Künstliche Intelligenz
Ärztetag: Klare Absage an kassengesteuerte Digitalisierung im Gesundheitswesen
Der 130. Deutsche Ärztetag in Hannover hat mit großer Mehrheit mehrere Beschlüsse zum geplanten Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) gefasst. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte die Reformpläne bei der Eröffnung des Ärztetags verteidigt, aber dennoch Gesprächsbereitschaft signalisiert – die Antwort des Ärztetages fiel dennoch deutlich aus: Digitalisierung ja, aber nicht auf Kosten von Patientenrechten, ärztlicher Unabhängigkeit und dem Zugang zur Versorgung.
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Erkennung von Gesundheitsrisiken Aufgabe der Ärzte
Ein zentrales Thema zog sich wie ein roter Faden durch alle Beschlüsse: die wachsende Rolle der gesetzlichen Krankenkassen in der medizinischen Versorgung. Bereits durch das 2024 in Kraft getretene Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) dürfen Krankenkassen Abrechnungsdaten ihrer Versicherten individuell auswerten, Gesundheitsrisiken identifizieren und Betroffene eigenständig kontaktieren – ohne Einbindung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Der GeDIG-Entwurf soll diese Befugnisse nun massiv ausweiten: auf ePA-Inhalte, Daten Dritter und sogenannte „Reallabore“. Für die Ärzteschaft ist das ein klarer Tabubruch: Die Identifikation individueller Gesundheitsrisiken sei originär ärztliche Aufgabe und müsse im Behandlungskontext stattfinden – so ein mit 185 zu 3 Stimmen angenommener Beschluss.
Kritik an Kassenzugriff auf ePA-Daten
Die Delegierten stimmten in einem weiteren Antrag für „klare Grenzen und Datenschutz“ aufgrund der wachsenden Gesundheitsdatennutzung durch Krankenkassen. Daher fordern sie eine grundlegende Überarbeitung des GeDIG-Entwurfs und warnen vor einem schleichenden Paradigmenwechsel bei der Rolle der Krankenkassen, die sich vom reinen Kostenträger in Richtung Leistungserbringung und Fallmanagement hinentwickelt. Besonders scharf fiel die Kritik an der vorgesehenen Einwilligungslösung für den Kassenzugriff auf ePA-Daten aus – so ein weiterer mit großer Mehrheit angenommener Beschluss vom Vorstand der Bundesärztekammer: „Die geplante Einwilligungslösung schützt Patienten und Versicherte nicht ausreichend, weil sich die Betroffenen als Einzelne gegenüber ihrer Krankenkasse grundsätzlich in einer schwächeren Position befinden. Es ist zudem nicht zumutbar, stets im Blick behalten zu müssen, ob eine einmal gegebene Einwilligung aufgrund des Eintritts neuer Erkrankungen widerrufen werden sollte“.
Medizinische Entscheidungen müssen ärztlich bleiben
Mit der breitesten Mehrheit aller Beschlüsse zum GeDIG, mit 189 zu 7 Stimmen für einen Beschlussantrag, bekräftigte der Ärztetag das Prinzip der klaren Rollentrennung: Medizinische Entscheidungen darüber, ob, wie und in welchem Umfang Patienten behandelt werden, müssen frei von Kasseneinflüssen getroffen werden. Krankenkassen dürfen keine digitalen Instrumente zur Patientensteuerung betreiben, die Versorgungsentscheidungen ohne unabhängige ärztliche Verantwortung vorbereiten oder beeinflussen. Auch bei Zweitmeinungsverfahren sieht der Ärztetag einen klaren Interessenkonflikt: Krankenkassen sollten „aus Gründen des Interessenskonfliktes keine Zweitmeinungsverfahren anbieten dürfen. Solche Verfahren sollten perspektivisch ärztlich entwickelt sein.“
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Die geplante digitale Ersteinschätzung über die ePA-App als vorgeschaltete Hürde vor dem Arztbesuch sowie die kassengesteuerte Terminvergabe werden als mit dem Recht auf Gesundheit kaum vereinbar gewertet. Die Abgeordneten des Ärztetags warnten klar: „Diese Strategie kann Patientinnen und Patienten von einer notwendigen Behandlung ausgrenzen. Sie greift unzulässig tief in die Organisationsfreiheit von medizinischen Institutionen und in das Patienten-Arzt-Verhältnis ein.“
Kein Digitalzwang
