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Social Media

Feed und Fudder 78 – Content über den niemand spricht


Psst, wir wagen uns in die dunklen Ecken von Social Media. Klingt gruselig, ist aber ganz harmlos und doch wenig bekannt. Dark Social bezeichnet Plattformen und Funktionen, die wie soziale Netzwerke aufgebaut sind oder innerhalb von Social Plattformen, wie Gruppen, existieren, aber nicht öffentlich zugänglich sind.

Der Clou an Dark Social: die große Menge an User-Generated-Content! Nirgends reden die User*innen so frei und offen, wie in geschlossenen Räumen. Dark Social Kanäle sind zahlreich, denkt an Whatsapp-Chats, Facebook-Gruppen oder auch Bewertungen in Google Maps.

Viele Marken und Unternehmen haben das Potenzial von Dark Social noch gar nicht erkannt. Auch weil der Zugang natürlich nicht so leicht ist. Wir sprechen im Podcast, wie Marken das Potenzial von Dark Social nutzen können und welche Kanäle ihr nicht verpassen dürft!

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Transkript Feed und Fudder Podcast Folge 78 – Content über den niemand spricht

Du bist grad irgendwo, wo es still sein muss, schmöckerst lieber in Texten oder möchtest unsere Folge barrierefrei mit deinem Screenreader lesen? Kein Problem!

Hier gibt es das Transkript zu Folge 78 – Content über den niemand spricht

Transkript

Nicola  

Hallo und Servus zu einer neuen Folge Feed & Fudder mit Alex und mir, der Nici. Hallo Alex.

Alexander  

Hallo, herzlich willkommen. Darf ich die heutige Folge mit einem Sprichwort starten?

Nicola  

Ja, von mir aus, komm, hau raus.

Alexander  

Im Dunkeln ist gut munkeln.

Nicola  

Wow, aus welcher Kiste hast du das rausgeholt? Ich dachte, wir machen heute unsere Karma-Punkte, weil wir über Content reden, über den niemand spricht. Das sind unsere Karma-Punkte, dass man auch mal dem Content eine Chance gibt, über den eigentlich niemand sprechen möchte oder den niemand sieht.

Alexander  

Und teilweise haben diese Orte sogar einen Namen, deswegen auch mein Sprichwort. Da kommen wir gleich dazu, was das bedeutet: Dark Social.

Nicola  

Witzigerweise denke ich bei Dark Social immer an Darknet, so böse. Aber es ist gar nicht so böse, es wird heute nicht so böse.

Alexander  

Genau.

Nicola  

Und vielleicht darf ich ein Zitat einwerfen von Lara Daniel, die einen Gastbeitrag auf allsocial.de geschrieben hat, schon etwas länger her, über Dark Social. Schaut gerne nochmal nach, vielleicht verlinkst du das in den Shownotes. Sie ist Co-Founderin und CEO der Social-Media-Agentur Pulse Advertising.

Sie hat den Artikel damit begonnen, dass sie schreibt: Es ist eine unbequeme Wahrheit für alle, die im Social Media Marketing arbeiten. Der Großteil des Content-Sharings und der Gen Z findet an Orten statt, die nicht sichtbar sind. So, was heißt das eigentlich?

Alexander  

Ich würde sagen, wir trennen das. Wir reden zuerst über Content, der enorme Reichweite hat, aber von Marken nicht wahrgenommen wird, der an sichtbaren Orten stattfindet, wie Google Maps oder TripAdvisor. Und das Zweite sind diese Dark-Social-Geschichten. Die kann man schlichtweg nicht einsehen, weil sie nicht einsehbar sind, wie Direct Messages, private WhatsApp-Gruppen oder Facebook-Gruppen.

Nicola  

Das ist eine gute Idee. Eine meiner meistfrequentierten Apps ist Google Maps, bin ich ehrlich. Das ist echt traurig, aber ich liebe diese App. Ich schaue mir so gerne Orte an. Und wenn ich irgendwo hinfahre, recherchiere ich und markiere mir Orte. Ich schreibe Rezensionen und es ist unfassbar, welche Reichweiten man über Google-Rezensionen bekommen kann.

Es gibt so viele tolle Orte. Ich glaube, ich habe es schon mal erwähnt: In Heidelberg ist eine der berührendsten Sehenswürdigkeiten der Spongebob-Schwammkopf-Elektrokasten, wenn man reinfährt. Diese Rezensionen sind Content-Gold. Auch Stadien sind Content-Gold. Eine meiner Lieblingsrezensionen war bei der Allianz Arena: tolles Stadion, zu weit weg.

Alexander  

Ich habe leider den Namen der Stadt vergessen, aber es war eine Stadt in Baden-Württemberg. Die hatten mitten in der Stadt eine Baugrube. Dann ist das Geld ausgegangen oder man wusste nicht, was man damit macht. Irgendwann wurde das bekannt als „das Loch“ und hat hervorragende Bewertungen als Fünf-Sterne-Reiseziel bekommen, auf Google Maps oder TripAdvisor.

Nicola  

Ja, ich liebe es. Es gibt auch bei uns im Ort Markierungen von lustigen Locations. Die Insider wissen, was das ist. Es sind keine offiziellen Orte. Aber ich liebe Google-Rezensionen, sie machen unfassbar Freude. Ich lese sie auch gerne, einmal weil ich etwas wissen will, aber auch weil sie unterhaltsam sind. Das findet nicht so richtig in der Öffentlichkeit statt. Niemand spricht darüber.

