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GPT-5.6 ist da – doch die KI-Branche gerät unter Druck


Die Schlagzeilen der vergangenen Tage zeigen: Die KI-Branche steht vor neuen Herausforderungen. OpenAI stellt zwar überraschend eine komplett neue Modellfamilie vor, muss den Roll-out von GPT-5.6 jedoch unter besonderen Bedingungen starten. Anthropic darf das Spitzenmodell Mythos 5 wieder eingeschränkt freigeben, Claude Fable 5 bleibt jedoch weiterhin gesperrt. Und bei Google wird deutlich, dass inzwischen selbst die größten KI-Unternehmen an die Grenzen der verfügbaren Rechenleistung stoßen.

Gute Nachrichten: OpenAI hat GPT-5.6 offiziell vorgestellt und liefert sogar mehr als erwartet. Statt lediglich GPT-5.6 und GPT-5.6 Pro zu veröffentlichen, präsentiert das Unternehmen mit Sol, Terra und Luna eine komplett neue Modellfamilie.

Der Start erfolgte allerdings unter ungewöhnlichen Bedingungen. Doch OpenAI ist nicht das einzige KI-Unternehmen, das derzeit vor großen Herausforderungen steht. Auch Anthropic und Google kämpfen mit Entwicklungen, die weit über den Wettbewerb um die leistungsfähigsten Modelle hinausgehen. Während die US-Regierung immer stärker Einfluss auf die Veröffentlichung und den Zugang zu leistungsfähigen KI-Modellen nimmt, erschweren knappe Rechenkapazitäten zugleich deren Entwicklung und Roll-out.

OpenAI bestätigt gestaffelten Start von GPT-5.6

Mit der offiziellen Vorstellung von GPT-5.6 bestätigt OpenAI den bereits angekündigten gestaffelten Roll-out. Zunächst erhalten ausgewählte vertrauenswürdige Personen Zugriff auf die Modelle. In den kommenden Wochen soll GPT-5.6 schrittweise in ChatGPT, Codex und der API für weitere Nutzer:innen verfügbar werden. Das Unternehmen betont jedoch, dass dieses Verfahren lediglich eine Übergangslösung sei und in Abstimmung mit der US-Regierung erfolge.

Der ungewöhnliche Start hatte bereits vor dem Launch für Diskussionen gesorgt. Dass OpenAI GPT-5.6 gestaffelt veröffentlicht und zunächst nur ausgewählten, von der US-Regierung genehmigten Personen Zugriff gewährt, hängt mit der neuen KI-Politik der USA zusammen. Anfang Juni unterzeichnete US-Präsident Donald Trump einen Präsidialerlass (Executive Order), der Entwickler:innen leistungsfähiger KI-Modelle zu einer freiwilligen staatlichen Sicherheitsprüfung vor der Veröffentlichung auffordert. Aus Sicht vieler Beobachter:innen entwickelt sich die eigentlich freiwillig angekündigte Sicherheitsprüfung nach den jüngsten Entwicklungen zunehmend zu einem Verfahren, bei dem US-Behörden über den Zugang zu neuen Frontier-Modellen mitentscheiden.


GPT-5.6:
OpenAIs neues KI-Modell wohl vor dem Start
– aber nicht für alle

OpenAI Branding
Das neue OpenAI Branding vor Fotografie, © OpenAI

Sol, Terra und Luna: Das steckt hinter der neuen Modellfamilie

Mit dem Launch von GPT-5.6 hat OpenAI außerdem eine überraschende Neuerung angekündigt. Statt lediglich GPT-5.6 und GPT-5.6 Pro zu veröffentlichen, führt das Unternehmen erstmals eine Modellfamilie mit drei festen Leistungsklassen ein: GPT-5.6 Sol, GPT-5.6 Terra und GPT-5.6 Luna.

Sol ist das neue Flaggschiff für besonders anspruchsvolle Aufgaben und erzielt nach Angaben von OpenAI neue Bestwerte bei agentischen Coding Workflows sowie Verbesserungen bei biologischen Analysen und Cybersecurity-Aufgaben. Terra soll eine mit GPT-5.5 vergleichbare Leistung zu rund der Hälfte der Kosten bieten, während Luna auf schnelle und kostengünstige Anwendungen ausgelegt ist.

