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Nichts beizutragen? Geh raus: Elon Musks knallharte Meeting-Regel


Innerhalb von 22 Monaten stand die Gigafactory von Tesla in Grünheide. Ex-Chef Harald Schlarb gibt Einblicke in den Bau und erzählt, wie es ist, mit Elon Musk zusammenzuarbeiten.

Nichts beizutragen? Geh raus: Elon Musks knallharte Meeting-Regel

Tesla-Chef Elon Musk.
picture alliance / Xinhua News Agency | Ding Ting / ASSOCIATED PRESS | Patrick Pleul

Harald Schlarb verbrachte den Großteil seiner Karriere bei Daimler, bevor er 2020 zu Tesla wechselte. Er war einer der Köpfe hinter der Gigafactory bei Berlin und für die Planung und den Aufbau des Tesla-Werks zuständig.

Schlarb kam über einen engen Mitarbeiter von Elon Musk zu Tesla, der für ihn das Thema Automotive verantwortet. Das erzählt er in der neuesten Folge von Royal GS mit Martin Eyerer (Ex-CEO Factory Berlin, Unternehmer, Techno-DJ) und Nikita Fahrenholz (Gründer von Delivery Hero & Fahrengold).

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Die Gigafactory in Grünheide wurde innerhalb von zwei Jahren aufgebaut. 2022 wurden dort erste E-Autos produziert. Als Schlarb zwei Jahre zuvor begann, hatte Tesla das Gelände bereits ausgewählt, erzählt er. Mit vier anderen arbeitete er zunächst im Design-Office von Tesla in der Nähe vom Berliner Ostbahnhof, bevor das Team immer größer wurde – bis hin zu tausenden Mitarbeitenden.

Blick auf das Gelände der Tesla Gigafactory in Grünheide.

Blick auf das Gelände der Tesla Gigafactory in Grünheide.
picture alliance/ZB/euroluftbild.de/Bernd Clemens

Über die Arbeit mit Elon Musk

Schlarb sei auch viel im Austausch mit Elon Musk gewesen – hauptsächlich über Videokonferenzen, aber auch persönlich. Wie es ist, mit Musk zu arbeiten? Der Typ für Smalltalk sei der Tesla-Chef nicht, erzählt Schlarb.

„Sein Thema ist ja im Prinzip Effizienz. Also wenn das Auto eine Änderung braucht und dadurch die Fabrik eine Änderung braucht, damit der Kunde einen Vorteil hat, dann wird das gemacht“, sagt Schlarb. „Und wenn eine Wand versetzt wird, dann wird das gemacht.“ Musk sei flexibel, schnell und trage das Risiko. Schlarb beschreibt ihn als „sachorientiert und produktorientiert“.

Und auch im Hinblick auf Meetings und E-Mails folge Musk einigen Prinzipien. Etwa: „Du hast die Verpflichtung, wenn du nichts beiträgst, in einem Meeting, das Meeting zu verlassen“, sagt Schlarb. „Du hast die Verpflichtung, wenn du E-Mails schreibst, keine Anhänge anzuhängen.“ Stattdessen solle man Grafiken und Slides direkt in die Mail packen, damit Musk nur drüberscrollen müsse und direkt sehe, wonach in der Mail gefragt werde.

Die Gigafactory

Die Gigafactory sei laut Schlarb nicht mit klassischen Automotive-Werkstätten zu vergleichen. Der Ansatz sei, alles vor Ort zu haben, dort, wo es gebraucht werde. Deswegen stehen Container mit Autoteilen direkt an der Werkshalle. Wo sich welche Teile befinden, das werde digital gemanaged. Die Teile kommen quasi vom Container ans Band, ohne klassische Lagerhallen. „Warehouse on Wheels“, beschreibt es Schlarb.

Derzeit plant Musk das Werk in Grünheide weiter zu erweitern. Dass es damals überhaupt nur in zwei Jahren hochgezogen werden konnte, lag vor allem daran, dass Prozesse wie Bau, Planung und Genehmigung parallel abliefen, erzählt Schlarb.