Ein weiterer Beschluss richtete sich gegen einen schleichenden Digitalzwang im Gesundheitswesen und die Pläne, die elektronische Patientenakte (ePA) zur zentralen „Plattform für die Ersteinschätzung, Steuerung, Überweisung und Terminvergabe“ weiterzuentwickeln. „Gesundheit als wesentliches Grundrecht aller Menschen muss im Rahmen der Daseinsfürsorge für jeden möglich sein, auch ohne die Nutzung digitaler Techniken oder bestimmter Apps“, heißt es darin. Betroffen wären vor allem vulnerable Gruppen: ältere und kranke Menschen, Menschen mit Einschränkungen, Menschen mit geringem Einkommen oder mangelnden Sprachkenntnissen. Aber auch aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive sei Vorsorge geboten: „Auch Krisen oder Kriegssituationen erfordern Offline-Möglichkeiten der Daseinsvorsorge, der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und der Nutzung der öffentlichen Infrastruktur.“
An den Vorstand zur weiteren Entscheidung überwiesen wurde ein daran anlehnender Antrag, der die „systemändernde Überfrachtung der ‚ePA für alle’“ ablehnt. Die ePA erfülle schon heute ihre ursprünglichen Versprechen nicht, so die Delegierten. Sie leide unter mangelnder Hochverfügbarkeit, falscher Prioritätensetzung und fehlendem Vertrauen bei Patienten wie Ärzten. Schon der bisherige Grundfehler sei gewesen, „eine versicherten geführte Akte gleichzeitig als Notfallakte, Patientenkopie, Kommunikationslösung in der Medizin, Forschungsdatenzulieferung und Datensammlung für Patienten zu deklarieren“.
Ebenfalls an den Vorstand geht ein Antrag, der bezüglich der Reformpläne auf einen Konflikt mit der Schweigepflicht abzielt. „Ärztinnen und Ärzte erfahren einen eklatanten Widerspruch zwischen ihrer Schweigepflicht und der gesetzlichen Vorgabe, alle Daten über ihre Patienten in die ePA und damit auch an das Forschungsdatenzentrum beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weiterzuleiten. Die meisten Menschen in Deutschland wissen nicht, dass künftig der gesamte Inhalt ihrer Akte dort gesammelt und an Dritte zur auch kommerziellen Auswertung zur Verfügung gestellt wird“. Aus den Anträgen ging auch hervor, dass sich die Ärzte nicht gegen die Digitalisierung des Gesundheitswesens stelle und in vielen Bereichen bereits gut digital aufgestellt sei. Jedoch müsse ein Mehrwert erkennbar sein. KI könne zudem helfen, jedoch dürfe sie nur ein Werkzeug sein.
(mack)
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iX-Workshop: Mehr Tempo beim Coding – mit KI-Assistenten effizient programmieren
KI-Modelle erzeugen auf Grundlage natürlicher Sprache eigenständig Programmcode und beschleunigen so die Softwareentwicklung. Auch bei der Fehlersuche und Code-Analyse unterstützen KI-Assistenten und sind inzwischen fester Bestandteil zahlreicher Entwicklungsumgebungen. Sie interagieren mit externen Tools und bieten zunehmend eine agentische Arbeitsweise, die über bloßes Autocomplete hinausgeht.
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Im Workshop Produktiver programmieren mit KI-Assistenz: GitHub Copilot & Alternativen erhalten Sie einen Einblick in gängige KI-Programmierassistenten. Am Beispiel von GitHub Copilot trainieren Sie unter Anleitung des Trainers selbstständig den Umgang mit derartigen Tools und üben gezielte Prompting-Techniken, um Code-Vorschläge und -Änderungen effektiv zu steuern und zu verbessern.
Danach überführen Sie mit Spec-Driven Development kurze Markdown-Spezifikationen in fertigen Programmcode und planen mehrstufige Aufgaben mit Agentic Coding. Zudem grenzen Sie beide Arbeitsweisen von Vibe Coding ab. Abschließend erfahren Sie, wie das Model Context Protocol externe Tools an die KI-Assistenten anbindet und sich mit Retrieval Augmented Generation eigene Daten integrieren lassen.
Praxis pur: KI-Assistenten im Live-Coding testen
An zwei Tagen Live-Coding lernen Sie, wie Sie GitHub Copilot produktiv einsetzen können – vom ersten Setup bis hin zur produktiven Arbeit. Mit KI-Assistenz entwickeln Sie Schritt für Schritt eine lauffähige Anwendung. Der Workshop bietet zudem einen Einblick in die Architektur, Funktionen und Preismodelle von Alternativen wie Cursor, Claude Code, OpenAI Codex oder Kilocode. Somit erhalten Sie das Know-how, um zu entscheiden, welcher KI-Assistent zu den Anforderungen Ihrer Projekte passt.
