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Künstliche Intelligenz

Interview: Wie Hirnstimulation Depressionen lindert


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This article is also available in
English.

It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen – allein in Deutschland sind jährlich über fünf Millionen Menschen betroffen. Doch nicht alle sprechen auf Antidepressiva an, und viele brechen die Therapie wegen Nebenwirkungen ab. Eine Alternative kann die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) bieten, die bereits seit 1990 in anderen Kontexten im medizinischen Einsatz ist, vor allem in Kliniken und Forschungszentren.

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Doch „Flow FL-100“, ein Medizinprodukt der Klasse IIa, soll die Stimulationsmöglichkeit ins heimische Wohnzimmer bringen. Es soll gezielt den präfrontalen Kortex stimulieren und so depressive Symptome lindern. In den USA hat die FDA das Gerät als erstes verschreibungspflichtiges Heim-Headset für Depressionen zugelassen. Über Flow haben wir mit Phil Ritter gesprochen, dem Geschäftsführer der deutschen Flow-Neuroscience-Tochter.


Phil Ritter

Phil Ritter

Phil Ritter ist Geschäftsführer der deutschen Tochter von Flow Neuroscience.

(Bild: Ritter)

tDCS ist in der klinischen Forschung seit über 20 Jahren bekannt. Warum bringen Sie diese Technologie jetzt als Headset für den Heimgebrauch?

Unser Ziel war es, das Gerät zugänglicher zu machen. Wir sehen tDCS als den „kleinen Bruder“ der transkraniellen Magnetstimulation (TMS), die man nur in Kliniken mit großen Geräten durchführen kann. Die Versorgungslage bei psychischen Erkrankungen ist angespannt: Wartezeiten auf Therapieplätze sind lang, und Medikamente sind nicht für jeden die richtige oder alleinige Lösung. Wir wollten eine Brücke bauen. Das Headset ermöglicht es Patienten, eine evidenzbasierte, klinische Methode sicher und eigenständig zu Hause anzuwenden – ohne monatelang auf einen Termin warten zu müssen.

Ein häufiges Missverständnis ist, dass solche Technologien herkömmliche Therapien oder Antidepressiva komplett ersetzen sollen. Ist das Ihr Ziel?

Nein, das nicht. Die Depression ist eine komplexe Erkrankung mit vielen Ursachen. Es gibt nicht die eine Wunderwaffe. Wir positionieren Flow ganz bewusst als weitere Säule im Behandlungsspektrum. Es kann als Monotherapie eingesetzt werden, aber wir sehen in unseren Daten, dass es auch in Kombination mit Antidepressiva oder Psychotherapie sehr effektiv ist – die Remissionsraten steigen in der Kombination sogar.

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Es geht uns darum, Ärzten und Patienten ein weiteres Werkzeug an die Hand zu geben. Wenn ein Patient beispielsweise aufgrund von Nebenwirkungen keine Medikamente nehmen möchte oder kann – etwa bei Kinderwunsch oder wegen Libidoverlust –, bieten wir eine chemiefreie Alternative. Aber wir wollen die Pharmakotherapie nicht verdrängen, sondern das therapeutische Angebot sinnvoll erweitern.

Sie sind aktuell als Medizinprodukt zur Behandlung von Depressionen zugelassen. Im Gespräch erwähnten Sie aber auch Effekte auf Schlaf und Konzentration. Wo geht die Reise hin?

Wir nutzen zur Verlaufskontrolle die sogenannte MADRS-Skala (Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale). Diese fragt nicht nur die Stimmung ab, sondern auch Faktoren wie Schlaflosigkeit, Konzentrationsfähigkeit, innere Unruhe und Appetit.

Wir sehen in den Daten, dass die Stimulation des präfrontalen Kortex durch tDCS oft positive Effekte genau auf diese Bereiche hat: Patienten berichten, dass sie besser schlafen oder sich wieder fokussieren können. Das ist für uns ein starkes Signal für die Zukunft. Wir investieren derzeit massiv in die Forschung, um zu prüfen, ob wir die Wirksamkeit auch isoliert für Angststörungen, Schlafprobleme oder Konzentrationsschwächen belegen können. Aktuell sind wir ein reines Depressions-Therapiegerät, aber langfristig sehen wir das Potenzial, auch diese komorbiden Symptome gezielt anzugehen.

Das klingt nach einer Bewegung in Richtung „Health & Wellness“ und Selbstoptimierung. Verschwimmen da die Grenzen?

Die Grenze zwischen Medizinprodukt und „Health & Wellness“ wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren sicherlich unschärfer werden. Wir haben uns aber ganz bewusst für den härteren, medizinischen Weg entschieden. Wir hätten das Gerät auch als Lifestyle-Gadget für „besseres Denken“ vermarkten können. Aber wir wollten die wissenschaftliche Seriosität.

Patienten mit psychischen Leidensdruck brauchen Sicherheit, keine leeren Versprechen. Wenn wir irgendwann Claims zu Schlaf oder Konzentration machen, dann nur, wenn wir dafür dieselbe harte Evidenzbasis haben wie jetzt für die Depression.

