Digital Business & Startups
27 Journalist:innen, die Gründer:innen 2026 kennen sollten
Startups sind zentrale Treiber von Innovation und technologischer Transformation. Gleichzeitig befindet sich die Branche in einer Phase tiefgreifender Veränderungen: KI, neue Plattform-Ökonomien, geopolitische Entwicklungen und ein verändertes Finanzierungsumfeld prägen die Agenda vieler Gründer:innen – und damit auch das Informationsbedürfnis von Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft.
„Die Medienlandschaft hat sich stark verändert. Neben klassischen Redaktionen spielen heute Newsletter, Podcasts, LinkedIn und spezialisierte Tech-Medien eine immer wichtigere Rolle“, sagt Tilo Bonow, CEO und Gründer von PIABO Communications. „Für Startups bedeutet das: Kommunikation muss strategisch gedacht werden – mit langfristigen Beziehungen zu Journalist:innen und relevanten Stories.“
Hinzu kommt ein neuer Faktor: Inhalte werden zunehmend über KI-Systeme entdeckt. „Wer in LLMs auftauchen will, muss in glaubwürdigen Medien stattfinden“, so Bonow. „Deshalb ist strategisches Storytelling heute wichtiger denn je.“
Die folgenden 27 Journalist:innen sollten Startups 2026 auf dem Radar haben. Die Liste ist alphabetisch nach Medium sortiert – kein Ranking, sondern ein Ausschnitt jener, die uns ihre Zustimmung zur Veröffentlichung gegeben haben.
Niklas Wirminghaus – Capital
Niklas Wirminghaus ist leitender Redakteur bei Capital, wo er seit 2017 vor allem die Auswirkungen neuer Technologien auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft covert. Ein besonderer Fokus seiner Berichterstattung liegt auf Fintech, digitaler Transformation und der Frage, wie technologische Innovation etablierte Branchen verändern.
Alex Hofman – CEO.Table
Alex Hofmann leitet die Wirtschaftsredaktion von Table.Briefings, wo er sich mit maßgeblichen wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Entwicklungen befasst und dabei einen starken Fokus auf Technologiethemen setzt. Seine Themen reichen von Digitalwirtschaft und Innovation bis zu strategischen Fragen rund um Unternehmertum und Leadership.
Christoph Dernbach – dpa
Christoph Dernbach ist der Chefkorrespondent Digitales der Deutschen Presse-Agentur dpa und damit so etwas wie der Digitalminister der Nachrichtenagentur. Die dpa bedient ein breites Kundenspektrum von klassischen Medien bis hin zu Onlineportalen und er zielt damit eine riesige Reichweite. Dernbach berichtet über zentrale Entwicklungen der digitalen Wirtschaft. Seine Themen reichen von Plattformunternehmen über Regulierung bis zu gesellschaftlichen Auswirkungen technologischer Innovationen.
Alexander Hüsing – deutsche startups
Alexander Hüsing ist Gründer und Chefredakteur von deutsche-startups.de. Seit vielen Jahren berichtet er über die deutsche Startup-Szene, Finanzierungsrunden und die wichtigsten Entwicklungen im Gründungsökosystem. 2024 rief er das Event Startupland im Kölner Rheinenergie Stadion ins Leben, welches auch dieses Jahr wieder das Ökosystem zusammenbrachte.
Nils Heck – Dreimaldrei Journalisten
Nils Heck ist Gründer des Journalistenbüros dreimaldrei. Er beschäftigt sich am liebsten mit Skandalen und der Frage, wie Banking und Payment in der Zukunft aussehen. Seine Texte erscheinen unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, der brandeins, bei Zeit für Unternehmer und in Fachmagazinen wie „Payment & Banking”.
Holger Schmidt – FAZ
Holger Schmidt leitet die Redaktion „Newsletter & Verticals“ der F.A.Z. und das wöchentliche Digitalwirtschaft-Briefing. Seine Themen sind Künstliche Intelligenz und Plattformökonomie. Zudem analysiert er regelmäßig die strategischen Entwicklungen großer Technologieunternehmen.
Caspar Schlenk – Finance Forward Magazin & Manager Magazin
Seit Anfang 2025 arbeitet Caspar Tobias Schlenk als Redakteur beim manager magazin. Er kümmert sich um Techunternehmen wie den Softwarekonzern SAP und Start-ups. Zuvor hat er das Fintech-Portal Finance Forward aufgebaut, als Joint Venture von „Capital“ und OMR, seit 2025 gehört es zum manager magazin.Ausgezeichnet u. a. mit dem Herbert Quandt-Medienpreis und dem Deutschen Journalistenpreis.
Leo Ginsburg – Gründerszene
Leo Ginsburg ist seit Juni 2025 Chefredakteur von Gründerszene und berichtet über Startups, Venture Capital und die deutsche Tech-Szene. Seine Berichterstattung umfasst Finanzierungsrunden, Wachstumsstrategien junger Unternehmen und Entwicklungen im europäischen VC-Markt. Zudem ist er Host des Interview-Podcasts „Business Class“.
Nadine Schimroszik – Handelsblatt
Seit 2022 arbeitet Nadine Schimroszik als Start-up- und Technologiekorrespondentin für das Handelsblatt. Neben Venture Capital und technologischer Innovation berichtet sie inzwischen viel über Rüstungs-Start-ups. In ihren Artikeln analysiert sie Finanzierungsrunden, Investorenstrategien sowie Trends im europäischen Startup-Ökosystem.
