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Was für eine Schrift! Und was für eine Geschichte! › PAGE online


12 Jahre lang arbeitete Nina Stössinger, Schweizer Typedesignerin bei der ikonischen New Yorker Foundry Frere-Jones, an der Cassis, die so persönlich wie unique ist und aus ihrem Leben, von belgischen Straßenschildern und amerikanischer Typografie erzählt.

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Diese Schrift hat eine lange Geschichte. Sie geht zurück bis ins Jahr 2014, als die Schweizer Typedesignerin Nina Stössinger, die seit 10 Jahren für die renommierte Foundry Frere-Jones Type arbeitet, ihren Abschluss im TypeMedia Programm in Den Haag gemacht hatte und anschließend nach Norwegen reiste.

Um ihre Abschlussarbeit hinter sich zu lassen, begann sie eine neue Schrift zu zeichnen. Eine geometrische Sans-Serif mit offenen und lebendigen Kurven und vertikal angeschnittenen Anschlüssen.

Sie sollte großzügig in ihren Proportionen sein, aber dennoch kompakt, einfach, klar, optimiert für größere Darstellungen. Und Nina Stössinger wollte, dass »sie handwerklich wirkt, nicht akademisch; dass sie eher Selbstbewusstsein als Eleganz ausstrahlt. Und gefühlvoller und sympathischer, als geometrische Sans-Serifs oft wirken – nicht autoritär oder kalt.«

Gestisch nahezu, direkt, frisch und fröhlich.

So begann sie eine Schrift zu entwerfen, die später die Cassis wurde.

Und sie ging ihr so von der Hand. Dass sie nicht aufhören konnte, an ihr zu arbeiten, wie sie Kolleg:innen schrieb und dass es sich so selbstverständlich anfühle, sie zu zeichnen.

Nicht glatt, sondern mit Charakter

In einem Blogpost der New Yorker Foundry Frere-Jones Type beschreibt Stössinger nicht nur, wie die Cassis entstand, sondern auch, wie generell ihre eigenen Schriften entstehen.

Dass sie dabei selten analytisch arbeitet, sondern dass sie plötzlich aus dem »großen Topf mit Buchstabensuppe« hervorstechen, der in ihrem Kopf hin- und herschwankt, voller Eindrücke der Buchstaben, die ihr auf der Straße begegnen, der vielen Fotos, die sie davon macht. Jeder, der mit ihr unterwegs sei könne ein Lied davon singen, sagt sie.

Plötzlich entstehen Verbindungen oder Muster, der Keim einer Idee melde sich zu Wort und möchte gezeichnet werden.

Deshalb hatte die Cassis auch erst den Namen »Anvers«, der französische Name von Antwerpen. Einige Jahre zuvor hatte Nina Stössinger die Stadt auf einer Art Klassenfahrt mit TypeMedia besucht – und die Straßenschilder dort ließen sie nicht mehr los.

Gerade auch, weil sie aus mehreren Generationen stammten. Die einen waren aus emailliertem Blech und mit geradlinigen, geometrischen Buchstaben versehen, andere mit vertikalen Einschnitten an den Kurvenenden. Und beide sah man immer wieder auf verschiedenen Straßenseiten.

Selbst in der Schweiz aufgewachsen, in »einer geordneten und gepflegten visuellen Umgebung, in der die serifenlosen Schriftarten so sauber sind wie die Bürgersteige und Oberflächen«, faszinierten die charaktervollen Schilder in Antwerpen umso mehr.

Haltung statt Genauigkeit

Aus diesem Hintergrund heraus entstand die Cassis als geometrische Sans-Serif-Schrift mit einer »einfachen, monolinearen Buchstabenform, bei der runde Formen ins Kreisförmige tendieren und die Proportionen zumindest so tun, als würden sie einem geradlinigen Rezept folgen«.

Die Geometrie der Cassis beschreibt Nina Stössinger als »ein wenig schief; gelebt, praktisch, abgenutzt«.

Die Haltung habe Vorrang vor der Genauigkeit. Auch deshalb sei die Cassis nur annähernd symmetrisch, die Breiten nie wirklich gemessen und die Rundungen etwas zu kantig.

Klar war von Anfang an, dass die Enden der Kurven vertikal geschnitten sind, um sie schärfer und aktiver wirken zu lassen. Den Kontrast hingegen hat sie »ein wenig weiter in Richtung mathematischer Gleichheit zwischen Horizontalen und Vertikalen getrieben als es als ausgewogen und „korrekt“ gilt« und so kein völlig glatter und monolinearer Eindruck entsteht.

