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„Aktuell ist da wirklich wenig Hoffnung“


Immer schon hat sich der Investor politisch engagiert. Selbst CDUler hat er Kritik geübt, wenn es ihm nötig schien. Doch noch nie klang er so frustriert: Er sehe Deutschland auf einen Crash zusteuern. Was nun, Christian Miele?

„Aktuell ist da wirklich wenig Hoffnung“

Investor und Unternehmer Christian Miele sieht „als CDUler“, wie er selbst sagt, die CDU in einem Dilemma und alles, was kommt, mit großer Sorge.
picture alliance / SZ Photo

Am Abend bevor der Bundestag vergangene Woche über das umstrittene Rentenpaket entscheiden musste, postete der Investor Christian Miele auf X unter der Überschrift „Muss es schlimmer werden, bevor es besser wird?“ unter anderem diesen Satz: „Vielleicht braucht dieses Land den Crash, weil die Politik ihn nicht mehr aus eigener Kraft vermeidet.“

Seine Zukunftsprognose ist düster: Die schwarz-rote Koalition werde wohl zerbrechen. „Die Frage ist nicht „ob“, sondern „wann“, schreibt er. Einer nachfolgenden Minderheitsregierung der CDU rechnet er wenig Chancen ein, und bei danach folgenden Neuwahlen stünde „die CDU nackt da“, ohne überzeugenden Lösungen.

Würde dann ein rot-rot-grünes Bündnis die Regierung übernehmen, erwarte er einen beschleunigten Absturz. Im Gespräch mit Gründerszene betont Miele mehrfach, dass aber auch eine Mitwirkung der AfD an der Regierung seiner Meinung nach alles schlechter machen würde.

„Schwere Jahre liegen vor uns“, schreibt Miele auf X.

Aus diesem Post spricht eine tiefe Frustration – und Hoffnungslosigkeit. Wir haben beim ehemaligen Vorstandsvorsitzenden des Startup Verbandes und General Partner von Headline nachgefragt: Wie meinst du das alles, Christian?

Wir trafen auf einen Investor, der wirklich gerne Hoffnung hätte – die gerade aber schwer findet. Stattdessen spüre er große Sorgen, Angst und Frust, wie Christian Miele offen sagt. 

Gründerszene: Christian, warum dieser Post, warum genau jetzt?

Christian Miele: Für mich war dieses Rentenpaket sinnbildlich dafür, wo wir da aktuell stehen. Ökonominnen und Ökonomen sagen unisono und lagerübergreifend, dass dieses Paket finanzpolitischer Irrsinn ist und dass es unsere Probleme nicht löst, sondern allenfalls in die nächste Legislaturperiode verlagert. Als klar wurde, dass selbst innerhalb der Union diese Meinungen auseinandergehen und das Paket womöglich nur durch Enthaltung der Linken seine Mehrheit bekommt, ist mir als Bürger einfach der Kragen geplatzt.

Aber der Frust sitzt tiefer, da geht es um mehr als das Rentenpaket, oder?

Ja. Als letztes Jahr die Ampel zerfallen ist, habe ich mit aller Kraft versucht, Schwarz-Gelb zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass wir eine Koalition bekommen, die in der Lage ist, Reformen auf die Straße zu bringen. Reformen, von denen ich glaube, dass sie wirklich wichtig sind.

Am Ende wurde es dann aber bekanntlich Schwarz-Rot.

Das war zwar nicht mein Wunschergebnis, aber weil ich dachte, dass diese Regierung den Ernst der Lager erkennt, habe ich versucht, sie zu unterstützen, wie und wo es ging. Um Optimismus in das Land hineinzutragen. Ich habe wirklich Hoffnung in diese Koalition gehabt. Und ich wollte nicht, dass es zerbricht. Ganz im Gegenteil. Ich habe gehofft, dass diese Koalitionäre über sich hinaus wachsen und in der Lage sind, dem Land und den Menschen hier Zuversicht zu geben. Nach den jetzt mehr als 100 Tagen Schwarz-Rot musste ich aber feststellen: Es funktioniert nicht. Es ist das Gegenteil von dem passiert, was ich gehofft habe. 

Was genau hast du dir gewünscht?

Einen Reformkurs, der uns erlaubt, wieder Hoffnung zu schöpfen.

Ganz konkret: Was sind das für Reformen, wo würdest du ansetzen? 