Eva-Maria Weiß – heise online
Eva-Maria Weiß berichtet bei heise online über künstliche Intelligenz, digitale Trends und Internetkultur. In ihrer Berichterstattung ordnet sie technologische Entwicklungen kritisch ein und beleuchtet, wo Innovation echten Nutzen bringt – und wo sich hinter neuen Technologien vor allem Hype verbirgt.
Rebekka Reinhard – HUMAN Magazin
Rebekka Reinhard schreibt für das Magazin HUMAN über gesellschaftliche Auswirkungen technologischer Innovationen. Ihre Beiträge beschäftigen sich insbesondere mit den kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen durch Digitalisierung und KI.
Hannah Schwär – manager magazin
Hannah Schwär schreibt über die deutsche Tech- und Gründerszene. Ihr Spezialgebiet: Fintech und digitale Geschäftsmodelle. Ihre Beiträge analysieren strategische Entwicklungen im Technologie- und Finanzsektor. Sie wurde mit dem Medienpreis Mittelstand ausgezeichnet und bekam die „Top 30 bis 30“-Ehrung des „Medium Magazin“.
Matthias Kremp – SPIEGEL
Matthias Kremp war in den Neunzigerjahren dabei, als das Internet laufen lernte. Seit 2007 ist er in verschiedenen Rollen zuerst bei SPIEGEL ONLINE, dann beim SPIEGEL tätig. Er berichtet über Technologieunternehmen, Internetökonomie und globale Tech-Trends. Um ganz nah dran zu sein, an neuen Entwicklungen und den Entscheidern der Branche, reist er regelmäßig zu internationalen Technologie- und Entwicklerkonferenzen.
Hans Luthardt – StartingUp
Hans Luthardt ist seit über 20 Jahren im Start-up-Bereich journalistisch tätig und hat unter anderem die Gründungsplattform StartingUp mit aufgebaut, die er seit 2019 als Chefredakteur leitet. Als fester Bestandteil der Start-up-Community ist StartingUp die Online-Anlaufstelle für Gründer:innen, um täglich neues Wissen über die deutsche Start-up-Szene sowie über Innovationen und Disruptionen in der digitalen Wirtschaft aufzusaugen.
Jan Thomas – Startup Insider
Jan Thomas ist Gründer und Host der Medienplattform Startup Insider. In seinen Podcasts und Newslettern spricht er regelmäßig mit Gründer:innen, Investor:innen und Branchen-Expert:innen über Trends, Finanzierungsrunden und Entwicklungen im Startup-Ökosystem. Als Speaker und Thought Leader steht er für fundierte Marktanalysen, operative Erfahrung und strategische Wachstumsimpulse.
Sabine Elsässer – startup valley
Sabine Elsässer ist eine erfahrene Unternehmerin sowie Medien- und Startup-Expertin. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin und CEO von StartupValley Media & Publishing. In dieser Rolle verantwortet sie die Unternehmensführung sowie die strategische Ausrichtung der Medien- und Publishing-Aktivitäten. Sabine Elsässer unterstützt mit großer Leidenschaft Menschen und Unternehmen dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten. Ihre Expertise im Aufbau von Vertriebsorganisationen sowie ihre Begeisterung für Innovation machen sie zu einer wertvollen Unterstützerin für Startups und Unternehmer.
Malte Mansholt – STERN
Malte Mansholt schreibt als Redakteur für Digitalthemen beim STERN über die großen Entwicklungen der Branche und denkt dabei immer an seine Leser. Sein Fokus liegt auf Consumer-Produkten und den gesellschaftlichen Folgen des digitalen Wandels. Für die besten Geschichten hält er die Augen stets nach guten Gesprächspartnern offen und hört betroffenen Verbrauchern genauso zu wie Apple-Chef Tim Cook.
Jannis Brühl – Süddeutsche Zeitung
Jannis Brühl leitet das Team Geld, Arbeit, Tech. Seine Berichterstattung verbindet wirtschaftliche Entwicklungen der Tech-Branche mit ihren gesellschaftlichen und politischen Auswirkungen. 2026 erschien sein Buch „Disruption – Die Ideologie der Tech-Oligarchen und das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen“.
Lisa Oder – Tagesspiegel Background
Lisa Oder ist stellvertretende Leiterin des Tagesspiegel Background Digitalisierung & KI. Seit ihrem Start bei Tagesspiegel Background Mitte 2024 berichtet sie über digitale Infrastruktur, nachhaltige Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.
Thomas Heuzeroth – WELT
Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur bei WELT, WELT AM SONNTAG und Business Insider. Seit mehr als 25 Jahren berichtet er für WELT über die Themen Telekommunikation, Internet, Technologie und Mobilfunk. In seiner Berichterstattung verbindet er wirtschaftliche Entwicklungen der Tech-Branche mit praxisnahen Einordnungen für Verbraucher:innen.
Lisa Ksienrzyk – WirtschaftsWoche
Lisa Ksienrzyk ist seit 2024 Redakteurin bei der WirtschaftsWoche. Sie berichtet für die WirtschaftsWoche über die Startup-Szene und digitale Geschäftsmodelle. Ihre Artikel beschäftigen sich häufig mit Finanzierungsrunden, Wachstumsstrategien junger Unternehmen und Trends im Startup-Ökosystem.