Das sind die User unter sich. Es findet aus User-Sicht statt und sehr aktiv. Der Anteil an User-Generated-Content auf Google Maps, Rezensionsportalen, TripAdvisor, Kununu oder Arztbewertungsportalen ist extrem hoch. Aber in Marketingabteilungen denkt man nur in Plattformlogiken: Wie ist das Sentiment auf Facebook? Wie ist es auf TikTok? Aber mal zu schauen, wie stehen wir auf Google Maps da, daran denkt niemand.

Manche schon, gerade Local Stores. Wenn ich lokale Rezensionen schreibe und wieder in den Laden gehe, wurde ich schon angesprochen. Eine Ladenbesitzerin hat mir gedankt. Sie hat gesagt, das war wertvoll und hat ihrem kleinen Laden geholfen. Das ist total schön.  

Ich habe mal nachgeschaut: Ich mache das aus Spaß, nicht professionell, aber ich habe inzwischen 806 Rezensionsbeiträge. Da war ich selbst überrascht.

Alexander  

Krass, du bist ja voll die Google-Maps-Influencerin.

Nicola  

Und manche Beiträge haben unfassbare Reichweiten, gerade ältere. Ich habe inzwischen fast 500.000 Views in Google-Rezensionen. Und was ich mache, ist harmlos. Es gibt Leute, die machen das professionell und haben unfassbare Reichweiten. Gerade bei lokalen Locations mit schönen Bildern.  

Alexander  

Also alle Läden da draußen: Wenn ihr bisher keine Rezension von Nicola habt, strengt euch mal an.

Nicola  

Ich mache nur positive. Ich mache kein Bashing. Ich schreibe nur, wenn ich finde, dass es wirklich gut ist und sie es verdient haben.  

Es ist erstaunlich. 1000 Views auf einen Beitrag sind nicht selten. Und seien wir ehrlich: Wenn du Instagram machst, ist es als Privatperson schwer, Views zu bekommen. Und das sind Evergreens. Wenn sie einmal drin sind, werden sie immer wieder gesehen.  

Ich hatte bei einem Restaurant in Heidelberg 7500 Views, der Beitrag ist zwei Jahre alt. Es ist erstaunlich, wie viel Reichweite da entsteht. Google Maps ist für mich Content, über den niemand spricht, der aber wirklich Reichweite bringt, unterhaltsam ist und sich lohnt.

Alexander

Sie sind auch manchmal total amüsant. Ich finde es lustig, wenn Leute sich beschweren, weil sie etwas völlig anderes erwartet haben. Zum Beispiel gehen sie in ein Fitnessstudio und erwarten einen Supermarkt.

Nicola

Oder wirklich Stadien. Schaut euch Stadionrezensionen an. Da steht dann: schönes Stadion, gute Stimmung, aber nicht mein Verein, nur ein Stern. Leute, echt jetzt? Das geht nicht.

Alexander

Aber du hast gerade etwas Entscheidendes gesagt: Die Ladenbesitzerin hat sich bei dir bedankt. Die Awareness ist ganz unten, aber die meisten Ladenbesitzer sind keine Marketingexperten. Trotzdem ist ihnen bewusst, wie wichtig das ist.

Nicola

Weil sie den direkten Effekt sehen. Für sie ist es wertvoll.

Alexander

Wir kommen gleich zu Dark Social. Aber es ist interessant, dass im professionellen Marketing das kaum jemand auf dem Schirm ist. Man kann es nicht direkt kontrollieren, man kann keinen Google-Maps-Account wie einen Facebook-Account anlegen. Aber man kann extrem viele Learnings daraus ziehen: Wie entsteht User-Generated-Content? Welchen Humor hat die Zielgruppe? Welche Gefühle? Welche Vorerfahrungen?

Nicola

Darf ich reingrätschen? Das stimmt nicht ganz. Es gibt Unternehmensaccounts. Wenn ich eine Rezension schreibe, kann das Unternehmen antworten. Jedes Hotel macht das. Gute Restaurants, gute Hotels, engagierte Menschen sagen auch: Wenn es dir gefallen hat, kannst du uns auf Google bewerten. Wenn man das charmant macht, mache ich das auch.

Und es gibt Branchen, da ist das ein volles Business-Ding, gerade im Tourismus. Da hätte ich auch noch ein Beispiel für Content, über den niemand spricht.

In anderen Branchen ist es schwierig. Wenn ich ein großes Pharmaunternehmen bin, sind Rezensionen extrem aktuellkeitsgebunden. Da ist es schwierig. Aber im Tourismus bietet es sich extrem an, da wirklich dahinter zu sein.

Zum Thema Content, über den niemand spricht: Webcams. Webcams von Städten, Webcams in Bergdestinationen. Ich liebe Webcams. Kennst du das? Zum Beispiel Bergfex. Ich will Schneehöhen sehen, gehe ins Skigebiet und schaue mir die Webcam an. Das ist Content, der da ist.

Früher gab es diese Panorama-TV-Sender, wo du morgens das Wetter aus jedem Skigebiet gesehen hast. Und manchmal entstehen aus Webcam-Material Geschichten. Wenn es krass schneit oder etwas passiert, kann man das als Content nutzen.

Alexander

Oder wenn man Sentimentanalysen machen will: YouTube-Kommentare sind extrem unterschätzt. Die Leute sind dort unglaublich aktiv. Ich sehe nirgendwo so viele Kommentare wie auf YouTube. Die Bereitschaft zu kommentieren, ist dort extrem hoch.

Nicola

Ja, und auch da: Webcams sind vielleicht ein Nerd-Thema, aber spannend für Destinationen. Da gibt es viel Content. Die streamen 24 Stunden. Ein Skigebiet hat acht oder zehn verschiedene Webcam-Perspektiven. Das ist Content, der immer da ist. Manchmal langweilig, aber die Frage ist: Was machst du daraus? Und es gibt viele Leute, die sich das anschauen.