Erstens: Wir brauchen auf der Bürokratieseite einen großen Schlag. Bürokratie lieber komplett abschaffen, als auch nur ein bisschen viel davon zu behalten. Lieber mit den Folgen einer Unregulierung leben, als mit denen der überbordenden Regulierung. 

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Zweitens: Wir brauchen eine signifikante Sozialstaatsreform. Es kann nicht sein, dass wir aktuell über 50 Prozent unseres Bundeshaushaltes in Umverteilungs- und Transfers stecken. Das war ja auch Thema der Rentestreitigkeiten: Dieses System kollabiert, das ist einfache Mathematik: Es gibt nicht ausreichend viele junge Leute hier, die in einer alternden Gesellschaft dieses Umverteilungssystem stabilisieren können. Es geht nicht. 

Und drittens, die große Frage über allem: Wie sollen wir das alles finanzieren in Zukunft, wenn wir aktuell auf ein Land blicken, das seit drei, bald vier Jahren stillsteht? Wir sind in einer Rezession, wir wachsen nicht. Da kommen wir zu einem Punkt, der mich nicht nur als Bürger, sondern auch als Investor echt aufregt. 

Welcher ist das?

Die größte Wachstums- und Wohlstandsverteilung der Menschheitsgeschichte geschieht gerade vor unseren Augen, nämlich durch Robotik und KI. Wir hätten die Chance unseres Lebens, da mitzumachen. Gerade mit der Substanz, die wir in Deutschland haben. Aber wir tun es einfach nicht, weil wir uns in absurden Stadtbild- oder Rentendebatten verlieren und das große Ganze aus dem Auge verlieren.

Ich verstehe deine Punkte und um so mehr finde ich, brennt die Frage: Wie lösen wir es? Was kann jede und jeder einzelne tun, es besser zu machen?

Als Investor hoffe ich, dass Europa es schafft, neue und innovative Technologie-Giganten zu erschaffen. Das nächste Tesla, OpenAI, SpaceX, Apple. Eine Firma, die eine unglaubliche Wachstumsgeschichte schafft und in den nächsten 15 Jahren dem deutschen Staat so viel Geld in die Kassen spült, dass wir in der Lage sind, unsere Sozialsysteme zu stabilisieren und alle anderen Herausforderungen zumindest finanziell abzumildern. Sollten wir das nicht aus eigener Kraft schaffen, wird es vermutlich erst schlimmer werden müssen, bevor es besser wird. Ich hoffe, dass wir uns diesen Weg als Gemeinschaft ersparen.

So düster?

Ich mache mir wirklich Sorgen. Jedem, mit dem ich spreche, sage ich: Bitte hilft mir, rauszukommen aus dieser Negativspirale. Wo sind die Zahlen, die Daten, die Fakten und die qualitativen Argumente für die Hoffnung? Aber leider: Bisher hatte die keiner. Deshalb ist da aktuell auch wirklich so wenig Hoffnung. Deswegen suche ich die Konfrontation und die Flucht nach vorne. Und deswegen sage ich auch: Vielleicht muss es noch schlimmer werden, bevor es besser wird.



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Silicon Valley jetzt MAGA-Land? „Amerika muss gewinnen“ – Top-Investor


Silicon Valley jetzt MAGA-Land? „Amerika muss gewinnen“ – Top-Investor

Zählen zu den einflussreichsten Tech-Investoren der Welt: Marc Andreessen (l.) und Ben Horowitz (r.), Gründer von Andreessen Horowitz (A16z).
Chandan Khanna / AFP; Craig T Fruchtman/ Getty Images, Collage: Dominik Schmitt/Gründerszene

Die News war gewaltig: Am 9. Januar verkündete der US-VC Andreessen Horowitz (A16z) 15 Milliarde US-Dollar geraist zu haben. 15 Milliarden Dollar – diese Summe ist unerhört. A16z selbst schreibt, dass das in etwa 25 Prozent dessen entspräche, was 2025 im gesamten amerikanischen Venture Capital Markt geraist worden ist. Die Summe soll sich in unterschiedlicher Größe auf fünf Growth- und Venture-Funds verteilen.

Insgesamt verwaltet die Firma jetzt 90 Milliarden USD Assets under Management. A16z hat damit Sequoia Capital überboten (56 Milliarden USD) und General Catalyst (43 Milliarden USD) weit hinter sich gelassen. Lightspeed hatte 2025 neun Milliarden eingesammelt, Thiel’s Founders Fund knapp fünf Milliarden – Peanuts dagegen. Nur SoftBank spielt in der gleichen Liga, die hatte mit dem 100-Milliarden-„Vision Fund“ 2017 alle Rekorde gebrochen.

