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Trade Republic: Darum schweigt Brad Pitt in der Millionenkampagne


Trade Republic holt Hollywood-Star Brad Pitt für den neuen Werbespot. Der Schauspieler sagt darin kein einziges Wort. Warum?

Trade Republic: Darum schweigt Brad Pitt in der Millionenkampagne

Brad Pitt – sitzt, schaut gut aus und sagt: nichts. Während andere arbeiten, arbeitet hier vor allem seine Bekanntheit.
Trade Republic

Brad Pitt sitzt in einem dunklen Raum. Er sagt kein Wort. Er schaut nur in die Kamera. Dann eine Stimme aus dem Off: „Kostenloses Konto mit Karte. Zwei Prozent Zinsen. Investieren ab einem Euro.“ Zum Schluss erscheint nur ein Satz: „Was bietet deine Bank?“ Mehr passiert im neuen Werbespot von Trade Republic nicht. Und genau das dürfte ziemlich teuer gewesen sein.

Warum ausgerechnet Brad Pitt?

Trade Republic setzt bei der Kampagne bewusst auf Aufmerksamkeit durch Bekanntheit. „Es ging uns gar nicht darum, dass unser Markenbotschafter die Vorteile unseres Produkts bewirbt, sondern jemanden zu haben, der durch seine Prominenz Aufmerksamkeit generiert“, heißt es auf Gründerszene-Anfrage von Trade Republic. Der Hollywood-Star als Statussymbol und nicht als Erklärer von Tagesgeld.

Wichtig sei außerdem gewesen, „jemanden zu haben, der nicht jede zweite Woche für eine andere Marke sein Gesicht hergibt.“ Der Drehort war in Los Angeles, die Vorbereitung hat zwei Tage vor Ort beansprucht, der eigentliche Dreh dauerte dann nur einen Tag. 

Hoher einstelliger Millionenbetrag für Brad Pitt nicht unrealistisch

Anett Sass

Professorin für Medien- und Bewegtbildmanagement an der Hochschule Fresenius

Ganz neu ist das Spiel mit bekannten Gesichtern für Trade Republic nicht. In der Vergangenheit setzte das Unternehmen bereits auf Promis, wie den Rapper Luciano, Entertainer Bruce Darnell oder Schauspieler Sky du Mont. Mit Brad Pitt hebt Trade Republic die Messlatte jetzt auf ein neues Level.

Millionen für Schweigen?

Was bekommt man eigentlich dafür, wenn man Brad Pitt einfach nur hinsetzt? Eine konkrete Zahl gibt es von Trade Republic nicht.

Anett Sass, Professorin für Medien- und Bewegtbildmanagement an der Hochschule Fresenius und Mitgründerin der Agentur Professionistas, sagt zu Gründerszene: „Dass Brad Pitt in dem Spot nichts sagt, ist vermutlich der teuerste Teil der Kampagne. Trade Republic kauft damit weniger einen Schauspieler als sofort internationale Aufmerksamkeit. Für europaweite Kampagnen mit globalen Stars wird in der Branche aber oft über hohe einstellige Millionenbeträge gesprochen.“

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Zum Vergleich: Rund um George Clooney und Nespresso kursieren über Jahre Schätzungen von etwa 40 Millionen Dollar, erklärt die Expertin. Und Stars wie Messi, LeBron James oder Ronaldo verdienen mit Werbung und Sponsoring längst hohe zweistellige Millionenbeträge pro Jahr. „Vor diesem Hintergrund wirken hohe einstellige Millionenbeträge für Brad Pitt nicht unrealistisch“, so Sass.

