Künstliche Intelligenz
Missing Link: Amiga40 – Rückblick auf die Geburtstagsmesse
In den Achtzigern war der Commodore 64 der Star unter den Heimcomputern. Doch die größte Fangemeinde versammelt sich heute um seinen Nachfolger: den Amiga. Er brachte vieles, was uns heute selbstverständlich erscheint – eine graphische Oberfläche namens Workbench, Maus-Steuerung, später sogar CD-ROM und Festplatten. Und natürlich: beeindruckende Musik, Grafik und Animation.
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Die Spiele sind komplexer und unterscheiden sich graphisch kaum von heutigen Indie-Spielen, meint Dennis Pauler vom Streaming-Projekt Virtual Dimension. Die Amiga40 sind für ihn eine alternative Zeitlinie, welche an die zweite Hälfte der neunziger Jahre anknüpft.

Das war auch die Motivation des Organisators Markus Tillmann. Er dachte gern an die einstigen Amiga-Messen in Köln zurück. Als vor zehn Jahren der 30. Geburtstag des Amigas nahte, entstand die Idee eines Treffens. Zunächst nur für die Community. Dann wurde der Gedanke größer gefasst; und am Ende lud die Amiga30-Party ins Rheinische Landestheater Neuss.
Zehn Jahre später ist daraus eine eindrucksvolle Mischung aus Fachmesse, Community-Treff und Tagung erwachsen – verteilt auf zwei Hallen. NRW, die Wiege der deutschen Heimcomputer-Szene, bietet dafür den passenden Rahmen. Viele der Aussteller sind seit Jahrzehnten dabei. Im Zentrum: Factor 5, die Macher von „Turrican“, dem zweifelsohne beliebtesten Amiga-Spiel. „Lemmings“ und „Monkey Island“ hin oder her.
Schwindelnde Vielfalt
Amiga ist nicht gleich Amiga. Die Plattform wurde und wird stetig weiterentwickelt. Alles ist austauschbar. Gehäuse, Tastatur, Prozessor. Die Vielzahl an Angeboten und Möglichkeiten der Erweiterung verwirrt Einsteiger und Wiederkehrer.
Der Amiga 500 von 1987 hat in der Grundausstattung 512 KB RAM; spätere Spiele wie „Monkey Island“ oder „Wing Commander“ verlangen nach 1 MB. Ein nächster Schritt ist die „advanced“ AGA-Graphik (Advanced Graphics Architecture) ab dem Amiga 1200. Die Konsolen CDTV (1991, ohne AGA) und CD32 (1993, mit AGA) führen die CD ein.
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Was fehlt: In der rapiden Technikwelt häufig die Zeit, die vielen News und Hintergründe neu zu sortieren. Am Wochenende wollen wir sie uns nehmen, die Seitenwege abseits des Aktuellen verfolgen, andere Blickwinkel probieren und Zwischentöne hörbar machen.
1994 meldete Commodore Insolvenz an. Die Rechte wanderten zu Escom, zu Gateway 2000 und schließlich zu Amino Development – die sich in Amiga Inc. umbenannten. Zu den Früchten dieser Odyssee gehörte 2002 der zeitgemäße Nachfolger AmigaOne. Er arbeitet mit AmigaOS 4; unter der Haube steckt ein PowerPC-Prozessor. AmigaOne heißen neue Amigas bis heute; das aktuelle Modell ist der AmigaOne A1222.
Damit nicht genug, es existieren jede Menge Alternativen. Man kann seinen Amiga z.B. mit einer Turbo-Karte wie Vampire oder PiStorm aufrüsten. Oder auf eine Software-Emulation wie AmiKit setzen, die eine Amiga-Umgebung auf neuer Hardware nachbildet. Auch mit Disketten muss man heute nicht mehr hantieren, dank USB-Emulatoren wie Gotek.
Um für alles einen passenden Rahmen zu finden, kommt die britische Firma iMica ins Spiel. Sie produziert unter dem Markennamen CheckMate alternative Gehäuse für den Amiga und andere Rechner. Flagschiff ist ein für Retro-Systeme entwickelter Monitor, 4:3, mit zahlreichen Anschlüssen von HDMI bis Cinch. Der Clou: Der Monitor hat Schächte für Erweiterungen, sogenannte Pods, für zusätzliche Anschlüsse bis hin zu kompletten Systemen etwa auf der Basis eines Raspberry Pi. Der deutsche Vertrieb ist der Dragonbox Shop.