Alexander

Jetzt mal etwas Ernstes. Bisher war es humorvoll, aber einer spricht über diesen Content: die KI. Noch ist es eine Anekdote, diese User-Generated-Kommentare auf Google Maps. Aber KI-Modelle, die das ganze Internet abgrasen, suchen immer mehr Informationen. Reddit geht in eine ähnliche Richtung. Und du siehst in KI-Antworten immer mehr solche Quellen: Reddit, Google Maps, solche Dinge werden zitiert.

Die Relevanz von diesem Nicht-Content-Content wird durch KI steigen, weil die Modelle nach neuen Trainingsdaten suchen.

Nicola

Ja, und abgesehen davon gehe ich davon aus, dass Gemini Plattformen wie ChatGPT stark vom Markt fegen wird, weil Google seine eigenen Daten nutzt. Google hat alle Google-Rezensionen. Diese Trainingsdaten sind Google-Daten.

Wenn man nur bei Google-Rezensionen bleibt: Das wird mega spannend. Da bin ich voll bei dir. Das kann ein Meinungsbild verändern.

Aber auch Amazon-Bewertungen. Unfassbar viel Content.

Und eine Nische, die es rausgeschafft hat: eBay Kleinanzeigen. Der Content dort ist ein Running Gag, wie früher die Twitter-Perlen. Das hat es geschafft, aus Nicht-Content neuen Content zu machen. Und es ist unfassbar unterhaltsam.

Alexander

Mittlerweile werden auch oft Memes im eBay‑Kleinanzeigen‑Stil produziert, als Grafik oder ähnliches.

Nicola

Ja, es ist ein eigenes Genre. Rezensionen und eBay‑Kleinanzeigen haben es wirklich geschafft, aus Nicht‑Content Content zu machen.

Aber der Schwenk zur Dunkelheit, wobei dunkel… ich finde auch das Thema Direct Messaging spannend. Jetzt gehen wir mal kurz ins Private. Es ist unglaublich, wie viel Content in WhatsApp‑Gruppen geteilt, geschrieben und produziert wird. Das ist unfassbar viel.

Es schafft es natürlich nur bedingt aus dieser Bubble raus. Soll es vielleicht auch gar nicht. Es soll in dieser Bubble bleiben.

Ein Beispiel: Ich bin in einer lokalen Ortsgruppe. Da ist jeden Tag so viel Engagement, weil es sehr spezifisch ist. Nur Menschen aus diesem Ort. Da war letztes Jahr eine Mondfinsternis. Ohne Aufforderung teilen die Leute Bilder aus ihrer Perspektive und so viele reagieren darauf. Da dachte ich mir: Was für ein Potenzial da drin steckt. Unfassbar.

Alexander

Genau. Dark Social ist ein Begriff aus dem Marketing, der genau das beschreibt. Wie kann eine Marke herausfinden, wie in diesen Bereichen über sie gesprochen wird? Und was kann sie tun, um positiv wahrgenommen zu werden?

Das erste ist verdammt schwer. Ich weiß nicht, wie man als Marke in so eine Dorfgruppe reinkommt. Und es kommt oft nicht gut an. Ich kenne das aus Facebook‑Gruppen. Ich liebe Facebook‑Gruppen. Da gibt es alles: Kochen, Hobbys, historische Bilder von Mannheim. Ich bin überall drin.

Marken versuchen oft reinzukommen und posten dann Promocodes. Das wird meistens von Admins unterbunden und kommt bei Usern nicht gut an. Diese Gruppen eignen sich nicht gut für plumpes Marketing.

Nicola

Ich glaube, da verprellt man sich eher.

Alexander

Was man aber machen kann: Auf den eigenen Profilen Inhalte erstellen, die zum Teilen einladen. Rabattcodes, die man tracken kann. Dann sieht man, wie oft etwas geteilt wurde, wie oft es sichtbar geteilt wurde und ob es funktioniert.

Um in Dark Social zu punkten, brauchst du Inhalte, die geteilt werden wollen.

Nicola

Spannend ist auch: Was sind das für Gruppen? Interessengruppen oder lokale Gruppen? Im Lokalen geht es eher. In meiner Ortsgruppe gibt es Unterbereiche wie Ankündigungen oder Einkaufen. Da können lokale Geschäfte posten, was es zum Mittagstisch gibt oder dass zur Kerwe verkaufsoffener Sonntag ist. Das ist okay, weil es in den Rahmen passt.

Man muss schauen: Welche Optionen gibt es? Gibt es Unterrubriken, in denen Werbung akzeptiert ist? Neueröffnungen funktionieren gut. Für den lokalen Markt ist das super.

Unangenehm wird es, wenn es random ist. Wenn die Leute das Gefühl haben: Das ist eine private Gruppe, wir unterhalten uns hier gut, und jetzt kommt eine Brand rein. Da sind die Leute sensibel.

Ich würde es nicht ausschließen, aber man muss prüfen: Habe ich Relevanz und Berechtigung? Oder bin ich Initiator der Gruppe?

In Tirol habe ich erlebt, dass Tourismusvereine Gruppen gegründet haben. Sie sind eher Hosts. Sie posten wenig, bieten aber die Plattform. Die Leute unterhalten sich, teilen Bilder, reagieren auf Wetter. Das funktioniert.

Alexander

Es hält dich ja nichts davon ab, selbst aktiv zu werden und eine Gruppe zu gründen. Oder einen WhatsApp‑Channel oder einen Instagram‑Broadcast‑Channel.