Alle Folgen im Überblick

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+++ Tractive +++ Bending Spoons +++ Isar Aerospace +++ Solaris +++ Berlin +++ München +++


#StartupTicker

+++ #StartupTicker +++ Komoot-Käufer Bending Spoons kauft nun auch Tractive +++ SpaceTech Isar Aerospace bekommt wohl bis zu 250 Millionen (Bewertung: 2 Milliarden) +++ So läuft der Umbau beim FinTech Solaris +++ Überflüssig: Berlin vs. München +++

+++ Tractive +++ Bending Spoons +++ Isar Aerospace +++ Solaris +++ Berlin +++ München +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Donnerstag, 26. März).

#STARTUPLAND

STARTUPLAND: Founders. VCs. Visionaries

+++ Am 10. März 2027 findet im RheinEnergieStadion in Köln unsere vierte STARTUPLAND Conference statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über STARTUPLAND

#STARTUPTICKER

Bending SpoonsTractive
+++ Ein fetter Exit in Österreich! Die italienische Softwarefirma Bending Spoons, zu der Evernote, Meetup und WeTransfer gehören, übernimmt das erfolgreiche österreichische Haustier-Tracking-Grownup Tractive. Das Unternehmen, das im Segment GPS-Tracking für Hunde und Katzen unterwegs ist, wurde 2012 von Michael Hurnaus, Michael Lettner und Michael Tschernuth sowie Florian Gschwandtner und den anderen Machern der erfolgreichen Fitness-Firma Runtastic gegründet. Zuletzt verfügte Tractive über imposante 1,6 Millionen zahlende Abonnentinnen und Abonnenten. Im November 2025 wurden erste Verkaufsgerüchte öffentlich. Das Unternehmen wurde dabei mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet. Was Bending Spoons nun für Tractive auf den Tisch gelegt hat, ist bisher nicht bekannt. Bending Spoons übernahm zuletzt auch die beliebte Potsdamer Wander-App Komoot. Der Kaufpreis lag wohl bei knapp 300 Millionen Euro. Im besten Fall ist der Tractive-Exit einer der größten, wenn nicht gar der größte Exit der österreichischen Startup-Geschichte. Man darf gespannt sein, welche Auswirkungen die Übernahme auf Bending Spoons hat. Das Unternehmen hat in der Regel seine eigenen Vorstellungen in Sachen Strategie, Ausrichtung und Anzahl der Mitarbeitenden. Mehr über Tractive

Isar Aerospace
+++ Ein milliardenschwerer Überflieger! Das junge NewSpace-Startups Isar Aerospace plant wohl weitere 250 Millionen Euro einzusammeln – wie Bloomberg berichtet. Die Bewertung soll dabei auf 2 Milliarden Euro steigen. Der amerikanische Investor Eldridge Industries, hinter dem der Unternehmer Todd Boehly steckt, investierte zuletzt bis zu 150 Millionen Euro in das Unternehmen. Die Bewertung steigt dabei auf 1 Milliarde US-Dollar. Die neue Investmentrunde ist somit ein massiver Schritt nach vorne. Das junge Unternehmen (Ottobrunn und München), 2018 von Daniel Metzler, Josef Fleischmann und Markus Brandl gegründet, möchte kleinere Satelliten kostengünstiger in den Orbit befördern und entwickelt deswegen unter anderem an alternativen Antrieben für Trägerraketen. In den vergangenen Jahren flossen bereits rund 500 Millionen Euro in Isar Aerospace. (Bloomberg) Mehr über Isar Aerospace

Solaris
+++ Lesenswert! Der Umbau beim kriselnden Berliner FinTech Solaris, das jetzt von Steffen Jentsch geführt wird, nimmt Formen an. „Der neue Chef will jede fünfte der rund 400 Stellen streichen und die Bank zu einem technischen Dienstleister für andere Institute ausbauen“, schreibt das Manager Magazin. Die gute Nachricht dabei: Der japanische Großaktionär SBI (80 %) macht dafür „eine dreistellige Millionensumme“ locker. (Manager Magazin) Mehr über Solaris

Berlin vs. München
+++ Immer wieder die alte Leier! Bei Gründerszene geht es einmal wieder um die Frage: „Berlin oder München – wer ist Deutschlands Startup-Hauptstadt?“. Der entscheidende Satz kommt danach: „Ein Blick auf zwei Ökosysteme, ihre Stärken und einen Wettbewerb, der vielleicht gar keiner sein müsste“. Genau so sieht es aus! Am Ende des Tages müssen wir diese Startup-Kleinstaaterei in Deutschland endlich ad acta legen. Deutschland ist einfach zu klein für solche überflüssigen Konkurrenzkämpfe. (Gründerszene) Lesetipp: „Schluss mit Berlin vs. München