Neue Gadgets
Am Stand von Alinea Computer besonders gefragt war der PowerShark, ein USB-Adapter für die Stromversorgung als Ersatz für das sperrige Netzteil. Ebenfalls beliebt war der MAS Player, ein Steckmodul für die Parallel-Buchse, um MP3-Dateien mit dem Amiga abzuspielen.
MP3 war auch ein Thema beim Solo-Entwickler Gregor Schillinger aka RetroArts: Er präsentierte eine Remastered-Version seines Fantasy-Adventures „Evil Dungeon“ für den C64 mit Sprachausgabe. Möglich macht es der neue FunMP3-Player, ein Steckmodul, das Samples von einer Micro-SD-Karte abspielt – steuerbar mit einfachen BASIC-Befehlen.
Leichter Start mit einer Minikonsole
Der einfachste Zugang ist eine preiswerte Fertiglösung auf der Basis eines Raspberry-ähnlichen Systems; im Fahrwasser der vielen Minikonsolen, die eine Reihe eingebauter Spiele emulieren. Ein Vorteil ist der HDMI-Anschluss für moderne Fernseher. Etwa der beliebte The A500 Mini von Retro Games Ltd., der rein auf Spiele ausgelegt ist. Oder The 1200 mit „richtiger“ Tastatur, der für Sommer 2026 angekündigt ist. Oder der A600 GS von AmigaKit Ltd., der mit dem Emulator Amiberry und mit der Workbench-Alternative AmiBench ausgestattet ist und sich eher an Tüftler richtet.
Streit um die Rechte
Überschattet und gebremst werden Entwicklungen durch den ewigen Streit um die Rechte am Betriebsystem, dem AmigaOS. Es umfasst die Firmware KickStart und die graphische Oberfläche Workbench. Bereits in den neunziger Jahren sicherte sich Cloanto Rechte für sein Emulator-Paket Amiga Forever (für Windows, Mac und Linux); später startete Hyperion mit der Weiterentwicklung von AmigaOS. Beide Parteien liegen sich in den Haaren. Wer welche Rechte genau hat, ist unklar; aber grob beansprucht Cloanto die Rechte für die klassischen Amiga-Systeme bis 1993, bis AmigaOS 3.1; Hyperion die Weiterentwicklungen von AmigaOS 3 sowie AmigaOS 4 für den PowerPC.
Das hat viele Konsequenzen. Akteure der Amiga-Szene müssen Markenrechte beachten; Anwender benötigen Nutzungsrechte für AmigaOS; und die Weiterentwicklung von AmigaOS ist quälend langsam, weil Hyperion alleiniger Entwickler ist – mit angezogener Handbremse, weil der Markt für ein Amiga-Betriebssystem klein ist. Zumal es Alternativen zu AmigaOS wie MorphOS und AROS gibt, die einen Teil der Nutzer ansprechen.
Neue Spiele
An neuen Spielen gibt es keinen Mangel. An erster Stelle zu nennen ist natürlich „Die Siedler II“, das pünktlich zur Amiga40 veröffentlicht wurde. Es gleicht nach 30 Jahren die Ungerechtigkeit aus, dass Teil 1 zunächst für den Amiga entwickelt wurde – aber Teil 2 nicht einmal mehr für die Plattform erschien. Auf einem Ur-Amiga läuft das Spiel heute allerdings auch nicht. Nötig ist ein Rechner mit AGA-Chipsatz und mindestens einem 68040-Prozessor. Publisher ist der Buchverlag Look Behind You, der dafür von Ubisoft die Rechte erwarb. Für die Umsetzung konnte der erfahrene Entwickler Steffen Häuser gewonnen werden, der bereits Spiele wie „Heretic II“ und „Quake“ für den Amiga umsetzte. Grundlage für Code und Assets ist die Mac-Version.
Eine der gefragtesten Neuerscheinungen war das Taktikspiel „Roguecraft“: die Box-Version war nach wenigen Stunden ausverkauft. Etwas still war es zuletzt um das vor einigen Jahren angekündigte Remake des „Software Manager“. Nun wurde eine spielbare Version gezeigt; noch in diesem Jahr soll sie erscheinen.