Nicola

Genau. Da gibt es viele Möglichkeiten. Interessant ist: Wo bin ich unterwegs und wo bringt es mir etwas? Und dieses Sharing: Instagram bewertet inzwischen Saves und Shares höher, weil genau das passiert. Ich sehe etwas, mache einen Screenshot und teile es. Das ist mega wertvoll. Und ich teile es meistens nicht öffentlich, sondern privat. Für Brands ist das extrem wertvoll.

Lara hat in ihrem Artikel erwähnt, dass häufiger über private als über öffentliche Kanäle geteilt wird. Das überrascht nicht, weil wir Social nicht mehr so privat nutzen. Studien zeigen: 63 Prozent teilen eher privat, 20 Prozent ausschließlich über Dark Social.

Das ist sehr relevant. Und Empfehlungsmarketing ist da riesig. Wenn ich dir privat etwas empfehle, hast du kaum Streuverluste.

Alexander

Das ist natürlich die Königsdisziplin: Empfehlungsmarketing.

Nicola

Genau. Und ich glaube, es lohnt sich für euch da draußen, je nachdem ob ihr auf Agenturseite oder Brandseite arbeitet, diesen Dark‑Social‑Bereich einmal bewusst anzuschauen und in diese Richtung zu brainstormen. Reddit ist da natürlich ein großes Thema, war es schon immer.

Alleine Social Listening zu machen und sich anzuschauen, wie die Stimmung ist, würde helfen, Angebote zu schaffen oder einzuschätzen, wie die Brand wahrgenommen wird, wenn sie überhaupt wahrgenommen wird. Das muss man ja auch dazu sagen, wenn es Sinn macht.

Alexander

Deswegen: Macht Content, der gut teilbar ist. Und natürlich auch die Produktqualität. Du musst halten, was du versprichst. Wenn du ein schlechtes Produkt hast, wird das auch geteilt. Dann wird schlecht über dich gesprochen.

Nicola

Aber Teilbarkeit kann ja unterschiedlich sein. Shareability im privaten Umfeld ist nochmal spezieller. Die Frage ist: Wie ist der Content gemacht? Ist das ein Design, das eher dafür geeignet ist, privat geteilt zu werden? Dann müssen andere Komponenten drauf sein.

Alexander

Genau. Du musst Content so erstellen, dass er die Leute animiert, ihn in Gruppen zu teilen. Zum Beispiel: jemand findet ein richtig gutes Angebot und teilt es.

Nicola

Ja, das ist spezieller. Da kann man eine eigene Folge draus machen: shareable Content. Es ist ein Unterschied, ob ein Post öffentlich geteilt werden soll oder ob er privat geteilt wird.

Der Klassiker: Neueröffnung. Oder ein Musikfest. Das würde ich niemals auf Instagram teilen, aber in WhatsApp schon. Das sind diese Mini‑Poster, die als Kachel funktionieren. Privat teile ich das, öffentlich nicht.

Alexander

Schade, dass ich nicht im selben Dorf bin. Ich würde gerne wissen, wann bei euch das Musikfest ist.

Nicola

Kann ich dir über WhatsApp schicken. Aber genau das meine ich: Das Design ist privat tauglich, aber nicht für Instagram. Ihr könnt uns ja gerne schreiben, wie wichtig euch das Thema Dark Social ist. Ich finde, das ist ein Gedanke wert.

Alexander

Oder habt ihr jetzt zum ersten Mal in dieser Folge von Dark Social gehört? Ich bin gespannt auf das Feedback. Überlegt euch, das in die Marketingstrategie aufzunehmen. Und dann können wir über shareable Content reden.

Nicola

Auf der AllSocial Marketing Conference wird es auch Themen zu Reddit geben. Das streift das Thema, weil Reddit und KI gerade sehr präsent sind. Ich persönlich finde diese nischigen Sachen spannend: Webcams, Rezensionen, WhatsApp‑Gruppen. Da steckt so viel Potenzial drin. Es ist nicht einfach, eine clevere Strategie zu haben. Manchmal macht es keinen Sinn, aktiv zu werden. Aber es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, Social Listening zu betreiben und zu schauen, was es da gibt und wie es stattfindet. Vielleicht gibt es Content, den man anders nutzen kann.

Alexander

Social Listening ist nie verkehrt.

Nicola

Ich glaube, wir bleiben da mal dran. Oder, Alex?

Alexander

So oder so ja nicht, nein.

Nicola

Wir sind ja alle Voyeuristen. Daher ist es okay. Wir sneaken überall rein und gucken. Das befriedigt unseren voyeuristischen Drang.

Alexander

Du schaust ja eigentlich nach, wie über dich auf Social Media gesprochen wird. Aber Social Listening heißt ja eigentlich hören.

Nicola

Ja, du hast recht, das ist eigentlich nicht korrekt.

Alexander

Ich werde es verkraften. Macht es gut.

Nicola

In dem Sinne wünsche ich dir eine schöne Woche. Schau doch mal nach, was über dich im Social gesprochen wird. Vielleicht gibt es ja auch ein paar Gruppen. In die Ortsgruppe darfst du leider nicht rein, weil du weder aus dem Ort kommst noch dort wohnst. Sorry, it’s a closed community. Es bleibt ein dunkler Fleck in deiner Content‑Landschaft. Wir hören uns. Ciao.



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Engagement ist nicht das Ziel, sondern ein Nebenprodukt


Du kennst die Situation: Dein neuester Post hat viele Likes, Kommentare, vielleicht sogar Shares. Intern wird das als Erfolg gewertet und im Reporting sieht das gut aus.

Und trotzdem bleibt die entscheidende Frage offen: Was hat dieser Beitrag eigentlich fürs Unternehmen bewirkt? Denn genau hier liegt ein strukturelles Problem im Social-Media-Marketing: Engagement wird als Ziel verstanden, obwohl es in den meisten Fällen nur eine Begleiterscheinung ist.