Ergänzt wird die neue Generation durch einen Max Reasoning Effort, der Sol mehr Zeit für komplexe Denkprozesse gibt, sowie einen Ultra Mode, bei dem mehrere Subagents parallel besonders anspruchsvolle Aufgaben bearbeiten. Nach Angaben von OpenAI arbeiten die neuen Modelle effizienter arbeiten und teilweise weniger Tokens benötigen als ihre Vorgänger:innen.

Zum Launch verschärft OpenAI außerdem die Sicherheitsvorkehrungen. Nach Unternehmensangaben investierte das Unternehmen mehr als 700.000 GPU-Stunden in automatisierte Tests, um Jailbreaks und Schwachstellen bereits vor der Veröffentlichung aufzuspüren. Zusätzliche Echtzeitprüfungen und weitere Schutzmechanismen sollen insbesondere den Missbrauch der Modelle für sensible Cyber-Anfragen erschweren.

Anthropic darf Mythos 5 eingeschränkt freischalten

OpenAI ist jedoch nicht das erste KI-Unternehmen, dessen Modellveröffentlichung unmittelbar von Eingriffen der US-Regierung betroffen ist. Vor kurzer Zeit musste auch Anthropic den Zugang zu Claude Mythos 5 und Claude Fable 5 nach einer Anordnung der US-Regierung einschränken.

Die beiden Modelle gehören zur neuesten KI-Generation von Anthropic. In verschiedenen Benchmarks erreichen sie Spitzenwerte und zählen insbesondere bei agentischen Coding-Aufgaben sowie im Bereich Cybersecurity zu den leistungsfähigsten KI-Modellen am Markt. Anthropic hatte die Modelle selbst bereits mit außergewöhnlich strengen Sicherheitsvorkehrungen veröffentlicht und vor den Cybersecurity-Fähigkeiten der Mythos-Klasse gewarnt. Der US-Regierung gingen diese Maßnahmen jedoch nicht weit genug. Sie befürchtete, dass die Modelle nach einem erfolgreichen Jailbreak auch für Cyberangriffe missbraucht werden könnten.

Inzwischen darf Anthropic Claude Mythos 5 wieder für einen kleinen Kreis von der US-Regierung ausgewählter vertrauenswürdiger Personen freischalten. Dabei handelt es sich nach Informationen auf tagesschau.de vor allem um Cybersicherheitsunternehmen. Voraussetzung dafür waren zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, die Anthropic gegenüber dem US-Handelsministerium nachweisen musste. Wie auch heise online berichtet, erfolgte die Freigabe per Schreiben von US-Handelsminister Howard Lutnick.

Claude Fable 5 bleibt dagegen weiterhin gesperrt. Warum das Modell bislang nicht ebenfalls freigegeben wurde, haben weder Anthropic noch die US-Regierung erläutert.


Claude Fable 5 und Claude Mythos 5:
Jetzt kommen die gefährlichen KI-Modelle

beigefarbener Hintergrund, Schmetterlinge in Form einer Fünf im Vordergrund
© Anthropic via Canva

Google zeigt: Selbst Big Tech stößt an Grenzen

Während OpenAI und Anthropic derzeit vor allem regulatorische Hürden bewältigen müssen, zeigt sich bei Google ein anderes Problem: Selbst die größten KI-Unternehmen können die Nachfrage nach leistungsfähigen Modellen derzeit nicht vollständig bedienen.

Google kann Meta nicht genügend Gemini-Kapazität bereitstellen

Wie die Financial Times unter Berufung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, teilte Google Meta bereits im März mit, nicht die gesamte angefragte Gemini-Kapazität bereitstellen zu können. Die Begrenzungen sollen mehrere interne KI-Projekte Metas verzögert haben. Außerdem wurden Meta-Mitarbeitende dazu angehalten, sparsamer mit AI Tokens umzugehen.

Von den Einschränkungen sollen zwar auch andere Google-Kund:innen betroffen sein, allerdings in deutlich geringerem Maße. Meta trifft der Engpass den Berichten zufolge besonders stark, da der Konzern außergewöhnlich viel Rechenkapazität für Googles Gemini-Modelle nachfragt.