Zählten Marc Andressen und Ben Horowitz nicht längst schon zu den einflussreichsten Menschen des Silicon Valley und der Tech-Szene, tun sie es jetzt mit dieser Firepower auf jedem Fall.

Der Inhalt ist das eine, der Ton der Nachricht das andere

Während die Nachricht der neuen Riesenfonds also mit einem lauten Knall einschlug, war es ein Unterton der Bekanntgabe, der leise nachhallte: Gründungspartner Ben Horowitz schrieb einen offenen Brief, dessen Tonalität für eine Pressemitteilung als mindestens ungewöhnlich empfunden werden kann.

Er schreibt: „In dieser Zeit großer technologischer Chancen ist es für die Menschheit von grundlegender Bedeutung, dass Amerika gewinnt.“ Und weiter: „Wenn Amerika technologisch nicht gewinnt, wird es wirtschaftlich, militärisch, geopolitisch und kulturell verlieren. Und die ganze Welt wird ebenfalls verlieren.“

Immer schon hätten die USA Menschen die Chance gegeben, etwas aufzubauen. In dieser Tradition sähe sich auch der Investor: Man wolle Menschen, also: Gründern, ermöglichen, etwas zu erschaffen, dass größer ist, als sie selbst.

Tech-Bros: Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Sundar Pichai and Elon Musk (v.l.) bei Trumps Amtsantritt.

Tech-Bros: Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Sundar Pichai and Elon Musk (v.l.) bei Trumps Amtsantritt.
picture alliance / Consolidated News Photos | Julia Demaree Nikhinson

Und zwar in den USA: „Als amerikanischer Marktführer im Bereich Risikokapital liegt das Schicksal neuer Technologien in den Vereinigten Staaten auf unseren Schultern“, schreibt der Investor. „Unsere Mission ist es, sicherzustellen, dass Amerika die nächsten 100 Jahre der Technologie für sich entscheidet.“ Das begänne damit, dass die USA sich „Schlüsseltechnologien der Zukunft“ sichern müsse, KI und Crypto. Es gehe weiter mit der Anwendung dieser Technologien in Biologie, Gesundheit, Bildung und Unterhaltung. „Und es gipfelt darin, dass die amerikanische Regierung diese Technologien einsetzt, um die amerikanischen Interessen zu verteidigen und voranzubringen.“

Insbesondere liegt ihm im Ringen um die globale Tech-Vorherrschaft am Herzen, gegen den Konkurrenten China zu gewinnen.

Nähe zur Trump-Administration nicht neu

Es sind markige Worte und es klingt alles sehr politisch – für einen Private Capital Investor allemal. Andererseits weiß man ja längst um die Nähe der Trump-Regierung zu den Tech-Bros aus dem Silicon Valley. Diejenigen, die bei seiner Amtseinführung klatschend in der ersten Reihe standen. Und jene – größtenteils dieselben – die zum Dinner im Weißen Haus geladen waren.

Und im speziellen Fall von A16z: Es gibt einige nachweisliche Verbindungen des VCs zur Trump Administration. Marc Andreessen und Ben Horowitz haben 2024 beiden Trumps Wahlkampft mit Spenden unterstützt (wenngleich Horowitz wenig später auch an Kamala Harris gespendet hat). Außerdem sind zwei ehemalige Partner von A16z in der Trump-Regierung tätig: Scott Kupor ist Direktor des United States Office of Personnel Management, während Sriram Krishnan nun als Senior White House Policy Advisor on Artificial Intelligence fungiert.

Und auch eine ideologische Nähe zum Trump-Lager könnte man, wenn man ein bisschen zurückschaut, in gewisse Handlungen der Silicon Valley Investoren hineininterpretieren. So haben Marc Andressen und Peter Thiel etwa immer wieder gemeinsam investiert (z.B in Meta, Strips und Linkedin) – auch in die 2019 vom heutigen Vizepräsidenten JD Vance (Ex-Mitarbeiter von Peter Thiel) gründeten Investment-Fonds Narya Capital.

Und doch lässt das Announcement aufhorchen. Ist das also der neue Ton in der US-amerikanischen Tech-Szene? Sind alle Masken gefallen, ist das Silicon Valley jetzt MAGA-Land?

