Connect with us

Künstliche Intelligenz

Mini-Kameras in der Öffentlichkeit: Das Strafrecht versagt bei Smart Glasses


Die Szene wirkt unverfänglich: Ein junger Mann spricht zwei Frauen am Hamburger Alsterufer an, es folgt ein kleiner Smalltalk im Sonnenschein. Für die damals 29-jährige Zeina war die Begegnung im Bikini bedeutungslos, bis sie sich wenig später unvermittelt auf TikTok wiedersah. Das Video ging viral, hunderte Kommentare bewerteten ihren Körper und ihr Aussehen. Gefilmt wurde sie aus der Ego-Perspektive ihres Gegenübers, ohne dass ein Smartphone oder eine Kamera zu sehen waren.

Weiterlesen nach der Anzeige

Das Werkzeug waren Smart Glasses, die optisch kaum von einem herkömmlichen Modell zu unterscheiden sind. Damit ist es aber möglich, mehr oder weniger diskret alles aufzuzeichnen, was der Träger sieht. Wie SWR-Recherchen zeigen, steht der geschilderte Fall beispielhaft für eine neue Dimension der digitalen Grenzüberschreitung.

Die heimliche Hamburger Aufnahme und Veröffentlichung deckt laut Experten eine Gesetzeslücke im deutschen Strafrecht auf. Wer glaubt, dass ein solch massiver Eingriff in die Privatsphäre automatisch strafbar ist, irrt. Die Kölner Rechtsprofessorin Indra Spiecker genannt Döhmann warnt vor den erheblichen Defiziten der aktuellen Gesetzgebung: Heimliches Filmen im öffentlichen Raum sei zwar verboten, ziehe aber in aller Regel keine strafrechtlichen Konsequenzen nach sich.

Als strafbar gelten Aufnahmen derzeit primär in Bereichen, die gegen Einblicke besonders geschützt sind – etwa die eigene Wohnung oder eine Umkleidekabine. Beliebte Orte des öffentlichen Lebens wie das Alsterufer, das Oktoberfest oder auch Schwimmbäder und Saunen zählen nach aktueller Rechtsprechung dagegen nicht dazu.

Dabei ist das Problembewusstsein in der Bevölkerung hoch. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap im Auftrag des SWR verdeutlicht das Ausmaß: 85 Prozent der Wahlberechtigten betrachten es als großes oder sehr großes gesellschaftliches Problem, wenn Menschen in privaten oder intimen Situationen heimlich gefilmt und die Aufnahmen missbraucht werden. Unter Frauen liegt dieser Wert sogar bei fast 90 Prozent.

Die Diskrepanz zwischen dem Unbehagen der Bürger und dem realen Schutz durch den Staat ist damit enorm. Betroffene können sich nicht auf die Hilfe von Polizei und Staatsanwaltschaft verlassen, sondern müssen auf eigene Faust und eigenes finanzielles Risiko zivilrechtlich wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts klagen. Das ist oft teuer und kräftezehrend.

Die rasante Technikentwicklung befeuert die juristische Schutzlosigkeit. Modelle wie die Kooperation von Meta und Ray-Ban boomen. Laut dem Herstellerpartner EssilorLuxottica wurden allein 2025 weltweit sieben Millionen solcher Smart Glasses verkauft.

Weiterlesen nach der Anzeige

Die Realität auf Plattformen wie TikTok oder Instagram zeigt längst die Schattenseiten: Unter Hashtags wie „rizz“ – abgeleitet von Charisma – verbreiten selbst ernannte Dating-Coaches und „Pickup-Artists“ Aufnahmen von Frauen am Strand, in Bars oder auf der Straße. Zwar verfügen die Geräte über ein kleines Licht, das eine laufende Aufnahme signalisieren soll. Doch das lässt sich abkleben. Meta betont auf Anfrage, Nutzer seien selbst für die Einhaltung von Gesetzen verantwortlich.

Auch das von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) vorgelegte Gesetz zum Schutz vor digitaler Gewalt wird laut Spiecker wenig an der bestehenden Gesetzeslücke ändern. Zwar würden damit Aufnahmen in Saunen künftig explizit unter Strafe stehen, doch der Entwurf bleibe insgesamt zu speziell und rechtstechnisch eine unglückliche Lösung. Besonders die Formulierung, dass Aufnahmen in „sexuell bestimmter Weise“ erfolgen müssen, um strafbar zu sein, biete zu viel Interpretationsspielraum.

