Künstliche Intelligenz
Gnome 50: mach’s gut, X-Server!
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Fast genau fünf Jahre nach dem Release von Gnome 40 folgt Version 50 mit dem Codenamen „Tokyo“. Zum Jubiläums-Release macht sich das Gnome-Projekt selbst ein großes Geschenk und entfernt die Unterstützung für den althergebrachten Display-Server X-Server. Dies markiert einen Wendepunkt in der Linux-Desktop-Historie. Ansonsten geht es, wie vom Gnome-Projekt gewohnt, in kleinen, aber wohlbedachten Schritten vorwärts. Anders als vor fünf Jahren ist mit der runden Release-Nummer kein größerer Umbau verbunden.
Die Entfernung des alten Codes für die X-Server-Anbindung hat zu einer signifikanten Verschlankung der Codebasis geführt – laut Gnome-Projekt sind gut 40 Prozent Quellcode weggefallen, was dem Wartungsaufwand zugutekommt. Schon in Gnome 49 stand nur noch die moderne Wayland-Session zur Verfügung. Das Ausführen von X11-Programmen ist mithilfe von XWayland weiterhin möglich, weshalb Gnomes Wayland-Compositor Mutter weiterhin für X11-Programme als X-Window-Manager fungiert.
Die Ablösung des X-Servers durch Wayland wird von einigen durchaus kritisiert, da es mit manchen Programmen vereinzelt noch Probleme gibt und manche Barrierefreiheitsfunktionen unter Wayland noch nicht so ausgereift sind wie unter X11. Wer nicht auf Wayland wechseln will oder kann, findet in alternativen Desktopumgebungen wie MATE oder XFCE noch Ersatz; KDE Plasma entfernt im Laufe des Jahres ebenfalls die X11-Unterstützung.
Digitales Wohlbefinden

Der Kindersicherungs-Dialog wurde für Gnome 50 überarbeitet.
Mit der Einstellung „Digital Wellbeing“ – in der deutschen Version heißt sie einfach „Gesundheit“ – können tägliche Bildschirmzeit-Limits und Ruhezeiten gesetzt und überwacht werden, sowohl für den eigenen Account als auch für den Computer mitbenutzende Kinder. Wo Gnome bisher bei Überschreiten der Zeit nur unaufdringlich warnen konnte, sperrt Version 50 die Sitzung und zeigt auf dem Anmeldebildschirm einen Hinweis an. Der „Ignorieren“-Button, der nach Eingabe des Eltern-Passworts das System wieder freigeben sollte, hat in unserem Test mit einer Vorversion unter Gnome OS noch nicht funktioniert – bis zu einem Reboot waren wir aus dem System ausgesperrt.

Beim Erreichen der maximalen Bildschirmzeit sperrt Gnome den Bildschirm.

Der Kalender zeigt nun Teilnehmende eines Termines an, aber kann noch nicht selber Einladungen rausschicken oder verwalten.
Dem Gnome-Kalender wurde in Version 50 eine beginnende Groupware-Integration gegönnt: Für per E-Mail empfangene Termineinladungen können Benutzer im Kalender die Zu- und Absagen aller Eingeladenen sehen. Das Folge-Feature, um mit dem Kalender selbst Veranstaltungen versenden und bearbeiten zu können, ist in Planung. Des Weiteren können jetzt ganze Kalender als .ics-Dateien exportiert werden; ein neues Setting erlaubt das Einstellen des Tages, an dem die Woche beginnt, was sich auf verschiedene Kalender-Ansichten in Gnome auswirkt.
Der Dokumentenbetrachter (Papers) hat zusätzliche Annotations-Werkzeuge spendiert bekommen, mit denen man freihändig zeichnen, Text markieren oder Texte ergänzen kann. Die neuen Werkzeuge sind insbesondere für schlecht digitalisierte Dokumente (zum Beispiel gescannte Formulare) nützlich und eignen sich auch für die Bedienung mit Stift und Tablet.
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Der Dokumentenbetrachter erlaubt jetzt Freihand-Annotationen.
