Künstliche Intelligenz
Kärcher dampft zu Google Workspace: „Microsoft weitermachen wollte man nicht“
Kärcher ist das Markensynonym für Hochdruckreiniger, hat aber mit seinen rund 17.000 Mitarbeitenden fast jedes Reinigungsgerät vom Staubsauger bis zum Roboter im Angebot – und vieles mehr. Als klassischer deutscher Konzern würde man erwarten, dass dort vor allem Microsoft Office herrscht, doch der EVP IT & Digital Transformation Leonhard Kerscher setzt schon seit Längerem auf Google Workspace plus Multivendor für die Cloud.
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Im Doppelinterview mit seinem Cloud-Berater Benjamin Hermann, Managing Director beim Stuttgarter IT-Consulter Zoi, erzählt der Kärcher-CIO, ob er Angst vor US-Firmen hat, was KI im Büro und auf dem Shopfloor verändert und wie man sich von einzelnen Anbietern nicht zu abhängig macht.

Kärcher / Zoi
heise online: Herr Hermann, Herr Kerscher, wir treffen uns hier zum Doppelinterview. Berater und Kunde sitzen an einem Tisch, um uns aus der Cloud-Praxis zu berichten, die zunehmend von KI und Agenten geprägt ist – beides oft noch ein Buch mit sieben Siegeln für den klassischen Mittelständler. Zunächst einmal die Frage an Herrn Hermann: Was macht Zoi genau?
Benjamin Hermann: Wir sind eine Cloud-Native-Beratung. Gegründet wurde Zoi 2017 in Stuttgart, inzwischen sind wir in sieben Ländern aktiv. Unser Anspruch war von Anfang an, im Enterprise-Segment eine Beratung aufzubauen, die konsequent auf Cloud-Technologien setzt.
heise online: Sie waren damit also vergleichsweise früh dran.
Hermann: Ja. Teile des Teams haben schon vorher zusammengearbeitet und die Technologien auch intern selbst genutzt. Später kam mit unserem Kunden Kärcher ein großer Schritt: Dort wurde nach einer Veränderung gesucht, die im Arbeitsalltag aller Mitarbeitenden ähnlich viel Wirkung entfaltet wie eine Data-Center-Migration in die Cloud.
Einfach mit Microsoft weiterzumachen, wollte man bewusst nicht. Die Vorgabe aus der C-Level-Suite war klar: Die Menschen sollten anders zusammenarbeiten.
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Also haben wir damals mit G-Suite pilotiert, es nach rund eineinhalb Jahren Proof of Concept ausgerollt und später um Gemini ergänzt. Kärcher war unser erster großer Ankerkunde in diesem Bereich. Inzwischen haben wir weitere große Projekte, etwa bei OBI, Canyon Bike oder DocMorris, und sind an einigen der größten Google-Workspace-Projekte in Europa beteiligt.
heise online: Heißt das, Herr Kerscher, dass es bei Kärcher praktisch kein Word und kein PowerPoint mehr gibt?
Leonhard Kerscher: Es gibt noch einen minimalen Restbestand, mit dem Ziel unter zehn Prozent der Nutzer, würde ich sagen. Hier sind wir auf einem guten Weg.
Hermann: Wir planen realistisch immer mit etwa 15 Prozent Office-Restbestand. Irgendetwas bleibt am Ende immer übrig. Das ist ungefähr die Größenordnung, auf der wir landen.
heise online: Und Microsoft Teams, das sich in immer mehr Office-getriebenen Unternehmen durchgesetzt hat, spielt bei Ihnen keine Rolle?
Kerscher: Nein. Wir setzen komplett auf den Google-Stack: Meet, Chat, Drive. Auch Slack gibt es nicht daneben. Wir arbeiten wirklich in einer Plattform, und das funktioniert gut.
Was ich spannend fand: Schon im damaligen Proof of Concept mit G-Suite war das Feedback bei einigen der Tester eindeutig. Egal, wie die Entscheidung am Ende ausfällt — die Leute wollten, das Google Mail, Kalender, Drive, Chat und Meet bleiben. Bei Excel oder PowerPoint im Vergleich zu Sheets und Slides war die Diskussion schon kritischer. Aber bei Gmail und Meet war die Zustimmung sehr schnell da.
Hermann: Wenn man nur auf den Lizenzpreis schaut, ist das die eine Seite. Viel wichtiger war für uns aber, dass die Zahl der Helpdesk-Tickets massiv gesunken ist — im Bereich Outlook, also Kalender und Mail, um 80 Prozent. Und jedes Ticket kostet Geld.
Kerscher: Die klassischen Probleme kennt man ja – Outlook-Profil kaputt, neu einrichten, Abstürze. Diese Fälle haben wir schlicht nicht mehr. Wenn im Browser doch einmal etwas hängt, wissen bei uns inzwischen alle: Cache und Cookies löschen, neue Session, weiterarbeiten.
heise online: Der Cloud-Einsatz geht bei Ihnen aber über ein reines Tool-Projekt hinaus, Sie wollten die Arbeitsweise ändern?