Die Logik hinter dem Nichts

Der Marketingexperte Simon Knittel, Managing Director von Jung von Matt Start, ordnet diese Kampagne folgendermaßen ein: „Ich finde den Spot sehr gelungen – und vor allem: Er funktioniert. Zur möglichen Gage ist es extrem schwer, eine seriöse Zahl zu nennen. Das hängt stark von den Buyouts ab, also davon, in welchen Ländern, auf welchen Kanälen und wie lange der Spot läuft. Bei einem Star wie Brad Pitt zahlt man nicht für die paar Sekunden vor der Kamera, sondern für seine globale Strahlkraft und die Aufmerksamkeit, die sein Name erzeugt. Unter normalen Umständen würde ich sagen: siebenstellig.“

Er muss nichts tun. Seine Präsenz reicht

Simon Knittel

Managing Director von Jung von Matt Start

Auch die Inszenierung sieht Knittel als bewussten Gegenentwurf zu klassischen Hochglanzkampagnen: Statt auf große Kulissen oder teure Inszenierungen zu setzen, reduziere der Spot alles radikal. Das Budget sei durch das Star-Testimonial zwar nicht kleiner, das Ergebnis aber ein anderes, und genau darin liege die Wirkung. Entscheidend sei dabei vor allem die Rolle von Brad Pitt selbst: Er werde nicht als „Normalo“ inszeniert, sondern bewusst als Superstar in den Mittelpunkt gestellt. „Er muss nichts erklären, nichts vorspielen, nicht einmal wirklich etwas tun. Seine Präsenz reicht.“





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+++ SE3 Labs +++ DefenseTech +++ Personio +++ Grenion +++ D2C +++ HelloBody +++ 21 Work Hacks +++


#StartupTicker

+++ #StartupTicker +++ SE3 Labs – die nächste deutsche DefenseTech-Hoffnung +++ Personio unter Druck +++ D2C-Scaleup Grenion Group (HelloBody und Co.) schlittert in die Insolvenz +++ sipgate-Gründer Tim Mois veröffentlicht 21 Work Hacks +++ +++

+++ SE3 Labs +++ DefenseTech +++ Personio +++ Grenion +++ D2C +++ HelloBody +++ 21 Work Hacks +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Dienstag, 30. Juni).

#STARTUPLAND: NUR DER FRÜHE VOGEL SPART!

If you live and breathe startups – STARTUPLAND is your event

+++ Die günstigste Ticketphase läuft! Wer bei unserer vierten STARTUPLAND Conference 2027 (10. März in Köln, RheinEnergieStadion) dabei sein möchte, sollte jetzt zugreifen. Die Super-Early-Bird-Tickets gibt es nur für kurze Zeit.

#STARTUPTICKER

SE3 Labs
+++ Die nächste deutsche DefenseTech-Hoffnung! Das Münchner DefenseTech SE3 Labs, das wir bereits mehrfach kurz vorgestellt haben, kommt jetzt so richtig aus der Deckung und zeigt erstmals, woran das Team in den vergangenen Monaten gearbeitet hat. Das Startup, das nun offiziell aus der Stealth-Phase herauskommt, entwickelt eine Spatial-AI-Plattform, die Drohnen und anderen autonomen Systemen ermöglicht, ihre Umgebung in Echtzeit dreidimensional zu erfassen, zu verstehen und eigenständig zu handeln. Die Vision des Teams: die grundlegende Softwareplattform für die nächste Generation autonomer Systeme zu schaffen. Besonders bemerkenswert: Die Technologie wird nach Unternehmensangaben bereits gemeinsam mit der Bundeswehr und verbündeten Streitkräften eingesetzt. Hinter SE3 stecken Lukas Köstler, Simon Klenk und KI-Forscher Daniel Cremers von der TU München, einer der renommiertesten Computer-Vision-Experten Europas. Zu den Investoren (5,5 Millionen Seed-Investment) des Startups zählen Lakestar, Seedcamp, Magnetic, EWOR, der Sequoia Scout Fund sowie mehrere Business Angels. SE3 reiht sich damit in eine wachsende Riege deutscher DefenseTech-Hoffnungen wie Helsing, Stark, ARX Robotics und Quantum Systems ein. Mehr über SE3 Labs