Feinschliff
An vielen Ecken findet man in Gnome 50 kleine Usability- und Accessibility-Verbesserungen. Unter anderem gibt es nun einen globalen Modus für die Reduktion von visuellen Animationen. Der Screenreader Orca hat ein neues Einstellungsfenster, kann automatisch zwischen Sprachen wechseln und verbessert die Unterstützung für Braillezeilen; an mehreren Stellen der Desktopumgebung wurde die Tastatursteuerung verbessert. In den Gnome-Einstellungen wurden einige Seiten wie Lautstärke- und Batterieladeregelung etwas aufpoliert. Nach Jahren sind die Einstellungen für fraktionelle Skalierung ab Gnome 50 nicht mehr experimentell und ohne Kommandozeilenbefehl in den Einstellungen sichtbar und auswählbar. Der Dateimanager bringt einen komplett erneuerten Thumbnail-Ersteller.
Gnome Remote Desktop (Bildschirmfreigabe und Fernanmeldung) wurden einige Änderungen zuteil, die dank neuer Hardwarebeschleunigung (Vulkan und VA-API) spürbare Performance-Verbesserungen bringen sollen und insbesondere auf Nvidia-Grafikkarten stabiler funktionieren. Bei HiDPI-Bildschirmen kann der Remote-Desktop die Anzeige automatisch skalieren. Außerdem unterstützt die Fernanmeldung jetzt die Headless-Sitzung von Gnome. Darüber gestartete Sitzungen sollen stabiler sein und auch dann weiterlaufen, wenn der Remote-Desktop-Dienst neu gestartet wird.
Klassische Linux-Distributionen oder Gnome OS
Alle Änderungen an Gnome 50 sind in den Release Notes aufgeführt, darunter auch Verbesserungen für Leute, die selbst Gnome-Apps entwickeln oder am Desktop mitarbeiten wollen, sowie neue Apps aus dem Gnome-Dunstkreis (Gnome Circle). Ausgeliefert wird Gnome 50 von Fedora Workstation 44 und Ubuntu Desktop 26.04 LTS, die beide ab April erscheinen sollen. Nutzer von Rolling-Releases wie Arch Linux und openSUSE Tumbleweed dürften schon früher Zugang zu Gnome 50 erhalten. Da Ubuntu 26.04 ein Langzeitrelease ist, wird Gnome 50 bei dessen Nutzern mindestens zwei Jahre im Einsatz sein. Wer Gnome 50 ausprobieren möchte oder ohne Veränderungen durch die Distributionen nutzen will, kann Gnome OS installieren: wahlweise in einer virtuellen Maschine oder auf Hardware. Aber Obacht, Gnome OS unterstützt keinen Dualboot und überschreibt den gesamten Datenträger.
Siehe auch:
(ktn)
Künstliche Intelligenz
Google Brazos: Flüssigkeitskühlung für luftgekühlte Rechenzentren
Google packt mit seinem neuen Kühlsystem Brazos ein wachsendes Problem in Rechenzentren an: Moderne Chips für künstliche Intelligenz und High-Performance Computing (HPC) überschreiten regelmäßig eine Thermal Design Power (TDP) von 1000 Watt. Herkömmliche Luftkühlung stößt bei dieser thermischen Last an ihre physikalischen Grenzen. Bisher blieb Betreibern oft nur der kostspielige und zeitintensive Umbau der Facility-Infrastruktur auf wassergekühlte Systeme.
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Brazos soll diesen Prozess drastisch vereinfachen. Das System ist als Rack-basiertes, geschlossenes Liquid-to-Air-Modul konzipiert. Es erlaubt den Einsatz von flüssigkeitsgekühlter Hardware mit hoher Leistungsdichte in bestehenden, luftgekühlten Rechenzentrumsumgebungen. Statt das gesamte Gebäude aufwendig mit Kühlwasserkreisläufen auszustatten, lassen sich einzelne Racks modular nachrüsten. Laut Google ermöglicht dies eine One-rack-at-a-time-Strategie, bei der die Installation so unkompliziert wie bei Standard-Luftkühlungen bleibt.
