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Datenschutz & Sicherheit

Was auf die russische Urheberschaft der Signal-Phishing-Attacken deutet


Das niederländische Verteidigungsministerium sagt, dass Russland hinter der seit September 2025 laufenden Phishing-Kampagne gegen hochrangige Personen aus Politik, Militär, Zivilgesellschaft und Journalismus stecken soll. In Deutschland hatte netzpolitik.org zuerst darüber berichtet, dass zahlreiche, vor allem investigative Journalist:innen von dem Angriff betroffen sind.

In der Folge warnten BSI und Verfassungsschutz vor den Attacken und nannten diese „wahrscheinlich staatlich gesteuert“. In einer Mitteilung auf der Webseite des niederländischen Verteidigungsministeriums sprechen sowohl die militärischen als auch der zivilen Geheimdienste MIVD und AIVD nun von „russischen Staatshackern“, die hinter dem Angriff auf Signal und WhatsApp stecken würden. In dem Text werden allerdings keine Belege für diese Behauptung geliefert. Netzpolitik.org hat Hinweise, die die Theorie einer russischen Urheberschaft des Angriffs untermauern.

Mehrere Indizien sprechen für Russland

Nach Recherchen von netzpolitik.org gibt es mehrere Indizien, die auf eine russische Urheberschaft deuten könnten. Ein Linguist, mit dem netzpolitik.org gesprochen hat, erklärte, dass der erste Phishing-Text, über den wir damals berichtet haben, auf eine Urheberschaft aus dem slawischen Sprachraum hinweisen könnte. So wurden im Text mehrere für Sprecher:innen dieser Sprachen typische Fehler beim Artikelgebrauch gemacht.

In eckigen Klammern haben wir markiert, wo die jeweiligen Artikel fehlten:

Dear User, this is [the] Signal Security Support ChatBot. We have noticed suspicious activity on your device, which could have led to [a] data leak. We have also detected attempts to gain access to your private data in Signal. To prevent this, you have to pass [a] verification procedure, entering the verification code to [the] Signal Security Support Chatbot.“

Diese Fehler können ein Hinweis auf eine slawische Sprache wie das Russische sein. Das Zuschreiben von Urheberschaft ist jedoch schwierig, da der Angreifer auch mit absichtlich eingebauten Fehlern eine falsche Fährte legen könnte, damit zum Beispiel Russland verdächtigt wird.

Ähnliche Angriffe in Armenien, Belarus und Großbritannien

Ein weiteres Indiz für die Russland-These sind ähnliche Angriffe in anderen Ländern. So berichtete das Resident NGO Threat Lab im Oktober vergangenen Jahres von einem Angriff auf belarussische Oppositionelle und Journalist:innen im Ausland. Die Masche war hier textlich abgewandelt, der Angreifer trat aber auch unter dem Namen „Signal Support“ auf und schürte ebenso Angst, dass es einen Angriff auf den Account gegeben habe. Die Sicherheitsforscher vermuteten damals allerdings belarussische Angreifer hinter der Attacke.

Einen weiteren Angriff nach ähnlichem Muster gab es laut Cyberhub.am im Januar 2026 in Armenien, wo mindestens ein armenischer Journalist attackiert worden sein soll. Hier agierte wieder der angebliche „Signal Security Support Chatbot“ und warnte vor einem Angriff auf das Telefon des Opfers. Auch hier gingen die Sicherheitsexperten davon aus, dass der Angegriffene gezielt ausgewählt worden sei.

Im Dezember hatte auch der Guardian über Phishing-Attacken auf Mitglieder des britischen Parlaments berichtet. Unter Berufung auf das National Cyber Security Centre (NCSC) des britischen Geheimdienstes GCHQ hatte die dortige Parlamentsbehörde in einem Warnschreiben an die Parlamentarier:innen auf eine russische Urheberschaft verwiesen.