Lisa Hegemann – Die ZEIT
Lisa Hegemann leitet seit 2021 das Digital-Ressort bei ZEIT ONLINE. Seit Mai 2018 ist sie für ZEIT ONLINE tätig – zunächst als Redakteurin, bevor sie die Ressortleitung übernahm. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Technologien und ihren gesellschaftlichen Auswirkungen, darunter Künstliche Intelligenz und Digitalisierung. Darüber hinaus ist sie Co-Hosterin des ZEIT-Podcasts „Geht da noch was?“.
Andreas Munk Holm – EU.VC
Andreas Munk Holm ist Gründer von EUVC, einer von Praktiker:innen geführten Medienplattform für europäisches Venture Capital und Tech. Seine Arbeit konzentriert sich auf Kapitalallokation, Fondsstrategien, Pensionskapital sowie auf das übergeordnete Narrativ rund um Europas technologische Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit. Im Jahr 2026 liegt sein besonderer Fokus darauf, institutionelles Kapital stärker mit Venture Capital zu verknüpfen und Europas langfristiges strategisches Selbstvertrauen durch einen hochwertigen, investorengetriebenen Dialog zu stärken.
Benoit Zante – Maddyness
Benoit Zante berichtet über die Schnittstelle von Technologie, Medienwandel und Creator Economy. In seiner Berichterstattung geht es zudem um Innovationen und europäische Startup-Ökosysteme, mit besonderem Fokus auf die gesellschaftlichen und menschlichen Auswirkungen technologischer Entwicklungen.
Mike Butcher – Pathfounders
Mike Butcher ist Gründer und Editor von Pathfounders, einem auf die Tech- und Startup-Welt spezialisierten Medienformat. Zuvor war er 18 Jahre lang Editor-at-large bei TechCrunch. Seit 1995 berichtet er als Technologiejournalist und wurde von Wired UK als einer der einflussreichsten Journalisten der europäischen Tech-Szene ausgezeichnet. Bei Pathfounders beleuchtet er Startups, Venture Capital und die globale Innovationslandschaft – mit besonderem Fokus auf Europa.
Anne Sraders – Sifted
Anne Sraders ist Senior Reporterin beim Financial-Times-unterstützten Medium Sifted, wo sie von Berlin aus über Venture Capital und Deeptech-Startups berichtet. Im Jahr 2026 konzentriert sich ihre Berichterstattung vor allem auf die Trends, die die Venture-Capital-Landschaft in ganz Europa prägen, sowie auf die schnell wachsende Defence-Tech-Branche. Außerdem schreibt sie den wöchentlichen VC-Newsletter von Sifted „Up Round“.
Cate Lawrence – Tech.eu
Als leitende Journalistin bei Tech.eu berichtet Cate Lawrence über die Menschen, politischen Rahmenbedingungen und Technologien, die Europas Innovationsökonomie prägen. Ihre Berichterstattung umfasst Startups und Investitionen in den Bereichen KI, Climate Tech, Defence Tech, Space, Healthtech, Frontier Hardware und digitale Souveränität. In ausführlichen Q&As und Longform-Features gibt sie Gründerinnen und Gründern Raum, nicht nur zu erklären, was sie bauen, sondern auch warum es relevant ist.
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Angeln: Wie Dustin Schöne aus einem Rentner-Hobby eine Millionenmarke baut
Wer an Angeln denkt, denkt an Klappstuhl, Thermoskanne und Rentner. Dustin Schöne denkt an Markenaufbau, Community und einen Millionenumsatz. Mit seinem Berliner Startup Nays will er aus einem traditionellen Hobby eine moderne Lifestyle-Marke machen.
Gemeinsam mit Mitgründer Marcel Mandry haben die beiden 2019 das Berliner Angel-Startup Nays aufgebaut. Die Marke will ein neues Bild vom Angeln etablieren und erinnert an moderne Outdoor- und Lifestyle-Brands. Neben Ködern und Angelzubehör verkauft das Unternehmen inzwischen auch Bekleidung, von Caps und Hoodies bis hin zu Outdoor-Jacken. Gründerszene verbringt einen Tag mit dem Unternehmer am Wasser.
Während Schöne routiniert auswirft, spricht er über Markenaufbau, Produktentwicklung und die Vision hinter Nays. „Wir wollten etwas anders machen als das, was auf dem Markt schon gegeben war“, erzählt Schöne.
Vom Opa ans Wasser – und später ins Unternehmertum
Dass Schöne heute Unternehmer ist, war nicht geplant. Seine Verbindung zum Angeln begann lange vor Nays. „Ich angel eigentlich schon immer, seitdem ich denken kann“, erzählt er. Geprägt habe ihn vor allem sein Großvater. „Es war zwar nie jemand Angler in der Familie, aber mein Opa war sehr naturverbunden und hat mich immer mit ans Wasser genommen.“
Was zunächst als Kindheitsbeschäftigung begann, wurde schnell zu einer Leidenschaft. „Ich habe geboxt, ich habe Fußball gespielt, ich habe viel Sport gemacht. Aber das waren eher Hobbys. Angeln hat mich so sehr beeinflusst und geprägt, dass es eher eine Passion war.“ Schon in der Schule habe ihn das Hobby kaum losgelassen. „Ich konnte an nichts anderes denken“, erzählt er. „Ich war schon immer eher unruhig. Angeln war das Einzige, wo ich Ruhe gefunden habe, wo nicht so viel Input war und ich mich konzentrieren konnte.“
Später machte sich Schöne in der Angelszene einen Namen. Er gewann zahlreiche Wettbewerbe und baute sich über Turniere und Social Media eine Reichweite auf. „Ich habe Glück gehabt, viele Turniere gewinnen zu können“, sagt er. Die Erfolge verschafften ihm Glaubwürdigkeit in einer Szene, die später zur Grundlage für den Aufbau von Nays werden sollte.