Warum Engagement so attraktiv wirkt

Die Antwort ist so einfach, wie simpel: Engagement ist leicht zu messen und sofort sichtbar. Likes, Kommentare und Shares sind direkt verfügbar, sie lassen sich einfach vergleichen und sie erzeugen schnelle Erfolgserlebnisse. Das ist gerade im Arbeitsalltag sehr verführerisch. Ein Beitrag performt gut – also war er auch „gut“. Ein anderer nicht – also war er „schlecht“. Leuchtet ein, ist aber falsch.

Denn Engagement sagt zunächst einmal nur, dass Menschen auf einen Inhalt reagiert haben. Nicht warum und vor allem nicht, was danach passiert ist. Ein Beitrag kann hohe Interaktionsraten haben und trotzdem kaum einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.

Typische Beispiele:

  • Inhalte, die stark polarisieren
  • Unterhaltsame Posts ohne Bezug zum Angebot
  • Diskussionen, die zwar Reichweite erzeugen, aber keine Relevanz für die Marke haben

Solche Inhalte „funktionieren“ auf Plattformebene, aber nicht im Marketingkontext.

Umgekehrt gibt es Inhalte, die deutlich weniger Engagement erzeugen, aber strategisch wertvoll sind:

  • erklärende Inhalte, die Vertrauen aufbauen
  • konkrete Angebote
  • Inhalte entlang einer klaren Customer Journey

Diese Beiträge werden oft still konsumiert, ohne Like oder Kommentar. Und genau deshalb tauchen sie im Reporting schnell als „schwach“ auf.

Engagement ist ein Indikator, aber kein Ziel

Sinnvoll wird Engagement erst dann, wenn es eingeordnet wird. Dann kann Hinweise geben auf:

  • Die Relevanz eines Themas
  • Verständlichkeit eines Inhalts
  • Anschlussfähigkeit an die Zielgruppe

Aber: Engagement beantwortet keine der Fragen, die im Unternehmen wirklich relevant sind.

  • Hat sich die Wahrnehmung der Marke verändert?
  • Gibt es mehr qualifizierte Anfragen?
  • Werden Produkte besser verstanden oder häufiger nachgefragt?

Solange diese Verbindung fehlt, bleibt Engagement eine isolierte Kennzahl. Und auf Kennzahlen, die gemessen werden, wird leider viel zu oft auch optimiert. Da stellt sich schnell die Frage: Wie können wir den Wert noch steigern. Und schnell steht man in der Todesspirale des Engagements:

Mehr Engagement → mehr von diesem Content → noch mehr Engagement

„Todesspirale“ deshalb, weil auf dem Weg eine Menge Ressourcen völlig unnötig „verbrannt werden“.

Messt, was sinnvoll ist.

Messt lieber, was sinnvoll ist:

  • Wie viele Produkte wurden bestellt oder verkauft?
  • Wie viele Anfragen wurden generiert?
  • Wie viele Bewerbungen sind reingekommen?
  • Wie viele Newsletter-Abos sind entstanden?

Engagement kann bei den passenden Posts entstehen, muss es aber nicht.

Wenn die Rolle klar definiert ist, verändert sich auch die Bewertung:

Ein Beitrag mit wenig Interaktion kann erfolgreich sein, wenn er seine Funktion erfüllt.
Ein Beitrag mit viel Interaktion kann irrelevant sein, wenn er keine Funktion hat.

Was das für dein Reporting bedeutet

Wenn du Engagement weiterhin isoliert betrachtest, wirst du immer wieder falsche Schlüsse ziehen. Sinnvoller ist es, Engagement einzuordnen. Gerade auch im Reporting. Schreibt die Interaktionsrate nicht als Wert auf irgendeinen Slide, sondern gebt dem Ganzen Kontext.

  • In welchen Formaten tritt es auf?
  • In welchen Phasen der Customer-Journey wird Engagement sichtbar?
  • In Kombination mit welchen anderen Kennzahlen oder gar KPIs?

Fazit

Engagement ist nicht das Ziel von Social Media. Es ist ein Nebeneffekt, manchmal ein hilfreicher, manchmal ein irreführender.

Wer Social Media ernsthaft steuern will, muss sich davon lösen, Interaktion als Erfolg zu interpretieren. Entscheidend ist nicht, ob Menschen reagieren, sondern ob sie in deinem Unternehemssinne agieren.



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Feed und Fudder Podcast 80 – Social Media Trends 2026


Was passiert, wenn du nicht auf der wichtigsten Social-Media-Konferenz bist, aber trotzdem alle Insights bekommst? Genau das. Eine persönliche und überraschende Folge über die Trends, die Social Media 2026 wirklich prägen. Die Social Media Trends 2026 zeigen eine klare Richtung: Weg von Hochglanz, hin zu Authentizität, Mut und echtem Storytelling.

In dieser Folge von Feed und Fudder beleuchtet Alex und Nici die zentralen Learnings der Allsocial Marketing Conference in München 2026 – von der neuen Rolle von SEO im KI-Zeitalter bis hin zur wachsenden Bedeutung von Plattformen wie Reddit.

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Abstract: Feed und Fudder Podcast Folge 80 – Social Media Trends 2026

Die wichtigsten Social Media Trends 2026: Warum Mut wichtiger ist als Perfektion, wie SEO und Social zusammenwachsen und was Marken jetzt wirklich lernen müssen. Die Social Media Landschaft verändert sich und zwar schneller als je zuvor. Während Plattformen, Algorithmen und Technologien sich ständig weiterentwickeln, wird eine Sache immer klarer: Sichtbarkeit entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Mut.