Insgesamt entstand im Laufe der Arbeit das Ziel, nicht eine bestimmte Epoche heraufzubeschwören, sondern einen ganz eigenen Raum zu schaffen. Selbstbewusst und unique.

Heimweh und scharfe Enden

So sind die Kurven ein wenig »zu« aufgeblasen, die Kurvenenden gestisch und neigen dazu, ihre »ideale« Breite ein wenig zu überschreiten, und die Querbalken nehmen so viel Breite ein, wie sie können, ohne dabei »falsch« zu wirken, heißt es von ihr.

Und neben den Schildern in Antwerpen kamen dann irgendwann noch die Eindrücke aus New York hinzu, wo Nina Stössinger im Sommer 2016 mit zwei Koffern ankam, um als Senior Typeface Designerin bei Frere-Jones Type zu starten.

Dort fand sie unendliche Inspiration bei ihrer Suche nach rauer Geometrie, gleichzeitig wurde die Cassis, durch die Einflüsse der US-amerikanischen, sanfteren Typografie, deren Entwicklung nicht durch zwei Weltkriege unterbrochen wurde,» lockerer und gestischer.«

Aber auch etwas Heimweh umweht die Cassis, die jetzt erschienen ist. Und das ist in ihrem Namen zu finden, der an die Schwarzen Johannisbeeren erinnert, die in dem Garten ihrer Kindheit wuchsen und der aber gleichzeitig auch an die scharfen Enden der Schrift erinnert.

Die Cassis ist in sieben Schriftstärken erhältlich und unterstützt über 200 Sprachen. Sie deckt alle wichtigen Sprachen des lateinischen Alphabets in West-, Mittel- und Osteuropa, Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Vietnam ab und eignet sich für Branding genau wie für Corporate Identitys oder Titeldesign.

 

 



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Universal Music Publishing Group (UMPG) präsentiert neues Corporate Design – Design Tagebuch


Die Universal Music Publishing Group (UMPG) hat ein neues weltweites Corporate Design eingeführt. Die Neupositionierung umfasst ein überarbeitetes Erscheinungsbild, ein neues Logo, eine aktualisierte visuelle Systematik sowie den Claim „A World Ahead“. Nach Angaben des Unternehmens soll die neue Markenidentität die kulturelle Bedeutung von Songs und Songwriter stärker in den Mittelpunkt rücken.

UMPG ist die Musikverlagssparte der Universal Music Group und zählt zu den weltweit größten Musikverlagen. Das Unternehmen vertritt ein internationales Repertoire aus Songwriter, Komponisten und Musikkatalogen verschiedener Genres und ist mit zahlreichen Standorten weltweit vertreten. Bob Dylan, Elton John, Taylor Swift, Eminem und Kendrick Lamar

Statt den Verlag selbst in den Vordergrund zu stellen, rückt die neue Markenkommunikation die Urheber von Musikwerken in den Fokus. Das Corporate Design fungiert dabei als visuelles Instrument, um die Rolle des Musikverlags als Partner von Songwriter und Rechteinhaber stärker sichtbar zu machen, so die Intention.

Auszug der Pressemeldung

„Everything in music starts with a songwriter. Great songs transcend generations, geographies, and formats long after trends fade. Our new brand is about celebrating the enduring power of songwriting and giving it a clear voice, a lasting home, and a stronger future“, erklärt Jody Gerson, Chairman & CEO von UMPG.

Universal Music Publishing Group Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Universal Music Publishing Group, Bildmontage: dt
Universal Music Publishing Group Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Universal Music Publishing Group, Bildmontage: dt

Im Zentrum steht ein reduziertes, geometrisches Zeichen. Vier im Quadrat stehende Winkel mit konkaver Innenseiten bilden die imaginäre Form eines Kreises. Das Zeichen soll die globale Reichweite des Verlags verdeutlichen. Die kreisförmige Aussparung in der Mitte kann zugleich als Kamerarahmen interpretiert werden und verweist auf die kreative Leistung der Songwriter. Ergänzt wird das Zeichen durch ein variables Farbsystem und eine modulare Gestaltungssprache, die weltweit über alle Unternehmensbereiche hinweg eingesetzt werden soll.

Begleitend zum Relaunch führt UMPG ab dem 16. Juni 2026 das Format Publishing 101 ein: Kurzvideos, in denen Mitarbeitende des globalen Teams Grundlagen des Musikverlagswesens erläutern – von A&R über Synchronlizenzierung bis hin zu Royalties. Die Videos erscheinen wöchentlich auf den digitalen Kanälen des Unternehmens.

Entwickelt wurde die neue Markenidentität gemeinsam mit der Kreativagentur GrandArmy.