Neu erschienen ist zudem „Freak Out“, eine Variante von „Breakout“. Entwickelt hat es Michael Kafke. Nach der Fertigstellung seines vor mehr als 30 Jahren begonnenen „ASM – Das Computerspiel“ ist er offenbar auf den Geschmack gekommen.
Ebenfalls neu ist das putzige Jump’n’Run-Spiel „Phantom Leap“ von HooGames2017. Beide und viele andere Spiele sind in einer Sammler-Schachtel erhältlich, mit Handbuch und Datenträger, der je nach Spiel eine Diskette oder eine CD sein kann. Manchmal werden eine Soundtrack-CDs, ein Poster, Postkarten und ähnliches dazugegeben.
Zeitschriften für den Amiga
Denn das Print tot ist, weiß man in der Retro-Szene nicht. Neben den Zeitschriften RETURN und Retro Gamer hatte das rührige Amiga Germany Fan’zine (im A5-Format) einen Stand. Das französische Magazin Boing stellte eine doppelt so dicke Sonderausgabe zum runden Amiga-Geburtstag vor, die erstmals auf Englisch erhältlich ist. Und natürlich war die Amiga Future dabei. Die Zeitschrift wird seit Ewigkeiten durch eine ehrenamtliche Redaktion rund um Andreas Magerl betrieben. Zur Amiga40 gab es wieder eine Sonderausgabe; und alte Hasen wissen, dass darin Lizenz-Codes für die jeweils aktuellen Ausgaben der Emulator-Pakete Amiga Forever und C64 Forever im Wert von knapp 60 Euro enthalten sind. Frisch erschienen war auch eine Doppel-DVD mit einer Dokumentation, Interviews und Aufzeichnungen von Diskussionen zur vorigen Amiga38. Für die Amiga40 ist eine DVD in Arbeit.
Frisch aus der Druckerei kam eine neue Ausgabe des Amiga Joker. Die Zeitschrift erschien bis 1996 und wurde nach zwei Jahrzehnten Pause 2017, 2019 und nun 2025 für das Amiga-Festival mit Erinnerungsheften wiederbelebt. Federführend ist Richard Löwenstein, der bereits damals Chefredakteur war. Gleich daneben: eine ebenso frische Ausgabe der ASM. Das legendäre Spielemagazin, das von 1986 bis 1995 erschien, wird seit 2023 von Fans jährlich neu herausgegeben.
Für ihr langjähriges Engagement erhielt die Amiga Future einen der vier Community Awards; neben dem Pistorm-Team für die beste Hardware, dem AmigaOS-Team für die beste Software und an die Entwickler von „Die Siedler II“ für das beste Spiel.
Auch Bücher hatten ihre Premiere auf der Amiga40. Der Verlag Microzeit stellte „REDO FROM START“ vor. Es enthält Interviews mit Spiele-Designern der frühen achtziger Jahre aus USA and Japan. Das Vorhaben wurde über eine Kickstarter-Kampagne vorfinanziert. Ein zweiter Teil mit Entwicklern aus Deutschland und Kanada soll folgen. Hans Ippisch, einst Chefredakteur der Zeitschrift Amiga Games, wählte gezielt die Amiga40 als Erscheinungsdatum seiner Autobiografie „Drei Leben für Games“ (als Entwickler, als Medienschaffender und in der Industrie).
Sammelkarten-Fieber
Er ist einer der 20 Ehrengäste, die auf einer Sammelkarte gewürdigt wurden, neben dem Komponisten Chris Huelsbeck („Turrican“), dem Streamer Amiga Bill und Juergen Goeldner, Gründer der Publisher Rushware und Softgold. Die Karten lagen an den verschiedensten Ständen aus, wurden rege getauscht, mit Unterschriften versehen – und gaben stetigen Gesprächsstoff, wo welche Karte zu finden war.