CVC
+++ Erfolgreiche CVCs sind präsent, geben konstruktives Feedback, öffnen Türen innerhalb ihres Unternehmens und helfen Startups dabei, typische Stolperfallen zu vermeiden. Sie agieren als Sparringspartner und bringen sich aktiv ein. Mehr im Gastbeitrag von Peter Lauerbach (vent.io)

#DEALMONITOR

Investments & Exits
+++ Kandou AI bekommt 225 Millionen +++ Interloom sammelt 16,5 Millionen ein +++ Kewazo streicht 15 Millionen ein +++ Cellbricks erhält 10 Millionen +++ sequestra sammelt 5 Millionen ein. Mehr im Deal-Monitor

Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3



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Was Startups über Venture Clienting wissen sollten


Für aufstrebende Startups kann Venture Clienting ein sehr wirkungsvoller Weg – etwa in die Energiebranche – sein. Vorausgesetzt, ein paar Hausaufgaben sind gemacht. Ein Gastbeitrag von Karin Klaus und Florian Fichter (Enpulse Ventures).

Deutschland ist in Clean-Tech und Engineering hervorragend aufgestellt – insbesondere in der Energiebranche. An guten Ideen mangelt es nicht, an Pilotpotenzialen auch nicht. Doch zwischen Prototyp und breiter Anwendung klafft oft eine große Lücke. Die Eintrittsbarrieren sind enorm: komplexe Regulierung, hohe Investitionen, historisch gewachsene IT-Landschaften und ein Markt, der stark über persönliche Netzwerke funktioniert. Für viele Startups heißt das: Man bleibt beim Showcase hängen, statt in die Kernprozesse zu kommen.

Auch auf Unternehmensseite ist das Muster bekannt: Innovation Labs, Piloten, CVC – vieles bleibt im Testmodus. Genau hier setzt Venture Clienting an. Der Ansatz macht etablierte Unternehmen zum Kunden der Innovation und holt Startups nicht „on top“, sondern mitten ins Kerngeschäft.

Vom Piloten zum Produkt: Was Venture Clienting anders macht

Im Venture Clienting werden Startups als Partner für konkrete Probleme eingebunden, nicht als nettes Add-on. Ausgangspunkt ist immer ein scharf definiertes Problem aus einer Business Unit – etwa fehlende zeitliche Kapazitäten und Fähigkeiten für eine Innovation. Erst danach beginnt die Startup-Suche.

Entscheidend ist der Problem-Solution-Fit: Löst das Startup wirklich den Schmerzpunkt – und zwar im bestehenden Setup des Unternehmens? Ebenso wichtig sind technologische Reife, Integrationsfähigkeit in bestehende Systeme, Security- und Compliance-Fit sowie die Perspektive auf Skalierung. 

Auf dieser Basis folgt ein klar strukturierter Ablauf: Problem-Discovery, Auswahl des Partners, POC im Livebetrieb mit KPIs – und danach eine Implementierungsentscheidung. Fällt diese positiv aus, gibt es einen Folgeauftrag: Die Lösung wird in den regulären Prozessen der Geschäftseinheiten verankert. Das Ziel lautet von Anfang an nicht „ein spannender Pilot“, sondern „stabiles Produkt im Alltag“.

Kurz-Case Zählerfreunde: Dynamische Tarife ohne IT-Großprojekt

Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Zusammenarbeit mit Zählerfreunde. Der regulatorische Trigger: Seit Anfang 2025 verpflichtet § 41a EnWG Energieversorger, mindestens einen dynamischen Stromtarif anzubieten. Parallel verlangt das Messstellenbetriebsgesetz, dass Kund:innen ihre Smart-Meter-Daten verständlich einsehen können. Für Privatkund:innen heißt das vereinfacht: Strompreise können sich je nach Tageszeit und Börsenpreis verändern – und wer ein Smart Meter hat, kann seinen Verbrauch viel genauer nachvollziehen und (mit den richtigen Tools) an günstige Zeitfenster anpassen. Was klingt wie zusätzliche Bürokratie, ist in Wirklichkeit eine technische Zäsur – gerade für Stadtwerke mit gewachsenen IT-Landschaften.

