Datenschutz & Sicherheit
re:publica 26: Dagegenhalten für ein besseres Morgen
In der kommenden Woche werden viele von uns einen Rick-Astley-Ohrwurm haben. Denn das Motto der diesjährigen re:publica lautet „Never gonna give you up“. Im Fokus der Konferenz steht aber nicht (nur) der Titelsong des Internets, sondern das Dagegenhalten: Wie können wir solidarisch und zuversichtlich bleiben in Zeiten, in denen die Demokratie und das offene Netz unter immensem Druck steht? Und was ist unsere „Kampfansage für Morgen“?
Diesen Fragen gehen vom 18. bis 20. Mai zahlreiche Vorträge, Diskussionen und Workshops in der Station Berlin nach. Auch Redakteur:innen und Autor:innen von netzpolitik.org werden vor Ort sein und über aktuelle netzpolitische Themen sprechen.
Tag 1: Weiterkämpfen, digitale Befreiungsschläge und die Databroker Files
Gleich zu Beginn der re:publica diskutieren Constanze Kurz, Alice Hasters, Luisa Neubauer und Carolin Emcke am Montag um 11.15 Uhr auf Stage 2 über das Weitermachen in düsteren Zeiten. Aufgeben ist keine Option, so viel steht fest. Wie aber können wir optimistisch bleiben und uns gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft einsetzen?
Im Anschluss geht es mit dem Thema digitale Souveränität weiter, das spätestens mit der zweiten Amtszeit von US-Präsident Trump intensiv debattiert wird. Wie kann der „digitale Befreiungsschlag“ der EU gelingen? Und was bringt er für Verbraucher:innen, Unternehmen und das Netz? Darüber sprechen Axel Voss, Alexandra Geese, Julia Pohle und Frank Karlitschek um 12.30 Uhr auf Stage 7, moderiert von Daniel Leisegang.
Seit zwei Jahren recherchieren netzpolitik.org und Bayerischer Rundfunk zum Handel mit Handy-Standortdaten. Er bedroht nicht nur unser aller Privatsphäre, sondern auch die nationale Sicherheit. Rebecca Ciesielski und Ingo Dachwitz zeigen Montagabend um 18.45 Uhr auf Stage 4 das ganze Ausmaß der Spionagegefahr und was passieren muss, um uns davor effektiv zu schützen.
Tag 2: Ein Jahr Überwachungs-GroKo, KI im Journalismus und Kontrolle bei den Öffentlich-Rechtlichen
Unsere Kolumnist:innen Erik Tuchtfeld und Svea Windwehr lassen am Dienstag um 10 Uhr auf Stage 7 das erste Jahr der Großen Koalition Revue passieren. Sie ordnen deren zahlreiche Überwachungsvorhaben ein, blicken nach Brüssel, wo die allwissenden Polizeibehörden der Zukunft geschaffen werden, und sie bringen Ideen mit, was wir gegen diese Massenüberwachung tun können.
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Um 12.30 Uhr gehts dann auf der ARD ZDF Media Stage um die Frage, ob und wie die sogenannte KI im öffentlich-rechtlichen Journalismus mehr Vielfalt schaffen kann und was das für unsere Demokratie bedeutet. Mit dabei sind Anna-Verena Nosthoff, Andreas Grün, Gregor Schmalzried, Zamina Ahmad und Daniel Leisegang. Die Moderation übernimmt Alena Buyx.
Daran knüpft ebenfalls auf der ARD ZDF Media Stage um 16.15 Uhr eine weitere Veranstaltung an. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk gehört uns allen. Doch wie funktioniert die Kontrolle in den Aufsichtsgremien? Und wie wird sichergestellt, dass die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigt werden? Beate Bäumer, Claudia Schare und Erik Tuchtfeld stellen sich den Fragen des Publikums und geben Einblicke in ihre Arbeit; Konrad Spremberg moderiert.
