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Digitaler Befreiungsschlag: EU-Parlament fordert Loslösung von US-Tech-Riesen
Das EU-Parlament hat am Donnerstag einen Bericht über technologische Souveränität und digitale Infrastruktur mit einer großen, fraktionsübergreifenden Mehrheit von EVP, Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen angenommen. Das breite Bündnis signalisiert die Entschlossenheit der Abgeordneten, die europäische Abhängigkeit von US-Technologien drastisch zu reduzieren und eigene Kapazitäten massiv auszubauen.
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Die Volksvertreter fordern mit der Resolution von der EU-Kommission mutige Reformen, insbesondere einen ambitionierten „Cloud and AI Development Act“. Ein politisches Ausrufezeichen setzt die Verabschiedung eines Zusatzes, mit dem das Parlament das Recht der EU zur Durchsetzung eigener Gesetze wie dem Digital Services Act (DSA) bekräftigt und US-Einreiseverbote gegen zivilgesellschaftliche Akteure wie die Spitze der zivilgesellschaftlichen Organisation HateAid scharf verurteilt.
Inhaltlich setzt der Bericht auf eine strategische Neuausrichtung der öffentlichen Beschaffung und der Infrastruktur. Die verabschiedete Kompromisslinie sieht vor, dass Mitgliedstaaten europäische Tech-Anbieter in strategischen Sektoren bevorzugen können, um die technologische Kapazität der Gemeinschaft systematisch zu stärken. Die Grünen forderten hier sogar eine noch strengere Regelung, bei der die Nutzung von Produkten „Made in EU“ zur Regel werden sollte und Ausnahmen explizit begründet werden müssten. Auch bei der Cloud-Infrastruktur drängten sie auf eine Definition, die eine vollständige EU-Jurisdiktion ohne Abhängigkeiten von Drittstaaten vorsieht.
Weiche hin zu Open Source
Mit dem Beschluss wollen die Abgeordneten den Grundstein für eine europäische digitale öffentliche Infrastruktur legen, die auf offenen Standards und Interoperabilität basiert. Dabei wird das Prinzip Public Money, Public Code als strategisches Fundament verankert, um die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu verringern. Software, die mit Steuergeldern speziell für die Verwaltung entwickelt wird, soll demnach unter freien Lizenzen für alle bereitgestellt werden. Zur Finanzierung setzt das Parlament auf den Ausbau von öffentlich-privaten Investitionen. Im Gespräch war vorab etwa ein mit zehn Milliarden Euro dotierter „European Sovereign Tech Fund“, um gezielt strategische Infrastrukturen zu errichten, die der Markt allein nicht bereitstellt.
Die Schattenberichterstatterin für die Grünen, Alexandra Geese, sieht Europa mit dem Votum bereit, die Kontrolle über seine digitale Zukunft zu übernehmen. Solange europäische Daten von US-Anbietern gehalten würden, die Gesetzen wie dem Cloud Act unterliegen, sei die Sicherheit in Europa nicht gewährleistet.
GI für „European Tech First“
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Die Dringlichkeit der parlamentarischen Forderungen bestätigt eine Analyse der Gesellschaft für Informatik (GI). Experten wie Harald Wehnes und Julian Kunkel warnen, dass 2025 einen tiefen Einschnitt markiere: Die neue nationale Sicherheitsstrategie der USA definiere digitale Infrastrukturen explizit als nationale Sicherheitsgüter. In dem Papier der Trump-Regierung werde ein „digitaler Imperialismus“ deutlich, der Europa nur noch als reinen Absatzmarkt und Territorium für strategische Abhängigkeiten sehe. Wenn US-Monopolstellungen als Machtmittel instrumentalisiert würden, drohe Europa zu einem politisch entmündigten Gebiet zu verkommen.
Die GI-Autoren weisen darauf hin, dass das Dienstleistungsbilanzdefizit der EU gegenüber den USA bereits 2024 einen Rekordwert von 148 Milliarden Euro erreichte. Diese enorme Summe fließe direkt in die technologische Dominanz der Gegenseite. Angesichts dieser Bedrohung drängen sie auf eine radikale Kehrtwende in der öffentlichen IT-Beschaffung. Der Ansatz „European Tech First“ sei kein blinder Protektionismus, sondern Notwehr zur Sicherung der Handlungsfähigkeit.
Besonders kritisch sehen die Informatiker „Souveränitäts-Washing“: Angebote von US-Hyperscalern für „souveräne Clouds“ seien oft Scheinlösungen, da die finale technologische Kontrolle in den USA verbleibe. Stattdessen brauche es eine konsequente Bevorzugung von Open-Source-Lösungen aus dem europäischen Wirtschaftsraum. Der Beschluss des Parlaments bietet die Chance, diesen Appellen politisches Gewicht zu verleihen. Die Abgeordneten wollen damit den Weg für ein eigenständiges, werteorientiertes digitales Europa freimachen, das sich nicht länger durch algorithmische Kontrolle von außen steuern lässt.