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Juli 28.07. – 29.07.2026 |
Online-Workshop, 09:00 – 17:00 Uhr 10 % Frühbucher-Rabatt bis zum 30. Jun. 2026 |
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November 02.11. – 03.11.2026 |
Online-Workshop, 09:00 – 17:00 Uhr 10 % Frühbucher-Rabatt bis zum 05. Okt. 2026 |
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Dezember 15.12. – 16.12.2026 |
Online-Workshop, 09:00 – 17:00 Uhr 10 % Frühbucher-Rabatt bis zum 17. Nov. 2026 |
Von Erfahrungen aus der Praxis lernen
Sie profitieren von der direkten Anleitung durch Ihren Trainer Rainer Stropek. Als Experte für Softwareentwicklung, Softwarearchitektur und Cloud Computing bringt er langjährige Erfahrung aus der Entwicklung realer Anwendungen mit. Gemeinsam mit seinem Team hat er unter anderem die SaaS-Zeiterfassung „time cockpit“ entwickelt und setzt sich intensiv mit dem produktiven Einsatz moderner Entwicklungstools auseinander. Im Workshop zeigt er, wie sich KI-Assistenten sinnvoll in bestehende Entwicklungsprozesse integrieren lassen und wo ihre Stärken und Grenzen in der Praxis liegen.
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Für wen ist dieser Workshop geeignet?
Dieser praxisnahe Workshop ist auf Softwareentwickler zugeschnitten, die KI-Assistenten ausprobieren oder den Funktionsumfang bereits genutzter Tools noch stärker ausreizen möchten. Ebenso eignet er sich für technische Führungskräfte, die den Einsatz von KI-gestützter Softwareentwicklung bewerten und fundierte Entscheidungen für ihre Teams treffen wollen.

(ilk)
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Quantenverschlüsselung: ARD und Vodafone testen abhörsichere TV-Übertragung
Quantencomputer gelten als das nächste große Ding in der IT – zumindest für einige Bereiche wie dem KI-Modelltraining oder in Wissenschaft und Forschung. Aber sie bringen auch neue Risiken mit sich: Mit ihnen wird das Brechen bestehender Verschlüsselungen zum Kinderspiel. Das wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus: auch auf Fernsehübertragungen. Die ARD, Vodafone und die Duale Hochschule Baden-Württemberg haben jetzt eine Quantenverschlüsselung getestet. Und sie kann noch mehr als bestehende Absicherungen: Durch sie wird nämlich sogar ersichtlich, dass ein Abhörversuch stattfindet.
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Der Test über eine Glasfaserleitung fand nach Angaben von Vodafone zwischen dem ARD-Standort in Frankfurt am Main und dem Funkhaus des SWR in Mainz statt, der das Experiment federführend begleitete. Die Verschlüsselung der Übertragungen soll laut den drei Partnern sicherstellen, dass Übertragungen nicht manipuliert oder gekapert werden können. Angreifer könnten etwa verfälschte Inhalte einspeisen und ein Millionenpublikum erreichen, etwa bei Fußballübertragungen.
Abhören verändert Quantenzustände
Das Absichern von Verschlüsselungsmethoden gegen Quantencomputer ist vielerorts ein Thema. Mehrere Messenger-Apps unterstützen zum Beispiel bereits Postquanten-Verschlüsselung. Gegen die besondere Rechenleistung von Quantencomputern will sich auch der Medienbereich absichern. Forscher, Telekommunikationsanbieter und Rundfunkanstalt setzten in dem Versuch auf Quantum Key Distribution (QKD), einen hardwaregestützten Ansatz der Quantenverschlüsselung. Zudem gibt es mit Post Quantum Cryptography (PQC) einen softwarebasierten Ansatz, der neue Algorithmen zur Absicherung von IT-Systemen vorsieht.
Für den Praxistest rüsteten die Partner beide TV-Standorte mit entsprechender Quantentechnologie aus und verbanden sie über eine dedizierte Glasfaserleitung – den sogenannten Quantenkanal. Darüber lassen sich Photonen in definierten Quantenzuständen übertragen, aus denen an beiden Enden Schlüssel generiert werden.