Tag 3: Palantir, IT-Sicherheit und der Buckelwal als Hauptfigur
Am dritten und letzten Tag der re:publica erklären Constanze Kurz und Franziska Görlitz um 13:45 Uhr auf Stage 1, warum Palantir-Software ein grundrechtliches und grundsätzliches Problem darstellt, unabhängig vom US-Konzern dahinter. Sie legen dar, wie die Polizei Big-Data-Analysen nutzt, was das Bundesverfassungsgericht davon hält und wie wir uns gegen den gefährlichen Trend wehren können.
Um 15 Uhr cybert es im Atrium: Marcel Roth, Anke Domscheit-Berg, Caroline Krohn, Falk Steiner und unsere Kolumnistin Bianca Kastl diskutieren dann darüber, unter welchen Vorzeichen IT-Sicherheitsvorfälle in den Medien verhandelt werden. Denn oft stellt tagesaktueller Journalismus falsche Fragen und übersieht Gesamtzusammenhänge. Wie lässt sich das ändern?
Ebenfalls um 15 Uhr geht es auf Stage 6 dann noch einmal um Hoffnung und Aufmerksamkeit: In den vergangenen Wochen stand ein verirrter Buckelwal im Zentrum des Mediengeschehens. Warum aber werden Tiere zu medialen Hauptfiguren? Und was sagt das aus über unseren Umgang mit der ökologischen Krise? Darüber sprechen Patrick Stegemann und Janne Knödler gemeinsam mit den Moderator:innen Marlen Klaws und Serafin Dinges.
Datenschutz & Sicherheit
Kritische libssh2-Lücke: Proof-of-Concept-Exploit veröffentlicht | heise online
Admins und Nutzer sollten Ausschau nach Aktualisierungen für diverse Softwarepakete halten. Die libssh2-Bibliothek, die weit verbreitet zum Einsatz kommt, enthält eine kritische Sicherheitslücke. Ein veröffentlichter Proof-of-Concept-Exploit vereinfacht deren Ausnutzung durch bösartige Akteure deutlich.
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Im Schwachstelleneintrag hat die US-amerikanische IT-Sicherheitsbehörde CISA inzwischen die freie Verfügbarkeit des Proof-of-Concept-Exploits ergänzt. Die Sicherheitslücke basiert auf einer nicht erfolgten Begrenzung des „packet_length“-Feldes bei der Verarbeitung in der Funktion ssh2_transport_read(). Angreifer aus dem Netz können das missbrauchen, um mit übermäßig großen „packet_length“-Werten in manipulierten SSH-Paketen den Speicher auf dem Heap durcheinander zu bringen und dabei das Ausführen von eingeschleustem Code zu provozieren (CVE-2026-55200, CVSS 9.8, Risiko „kritisch“).
Wenn Angreifer Opfer dazu bringen, sich mit ihrer Client-Software mit manipulierten Servern zu verbinden, können sie ihnen damit Schadcode unterjubeln. Projekte wie curl, PHP, libgit2 und diverse weitere setzen libssh2 ein. libssh2 ist bis einschließlich Version 1.11.1 anfällig. Noch immer ist das die letzte verfügbare offizielle Version, der Patch ist derzeit lediglich als Quellcode-Commit verfügbar. Diverse Linux-Distributionen stellen jedoch aktualisierte Pakete mit eigenen Backports bereit.
Zügig aktualisieren
Unter Linux sollte also das Aufrufen der Softwareverwaltung und die Installation der angebotenen Aktualisierungen zum Ziel führen. Etwa unter Windows wird das jedoch schwieriger. Die offiziellen curl-Binaries für Windows 8.21.0_2 vom 24. Juni 2026 sind etwa noch statisch mit libssh2 1.11.1 verlinkt, die die Sicherheitslücke aufweist. Zwar macht das curl-Team im „Sommer der Glückseligkeit“ Urlaub – allerdings dürfte der Bedarf nach einer Aktualisierung seitens der zahlenden Supportkunden nun wachsen und in Kürze eine Aktualisierung bereitstehen.
