Connect with us

Digital Business & Startups

Über 700 Städte und Gemeinden nutzen unsere Software


#Interview

Ayunis entwickelt „intelligente Softwarelösungen für Rathäuser“. Und zwar mit Erfolg! „Operativ arbeiten wir nahezu kostendeckend, da wir aus zweieinhalb Jahren Bootstrapping kommen“, sagt Gründer Andreas Michel. Zuletzt sammelte das Team 1,2 Millionen ein.

“Über 700 Städte und Gemeinden nutzen unsere Software”

Das Münchner GovTech Ayunis (früher als Locaboo bekannt), 2021 von Michael Loy und Andreas Michel gegründet, entwickelt “KI-gestützte Lösungen für eine moderne, automatisierte und souveräne Verwaltung”. Ursprünglich wollte das Team sich als “Lösung für Sport- und Veranstaltungsflächen” etablieren. “Uns wurde aber schnell klar, dass die Kommunen weit mehr Unterstützung bei der Modernisierung auch über Sport und Kultur hinaus brauchen”, sagt Gründer Michel.

Scalehouse Capital und Ventis investierten zuletzt 1,2 Millionen Euro in Ayunis. Zuvor haben die Bajuwaren ihr Unternehmen ohne externe Geldgeber aufgebaut. “Wir haben früh die richtigen Prioritäten gesetzt. Wir sind bootstrapped und profitabel gewachsen. Unsere Devise war es, lieber weniger Kapital aufzunehmen und dafür Kontrolle, Tempo und Nachhaltigkeit zu behalten”, führt der Jungunternehmer aus.

Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Ayunis-Gründer Michel sein Unternehmen einmal ausführlich vor.

Wie würdest Du Deiner Großmutter ayunis erklären?
Wir entwickeln intelligente Softwarelösungen für Rathäuser. Diese nehmen den Mitarbeitenden Routineaufgaben ab, beschleunigen Abläufe und vereinfachen ihren Arbeitsalltag. So gewinnen alle in der Stadt mehr Zeit für die wirklich wichtigen Themen. Oder noch einfacher: Wir reduzieren Papierkram im Rathaus, sorgen für schnellere Abläufe und schaffen Freiräume für Wesentliches.

War dies von Anfang an euer Konzept?
Wir haben keinen harten Pivot hingelegt, sondern unser Modell stetig weiterentwickelt. Gestartet sind wir mit Locaboo als Lösung ausschließlich für Sport- und Veranstaltungsflächen. Uns wurde aber schnell klar, dass die Kommunen weit mehr Unterstützung bei der Modernisierung auch über Sport und Kultur hinaus brauchen. Deshalb haben wir unseren Fokus bewusst weg vom OZG gerichtet: Viele Initiativen adressieren die Bürgerseite, doch das Rathaus selbst blieb oft außen vor. Durch Locaboo hatten wir bereits Zugang und Vertrauen und haben diesen dann für unsere weiteren Produkte genutzt. Heute steht Ayunis für die Digitalisierung kompletter Verwaltungsprozesse im Rathaus und ist damit die konsequente Weiterentwicklung unseres ursprünglichen Ansatzes.

Wie hat sich ayunis seit der Gründung entwickelt?
Seit unserer Gründung sind wir stark gewachsen. Heute nutzen über 700 Städte und Gemeinden in der DACH-Region unsere Software. Parallel ist auch unser Team von sechs auf 25 Mitarbeiter:innen gewachsen und unser jährlich wiederkehrender Umsatz hat sich allein im vergangenen Jahr verdoppelt. Operativ arbeiten wir nahezu kostendeckend, da wir aus zweieinhalb Jahren Bootstrapping kommen. Da unsere Kundenverlustrate mit unter 0,5 % sehr niedrig ist, konnten wir in den letzten anderthalb Jahren zudem sehr cash-effizient wachsen.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?
Unser jüngstes Highlight war der erfolgreiche Launch von Ayunis mit den beiden neuen Produkten Ayunis Core und Ayunis Studio. Beide bringen KI-gestützte Prozessautomatisierung praxisnah, sicher und speziell auf den öffentlichen Sektor zugeschnitten in die Verwaltung. Aufgrund unserer über 700 Bestandskunden konnten wir in kurzer Zeit viele Learnings sammeln, die Produkte iterativ verbessern und schrittweise auf dem Markt etablieren.