Die Besonderheit: Wer versucht, diesen Kanal abzuhören, verändert dabei unweigerlich die Quantenzustände – und verrät sich damit sofort. Der Schlüssel wird in diesem Fall automatisch erneuert, ohne dass die Sicherheit der übertragenen Daten leidet. Vodafone-Netz- und Technikchef Fabrizio Rocchio sieht den Test als Beleg dafür, dass sich sensible Daten künftig über noch sicherere Kommunikationswege schützen lassen. Offen bleibt allerdings, wann die Technologie den Sprung in den regulären Sendebetrieb schaffen soll – dazu machten die Partner keine Angaben.

Infografik von Vodafone, die den Praxistest erläutert.
(Bild: Vodafone)
Nicht der erste, aber ein praxisnaher Test
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Der Test von Vodafone, ARD und der Dualen Hochschule BW ist nicht der erste seiner Art. Bereits im Jahr 2010 demonstrierte das Tokyo QKD Network eine quantenverschlüsselte Videokonferenz über eine Distanz von bis zu 135 Kilometern, inklusive simuliertem Abhörangriff, der vom System innerhalb von Sekunden erkannt wurde. Was den deutschen Test jedoch von diesem und anderen unterscheidet: Er fand in einer realen Rundfunkinfrastruktur statt.
Die Hardware für direkte Glasfaser-Verbindungen, die für die Quantenschlüssel-Verteilung benötigt wird, ist laut Vodafone bereits marktreif. Es gebe aber auch noch Herausforderungen, etwa wenn Distanzen von mehr als 100 Kilometern zu überbrücken sind. Dies liegt daran, dass für den Quantenkanal eine eigene Faser benötigt wird. Deshalb werde beispielsweise auch auf Satellitenverbindungen geschaut. Konkrete Zeitpläne für die Produkteinführung gibt es aktuell noch nicht.
(mki)
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Contra Microsoft 365 – der Kommentar: Mit Support-Ende in die Cloud gezwungen
Die Botschaft aus Redmond ist klar: Wer auf dem Microsoft-Pfad bleiben will, soll zu Microsoft 365 wechseln. Wer seine Software bisher gekauft hat, soll nun dauerhaft mieten. Der Anbieter kontrolliert künftig nicht nur die Anwendung, sondern bestimmt auch die Spielregeln: Preis, Funktionsumfang, Update-Takt und Integrationen. Aus Kontrolle wird Zustimmungspflicht.
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(Bild: Nextcloud GmbH )
Frank Karlitschek gründete 2016 das Nextcloud-Projekt und ist Geschäftsführer der Nextcloud GmbH.
Microsoft muss die lokale Office-Welt dafür nicht über Nacht abschaffen. Es reicht, sie Schritt für Schritt an den Rand zu schieben. Die Zukunft des eigenen Ökosystems entsteht längst anderswo: in Microsoft 365, in der Cloud, in laufenden Abonnements, in eng integrierten Diensten und zunehmend in KI-Funktionen, die an diese Umgebung gebunden sind.
Höhere Kosten, weniger Spielraum
Microsoft bietet ein Komplettpaket mit automatischen Updates und integrierten Sicherheitsfunktionen, ein eigener Servicebetrieb ist nicht nötig. Das ist komfortabel und entlastet Unternehmen ohne eigene IT-Abteilung. Das Problem dabei: Eine Wahlfreiheit gibt es nicht. Zum 1. Juli 2026 erhöht Microsoft die Preise zahlreicher Pakete, begründet mit neuen KI-Funktionen und Sicherheitsfeatures. Zahlen müssen alle – auch jene, die diese Funktionen nie angefordert, nie gebraucht und nie eingeplant haben. Wer aufgrund des Support-Endes migriert, ist nicht überzeugt. Er ist getrieben.
Gerade kleinere Unternehmen trifft diese Dynamik hart. Viele nutzen lokale Office-Versionen lange, weil sie planbar sind, lokal laufen und sich in bestehende Prozesse eingefügt haben. Wenn der Support endet, bleibt im Alltag oft wenig Raum für eine grundsätzliche Neubewertung. Dann geht es um Sicherheit, Kompatibilität, knappe IT-Ressourcen – und am Ende nicht um die beste, sondern um die schnellste Lösung.