Personio
+++ Unicorn unter Druck! Jahrelang galt das Münchner HR-Unicorn Personio als eines der großen Aushängeschilder der deutschen Startup-Szene. Doch laut manager magazin gerät das Unternehmen zunehmend in die sogenannte Venture-Capital-Falle. Während Personio gerade erst den Sprung in die Profitabilität geschafft hat, wächst gleichzeitig der Druck. Das Umsatzwachstum hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verlangsamt, KI verändert den Softwaremarkt rasant und mit dem spanischen Rivalen Factorial drängt ein bestens finanzierter Wettbewerber nach Deutschland. Das eigentliche Problem ist jedoch ein anderes: Personio muss sich noch immer an den Erwartungen messen lassen, die während des VC-Booms zur Milliardenbewertung von 8,5 Milliarden Dollar führten. In der Szene wird der Unternehmenswert inzwischen deutlich niedriger eingeschätzt. Personio steht damit stellvertretend für viele Software-Unicorns: Nach Jahren des Wachstums um jeden Preis verlangen Investoren heute Profitabilität und hohe Wachstumsraten. Mehr über Personio

Grenion
+++ Pleite! Die Mannheimer Grenion Group, zu der Marken wie HelloBody, Banana Beauty und Mermaid+Me gehören, ist insolvent. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Steffen Rauschenbusch bestellt. Besonders bemerkenswert: HelloBody gehörte einst zu den größten deutschen Influencer-Marken überhaupt. 2020 übernahm Henkel 75 % an HelloBody und Co. zu einer Unternehmensbewertung von rund 400 Millionen Euro. Wenige Jahre später verkaufte der Konzern die Marken an Grenion – nun folgt die Insolvenz. Der Fall zeigt einmal mehr, wie schwierig das Geschäft mit einstigen D2C-Hype-Marken geworden ist. Zwischen hohen Marketingkosten, wachsendem Wettbewerb und schwächerer Nachfrage haben viele der früheren Social-Media-Erfolgsmodelle massiv an Strahlkraft verloren. Mehr über Grenion

21 Work Hacks
+++ Lesestoff für alle, die New Work nicht nostalgisch, sondern praktisch denken: sipgate-Gründer Tim Mois bringt sein neues Buch „21 Work Hacks… für eine erfolgreiche Agentic Transformation“ heraus. Darin teilt der Düsseldorfer seine Erfahrungen aus sechs Jahren KI im Arbeitsalltag. Entstanden sind 21 konkrete Hacks aus der Praxis eines mittelständischen Unternehmens, das seit 2020 ausprobiert, verwirft, nachschärft und weiterlernt. Im Buch geht es unter anderem darum, wie Teams KI-Tools eigenständig testen dürfen und wie sipgate Lernen und Austausch über Formate wie „Open Friday“ und eine regelmäßige Demo strukturiert. Außerdem erklärt Mois, warum bewusst unverplante Zeit zum festen Bestandteil der Organisation wird, wenn Routinearbeit an KI geht. „Die ehrlichste Aussage, die wir nach sechs Jahren KI-Transformation treffen können, lautet: Es gibt kein Fertig“, so Mois. Jetzt bei amazon bestellen

embee
+++ Das Team von embee setzt auf eine „intelligente Messdaten-Auswertung“. „Wir helfen Stromversorgern zu verstehen, welche Kunden von ihnen Elektroautos, Wärmepumpe und Solaranlage besitzen und wie deren Nutzungsverhalten ist“, erklärt Gründer Kai Hinrichsen. Mehr über embee

Startup-Radar
+++ Die Startup-Welt schläft nie! Zeit, einen Blick auf einige brandneue Unternehmen zu werfen, die man unbedingt auf dem Radar haben sollte. Diese Jungfirmen stellen wir euch heute vor: Pace Race, ContextFab, nu:legal, ContexMesh und CyberSafe24. Mehr im Startup-Radar

#JOBS

FOND OF
+++ Unser Job des Tages! FOND OF sucht einen Social Media Manager:in Aevor (all genders). Und wir machen richtig gute Produkte, zum Beispiel Rucksäcke, Schuhe und viele mehr. Gut heißt für uns: Sie haben eine hohe Qualität, sind durchdacht, schön gestaltet und fair hergestellt. Damit das gelingt, arbeiten wir im Team. Jede:r bringt eigene Stärken mit und übernimmt Verantwortung. Gemeinsam schaffen wir mehr – mit Offenheit, Respekt und Freude an der Arbeit.