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Mitch Paone 1982 – 2026 › PAGE online


Mit nur 43 Jahren starb der Gestalter, Typedesigner und unglaublich kreative Kopf Mitch Paone, der 2008 zusammen mit seiner Frau Meg Donohoe in New York DIA Studio gegründet hatte.

Mitch Paone 1982 – 2026 › PAGE online

»A typeface is a system. The generative tool is a system. Typography is an artifact of the underlying system. (Non-narrative) Motion and static renders are residue of a system…« Das schrieb Mitch Paone noch vor etwa einer Woche in einem Beitrag auf LinkedIn zur Ankündigung seiner neuen Schrift MNKY Koko. Wie der Font bei den Nutzern ankommt wird er nun nicht mehr erleben.

Voller Leidenschaft erklärte mir Mitch Paone in einem Interview, das ich Anfang 2022 für einen PAGE Artikel mit ihm führte, seine Erkenntnisse, Ideen und Ansätze rund um Schrift in Bewegung. »Kinetic Identity Process« nannten er seinen Gestaltungsprozess, was bedeutet: Vor der Klärung ästhetischer Fragen geht es zunächst um die zugrunde liegenden Bewegungsmuster. »Sie sind die Referenz für die Identity, nicht umgekehrt«, sagte Mitch. »Eine kinetische Identi­tät ist ein animiertes visuelles System, das sich von der Bewegung ableitet.« 

Das zusammen mit seiner Frau Meg Donohoe gegründete DIA Studio revolutionierte in den letzten zehn Jahren das Thema Motion Design im Branding und definierte eine neue Art und Weise über Identity nachzudenken. Mitch’s zentrale Erkenntnis klang einfach: Eine Marke ist kein auf einer Seite eingefrorenes Logo, sondern ein Verhalten, das sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. Indem er Bewegung als Material und Zeit als Form nutzte, schuf Mitch Systeme, die so gut gestaltet waren, dass sie sich auch dann weiterentwickelten, wenn der Designer bereits weitergezogen war.

Im Interview konnte ich ihm nicht immer sofort folgen, immer wieder musste er einen Schritt zurück gehen und Dinge noch einmal erklären – was er sehr geduldig tat. Mitch dachte, redete und handelte schneller als die meisten, auf jeden Fall schneller als ich – als wüsste er bereits, dass er nicht mehr viel Zeit hätte.

Eine andere große Leidenschaft von Mitch war die Musik. Mit fünf Jahren begann er, Klavier zu spielen, später entdeckte er den Jazzpianisten Herbie Hancock und den Saxophonisten Wayne Shorter für sich und verschrieb sich dem Jazz. Musik war für ihn ebenso wichtig wie Design, und es verging kaum ein Tag, an dem er nicht Klavier spielte. Kein Wunder, dass sich dies auch auf den Gestaltungsprozess auswirkte, er ging an Designprojekt so heran, wie ein Musiker einen Track komponieren und entwickeln würde.

Ich hatte keinen regelmäßigen Kontakt mit Mitch, aber er blieb mir im Kopf. In jeder Geschichte über bewegte Typo dachte ich an ihn und seine revolutionären Ansätze und Ideen. Jetzt ist er gestorben und die Branche verliert einen ihrer Vordenker und Vormacher. Mein großes Mitgefühl gilt seiner Frau Meg.

Immerhin, und das ist vielleicht ein kleiner Trost, haben sie es vor seinem Tod noch geschafft, in ihrer eigenen Foundry Monkey Type die Schrift MNKY Koko herauszubringen, an der sie etwa sechs Jahre gearbeitet hatten.

Das Projekt Koko begann mit einem einfachen »Waswäre wenn?«: Was wäre, wenn Plantin/Times Blockserifen hätte? Dazu kam der DIA-Studio-Ansatz, das »Was wäre wenn?« zu erforschen: So entstand ein generatives Tool exklusiv für die Schrift-Einführung – eine kurzlebige Software, die unendliche Variationen von Zeichenlayouts und Animationen generiert. Ansehen kann man sich dieses generative Schriftmuster hier. Die Schrift mit zehn Schnitten kann man direkt bei Monkey Type lizensieren.

2022 lebten Mitch und Meg in Genf. Im Interview erzählte er mir, dass sie die Schweiz verlassen wollten, weil sie sich dort nicht wirklich willkommen fühlten. Wohin wussten sie noch nicht, sie träumten von einem Chalet in Chamonix. Ein Chalet ist es vielleicht nicht geworden, aber nach Chamonix sind die beiden tatsächlich gezogen. In ihrem zu Haue dort starb Mitch Paone am 23. Juni, ich denke, er hätte die französischen Alpen gerne noch länger erlebt.