Hermann: Absolut. Wir waren vor zwei Jahren im Board und haben gezeigt, dass diese Umstellung bei Kärcher viel mehr umgebaut hat als nur die Office-Umgebung. Das Unternehmen hat sich dadurch tatsächlich intern wie extern stark verändert.
heise online: Nutzen Sie im KI-Bereich ausschließlich Gemini oder auch andere Modelle?
Kerscher: Im Wesentlichen Gemini. Im Coding-Umfeld nutzen wir auch andere Modelle, die etwa in GitHub Copilot integriert sind. Aber außerhalb der Softwareentwicklung ist Gemini der Standard.
Hermann: Und zwar wirklich für alle — bis hinein in die Produktion.
Künstliche Intelligenz
Nothing-CEO: Der beste Zeitpunkt, ein Handy zu kaufen, war gestern
Carl Pei, Mitgründer von OnePlus und Nothing, hat sich auf X zu den steigenden Smartphone-Preisen inmitten der Speicherkrise geäußert. Seinen Aussagen zufolge „war gestern der beste Zeitpunkt, sich ein neues Gerät zuzulegen.
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Speicher ist mittlerweile teuerste Komponente
„Der zweitbeste Zeitpunkt ist jetzt“, ergänzt Pei. „In diesem Jahr wird es nicht die gewohnten Rabatte geben.“ Speicher sei mittlerweile die teuerste Komponente in einem Smartphone sei. „Er ist teurer als der Prozessor, teurer als das Display und kann mehr als 50 Prozent der gesamten Hardwarekosten ausmachen.“
Als Rechenbeispiel führt er das Phone (4a) heran. Bei diesem Mittelklasse-Smartphone hätten sich die Speicherkosten zwischen Produktionsreife und Markteinführung verdoppelt – und danach ein weiteres Mal. Die Preise steigen schneller als vorhergesagt, so der Nothing-Chef.
Anfang des Jahres sagte Pei, der KI-Boom habe die Nachfrage grundlegend verändert: Der gleiche Speicher, der in Smartphones verwendet werde, komme nun auch in KI-Rechenzentren zum Einsatz. Damit stünden zum ersten Mal „Smartphones in direktem Wettbewerb mit der KI-Infrastruktur, was zu einem starken Anstieg der Speicherpreise führt“, erklärt Pei weiter.
Pei erwartet, dass die Preise für Smartphones bis ins nächste Jahr hinein weiter steigen: „Seit Februar kommen neue Smartphones auf den Markt, die bis zu 100 Dollar teurer sind als ihre Vorgängermodelle. In Indien haben Smartphones über 30.000 Rupien (circa 270 Euro) Preissprünge von 7000 Rupien (etwa 62 Euro) oder mehr verzeichnet.“
Massive Preiserhöhungen
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Nothing ist nur eines der Unternehmen, die in einer schwierigen Phase stecken. Auch große Smartphone-Hersteller wie Apple, Samsung und Xiaomi dürften langfristig Anpassungen vornehmen. Dass sich die Speicherkrise länger hinziehen dürfte, sagte auch Xiaomi-CEO Lei Jun in einem Beitrag, wie das in Beijing verortete Portal Pandaily schreibt: Der Xiaomi-Chef bezeichnete die aktuelle Entwicklung der Speicherpreise als „verrückt“ und warnte davor, dass die Preise in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich weiter steigen werden. Auch er riet Verbrauchern, die ein neues Smartphone kaufen wollen, „lieber früher als später zuzuschlagen“.
Ähnlich düster sieht es bei PC-Herstellern und in weiteren Industriezweigen aus: So erhöhte Sony etwa den Preis für Playstation 5 bereits zum dritten Mal, Nintendos Switch 2 kostet bald über 500 Euro und Valve verlangt für das Steam Deck OLED statt 570 fortan 780 Euro. Aufgrund der Krise hat Valve auch noch keine Preise für die Steam Machine und den Steam Frame veröffentlicht, obwohl die Produkte im Laufe des Sommers erscheinen sollen.
(afl)
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Electronic Arts: Werbung kommt ins Spielgeschehen
Electronic Arts bringt Werbung direkt ins Spielgeschehen, etwa als digitale Bandenwerbung und Anzeigetafeln in Sportspielen wie „EA Sports FC“. Der Publisher kündigte am Montag die Werbeplattform EA Advertising an, über die Werbepartner gezielt EA-Kunden erreichen können.
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Schon jetzt zeigt EA beispielsweise Bandenwerbung in seinen Fußballspielen. Neu ist nun vor allem die Ad-Plattform, die die Einbindung von Werbepartnern vereinfachen soll. In Titeln wie „EA Sports FC“, „Madden“ und „College Football“ können Marken Werbebanden, Anzeigetafeln und Broadcast-Einblendungen buchen, wie sie auch bei echten Sportübertragungen zu sehen sind. Die Anzeigen werden dynamisch in die 3D-Umgebung eingespielt und sollen laut EA-Mitteilung das Spielerlebnis von Nutzern dabei sogar verbessern – wohl, weil sie realistisch in die Sportspielerlebnisse eingebunden werden.