KI ist derzeit das Thema schlechthin in der Startup-Szene. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz bei Euch?
KI bildet das Herzstück unserer Produktstrategie. Mit Ayunis Studio bieten wir KI-Agenten für die öffentliche Verwaltung, die Anträge automatisieren, Informationen auswerten, Entscheidungen vorbereiten und Antragsverfahren deutlich beschleunigen. Zudem haben wir mit Ayunis Core, als Open-Source-KI-Plattform entwickelt, Verwaltungsmitarbeiter als Assistenzsystem unterstützt. Darüber hinaus verankern wir Automatisierung durchgängig in allen Produkten und entwickeln weitere Lösungen, die den Verwaltungsalltag spürbar erleichtern. Der Zeitpunkt war für uns hierbei ideal. Denn die Verwaltung braucht gerade jetzt diese Technologie. Wir nutzen diesen Rückenwind, rollen Core und Studio flächendeckend aus und optimieren kontinuierlich die Sicherheit, Nutzbarkeit und Wirkung. Denn unser Anspruch ist es, Vorreiter in Europa für den modernen KI-Einsatz auf kommunaler Ebene zu werden.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schiefgegangen?
Wir wollten Locaboo zu einer Lösung für noch mehr Anwendungsfälle und Branchen machen. Doch diese Strategie scheiterte. Der Fokus verwässerte, Produktprioritäten wurden unklar und unsere Kommunikation zu breit. Daher sind wir wieder zurück zu unserer ursprünglichen Zielgruppe gekehrt. Seitdem richten wir Funktionen, Roadmap und Botschaften wieder genau auf die Bedürfnisse der öffentlichen Verwaltung aus. Kurz gesagt: Lieber exzellent für die Richtigen als mittelmäßig für alle.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben früh die richtigen Prioritäten gesetzt. Wir sind bootstrapped und profitabel gewachsen. Unsere Devise war es, lieber weniger Kapital aufzunehmen und dafür Kontrolle, Tempo und Nachhaltigkeit zu behalten. Wir haben zudem früh ein starkes Führungsteam aufgebaut und damit die Grundlage für ein gesundes Wachstum geschaffen. Besonderes Augenmerk haben wir dabei auf unsere Unternehmenskultur gelegt. Unser dreistufiger Recruiting-Prozess schließt ein Cultural-Fit-Gespräch ein, um sicherzustellen, dass Leistung und Werte zusammenpassen.

Welchen generellen Tipp gibst Du anderen Gründer:innen mit auf den Weg?
Lasst euch nicht von großen Finanzierungsrunden anderer Start-ups verunsichern. Ein nachhaltig aufgebautes, eigenfinanziertes Geschäftsmodell ist auf lange Sicht deutlich wertvoller.

Wo steht Ayunis in einem Jahr?
Wir wollen in Deutschland und Europa das Thema Staatsmodernisierung maßgeblich digital mitgestalten und eine Vorreiterrolle im GovTech-Bereich einnehmen. Dafür werden wir uns weiter technologisch  durch klare Spezialisierung, messbaren Nutzen für die Verwaltungspraxis und konsequente Produktfokussierung positionieren. Wir werden uns auch weiterhin inhaltlich einbringen und versuchen, den Marktzugang für alle GovTech-Startups zu verbessern.