Die eindeutige Attribution ist bei Hackerangriffen in der Regel sehr schwierig, da es viele Faktoren gibt, um die Herkunft eines Angriffs zu verschleiern oder falsche Fährten zu legen. Dazu kommen politische Interessen bei der Zuweisung der Urheberschaft und der Drahtzieher, die sich in einer kriegerischen Auseinandersetzung wie dem Angriffskrieg gegen die Ukraine noch verschärfen. Es bleiben statt tatsächlicher Beweise oft nur Anhaltspunkte und Indizien und Überlegungen dahingehend, wem ein erfolgreicher Angriff nutzen würde.

Als Redaktion haben wir uns deswegen bis heute mit Thesen zur Attribution des Angriffs zurückgehalten und werden dies auch weiter tun, da es sich hier nur um Indizien handelt.

Zahlreiche Journalist:innen im Visier bei Attacke über Signal-Messenger

So geht der Phishing-Angriff

Bei dem Phishing-Versuch, der seit September 2025 im Umlauf ist, verschicken die Angreifer eine Nachricht über den Messenger Signal, bei der sie sich als „Signal Support“ ausgeben und behaupten, dass es verdächtige Aktivitäten auf dem Handy sowie den Versuch gegeben habe, auf private Daten zuzugreifen. Deswegen müssten die Betroffenen den Verifikationsprozess von Signal erneut durchlaufen und den Verifikationscode dem vermeintlichen „Signal Security Support ChatBot“ übermitteln. In der Folge versuchen sie, auch die Signal-PIN zu ergattern. Gibt der Angegriffene beide Codes weiter, können die Angreifer den Account übernehmen und dann zukünftige Chats sowie Kontakte, Chatgruppen und Netzwerke auslesen.

Die Textnachrichten der Angreifer beim Vorgehen können sich dabei ändern. Mittlerweile sind Nachrichten des falschen „Signal Support“ im Umlauf, die behaupten, dass man den Verifikationscode und die PIN wegen einer Zwei-Faktor-Authentifizierung herausgeben solle. Die Sicherheit und Vertraulichkeit des Messengers Signal ist bei den Attacken nicht selbst betroffen, wenn die Angegriffenen den Versuch einfach „Blockieren und Melden“.

Hochrangige Ziele betroffen

Zusammen mit Netzwerk Recherche hat netzpolitik.org Informationen gesammelt, wer wann die Phishing-Attacke erhalten hat. Demnach sind in Deutschland deutlich mehr als 100 Journalist:innen aller Mediengattungen und zahlreicher Medienhäuser betroffen. Unter den Angegriffenen sind viele aus dem investigativen Bereich sowie mehrere sehr prominente Vertreter:innen der Medienbranche.

Zudem sind netzpolitik.org Attacken auf Bundestagsabgeordnete und deren Büro-Mitarbeitende sowie auf prominente Vertreter:innen der Zivilgesellschaft bekannt. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz sind zudem „hochrangige Ziele aus Politik, Militär und Diplomatie“ betroffen. Eine ähnliche Zielgruppe ist auch in den Niederlanden betroffen.

Die Angriffe laufen nach Informationen von netzpolitik.org seit September 2025. Dabei wurden manche Personen auch schon mehrfach von den Angreifern angeschrieben, manche bis zu vier Mal.

Die Niederlande geht davon aus, dass die russischen Hacker mit diesen Angriffen „wahrscheinlich Zugang zu sensiblen Informationen erhalten“ haben. Davon ist nach Informationen von netzpolitik.org auszugehen: In mindestens einem Fall hat der Angriff nach unseren Informationen in Deutschland geklappt, in mindestens einem weiteren Fall auch in einem anderen europäischen Land. Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer höher ist, da sich Betroffene dafür schämen könnten, Opfer des Angriffs geworden zu sein.

Wenn du Ziel dieses Angriffs geworden bist, Zugriff auf deinen Signal-Account auf diese Weise verloren hast oder weitergehende Informationen und Hinweise zu diesem Angriff hast, wende dich vertrauensvoll an uns für weitere Nachforschungen und Recherchen.