„Marken bekommen eine wertvolle Möglichkeit, auf eine Weise präsent zu sein, die einen Mehrwert schafft und das Spielerlebnis respektiert“, kommentiert EAs Chief Experiences Officer David Tinson die Ankündigung. Er verspricht, dass die Authentizität der EA-Spielwelten gewahrt werden soll.
Über den Sport hinaus
Die Werbeplattform ist aber nicht grundlegend auf die Sportspiele beschränkt. EA hat einen eigenen Ad-Server und ein SDK für seine Spiele-Engine Frostbite entwickelt. Damit reicht die technische Grundlage weit über Stadien und Spielfelder hinaus. Werbematerial von EA zeigt etwa gebrandete Handtaschen in „Die Sims“.
Werbung in EA-Spielen ist kein komplett neues Phänomen. Schon 2006 begann EA mit dynamischer Ingame-Werbung zu experimentieren. 2024 brachte EA-Chef Andrew Wilson „durchdachte“ Werbung im Spiel erneut ins Gespräch und erntete dafür Kritik.
EA wird aktuell von einem Konsortium für 55 Milliarden US-Dollar übernommen und von der Börse genommen. Dahinter stehen der saudi-arabische Staatsfonds PIF und mehrere Investmentfirmen. Die Investoren nehmen für den Deal 20 Milliarden US-Dollar an Schulden auf.
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(dahe)
Künstliche Intelligenz
iPadOS, watchOS, macOS, tvOS: Diese Geräte fallen aus den 27er Versionen
Die gute Nachricht zuerst: Wer ein iPhone besitzt, auf dem iOS 26 bereits läuft, kann auch auf iOS 27 aktualisieren. Das kann unter anderem aufgrund von Verbesserungen bei Oberfläche und Performance sinnvoll sein, außerdem ab dem iPhone 15 Pro wegen Siri AI, sollte sich Apple mit der EU zeitnah einigen. Praktisch heißt das: Ab dem iPhone 11 darf man im Herbst noch mitspielen. Bei macOS 27, iPadOS 27, tvOS 27 und watchOS 27 ist Apple allerdings deutlich strenger und reduziert den Support deutlich. Knapp drei Hände voll Geräte sind raus, die mit macOS 26, iPadOS 26, tvOS 26 und watchOS 26 noch nutzbar waren, darunter auch vergleichsweise junge Hardware.
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Mac und iPad – was zu erwarten war
Beim Mac war bereits klar, dass nur noch Apple Silicon von macOS 27 alias Golden Gate unterstützt werden würde. Alle Macs ab dem M1 bekommen das Update. Folgerichtig fallen drei Baureihen mit Intel-Prozessor, die macOS 26 noch beherrscht hatten, aus der Unterstützung: Mac Pro von 2019, iMac von 2020 (inklusive 27 Zoll), MacBook Pro mit 16 Zoll von 2019 und MacBook Pro mit 13 Zoll von 2020 mit vier Thunderbolt-3-Ports.
Beim iPad sind Geräte aus den Jahrgängen 2018, 2019 und 2020 betroffen, die iPadOS 27 nicht mehr erhalten, iPadOS 26 aber noch nutzen konnten. Es sind das Standard-iPad der 8. Generation (2020), das iPad mini der 5. Generation (2019), das iPad Air der 3. Generation (2019) und iPad Pro mit 12,9 Zoll in der 3. Generation (2019) plus iPad Pro mit 11 Zoll der 1. Generation (2018). Sowohl bei Macs als auch iPads ist das unschön, da die 27er Updates allesamt wichtige Produktpflegeelemente enthalten, die die älteren Geräte nun nicht mehr erhalten.
Apple Watch und Apple TV
Bei der Apple Watch geht Apple in Sachen Supportende am radikalsten vor. Sechs Modelle, die vergleichsweise jung sind, können watchOS 27 nicht mehr nutzen. Das sind Series 6 (2020), 7 (2021) und 8 (2022), Ultra (1. Generation von 2022) und SE der 2. Generation (2022). Nur vier Jahre Support ist für Apple sehr ungewöhnlich, die genauen Gründe dafür hat der Konzern noch nicht ausgeführt.
Bei den Apple-TV-Modellen gibt sich Apple hingegen gemächlich mit dem Supportende: Hier fallen nur das komplett veraltete Apple TV HD (von 2015) und das nur wenig neuere Apple TV 4K der ersten Generation (2017) aus der Unterstützung für tvOS 27. visionOS 27 läuft übrigens auch auf der alten Vision Pro mit M2-Chip, nicht nur auf dem M5-Modell. Allerdings beherrscht nur die neuere Variante Apples beste lokale KI-Modelle, wie man das bereits vom iPhone sowie dem Mac kennt. Die neuen Betriebssysteme erscheinen im Herbst.
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(bsc)
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