Ob das Filmen einer Frau im Bikini am Alsterufer bereits dieses Kriterium erfüllt, bleibt juristisch umstritten. Das hilft Betroffenen in der Praxis kaum weiter. Das Justizressort will sich zu den offenen Fragen derzeit nicht äußern und verweist auf die Zuständigkeit der Gerichte im Einzelfall. Doch für Experten wie Spiecker steht fest: Ohne eine grundlegende, praxistaugliche Reform des Strafrechts drohe der öffentliche Raum zu einer Zone zu werden, in der das Recht am eigenen Bild durch die Verbreitung unauffälliger Smart Glasses de facto ausgehöhlt wird.


(mma)



Source link

Künstliche Intelligenz

E-Scooter Egret Unit im Test: Viel Power, großer Akku & cleverer Gepäckträger


Der Egret Unit bietet einen kräftigen Motor, großen Akku, Top-Verarbeitung und cleveren Gepäckträger. Im Test zeigt er nur wenige Schwächen.

Egret zählt zu den beliebtesten deutschen Herstellern von E-Scootern. Schon der Egret Pro, der Egret X und der Egret One überzeugten uns im Test mit hoher Verarbeitungsqualität, starken Bremsen und großen Akkus. Auch die günstigere Ey!-Serie schnitt hervorragend ab. Ein gutes Beispiel ist der Egret Ey! 1 (Testbericht), der mit Vollfederung sowie hoher Reichweite punktete und trotzdem bezahlbar bleibt.

Jetzt tritt der Egret Unit an. Ein Merkmal hebt ihn klar von der Konkurrenz ab: ein schlau positionierter Gepäckträger für bis zu 10 kg. Dazu kombiniert er einen kräftigen Motor mit 1890 W Spitzenleistung und einen großen 730-Wh-Akku. Damit zielt der E-Scooter auf Pendler und Vielfahrer, die zusätzlichen Stauraum schätzen. Den Egret Unit gibt es für 799 Euro direkt beim Hersteller oder ebenfalls für 799 Euro bei Amazon.

Aufbau, Optik & Verarbeitung

Der Egret Unit kommt fast vollständig vormontiert. Käufer drehen nur vier Schrauben für den Lenker ein – fertig. Wir empfehlen für jede Fahrt einen Helm.

Optisch zeigt sich der Unit minimalistisch in Mattschwarz. Das Design wirkt stabil und chic. Die Trittfläche ist gummiert und bietet guten Grip. Wer es bunter mag, individualisiert den E-Scooter mit den beiliegenden, lifestyligen Streifenaufklebern in verschiedenen Farben und Designs.

Die Verarbeitung bewegt sich auf Top-Niveau. Hier schlackern keine Kabel, die Reifen wirken hochwertig, nichts wackelt. Auffällige Spaltmaße sucht man vergeblich. Beim Fahren über Kopfsteinpflaster klappert nichts, auch der Lenker zeigt kein Spiel.

Ausgeklappt misst der Unit rund 113 × 62 × 124 cm. Zusammengeklappt schrumpft die Höhe auf etwa 55 cm. Ein Schwergewicht bleibt er trotzdem. Mit 28 kg Leermasse laut Zulassungspapier – das Handbuch nennt rund 27 kg – fällt das Tragen über Treppen oder in den Kofferraum schwer. Dafür trägt der Unit ordentlich Last: Die maximale Zuladung beträgt 130 kg, das technisch zulässige Gesamtgewicht 158 kg. Der Egret Unit eignet sich laut Hersteller für Fahrer zwischen 1,40 m und 2,05 m Körpergröße.

Lenker & Display

Die Griffe des Egret Unit gefallen dank ihrer ergonomischen Handballenauflage. Die Lenkerhöhe ist fix, passt aber auch für größere Fahrer. Unser 186 cm großer Testfahrer fühlte sich rundum wohl.

Die Bedienung fällt minimalistisch aus. Eine einzige Taste steuert fast alles: Langes Drücken schaltet den Unit ein und aus, einfaches Drücken aktiviert das Licht, ein Doppeldruck wechselt den Fahrmodus. Das Gas regelt ein Daumenhebel rechts. Dieser geht etwas zu straff, was bei langen Fahrten unangenehm werden kann. Eine Klingel sitzt links, integriert in den Bremshebel.

Das LED-Display zeigt die Geschwindigkeit in km/h ohne Nachkommastelle, den Fahrmodus und den Akkustand in fünf Balken – mehr nicht. Es nutzt wenige farbige Elemente, bleibt bei Sonnenlicht aber okay ablesbar.

