Künstliche Intelligenz
Student konnte nach Einbruch in Funksystem taiwanische Schnellzüge stoppen
In Taiwan ist ein 23-jähriger Student verhaftet worden, der mithilfe von „Software Defined Radio“ (SDR) und verschiedenen Handfunkgeräten eine Alarmmeldung im digitalen Funksystem der dortigen Bahngesellschaft ausgelöst hat. Dadurch wurden vier Schnellzüge automatisch angehalten, was zu Verspätungen von rund einer Dreiviertelstunde geführt hat. Lokale Medien berichten, dass die Behörden nun die Sicherheit des Systems überprüfen, während dem Studenten eine bis zu 10-jährige Haftstrafe droht.
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Demnach konnte der Täter in das digitale Funksystem der Bahngesellschaft eindringen. Dieses nutzt den auch hierzulande gebräuchlichen TETRA-Funkstandard für die Verschlüsselung von digitalem Behördenfunk. Bereits 2023 wurden massive Schwachstellen bei TETRA entdeckt (Terrestrial Trunked Radio). Dabei wurde der in Europa entwickelte Funkstandard verdächtigt, eine absichtlich integrierte Lücke zu besitzen, um die Verschlüsselung der Exportversion von TETRA zu schwächen und die Kommunikation einfach abhörbar zu machen.
Funksystem erst abgehört, dann Funkgerät programmiert
Ob der taiwanische Student diese Lücke ausgenutzt hat, ist nicht überliefert. Aber nach Polizeiangaben hat der Student das online gekaufte SDR zwischen Laptop und Antenne geschaltet, um den Bahnfunk abzuhören, die Parameter zu entschlüsseln und diese in eines der Handfunkgeräte zu programmieren. Allerdings soll ihm ein Freund auch einige kritische Parameter des Systems der „Taiwan High Speed Rail“ Corporation (THSR) genannt haben, wie das taiwanische Portal UDN schreibt.
Damit konnte der Student am Abend des 5. April einen „allgemeinen Alarm“ im THSR-System auslösen, bei TETRA das Signal höchster Priorität. Die vier in der Nähe befindlichen Schnellzüge, die regelmäßig rund 300 km/h erreichen, wurden dadurch automatisch instruiert, eine manuelle Notbremsung durchzuführen. Das führte zu Verspätungen von 48 Minuten, nachdem die Sicherheit der Strecken überprüft und bestätigt werden konnte.
Fragen zur Verschlüsselung des Funksystems
Details der Kompromittierung des THSR-Funks sind unklar oder wurden bislang nicht genannt. Beobachter vermuten aber, dass das TETRA-Funksystem der THSR entweder nicht verschlüsselt war, sodass der Verdächtige ein legitimes Signal vortäuschen konnte. Oder das THSR-Funksystem ist nur oberflächlich verschlüsselt, etwa mit TEA1 (TETRA Encryption Algorithm 1), einem veralteten Stromverschlüsselungsalgorithmus für den digitalen Bündelfunk. Dieser besitzt die seit 2023 bekannten Schwachstellen, sodass der Student dies überwinden konnte.
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Die Polizei konnte den Täter anhand von TETRA-Protokollen und Überwachungskameras ausfindig machen. Nachdem das THSR-Kontrollzentrum den ausgelösten Alarm beim Sender per Funk bestätigen wollte, gab die Person widersprüchliche Antworten und schaltete das Funkgerät aus. Eine Überprüfung der THSR-Funkgeräte ergab, dass der Alarm extern ausgelöst wurde, sodass die Polizei informiert wurde. Durch TETRA-Logs konnten die Funksignale lokalisiert werden und Überwachungskameras der Gegend konnten den Studenten identifizieren. Bei der anschließenden Verhaftung und Durchsuchung seiner Mietwohnung wurden neben dem Laptop und dem SDR auch elf Handfunkgeräte sichergestellt.
Vorfall führt zu Untersuchung der Bahnsicherheit
Der Student wurde später gegen eine Kaution von umgerechnet 2700 Euro wieder auf freien Fuß gestellt, aber ihm drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis wegen Verstößen gegen das Eisenbahngesetz und das Strafgesetzbuch Taiwans. Seine unmittelbare Erklärung, dass er „es in der Tasche trug und aus Versehen einen Knopf drückte“, scheint wenig überzeugend.
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Derweil verspricht das taiwanische Ministerium für Verkehr und Kommunikation einen Bericht, wie die Sicherheit des Kommunikationssystems des Bahnverkehrs nach diesem Vorfall verbessert werden kann. Laut Taipei Times verlangte eine Oppositionspolitikerin im Parlament eine umfassende Sicherheitsüberprüfung des Bahnsystems, „wenn es einem Studenten gelingen konnte, sich in ein so komplexes System wie das der Schnellzüge einzuhacken“. Die Regierung arbeitet nach eigenen Angaben daran und will den Bericht nach Abschluss in rund einem Monat vorlegen.