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Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker



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Wir werden bezahlt, wenn Vorteile für Kommunen absehbar sind


#Interview

„Hunderte Kleinstädte und Dörfer stehen vor massiven Leerstands- und Überalterungsproblemen“, sagt Daniel Ehlers, Gründer von Heimstatt. Das Startup verbindet deswegen Kommunen mit jungen Familien, die aufs Land ziehen möchten.

„Wir werden bezahlt, wenn Vorteile für Kommunen absehbar sind“

Hinter Heimstatt aus Potsdam, 2025 von Daniel Ehlers und Leo Gremmer gegründet, verbirgt sich eine „Vernetzungsplattform zwischen Kommunen und Familien für lebendige Quartiere im ländlichen Raum“. Konkret verbindet das Team Kommunen mit jungen Familien, die aufs Land ziehen möchten.

Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründer Daniel Ehlers die Idee hinter Heimstatt einmal ganz ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Heimstatt erklären?
Hunderte deutsche Kleinstädte und Dörfer stehen vor massiven Leerstands- und Überalterungsproblemen. Nicht nur einzelne Wohnungen, sondern ganze Straßenzüge und Viertel, die keine Bewohner mehr finden. Warum, wo doch ein erheblicher Mangel an Wohnraum in Deutschland beklagt wird? Weil junge Familien dorthin ziehen, wo bereits andere junge Familien sind, und eine entsprechende Versorgung gewährleistet ist. Wo das nicht der Fall ist, ziehen keine hin, bestehende Strukturen verfallen und neue aufzubauen ist unrentabel. Um dieses Problem zu lösen, müsste eine Mindestanzahl an jungen Familien gleichzeitig angesiedelt werden, sodass Bevölkerung, Orte und Strukturen wieder eine klare Zukunftsperspektive erhalten. Diese Koordination – von den Gesprächen mit den betroffenen Kommunen über die Inserierung und Bewerbung leerstehender Viertel, Abstimmung der Mindestzahl an Familien bis hin zu deren Ansiedlung vor Ort – ist Unternehmenszweck der Heimstatt GmbH.

Wie genau funktioniert Euer Geschäftsmodell?
Heimstatt generiert primär auf zwei Wegen Einnahmen. Erstens werden wir von den betroffenen Kommunen monatlich für die Inserierung, zielgruppenspezifische Bewerbung und Koordination ihrer Wiederansiedlungsprojekte bezahlt. Diese Ausgaben können häufig durch Förderprogramme von Land, Bund und EU gedeckt werden. Zweitens erhält Heimstatt eine auf zehn Jahre zahlbare Erfolgspauschale für jede vor Ort angesiedelte Familie – fällig ab erfolgter Ummeldung. Durch das so generierte Steueraufkommen, Kaufkraftzuwachs, staatliche Subventionen und sinkende Leerstandskosten gewinnen die Kommunen deutlich an finanziellem Spielraum. Wir werden also bezahlt, wenn durch unsere Dienstleistung bereits spürbare monetäre Vorteile für die Kommunen absehbar sind.

Wie ist die Idee zu Heimstatt entstanden?
Es gibt seit einigen Jahren eine sehr erfolgreiche NDR-Dokureihe „Mit Mut, Mörtel und ohne Millionen“ über junge Familien, die sich für kleinste Beträge und häufig ohne Rücklagen verfallene Guthäuser in Ostdeutschland kaufen und sie in Eigenregie sanieren. Die Idee fand ich spannend und gleichzeitig unfassbar ineffizient. Einerseits großartig, dass man mit wenig Eigenkapital und Kreditaufnahme Wohnraum erwerben kann, historische Bausubstanz wiederherstellt und die Vorzüge des Landlebens genießen kann. Andererseits war das Projekt auf sehr wenige herausstehende Gebäude begrenzt, änderte an den systemischen Problemen rundherum wenig und war als Massenlösung für das Leerstands- und Demographieproblem ungeeignet.