Eine Ausstellung zahlreicher Amiga-Modelle und Prototypen war der erste Auftritt des geplanten Commodore Werksmuseum 2.0. Der Sammler Mario Schweder rettete einen Großteil der Exponate des Ende 2024 geschlossenen Werksmuseums in Braunschweig. Nun bemüht er sich um eine erneute Dauerausstellung – eben als Werksmuseum 2.0. Ihm zur Seite steht Petro Tyschtschenko, der damals leitende Positionen bei Commodore Deutschland und später Amiga Technologies innehatte und umfangreiches Schriftgut wie Verträge aufbewahrt.
Ein wildes Gebilde aus Leiterplatten war leicht zu übersehen: Lorraine, der Prototyp des ersten Amiga-Computers, wie er 1984 auf der CES ausgestellt wurde, gelangte zum ersten Mal nach Deutschland. Mitsamt einigen Entwicklern von damals. Sie genießen die Hingabe der Besucher zu dem Kult-Computer: In Deutschland sind die Amiga-Liebhaber besonders treu.
Ob die Veranstaltung weitergeführt wird, lässt sich der Organisator angesichts des enormen Aufwands für das ehrenamtliche Team offen. Ohnehin fand sie nicht jedes Jahr statt: Nach der Amiga30 kamen die 32 und 34, die Corona-Jahre, die 37, die 38 und nun die 40. Vielleicht lässt man sich die ikonische Zahl 42 nicht entgehen; das wäre in zwei Jahren 2027. Gesetzt ist allerdings der Termin für die kleine Schwester: Die ARC – Amiga Ruhrpott Convention in Duisburg findet zum vierten Mal am 16. Mai 2026 statt.
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(nen)
Künstliche Intelligenz
VR-Brillen auf der CES 2026: Angriff der Leichtgewichte
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Goertek zählt zu den wichtigsten Fertigungspartnern der VR-Branche und ist als Zulieferer und Hersteller für Unternehmen wie Apple, Meta und Sony tätig.
Auf der CES 2026 präsentiert das chinesische Unternehmen ein Referenzdesign für Hardware-Hersteller, das einen Ausblick auf Größe und Gewicht kommender VR-Brillen gibt.
Das Gerät wiegt etwa 100 Gramm und integriert zwei 4K-OLED-Mikrodisplays mit Pancake-Linsen, die ein Sichtfeld von 100 Grad bieten, Passthrough-Funktionalität sowie Raumtracking in einem ungewohnt kompakten Formfaktor. Da eine eigene Recheneinheit fehlt, setzt das Gerät einen PC als Zuspieler voraus.
Die bereits erhältlichen PC-VR-Brillen Bigscreen Beyond 2 und MeganeX Superlight 8K bewegen sich bei Gewicht und Größe in einem ähnlichen Bereich, setzen jedoch externe Tracking-Hardware voraus. Dass der weltweit größte VR-Brillenfertiger ein massenproduzierbares Referenzdesign präsentiert, ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich der Trend zu besonders kompakten Formfaktoren in diesem Jahr verfestigt.
Mit Geräten wie Meta Quest 3 und Apple Vision Pro, die über 500 Gramm wiegen, lässt sich Goerteks Referenzdesign nur bedingt vergleichen, da diese Geräte Prozessor, Kühlung und – im Fall von Metas Produkt – auch die Batterie im Gehäuse enthalten.
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(Bild: Goertek)
Allerdings zeichnet sich bereits eine neue Generation autarker Geräte ab, die diese Komponenten in einen kabelgebundenen Taschencomputer auslagert und damit einen mit Goerteks Referenzdesign vergleichbaren Formfaktor erreichen wird. Erste Geräte dieser Art werden von Pico und Meta erwartet.
VR-Leichtgewichte von Pimax und Play for Dream
Neben Goertek stellen zwei weitere chinesische Hersteller schlanke PC-VR-Geräte auf der CES aus. Pimax präsentiert die neue Produktreihe Pimax Dream Air mit OLED-Mikrodisplays und Pancake-Linsen. Sie erscheint in mehreren Ausführungen, die unter 200 Gramm wiegen, und kann bereits vorbestellt werden. Die Auslieferung der ersten Geräte beginnt laut Pimax Ende des Monats.

Außergewöhnlich dünn und leicht: Der VR-Prototyp von Play for Dream.