Die Sicherheitslücke und eine weitere in libssh2 wurden in der vergangenen Woche bekannt. Seitdem steht lediglich der Commit im Quellcode bereit, ein offizielles neues Paket mit dem Update steht seitdem noch aus.
(dmk)
Datenschutz & Sicherheit
Neue Allianz für mehr Open-Source-Schutz
Die Linux Foundation hat gemeinsam mit zahlreichen Tech-Unternehmen und Finanzinstituten die Initiative Akrites gestartet. Ziel ist es, den Umgang mit Sicherheitslücken in wichtiger Open-Source-Software zentral zu koordinieren, sie vertraulich mit den jeweiligen Projektverantwortlichen zu beheben und erst anschließend offenzulegen. Hintergrund ist die wachsende Sorge, dass moderne KI-Modelle Schwachstellen deutlich schneller finden als bisher und damit den Zeitdruck für Verteidiger erheblich erhöhen.
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Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem Amazon Web Services, Anthropic, Cisco, Google, IBM, Microsoft, GitHub, Nvidia, OpenAI, Red Hat sowie JPMorganChase, Citi und Vodafone. Die beteiligten Unternehmen wollen Personal, Sicherheitswissen und finanzielle Mittel bereitstellen.
Reaktion auf KI-gestützte Schwachstellenanalyse
Nach Angaben in der Ankündigung der Linux Foundation verändert generative KI die Sicherheitslandschaft grundlegend. Während die Suche nach schwerwiegenden Sicherheitslücken bislang viel Fachwissen und oft Wochen an Analyse erforderte, könnten leistungsfähige KI-Modelle große Open-Source-Projekte inzwischen innerhalb weniger Minuten auf potenzielle Schwachstellen untersuchen. Dadurch verkürze sich die Zeit zwischen dem Auffinden einer Lücke und ihrer möglichen Ausnutzung erheblich.
Akrites soll diese Entwicklung mit einem gemeinsamen Sicherheitsprozess beantworten. Statt dass mehrere Unternehmen dieselbe Schwachstelle unabhängig voneinander melden oder unterschiedliche Patches entwickeln, bündelt die Initiative die Koordination. Kern des Projekts sind ein gemeinsames Security Incident Response Team (SIRT) sowie ein einheitlicher Prozess zur koordinierten Offenlegung von Sicherheitslücken (Coordinated Vulnerability Disclosure, CVD). Die beteiligten Organisationen wollen bestätigte Schwachstellen gemeinsam mit den Upstream-Maintainern beheben, bevor Details veröffentlicht werden.
Maintainer sollen entlastet werden
Ein Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit den Entwicklern der betroffenen Open-Source-Projekte. Laut Linux Foundation sollen Fehlerbehebungen grundsätzlich in die Originalprojekte zurückfließen. Maintainer behalten die Kontrolle über ihre Projekte und sollen nicht mit mehrfachen oder widersprüchlichen Sicherheitsmeldungen belastet werden.
Für Pakete, die nicht mehr aktiv gepflegt werden, sieht Akrites zudem eine Rolle als „Maintainer of Last Resort“ vor. In solchen Fällen soll die Initiative Korrekturen für aktuelle Versionen bereitstellen, damit kritische Sicherheitslücken auch dann geschlossen werden können, wenn ursprüngliche Entwickler nicht mehr verfügbar sind.
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Aufbau auf bestehenden Sicherheitsstandards
Technisch setzt Akrites auf etablierte Verfahren und Standards der IT-Sicherheitsbranche. Dazu zählen unter anderem CVE zur Identifikation von Schwachstellen, CVSS zur Bewertung ihrer Schwere sowie CWE zur Klassifizierung von Schwachstellentypen. Dadurch soll sich die Initiative in bestehende Prozesse von Softwareherstellern, Sicherheitsforschern und Betreibern kritischer Infrastruktur einfügen.