Wie oder wo hast Du Deinen Mitgründer kennengelernt?
Leo und ich waren beide Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung und kannten uns schon von gemeinsamen Veranstaltungen. Häufig ging es bei diesen um politische Herausforderungen der Zukunft und mögliche Ansätze, um ihnen zu begegnen. Wir haben dabei sehr ähnliche Wertevorstellungen vertreten und kamen überein, dass viele Probleme nicht primär durch den Staat, sondern durch uns alle – also privat und selbstbestimmt handelnde Akteure – gelöst werden könnten. Von diesem Grundkonsens aus war der gedankliche Weg zu Heimstatt nicht mehr weit.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Mit den ersten Kommunen in ernsthafte Verhandlungen zu kommen. Unser Ansatz lebt von beidseitigem Vertrauen und Skaleneffekten, die in der Regel erst nach einer längeren Etablierung am Markt entstehen. Das zu etablieren, komplexe Entscheidungsprozesse mitzubegleiten und skeptische Stakeholder zu überzeugen, war daher gerade in den Anfangsmonaten eine enorme Herausforderung und bleibt bis heute eine hohe Hürde für neue Projekte.

Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda?
Wir freuen uns, zeitnah die ersten Großprojekte bekanntmachen und in die Umsetzung geben zu können. In finaler Verhandlung sind aktuell mehrere Siedlungsprojekte mit einer dreistelligen Zahl an Wohneinheiten und exzellenter Anbindung an die nächstgelegenen Großstädte. Ein Proof of Concept wäre damit in einer ganz neuen Größenordnung erfolgt und würde unsere Verhandlungsposition gegenüber weiteren Kommunen enorm stärken.

Wo steht Heimstatt in einem Jahr?
Unser Momentum aus den letzten Monaten möchten wir beibehalten und die Zahl der teilnehmenden Kommunen maximal ausbauen. Unser Ziel ist es, binnen einem Jahr in jedem ostdeutschen Bundesland mindestens ein erfolgreiches Referenzprojekt vorweisen zu können und in der Fläche einen spürbaren Beitrag gegen Wohnungsnot von Familien und Leerstand auf dem Land leisten zu können. Die Lösung ist längst vorhanden; man muss sie nur systematisch umsetzen!

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Heimstatt



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Die verlassenen Lilium-Büros: Was vom deutschen Flugtaxi-Traum übrig ist


Die verlassenen Lilium-Büros: Was vom deutschen Flugtaxi-Traum übrig ist

Verlassene Hallen und Büros: Wo Lilium einst an Zukunftsversprechen arbeitete, blieb später nur ein moderner Lost Place.
Fotos: Gründerszene, Cover: Dominik Schmitt / Gründerszene

Am Eingang hängen noch die Fahnen: weißer Stoff mit Lilium-Logo. Einige sind ausgefranst. Durch eine Glasfront ist die ehemalige Rezeption des Unternehmens zu sehen: ein Empfangstisch, ein Chesterfield-Sofa und ein Sideboard, auf dem insgesamt 14 Auszeichnungen nebeneinander aufgereiht sind. Doch der Raum ist menschenleer.

Auch Liliums Flaggen am Eingang haben schon bessere Tage gesehen.

Auch Liliums Flaggen am Eingang haben schon bessere Tage gesehen.
Gründerszene

Wer hier hinein will, braucht einen Schlüssel und jemanden, der noch zuständig für einen Ort ist, an dem mal Hunderte Menschen an einer Zukunft gearbeitet haben, die heute weiter entfernt wirkt als je zuvor. Denn über den Türspalten sämtlicher Eingänge kleben nun rote Sticker: „Security Seal“ steht darauf – Sicherheitssiegel.

Mithilfe von Sicherheitssiegeln wird kontrolliert, wann die leeren Lilium-Büros und -Hallen betreten worden sind.