(Bild: Youtube-Kanal VoodooDE)
Wie weit die technische Verdichtung gehen kann, demonstriert der VR-Brillenhersteller Play for Dream mit einem ultradünnen Prototyp, der unter 100 Gramm wiegt und ähnlich wie Goerteks Referenzdesign OLED-Mikrodisplays, Pancake-Linsen und Passthrough kombiniert. Ein serienreifes Produkt ist für Ende 2026 geplant.
Möglich machen diese Miniaturisierung mehrere technische Entwicklungen der vergangenen Jahre. Micro-OLED-Mikrodisplays ersetzen allmählich großflächige LCD-Panels und erlauben dank hoher Pixeldichte deutlich kompaktere Displaymodule. Pancake-Linsen wiederum falten den Lichtweg und reduzieren so die notwendige Bautiefe. Im Fall autarker Geräte wird eine Split-Architektur zum Tragen kommen, bei der Recheneinheit und Akku in einen tragbaren Computer ausgelagert werden. Der neue Formfaktor geht allerdings zulasten der Bewegungsfreiheit und des Nutzungskomforts, da ein kabelgebundenes externes Gerät erforderlich wird.
(tobe)
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KI-Update: Grok auf Abwegen, Suizid durch KI?, ChatGPT Health, SleepFM, CES-KI
Groks KI-Bilder von Kindern, EU erhöht den Druck auf X
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Eine KI-Forscherin hat 24 Stunden lang die Antworten von Grok analysiert, dem Chatbot von Elon Musks xAI. Ergebnis: Das System erstellt im Schnitt fast 7000 sexualisierte Deepfakes pro Stunde. Das ist mehr als 80-mal so viel wie auf fünf anderen Plattformen zusammen. Nutzer verlinken einfach ein Foto und fordern den Chatbot auf, die abgebildete Person in Bikini, Unterwäsche oder kurzer Kleidung darzustellen. Grok generiert dann entsprechende Bilder, teilweise auch von Minderjährigen und Kindern.
Das US-Magazin Wired fand heraus, dass auf der eigenständigen Grok-Website noch problematischere Inhalte entstehen. Wer dort Bilder erstellen lässt und auf den Teilen-Button klickt, generiert einen Link, den Google indexiert. Über die Suchmaschine lassen sich diese Inhalte dann finden. Dort erstellt die KI auch komplett nackte Darstellungen und sexuelle Handlungen. Ob es überhaupt Schutzmaßnahmen gegen verbotene pornografische Inhalte gibt, ist unklar. Grok prüft das Alter nicht. Am Freitagmorgen begann Grok damit, Bildgenerierungen abzulehnen. Dafür sei nun ein kostenpflichtiges Abo nötig.

Suizid nach KI-Chats: Google und Character.ai wenden womöglich Urteile ab
Google und Character.ai haben sich außergerichtlich mit Klägern geeinigt, die den Plattformen vorwerfen, Jugendliche zu Selbstverletzung oder Gewalt angestiftet zu haben. In einem Fall soll ein Jugendlicher nach monatelangen Chats mit einem Chatbot, der sich als Figur aus Game of Thrones ausgab, Suizid begangen haben. Die Mutter klagte. Es handelt sich um einen der ersten Fälle in den USA, in denen KI-Unternehmen wegen möglicher psychischer Schäden zur Verantwortung gezogen werden.
Character.ai hat inzwischen reagiert und unter 18-Jährige von der Plattform ausgeschlossen. Google war in die Rechtsstreitigkeiten verwickelt, weil Ex-Mitarbeiter des Konzerns Character.ai gründeten und Google-Technik lizenzierten. Details der Einigung bleiben geheim, auch ob Geld fließt. Die Gerichte in vier US-Bundesstaaten müssen dem Vergleich noch zustimmen.
ChatGPT Health: OpenAI startet KI-Gesundheitsassistent
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OpenAI hat „ChatGPT Health“ vorgestellt, einen separaten Gesundheitsbereich innerhalb von ChatGPT. Der KI-Assistent verknüpft persönliche Gesundheitsdaten mit dem Chatbot und soll Nutzern helfen, medizinische Befunde zu verstehen, Arztbesuche vorzubereiten und Fitnessdaten auszuwerten. Die EU, die Schweiz und Großbritannien sind vorerst ausgeschlossen. Zunächst ist die Funktion nur für eine kleine Gruppe früher Nutzer zugänglich, über eine Warteliste. Laut OpenAI stellen weltweit über 230 Millionen Menschen pro Woche Gesundheitsfragen an ChatGPT.