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Vom Turniersieger zur Marke
Die Idee für Nays entstand aus einer Beobachtung: Obwohl Millionen Menschen angeln, wirkte die Branche auf Schöne altmodisch. „Das Image war Bierbauch, Bierkanne und dann sitzt du da am See und trinkst Bier“, sagt er. „Dabei war Angeln viel mehr.“
Gemeinsam mit Marcel Mandry wollte er deshalb eine Marke schaffen, mit der sich eine neue Generation von Anglern identifizieren kann. Schöne kennt die Mechanismen moderner Marken auch aus seinem privaten Umfeld: Seine Partnerin ist Unternehmerin und Model Lena Gercke. Mandry bringt dabei einen anderen Hintergrund mit als sein Mitgründer. Während Schöne aus der Angelszene kommt, sammelte er Erfahrungen in der Startup- und Fintech-Welt, unter anderem bei Solaris. Heute verantwortet er vor allem die strategischen und wirtschaftlichen Themen des Unternehmens.
Mit nur zwei Produkten gestartet
Statt anfangs große Summen in Marketing zu investieren, steckten sie ihr Geld in Produktentwicklung und Teamaufbau. Anfangs bestand das Sortiment aus gerade einmal zwei Ködern. Die Gründer vertrauten darauf, ihre Zielgruppe genau zu kennen. Im Vorverkauf kam die Bestätigung schneller als erwartet. „Da haben wir das erste Mal gesehen: Das, was wir machen, funktioniert und die Leute haben Bock darauf.“, sagt Schöne.
Heute umfasst das Sortiment weitaus mehr Produkte. Der bekannteste Köder der Marke ist bis heute der Gummifisch „Venom“. Schöne beschreibt ihn als klassischen Köder, „mit dem jeder etwas anfangen kann“. Statt auf große Werbekampagnen setzt Nays auf die eigene Community. Die Marke arbeitet bewusst mit Anglern zusammen, die bereits Teil der Szene sind und die Werte des Unternehmens teilen. „Für mich ist wichtig, dass jemand authentisch ist, guten Content macht und zu unserer Philosophie passt“, sagt er. Viele Inhalte entstehen deshalb nicht in Studios, sondern auf Angeltrips, Produkttests oder Touren mit der Community. Eine davon führte das Team mit dem Boot von Frankreich über Deutschland bis in die Niederlande Richtung Nordsee. „Wir haben dann immer Stopps gemacht und die Leute getroffen, die dort in der Region gewohnt haben.“
Keine Investoren, volle Kontrolle
Das Gründerteam entscheidet sich bewusst gegen Finanzierungsrunden und Investoren und sind stolz darauf, komplett bootstrapped zu agieren. „Wir haben alles, was wir verdient haben, in den Aufbau des Teams gesteckt“, sagt Mandry. Der Grund dafür: Die Marke soll authentisch bleiben und sich nicht nach kurzfristigen Wachstumszielen richten. Die Produkte sollen von Menschen entwickelt werden, die selbst angeln und ihre Zielgruppe verstehen, und nicht von Investoren, die auf möglichst schnelle Rendite aus sind.
Statt auf große Werbekampagnen setzt Nays außerdem auf die eigene Community. Die Marke arbeitet bewusst mit Anglern zusammen, die bereits Teil der Szene sind und die Werte des Unternehmens teilen. Viele Inhalte entstehen deshalb nicht in Studios, sondern auf Angeltrips, Produkttests oder Touren mit der Community. Eine davon führte das Team mit dem Boot von Frankreich über Deutschland bis in die Niederlande Richtung Nordsee. „Wir haben dann immer Stopps gemacht und die Leute getroffen, die dort in der Region gewohnt haben.“
Die nächste Wachstumsphase
Heute beschäftigt Nays mehr als 30 Mitarbeitende. Neben Deutschland wächst die Marke inzwischen auch in Frankreich. „Ein großes Ziel bei uns ist der amerikanische Markt“, sagt Mandry.
Für Schöne ist das naheliegend. „In Deutschland gibt es ungefähr vier bis sechs Millionen aktive Angler. In den USA sind es rund 60 Millionen.“ Die Ambitionen der Gründer reichen dabei über klassische Angelprodukte hinaus.
Vorbild für viele junge Männer
Mit seinen Videos auf YouTube und Social Media hat Schöne über die Jahre eine große Reichweite aufgebaut. Als Influencer sieht er sich trotzdem nicht. „Influencer klingt immer so, als würde man Dinge machen, weil man dafür bezahlt wird“, sagt er.