Mithilfe von Sicherheitssiegeln wird kontrolliert, wann die leeren Lilium-Büros und -Hallen betreten worden sind.
Gründerszene

Es ist Oktober 2025, fast ein Jahr nach dem Insolvenzantrag des Flugtaxi-Startups Lilium. Wir sind nach Gauting bei München gefahren, an den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen. Hier hatte Lilium seine Büros und Produktionshallen. Hier sollten elektrische Senkrechtstarter entstehen, sogenannte eVTOLs. Fluggeräte, die ohne Landebahn starten und landen können und die klimafreundlich sein sollen.

In der Vision der Lilium-Gründer sollten sie Regionen miteinander verbinden, Strecken verkürzen und Zeit sparen – und irgendwann so einfach buchbar sein wie eine Uber-Fahrt. 

Liliums Vision: eVTOLs (Fluzgtaxis), die Regionen miteinander verbinden und irgendwann für jeden zugänglich sind.

Liliums Vision: eVTOLs (Fluzgtaxis), die Regionen miteinander verbinden und irgendwann für jeden zugänglich sind.
picture alliance/dpa/Lilium/-

Knapp zehn Jahre lang arbeitete das Unternehmen an diesem Versprechen. Rund 1,5 Milliarden Euro flossen in die Entwicklung. Lilium gewann prominente Investoren, überzeugte politische Unterstützer und wurde zu einem der bekanntesten deutschen Deeptech-Startups. Für viele war das Unternehmen ein Hoffnungsträger: ein Beispiel dafür, dass aus Deutschland doch noch einmal ein global relevanter Technologiekonzern entstehen könnte. 

Für andere war Lilium von Anfang an ein überteuertes Versprechen, ein Flugtaxi-Traum für Investorenpräsentationen. 

So oder so: Am Ende reichte das Geld nicht. 

Der Jet, der nie fertig wurde

In einer der Hallen steht der Rohbau eines Lilium-Jets. Hellgelb, mehrere Meter lang, die Form erinnert an einen langgezogenen Football. Noch fehlen Außenhülle, Fenster, Türen und Flügel. Kabel hängen aus dem Rumpf, eine Metalltreppe steht vor der Öffnung, an der einmal eine Tür sein sollte. 

Alles sieht so aus, als könnte gleich jemand kommen und weiterarbeiten. Nur wird niemand mehr kommen.

Von jetzt auf gleich war es vorbei: In den Hallen standen noch monatelang zwei unfertige Lilium-Jets.

Von jetzt auf gleich war es vorbei: In den Hallen standen noch monatelang zwei unfertige Lilium-Jets.
Gründerszene

Genau darin liegt die Wucht dieses Ortes. Denn man versteht: Lilium war kein Unternehmen, das langsam auslief, sondern eines, das mitten in der Bewegung angehalten wurde. 

Auf Tischen stehen noch halbvolle Wasserflaschen. Warnwesten hängen über Stuhllehnen. In den Büros kleben Vornamen auf Schließfächern, daneben liegen Schuhe, Jacken und alte Hausausweise. In den Ecken liegen Blätter längst vertrockneter Zimmerpflanzen. Auf einem Whiteboard stehen noch Hinweise zur Nutzung von Geräten. In einer der Produktionshallen hängt ein selbst ausgedrucktes Meme. Ein Foto des TV-Malers Bob Ross. Darunter steht sein Motto: „No mistakes, just happy accidents.“ 

No mistakes, just happy accidents – das Motto des TV-Malers Bob Ross und Mantra der Startup-Szene.

No mistakes, just happy accidents – das Motto des TV-Malers Bob Ross und Mantra der Startup-Szene.
Gründerszene

Fehler machen, daraus lernen, weitermachen – das gehört zur Startup-Kultur. Bei Lilium wurde aus dem Mantra irgendwann eine bittere Pointe. 