WELCOME TO STARTUPLAND


SAVE THE DATE: Am 5. November findet unsere zweite STARTUPLAND statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über Startupland

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Ayunis



Source link

Digital Business & Startups

Deutschlands geheime Unicorn-Fabrik: So kommt ihr ins Münchner CDTM


Deutschlands geheime Unicorn-Fabrik: So kommt ihr ins Münchner CDTM

Ob TradeRepublic, Forto oder Razor Group: Neun Unicorns haben CDTM-Alumni hervorgebracht. Was hinter dem Erfolg der Talentschmiede steckt.
Trade Republic, Forto, Beam AI, CDTM; Collage: Dominik Schmitt/ Gründerszene

Wer bei Startups nur an Berlin denken möchte, der irrt. Zahlreiche wertvolle deutsche Jungunternehmen kommen aus München. Ob Trade Republic, Tier Mobility, Egym, Forto oder Foodora – die Gründer und CEOs all dieser erfolgreichen Startups haben eines gemeinsam: sie sind Alumni der München Universitäten und besuchten das Center for Digital Technology and Management (CDTM).

9 Unicorns der CDTM Alumni

Ist das CDTM also Deutschlands geheime Unicorn-Fabrik? Dass fast 20 Prozent der deutschen Einhörner von CDTM-Alumni aufgebaut wurden, hat Chris Pisarski, Mitgründer des Startups Crustdata zusammengetragen: Er zählt neun Unicorns mit CDTM-Alumni als Gründer oder Mitgründer. Darunter sind:

  • Jonas Templestein (Monzo Bank, heute Iterate.com)
  • Thomas Pischke (Trade Republic)
  • Julian Blessin (Tier Mobility, heute: AllRide)
  • Hanno Renner, Arseniy Vershinin, Roman Schumacher, Ignaz Forstmeier (Personio)
  • Erik Muttersbach, Michael Wax (Forto, heute: Zauber, VC)
  • Jonas Diezun (Razor Group, heute: Beam AI)
  • Fabian Gerlinghaus (Cellares)
  • Florian Sauter, Philipp Roesch-Schlanderer (Egym)
  • Stefan Rothlehner, Konstantin Mehl, Manuel Thurner, Sergei Krauze (Foodora, heute: Angel Investor, Kaia Health, Simplinic)

Was ist eigentlich das CDTM?





Source link

Weiterlesen

Digital Business & Startups

+++ Clue +++ Anthropia Ventures +++ 1Komma5° +++ Mannheim +++


#StartupTicker

+++ #StartupTicker +++ Live im STARTUPLAND: André Christ (LeanIX) +++ Clue wächst auf 10,9 Millionen Umsatz +++ Anthropia Ventures scheitert vor dem First Closing +++ Über den verpassten Börsengang von 1Komma5° +++ Mannheim ist immer eine Startup-Reise wert +++

+++ Clue +++ Anthropia Ventures +++ 1Komma5° +++ Mannheim +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Dienstag, 27. Januar).

#STARTUPLAND

FOMO? For a reason. Welcome to STARTUPLAND

+++ Am 18. März findet im RheinEnergieStadion in Köln unsere dritte STARTUPLAND Conference statt. Es erwartet Euch wieder eine faszinierende Reise in die Startup-Szene – mit Vorträgen von erfolgreichen Gründer:innen, lehrreichen Interviews und Pitches, die begeistern. Mehr über STARTUPLAND

Live im STARTUPLAND: André Christ (LeanIX)

Mit dem Verkauf von LeanIX an SAP für rund 1,2 Milliarden Euro erreichte André Christ 2023 einen der größten Software-Exits Europas. Doch für ihn markierte der Exit keinen Schlusspunkt, sondern den Beginn einer neuen Phase. Sein Thema im STARTUPLAND: Rethinking Enterprise-grade SaaS for the Agentic AI Age.