Die integrierten Blinker sitzen nur an den Lenkerenden, nicht am Heck. Eine akustische Rückmeldung erinnert daran, den Blinker wieder auszuschalten, eine automatische Rückstellung fehlt. Im Dunkeln leuchten die Blinker hell genug, bei strahlendem Sonnenschein erkennt man sie dagegen kaum noch. Der Blinkerschalter liegt gut positioniert neben dem linken Daumen.

Egret Unit

Beim Licht setzt Egret vorn auf ein integriertes LED-Frontlicht mit 40 Lux. Verstellen lässt es sich in der Höhe nicht. Am Heck überzeugt ein sehr helles LED-Rücklicht mit Bremslichtfunktion – beim Bremsen leuchtet es zusätzlich auf. Das Licht schaltet sich allerdings nur manuell ein, ein Dämmerungssensor fehlt.

App

Den Egret Unit verbindet man auf Wunsch mit einer App. Deren Funktionen sind überwiegend Standard. Nutzer behalten Ladestand und verfügbare Reichweite im Blick. Sie ändern den Fahrmodus und sehen direkt, wie sich das auf die Restreichweite auswirkt. Es stehen die Modi Eco, Tour, Sport oder Walk zur Wahl. Zusätzlich lässt sich der E-Scooter per App sperren und entsperren.

Fahren

Das Fahren mit dem Egret Unit macht richtig Laune. Der Motor liefert 500 W Nennleistung und 1890 W Maximalleistung bei 38 Nm Drehmoment. Damit gehört er zu den stärksten Antrieben in unserem Testfeld. Auch die elektrische Steuerung gefällt. Der Unit beschleunigt giftig aus dem Stand, ohne dabei gleich einen Wheelie hinzulegen. Das Gas lässt sich fein dosieren, und die Geschwindigkeit hält der E-Scooter konstant, statt einzubrechen.

Die Steigfähigkeit gibt der Hersteller mit bis zu 32 % an. In der Praxis messen wir per GPS rund 22 km/h Maximalgeschwindigkeit. Schön, dass der Unit den legalen Rahmen voll ausreizt – viele andere E-Scooter bleiben hier knapp darunter. Trotz des hohen Eigengewichts zeigt sich der Unit zudem erstaunlich wendig und agil. Kurven und enge Manöver meistert er souverän.

Egret Unit

Bei der Federung setzt Egret auf eine Doppelfederung. Vorn arbeitet eine Federgabel mit 20 mm Federweg, hinten eine Schwinge mit 30 mm. Dazu kommen 10-Zoll-Luftreifen. Vollfederung und Gravel-Reifen schlucken Kopfsteinpflaster und Unebenheiten gut weg, auf Bordsteinkanten setzt der Unit nicht auf. Insgesamt fällt die Federung jedoch etwas zu straff für entspanntes Fahren auf Feldwegen oder Pflastersteinen. Der Unit eignet sich daher vor allem für den urbanen Einsatz. Dort spielt die Federung ihre Stärken aus.

Die Bremsen arbeiten zuverlässig. Vorn und hinten verzögern mechanische Trommelbremsen über zwei separate Bremshebel. Diese Bremsen sind robust und wartungsarm. Im Test schliff die hintere Bremse zunächst, nach etwa 1 km Einfahren war das Problem aber behoben. Insgesamt liefert der Unit ein gutes Bremssystem.

Akku

Der fest verbaute Li-Ionen-Akku liefert mit 46,8 V und 15,6 Ah eine Kapazität von 730 Wh. Entnehmen lässt er sich nicht. Das Ladegerät leistet 109,2 W (54,6 V × 2 A). Der Ladeport mit Gummiabdeckung sitzt unter dem Gepäckträger am vorderen Teil des Trittbretts. Eine Vollladung dauert rund 8 Stunden. Gegen Feuchtigkeit ist der Akku nach IPX5 geschützt.

Der Hersteller verspricht bis zu 100 km Reichweite im Eco-Modus. Dieser Wert gilt aber nur unter Idealbedingungen: vollgeladener Akku, konstant 15 km/h, 25 °C, 75 kg Last, gerade und ebene Asphaltfahrbahn – also weit weg vom Alltag. In der Praxis kommen wir mit 86 kg Last, im Sportmodus, bei viel Stop-and-Go und 30 °C auf knapp 50 km. Das ist immer noch ein sehr guter Wert.

Preis

Den Egret Unit gibt es für 799 Euro direkt beim Hersteller oder ebenfalls für 799 Euro bei Amazon.