Die Anschubfinanzierung übernimmt Alpha-Omega, ein Förderfonds der Linux Foundation für Open-Source-Sicherheit. Weitere Unternehmen und Organisationen können sich beteiligen, indem sie Entwicklerkapazitäten oder finanzielle Mittel bereitstellen. Parallel zum Start hat die Initiative einen offenen Brief veröffentlicht, in dem die Gründungsmitglieder zu einer gemeinsamen Absicherung der Open-Source-Infrastruktur aufrufen.
(fo)
Datenschutz & Sicherheit
Cyberangriffe auf Hotel- und Gastgewerbe: Täter nisten sich ein
Microsoft hat eine Angriffswelle auf das Hotel- und Gastgewerbe in Asien und Europa beobachtet. Sie läuft bereits seit April dieses Jahres. Die Quelle der Angriffe mag Microsoft jedoch nicht genau einordnen – es bleibt unklar, wer hinter den Attacken steckt.
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Microsoft berichtet in einem Blogbeitrag, dass die Malware-Kampagne auf .zip-Dateien mit Foto-Namensschema setzt. Die laden potenzielle Opfer mit dem Webbrowser herunter. In den Archiven finden sich Shortcut-Dateien (Verknüpfungen), die als Bilder getarnt sind. Sofern ein Opfer diese etwa mittels Doppelklick startet, fangen diese eine Angriffskette an, die auf verschleierter PowerShell fußt. In der Folge installiert sie ein Node.js-Implantat, nistet sich zweifach in der Registry ein, um Persistenz zu erreichen und kommuniziert mit den Command-and-Control-Servern (C2) über Ports abseits der Standardports.
Kampagnen-Ziel unklar
Die IT-Sicherheitsforscher von Microsoft führen weiter aus, dass die Täter die betroffenen Maschinen nach der Infektion am C2-Server anmelden. Teils erzwingen sie das Herunterfahren der Systeme. Außerdem kompilieren sie Binärdateien im Portable-Executable-Format (PE). Allerdings bleibt den IT-Forschern zufolge unklar, was das eigentliche Ziel der Angreifer ist. Durch die Verschleierung und das Einnisten gehen sie jedoch davon aus, dass sie Nachfolge-Aktivitäten auf den kompromittierten Systemen planen.
Die Drahtzieher hinter der Kampagne haben im Mai dieses Jahres legitime Dienste missbraucht, um Phishing-E-Mails an die Opfer zu senden. Darunter die Cloud-Plattform Calendly und Googles URL-Redirector-Dienst. In Anlehnung an „Geldwäsche“ bezeichnen Microsofts IT-Forscher das als „Authentifizierungswäsche“. Die Phishingmails erhalten dadurch einen seriöseren Anstrich. Die Betrugsmails waren mehrsprachig, mit unterschiedlichen Ködern und Betreffzeilen. Thematisch gaben die Angreifer vor, es gehe um Beschwerden von Gästen und Zimmeranfragen. Das soll die Angestellten der Hotel- und Gastwirtschaftsbetriebe dazu bringen, die E-Mails zu lesen und die enthaltenen bösartigen Links und Dateien zu öffnen.
In den zwei beobachteten Wellen der Kampagne kamen zunächst bösartige Dateien nach dem Namensschema „IMG
Während Microsofts IT-Forscher sich nicht sicher sind, was die Angreifer bezwecken, fällt die Kampagne in die Zeit, in der viele Menschen ihren Urlaub buchen. Uns erreichen noch immer zahlreiche Hinweise, dass Leser nach Buchung eines Hotelzimmers Phishing-WhatsApp-Nachrichten mit echten Daten und Bezug auf die Buchung erhalten. Im März hatten etwa die Best Western Hotels vor Cyberangriffen auf touristische Buchungssysteme gewarnt. Im April wurde bekannt, dass auch bei Booking.com Zugriffe von unbefugten Kriminellen entdeckt wurden.
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(dmk)
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