#STARTUPTICKER

Clue
+++ Zahlencheck! Das Berliner Startup Clue, eine Zyklus- und Fruchtbarkeits-App, legt neue Unternehmenszahlen vor – und zwar den Jahresabschluss zum Geschäftsjahr 2024. Der Umsatz stieg im Berichtszeitraum erneut – auf rund 10,9 Millionen (Vorjahr: 7 Millionen). „Das Umsatzwachstum wurde von vier Hauptfaktoren getrieben, und zwar die kontinuierliche Optimierung der Konversionsraten der App Clue Period Tracker v2 (Rebirth), die Vermarktung der neuen Modi, sowie die Weiterführung und Optimierung von regelmäßigen CRM-Kampagnen und Rabatt-Kampagnen“, teilt das Team mit. Auch das B2B-Geschäft wächst weiter und macht „schon über 6 % des monatlichen Gesamtumsatzes der Gesellschaft aus“. Clue ist vor allem in den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Australien und Kanada gut unterwegs. Der Jahresfehlbetrag lag bei 4,8 Millionen (Vorjahr: 8,2 Millionen) und somit deutlich niedriger als im Jahre 2023. Insgesamt kostet der Aufbau von Clue, 2012 gegründet, bereits rund 63,1 Millionen. Bis Ende 2024 sammelte das Team rund um Gründerin Ida Tin aber auch schon knapp 72 Millionen ein. Um Kosten zu sparen, baute das Unternehmen in den vergangenen Jahren insbesondere Personal ab. 2024 wirkten im Durchschnitt noch 55 Mitarbeitende für Clue. Im Vorjahr waren es noch 94 und im Jahr davor sogar 117. Für 2025 peilte das Team ein Umsatzwachstum auf 17 Millionen an. Zudem lässt diese Passage im Jahresabschluss aufhorchen: „Die Gesellschaft hat bis Ende 2024 den Break-even-Punkt erreicht, es wurde jedoch entschieden, die verbleibenden Mittel direkt in die Neunutzergewinnung zurück zu investieren, und dadurch die Gesellschaft auf einen stärkeren Wachstumspfad zu bringen. Gemäß der von der Geschäftsführung aufgestellten Planung wird die Gesellschaft also noch bis voraussichtlich August 2025 Verluste erwirtschaften, welche jedoch durch die vorhandene Liquiditätsreserve gedeckt sind.“ Die unsicheren Zeiten bei Clue sind somit wohl vorbei. Der harte Kurs der vergangenen Jahren zahlt sich somit aus. Mehr über Clue

Anthropia Ventures
+++ VC-Krise! In den vergangenen Jahren versuchten Oliver Kuschel, Philip Haverkamp, Anne Geiger und Dirk Kanngiesser mit Anthropia Ventures einen Investor für Impact-Startups hochzuziehen. Dabei wollten die Duisburger, die mit dem Impact-Inkubator Anthropia über große Erfahrung im Segment verfügen, anders als klassische Geldgeber auch Unternehmen unterstützen, bei denen nicht der schnelle Exit im Vordergrund steht. „We firmly believe that scaling impact across the various SDG areas and strengthening Germany’s and Europe’s economy requires a dual approach: fostering the rapid growth of disruptive ‚Next 1,000 Impact Unicorns‘ and empowering resilient ‚New Mittelstand‘ companies“, hieß es zur Ausrichtung. Im Markt kam das Konzept nicht an. „Trotz unserem enormen Einsatz, klarem Purpose und starken Partner:innen müssen wir uns eingestehen: ‚In der aktuellen Marktsituation ist ein First Closing nicht realisierbar!‘ Nicht für uns – und aktuell für viele Andere leider auch nicht“, schreibt Anthropia Ventures-Macher Haverkamp auf Linkedin. Eine bittere Entwicklung, aber leider derzeit Alltag in der VC-Szene – wie auch ein Blick auf Schwergewichte wie 468 Capital zeigt. (Linkedin). Mehr über Anthropia Ventures

1Komma5°
+++ Lesenswert! 1Komma5°-Gründer Philipp Schröder spricht mit dem Manager Magazin über „den letztlich geplatzten Deal mit Hauptkonkurrent Enpal, über den verpassten Börsengang seiner Firma – und wie er den Abschwung in der Solarbranche jetzt selbst für Übernahmen nutzen will“. In den vergangenen Jahren flossen bereits mehr als 500 Millionen Euro in 1Komma5°. Im Frühjahr des vergangenen Jahres legte das Unternehmen seinen geplanten IPO auf Eis. (Manager Magazin) Mehr über 1Komma5°

