Digital Business & Startups
So können alternative Finanzierungsmodelle Startups stärken
#Gastbeitrag
Bisher setzen viele innovative Unternehmen hauptsächlich auf Eigenkapital. Doch bei kapitalintensiven Projekten ist viel mehr möglich. Alternativen wie Venture Debt, Asset-Backed Financings und staatlich-private Mischformen gewinnen an Bedeutung. Ein Gastbeitrag von Julian Kappus.
Europa steht an einem Wendepunkt. Unsere wirtschaftliche Zukunft hängt nicht allein von Software oder digitalen Geschäftsmodellen ab. Stattdessen rücken kapitalintensive Technologien in den Fokus – etwa in Energie, Robotik, Mobilität, Raumfahrt (SpaceTech) und kritischer Infrastruktur. Gerade im Bereich SpaceTech zeigt sich: Europäische Kapazitäten in Forschung und Fertigung werden künftig zunehmend zu Schlüsselfaktoren – sei es für Kommunikationsnetze, Erdbeobachtung oder Sicherheitsanwendungen. Doch Europas Finanzierungssystem hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Verhältnismäßig teures Wagniskapital allein reicht nicht, um Innovationen in diesen Sektoren zu skalieren. Ein Umdenken ist fällig.
Kapitalintensive Innovationen brauchen neue Finanzierungswege
Klimawandel, geopolitische Spannungen und technologische Abhängigkeiten legen die Schwächen des bisherigen Finanzierungsmodells offen. Ob Windparks, Batteriefabriken, autonome Produktionsanlagen oder sichere Kommunikationsnetzwerke – diese Innovationen verbinden Hard- und Software und erfordern von Beginn an hohe Investitionen. Eigenkapital allein ist dafür zu teuer, verwässert die Gründerteams und Bestandsinvestoren, und bleibt somit langfristig häufig ineffizient.
Europas Unabhängigkeit steht auf dem Spiel
Europa droht, in diesen Schlüsselbereichen zurückzufallen. Das gefährdet nicht nur die technologische Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch die geopolitische Souveränität. Ohne Anschluss an die entscheidenden Industrien bleibt Europa wirtschaftlich und technologisch abhängig. Um das zu verhindern, braucht es hybride Finanzierungsmodelle, die Kapitalmarktkompetenz ins Zentrum rücken.
Was bedeutet das konkret? Bisher setzen viele innovative Unternehmen hauptsächlich auf Eigenkapital. Doch bei kapitalintensiven Projekten ist viel mehr möglich. Alternativen wie Venture Debt, Strukturierte Finanzierungslösungen (sogenannte Asset-Backed Financings) und staatlich-private Mischformen gewinnen an Bedeutung. Sie schonen das Eigenkapital, verhindern Verwässerung und ermöglichen strategische Planung auf lange Sicht.
Auch “Asset-Light”-Startups profitieren
Selbst “Asset-Light”-Modelle wie Cybersecurity oder KI-Anwendungen profitieren von strukturierten Finanzierungen. Ihre Herausforderungen – lange Verkaufszyklen und komplexe Integrationen – lassen sich so besser überbrücken. Bei solchen Geschäftsmodellen zählt der sogenannte Cash Conversion Cycle, die Zeitspanne zwischen Ausgaben und Einnahmen. Zieht sich dieser Zyklus zu sehr in die Länge, droht rasch ein Liquiditätsengpass.
Innovative Finanzierungsformen schließen in diesem Falle die Lücke zwischen Entwicklung und Umsatz, ohne die Kontrolle über das Unternehmen zu gefährden.
Europas kritische Lücke: Späte Wachstumsphasen
Die größte Finanzierungslücke in Europa entsteht nicht nur durch fehlendes Spätphasen-Kapital, sondern durch das Fehlen einer Kapitalstruktur, die je nach Unternehmensphase den richtigen Mix bietet. Während andere Regionen auf tiefe Kapitalmärkte und flexible Exit-Optionen setzen können, mangelt es Europa oft genau daran: einem durchdachten Finanzierungspfad, der alle Wachstumsphasen abdeckt. Strukturierte Finanzierungen können diese Lücke schließen. Sie verhindern, dass Innovationen zu früh ins Ausland abwandern, und fördern ihr langfristiges Wachstum vor Ort.
Dafür braucht es hybride Modelle, die Eigenkapital, Fremdkapital und öffentliche Mittel klug verbinden. Sie schaffen Planungssicherheit für Gründer, bewahren vor frühzeitiger Verwässerung und stärken die wirtschaftliche Widerstandskraft – von Arbeitsplätzen bis zu Lieferketten.
Die Mischung machts – der Instrumentenkasten an Finanzierungsformen:
Für Gründerinnen und Gründer eröffnet sich somit ein ganzer Werkzeugkasten jenseits klassischer VC-Runden: Neben Eigenkapital von VCs, Corporate-Ventures oder Family Offices kann frisches Kapital über Venture-Debt- und Growth-Loans fließen, sei es revolvierend oder tranchenweise. Kapitallastige Anlagen lassen sich durch Asset-Backed-Finanzierungen wie Sale-&-Lease-Back, Project-Finance-Strukturen oder Equipment-Leasing stemmen, während Factoring, Supply-Chain-Finanzierung und Meilenstein-Loans Liquiditätslücken im operativen Zyklus schließen. Ergänzt wird das Spektrum durch öffentliche Programme: Allein der EIC Accelerator stellt bis 2027 rund 10,1 Mrd. € an Förder- und Kofinanzierungsmitteln bereit – ein Hebel, der Eigen- und Fremdkapital wirkungsvoll ergänzt.
Kapitalmarktkompetenz als Schlüssel zum Erfolg
Gründer und Investoren müssen Kapitalmarktkompetenz von Anfang an aufbauen. IPO-Fähigkeit, klare Cap Tables, saubere ESOP-Strukturen und vorausschauende Gestaltung der eigenen Kapitalstruktursind keine Kür, sondern Pflicht. Sie sichern langfristigen Erfolg und strategische Unabhängigkeit.
Europas nächste industrielle Revolution beginnt jetzt
Europa steht vor einer neuen industriellen Revolution. Der Weg dorthin führt über innovative Finanzierungsmodelle, die Eigenkapital effizienter nutzen und den Kapitalmarkt stärker einbinden. Nur wenn wir Kapitalmarktkompetenz als strategischen Vorteil begreifen, können wir Europas technologische Souveränität sichern.
Über den Autor
Julian Kappus ist CEO beim börsennotierten Venture Investor Heliad. Das Unternehmen investiert in Startups wie Raisin, Enpal und Arx Robotics.
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