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Behörde für abgesicherte Ausweise geknackt – Millionen Franzosen betroffen


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Unbekannte Angreifer haben die Datenbank der Behörde für abgesicherte Ausweise (ANTS) Frankreichs geknackt. Das hat die Behörde am 15. April festgestellt und sechs Tage später öffentlich bekanntgegeben. Demnach sind 11,7 Millionen Online-Konten betroffen. Laut französischer Medienberichte wird der erbeutete Datensatz bereits auf dem Schwarzmarkt feilgeboten. Dabei würden sogar 19 Millionen Datensätze versprochen.

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Der Grund für den deutlichen Unterschied ist nicht gesichert. Der Verkäufer könnte schlicht übertreiben, oder Konten, die von der ANTS mehrere Dokumente bezogen haben, mehrfach zählen. Laut Behörde enthalten die erbeuteten Datensätze Username, Anrede, Vor- und Nachname, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum, Kontonummer und, für einen Teil der Konten, zusätzlich Postadresse, Geburtsort und Telefonnummer. Anträgen auf Ausweise und andere Dokumente müssen in aller Regel weitere Dokumente beigefügt und allzu oft biometrische Datensätze mitgegeben werden. Diese hat sich der Täter nach bisherigem Ermittlungsstand nicht aneignen können, sagt die Behörde.

Die ANTS (Agence nationale des titres sécurisés) ist auch als France Titre bekannt. Es handelt sich um eine Abteilung des französischen Innenministeriums. Sie ist zuständig für die Ausstellung von Reisepässen, Personalausweisen, sowie Führerscheinen für Straßenfahrzeuge und Motorboote, sowie für Dokumente über die Zulassung von Kraftfahrzeugen, Aufenthaltstitel, Visa und eine Reihe weiterer Ausweise und Dokumente für Aufenthalte und Grenzübertritte. Gedruckt werden die Papiere allerdings von der Staatsdruckerei (Imprimerie nationale).

Wie der Einbruch in die Datenbank gelungen ist, sagt die ANTS nicht. Das ist offenbar noch Gegenstand der laufenden Untersuchung. Betroffene sind per E-Mail informiert worden. Bestimmte Vorkehrungen empfiehlt das Innenministerium Frankreichs Bürgern nicht, außer, dass sie beim nächsten Login ihr ANTS-Passwort ändern sollen.


(ds)



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VMware Tanzu Spring Security: Angreifer können bösartigen Clients anmelden


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Angreifer können insgesamt sieben Sicherheitslücken in VMware Tanzu Spring Security ausnutzen und im schlimmsten Fall eigenen Code ausführen. Mittlerweile sind Sicherheitsupdates verfügbar. Auch wenn es bislang keine Hinweise seitens des Softwareherstellers auf Attacken gibt, sollen Admins die Patches zeitnah installieren.

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Tanzu Spring Security ist ein Authentifizierungs- und Zugriffskontroll-Framework, um den Umgang mit Spring-basierten Anwendungen so sicher wie möglich zu gestalten. Nun wird es aber selbst zum Sicherheitsrisiko.

Am gefährlichsten gilt einer Warnmeldung zufolge eine „kritische“ Schwachstelle (CVE-2026-22752) im Rahmen der Dynamic Client Registration. Weil Metadatenfelder bei der Registrierung eines neuen Clients nicht ausreichend überprüft werden, können Angreifer dort einen Exploit platzieren. Dafür müssen sie aber bereits über einen gültigen Initial Access Token verfügen. Klappt eine Attacke, können Angreifer einen unter ihrer Kontrolle stehenden Client registrieren und unter anderem im Rahmen einer Stored-XSS-Attacken Schadcode ausführen.

Zwei weitere Lücken sind mit dem Bedrohungsgrad „hoch“ eingestuft (CVE-2026-22754, CVE-2026-22753). Weil Angreifer Anfragen an Pfade, die eigentlich geschützt sein sollten, schicken können, sind Sicherheitsmechanismen umgehbar.