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Menschliches Wissen in Zeiten von KI: Koto richtet Stack Overflow neu aus › PAGE online


Hat man beim Programmieren eine Frage, gibt man sie bei Stack Overflow ein und die Community hilft. Und das jetzt mit einem Redesign von Koto das visualisiert, wie menschliches Wissen entsteht – und warum es immer wichtiger wird!

Menschliches Wissen in Zeiten von KI: Koto richtet Stack Overflow neu aus › PAGE online

Die Zahlen sprechen für sich: auf Stack Overflow, 2008 von zwei Softwareentwicklern und Bloggern gegründet und 2021 an den niederländischen Medienkonzern Prosus verkauft, wurden bisher 83 Millionen Fragen und Antworten behandelt – und 113 Milliarden Mal wurde das so generierte Wissen wiederverwendet.

In Zeiten von KI hat Stack Overflow das international aufgestellte Kreativstudio Koto mit einer neuen Identity beauftragt. Und diese konzentriert sich ganz darauf, was genuines menschliches Wissen in einer Welt bedeutet, in der Antworten auf Fragen immer häufiger von Maschinen generiert werden.

Das bedeutet nicht, dass sich Stack Overflow KI verweigert. Unter anderem hat Koto für die Plattform ein neues, generatives Tool mithilfe von Anthropic Claude entwickelt.

Aber die Plattform stellt den wachsenden Wert menschlichen und auch von Menschen geprüften Wissen ins Zentrum, das immer mehr an Bedeutung gewinnt. Und das bei Stack Overflow durch den unermüdlichen Austausch von Programmierern und Entwicklern entsteht, durch Fragen und Antworten, Tests und Korrekturen.

Unablässig lernen

Koto hat sich bei dem Rebranding zur Aufgabe gemacht, Stack Overflow neu zu positionieren und das weg von einer Q&A-Plattform hin zur weltweit wichtigsten Quelle für technisches Wissen in Zeiten neuer Technologien, die auch das Programmieren stark verändert haben.

»Always in build«, also »immer im Aufbau«, »immer in der Entwicklungsphase« ist die zentrale Idee, um die das neue Erscheinungsbild kreist.

Wie die Community selbst, die Fragen und Antworten, Korrekturen und neue Lösungen im Austausch wie Bausteine zusammenfügt oder übereinander schichtet, ist auch die Plattform in ständiger Weiterentwicklung.

Visualisiert wird das von den Stacks, den Bausteinen, Stapeln oder einzelnen Schichten, die sich durch das Redesign ziehen und sich übereinanderlegen, wie Pyramiden stapeln, die sich wie zu einem Rad anordnen oder flach aufeinander schichten.

Und das in leuchtenden Farben, die auf dem bekannten Orange von Stack Overflow aufbauen und in unermüdlicher Veränderung.

Alles in Bewegung

Die Bausteine und das Stapeln strukturieren die gesamte neue Identität. Ob durch Layouts oder Hierarchien, dann wieder durch Tiefe oder Dynamik.

Das beginnt bereits beim Logo selbst, bei dem die Wortmarke von einem Stack, der sich wie ein Ordner aufbaut, begleitet wird. Auf der Plattform selbst gerät der Baustein in Bewegung und fächert sich auf.

Begleitet wird das von der serifenlosen Hausschrift Stack Sans, die Koto bereits im letzten Jahr entwickelt hat und die bei Google Fonts verfügbar ist.

Damit das System selbst so dynamisch wie die Community ist, hat Koto deren Verhaltensweisen mithilfe von Anthropic Claude in ein Tool umgesetzt, das einen flexiblen und fröhlichen Rahmen für den Austausch generiert – und die Kommunikation aus der trockenen Spezialistenecke herausgeholt.

Genauso wie die Sprache, die jetzt abseits von reinen Techbegriffen klarer und inklusiver ist.

Wissen in Zeiten von KI

Gleichzeitig wurde die Community, die für Stack Overflow zentral ist, zu einem gewissen Maß in den Prozess einbezogen.

Auf dem WeAreDevelopers World Congress 2025 wurden Designentwürfe vorgestellt und um Feedback gebeten und auf der Microsoft Ignite anhand von User-Feedback verfeinert, wie es von Koto heißt.

Und das, wie es von den Kreativen heißt, um Stack Overflow von »einer Sammlung von Antworten zu einer lebendigen Wissensmaschine für das KI-Zeitalter zu verwandeln, in dem von Menschen validiertes Wissen unverzichtbar bleibt und in dem Technologen gemeinsam lernen, entwickeln und vorankommen können.«

 

 

 



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