Genau hier setzt Zählerfreunde an: Das Startup verbindet Smart-Meter-Daten, Tariflogik und Visualisierung über eine offene Plattformarchitektur, die sich an bestehende Systeme wie SAP IS-U anbinden lässt. Die Daten fließen vom Smart-Meter-Gateway über Head-End-Systeme und Middleware bis ins Kundenportal, Preissignale und Lastdaten bleiben über alle Ebenen hinweg konsistent. Standardisierte Schnittstellen und Marktkommunikationsprozesse reduzieren den Integrationsaufwand; neue proprietäre Punkt-zu-Punkt-Verbindungen werden weitgehend vermieden.

Für Endkund:innen entstehen White-Label-Dashboards im Look & Feel des Stadtwerks, mit Echtzeit-Visualisierung von Verbrauch und Preisen. Damit bekommen Haushalte einen einfachen Zugang zu ihren Smart-Meter-Daten: Sie sehen ihren Stromverbrauch und die aktuellen Preise fast in Echtzeit – und verstehen, was ein dynamischer Tarif im Alltag bedeutet. Optional kann die App auch HEMS-Funktionen bieten, z. B. Prognosen, automatische Lade- und Nutzungspläne (etwa für Wallbox oder Wärmepumpe) sowie Hinweise auf günstige Zeitfenster. So lassen sich Verbrauch und Kosten ohne technisches Vorwissen gezielt optimieren. Für das Stadtwerk bedeutet das: § 41a lässt sich technisch sauber, skalierbar und ohne Parallel-IT umsetzen. 

Der nächste logische Schritt ist dann die automatisierte Steuerung flexibler Verbraucher über ein Home Energy Management System (HEMS): Wenn Preissignale, Lastdaten und Geräteverfügbarkeit zusammengeführt werden, lassen sich Prozesse nicht nur sichtbar machen, sondern auch aktiv optimieren – etwa durch zeitliche Verschiebung von Verbrauch, die Ansteuerung steuerbarer Lasten oder die Priorisierung günstiger Zeitfenster. Für Stadtwerke entsteht so ein Pfad von der regulatorisch sauberen Umsetzung hin zu messbarer System- und Kosteneffizienz – ohne ein neues IT-Großprojekt, sondern als Erweiterung auf einer bereits integrierten Plattform.

Für Zählerfreunde ist es ein idealer Venture-Client-Case: Zugang zu realer Infrastruktur, scharfer Use Case, hohe Relevanz – und eine Lösung, die sich auf weitere Versorger übertragen lässt.

Was Startups über Venture Clienting wissen sollten

Für Startups kann Venture Clienting ein sehr wirkungsvoller Weg in die Energiebranche sein – vorausgesetzt, ein paar Hausaufgaben sind gemacht.

Erstens: Es braucht ein echtes Schmerzpunkt-Problem, kein Feature. Wer nur „noch ein Dashboard“ baut, wird austauschbar. Wer hilft, regulatorische Pflichten effizient zu erfüllen, Abläufe so zu strukturieren, dass sie skalierbar und teilautomatisierbar werden, oder komplexe Datenflüsse beherrschbar zu machen, wird schnell unverzichtbar.

Zweitens: Integration, Schnittstellen, Compliance und IT-Security müssen von Anfang an mitgedacht sein. Energieversorger bewegen sich in einer sicherheitskritischen, regulierten Umgebung. CIM, MSCONS, Marktkommunikation, Anbindung an SAP oder Abrechnungssysteme – all das ist kein Detail, sondern Kern des Produktdesigns.

Drittens: Wiederholbarkeit und Skalierung sind entscheidend – bei gleichzeitig hoher Flexibilität in der Umsetzung. Ein POC in einer Stadt ist gut, aber erst skalierbare Architekturen machen aus einem Projekt ein tragfähiges Geschäftsmodell. Wer Lösungen so baut, dass sie konfigurierbar statt hart verdrahtet sind und auf neue regulatorische Anforderungen reagieren können, erhöht seine Chancen auf Folgeaufträge massiv.

Hebel für die Energiewende – und für Startup-Wachstum

Die Energiewende wird nicht im Labor entschieden, sondern im Netzbetrieb, in den Leitsystemen, in der Abrechnung und auf den Endkundenschnittstellen. Genau dort sind Startups oft am stärksten – wenn sie Zugang bekommen und ihre Lösungen im Livebetrieb beweisen können.