In einer besonderen Podcast-Folge von Feed und Fudder sprechen Nici und Alex über die wichtigsten Learnings der Allsocial Marketing Conference in München. Ein zentrales Learning der Konferenz lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Sichtbarkeit entsteht durch Mut, nicht durch Hochglanz.


Transkript Feed und Fudder Podcast Folge 80 – Social Media Trends 2026

Nicola:

Hallo und Servus zu einer neuen Folge Feed und Fudder mit mir, der Nicola.

Und heute dem Alex nur über WhatsApp.

Und zwar ist das eine kleine Sonderfolge.

Bald gehen wir in den regulären Aufnahmbetrieb, aber…

Bis dahin will ich euch ganz kurz mal mitnehmen.

Ich habe eine kleine Babypause gemacht und habe mich um die Nachwuchsarbeit gekümmert.

Und der Alex hat die Stellung gehalten und war auf der Social Marketing Konferenz in München dieses Jahr.

Und das war natürlich ein bisschen…

merkwürdig für mich, nach so vielen Jahren nicht dort zu sein und nicht alte und auch neue Gesichter zu treffen.

Und trotzdem versuche ich natürlich auf dem Laufenden zu bleiben und bin ja auch nicht aus der Welt, denn der Alex und ich, wir schreiben uns gefühlt jeden Tag WhatsApp-Nachrichten und da dachte ich mir,

der kann mir doch einfach per Sprachnachricht mal so ein paar Fragen beantworten, was denn so los ist, was denn so die Trends, die Social Media Trends 2026 auf der Social Konferenz waren und naja, warum soll ich das nicht mit euch teilen?

Ich meine, ihr seid ja eh schon mittendrin im Thema und

Deswegen wird es eine kleine, intime Folge und ich nehme euch mit in den WhatsApp-Chat mit Alex und eine Frage, die ich an ihn hatte, war ganz kurz und knapp, was habe ich eigentlich verpasst?

Beziehungsweise, weiß ich nicht, vielleicht wart ihr auch nicht dort, was habt ihr denn auch verpasst?

Alex, du warst ja in München.

Gab es, Alex, für dich einen Aha-Moment inhaltlich und menschlich?

Wir hören mal in seine Sprachnachricht rein.

Ja, okay, das ist schade, dass ich da nicht da war.

Aber auch an dieser Stelle liebe Grüße an alle, die uns hören.

Das bedeutet uns wirklich sehr, sehr viel.

Und es sind ja auch schon fast zwei Jahre viel und Futter-Podcast.

Also echt verrückt, wie schnell die Zeit rennt.

Der Alex hat auf dem Blog auf oldsocial.de ein Recap geschrieben und schreibt da, Sichtbarkeit entsteht durch Mut, nicht durch Hochglanz.

Also Sichtbarkeit entsteht durch Mut.

Und das hat mich dann doch interessiert, was das eigentlich genau bedeutet.

Den Mut hat sich selbst zu sein.

Das ist auch ein schönes Zitat.

Ja, du schreibst auch, Aufmerksamkeit entsteht durchs Machen, nicht durch Perfektion.

Gut, passt auch zu unserem Podcast.

Einfach mal machen.

Ich glaube, da gibt es das nicht perfekt hier.

Auf jeden Fall schreibst du Aufmerksamkeit, entsteht durchs Machen, nicht durch Perfektion.

Kannst du dazu was sagen und was bedeutet dann, Alex, eigentlich für dich das Machen?

Ja, man muss auch fairerweise sagen, natürlich das Equipment ist auch günstiger geworden und die Smartphones sind einfach auch viel krasser im Vergleich zu früher.

Also da hat sich auch viel getan und ja, aber grundsätzlich stimmt schon, man muss halt tatsächlich machen, es ist ein Handwerk.

Ich habe gelesen, SEO ohne Social Media Marketing funktioniert nicht mehr.

Also gerade in einem Recap auf dem Blog und auch in LinkedIn Post.

Wer hat die These auf der Konferenz aufgemacht?

SEO ohne Social Media Marketing funktioniert nicht mehr.

Und ist SEO in…

Zeiten der KI nicht eh schon tot?

Also warum ist das Thema aktuell relevant?

Also das hatte ich mich nochmal gefragt, weil wir über KI reden, heißt ja mal, SEO ist tot.

Aber warum ist das gerade jetzt im Social Media Marketing so wichtig?

Vielen Dank, Alex, nochmal für die Erklärung, weil ich glaube, das ist schon echt nochmal ein Thema, gerade wenn man strategische Argumente findet, auch im Unternehmen, warum sollte man nochmal so viel Aufwand reinstecken, einen Channel aufmachen, den pflegen und so weiter, dass es eben irgendwie doch alles zusammenhängt.

Warum dürfen aus deiner Sicht Magen nicht den Irrtum erliegen, Reddit wäre eine klassische Social Media Plattform oder man müsse Reddit wie eine klassische Social Media Plattform behandeln?

Die These wurde auch aufgemacht.

Ich habe den Vortrag ja nicht gehört, generell nicht über Reddit.

Und das würde mich auch noch mal interessieren.

Vielleicht euch da draußen auch, wenn ihr euch für Reddit interessiert.

Warum kann man Reddit nicht wie eine klassische Social Plattform behandeln?

Okay, danke.

Ja, das ist schon mal hilfreich, glaube ich, da kann man auch mal generell eine ganze Folge zu machen zu Reddit.

Grundsätzlich ist das ja auch keine neue Plattform.

Also jeder, der auf Reddit schon mal war, ich glaube, ich weiß ja ungefähr, wie es funktioniert.