Seit Trump 2.0 wird viel über Digitale Souveränität gesprochen. Auf dem diesjährigen IT Summit by heise (24. und 25. November in München) gehen wir einen Schritt weiter und zeigen, wie Unternehmen die Kontrolle über ihre IT tatsächlich zurückgewinnen können. In drei Tracks zu den Themen Souveräner Arbeitsplatz, Souveräne KI und Souveräne Infrastruktur zeigen Unternehmen, wie sie ihre IT unabhängiger aufgestellt haben. Spezialisten erläutern Wege zu mehr Souveränität – von der Messung der eigenen Souveränität bis zu souveränen Alternativen zu M365 und VMware. In seiner Keynote erläutert Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium, die politischen Rahmenbedingen für Digitale Souveränität.
Der IT Summit richtet sich IT-Verantwortliche in Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen, die ihre IT unabhängiger aufstellen wollen. Er findet am 24. und 25.11. in München statt. Weitere Informationen finden Sie unter it-summit.heise.de. Das Programm des IT Summit 2026 wird Anfang Juli wird veröffentlicht.
Für Office 2021 sowie Exchange 2016 und 2019 ist ab Oktober Schluss. Solche Stichtage sind nicht nur einzelne Support-Enden, sondern strategische Weichenstellungen: Wer nicht mitzieht, bleibt auf veralteter Software sitzen. Wer mitzieht, vertieft eine Abhängigkeit, aus der der Ausstieg von Jahr zu Jahr teurer wird.
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Was das mit digitaler Souveränität zu tun hat
Microsofts Marktanteil im Bereich Bürosoftware liegt in Deutschland bei über 90 Prozent. Der Bund gab 2024 mehr als 200 Millionen Euro für Microsoft-Lizenzen aus – ein Anstieg von fast 180 Prozent seit 2017. Wer tief in diesen Workflows steckt, wer Dokumente, Prozesse, Schulungen und interne Abläufe über Jahre darauf ausgerichtet hat, entscheidet nicht mehr frei – sondern innerhalb der Abhängigkeit.
Das Support-Ende von Office 2021 ist kein üblicher Produktlebenszyklus, sondern ein weiterer Schritt in einer langen Reihe von Entscheidungen, die diese Abhängigkeit vertiefen. Der Fall Office 2021 macht dieses Problem greifbar. Wahlfreiheit verschwindet selten mit einem Knall. Sie schrumpft leise, wenn ein Anbieter den attraktivsten Weg immer enger an das eigene Ökosystem bindet. Sie wird kleiner, wenn neue Funktionen, Sicherheitsversprechen, Integrationen und Preismodelle so gestaltet werden, dass der Wechsel zwar möglich bleibt, praktisch aber immer unwahrscheinlicher wird. Das Ende von Office 2021 sollte deshalb ein Anlass sein, die eigene Wechselbereitschaft ehrlich zu prüfen.
Echte Wahlfreiheit heißt nicht Lizenzfreiheit – auch Open-Source-Software kommt mit Bedingungen. Der entscheidende Unterschied: Der Code ist prüfbar, der Anbieter ist austauschbar und die Software ist nicht an eine einzelne Plattform gebunden. Wer das als Grundlage nimmt, behält die Kontrolle über seine eigene Infrastruktur.
Wahlfreiheit entsteht nicht durch Abwarten
Microsofts Strategie funktioniert nur so lange, wie der Ausstieg als zu aufwendig gilt. Dass das eine Annahme ist und keine Naturgewalt, beweisen längst andere. Schleswig-Holstein hat Microsoft-Produkte systematisch ersetzt; rund 80 Prozent der Arbeitsplätze arbeiten ohne Microsoft Office, bei einmaligen Migrationskosten von neun Millionen Euro und über 15 Millionen Euro jährlicher Lizenzersparnis – Amortisationszeit unter einem Jahr. Bayern hat den geplanten Milliardenvertrag mit Microsoft soeben offiziell gekippt und setzt stattdessen auf einen souveränen Arbeitsplatz auf Open-Source-Basis. Das sind keine Pilotprojekte mehr. Das sind Entscheidungen.
Wer offene Formate verbindlich macht, Alternativen erprobt und Exit-Strategien einplant, handelt selbst – statt beim nächsten Support-Ende erneut auf die Frist von Microsoft zu reagieren.
Spielen auch Sie mit dem Gedanken, Microsoft 365 aus Ihrem Unternehmen zu verbannen? Einiges spricht dafür – und auch einiges dagegen. Die neue iX zeigt, was die Alternativen besser können und wo Microsoft 365 der Primus bleibt. Erhältlich ist das Juli-Heft ab sofort im heise shop.
(sfe)
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