Mannheim
+++ Mannheim ist immer eine Startup-Reise wert. Erst recht, seit osapiens zum Unicorn aufgestiegen ist. Deswegen blicken wir heute wieder einmal auf die Digital-Szene in Mannheim und stellen aufstrebende Startups aus der Quadratestadt vor, die mehr Menschen kennen sollten. Mehr über Mannheim

Startup-Radar
+++ Neue Gründerinnen und Gründer machen sich auf den Weg! Wir präsentieren heute folgende Auswahl frischer Startups, die man kennen sollte: Soverli, Ruby Care, Talero, Ramp7 und Laioutr. Mehr im Startup-Radar

Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): Bing Image Creator – DALL·E 3



Source link

Weiterlesen

Digital Business & Startups

Viel Pizza, wenig Schlaf – und die Hoffnung auf die eine Idee


Viel Pizza, wenig Schlaf – und die Hoffnung auf die eine Idee

Etwas Neues schaffen in nur 2 Tagen – das war das Ziel das AI-Hackathons 2026 im Delta Campus in Berlin.
Leandra Finke / Gründerszene

Minus fünf Grad draußen. Beschlagene Scheiben drinnen. Im Eingangsbereich des Delta Campus in Berlin-Neukölln drängen sich junge Menschen mit Laptops unter dem Arm. Niemand wartet freiwillig in der Kälte. Drinnen geht es um etwas anderes: 36 Stunden Zeit, kaum Schlaf – und die Hoffnung, dass aus einer Idee mehr wird als nur Code.

Noch ist keine Zeile programmiert – aber die Gespräche im Raum verraten: Der AI-Hackathon im Delta Campus Berlin hat begonnen. Stimmen überlagern sich, Namen und Linkedin-Profile werden ausgetauscht.

Ankommen und Kontakte knüpfen.

Ankommen und Kontakte knüpfen.
Leandra Finke/ Gründerszene

Die Menge verteilt sich schließlich auf der Fläche: Runde Tische, lange Gruppentafeln, Sofa-Ecken mit tiefen Kissen – die Location für die nächsten 36 Stunden.

Laptops klappen auf, Kabel werden gesucht, Jacken über Stuhllehnen gehängt. In der offenen Küche ist ein Frühstücksbuffet aufgebaut: Croissants türmen sich in Körben. Weitere Gespräche entstehen zwischen zwei Schlucken Kaffee: Wer kann was? Immer wieder wandern Blicke durch den Raum, auf der Suche nach möglichen Mitstreitern. Kleine Grüppchen bilden sich, lösen sich auf und finden sich neu.

105 junge Menschen versammelten sich am 24. und 25. Januar zum

105 junge Menschen versammelten sich am 24. und 25. Januar zum „hacken“.
Leandra Finke

600 Bewerbungen für ursprünglich 90 Plätze haben die Veranstalter erreicht. Unter denen, die es geschafft haben, sind Ingenieure, Programmierer, Studenten, Startup-Gründer und die, die es werden wollen. Sie kommen nicht nur aus ganz Deutschland an diesem Wochenende nach Berlin, sondern teils aus London, Brasilien oder sind Teilnehmer von Erasmus-Programmen. Deshalb wird wie so üblich Englisch gesprochen. 

Lest auch

So nutzen Startups Hackathons im „War for Talent“ gegen die großen Tech-Konzerne

Von den 105 Teilnehmenden sind nur knapp zehn Frauen dabei – ein Ungleichgewicht, das auffällt, ohne ausgesprochen zu werden. Aber typisch für die Tech-Szene in Berlin, wie Organisator Bela Wiertz von Tech Europe sagt.

Laptops, Tablets und Bildschirme werden zügig aufgebaut.