Meta braucht Gemini trotz eigener KI-Modelle

Die Einschränkungen zeigen zugleich, dass Meta trotz eigener KI-Modellfamilien wie Llama und des jüngsten KI-Modells Muse Spark für bestimmte Anwendungen weiterhin auf Modelle der Konkurrenz angewiesen ist. Wie die Financial Times berichtet, entschied sich der Konzern zunächst für Gemini, weil das Modell in internen Tests besser abschnitt als die eigenen Open-Source-Modelle der Llama-Reihe. Inzwischen nutzt Meta Gemini unter anderem für Sicherheitsprozesse, Coding und weitere interne KI-Workflows.

Langfristig will sich der Konzern jedoch unabhängiger von externen KI-Modellen machen. Mit Muse Spark priorisiert Meta zunehmend ein eigenes Modell und investiert parallel massiv in den Ausbau der KI-Infrastruktur. Da der Konzern – anders als Google – kein eigenes Cloud-Geschäft betreibt, baut er Rechenkapazitäten für das Training und den Betrieb der eigenen KI-Modelle selbst auf. Bis 2028 sollen dafür nach Konzernangaben 600 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren und KI-Infrastruktur in den USA fließen.

Compute wird zum knappsten Gut der KI-Branche

Die Entscheidung von Google, die verfügbare Gemini-Kapazität für Meta zu begrenzen, zeigt den wachsenden Infrastrukturdruck in der gesamten KI-Branche. Trotz milliardenschwerer Investitionen in Chips, Rechenzentren und Energie fällt es selbst den größten Tech Playern zunehmend schwer, genügend Rechenleistung bereitzustellen, um die rasant steigende Nachfrage nach leistungsfähigen KI-Modellen und -Diensten zu decken.

Um künftigen Engpässen bei der Rechenleistung vorzubeugen, sicherte sich Google kürzlich zusätzliche Compute-Kapazitäten. Dafür schloss das Unternehmen Anfang des Monats unter anderem einen Leasingvertrag mit SpaceX über 920 Millionen US-Dollar pro Monat ab, um zusätzliche Rechenleistung anzumieten. Einen ähnlichen Schritt ging zuletzt auch Anthropic: Das KI-Unternehmen hinter Claude vereinbarte im vergangenen Monat ebenfalls eine Kooperation mit SpaceX, um zusätzliche Compute-Kapazitäten zu sichern.

Im Wettlauf um KI entscheidet damit zunehmend nicht mehr nur die Qualität der Modelle, sondern auch, wer sie in ausreichendem Umfang bereitstellen kann.


Neues KI-Modell für Meta:
Muse Spark revolutioniert die Meta AI

Zwei Smartphone Mockups mit Meta Ai und Visuals sowie Text darauf, heller Hintergrund
© Meta via Canva

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Social-Media-Verbot: Australien verdoppelt die Strafen


Das eSafety Team Australiens untersucht nach Regierungsangaben derzeit aktiv etwaige Zuwiderhandlungen bei der Einhaltung der Regeln auf den Plattformen Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube.

Umstrittene Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche auch in anderen Ländern

Dass die Tech-Konzerne jetzt in der Verantwortung dafür stehen, junge Menschen aktiv zu schützen, fordert auch das Vereinigte Königreich ein. Dort wird ein Verbot für Jugendliche bis 16 Jahre eingeführt, das besonders strikt ist. Das UK hat sich, wie viele andere Länder, darunter Griechenland und Spanien, ein Vorbild an Australien genommen.

Australia’s landmark social media reform to protect young people online has started a global movement with countries across the world following Australia’s lead,

heißt es auf der Website der australischen Regierung. Es gibt durchaus eine Bewegung, die Social-Media-Verbote für junge User aufgrund der Gefahren und Beeinflussungen auf diesen Plattformen in immer mehr Regionen vorsieht. Der just zurückgetretene britische Premierminister Keir Starmer sagte, die Social-Media-Konzerne hätten in der Vergangenheit nicht genug getan, um junge User zu schützen:

This is a line in the sand. Tech giants had their chance and failed, but we’re stepping in to protect children, back parents and set a new normal for future generations.