Allein der Akt, sich jeden Tag 30 Minuten Zeit für sich selbst zu nehmen, das Gerät aufzusetzen und der Anleitung in der App zu folgen, etabliert eine positive Routine. Für Menschen in einer depressiven Episode, denen oft jegliche Struktur entgleitet, ist das enorm wertvoll. Es ist eine Form der Selbstwirksamkeit: „Ich tue aktiv etwas für meine Genesung.“ Dieser verhaltenstherapeutische Aspekt unterstützt die neurophysiologische Wirkung des Stroms.

Sie arbeiten an einer Weiterentwicklung der Technologie, die das Gehirn nicht nur stimuliert, sondern auch „liest“.

Richtig. Unser langfristiges Ziel ist eine noch stärkere Personalisierung. Wir arbeiten an der Integration von EEG-Technologie in das Headset. Die Idee ist, dass das Gerät die Hirnströme messen kann, um vorhersagen zu können, wie gut eine Person auf die Stimulation ansprechen wird.

Aktuell wissen wir meist nach der dreiwöchigen Aktivierungsphase, ob die Therapie anschlägt – bei etwa 77 Prozent ist das der Fall. Mit EEG-Daten und KI-Unterstützung könnten wir diesen „Response“ vielleicht schon viel früher erkennen oder das Stimulationsprotokoll individuell anpassen. Das würde die Behandlung noch effizienter und zielgerichteter machen.

Wie sieht es mit der Kostenerstattung aus?

Aktuell zahlen Patienten die rund 459 Euro meist selbst. Wir arbeiten intensiv daran, in die Regelversorgung zu kommen. In Großbritannien ist der NHS schon weiter und setzt Flow in vielen Bereichen ein. In Deutschland sind wir in Gesprächen mit dem G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss) und Krankenkassen. Das System hier ist etwas langsamer und prüft derzeit, ob noch spezifische Erprobungsstudien für den deutschen Markt nötig sind, obwohl die internationale Datenlage – unter anderem durch eine große Studie in Nature Medicine – sehr eindeutig ist.

Wir hoffen aber, dass wir langfristig eine Kassenleistung werden. Bis dahin setzen wir auf Mietmodelle und Kooperationen mit Kliniken, um den Zugang so niedrigschwellig wie möglich zu halten.


(mack)



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Googles Home Speaker mit Gemini: Marktstart steht offenbar bevor


Ein gutes dreiviertel Jahr nach Ankündigung des Home Speakers, der laut Google für den neuen KI-Assistenten Gemini entworfen wurde, soll er nun tatsächlich in den Handel kommen. Ursprünglich nannte Google als Starttermin „im Frühjahr“ – das endet am 21. Juni. Gemini for Home musste wohl vorher noch runder laufen.

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Anish Kattukaran, Googles Chief Product Officer (CPO) Google Home, hat auf Reddit einen Beitrag veröffentlicht, in dem er sich bei der Google-Home-Community für das reichhaltige Feedback bedankt, das Google von den 3,5 Millionen Early-Access-Nutzern erhielt: „Das Feedback der Early-Access-Nutzer hat dazu beigetragen, dass fast alle zwei Wochen regelmäßige Updates veröffentlicht wurden, über 2.500 Fehler behoben wurden, das System auf 20 Länder in 10 Sprachen ausgeweitet wurde und das gesamte System deutlich reaktionsschneller und besser in der Lage ist, komplexe Anfragen zu bearbeiten“, schreibt er unter anderem.

Ganz am Ende seines Beitrags als P.S. schreibt er noch: „Und alle, die geduldig auf einen bestimmten Lautsprecher gewartet haben … behaltet nächste Woche euren Posteingang ganz genau im Auge. :)“

Damit bestätigt Kattukaran recht deutlich, dass Google nächste Woche zumindest ein Lebenszeichen des neuen Home-Speakers verkünden dürfte. Unklar ist jedoch, ob er dann auch direkt in den Verkauf geht. Denn Best Buy hatte in Kanada vor ein paar Wochen den 25. Juni als Termin für den Marktstart angedeutet.

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Mit dem neuen Home Speaker bringt Google nicht nur ein neues Produkt auf den Markt, sondern hebt den Einstiegspreis seiner Smart-Speaker an. Zwar wird er mit um die 99 Euro genauso viel kosten wie der 2020 eingeführte Nest Audio, der bereits vor wenigen Tagen aus dem Programm genommen wurde. Im gleichen Zuge hat Google nämlich auch die 60 Euro teure Sounddose Nest Mini gestrichen.

Beide Produkte sind im Google Store zwar noch gelistet, jedoch sind sie als „Nicht auf Lager“ markiert. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die beiden Speaker wieder in den Store zurückkehren – den Mini-Speaker hatte Google 2019 eingeführt und ist damit noch älter als der Nest Audio.