(mho)
Künstliche Intelligenz
Apple wird 50: Tim Cook über Werte, Steve Jobs und die Zukunft
Apple wird dieses Jahr 50 Jahre alt. Für Apple-CEO Tim Cook und das Unternehmen ist dies eine besondere Herausforderung: Die Fähigkeit, zurückzublicken, habe man erstmal entwickeln müssen, scherzte der Apple-Chef jetzt in einem seltenen Rückblick über die Geschichte, Kultur und Zukunft des Konzerns. Normalerweise blicke Apple im Alltag bevorzugt nach vorne.
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Im Gespräch mit dem Journalisten David Pogue ging Cook in dem Interview, das im US-amerikanischen Fernsehsender CBS ausgestrahlt wurde, auch auf die Bedeutung von Werten in politisch turbulenten Zeiten ein. Cook sieht sich hier aktuell wegen seiner Nähe zu US-Präsident Donald Trump Kritik ausgesetzt. Insbesondere ein Besuch im Weißen Haus trotz eskalierender Gewalt in Minnesota sorgte zuletzt für massive Verärgerung in der Belegschaft. Der Apple-Chef zog überdies eine für ihn ungewohnt persönliche Bilanz: über den Zustand des Unternehmens bei seinem Eintritt 1997, Steve Jobs’ letzten Rat an ihn als designierten CEO – und warum Apples Erfolg seiner Meinung nach schlicht nicht kopierbar ist.
Cook: Werte in chaotischen Phasen sogar wichtiger
Tim Cook hat Apple seit seinem Amtsantritt als CEO im Jahr 2011 stärker als sein Vorgänger Steve Jobs auch in gesellschaftspolitischen Fragen positioniert: Apple hat sich Barrierefreiheit, Datenschutz als Menschenrecht, Nachhaltigkeit und Klimaschutz, Bildung und Diversität auf die Fahnen geschrieben. Doch seit der zweiten Amtszeit von Donald Trump, dessen Regierung zum Beispiel den Klimaschutz stark zurückgenommen hat oder Diversitätsprogramme für Unternehmen zurückfährt, werden Apples Werte auf die Probe gestellt. Cook, der mit einer Glasplakette mit 24-Karat-Gold-Sockel, die er Trump überreichte, für Diskussionen sorgte, bekennt sich in dem Interview zu Apples Werten. In einem internen Treffen versprach Cook zudem, sich verstärkt für ausländische Mitarbeiter und eine humane Einwanderungspolitik einzusetzen. Diese seien in chaotischen Phasen sogar wichtiger und nicht weniger relevant, erklärte er.
„Tu einfach das Richtige“, habe Steve Jobs seinem Nachfolger aufgetragen. „Frag nie, was ich tun würde.“ Und auch wenn Cook betont, dass er diesem Rat des Apple-Mitbegründers gefolgt sei, wird in dem Interview doch deutlich, wie sehr er sich dem Erbe von Jobs verpflichtet fühlt. Dieser sei eine Person gewesen, „wie sie einmal in tausend Jahren vorkommt“, sagt er. Und seine größte Erfindung sei nicht ein Produkt gewesen, sondern Apple selbst.
Seit 28 Jahren bei Apple tätig
Die Dankbarkeit, die Cook ausstrahlt, begründet er mit seinem eigenen Werdegang bei Apple. Als er vor knapp 28 Jahren bei Apple angefangen habe, befand sich das Unternehmen im Überlebenskampf. Der Quartalsumsatz habe nur noch bei 1,3 bis 1,4 Milliarden US-Dollar gelegen und es sei unklar gewesen, ob man den verbliebenen Mitarbeitern im nächsten Monat noch den Lohn zahlen könnte. Frühere Weggefährten hätten ihm, der damals beim weltweit größten PC-Konzern Compaq arbeitete, davon abgeraten, zu Apple zu wechseln. Doch Cook folgte dem Ruf von Jobs trotzdem.
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Heute ist Apple drei- bis viermal so groß und profitabel wie zu Beginn von Cooks Zeit als CEO. In den 15 Jahren sind rund 100.000 Mitarbeiter hinzugekommen. Doch Apple ist auch mehr und mehr ins Fadenkreuz der Regulierung geraten. Cook betont, was das Unternehmen bei verschiedenen Gelegenheiten immer wieder sagt: Zu viel Regulierung könne Innovation bremsen. Apples Erfolgsrezept seien nicht die Produkte oder Ideen alleine, sondern die Kultur und die Menschen, die das Unternehmen prägen.