Denn das Unternehmen war Ende 2024 eigentlich kurz davor, den entscheidenden Beweis zu liefern. Der erste Testflug mit Pilot an Bord sollte nur noch wenige Monate entfernt sein. Zwei Jets standen bereits in Montage.  

Mit ihnen wollte Lilium zeigen, dass die Technologie nicht nur in Präsentationen, Simulationen und unbemannten Tests funktioniert, sondern unter realen Bedingungen. 

Doch dann ging dem Unternehmen das Geld aus. 

„Unser Lilium-Zuhause“
Gründerszene

Ein Rennen gegen die Zeit

Lilium hatte über Jahre keine nennenswerten eigenen Umsätze. Das ist bei vielen Startups nicht ungewöhnlich. Investoren finanzieren Wachstum, Forschung und Entwicklung in der Hoffnung, dass das Unternehmen später sehr viel mehr wert ist. Bei Lilium aber war der Kapitalbedarf besonders hoch. Fluggeräte zu entwickeln, zu testen und zertifizieren zu lassen, kostet nicht Millionen, sondern Milliarden. 

2024 brauchte Lilium neues Kapital. Nach Informationen aus dem Unternehmensumfeld waren Investoren grundsätzlich bereit, noch einmal Geld zu geben. Sie stellten jedoch eine Bedingung: Auch der deutsche Staat sollte sich zu Lilium bekennen. 

Konkret ging es um einen Kredit über 100 Millionen Euro bei der staatlichen Förderbank KfW. Dafür brauchte Lilium eine staatliche Bürgschaft. Sollte das Unternehmen den Kredit nicht zurückzahlen können, hätten am Ende die Steuerzahler einstehen müssen. 

Monatelang wurde über diese Bürgschaft diskutiert. Zunächst in Bayern, wo Lilium seinen Sitz hatte, dann im Bund. Das Lilium-Management ging nach unseren Recherchen zeitweise davon aus, dass der Kredit kommen würde. Doch im Haushaltsausschuss des Bundestags fiel keine Entscheidung. 

Für Lilium wurde das zum Rennen gegen die Zeit. Das Unternehmen brauchte zu diesem Zeitpunkt nach Angaben aus dem Umfeld 20 bis 30 Millionen Euro im Monat, nur um den Betrieb am Laufen zu halten. Ende Oktober 2024 meldete Lilium Insolvenz an. 

Eine Zeitkapsel sollte das Lilium-Team im Jahr 2028 an seine Anfänge erinnern – doch dazu kam es nie.

Eine Zeitkapsel sollte das Lilium-Team im Jahr 2028 an seine Anfänge erinnern – doch dazu kam es nie.
Gründerszene

Damit war der KfW-Antrag praktisch vom Tisch. Denn der Staat vergibt grundsätzlich keine Kredite an Unternehmen, die sich bereits in einem Insolvenzverfahren befinden. 

Kündigungen kurz vor Weihnachten

Der Insolvenzantrag bedeutete aber noch nicht das Ende eines Unternehmens. Lilium bekam zunächst Zeit, neue Investoren oder Käufer zu finden. Intern liefen die Gespräche weiter. Es gab Hoffnungsschimmer, Zusagen, Verhandlungen. Doch nichts wurde rechtzeitig konkret. 

Mitte Dezember kündigte Lilium zunächst rund 200 Entlassungen an. Kurz vor Weihnachten folgte der nächste Schock: Die Investorengespräche seien gescheitert, hieß es. Ein potenzieller Geldgeber habe nicht rechtzeitig nachweisen können, dass er über die nötigen liquiden Mittel verfüge. Das berichten mehrere Insider. 

Lilium stellte daraufhin den Geschäftsbetrieb ein und kündigte den verbliebenen Mitarbeitenden – fünf Tage vor Heiligabend. 