Julian Heißler hat als USA-Korrespondent lange über die dortige Tech-Branche berichtet und beobachtet, wie die Führenden aus diesem Segment mehr und mehr Einfluss auf die Politik bekommen. Im Herbst vergangenen Jahres ist sein Buch dazu erschienen: „Amerikas Oligarchen. Geld, Macht und der Zerfall der Demokratie. Wie Elon Musk, Jeff Bezos und das Großkapital die Spaltung der USA befördern“. Wir haben mit ihm über den A16z-Brief gesprochen.

Julian, du warst mehr als sieben Jahre lang USA-Korrespondent der Wirtschaftswoche und kennst das Silicon Valley und die Player dort sehr gut. Hat dich der Ton dieses Briefs überrascht?

Julian Heißler: Nein, eigentlich nicht. Das ist genau die Argumentationslinie, die gerade funktioniert: Amerika soll überall gewinnen. Und dass gerade Andreessen Horowitz sich da einreihen, passt gut ins Bild. 

Wie das? In deinem Buch „Amerikas Oligarchen“ beschreibst du, dass Marc Andreessen seit Jahren eine Nähe zum libertären Denken des Peter Thiel-Dunstkreises hegt. Aber war das immer schon so offen gelebt? Oder verändert sich das Valley gerade, werden da gewisse Dinge sagbarer? 

Julian Heißler: Scheint so, ja. Die offene Unterstützung für den Trump- und America-First-Kurs hat bei der ersten Wahl 2016 nur Peter Thiel gezeigt. Die anderen mögen es vielleicht gedacht haben, aber sie haben es nicht gesagt. Jetzt positionieren sich immer mehr Tech-Unternehmer öffentlich. Das liegt meiner Meinung nach daran, dass das gesellschaftliche Klima so ist, dass Trump-Unterstützung als akzeptabel gilt oder man zumindest keine Nachteile dadurch fürchten musste.





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+++ Futury Capital +++ Dr. Hans Riegel Holding +++ Haribo +++ Mecklenburg-Vorpommern +++ LAP Coffee +++


#StartupTicker

+++ #StartupTicker +++ Futury Capital schließt dritten Fonds (47 Millionen) +++ So setzt Haribo-Mitgesellschafter Dr. Hans Riegel Holding auf Startups +++ Startups sind in Mecklenburg-Vorpommern Mangelware +++ LAP Coffee erhitzt weiter die Gemüter +++

+++ Futury Capital +++ Dr. Hans Riegel Holding +++ Haribo +++ Mecklenburg-Vorpommern +++ LAP Coffee +++

Was gibt’s Neues? In unserem #StartupTicker liefern wir eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Startup-Nachrichten des Tages (Freitag, 23. Januar).

#STARTUPLAND: SAVE THE DATE


The next unicorn? You’ll meet it at STARTUPLAND
+++ Du hast unsere zweite STARTUPLAND verpasst? Dann trage Dir jetzt schon einmal unseren neuen Termin in Deinen Kalender ein: STARTUPLAND 2026 findet bereits am 18. März statt. Sichere Dir jetzt schon Dein Ticket

#STARTUPTICKER

Futury Capital
+++ Ein regionaler Topf voll Geld! Der Frankfurter Investor Futury Capital verkündet das Final Closing des dritten Futury Fonds (47 Millionen Euro). Geplant waren 40 Millionen. „Mit der Beteiligung der Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, KfW Capital sowie mehr als 45 privaten Investoren ist es gelungen, ein in Deutschland bislang einzigartiges länderübergreifendes Förder- und Investmentbündnis zu etablieren“, verkündet der Geldgeber aus Frankfurt am Main. Futury Capital „investiert europaweit in technologieorientierte Start-ups mit skalierbaren Geschäftsmodellen“. Wobei der Investor aber einen besonderen Fokus auf Startups aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hat. Geplant sind rund 25 Investments. Auf jeden Fall eine gute Nachricht für das deutsche VC-Ökosystem, vor allem aber für Startups aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Mehr über Futury Capital