Das Herzstück ist die Integration mit Apple Health auf dem iPhone. ChatGPT kann auf Daten wie Schritte, Herzfrequenz oder Schlafmuster zugreifen. Fitness-Apps wie MyFitnessPal oder Peloton lassen sich verknüpfen, in den USA auch elektronische Patientenakten. OpenAI verspricht besondere Schutzmaßnahmen: Gesundheitschats werden getrennt gespeichert, mit Verschlüsselung. Die Daten sollen nicht zum Training der KI-Modelle dienen. Konkrete technische Details nennt OpenAI nicht. Warum die EU draußen bleibt: Gesundheitsdaten gelten nach der Datenschutzgrundverordnung als besonders sensibel. Datenübermittlungen in die USA brauchen spezielle Garantien. Würde ChatGPT Health als medizinisches Produkt eingestuft, müsste es die EU-Medizinprodukteverordnung erfüllen. Auch der AI Act könnte zum Problem werden.
SleepFM: KI-Modell sagt Krankheitsrisiken auf Basis von Schlafdaten vorher
Wissenschaftler der Stanford University haben ein KI-Modell entwickelt, das auf Basis von Schlafdaten Krankheitsrisiken vorhersagen soll. Sleep-FM nutzt riesige Datensätze von Schlafaufzeichnungen, um das Risiko für über 130 verschiedene medizinische Erkrankungen vorherzusagen. Trainiert wurde das Modell mit über 585.000 Stunden an Aufzeichnungen aus der Polysomnographie, bei der gleichzeitig Hirnströme, Herzaktivität, Muskelbewegungen und Atmung aufgezeichnet werden.
Das Modell erkennt zuverlässig Risiken für über 130 Erkrankungen. Besonders präzise waren die Vorhersagen für Alzheimer, Prostatakrebs und Diabetes. Damit übertrifft Sleep-FM klassische medizinische Risikofaktoren wie Alter oder den Body Mass Index. Die KI liefert selbst dann verlässliche Daten, wenn ein Sensor ausfällt oder die Aufnahmequalität schwankt. In Kombination mit modernen Wearables wie Smartwatches könnten diese Erkenntnisse bald den Weg aus dem Schlaflabor in den Alltag finden und eine kontinuierliche Gesundheitsüberwachung ermöglichen.

Wie intelligent ist Künstliche Intelligenz eigentlich? Welche Folgen hat generative KI für unsere Arbeit, unsere Freizeit und die Gesellschaft? Im „KI-Update“ von Heise bringen wir Euch gemeinsam mit The Decoder werktäglich Updates zu den wichtigsten KI-Entwicklungen. Freitags beleuchten wir mit Experten die unterschiedlichen Aspekte der KI-Revolution.
Humanoide Roboter auf der CES 2026
Auf der CES 2026 in Las Vegas liegt ein großer Schwerpunkt auf humanoiden Robotern. Auf vielen Messeständen laufen diese Roboter umher, wo sie vor wenigen Jahren noch nach drei Schritten umgefallen wären. Das Thema Physical AI kommt zum Tragen, Bewegungsdaten, mit denen sich solche Roboter trainieren lassen. Nvidia sammelt solche Daten. Das kanadische Start-up Happly Robotics hat ein Eingabegerät für Roboterhände entwickelt, das dem Nutzer über Motoren taktisches Feedback gibt. Er spürt, was der Roboter spürt. Das chinesische Unternehmen Agibot stellt sehr agile Roboter her. Boston Dynamics hat erstmals seinen Atlas-Roboter live vor einem großen Publikum vorgestellt. Hyundai plant, in Zukunft 30.000 solcher Roboter in seinen Fabriken einzusetzen.