Venture Clienting bringt Innovation schneller in den Betrieb und zu echtem Impact. Wir fungieren dabei als Brücke zwischen Startup-Ökosystem und EnBW-Business Units: Wir übersetzen Probleme der Fachbereiche in Startup-taugliche Use Cases, qualifizieren Partner, begleiten POCs und führen sie – wenn sie funktionieren – in die Implementierungsentscheidung und den Folgeauftrag.

Das Ziel ist simpel: mehr Lösungen raus aus dem Pilot, rein in die Fläche. Für Energieversorger bedeutet das Tempo und Umsetzungsstärke in einer Branche, die sich tiefgreifend verändert. Für Startups bedeutet es: weniger Pitch-Bühne, mehr produktiver Einsatz. Und für die Energiewende heißt es: gute Clean-Tech-Ideen wirken nicht nur auf Konferenzen, sondern im Zählerkasten, im Backend – und am Ende bei den Menschen, die ihren Strom, ihre Wärme und ihre Mobilität jeden Tag nutzen.

Über die Autoren
Karin Klaus und Florian Fichter sind CEOs der Enpulse Ventures GmbH, einer hundertprozentigen Tochter der EnBW. Vom Standort Stuttgart aus verantworten sie als Venture Studio das frühphasige Innovationsgeschäft des Konzerns – von Marktanalysen und Zukunftsstudien über die Entwicklung und Validierung neuer Geschäftsmodelle bis zur Gründung marktreifer Startups. Darüber hinaus fördern sie externe Gründer:innen durch Kooperationen mit der EnBW und Investments, um Innovationen für Energiewende und nachhaltige Infrastruktur zu beschleunigen.

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Foto (oben): Shutterstock



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Sekunden vor der Zündung: Warum Isar Aerospace den Raketenstart stoppte


Der Start der Isar-Aerospace-Rakete in Norwegen wurde unmittelbar vor der Zündung der Triebwerke abgebrochen. Warum?

Sekunden vor der Zündung: Warum Isar Aerospace den Raketenstart stoppte

Eine Spectrum-Rakete (Archivfoto).
Isar Aerospace

Der zweite Start der Kleinrakete Spectrum vom deutschen Hersteller Isar Aerospace in Nordnorwegen wurde unmittelbar vor Zündung der Triebwerke abgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt hatte bereits die automatische Kontrolle das Kommando über die Rakete übernommen.

Offensichtlich wurde eine technische Unregelmäßigkeit ermittelt, die das Zünden der Triebwerke verhinderte. Von Isar Aerospace gab es zunächst keine Begründung für den Abbruch.

Der Start der Rakete wurde komplett für diesen Mittwoch abgesagt und soll so schnell wie möglich wiederholt werde, hieß es in einer Live-Übertragung. Zuvor gab es schon eine rund 20-minütige Verzögerung bei dem ursprünglich für 21 Uhr Ortszeit geplanten Start, weil sich ein Boot im Sperrgebiet um den Weltraumbahnhof Andøya befand.

Im Januar stand die Rakete zuletzt auf dem Startplatz. Nach Problemen mit einem Druckventil wurde der Start damals abgeblasen und verschoben. Diesmal gab es im Vorfeld zudem wetterbedingte Verzögerungen. Beim ersten Startversuch vor rund einem Jahr ist die Rakete nur 30 Sekunden geflogen und dann ins Meer gestürzt und explodiert.

Spectrum sollte erstmals Nutzlasten in den Orbit bringen

Bei der als „Onward and Upward“ bezeichneten Mission sollte die 28 Meter hohe, zweistufige Rakete bei einem Qualifikationsflug erstmals Nutzlasten in den Orbit bringen – fünf Minisatelliten (CubeSats) und ein Experiment.

Das 2018 gegründete Münchner Raketen-Start-up Isar Aerospace will mit seinen Starts in Norwegen europäische Raumfahrtgeschichte schreiben. Spectrum soll die erste Rakete werden, die von kontinental-europäischem Boden durch ein privates Unternehmen Satelliten in eine Erdumlaufbahn befördert. Das würde Europas Souveränität in der Raumfahrt fördern.