Fazit

Der Egret Unit ist ein rundum gelungener E-Scooter für Pendler und Vielfahrer, die Qualität und Stauraum schätzen. Ein Highlight ist der Gepäckträger für bis zu 10 kg. Er sitzt klug zwischen Lenkstange und Trittbrett und schwebt rund 10 cm über der Trittfläche. Die Füße passen gut darunter, der Träger stört nicht. Dank des tiefen Schwerpunkts merkt das Gewicht des Gepäcks kaum: Balance und Wendigkeit bleiben unbeeinflusst. Die Größe reicht für kleine Kartons oder Rucksäcke – ein überzeugendes Konzept.

Dazu kommen ein bärenstarker Motor, ein großer Akku mit guter Reichweite und eine erstklassige Verarbeitung. Auch die ergonomischen Handballenauflagen, die robusten Trommelbremsen, das helle Bremslicht und der stabile Seitenständer gefallen. Klingel und App-Anbindung runden das Paket ab.

Kritik gibt es dennoch. Das hohe Gewicht von knapp 28 kg erschwert den Transport, die etwas zu straffe Federung empfiehlt den Unit eher für die Stadt als für Feldwege. Auch der straffe Daumenhebel, die fehlenden Heckblinker und das schlichte Display trüben das Bild leicht. Wer darüber hinwegsieht, erhält für 799 Euro einen hervorragenden E-Scooter mit einzigartigem Transport-Talent.



Source link

Weiterlesen

Künstliche Intelligenz

Fünf Tage Akkulaufzeit: E-Ink-Smartphone Bigme Hibreak Pro im Test


Moderne Smartphone-Displays mit OLED-Panel sind toll für Filme, Fotos und Spiele, doch zum langen Lesen eignen sie sich weniger gut. Für diesen Zweck sind E-Ink-Panels besser geeignet, zudem entlasten sie die Augen. Mit dem 349 Euro teuren Hibreak Pro hat der Hersteller Bigme ein E-Ink-Smartphone im Sortiment. Das ist durch sein Display also eher ein E-Book-Reader, der nebenbei auch ein Smartphone ist.

Das Design des Hibreak Pro ist schlicht. Der Rahmen aus Kunststoff und die Rückseite aus mattem Glas sind weiß gehalten und passen damit gut zum hellen E-Ink-Display. Im rot gefärbten Einschalter befindet sich ein Fingerabdrucksensor, der im Test immer wieder drei, vier Versuche benötigte, um einen registrierten Fingerabdruck korrekt zu erkennen. Mit 180 Gramm wiegt das Bigme für ein Smartphone recht wenig. Die Verarbeitung ist in Ordnung, ohne besondere Eleganz zu versprühen.

Bigme hat sich für ein monochromes E-Ink-Display vom Typ Carta 1300 und nicht für ein farbiges. Zwar gelten diese durch ihre geringere Helligkeit und oft leicht gräuliche Darstellung als weniger geeignet für langes Lesen, andererseits gibt es bei einem Smartphone durchaus mehr Gründe, die für ein farbiges Display sprächen. Schon zur Unterscheidung der App-Icons wäre Farbe hilfreich. Dennoch: Der Startbildschirm des Hibreak Pro erscheint trotz Schwarz-Weiß-Darstellung zwar minimalistisch, aber aufgeräumt.


Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Fünf Tage Akkulaufzeit: E-Ink-Smartphone Bigme Hibreak Pro im Test“.
Mit einem heise-Plus-Abo können Sie den ganzen Artikel lesen.



Source link

Weiterlesen

Künstliche Intelligenz

Statt Emulator: Bastler baut Apple II Plus komplett in Hardware nach


close notice

This article is also available in
English.

It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Ein Bastler aus Schottland hat einen Apple II Plus mit modernen Bauteilen konstruiert. Statt sich einer Software-Emulation zu bedienen, wagte Simon Boak einen echten Hardware-Nachbau. Der SB Mini II, der den Klassiker von Steve Wozniak rekonstruiere, behalte trotz einiger Veränderungen aber dessen Schaltungsprinzipien weitgehend bei, betont er.

Weiterlesen nach der Anzeige

Wie Boak in seinem Blog Unimplemented Trap schreibt, war der Apple II/II Plus seinerzeit aus Standardbauteilen aufgebaut – viele der damals verwendeten Logikbausteine und der 6502-Prozessortyp sind bis heute erhältlich. Hinzu kommt, dass Apple im Handbuch zum Apple II die kompletten Schaltpläne veröffentlichte und ganze Bücher die Funktionsweise erklären. Es bleibe damit, so Boak, „kein Geheimnis“, wie der Rechner intern arbeite. Die offene Dokumentation war eine wichtige Voraussetzung für sein Bastelprojekt.