Funktionsweise und Integration

(Bild: Google)
Technisch fungiert Brazos als geschlossene Kühleinheit, die Wärme direkt an den Komponenten aufnimmt und über hocheffiziente Wärmetauscher an den Warmgang des Rechenzentrums abgibt, wo sie von der vorhandenen Luftführung aufgenommen wird. Die Trennung zwischen dem IT-internen Kühlkreislauf und der Facility-Infrastruktur ist dabei der entscheidende Vorteil: Der Betreiber muss keine neuen Wasserleitungen durch das Gebäude verlegen.
Das Design ist auf den OCP-Standard ausgelegt. Das Open Compute Project ist eine 2011 von Facebook angestoßene, branchenweite Initiative, die offene Hardware-Spezifikationen für Rechenzentren entwickelt. Ziel ist es, durch standardisierte Designs die Effizienz zu steigern, Kosten zu senken und die Skalierbarkeit für Hyperscaler und Enterprise-Anwender zu verbessern.
Technische Spezifikationen
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Jede Brazos-Einheit belegt 11 Open Units (OU) an Rack-Höhe und ist für die Integration in OCP-ORv3-Racks optimiert. Ein voll ausgebautes System aus drei Einheiten unterstützt eine thermische Last von bis zu 60 Kilowatt pro Rack. Als Kühlmittel kommen wahlweise deionisiertes Wasser oder ein 25-prozentiges Propylenglykol-Gemisch (PG25) zum Einsatz. Die Energieversorgung erfolgt über einen 40- bis 60-Volt-Gleichstromanschluss, der direkt mit den Busbars des Racks verbunden wird.
Für den Betrieb ist zudem ein Monitoring integriert. Das System lässt sich lokal über ein Human-Machine-Interface (HMI) bedienen; für die Fernwartung steht ein Modbus-over-TCP-Protokoll bereit. Google hat bei der Konstruktion zudem auf die Wartungsfreundlichkeit geachtet. Die Einheiten sitzen auf Gleitschienen und lassen sich für Reparaturen leicht aus dem Rack ziehen. Pumpen und Lüfter sind als hot-swappable Field Replaceable Units (FRUs) konzipiert, was die durchschnittliche Reparaturzeit (MTTR) minimieren soll.
Google plant, die technischen Spezifikationen, Design-Prinzipien und visuellen Assets in den kommenden Monaten über die Foren des Open Compute Project öffentlich zugänglich zu machen. Anschließend lassen sich die Entwürfe evaluieren, um die Kühlung für künftige Hochleistungsrechner-Architekturen zu skalieren. Darüber hinaus ist das System bereits allgemein verfügbar; die Fertigungspartner sind laut Google bereit, die Brazos-Designs für den breiteren Markt zu produzieren und anzubieten. Technische Details finden Interessierte in der offiziellen Vorstellung von Brazos.
(fo)
Künstliche Intelligenz
Guter Jahrgang voraus: Apples 27er-Systeme und Siri AI | Mac & i-Podcast
Drei große und mehrere kleine Betriebssysteme hievt Apple im Herbst auf Version 27. Damit kommen Siri AI und schwerwiegende Änderungen an der viel diskutierten Liquid-Glass-Bedienoberfläche auf iPhones, Macs, iPads und Apple Watches. Zugleich verspricht Apple handfeste Leistungs- und Funktionsverbesserungen an vielen Ecken und Enden.
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In Episode 124 knöpfen sich Malte Kirchner und Leo Becker die neuen Betriebssysteme im Detail vor – von iOS, macOS und iPadOS über watchOS, tvOS, visionOS bis audioOS. Wir tauschen erste konkrete Erfahrungen aus und diskutieren über die tiefgreifenden Änderungen an Liquid Glass, besonders in macOS 27. Uns beschäftigt außerdem der radikale Schnitt, mit dem Apple relativ junge Uhren wie die Ultra 1 ausklammert und wo die Reise für die Systeme insgesamt hingeht. Zum Schluss blicken wir auf Siri AI, die im Alltagseinsatz für allerhand Überraschungen sorgt.
Apple-Themen – immer ausführlich
Der Apple-Podcast von Mac & i erscheint mit dem Moderatoren-Duo Malte Kirchner und Leo Becker im Zweiwochenrhythmus und lässt sich per RSS-Feed (Audio) mit jeder Podcast-App der Wahl abonnieren – von Apple Podcasts über Overcast bis Pocket Casts.