Aber interessant, dass es jetzt wieder so hochgespült wird.

Aber ich glaube, das wäre eine ganze Folge wert.

Außerdem habe ich gelesen, es gab ein Battle zwischen Paid und Organic, also ein Vortrag, der als Battle angelegt war zwischen Paid und Organic Content und wer hat sich da durchgesetzt?

Kannst du dazu mal noch was sagen, Alex?

Okay, schade, jetzt dachte ich, es hätte da so einen klaren Zieger gegeben, aber natürlich verständlich.

Zu guter Letzt, alles in allem, was ist bei dir nachhaltig hängen geblieben und kannst du mir so ein kurzes Fazit, oder euch vor allem auch ein kurzes Fazit geben?

Ja.

Vielen Dank, Alex.

Ja, also jetzt hört er es nicht.

Jetzt hört er, wenn er die Folge hört.

Denn die Sprachnachrichten hat er mir per WhatsApp geschickt.

Und ich dachte, ich teile es einfach mit euch.

Denn da ist für jeden was dabei.

Und ja, war ein schöner Abriss.

Einmal kurz reingesneakt, was vor Ort passiert ist.

Und ja, ich freue mich, wenn ich hoffentlich wieder mal dabei sein darf.

Aktuell.

Ist ja eher ein bisschen, bei mir ein bisschen weniger los.

Aber was noch diese Woche oder letzte Woche oder überhaupt los war, mein ganzer Feed, gerade auf Instagram, war voll von Golf-Content, The Masters in Augusta und Rory McIlroy hat, ja,

hintereinander, the back-to-back win, was natürlich eine Megasensation war nach Tiger Woods 2002.

Und was aber wirklich für Social Media eine Megasensation war, ist, wenn man sich die Bilder anschaut.

Und da gab es auch einige Poster zu, das ist so mein Aha-Moment vielleicht der letzten Tage.

Fast, also auf keinem Bild sieht man Handys.

Menschen,

die den Moment, den Gewinn von Rory McIlroy, ja, sensationellen Gewinn des Masters festhalten.

Und das liegt daran, dass es eine Tradition gibt, dass man sein Smartphone dort nicht, ja, nicht nutzen darf in der Form.

Und es hat doch was total Erfrischendes, wenn die Menschen in dem Moment einfach nicht,

da sind und nicht das Smartphone halten, auch wenn wir alle natürlich selber im Boot sitzen.

Aber schaut euch mal die Bilder an.

Es sind total echte Emotionen der Leute, die diesen Moment einfach live miterleben.

Und das fand ich total erfrischend,

Und ja, mal schauen.

Vielleicht wird es wichtiger, solche Momente zu erleben und vielleicht braucht es dafür auch Regeln.

Können wir auch gerne diskutieren.

Alex, ich freue mich, wenn wir bald wieder gemeinsam aufnehmen.

Und bis dahin wünsche ich euch allen eine ganz wunderbare Zeit.

Ciao.



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KI-generierter Content: Effizienz-Booster oder Markenrisiko?


Gastbeitrag von Raimund Löffler

KI-generierter Content ist im Social Media Marketing längst Realität. Was früher mehrere Abstimmungsschleifen, Produktion und Testing brauchte, entsteht heute in Minuten – oft direkt im Plattform-Setup. Creatives lassen sich in Varianten denken, schneller anpassen und präziser auf Performance-Signale zuschneiden. Für viele Social Teams wirkt das wie das lange gesuchte Effizienz-Wunder. Doch genau hier beginnt das strategische Missverständnis.

KI hat Social Media nicht verändert, weil sie kreativer ist. Sondern weil sie Produktionskosten faktisch drastisch gesenkt hat. Varianten, Tests und Iterationen entstehen heute in Minuten. Das schafft Effizienz und Skalierung und verändert damit die Spielregeln. Wenn Produktion nahezu beliebig skalierbar wird, verschiebt sich der Engpass von der Erstellung hin zur strategischen Führung von Content.

Die entscheidende Frage lautet also nicht mehr, ob KI eingesetzt wird, sondern wo sie entlang der Customer Journey tatsächlich Wirkung erzeugt und wo nicht. Und genau hier wird es für Social Media Manager*innen interessant.

KI verändert Social Media Marketing: Alle Entwicklungen gibt es auch direkt in dein Postfach mit dem AllSocial Newsletter!

Plattformgerecht ist nur die Basis

Meta, TikTok & Co. arbeiten längst mit automatisierten Creative-Systemen, die auf Basis von Performance-Signalen und Post-Purchase-Daten ganze Visual-Welten erzeugen. KI ist dabei nicht „kreativ“ im klassischen Sinne, sie ist vor allem ein extrem gutes Optimierungswerkzeug für das, was eine Plattform belohnt. Was sie dabei zuverlässig hinbekommt: Formate „platform native“ machen, Reiz-Trigger zuspitzen und Inhalte so zuschneiden, dass sie in den ersten Sekunden funktionieren. Doch genau hier liegt ein häufiger Denkfehler. Plattformgerecht bedeutet zunächst nur, dass der Content den Mechanismen des Algorithmus entspricht. Ob er jedoch auch eine Marke stärkt oder langfristige Wirkung entfaltet, ist eine andere Frage.

Was KI dagegen nicht kann, ist Markenführung. Generative Systeme berechnen Wahrscheinlichkeiten und reproduzieren Muster. Was ihnen fehlt, ist ein echtes Verständnis für strategische Markenführung, kulturellen Kontext oder langfristige Positionierung. Für Social Teams bedeutet das, dass eine plattformspezifische Umsetzung heute lediglich die Eintrittskarte ist und Differenzierung erst dann entsteht, wenn eine klare Markenperspektive dahintersteht. Genau an dieser Stelle wird es spannend, denn wenn Effizienz der Standard ist, entscheidet am Ende die Klarheit der Marke darüber, wofür sie steht und ob man das im Feed auch spürt.