Im Zentrum des SB Mini II arbeitet ein handelsüblicher 65C02, getaktet mit rund 1,024 MHz. Boak erzeugt diesen Wert durch einen 4,096-MHz-Quarzoszillator, dessen Frequenz durch vier geteilt wird – der Originalwert lag bei 1,023 MHz für die 60-Hz-Modelle. Beim Arbeitsspeicher kommen 48 KByte zum Einsatz, realisiert über anderthalb 32-KByte-SRAM-Bausteine, wobei 16 KByte ungenutzt bleiben. Der Wechsel von DRAM zu SRAM vereinfacht die Schaltung erheblich, weil die beim Original nötige Refresh-Logik wegfällt. DRAM war damals eine reine Kostenentscheidung; heute sei SRAM preislich vertretbar, sagte Boak.

Eine integrierte Language-Card-Logik für volle 64 KByte hatte Boak zunächst angedacht, dann aber wegen der Komplexität verworfen. Stattdessen steckt im Slot 0 eine Replica einer Saturn-128-KByte-Karte. Das ROM liegt als 12-KByte-Image in einem 32-KByte-EEPROM; per Jumper lässt sich zwischen oberer und unterer Hälfte des Chips umschalten, wobei in der zweiten Hälfte Adrian Blacks Diagnoseprogramm „Deadtest“ untergebracht ist.

Boak weist noch auf einige weitere Abstriche bei seinem Nachbau hin: Die Steckplätze führen kein DMA-Signal, kein USER-1-Signal und keinen 7M-Takt. Auch einen Kassettenanschluss gibt es im Gegensatz zum Original nicht.

Bei Tastatur und Peripherie zeigt sich der Spagat zwischen Original und Moderne besonders deutlich. Ein Raspberry Pi Pico stellt eine USB-Tastaturschnittstelle bereit, erzeugt elektrisch aber die gleichen parallelen Datensignale wie die originale ASCII-Tastatur des Apple II. Pegelwandler sind nicht nötig, da der Pico nur Logik auf der Platine treibt und die 3,3 Volt für die verwendete CMOS-Logik ausreichen. Über Control+Print Screen lässt sich ein Reset auslösen, beim Einschalten führt der Pico einen Power-On-Reset durch. Ein integrierter Lautsprecher entspricht funktional dem des Originals.

Weiterlesen nach der Anzeige

Auf Onboard-Grafik verzichtet der SB Mini II komplett. Die Videoausgabe übernimmt ausschließlich eine Apple-II-VGA-Karte im Erweiterungsslot. Beim originalen Apple II diente ein erheblicher Teil der Schaltung der Erzeugung eines Composite-Videosignals. Diese Logik entfällt hier zugunsten der VGA-Karte und eines schärferen Bildes.

Der SB Mini II ist Boaks erstes vierlagiges Platinendesign: Die inneren Lagen führen die Spannungsversorgung, die Signale laufen außen. Versorgt wird die Platine mit 12 Volt, ein Pololu-Regler erzeugt daraus die 5 Volt.

Das Gehäuse besteht aus mehreren 3D-gedruckten Teilen, die verklebt und anschließend lackiert werden. Das Design orientiert sich am Apple-ProFile-Festplattengehäuse, kombiniert dessen Form aber mit Lüftungsschlitzen und der Rückseite des Apple II. Wie beim Original lässt sich der Deckel ohne Werkzeug einklippen und für einen Blick ins Innere wieder abnehmen.

Passend dazu hat Boak den Studio-II-Monitor gestaltet, ein 3D-druckbares Gehäuse für ein 8-Zoll-LCD mit 1024 × 768 Pixeln und dem über eBay oder AliExpress erhältlichen Treiberboard HE080IA-01D. Die Farbgebung erinnert an den Apple II und an Apple-Displays der frühen 2000er-Jahre. Zum Bausatz gehören neben Front, Rückseite, zweiteiligem Standfuß und Tastengehäuse auch eine Reihe von Schrauben, Gewindeeinsätzen und Schaumstreifen; die Montageanleitung umfasst zehn Schritte. Die Schaltpläne, Stücklisten und CAD-Dateien des SB Mini II stehen auf GitHub bereit, der Studio-II-Monitor liegt als Original-Entwurf auf Printables unter einer Creative-Commons-Lizenz (Attribution-ShareAlike 4.0) vor.

Wer den Apple II als prägendes System der frühen Heimcomputer-Ära einordnen möchte, findet im heise-Artikel Apple II: Nostalgische Zeitreise und Interview mit Zeitzeuge John Romero den passenden Kontext.

Lesen Sie auch


(mki)



Source link

Weiterlesen

Beliebt