Digital Business & Startups
Als Unternehmer musst du Klarheit schaffen
#Interview
Gründeralltag – gibt es das überhaupt? „Ich starte meist mit einem Themenwechsel aus dem Kopf heraus: Die ersten Gedanken am Morgen drehen sich zwar oft um neue Ideen fürs Business, aber wirklich los geht’s, wenn ich im Gym war“, sagt Martin Picard, Gründer von Störtebekker.

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antworten Martin Picard und Darius Greulich, Gründer des Rasur – und Bartpflege-Startup Störtebekker. Das 2017 gegründete Unternehmen peilt in diesem Jahren einen Umsatz von 10 Millionen (Vorjahr 7 Millionen) an.
Wie startet Ihr in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Greulich: Mit einer Tasse Kaffee startet mein Arbeitsalltag im Office – und immer mit einem Blick in die Zahlen des Vortages. Danach strukturiere ich meinen Tag, priorisiere meine wichtigsten To-dos und gehe erst dann in die geplanten Termine.
Picard: Ich starte meist direkt mit einem Themenwechsel aus dem Kopf heraus: Die ersten Gedanken am Morgen drehen sich zwar oft um neue Ideen fürs Business, aber wirklich los geht’s dann, wenn ich im Gym war oder beim Tennis den Kopf freigemacht habe. Danach bin ich produktiver.
Wie schaltet Ihr nach der Arbeit ab?
Picard: Am besten, wenn ich etwas mache, das komplett nichts mit Business zu tun hat: Sport, Zeit mit meiner Freundin oder ein Abend ohne Termine. Auch wenn es manchmal dazu führt, dass ich nachts wieder in einen Ideen-Flow komme.
Greulich: Beim Sport. Dort schalte ich mental komplett ab – und genau dann entstehen oft die besten Ideen.
Was hättet Ihr gerne vor Eurem Einstieg ins Gründer- bzw. Unternehmer-Dasein gewusst?
Picard: Wie stark man als Gründer an sich selbst arbeiten muss. Am Anfang ging es um Produkt, Marketing und Sales. Später wurde klar, dass Resilienz, Fokus und Priorisierung mindestens genauso wichtig sind – gerade, wenn das Unternehmen größer wird.
Greulich: Wie viel Unsicherheit dazugehört: finanziell, operativ, persönlich. Man muss lernen, im Nebel zu entscheiden. Dieser Muskel ist entscheidend für Geschwindigkeit und Resilienz.
Was waren die größten Hürden auf dem Weg zur Gründung?
Picard: Der ständige Schritt aus der Komfortzone: erster Hire, erstes Gründer-Event, erster Live-Podcast. Dazu die Herausforderung, operative Strukturen aufzubauen und Aufgaben abzugeben. Und der große Übergang vom Ein-Personen-Performance-Business zum echten Markenaufbau mit Team und Leadership.
Greulich: Der Wechsel vom Angestellten-Mindset ins Unternehmer-Mindset. Als Unternehmer musst du Klarheit schaffen, auch wenn du sie nicht hast. Entscheidungen treffen, bevor alle Daten vorliegen. Weg vom Perfektionsdenken, hin zu Ownership und Tempo.
Was waren Eure größten Fehler – und was habt Ihr daraus gelernt?
Picard: Entscheidungen zu lange hinauszuzögern – bei Mitarbeiter:innen, Partnern oder Strukturen. Ich habe zu spät Backoffice-Unterstützung geholt und mich zu spät von Menschen getrennt, obwohl es sich früh nicht richtig anfühlte. Heute weiß ich: schnelle, klare Entscheidungen sind fast immer besser als perfekte, langsame.
Greulich: Zu spät gute Leute eingestellt. Zu lange selbst operativ festgehangen. Zu wenig Fokus. Heute weiß ich: Delegation ist Wachstum, und Fokus ist der stärkste Hebel.
Wie findet man die passenden Mitarbeiter:innen für sein Startup?
Picard: Wir stellen nach Haltung ein – erst danach nach Skills. Menschen, die Ownership verspüren, Verantwortung wollen und unsere Mission wirklich verstehen, machen den Unterschied. Core Values sind unser Filter. Channels: Personal Branding auf LinkedIn und gute Headhunter.
Greulich: Der wichtigste Schritt: glasklare Werte. Großartige Mitarbeiter:innen findet man durch Werte-Fit, strukturierte Interviews und persönliche Empfehlungen. Mein persönlicher Test: Wenn ich die Person nicht sofort gern auf einen Kaffee treffen würde, stelle ich sie nicht ein.
Welchen Tipp habt Ihr für andere Gründer:innen?
Picard: Früh auf Product–Market–Fit und messerscharfe Positionierung konzentrieren. Ein mittelmäßiges Produkt mit unklarer Story fliegt nie. Und: früh ein Netzwerk aufbauen, das schon da ist, wo man selbst hinwill.