Künstliche Intelligenz spielt auch im Automotive-Bereich eine große Rolle. Das niederländische Unternehmen HIA hat Behavioral Maneuvers vorgestellt, die Lenk- und Bremsbewegungen wie beim Menschen ausführen sollen. Grundlage dafür bilden Daten von Millionen von Fahrzeugen. Bosch verfolgt einen ähnlichen Ansatz mit seiner Software Vehicle Motion Management. Sie steuert Bremse, Lenkung, Antrieb und Fahrwerk so, dass Rollbewegungen in Kurven und Nick-Bewegungen beim Stop-and-Go-Verkehr vermieden werden. Das soll Reiseübelkeit mindern. Das US-Startup iMogul integriert ChatGPT in seine gleichnamige App, um Drehbücher zu analysieren, Zusammenfassungen zu erstellen und passende Regisseure und Schauspieler vorzuschlagen. Die App soll Autoren mit Produzenten vernetzen.
AMD zeigt riesige Chipkonstrukte Epyc Venice und Instinct MI455X
AMD hat mit einem neuen KI-Beschleuniger eines der weltweit größten Chipkonstrukte entwickelt. Insgesamt 12 Compute- und I/O-Chiplets sowie 12 Speicherstapel ergeben einen Chipverbund, der etwa so groß ist wie die Hand von AMD-Chefin Lisa Su. Bei Hardware für Rechenzentren folgt AMD immer mehr Nvidias Vorgehensweise. AMD entwirft das eigene Server-Design Helios mit möglichst viel eigener Hardware: Epyc-Prozessoren aus der neuen Venice-Generation, Instinct-MI455X-Beschleuniger, und Netzwerktechnik der übernommenen Firma Pensando.
Venice mit 256 CPU-Kernen nutzt etwa 20 Quadratzentimeter Siliziumfläche, der KI-Beschleuniger noch mehr. Die Chiplets entstehen mit 2- und 3-Nanometer-Technik von TSMC. Damit kommt die MI455X auf 320 Milliarden Transistoren. Die Chipspezifikation hält AMD bislang geheim. Die MI455X hat 12 HBM4-Stapel mit einer Gesamtkapazität von 432 GByte und einer gebündelten Übertragungsrate von fast 20 TByte pro Sekunde. Damit überholt AMD selbst Nvidias aktuellen Blackwell Ultra. Dessen Steckenpferd ist allerdings der fortschrittliche Software-Stack. Ob AMD dagegen ankommen kann, zeigt sich später im Jahr.
Shopping im Chat: Microsoft und Stripe machen Copilot zur Kasse
Microsoft und der Zahlungsdienstleister Stripe integrieren eine direkte Einkaufsfunktion in den KI-Assistenten Copilot. Nutzer in den USA können künftig Waren von ausgewählten Händlern erwerben, ohne das Chat-Fenster zu verlassen. Zum Start beteiligen sich Plattformen wie Etsy sowie Einzelhändler wie Urban Outfitters. Technisch basiert die Funktion „Copilot Checkout“ auf dem „Agentic Commerce Protocol“, einem offenen Standard für den KI-gestützten Handel, den Stripe mitentwickelt hat. Das System ermöglicht es KI-Agenten, den gesamten Kaufprozess von der Auswahl bis zur Bezahlung autonom oder teilautonom durchzuführen. OpenAI nutzt dieses Protokoll bereits für ChatGPT.
Die Umsetzung solcher Shopping-Funktionen gestaltet sich in der Praxis schwieriger als erwartet. Obwohl OpenAI bereits im September eine breite Shopping-Offensive ankündigte, verläuft der Start schleppend. Selbst Produkte prominenter Partner wie des Kofferherstellers Away sind bislang nicht über den Chatbot kaufbar. Das Kernproblem liegt in der Datenqualität: KI-Modelle haben Schwierigkeiten, unstrukturierte Produktdaten korrekt zu interpretieren. Oft ist für die KI nicht eindeutig erkennbar, ob ein Artikel tatsächlich auf Lager ist oder nur vorbestellt werden kann. Stripe versucht, dieses Problem durch eine Standardisierung der Händlerdaten an der Wurzel zu packen, doch die Bereinigung der Datenbanken erfordert viel manuelle Arbeit. Google arbeitet parallel an einem eigenen Standard, dem „Agent Payments Protocol“, das bereits über 60 Unternehmen unterstützen.