„Bevor es die Firma gab, habe ich das schon gemacht. Da habe ich kein Geld dafür bekommen, sondern hatte einfach Spaß daran.“ Trotzdem weiß er, dass seine Inhalte Menschen beeinflussen. Für ihn sei das die schönste Form der Anerkennung. „Bei YouTube liest man oft: Wegen euch habe ich den Angelschein gemacht“, sagt er. „Das ist für mich das schönste Feedback.“
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Wenn die Passion zum Beruf wird
Für Schöne hat sich seine Beziehung zum Hobby durch das Unternehmertum verändert. Viele Angelausflüge sind heute gleichzeitig Drehs für YouTube-Videos, Produkttests oder Marketinginhalte. „Natürlich ist das viel Content“, sagt er. „Aber ich würde keine Sachen machen, auf die ich keinen Bock habe.“
Früher stand das Angeln allein im Mittelpunkt. Heute ist es oft Teil seiner Arbeit als Unternehmer. Die Leidenschaft sei jedoch geblieben. Und wie heißt es doch so schön: Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.
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Internes Antler-Dokument geleakt: Anwalt hält Teile davon „rechtswidrig“
Wer Geld von VCs will, muss liefern. Lange Tage, kurze Nächte, schnelle Entscheidungen, ständiger Druck: In der Startup-Welt gehört das fast schon zum guten Ton. Doch wie sieht es eigentlich auf der anderen Seite des Tisches aus?
Ein internes Dokument aus dem Berliner Büro des Frühphasen-Investors Antler gibt darauf einen seltenen Einblick. Das Papier trägt den Titel „Berlin Office – How We Work“ und beschreibt auf mehreren Seiten, wie das Team zusammenarbeiten möchte. Es geht um Arbeitszeiten, Homeoffice, Krankheit und die Zusammenarbeit mit Gründern. Dort steht geschrieben, dass dieses Dokument als Richtlinie für alle neuen Mitarbeitenden dienen soll.
Was sagt Antler-Partner Klink dazu?
Besonders auffällig: Kernarbeitszeiten von 09:00 bis 19:30 Uhr, Homeoffice nur in Ausnahmefällen und ein internes Ampelsystem für Krankmeldungen. Mehrere Mitarbeitende bestätigten Gründerszene die Echtheit und Aktualität des Dokuments.
Antler weist allerdings die Darstellung zurück, es handle sich um offizielle oder verbindliche Vorgaben. Das Papier sei aus Notizen eines Meetings dreier Teammitglieder entstanden, frei editierbar gewesen und habe lediglich festgehalten, wie das Team zusammenarbeiten wolle. Es habe sich um ein „lebendes Dokument“ gehandelt, das inzwischen in dieser Form nicht mehr existiere.
Trotzdem zeigt das Papier detailliert, welche Erwartungen zumindest Teile des Teams an ihren Arbeitsalltag formuliert hatten.
Kernarbeitszeit: 09:00 bis 19:30 Uhr
Der erste Punkt im Dokument betrifft die Arbeitszeiten. „Core hours in the office: 09:00 – 19:30.“ Dazu heißt es: „In dieser Zeit versuchen wir, uns zeitlich zu überschneiden. Die Arbeit geht oft über diese Zeiten hinaus.“
Für Pascal Croset ist eine solche Formulierung problematisch. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht berät seit mehr als 20 Jahren Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Führungskräfte. „Mit dieser Arbeitszeit ist das Arbeitszeitgesetz massiv überschritten. Selbst wenn Arbeitnehmer zugestimmt haben, wäre das rechtswidrig“, sagt Croset zu Gründerszene. Arbeitszeiten von 09:00 bis 19:30 Uhr seien selbst bei ausdrücklicher Zustimmung der Beschäftigten rechtlich problematisch.
Antler sieht das anders. „Die genannten Zeitfenster beschreiben, wann das Team nach Möglichkeit gemeinsam im Büro sein will. Dies versteht sich brutto, also abzüglich Pausen, beschriebener persönlicher Termine etc.“, sagt Antler-Partner Christoph Klink auf Anfrage von Gründerszene.
Teilweise finde Arbeit – meist remote – auch zu anderen Tageszeiten statt. Nach seiner Kenntnis lägen die Arbeitszeiten „stets im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben“. Die Einschätzung des Arbeitsrechtlers teile man daher nicht.
Möglichst nah an den Gründern
Warum legt Antler überhaupt so viel Wert auf Präsenz? Eine Antwort liefert das Residency-Programm des Investors. Dabei können Gründer ohne bestehendes Team oder sogar ohne konkrete Geschäftsidee bei Antler starten. Innerhalb weniger Wochen sollen sie Mitgründer finden, ihre Idee validieren und einen ersten Prototypen entwickeln.
Am Ende entscheidet ein Investment-Komitee darüber, ob Antler investiert. Während dieser Phase sollen die Antler-Mitarbeiter laut Dokument möglichst viel Zeit mit den Gründern teilen. „Teammitglieder sollen bis zu 50 Prozent ihrer Zeit bei den Gründern verbringen“, heißt es dort. Das Ziel: Nähe schaffen, schneller helfen und ein sichtbares Signal an die Gründer senden.