(fds)
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Nordfrankreich: Fototour von Straßburg über Nancy bis in die Vogesen
Frankreich beginnt nicht in Paris. Bereits wenige Kilometer hinter der deutschen Grenze verändert sich jenseits des Rheins die visuelle Atmosphäre. Plätze wirken großzügiger, Fassaden verspielter, das Leben verlagert sich sichtbar nach draußen.
Cafés öffnen sich zur Straße, Märkte prägen ganze Viertel, Menschen sitzen, beobachten und kommen ins Gespräch. Für Fotografinnen und Fotografen entsteht so ein anderes Zusammenspiel von Architektur, Bewegung und Alltag als auf der deutschen Seite des Rheins.
Bei unserer Tour konzentrieren wir uns auf Städte nahe der Grenze, die sich besonders gut für urbane Motive und Streetfotografie eignen. Dazu gehören Straßburg und Nancy sowie kleinere Orte, die den Übergang zwischen Stadt und Land bilden.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Nordfrankreich: Fototour von Straßburg über Nancy bis in die Vogesen“.
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Künstliche Intelligenz
Amazon legt Filmprojekt über Sam Altman auf Eis
Eigentlich ist sein Film über OpenAI-CEO Sam Altman fast fertig – jetzt muss Regisseur Luca Guadagnino aber vorerst die Arbeit daran ruhen lassen. Sein Auftraggeber Amazon hat kürzlich eine große Kooperation mit OpenAI gestartet, das Filmprojekt über seinen Geschäftspartner will das Unternehmen jetzt wohl lieber einem anderen Studio überlassen.
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Der Film namens ‚Artificial‘ ist eine Mischung aus Drama und Komödie, die sich um die Ereignisse rund um Altmans Entlassung und Wiedereinstellung als OpenAI-Chef Ende 2023 dreht. Altman musste überraschend seinen Hut nehmen, nachdem der Aufsichtsrat ihm mangelnde Offenheit in der Kommunikation vorgeworfen hatte. Wenige Tage später kehrte Altman dann aber als OpenAI-Chef zurück, nachdem hunderte OpenAI-Beschäftigte mit ihrer eigenen Kündigung gedroht hatten. Altman wird im Film von Andrew Garfield verkörpert. Der Filmdatenbank IMDb ist auch ein Auftritt von Elon Musk zu entnehmen – gespielt von Ike Barinholtz.
Amazon sieht ‚Artificial‘ nicht mehr bei sich
Bis der Film zu sehen sein wird, wird es aber wohl noch etwas dauern. „Wir sind der Meinung, dass ‚Artificial‘ besser aufgehoben wäre, wenn es von einem anderen Studio veröffentlicht würde, und arbeiten eng mit dem Filmteam zusammen, um einen neuen Verleih für den Film zu finden“, sagte ein Amazon-Sprecher laut Medienberichten dazu. Für Guadagnino als Filmemacher habe das Unternehmen größten Respekt und Bewunderung übrig und Amazon wolle auch in Zukunft mit ihm zusammenarbeiten, betonte er. Laut dem Branchenmedium „Variety“ ist das Filmprojekt so weit vorangeschritten, dass bereits erste Testvorstellungen stattgefunden haben. Das berichtet das Portal unter Berufung auf einen Teilnehmer.
Das plötzliche Aus für den Film kommt nach der Ankündigung einer großen Kooperation Amazons mit dem KI-Hersteller. Amazon Web Services (AWS) und OpenAI wollen sich zusammentun, um ihren Kunden skalierbare KI-Agenten und -Anwendungen zu liefern. Amazon hat bei OpenAIs jüngster Finanzierungsrunde 50 Milliarden US-Dollar zugesagt, unter der Bedingung, dass OpenAI an die Börse geht oder das Ziel einer allgemeinen künstlichen Intelligenz erreicht.
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(nen)
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Hinterland of Things: Kernfusion und Drohnentechnik suchen Kapital
Die Entwicklung der Kernfusion gilt als eine der größten technologischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte und als eine der kapitalintensivsten, während viele Software-Start-ups mit vergleichsweise wenig Kapital starten können. Auf der Start-up-Konferenz Hinterland of Things erklärte Armin Reinartz von Proxima Fusion, dass die wissenschaftlichen Grundlagen inzwischen vorhanden seien. Die eigentliche Herausforderung bestehe nun darin, daraus eine wirtschaftlich tragfähige Technologie zu machen.
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Das Münchner Start-up, das eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik ist, hat nach eigenen Angaben eine der bislang größten privaten Finanzierungsrunden eines europäischen Fusions-Start-ups abgeschlossen. Es entwickelt Fusionsreaktoren, sogenannte Stellaratoren, die extrem heißes Plasma mithilfe komplexer Magnetfelder einschließen sollen, um Energie nach dem Vorbild der Sonne zu erzeugen.