Effizienz ist kein USP mehr

Heute kann fast jede Marke auf Knopfdruck „plattformgerecht“ wirken, Trends aufgreifen und Creatives in hoher Frequenz anpassen. Gerade weil das so leicht ist, wird Effizienz vom Wettbewerbsvorteil zur Grundvoraussetzung. Feeds werden voller, aber nicht automatisch relevanter. Mehr Content bedeutet nicht mehr Marke. Der Engpass liegt nicht in der Produktion, sondern in der Positionierung. Mehr Output ist kein Beweis für bessere Markenarbeit.

Und wenn nahezu jede Marke mit ähnlichen Tools ähnliche Inhalte erzeugen kann, entsteht Differenzierung nicht mehr über Geschwindigkeit oder Volumen – sondern über Perspektive. Entscheidend ist, ob eine Marke im Feed erkennbar bleibt. Aus operativer Sicht wird damit entscheidend, wo KI entlang der Customer Journey ihren größten Hebel entfalten kann.

Die Praxis zeigt ein klares Bild. KI-getriebene Creatives performen besonders stark im Lower Funnel, da gerade dieser von Schnelligkeit und Adaptionsfähigkeit profitiert. Gerade wenn Produkte kurz vor dem Kauf einen schnellen Emotionsimpuls benötigen, spielen KI-Werbemittel ihre Stärken aus, da sich Botschaften schnell zuspitzen und konsequent auf Abverkaufssignale ausrichten lassen. Im Upper Funnel hingegen geht es um Vertrauen. Mit der zunehmenden Flut generischer KI-Visuals wächst bei Nutzer*innen gleichzeitig der Wunsch nach echter Realität.

Der große Vorteil von KI, visuell kaum noch von Realität unterscheidbar zu sein, kann dadurch zum Risiko werden. Kurz gesagt: KI optimiert Signale – Marken bauen Bedeutung auf. Damit ist KI entlang der Customer Journey kein Selbstläufer, sondern ein Werkzeug, das bewusst geführt werden muss.

Ohne Haltung keine Marke

KI kann optimieren, variieren und skalieren. Aber sie trifft keine Entscheidung darüber, wofür eine Marke steht und welche Wirkung sie langfristig aufbauen will. Sie ist kein autonomer Kreativpartner, sondern ein System, das geführt werden muss. Ohne menschliche Führung produziert sie vor allem Austauschbarkeit.

Der Unterschied entsteht dort, wo Menschen den Rahmen setzen. Sie geben der Story eine Richtung, schärfen die Tonalität und entscheiden, was im jeweiligen kulturellen Moment funktioniert und was nicht. Erst dadurch wird aus KI-Output überhaupt Markenkommunikation. Technologie ersetzt keine Strategie und schon gar keine Haltung.

Für Social Media Manager*innen verschiebt sich damit die eigentliche Aufgabe, weg von der reinen Content-Produktion, hin zur kuratierenden und strategischen Steuerung von Content-Systemen. KI darf nicht isoliert als Produktionsmaschine eingesetzt werden. Sie braucht eine klare Leitplanke, damit sie nicht nur schneller produziert, sondern gezielt in eine Markenperspektive einzahlt. Und genau hier kommt ein ganzheitlicher Ansatz ins Spiel.

Ein Markenbild über alle Touchpoints

Im Alltag von Social Teams zeigt sich schnell, wo Automatisierung wirklich hilft. Redaktionsprozesse lassen sich strukturieren, Paid Assets schneller aussteuern und Creator Partnerschaften datenbasiert auswählen. Was dadurch aber nicht automatisch entsteht, ist eine konsistente Markenhaltung, die sich über alle Touchpoints hinweg gleich anfühlt. One Social funktioniert nur, wenn alle Disziplinen dieselbe Perspektive transportieren. Diese Konsistenz entsteht nicht aus reinen Datenmustern, sondern aus strategischen Entscheidungen.

Für Social Media Expert*innen kann Technologie also nur dann ein starker Multiplikator sein, wenn vorher klar definiert ist, wofür die Marke steht und wie sie klingen soll. Damit wird klar, dass es nicht um noch mehr Content geht, sondern um eine konsistente Steuerung über alle Disziplinen hinweg. Ohne diese gemeinsame Perspektive entsteht zwar Output, aber keine Wiedererkennbarkeit.

Fazit: KI braucht Führung

KI wird die Content-Produktion im Social Media Marketing dauerhaft verändern. Sie macht Prozesse effizienter, beschleunigt Tests und hilft, Performance-Potenziale schneller zu heben. Das ist ein Fortschritt. Aber Effizienz allein schafft keine Marke. In einer Feed-Logik, in der nahezu jeder plattformgerecht produzieren kann, entscheidet nicht die Geschwindigkeit über Relevanz, sondern die Klarheit der Perspektive. KI kann optimieren, doch sie definiert eben nicht, wofür eine Marke steht. 

Damit verschiebt sich für Social Media Manager*innen der Fokus. Die Frage ist nicht mehr, ob KI eingesetzt wird, sondern wie bewusst sie entlang der Customer Journey gesteuert wird. Dort, wo Performance zählt, kann sie skalieren. Dort, wo Vertrauen entsteht, braucht es Haltung. Technologie wird zwar zum Standard, doch Führung bleibt Differenzierung.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag. Es besteht keine bezahlte Kooperation.



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