Greulich: Fokus auf wenige Themen, dafür volle Execution. Um Hilfe zu bitten ist Stärke. Ein starkes Netzwerk kann wertvoller sein als jedes Budget.
Ohne welches externes Tool würde Euer Startup kaum existieren?
Picard: Klaviyo. E-Mail ist unser wichtigster Retention-Kanal.
Greulich: Unser Attributions- und BI-Tool. Ohne saubere Daten würden wir im Blindflug wachsen.
Wie sorgt Ihr im Team für gute Stimmung?
Picard: Durch offene Kommunikation, Humor, Wertschätzung und Transparenz über Zahlen und Ziele. Dazu regelmäßige Team-Events – vom Kochkurs bis zum Escape Room.
Greulich: Indem wir gemeinsam wachsen – persönlich wie beruflich. Jede:r soll echten Impact spüren. Team-Events, gemeinsame Erlebnisse, gute Stimmung im Alltag. Und: guter Kaffee und ein Kicker schaden nie.
Was war Euer wildestes Startup-Erlebnis?
Picard: Ein TikTok-Video, das völlig unerwartet viral ging: Millionen Aufrufe, 20.000 neue Follower in 24 Stunden und ein massiver Umsatzeffekt. Genau zu einer Zeit, in der es finanziell extrem eng war. Ein echter Befreiungsschlag.
Greulich: Ein Gutschein-Fail, der uns zeitweise über 1 Millionen Euro gekostet hätte. Dank eines extrem starken Teams konnten wir alles innerhalb von 24 Stunden rückabwickeln – ohne Schaden. Ein Moment, den man nur als Startup erlebt.
WELCOME TO STARTUPLAND

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Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag aus? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.
Foto (oben): Störtebekker
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So hole ich aus jedem CEO-Call das Maximum raus
Jason Modemann spricht jede Woche mit einer Vielzahl an CEOs. Nicht für jeden Call muss man perfekt vorbereitet sein, sagt er. Viel wichtiger seien diese drei Dinge:
Wenn Jason Modemann, Gründer und CEO von Mawave, in Terminen mit anderen CEOs sitzt, will er möglichst das volle Potenzial daraus nutzen. Wie er das mit geschickter Gesprächsführung schafft.
Ich spreche jede Woche mit einer Vielzahl an Geschäftsführern, Gründern und potenziellen Geschäftspartnern. Allein in der vergangenen Woche waren es über 20 Termine. Das sind Gespräche, in denen es um Zusammenarbeit, Entscheidungen und oft auch um echte Chancen geht.
Für mich ist deshalb klar: Wenn ich schon in so einem Termin sitze, dann will ich das Maximum rausholen. Und ich habe gemerkt: Der Unterschied liegt fast immer darin, wie man in das Gespräch reingeht.
Für mich sind vor allem drei Dinge entscheidend:
1. Nicht bei null starten
Für mich ist es eine absolute Frage des Respekts, nur in einen Termin zu gehen, wenn ich auch darauf vorbereitet bin – zumindest ein bisschen. Da mein Kalender vollgepackt ist, habe ich allerdings meistens keine Zeit für eine lange Vorbereitung auf einzelne Gespräche. Aber zwei bis drei Minuten gehen immer.
Kurz vor dem Termin schaue ich deshalb kurz auf Linkedin: Wer ist die Person? Was macht sie gerade? Wo kommt sie her? Zusätzlich checke ich ein, zwei aktuelle Posts, um zu verstehen, was sie beschäftigt. Und wenn ich noch eine Minute habe, google ich nach Interviews oder Presseartikeln.
Gleichzeitig mache ich mir kurz klar, in welchem Kontext wir überhaupt sprechen:
- Was ist das für ein Unternehmen?
- Was machen sie konkret?
- Und vor allem: Warum sprechen wir gerade miteinander?
- Geht es um einen Austausch, eine potenzielle Zusammenarbeit oder eine konkrete Entscheidung?
So starte ich nicht bei null und weiß direkt, wo ich ansetzen kann. Außerdem verliert man dann im Gespräch nicht die ersten Minuten mit blöden Rückfragen, die man sich hätte sparen können.
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2. Ownership übernehmen
Damit das Gespräch in die richtige Richtung läuft und wir uns nicht im Smalltalk oder unwichtigen Themen verzetteln, versuche ich, als Organisator des Termins diesen auch aktiv zu führen und eine Agenda festzulegen. Bedeutet:
- Am Anfang einmal kurz klären, warum sind wir hier?
- Was soll heute dabei herauskommen?
Und dann während des Gesprächs auch mal steuern, wenn man merkt, dass es sich verläuft.
3. Ergebnis definieren
Der größte Fehler: Man versteht sich gut, hat ein paar spannende Gedanken ausgetauscht … und danach passiert nichts. Für mich ist deshalb entscheidend: Am Ende muss klar sein, was als Nächstes passiert.