Einer von ihnen war Keno Sanders, der sechs Jahre bei Lilium gearbeitet hatte. Er war am Antriebssystem des Jets beteiligt, trug Verantwortung für Prozesse und Personal. Sanders ist einer von vielen Mitarbeitenden, mit denen wir seit Herbst 2024 gesprochen haben. In einem Gespräch erinnert er sich an das Allhands-Meeting kurz vor Weihnachten, das bei Lilium „Allwings“ genannt wurde. Der damalige CEO Klaus Roewe habe sehr sachlich erklärt, dass Gehälter nicht mehr gezahlt werden könnten und die Insolvenz beantragt werden müsse. Sanders beschreibt die Atmosphäre als angespannt. Viele Mitarbeitende hätten sich gefragt, seit wann das Management gewusst habe, wie ernst die Lage war. 

Dass ausgerechnet kurz zuvor noch neue Mitarbeitende angefangen und eine neue Kantine eröffnet worden sei, habe viele irritiert. 

Die Rettung, die keine war 

Dann, am Vormittag des 24. Dezember, kam doch noch einmal Hoffnung auf. Lilium veröffentlichte eine Pressemitteilung, in der es hieß, das Unternehmen habe doch noch einen Investor gefunden. Der Betrieb könne weitergehen. Ein Großteil der Mitarbeitenden sollte zurückkommen dürfen. 

Auch viele frühere Lilium-Beschäftigte erhielten diese Nachricht. Sanders erinnert sich an „riesige Freude“. Er habe das Projekt geliebt, sagt er. Er habe Teil von etwas sein wollen, das Geschichte schreibt. 

Auszeichnungen zeigen: Einst wurden das Unternehmen und seine Gründer gefeiert.

Auszeichnungen zeigen: Einst wurden das Unternehmen und seine Gründer gefeiert.
Gründerszene

Doch die Freude hielt nicht lange. Das versprochene Geld kam am Ende nicht bei Lilium an. Die Rettung scheiterte. Im Februar 2025 war endgültig Schluss. Rund 1000 Menschen verloren im Zuge der Insolvenz ihren Job. 

Was bleibt?

In den verlassenen Büros zeigt sich, dass Lilium mehr war als nur ein Pitchdeck und eine Vision. Auf einer Weltkarte stecken rote Pins in Europa, Asien, Afrika, Südamerika. Mitarbeitende aus zahlreichen Ländern waren nach Bayern gekommen, um an diesem Projekt zu arbeiten. In den Hallen stehen Geräte, Testaufbauten, 3D-Drucker, Fräsmaschinen. In einem Bereich verlaufen meterlange Kabel geordnet über den Boden. Daneben steht ein zweites Flugzeugskelett in einem „Structure Test Laboratory“, wo offenbar geprüft wurde, wie belastbar die Konstruktion ist. 

Aus der ganzen Welt kamen Menschen nach Bayern, um für Lilium zu arbeiten. Auf einer Weltkarte in der Kantine konnten sie ihre Heimat markieren.

Aus der ganzen Welt kamen Menschen nach Bayern, um für Lilium zu arbeiten. Auf einer Weltkarte in der Kantine konnten sie ihre Heimat markieren.
Gründerszene

Der Ort erzählt von technischem Ehrgeiz. Aber auch von einem System, das extrem viel Kapital braucht, lange bevor es Einnahmen gibt. Und Liliums Scheitern wirft Fragen auf.

Klar ist: Die ursprüngliche Vision eines alltagstauglichen Flugtaxi-Netzwerks blieb unerfüllt. Gleichzeitig arbeiteten Hunderte Menschen jahrelang an einer Technologie, die sie für möglich hielten. Viele blieben auch dann noch, als die Lage längst bedrohlich war. 

Als wir die Hallen verlassen, bleibt vor allem ein Bild hängen: ein halbfertiger Jet, der aussieht, als warte er nur auf den nächsten Arbeitsschritt. Ein Stück Zukunft, das nicht fertig wurde. 

Die ganze Geschichte des deutschen Flugtaxi-Entwicklers könnt ihr ab sofort auch hören: Unser investigativer Storytelling-Podcast „Cashburners: die Lilium-Story“ erzählt in sechs Folgen vom Aufstieg und Fall des Unternehmens. Überall, wo es Podcasts gibt.

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