Laptops, Tablets und Bildschirme werden zügig aufgebaut.
Leandra Finke/ Gründerszene

Viele der Teilnehmenden kennen sich bereits – sind Freunde, Kommilitonen, Co-Gründer oder haben sich auf anderen Hackathons kennengelernt. 

Klare Spielregeln

Um 10.30 Uhr startet dann die Agenda: Die Sponsoren stellen sich vor und Organisator Bela Wiertz erklärt die Spielregeln des AI-Hackathons:

  1. Es dürfen bis zu fünf Menschen ein Team bilden, aber auch Einzelkämpfer sind erlaubt.
  2. Es muss ein neues Projekt gestartet werden. Das Arbeiten an bestehenden Projekten ist nicht erlaubt!
  3. Drei Tools/Technologien der Sponsoren müssen genutzt werden.
Veranstalter Bela Wiertz erklärt den Ablauf des Hackathons.

Veranstalter Bela Wiertz erklärt den Ablauf des Hackathons.
Leandra Finke/ Gründerszene

Die Challenge ist bewusst offengehalten: Etwas Neues erschaffen, Thema frei, kein vorgegebenes Problem. Der Haken – oder der Reiz – liegt in den Tools: Da drei von vier Technologien genutzt werden sollen, gibt es nicht viel Auswahl und Spielraum. Zur Auswahl stehen Chatarmin, eine AI-Lösung für Customer Service und Marketing im E-Commerce, die Frontier-Modelle von OpenAI, das No-Code-Tool Lovable zur Erstellung von Apps und Websites per Chat sowie Tower, das AI-Agenten mit verlässlichen Daten versorgt. Was daraus entsteht, liegt in den Händen der Teams.

Lest auch

„Wir nennen sie EU Inc.“ – Warum Von der Leyens Davos-Rede Jubel in der Startup-Szene auslöst

Nicht alle im Raum haben mit diesen Programmen schon gearbeitet. Deshalb gibt es kompakte Einführungen, praktische Anleitungen und Ansprechpartner mit tiefem Technikverständnis. Experten gehen von Tisch zu Tisch oder sind per Discord erreichbar, beantworten Fragen. 

„Wir suchen noch…“

Wer noch ohne Team ist, sammelt sich zum Matchmaking. Man stellt sich vor. Einige bringen bereits sehr konkrete Ideen mit, andere erst eine grobe Richtung. „Das könnte passen“ – so finden sich weitere Gruppen. Denn: Niemand will allein bleiben.

It's a Match: Hier finden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen.

It’s a Match: Hier finden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen.
Leandra Finke/ Gründerszene

Der Hackathon versteht sich nicht allein als Wettbewerb um das beste Ergebnis, sondern als Lernraum: Wie formt sich ein Team unter Zeitdruck? Wie verständigt man sich auf eine gemeinsame Idee? Wie denkt man zusammen über eine Lösung nach – und nicht nur nebeneinanderher?

Post-its, Flipcharts und Co.

Zum Lunch stehen die Teams längst fest: An den Gruppentischen wird gearbeitet – Köpfe beugen sich zusammen, Vorgehensweisen werden diskutiert, Aufgaben verteilt. Post-its wandern über Tischplatten, auf Flipcharts entstehen erste Entwürfe.

Die Burritos an der Essensausgabe werden zügig abgeholt: ein Griff, ein Nicken, zurück an den Platz. Das Essen läuft nebenbei – das Projekt nicht. Der Fokus liegt klar auf dem, was in den nächsten Stunden entstehen soll.

Dima Durah (rechts) ist eine der wenigen Teilnehmerinnen. Sie hat bereits ein Startup gegründet und arbeitet gemeinsam mit Jonathan Stöterau an einer neuen Idee.