Ärger um Amazon: KI listet ungefragt Produkte externer Shops
Mehrere Online-Händler üben Kritik an Amazons neuem KI-Tool „Buy For Me“. Das Programm listet laut einem Bericht von Modern Retail Produkte von externen Webseiten automatisch auf dem Amazon-Marktplatz, ohne dass die betroffenen Shop-Betreiber zugestimmt haben. Händler berichten, dass sie erst durch ungewöhnliche Bestellungen von einer speziellen Amazon-E-Mail-Adresse auf den Vorgang aufmerksam wurden. Das System nutzt KI-Agenten, um Produkte auf Drittanbieter-Seiten zu identifizieren und Bestellungen im Namen des Kunden dort auszuführen. Amazon integriert diese Artikel dann in die eigene Suche, versehen mit einem „Buy for Me“-Button. Immer wieder sollen darin auch Fehler wie falsche Beschreibungen oder Bilder enthalten sein.
Amazon verteidigt die Funktion als Service für Kunden, die so neue Marken entdecken sollen. Wer nicht mitmachen will, muss sich aktiv per E-Mail melden, um aus dem Programm entfernt zu werden. Während der Konzern externe Inhalte für den eigenen Marktplatz nutzt, geht er juristisch gegen andere Firmen vor, die Ähnliches tun. So mahnte Amazon kürzlich Perplexity ab, weil dessen Browser Nutzern ermöglichte, via KI auf Amazon einzukaufen, ohne sich dabei auf der Amazon-Nutzeroberfläche aufzuhalten.
Gemini-Update: Google integriert KI-Suche tief in Gmail
Google erweitert seinen E-Mail-Dienst Gmail in den USA um neue KI-Funktionen. Im Zentrum steht eine neue Suchfunktion, die es Nutzern ermöglicht, den eigenen Posteingang mit natürlicher Sprache zu bedienen. Anwender können dann beispielsweise erfragen, wann der letzte Termin mit einem bestimmten Handwerker war. Die KI extrahiert die Antwort aus den entsprechenden E-Mails. Zusätzlich führt Google sogenannte „AI Overviews“ ein. Diese fassen lange E-Mail-Verläufe automatisch zusammen und heben die wichtigsten Punkte hervor.
Während die Zusammenfassungen kostenlos sind, bleibt die komplexe Frage-Funktion zahlenden Abonnenten vorbehalten. Die Schreibhilfe „Help Me Write“, mit der E-Mails erstellt oder überarbeitet werden können, schaltet Google hingegen für alle Nutzer frei. In einer Testphase befindet sich zudem eine Funktion zur Priorisierung des Posteingangs. Die KI analysiert dabei Kommunikationsmuster und Inhalte, um wichtige Nachrichten wie Rechnungen oder Arzttermine von weniger relevanter Post zu trennen. Wann die Funktionen nach Deutschland kommen, ist noch nicht bekannt.

(mali)
Künstliche Intelligenz
heise+ Update vom 9. Januar 2026: Lesetipps fürs Wochenende
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in letzter Zeit frage ich mich häufig, ob und wie problematisch ich es finde, dass KI mit an vielen Stellen das Denken abnimmt. Beim Navi habe ich mir diese Gedanken nie gemacht, stelle aber fest, dass ich mich zwar orientieren kann, aber kaum noch Straßennamen kenne – die Bequemlichkeit hat halt ihren Preis. Tatsächlich zeigen Studien, dass unsere kognitiven Fähigkeiten verkümmern können, wenn wir sie nicht mehr fordern. Das bedeutet aber nicht, dass wir auf die Helfer verzichten müssen. Es kommt vielmehr darauf an, wie wir sie nutzen. In einem unserer Hintergrundartikel gehen wir genau dieser Frage nach und zeigen auf, wie wir verhindern, dass KI unser Denken verkümmern lässt und sie stattdessen als intelligentes Werkzeug einsetzen.
Dass smarte Technik auf kreative und spielerische Weise begeistern kann, will Lego mit seinem neuen Smart-Play-System beweisen. Die dänischen Klötzchenbauer versprechen nicht weniger als die größte Innovation seit der Minifigur. Ich wollte es genau wissen und habe mich durch Patentanträge und technische Dokumente gewühlt, um herauszufinden, was wirklich hinter Legos neuer Smart-Play-Technik steckt.
Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „heise+ Update vom 9. Januar 2026: Lesetipps fürs Wochenende“.
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