Google hat bereits bestätigt, dass der neue Lautsprecher neben der Integration von Gemini und Gemini Live auch 360-Grad-Sound bieten wird. Ferner sollen Nutzerinnen und Nutzer zwei Lautsprecher für Stereoklang miteinander koppeln können. Zudem könne der Lautsprecher ins Heimkino-Setup eingebunden werden. Ein Leuchtring soll anzeigen, wenn Gemini aktiv ist. Laut Google wird er in den vier verschiedenen Farben „Jade“, „Berry“, „Hazel“ und „Porcelain“ angeboten, dabei ist jedoch ungewiss, ob es alle Farbvarianten in Deutschland geben wird.

Beim Google Home Speaker wird es derweil nicht bleiben. Google hatte zum einen bereits einen Nachfolger des Smart-Displays im Oktober 2025 angedeutet. Zum anderen dürften im Laufe der nächsten Monate einige Fremdanbieter mit Smart-Speakern für Gemini for Home um die Ecke kommen. Denn dafür hatte Google Referenzhardware angekündigt, die andere Hersteller verwenden dürfen, um Gemini-Lautsprecher im eigenen Design zu bauen.

Es wäre nicht das erste Mal: In der Vergangenheit hat Google mit den Audiomarken Bose, Sony und JBL bei Smart-Speakern zusammengearbeitet. Wer dieses Mal dabei sein wird, ist noch unklar. Allerdings haben die Hersteller offenbar weniger Gestaltungsfreiheit hinsichtlich der Hardware, dafür sollen immerhin viele Gemini-for-Home-Funktionen unterstützt werden.


(afl)



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Tools für Umfragen auf deutschen und EU-Servern im Test


Sie haben es geschafft – Ihr Vortrag ist beendet. Was hat den Nerv des Publikums getroffen? Wo gehen die Meinungen auseinander? Gibt es ergänzende Aspekte? Abfragen mit Onlineformularen liefern wertvolle Rückmeldungen. Alle Besucher können sich beteiligen – jede Antwort zählt.

Viele der dazu genutzten Umfragedienste wie Google Forms, SurveyMonkey, Microsoft Forms oder Mentimeter verarbeiten und speichern alle Daten jedoch auf US-Servern und somit erhalten amerikanische Behörden Zugriff – und einige Firmen nutzen sie auch zum Trainieren ihrer KI.

  • Umfragen und Abstimmungen sind mit online arbeitenden Diensten wie MS Forms oder Mentimeter schnell durchgeführt, diese speichern aber alles auf US-Servern.
  • Wir haben sechs Alternativen getestet, die die Daten auf deutschen oder zumindest in der EU stehenden Servern verarbeiten.
  • Alle Tools unterstützen eine große Auswahl an Fragetypen und Abstimmungsformen, teils spezialisiert, zum Beispiel auf den Unterrichtseinsatz.

Wir haben sechs Alternativen getestet, deren Serverstandorte sich in Deutschland oder zumindest innerhalb der EU befinden. Alle versprechen, die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu erfüllen. easyfeedback, edkimo, LimeSurvey, LamaPoll, SoSci Survey und Wooclap setzen verschiedene Schwerpunkte. Sie enthalten eine Palette von Antwortformaten: Dazu gehören Multiple-Choice-Fragen, freie Textfelder, Rankings, Skalen, komplexe Antwortmatrizen sowie das eine oder andere Spezialwerkzeug.


Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Tools für Umfragen auf deutschen und EU-Servern im Test“.
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Fable 5 im Test: Das kann das teuerste Anthropic-Modell


Dass Anthropic nicht nur etwas von KI-Training, sondern auch vom Marketing versteht, muss man dem Unternehmen zugestehen. Ende März wurde durch einen Leak bekannt, dass ein Modell namens Mythos in Arbeit sei, im April verkündete die Firma dann, dass dieses zu gefährlich sei, um es zu veröffentlichen. In einem Programm namens Glasswing durften es ausgewählte Unternehmen und Organisationen zur Suche nach Sicherheitslücken verwenden. Unter anderem Mozilla bewies in der geschlossenen Testphase, dass das gut funktionierte und schloss Hunderte Sicherheitslücken.

Im Juni dann die Ankündigung: Fable 5 wird allgemein verfügbar (Mythos 5 erscheint als weniger restriktive Variante für ausgewählte Nutzer), allerdings in einer Version mit eingebauten Schutzmechanismen, die verhindern sollen, dass man damit nach Zero-Day-Sicherheitslücken forscht oder gefährliche Biowaffen entwickelt. Ein Modell, so mächtig, dass man es einzäunen muss – mit einer solchen Erzählung macht man neugierig auf ein neues Produkt.

Klar ist seit der Ankündigung: Wer das Modell nutzen will, muss künftig tief in die Tasche greifen. Bis 22.6. läuft eine Testphase, in der Abokunden von Anthropic es nutzen können. Danach ist Fable nicht in den Abos enthalten, sondern wird pro Token abgerechnet – und ist doppelt so teuer wie Claude Opus 4.8. Um herauszufinden, ob sich diese Mehrkosten lohnen, haben wir das Modell in verschiedenen Disziplinen herausgefordert: Programmieren, Datenanalyse, Textproduktion und Recherche.


Das war die Leseprobe unseres heise-Plus-Artikels „Fable 5 im Test: Das kann das teuerste Anthropic-Modell“.
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