Dima Durah (rechts) ist eine der wenigen Teilnehmerinnen. Sie hat bereits ein Startup gegründet und arbeitet gemeinsam mit Jonathan Stöterau an einer neuen Idee.
Leandra Finke/ Gründerszene

Die Gruppen sind bunt gemischt: Unterschiedliche Erfahrungslevel und Generationen arbeiten miteinander. Das Alter der Teilnehmenden liegt zwischen 18 bis Ü40, alle eint der Antrieb, den AI-Hackathon für sich zu entscheiden. 

Ideen und Herangehensweisen skizziert das Team um Ridvan Sibic (rechts).

Ideen und Herangehensweisen skizziert das Team um Ridvan Sibic (rechts).

Die Gruppe um Ridvan Sibic hat einen festen Plan: eine Idee finden, die für den Sponsor Arbio Sinn ergibt. Also das Gespräch suchen, Rückfragen stellen, verstehen, worauf es ankommt – in diesem Fall im Kontext von Reiseunterkünften.

Schritt zwei ist technisch: Welche der vergebenen Tools macht Sinn? Dann die Leitfragen: Was macht Spaß? Was würde man selbst nutzen? Was nervt im Alltag? Wo entsteht ein Wow-Effekt? Der Anspruch ist nicht maximale Komplexität, sondern Freude am Produkt. Es darf leicht sein, solange es funktioniert.

Konzentriertes Co-Working.

Konzentriertes Co-Working.
Leandra Finke/ Gründerszene

Anschließend geht es an den Bau: aus der Idee wird ein Agent. Ridvan übernimmt dabei die Rolle des Erfahrensten, lenkt, priorisiert, bremst auch mal. Erwartungen werden bewusst heruntergeschraubt, Ziele realistisch gesetzt, erklärt er. „Hier muss nicht das nächste Microsoft entstehen.“ 

Inzwischen ist es Abend geworden, 21 Uhr. Die Sonne ist längst untergegangen, der Delta Campus noch hell erleuchtet. Leere Pizzakartons stapeln sich in den Ecken, es riecht noch nach Tomatensoße. Die ersten Teilnehmer haben sich auf den Weg nach Hause oder ins Hostel gemacht. Zum Schlafen, um an Tag zwei wieder fit zu sein. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Delta Campus nicht.

In der Küche stapeln sich XXL-Pizzakartons.

In der Küche stapeln sich XXL-Pizzakartons.
Leandra Finke/ Gründerszene

Rund 40 Menschen sind am späten Samstagabend noch da und arbeiten: Codes laufen über die Bildschirme, man hört leises Tippen auf Tastaturen. Es ist ruhiger geworden, die lebhaften Gespräche vom Mittag sind verstummt. Manche Gruppen haben sich in Glaskästen zurückgezogen, um ungestört zu arbeiten. Wer hier noch sitzt, arbeitet, denkt, tüftelt, versucht, die verbleibenden Stunden optimal zu nutzen.

Bis spät in die Nacht wird hier gecodet.

Bis spät in die Nacht wird hier gecodet.
Leandra Finke/ Gründerszene

Auf den Tischen stapeln sich Cola- und Mate-Flaschen, leere Energy-Dosen und Kaffeebecher – Koffein bringt die Verbleibenden durch die Nacht.

Durchgemacht für die Deadline

Am frühen Sonntagmorgen füllt sich der Raum im Erdgeschoss des Delta Campus. Aber nicht alle sind wieder gekommen.

Während die meisten Teilnehmer einigermaßen ausgeruht wirken, haben rund 20 von ihnen die Nacht durchgearbeitet und nur ein paar Stunden auf der Couch geschlafen – mehr nicht. Der ein oder andere legt den Kopf auf die Tischplatte, fällt über der Tastatur in einen Sekundenschlaf.

Durchgemacht hat dieses Team – mit Koffein im System.

Durchgemacht hat dieses Team – mit Koffein im System.
Leandra Finke/ Gründerszene

Bis 14 Uhr müssen alle Projekte fertig sein. Der Sonntag ist Endspurt-Zeit: Videos werden nun aufgenommen, in denen die Teams ihre Ideen und Lösungen präsentieren. Maximal zwei Minuten darf jedes Video dauern – also präzise, auf den Punkt und ohne Ausschweifungen. Danach liegt alles in den Händen der Jury, die sich aus den Sponsoren des Hackathons zusammensetzt.