Zum Anhören findet man ihn auch in Apples Podcast-Verzeichnis (Audio) und bei Spotify. Wir freuen uns über Feedback, Kritik und Fragen an podcast@mac-and-i.de.
(lbe)
Künstliche Intelligenz
Zu teuer: Dells Neo-Konter XPS 13 kostet das Eineinhalbfache vom MacBook Neo
Das MacBook Neo räumt den Notebookmarkt um: Ein so wertiges Gerät im schicken Vollmetallgehäuse und mit gutem Bildschirm kostete bislang deutlich mehr als die je nach Ausstattung 700 oder 800 Euro, die Apple aufruft. Dementsprechend hoch fallen bisher die Verkaufszahlen aus, was wiederum bei anderen Herstellern Begehrlichkeiten geweckt hat: Sowohl Acer als auch Dell stellten ihre Neulinge Swift Air 14 beziehungsweise XPS 13 zu Monatsbeginn explizit als Neo-Konkurrenten vor.
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Dass beide nicht den niedrigeren der beiden Apple-Preispunkte angreifen werden, also die Ausstattung mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 256er-SSD, war schon bei der Ankündigung klar. Doch wiederum bei beiden war das erklärte Ziel, den höheren Preispunkt zu treffen – dann ebenfalls mit 8 GByte Arbeitsspeicher und 512-GByte-SSD, aber eben auch mit weiteren Pluspunkten wie beleuchteten Tastaturen, mehreren flotten USB-C-Buchsen und matten Bildschirmen.
Dell löst sein Versprechen allerdings nur auf dem US-amerikanischen Heimatmarkt ein: Dort startet das XPS 13 für 700 US-Dollar, was der hiesigen 800-Euro-Stufe entspricht. Schüler und Studenten bekommen bei Apple wie Dell 100 US-Dollar Rabatt. In Deutschland zeichnet Dells Webshop seit dieser Woche ein völlig anderes Bild: Hierzulande lässt sich das XPS 13 erst ab satten 1050 Euro vorbestellen – also dem Eineinhalbfachen des Startpreises, mit dem das MacBook Neo antritt.
Und der Dell-Preis gilt für ein Notebook mit nur 8 GByte Arbeitsspeicher. Anders als das Neo bekommt man das XPS 13 zwar auch mit 16 GByte; damit steigt der Preis aber auf 1200 Euro.
Für 700 Euro bekommt man hierzulande bereits etliche andere Notebooks, die sogar 16 GByte Arbeitsspeicher mitbringen; in allen Fällen handelt es sich dabei jedoch um ältere Geräte, bei denen man andere Abstriche machen muss.
Studenten bekommen das Basismodell des XPS 13 für 800 Euro, aber das sind dann wiederum 100 Euro mehr als wenn man das Neo mit Studentenrabatt bei Apple kauft. Letzterer läuft zudem unbefristet, während Dells 800-Euro-Angebot schon Ende Oktober ausläuft; danach gibt es nur noch die üblichen, portfolioweiten 10 Prozent Studentenrabatt.
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Wir sprechen in allen Fällen obendrein über die offiziellen Preisempfehlungen der Hersteller; die Straßenpreise liegen beim Neo längst spürbar darunter.
Und Acer?
Acers Neo-Gegenstück Swift Air 14 ist derzeit noch nicht in Preisvergleichen aufgetaucht. Auf der Computex wurde uns allerdings von einem europäischen Mitarbeiter bestätigt, dass das Notebook sicher bei 800 Euro starten wird – und auch die notwendige Strategie dahinter erklärt: Stückzahlen, Stückzahlen, Stückzahlen. Obwohl das Swift Air 14 technisch mit 16 GByte ausgestattet werden könnte, wird es hierzulande ausschließlich in einer Ausstattungsvariante mit Intel Core 5, 8 GByte RAM und 512er-SSD zu kaufen sein. Varianz wird es nur bei der Gehäusefarbe geben.
Das Swift Air 14 (SFA14-I31) soll noch in diesem Monat in den Verkauf gehen. Bislang ist es noch nicht in Preisvergleichen oder bei Händlern aufgetaucht.
(mue)
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