-and-Stay-Agentur für Fachkräfte. Doch passiert ist davon bislang sage und schreibe nichts.“
Der Chef des Startup-Verbands, Christoph Stresing, sagt zu Gründerszene: „Auch wenn es mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2020 und dessen Weiterentwicklung im Jahr 2023 bereits zu signifikanten Verbesserungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen gekommen ist, tut sich die Verwaltung bei uns noch zu oft zu schwer mit der Anwendung. Mehr als 500 Ausländerbehörden erschweren dabei einheitliche Genehmigungsverfahren.“
Christian Miele, VC-Partner bei Headline-Partner, ergänzt gegenüber Gründerszene: „Gerade jenen Menschen die hier auch wichtige Aufgaben ausfüllen und Arbeit verrichten, wo wir selbst nicht ausreichend Arbeitskräfte haben, sollte man unbedingt den Teppich ausrollen.“
Zwei Stunden Hotline für Schicksalsfragen
Davon kann in Celle leider keine Rede sein. Die Lokalzeitung berichtet regelmäßig über die Lähmung der Celler Ausländerbehörde, von Hilferufen an die Politik. Verbesserungen bleiben aus. Es geht um die Schicksale von Familien wie der von Noori. Und beim Amt macht man dicht. Die Telefon-Hotline ist nur montags erreichbar, von 14 bis 16 Uhr. Zwei Stunden in einer ganzen Woche.
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