Auch darüber hinaus wird deutlich, wie stark das Dokument auf persönliche Zusammenarbeit ausgerichtet ist. Wenn gerade kein Residency-Programm läuft, soll die Arbeit möglichst im gemeinsamen Teamraum stattfinden. Besprechungen sollen nach Möglichkeit in anderen Räumen abgehalten werden, um konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Die Tür zum Teamraum soll grundsätzlich offen bleiben.
Es sind Details, die auf den ersten Blick banal wirken. Zusammen ergeben sie jedoch ein recht klares Bild: Präsenz gilt bei Antler nicht als notwendiges Übel, sondern als Teil der Kultur. Wie auch in vielen anderen Unternehmen.
Homeoffice nur in Ausnahmefällen
Besonders deutlich wird diese Haltung beim Thema Homeoffice. „Wir sind grundsätzlich im Büro, um möglichst viel Zeit als Team miteinander und mit den Gründern zu verbringen“, heißt es im Dokument.
Während der Residency-Phase sei Homeoffice grundsätzlich nicht vorgesehen. Ausnahmen gelten nur bei unvermeidbaren Gründen wie Krankheit oder „einem Wasserrohrbruch zuhause“, wie es im Dokument heißt.
Außerhalb dieser Phase sind maximal zwei Homeoffice-Tage pro Monat möglich. Und selbst diese dürfen laut Dokument nur freitags genommen werden. Besonders interessant ist dabei eine weitere Passage: „Private Wochenendausflüge finden vor oder nach der Arbeitszeit statt oder erfordern Freizeit.“
Wer freitags remote arbeitet, soll den Tag also nicht für die Anreise ins Wochenende nutzen. Eine Ausnahme gilt lediglich während der sogenannten „Quiet Season“ zwischen Mitte Juli und Mitte August. In dieser Zeit ist laut Dokument auch längeres Remote-Arbeiten möglich, teilweise sogar von einem anderen Ort aus.
Dazu komme: Kamera immer an bei Calls, außer bei 1:1-Gesprächen, Reisen oder Krankheit. Homeoffice-Tage müssten zudem im Voraus im Kalender eingetragen und im Team kommuniziert werden.
Antler verteidigt die starke Präsenzkultur. „Wir arbeiten gerne und bewusst persönlich vor Ort mit Gründerinnen und Gründern zusammen. Wir laden sie in unser Büro ein, um dort eng und intensiv zusammenzuarbeiten“, sagt Klink. Genau das werde von den Gründern geschätzt und regelmäßig positiv hervorgehoben. „Wir sind ein kleines Team von einer Handvoll Personen. Gemeinsame Zeit vor Ort macht einen enormen Unterschied und motiviert uns als Investoren sowie Gründerinnen und Gründer.“
Persönliche Verpflichtungen? Ja, aber nur bestimmte
Das Dokument sieht allerdings auch Ausnahmen vor. „Es gibt Spielraum, um persönlichen Einschränkungen Rechnung zu tragen, die wichtig sind und sich nur schwer umgehen lassen“, heißt es dort.
Als Beispiel nennt das Papier einen festen Sportkurs, der nur zu einer bestimmten Zeit stattfindet und deshalb zu einer späteren Ankunft im Büro führen kann. Anders sehe es bei Aktivitäten aus, die flexibel planbar seien. Ein allgemeiner Besuch im Fitnessstudio solle außerhalb der Kernarbeitszeiten stattfinden. Auch hier zeigt sich die Grundidee des Dokuments: Persönliche Termine sind möglich, solange sie nicht dauerhaft mit den gemeinsamen Bürozeiten kollidieren.
Das Ampelsystem für Krankheit
Besonders ungewöhnlich ist ein weiteres Kapitel des Dokuments: Unter der Überschrift Krankheit beschreibt Antler ein Ampelsystem.
Wer lediglich leichte Symptome wie etwas Schnupfen oder einen trockenen Hals habe, solle weiterhin ins Büro kommen und dabei auf Hygiene und Abstand achten. Wer stärker hustet oder sich erschöpft fühlt, solle von zuhause arbeiten und die eigene Situation täglich neu bewerten. Erst bei Fieber oder grippeähnlichen Symptomen lautet die Empfehlung eindeutig: zuhause bleiben.
Für Arbeitsrechtler Croset ist auch das problematisch. „Das ganze System mit krank, halb krank und nicht wirklich krank ist natürlich rechtswidrig und vom Gesetzgeber schon klar geregelt. Wenn Arbeitnehmer krank sind, dann sind sie krank“, sagt er. Ob jemand arbeitsfähig sei oder nicht, könne letztlich nicht durch ein internes Ampelsystem entschieden werden.
Antler weist die Kritik zurück. „Die Richtschnur ist entstanden aus der Frage nach der Pandemie – bei welchen leichten Symptomen man sich isolieren muss“, sagt Klink. „Es ist vollkommen klar, dass man nicht krank arbeitet, sich im Zweifel schont, zu Hause bleibt und auf andere Rücksicht nimmt.“
„Total ungewöhnlich“
Was Croset besonders überrascht: dass solche Regeln überhaupt schriftlich festgehalten werden. Das sei „total ungewöhnlich“, sagt der Fachanwalt.
Seiner Einschätzung nach könnte ein solches Dokument sogar arbeitsrechtliche Folgen haben. Sollte es etwa zu Streitigkeiten über Überstunden kommen, könnten Beschäftigte das Papier als Beleg dafür nutzen, dass Mehrarbeit im Unternehmen strukturell erwartet wurde.