Dr. Hans Riegel Holding
+++ Gummibärchen treffen auf Startups! Der Haribo-Mitgesellschafter Dr. Hans Riegel Holding (HRH) investiert erneut in ein aufstrebendes Startup. Gemeinsam mit dem türkischen Investor 212 NexT, SymbiaVC, dem Investmentarm der Barbara Peifer Privatstiftung, und weiteren nationalen und internationalen Investoren investiert HRH in das Hamburger GreenTech one.five. Die Jungfirma, 2020 gegründet, möchte sich als „Vorreiter für KI-gestützte moderne Verpackungslösungen“ etablieren. Der Haribo-Mitgesellschafter hält derzeit 6 % am Unternehmen. Bereits 2024 investierte HRH in Infinite Roots, früher als Mushlabs bekannt. Das Hamburger BioTech-Startup, das 2018 von Mazen Rizk, Cathy Preißer und Thibault Godard in Berlin gegründet wurde, züchtet im Grunde eine Art Fleischersatz aus fermentierten Pilzen. Mehr über Dr. Hans Riegel Holding

Mecklenburg-Vorpommern
+++ Nachholbedarf! Mecklenburg-Vorpommern kommt in Sachen Startups leider nicht so richtig vom Fleck. Bundesweit gibt es durchschnittlich 4,3 Startup-Neugründungen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Im Bundesland an der schönen Ostsee sind es nur 1,1. Damit ist Mecklenburg-Vorpommern trauriges Schlusslicht in dieser Aufstellung – siehe Report Next Generation – Startup-Neugründungen in Deutschland. Die Politik hat das Problem längst erkannt. Wirtschaftsminister Wolfgang Blank strebt bereits ganz konkret mehr Startup-Gründungen im Nordosten an. Bis in Greifswald, Güstrow, Rostock, Schwerin, Stralsund und Wismar aber ein lebendiges Gründer-Ökosystem entsteht, wird es sicherlich noch eine Zeit dauern. Startups wie Sawayo (Exit an Infoniqa), hepster (Investment: 25+ Millionen) und Zasta (einst von Berlin nach Rostock umgezogen) sorgen zumindest bereits jetzt dafür, dass Mecklenburg-Vorpommern in Sachen Startups immer mal wieder Schlagzeilen macht. (Next Generation, PDF) Mehr über Mecklenburg-Vorpommern

LAP Coffee
+++ Hörenswert! Das Berliner Kaffee-Startup LAP Coffee erhitzt weiter die Gemüter. Im OMR-Podcast spricht Gründer Ralph Hage über seinen Weg vom Investmentbanker zum Kaffee-Unternehmer, das Scheitern seines Liefer-Startups Yababa und die Farbbeutel-Attacken auf die Standorte in Berlin. (OMR) Mehr über LAP Coffee

Finance
+++ Finance steht an einem Wendepunkt. Dort, wo heute noch Tabellen manuell gepflegt werden, könnten morgen Echtzeitdaten und automatisierte Workflows den Takt bestimmen. Die Technologie existiert längst. Mehr Gastbeitrag von Nikolai Skatchkov

Indien
+++ Die Startup-Hochburg Köln positioniert sich weiter als internationaler Standort. Eine neue Partnerschaft mit einem führenden indischen Gründungszentrum soll Startups aus Indien den Weg nach Europa ebnen – mit Köln als erstem Anlaufpunkt. Mehr über die Kooperation

#DEALMONITOR

Investments & Exits
+++ HealthTech Oviva erhält 200 Millionen – Isartal Health Media investiert in HealthTech BodyFast +++ Decathlon übernimmt Rebike +++ Kolsquare kauft Storyclash +++ Riddle übernimmt Convert. Mehr im Deal-Monitor

Was ist zuletzt sonst passiert? Das steht immer im #StartupTicker

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In der unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

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„Wenn ich das sage, schauen mich alle ungläubig an“: Volt-Gründer zu EU Inc


Alle reden über EU Inc als große Reform – aber Volt-Mitgründer Boeselager sagt: Das eigentliche Drama ist nicht der Inhalt, sondern die Zeit. Und die läuft Europa davon.

„Wenn ich das sage, schauen mich alle ungläubig an“: Volt-Gründer zu EU Inc

Damian Boeselager ist Mitgründer der Partei Volt und seit 2019 EU-Abgeordneter.
picture alliance / Hans Lucas | POOL UNION EUROPEENNE / AGENCE HANS LUCAS

Trumps Auftritt in Davos hat es wieder gezeigt: Alles, was Europa heute macht, muss auf unsere militärische, wirtschaftliche und demokratische Unabhängigkeit einzahlen.

Was EU Inc damit zu tun hat? Alles.

Denn Europa hat ein Problem: Wir zahlen höhere Energiepreise, um Putins Krieg nicht zu finanzieren. China ist vom Zulieferer zum Konkurrenten geworden. Und unser größter Absatzmarkt, die USA, macht uns mit Zöllen systematisch teurer. Großkonzerne und Gewerkschaften rufen nach Subventionen, der Mittelstand kämpft sich irgendwie durch.