Isar Aerospace-Chef Daniel Metzler hat im Vorfeld des Starts die Hoffnung geäußert, dass die Rakete gegenüber dem Erstflug zumindest Fortschritte erzielt. Er ließ es aber offen, ob er von einem Flug bis ins All ausgeht. Würde der zweite Flug komplett klappen und die Satelliten einen Erdorbit erreichen, ist der dritte Start bereits als eine kommerzielle Mission vorgesehen.

Ein Fehlschlag beim zweiten Start wäre für Branchenkenner allerdings keine Überraschung. Nahezu alle neuen Kleinraketen kämpfen nämlich mit Technikproblemen bei den Erstflügen. Selbst der Technologieunternehmer Elon Musk war erst beim vierten Flug seiner ersten Rakete Falcon 1 erfolgreich.

Isar Aerospace-Chef Metzler verweist darauf, dass die Rakete aus ungefähr 100.000 Teilen besteht. „Eine einzige fehlerhafte Komponente kann dazu führen, dass wir es nicht in den Orbit schaffen.“ Nur beim tatsächlichen Testflug könnten die Ingenieure die Daten sammeln, um Fehler im Design zu finden und abzustellen.

Isar Aerospace peilt dabei einen möglichst schnellen Hochlauf der Serienproduktion an. Weitere Starts der Rakete für Nutzlasten von bis zu einer Tonne sind noch in diesem Jahr geplant. Gearbeitet wird bereits am siebten Exemplar.

Große Nachfrage vom Militär

Isar Aerospace-Chef Metzler sieht eine gewaltige Nachfrage nach Raketen, in jüngster Zeit vor allem von den Militärs. Vor einem Jahr stammte noch 85 Prozent der Nachfrage aus dem kommerziellen Bereich- inzwischen seien 60 Prozent militärische Anwendungen. Die Starts von Isar Aerospace seien bis einschließlich 2028 ausgebucht, sagte Metzler, wobei er nicht sagen wollte, mit wie viel Flügen in dieser Zeit gerechnet wird.

Isar Aerospace ist einer von fünf Kleinraketenentwickler, die von der Europäischen Weltraumagentur ESA in einem Wettbewerb (European Launcher Challenge) gefördert werden. Voraussetzung ist, dass sie bis Ende 2027 einen erfolgreichen Orbitalflug schaffen. Mitte Februar ging allerdings das schottische Raketenunternehmen Orbex pleite, weil eine Finanzierungsrunde platzte.

Isar Aerospace dagegen soll laut der Nachrichtenagentur Bloomberg in Gesprächen für eine Finanzierungsrunde in Höhe von 250 Millionen Euro sein. Das Startup solle dann mit zwei Milliarden Euro bewertet werden. Vorstandschef Metzler wollte die Berichte jüngst nicht kommentieren.

Schärfster Konkurrent aus Deutschland für Isar Aerospace ist das Start-up Rocket Factory Augsburg (RFA), das im Sommer den Erstflug plant. Ein zweiter RFA-Start wäre dann erst 2027 geplant, sagte soeben RFA-Chef Indulis Kalnins auf einem Raumfahrtkongress in München. Die RFA-Rakete soll mit 1,3 Tonnen Nutzlast leistungsfähiger als die Isar Aerospace-Rakete sein.

RFA gehört mehrheitlich zum Bremer OHB-Konzern und weist bereits schwarze Zahlen aus. Der Beteiligungswert des anteilsmäßig in den OHB-Konzernabschluss einbezogenen RFA-Bewertungsansatzes stieg 2025 um 9,8 (Vorjahr 3,3) Millionen Euro auf nunmehr 145,4 Millionen Euro. OHB-Chef Marco Fuchs sprach jüngst von einem vor Jahren noch unvorstellbaren Engpass bei Raketen, um alle geplanten riesigen Satellitenflotten in den Weltraum zu befördern.

Ob die Riesenkonstellation an Bundeswehr-Kommunikationssatelliten im Projekt „BW SatCom 4“ schon von deutschen Kleinraketen ins All befördert werden, ist noch offen. Die ersten 40 Satelliten sollen 2029 in Betrieb gehen. Die ersten neuen Radarsatelliten aus dem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall mit dem finnischen Unternehmen Iceye werden mit SpaceX-Raketen von Elon Musk starten. Die Radarsatelliten haben eine supergenaue Auflösung und können Gegenstände von bis zu 25 Zentimeter Größe noch erkennen.

Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.





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