Antler weist auch diese Einschätzung zurück und betont, selbstverständlich innerhalb der gesetzlichen Vorgaben zu arbeiten.
Fest steht: Das Dokument liefert einen seltenen Einblick in die Arbeitskultur eines der größten Frühphasen-Investoren Europas. Und es zeigt, wie eng manche VCs die Zusammenarbeit mit Gründern verstehen – selbst wenn daraus gelegentlich Konflikte mit arbeitsrechtlichen Fragen entstehen könnten. Doch manche Tode muss man für den Erfolg wohl sterben.
Digital Business & Startups
Demografie – was viele Gründer:innen missverstehen
Der „demografische Wandel“. Ein Begriff, der bei Gründer:innen in Deutschland meist zu einem Augenrollen führt. Er steht sinnbildlich für Menschen in beigen Jacken, die still auf Parkbänken sitzen.
In Japan, Israel und besonders in den USA hat man hingegen längst verstanden, was dieser Wandel ist: Ein Blue Ocean für Gründer.
Eine alternde Gesellschaft führt zur Verlagerung von Kaufkraft, Konsum und Vermögen und eröffnet somit neue Möglichkeiten für Geschäftsmodelle.
Gerade in den USA fällt auf, welche wirtschaftliche Power diese gesellschaftliche Veränderung mit sich bringt und wie gezielt die Gründerszene sich dem Thema annimmt.
Laut den „Research Insights“ der AARP und Daten der Federal Reserve Bank verfügen Amerikaner ab 50 Jahren über mehr als 70 % des nationalen Vermögens und stehen für etwa 52 % aller Konsumausgaben in den USA.
AARP ist eine Organisation mit rund 38 Millionen Mitgliedern, die sich auf Themen konzentriert, die Menschen ab 50 betreffen. Sie wurde 1958 von einer pensionierten Lehrerin ins Leben gerufen, um Armut und Isolation unter älteren Amerikanern zu bekämpfen.
40 Millionen Dollar waren nur der Anfang
AARP hat frühzeitig erkannt, dass sich die Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten aufgrund der Alterung der Gesellschaft nachhaltig verändern und neue Märkte schaffen. Bereits 2015 wurde der „AARP Innovation Fund“ mit 40 Millionen Dollar aufgelegt. Ziel dieses Fonds ist es, in innovative Produkte und Dienstleistungen zu investieren und so die Gründerszene für die Thematik zu gewinnen.
Bis heute trägt AARP maßgeblich dazu bei, dass sich die US-amerikanische Start-up-Szene strategisch mit Lösungen für den veränderten Bedarf einer alternden Bevölkerung befasst. Das eigene Innovations-Netzwerk besteht aus rund 700 Akteuren, die Start-ups fördern, finanzieren und auszeichnen.
Auch auf der CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas, der weltweit größten und wichtigsten Fachmesse für Unterhaltungselektronik und Technologie, ist „Altern“ ein etabliertes Thema – sowohl in den Messehallen als auch im Konferenzprogramm.
Dieses Engagement zahlt sich aus. In den USA sind viele erfolgreiche Start-ups entstanden, und das nicht nur in den offensichtlichen Bereichen Health und Care, sondern auch in Bereichen wie Fintech oder Mobility.
In den USA und Kanada gibt es zudem mehrere speziell auf diesen Markt ausgerichtete VCs, die für die nötigen Finanzmittel sorgen. Regionale Netzwerke erzeugen durch die Vernetzung der Akteure Synergien und schaffen überall in den USA Ökosysteme.
Aus diesem Ökosystemen entstehen neue Themen- und Produktbereiche wie „agetech“ und „longevity“ die Innovatoren und Investoren gleichermaßen begeistern.
Deutschland droht den Anschluss an einen Milliardenmarkt zu verlieren
Das Medianalter liegt in den USA bei 38,5 Jahren, in Deutschland bereits bei 45,5 Jahren. Die Gruppe der über 65-Jährigen macht in Deutschland 24 % und in den USA nur 18 % der Bevölkerung aus.
Eigentlich sollte Deutschland bei der „Silver Economy“ führend sein, denn die Alterung unserer Gesellschaft und somit auch die der Kunden ist weiter fortgeschritten als in den USA.
Dem ist nicht so.
2024 lag gemäß Bundesbank das Median-Nettovermögen bei Menschen unter 35 bei 17.500 EUR der Median bei der Altersgruppe 55 von 64 Jahre lag bei 171.200 EUR.
Durch die Alterung der Gesellschaft verschiebt sich auch der private Konsum in Richtung älterer Menschen. Gerade bei Markenprodukten und kostspieligen Anschaffung dominieren die reifen Kundensegmente.
So liegt das Durchschnittsalter von Neuwagenkäufern in Deutschland bei 53 Jahren. Ältere dominieren zudem die Nachfrage in vielen anderen Bereichen. Beispielsweise bei Reisen und „Personal Care“, den Produkten aus den Bereichen Kosmetik und Hygieneartikel. Wenig überraschend. Im Bereich Gaming bilden ältere Menschen die am stärksten wachsende Gruppe in Deutschland.
Aber immer noch stehen junge Kunden im Fokus von Werbung und Innovation.
Die Frage ist warum.