- Gibt es ein Follow-up?
- Wer meldet sich bei wem?
- Oder ist es einfach nur ein Austausch gewesen?
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Oft sind es genau diese Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Du brauchst keine perfekte Vorbereitung. Aber du brauchst ein klares Ziel, Ownership und den Anspruch, die Zeit des anderen und deine eigene nicht zu verschwenden.
Jason Modemann ist Gründer und Geschäftsführer von der Social Media Agentur Mawave Marketing. Mit 27 Jahren führt er rund 150 Mitarbeiter. Zu Mawaves Kunden zählen unter anderem Red Bull, Nike und Lidl. Zudem ist er Autor des Buches „Always hungry, never greedy.“
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Wie du Investoren dein Thema richtig pitchst
Ein Founder sagte kürzlich zu mir: „Unser Problem ist, dass Business Angels unser Thema nicht verstehen.“
Dieser Satz fällt im Fundraising erstaunlich häufig. Gründerinnen und Gründer arbeiten an komplexen Technologien, neuen Märkten oder erklärungsbedürftigen Geschäftsmodellen. Die logische Schlussfolgerung scheint dann zu sein: Wir müssen Investoren einfach besser erklären, was wir tun.
Doch genau hier liegt oft das Problem.
Warum Investoren nicht alles verstehen müssen –zumindest am Anfang
Die meisten Business Angels sind Privatinvestoren. Sie investieren nicht, weil sie müssen. Sie investieren, wenn sie Lust dazu haben.
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Einklang – und Energiesysteme werden flexibel
#StartupsToWatch
„Wir lösen ein zentrales Problem der Energiewende“, sagt Lucas Jonas, Gründer der Jungfirma Einklang. Vireo Ventures, SIVentures, Saxovent und Co. investierten kürzlich 2,2 Millionen Euro in die Kölner Jungfirma, die im Jahre 2025 gegründet wurde.

Zu den vielen Startups, die man unbedingt im Blick behalten sollte, gehört das millionenschwere Kölner Startup Einklang. Das Startup, 2025 von Lucas Jonas, Paul Ziche, José Neri und Jonathan Schulte gegründet, positioniert sich als „Energy-as-a-Service-Anbieter für den deutschen Mittelstand“. Das Team möchte Gewerbe- und Industriekunden dabei helfen, „Strom automatisch zu beziehen, wenn er kostengünstig und erneuerbar verfügbar ist“.
„Wir lösen ein zentrales Problem der Energiewende: Während energieintensive Industriebetriebe durch spezielle Regelungen entlastet werden, zahlt der Mittelstand weiterhin hohe Strompreise. Die Ursachen liegen nicht bei den erneuerbaren Energien selbst, sondern bei Preisvolatilität, hohen Netzentgelten, Lastspitzen und mangelnder Flexibilität im Verbrauch. Das wollen wir mit unserer Lösung ändern“, sagt Gründer Lucas Jonas.
Der Berliner Frühphasengeldgeber Vireo Ventures, der Leipziger Frühphasen-Investor SIVentures, Saxovent, Angel Invest, Heimatboost und DNA Ventures investierten kürzlich 2,2 Millionen Euro in die Jungfirma, die 2025 im STARTUPLAND auf der Pitch Stage vertreten war.
„Ausschlaggebend für unser Investment war das außergewöhnlich starke Team von Einklang mit seiner praktischen Erfahrung aus früheren Gründungen und Industrie-Know-how. Einklang verfolgt die klare Vision eines dezentralen Full-Service-Anbieters für flexible Energiesysteme im Mittelstand. Die aktuellen regulatorischen Rahmenbedingungen eröffnen großes Potenzial für integrierte Lösungen aus Batteriespeichern, PV, dynamischen Tarifen und intelligenter Steuerung“, sagt Felix Krause von Vireo Ventures. Vireo hält nun 13 % an Einklang.
Durchstarten in Köln – #Koelnbusiness
In unserem Themenschwerpunkt Köln beleuchten wir das dynamische Startup-Ökosystem der Rheinmetropole. Wie sind die Bedingungen für Gründer:innen, welche Investitionen fließen in innovative Ideen und welche Startups setzen neue Impulse? Rund 800 Startups haben Köln bereits als ihren Standort gewählt – unterstützt von einer lebendigen Gründerszene, einer starken Investor:innen-Landschaft sowie zahlreichen Coworking-Spaces, Messen und Netzwerkevents. Als zentrale Anlaufstelle für die Startup- und Innovationsszene stärkt die KölnBusiness Wirtschaftsförderung die Rahmenbedingungen für Gründer:innen, vernetzt sie mit Investor:innen und bietet gezielte Unterstützung. Diese Rubrik wird unterstützt von KölnBusiness. #Koelnbusiness auf LinkedIn, Facebook und Instagram.

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.
Foto (oben): Einklang
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