Die Entwickler versichern, die Sicherheitsprobleme in der Tanzu-Spring-Security-Ausgabe 7.0.5 und Spring Authorization Server 1.3.11, 1.4.10 und 1.5.7 gelöst zu haben.

Weitere Details zu den Softwareschwachstellen und bedrohten und abgesicherten Versionen finden Admins im Sicherheitsbereich der VMware-Tanzu-Website.

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(des)



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Passwortsafe Bitwarden: Kommandozeilen-Client trojanisiert | heise online


Zwischen 23:57 Uhr am 22. April und 01:30 Uhr am 23. April deutscher Zeit (17:57 Uhr bis 19:30 Uhr ET) wurde das npm-Paket @bitwarden/cli in der Version 2026.4.0 mit Schadcode ausgeliefert. Diese manipulierte Version stahl Zugangsdaten der Nutzer. Bitwarden betont allerdings, dass im eigentlichen Safe abgelegte Daten von Endnutzern (Vault-Data) nicht betroffen seien.

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Wie Bitwarden in seinem Community-Forum mitteilte, habe das Sicherheitsteam das manipulierte Paket identifiziert und eingedämmt. Die Verteilung erfolgte demnach ausschließlich via NPM, wer das Paket in der fraglichen Zeit nicht via NPM bezogen habe, sei nicht betroffen. Die kompromittierte Version sei mittlerweile als deprecated markiert und der missbrauchte Zugang widerrufen worden. Der Vorfall ist Teil eines größeren Angriffs auf die Checkmarx-Lieferkette.

Sicherheitsforscher von JFrog und Socket.dev haben die Malware im Detail analysiert. Das manipulierte package.json enthielt ein preinstall-Skript, das automatisch beim Installieren eine Loader-Datei namens bw_setup.js ausführte. Diese lud die Bun-Runtime (Version 1.3.13) von GitHub herunter und startete ein obfuskiertes JavaScript-Payload (bw1.js).

Der Schadcode zielte auf ein breites Spektrum sensibler Daten: GitHub- und npm-Tokens, SSH-Schlüssel, Shell-Historien sowie Zugangsdaten für AWS, Google Cloud und Azure. Ferner wurden GitHub-Actions-Secrets, Git-Credentials, .env-Dateien und sogar Konfigurationsdateien von KI-Tools wie Claude und MCP ausgelesen und an die Angreifer geschickt.

Die Exfiltration erfolgte primär verschlüsselt an die Adresse audit.checkmarx.cx (IP: 94.154.172.43). Als Fallback nutzte die Malware einen raffinierten Mechanismus: Gestohlene GitHub-Tokens wurden validiert, um unter dem Konto des Opfers Repositories zur Datenexfiltration anzulegen. Double-Base64-kodierte PATs wurden dabei in Commit-Messages mit dem Marker „LongLiveTheResistanceAgainstMachines“ versteckt.

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Wer die Version 2026.4.0 im genannten Zeitfenster installiert hat, sollte umgehend handeln. Bitwarden empfiehlt die Deinstallation mit npm uninstall -g @bitwarden/cli und das Leeren des npm-Cache. Auf betroffenen Systemen sollten Administratoren nach den Artefakten bw_setup.js, bw1.js sowie einer heruntergeladenen Bun-Runtime suchen.

Besonders wichtig ist die Rotation sämtlicher Zugangsdaten, die auf dem kompromittierten System gespeichert waren: GitHub Personal Access Tokens, npm-Tokens, AWS Access Keys, Azure- und GCP-Secrets sowie SSH-Schlüssel. Auch GitHub-Actions-Workflows sollten auf unautorisierte Ausführungen geprüft werden. Die Domain audit.checkmarx.cx und die IP 94.154.172.43 sollten in Firewalls blockiert werden.

Aktuell liefern alle Repositories wieder die reguläre Version 2026.3.0 aus. Diese und alle anderen Versionen der Bitwarden CLI außer 2026.4.0 sind laut Hersteller nicht betroffen. Produktionssysteme und Vault-Daten seien zu keinem Zeitpunkt kompromittiert worden.


(ju)



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