Warum europäische Startups amerikanisch werden

Gleichzeitig passiert etwas Gefährliches: Neue, innovative Startups registrieren sich in Delaware, um Zugang zum größten, wirklich vereinten Binnenmarkt der Welt zu erlangen – und zu Kapital, Talenten und Wissen zwischen Berkeley und Stanford. Alles, weil wir keinen funktionierenden Binnenmarkt für Wachstum bieten. Das schwächt uns ökonomisch und gefährdet in dieser neuen Weltordnung unsere Freiheit und Demokratie.

Eine neue Weltordnung beginnt.

Eine neue Weltordnung beginnt.
picture alliance / CHROMORANGE | Christian Ohde

Jetzt – und nicht übermorgen – ist die Gelegenheit, Europa endlich zu verändern. Alles wartet auf einen Startschuss von Ursula von der Leyen. Europa muss jetzt neue Handelsbeziehungen auf- und alle Binnengrenzen zwischen EU-Ländern abbauen.

Was in Brüssel geflüstert wird

Seit Jahren herrscht zum europäischen Binnenmarkt ein großes Schweigen in den Hauptstädten. Die weitere Harmonisierung scheitere sowieso an den nationalen Befindlichkeiten, wird in Brüssel geflüstert. Und so begegnete Europa der größten geopolitischen Krise unserer Zeit mit vorauseilendem Nichtstun.

Dagegen wehrte sich ein kleines gallisches Dorf von Unternehmer-Aktivisten aus Deutschland, die LinkedIn mit einem Hashtag erobern: #EUInc!

Ihr Vorschlag: eine freiwillige, harmonisierte europäische Rechtsform, die überall gleich schnell gegründet werden kann, gleiche Investorenrechte bietet und Komplexität radikal reduziert. Dazu sollten Angestellte endlich überall in Europa gleich (wenig) Steuern auf Mitarbeiterbeteiligung zahlen.

Ursula von der Leyen bei ihrer Rede in Davos.

Ursula von der Leyen bei ihrer Rede in Davos.
picture alliance / Xinhua News Agency | Lian Yi

Nach der Europawahl 2024 schafften sie es mit detailliert ausgearbeitet Positionen und strategisch schlauen Treffen, EU Inc. in das Programm der EU-Kommission zu drücken – und es zu von der Leyens Lieblingsversprechen an Start-ups zu machen.

Der Apparat, der schnelle Veränderung verhindert

Enthusiastisch kehrten die Aktivisten nach Berlin zurück – und erwarteten Veränderung. Und dann? Passiert erstmal lange nichts.

Denn der Gesetzgebungsprozess der EU beginnt erst mit einer Impact-Studie. Dann folgt ein Gesetzesvorschlag, der dann für anderthalb Jahre verhandelt wird – erst getrennt im Parlament und bei den 27 relevanten Ministern und dann noch einmal zwischen beiden Häusern. Je nach Rechtsakt kann es dann nochmal zwei Jahre dauern, bis in Deutschland die erste EU Inc. registriert werden könnte. Wir reden also von einer Zeitleiste von bis zu dreieinhalb Jahren – ab heute.

Auf meiner Roadshow für die EU Inc. quer durch Europa schauen mich von Helsinki bis Nikosia alle ungläubig an, wenn ich das erzähle. Und deswegen müssen wir jetzt weiter pushen.

Ein politischer Shortcut, der Europa retten könnte

Wir sollten auf die Initiatoren hören und die EU Inc. in zwei Teile unterteilen: Den Kern des Gesellschaftsrechts, der als Schnellboot-Verordnung noch nächsten Monat von der Kommission mit Parlament und Rat vorverhandelt wird – damit er dann als Eilantrag ohne Änderungen durch beide Häuser laufen kann. Damit könnten wir dann noch im Frühjahr fertig werden. Also in Wochen, nicht Jahren.

Die anderen wichtigen aber kontroverseren Teile zu Besteuerung von ESOPs, Arbeitsrecht (um leichter Menschen in verschiedenen Ländern einzustellen), und Insolvenzrecht müssten dann in einem längeren Verfahren gleichzeitig aber getrennt vorgeschlagen werden. Nur so gewinnen wir kurzfristig Zeit – und verlieren langfristig nicht weiter die Unternehmen, die Europas Zukunft tragen.





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