Ein wesentlicher Grund ist die Tatsache, dass in Deutschland negative Stereotype und fragwürdige Rollenklischees gegenüber älteren Menschen weit verbreitet sind.
Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Ageismus – Altersbilder und Altersdiskriminierung in Deutschland“ die im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellt wurde.
Diese Haltung und die unbewussten Vorurteile, die wir alle in uns tragen, führen auch dazu, dass „ältere Menschen“ von Gründer:innen kaum in Geschäftsmodellen berücksichtigt werden.
Eine Kundengruppe, die vermeintlich nur von einer kleinen Rente lebt, konservative Werte pflegt und innovationsscheu sowie technikfern agiert, scheint nicht gerade vielversprechend.
50plus ist keine Lösung
Diese, meist unbewussten, Vorurteile führen zu einem der größten Denkfehler, den Gründer und etablierte Unternehmen im Kontext des demografischen Wandels regelmäßig machen: Sie bilden Zielgruppen und Marktsegmente, die sich am Lebensalter orientieren. Wer kennt sie nicht: die Zielgruppe 50plus.
Das Lebensalter ist jedoch ein denkbar schlechter Indikator für Bedürfnisse. Anstatt Personas mit Fokus auf die Lebensjahre zu entwickeln, gilt es Lösungen für Lebensphasen zu kreieren: Ruhestand, Menopause oder die Rollen als pflegende Angehörige und Großeltern gehen mit einer Veränderung von Bedürfnissen, Wissensdefiziten und oft auch finanziellen Herausforderungen einher. Hier liegt das Geschäftspotenzial für Gründer:Innen!
In Deutschland gibt es bereits zahlreiche Startups, die Lösungen für eine alternde Gesellschaft erfolgreich anbieten.
Deutsche Gründer haben Potential
Das Berliner Start-up voize entwickelt einen KI-gestützten Sprachassistenten für die Pflegedokumentation. 2025 hat es in einer Serie-A-Finanzierungsrunde 50 Millionen US-Dollar eingesammelt, um in Europa zu expandieren und in den US-Markt einzutreten, um damit seine Mission voranzutreiben, den Verwaltungsaufwand im Gesundheitswesen zu reduzieren.
Senior Connect ist die AI-first Plattform für berufliche Übergänge. Das 2024 in München gegründete Unternehmen begleitet Mitarbeiter im Übergang mit KI-gestützten Workflows, von der Jobsuche bis zur Vermittlung. Für Unternehmen digitalisiert das Team Outplacement-Prozesse.
Veli aus Kassel analysiert den Strom- und Wasserverbrauch eines Haushalts in Echtzeit. Durch Abweichungen von typischen Verbrauchsmustern erkennt das System Notsituationen und organisiert automatische Hilfestellungen. Es ist eine smarte Alternative zum Hausnotruf.
Das Ökosystem wächst
Alle drei Teams wurden mit dem Gründerpreis „SENovation-Award” ausgezeichnet.
Das Programm unterstützt seit 2018 die deutschsprachige Gründerszene zu den Themen Alter, Agetech und Longevity. Unter der Schirmherrschaft des NRW-Wirtschaftsministeriums werden jedes Jahr zwei Teams mit Preisgeld und Coaching ausgezeichnet. Bewerbungen können noch bis zum 30. Juni 2026 online eingereicht werden.
Unterstützt wird das Programm von der SIGNAL IDUNA Gruppe, deren CEO Torsten Uhlig feststellt: „Wenn Deutschland jetzt nicht handelt, werden zentrale Lösungen für die alternde Gesellschaft künftig aus dem Ausland kommen.“
Auch aus dem öffentlichen Bereich wird das Thema adressiert.
So verfolgt die Landesregierung von Niedersachsen mit den „LINGA Wochen“ das Ziel, Studierende frühzeitig für das Thema „Altern als Chance“ zu sensibilisieren und durch die Beteiligung von unterschiedlichen Fachbereichen Innovationen und Ideenfindung voranzutreiben. Geschäftsmodellentwicklung während des Studiums.
2025 ist AgeTechX in Berlin gestartet. Das Forum will Gründer, Investoren, Unternehmen und politische Entscheidungsträger zu den Themen Alterung, gesellschaftliche Herausforderungen und Technologie zusammenbringen. Am 5. und 6. Oktober 2026 findet die gleichnamige Konferenz in Berlin statt.
Mindset-Shift
Gründer:innen müssen ihre Perspektive ändern.
Sie sollten sich von der pauschalen Bewertung von Altersclustern und Generationen lösen und stattdessen eine bedarfsgetriebene Geschäftsmodellentwicklung verfolgen, die wachsende Marktsegmente adressiert.
So wird aus dem demografischen Wandel eine Silver Economy, die Gründerstories wie die von Honor, Papa oder Rippl auch in Deutschland ermöglicht.
Der Markt ist da. Es ist ein globaler Markt der garantiert wächst.
Deutschland hat die besten Voraussetzung eine zentrale Rolle im globalen Mega-Trend
„Aging“ zu spielen, wenn wir Alter als Chance und nicht als Problem verstehen.
Über den Autor
Frank Leyhausen berät seit 2000 Unternehmen, Behörden und gemeinnützige Organisationen zu den Chancen und Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Die Handlungsfelder sind Innovation und Kommunikation sowie die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.
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Foto (oben): KI
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