Konzerne und Unternehmen wie Snapchat, Meta und YouTube warnen in Bezug auf entsprechende Verbote vor der Folge, dass Kinder und Jugendliche durch den Bann vermehrt in unsicheren Digitalräumen unterwegs sein könnten. Gegenüber der BBC erklärte YouTube per Statement:

Blanket bans push kids out of such curated, supervised, beneficial experiences [gemeint ist YouTube, Anmerkung der Redaktion] and towards anonymous, less safe services.

Auch Meta sieht ein Risiko dieser Art. Tatsächlich sekundieren einige Betroffene aus Australien diese Bedenken. Gegenüber The Guardian gaben manche Eltern an, dass die Kontrolle der rezipierten Inhalte teilweise noch schwieriger geworden sei. Gleichzeitig sei es für techaffine junge Menschen auch möglich, die Restriktionen zu umgehen – aber für diese Missachtung des Verbots haften nicht die User, sondern Plattformen. Einige Betroffene zeigen sich indes überzeugt vom Verbot und hoffen gerade auf langfristig positive Effekte für die jungen Menschen, während andere monieren, dass ihre Kinder durch das Verbot weniger mit einigen Freund:innen interagieren oder sich ausgeschlossen fühlen.

Obschon es vonseiten einiger Eltern und Tech-Unternehmen den Einwand gibt, dass vollumfängliche Verbote weniger befürwortet werden als dedizierte Kontrollen – Snapchat zählt zu diesen Unternehmen und hat kürzlich neue Regeln für User unter 16 Jahren eingeführt –, sind die Regierungen des UK und Australiens kompromisslos.

Deutschland denkt an Verbot bis 13: Umsetzung in der Schwebe

In Deutschland zeigte eine repräsentative Umfrage von YouGov aus dem November 2024, dass 57 Prozent der Befragten im Land ein Mindestalter von 16 Jahren für soziale Medien befürworten. 16 Prozent sprachen sich sogar für ein Mindestalter von 18 Jahren aus. Seither haben sich verschiedene Personen des öffentlichen Lebens und Organisationen zu einem möglichen Verbot geäußert. Der Deutsche Ethikrat hat auf Anfrage der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner allerdings ein Verbot abgelehnt. Ein solches würde nicht alle Probleme lösen und könne noch neue verursachen. Stattdessen empfiehlt der Rat ein „differenziertes Schutzkonzept“ samt Aktualisierung des Jugendschutzrechts. Problematisch ist in diesem Kontext zum Beispiel, dass es noch keine gesonderten Ausführungen im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder zur Nutzung von KI gibt. Während die Eltern weiterhin die Erziehungshoheit behalten sollten, auch im Digitalraum, fordert der Rat mehr Schutzmechanismen und die Einziehung der Kinder und Jugendlichen als Betroffene.

Die Bundesfamilienministerin Karin Prien von der CDU hat hingegen jüngst ein Verbot bis 13 Jahre vorgeschlagen. Die unabhängige Expert:innenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“, eingesetzt von Karin Prien, hat kürzlich 56 Handlungsempfehlungen vorgelegt, die sich mit dem Kinder- und Jugendschutz im digitalen Zeitalter befassen. Darin wird aber eher auf eine EU-weite Lösung zur Altersbeschränkung hingewiesen, während ein grundsätzliches Verbot in Deutschland nur als Notlösung gilt. Eine gesetzliche Mindestaltersgrenze von 13 Jahren soll aber im Fokus stehen.

Der Balanceakt zwischen geschützter Teilhabe der jungen Menschen – die ja viele andere neben Entertainment auch News und Trends, Bildung und Aufklärung via Soical Media erfahren können – und strengen Restriktionen wird in Deutschland und in der EU weiterhin ein heiß diskutiertes Thema bleiben; umso mehr, da der Digitalraum mit seinen sozialen Plattformen ein Kernelement zeitgemäßer Kommunikation ist. Eine Timeline für eine Lösung in Deutschland gibt es noch nicht. Klar ist aber, dass auch hier die Konzerne mehr in die Verantwortung gezogen werden sollen.


Die krasse Konsequenz:

Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige im UK

Person vor Laptop mit Text zum Social-Media-Verbot und Person am Smartphone auf dem Screen
© UK Government via Canva

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