Apple Silicon: Besonders langfristige Planung
Zur Kultur zählt Cook neben dem disziplinierten Blick nach vorn und dem Blicken um die Ecke vor allem den Fokus. Das berühmte Nein zu tausend Dingen, um zu einer Sache Ja zu sagen, werde weiterhin beherzigt. Außerdem seien Kollaboration und Exzellenzanspruch bei Apple weitere Prioritäten neben der Verzahnung von Hard- und Software sowie Dienstleistungen.
Die Feierlichkeiten zum 50. von Apple, auf die Cook nicht weiter einging, sollen das Unternehmen aber nicht vom Kurs abbringen. In den Laboren werde bereits an Projekten gearbeitet, die mehrere Jahre in der Zukunft liegen, ließ Cook durchblicken. Alleine die eigenen Chips, der Apple Silicon, zwinge das Unternehmen zu einer besonders langfristigen Planung. Für den Blick in den Rückspiegel bleibt da außer bei besonderen Gelegenheiten keine Zeit.
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(mki)
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Studio Display 2026 im Test: 5K-Mattscheibe mit Thunderbolt 5
Für viele Mac-Nutzer ist das Studio Display mit seinem Design und der 5K-Auflösung alternativlos. Für die Neuauflage polierte Apple an vielen Stellen nach und baut unter anderem modernere Ports mit Thunderbolt 5 ein.
Ausgerechnet beim Herzstück des 1700 Euro teuren Monitors (ab 1641,89 €), dem Panel, wagt der Hersteller allerdings keine Änderungen.
Wir haben die Neuauflage vermessen, die neuen Thunderbolt-Optionen ausprobiert und geprüft, ob Apples 5K-Display der wachsenden Konkurrenz technisch noch Paroli bietet.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Studio Display 2026 im Test: 5K-Mattscheibe mit Thunderbolt 5“.
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Auf Expansionskurs: Amazons Zoox testet Robotaxis in Dallas und Phoenix
Das US-amerikanische Robotertaxi-Unternehmen Zoox expandiert und stärkt seine Präsenz auf dem umkämpften US-Markt. Die Amazon-Tochter weitet ihre Tests auf Dallas und Phoenix aus und eröffnet eine Zentrale für den Flottenbetrieb im US-Bundesstaat Arizona. Das teilte Zoox am Montag mit.
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Mit den beiden Großstädten Dallas und Phoenix ist die Zoox-Testflotte nun in zehn verschiedenen US-Märkten aktiv. Das Unternehmen hat seine Aktivitäten zuletzt schrittweise ausgebaut und im vergangenen Jahr seinen autonomen Taxidienst in San Francisco und in der Casino-Metropole Las Vegas gestartet. Hinzu kommen die Standorte Seattle, Austin, Miami, Los Angeles, Atlanta und Washington D.C.
Seit dem Start des Services in Las Vegas und des Testbetriebs in San Francisco Ende letzten Jahres hat Zoox nach eigenen Angaben über eine Million autonome Meilen zurückgelegt und mehr als 300.000 Fahrgäste befördert.
Gewinnung neuer Daten
Die Erweiterung der Testflotte nach Dallas und Phoenix unterstreicht den Expansionsdrang des Unternehmens. „Phoenix und Dallas sind schnell wachsende Metropolregionen mit hoher Nachfrage nach Fahrdiensten und Verbindungen auf der ersten und letzten Meile. Die Expansion in diese Städte ermöglicht es uns, in weitläufigen Gebieten zu testen und so Daten zu gewinnen, die sich von unseren Tests in anderen dicht besiedelten Metropolregionen wie San Francisco unterscheiden“, schreibt Zoox in einer Pressemitteilung. In Phoenix habe man die Möglichkeit, die Leistung der Sensoren und Batterien unter extremen Hitze- und Staubbedingungen auf Schnellstraßen zu testen; Dallas wiederum biete die Gelegenheit, die eigene KI unter verschiedenen Wetterbedingungen und in komplexen Straßennetzen weiterzuentwickeln.
Zoox plant in Phoenix und Dallas nach eigenen Angaben den Einsatz einer kleinen Anzahl umgerüsteter SUVs. Der Fokus liegt zunächst auf manueller Kartierung, bevor autonome Tests beginnen, mit einem Sicherheitsfahrer am Steuer, der jederzeit eingreifen und die KI bei Bedarf deaktivieren kann. Der Robotaxi-Anbieter wird außerdem neue Depots in beiden Städten eröffnen, sowie ein neues Fusion Center in Scottsdale, Arizona, in Betrieb nehmen, das als Kommandozentrale für Flottenbetrieb, Einsatzleitung und Fahrerbetreuung dienen soll, wie es heißt.
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(akn)
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