Kurz vor der Deadline liegt spürbare Anspannung in der Luft. Tastaturen klappern, Mauszeiger fliegen über Bildschirme, Gruppen diskutieren noch letzte Details. Viele arbeiten bis zur allerletzten Minute, reichen ihre Projekte erst kurz vor knapp ein.

„Hast du submittet?“

Und dann: Erleichterung. Schulterklopfen, High-Fives. Stolz mischt sich mit Erschöpfung. Aber: Nicht alle sind pünktlich fertig geworden. Nicht alle haben ihr Projekt eingereicht.

Eine Stunde gilt es nun zu überbrücken bis zur Bekanntgabe der Finalisten. Die Jury zieht sich zurück – insgesamt 27 Projekte gilt es zu bewerten. Bewertet werden Kreativität und technische Komplexität. Bonuspunkte gibt es für den effektiven Einsatz von Partnertechnologien.

Manche nutzen die Stunde Freizeit, um frische Luft zu schnappen und machen einen kurzen Abstecher zur Dönerbude an der nächsten Straßenecke. Andere wiederum suchen Ablenkung im Ping-Pong-Turnier.

Ping-Pong oder lieber ein kurzer Power-Nap?

Ping-Pong oder lieber ein kurzer Power-Nap?
Leandra Finke/ Gründerszene

Das Finale

Gegen 15.30 Uhr startet schließlich die Finalistenrunde: Drei Teams werden aufgerufen und haben jeweils fünf Minuten Zeit, ihre Hackathon-Projekte auf der Bühne vor allen zu präsentieren. Es wird laut geklatscht und anerkennend genickt.

Die Sidequest des Sponsors Arbio hat dieses Team für sich entschieden.

Die Sidequest des Sponsors Arbio hat dieses Team für sich entschieden.
Leandra Finke/ Gründerszene

Das Rennen um den Hauptpreis macht schließlich Team „MedAccura“ unter der Leitung von Tim Schwarz, einem Arzt, der den Alltag in Kliniken bestens kennt. Es ist sein zweiter Hackathon.

Seine Idee: einen AI-Agenten für Health-Tech entwickeln. Das Problem: Ärzte begegnen täglich einer Vielzahl an Patienten mit den unterschiedlichsten Krankheitsbildern und Vorerkrankungen, sagt er. Gleichzeitig müssen sie ständig auf dem neuesten Stand der medizinischen Leitlinien sein – PDFs, die mehrere hundert Seiten umfassen, erklärt Schwarz. Eine kaum zu bewältigende Herausforderung im stressigen Klinikalltag.

Die Lösung von MedAccura: ein System, in das alle Leitlinien-PDFs eingespeist werden, sodass Ärzte per Schnellsuche und mithilfe von OpenAI/ChatGPT gezielt auf relevante Passagen zugreifen können.

Gewinner und Sponsoren des ersten AI-Hackathons 2026 im Delta Campus.

Gewinner und Sponsoren des ersten AI-Hackathons 2026 im Delta Campus.
Tech Europe/ Job Vernik

Die Jury lobt: „Dieses Projekt zeichnet sich durch eine große technische Tiefe aus und wurde in kürzester Zeit realisiert. Es hat wirklich großartige Ergebnisse erzielt, die die Welt zu einem besseren Ort machen können, insbesondere Krankenhäuser.“ Das Team will das Projekt weiter verfolgen und sich auch nach dem Event wiedersehen, um zu prüfen, ob ihre Lösung in der Praxis funktionieren könnte.

Mit diesen Worten wird der Hackathon offiziell beendet. Die Jury ergänzt zum Abschluss: „Wir sind von euch allen sehr beeindruckt.“





Source link

Weiterlesen

Beliebt