Der nächste große Meilenstein soll 2027 erreicht werden. Dann will das Unternehmen einen neu entwickelten Magneten präsentieren, der später Teil eines Fusionsreaktors werden soll. Anfang der 2030er Jahre soll mit „Alpha“ ein Demonstrator folgen. Langfristig arbeitet Proxima auf kommerzielle Fusionskraftwerke hin. In den USA und China fließen Reinartz zufolge bereits Milliardenbeträge in die Entwicklung von Fusionstechnologien. Europa müsse nun entscheiden, ob die künftige Wertschöpfung rund um Fusionskraftwerke auf dem Kontinent entstehen solle oder ob die Technologie später aus dem Ausland bezogen werde.
Für Investoren unterscheiden sich Fusionsunternehmen deutlich von klassischen Software-Start-ups. Statt Nutzerzahlen oder Umsatzwachstum stehen technische Fortschritte und klar definierte Entwicklungsziele im Mittelpunkt, um das hohe Risiko zu minimieren. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Lieferkette. Proxima arbeitet nach eigenen Angaben bereits mit mittelständischen Zulieferern zusammen und sieht erhebliches Potenzial für weitere Industriepartner. Für den Aufbau einer europäischen Fusionsindustrie werde eine Vielzahl spezialisierter Unternehmen benötigt.
Als Beispiel nannte Reinartz die Rolf Kind GmbH aus Lindlar. Das mittelständische Unternehmen fertigt hochpräzise Stahlkomponenten, sogenannte „Pancakes“, aus denen die Magneten für den Reaktor aufgebaut werden. Gerade bei der Kernfusion komme es auf höchste Fertigungsqualität an. Bereits kleinste Materialfehler könnten dazu führen, dass die supraleitenden Magneten ihre Funktion verlieren. Im internationalen Wettbewerb sieht Reinartz darin einen Vorteil für deutsche und europäische Industrieunternehmen. Während Hersteller aus China in vielen Industriebereichen häufig über den Preis konkurrierten, seien für Fusionsanlagen vor allem Präzision, Zuverlässigkeit und Fertigungsqualität entscheidend. Mit dem Demonstrator Alpha könnte die Nachfrage nach solchen Komponenten deutlich steigen. Nach Einschätzung von Reinartz müssten sich die Kapazitäten deutlich erhöhen.
Daher bleibt die Finanzierung ein Thema. Dr. Sarah Theinert von UVC Partners, einem an Proxima Fusion beteiligten Venture-Capital-Investor, warnte auf der Veranstaltung davor, dass es in Europa weiterhin an ausreichend Wachstumskapital mangele. Die Gefahr bestehe darin, dass wichtige Zukunftstechnologien zwar in Europa entwickelt würden, größere Finanzierungsrunden später aber von Investoren aus den USA oder Asien getragen werden.
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Ukraine-Krieg beschleunigt Drohnenentwicklung
Die Diskussion über Zukunftstechnologien beschränkte sich auf der Konferenz nicht auf die Kernfusion. Auch Unternehmen aus der Drohnen- und Luftfahrtbranche warben für mehr Investitionen in Deep-Tech-Projekte. Matthias Lehna von Quantum Systems und Maximilian Oligschläger von ERC System betonten, dass die Branche von den geopolitischen Veränderungen und daraus entstehenden neuen Sicherheitsanforderungen profitiert. Quantum Systems entwickelt KI-gestützte „Aufklärungsdrohnen“ und autonome Luftfahrtsysteme für zivile und militärische Anwendungen. ERC System arbeitet an hybridelektrischen Senkrechtstartern (eVTOL), die künftig unter anderem in der Logistik, bei Rettungsdiensten und zum Schutz kritischer Infrastruktur eingesetzt werden sollen.
Besonders der Krieg in der Ukraine habe die Entwicklung unbemannter Systeme beschleunigt. Er habe gezeigt, wie schnell sich Drohnen und ihre Einsatzkonzepte weiterentwickeln können. Hardware werde teilweise innerhalb weniger Monate angepasst, Software sogar innerhalb weniger Wochen. Der Einsatz unbemannter Systeme habe Lehna zufolge eine Dynamik ausgelöst, die weit über klassische Rüstungsprojekte hinausgehe.
Oligschläger verwies dabei auf strukturelle Unterschiede zu den USA und China. Europa verfüge über starke Forschungseinrichtungen und Ingenieurskompetenz, sei aber oft zu langsam bei der Industrialisierung und Skalierung neuer Technologien. Die eigentliche Herausforderung bestehe darin, aus wissenschaftlichen Durchbrüchen erfolgreiche Unternehmen und industrielle Wertschöpfung zu machen. Dafür brauche es nach Ansicht der Diskutanten mehr Risikokapital, schnellere Skalierung und langfristige politische Unterstützung.
(mack)
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