Künstliche Intelligenz
„Australia Did It“: Gut gemixter Genre-Cocktail
Weiterlesen nach der Anzeige
Warum war Australien schuld? Wer darüber zu lange nachdenkt, verliert. Indie-Spiele-Veteran Rami Ismail hat sich für „Australia Did It“ ein albernes, trashiges Zukunftsszenario ausgedacht. Der Atlantik ist ausgetrocknet. Güterzüge heizen durch die neue Einöde und müssen an jedem Bahnhof für eine Handvoll Kampfrunden Riesen-Insekten und Killer-Roboter zurückdrängen. Zwischen den Stationen ballern sie in Echtzeit aus den Waggons.
Und Australien bot sich als Bösewicht an, weil es selbst nicht am Atlantik liegt und sonst eher selten den Widersacher geben muss.
Spezialist für spielbare Ohrwürmer
Gemeinsam mit einem kleinen Entwicklerteam und dem Indie-Publisher Mystic Forge entwickelt Rami Ismail endlich wieder ein neues Spiel. Ismail ist Spielefans eines gewissen Alters ein Begriff: Er war eine Hälfte des niederländischen Indie-Duos Vlambeer, das mehrere Hits und Geheimtipps produzierte. „Super Crate Box“, „Ridiculous Fishing“, „Luftrausers“ und „Nuclear Throne“ waren alles Spiele mit einfachen Ideen, die überzeugend umgesetzt wurden.
Auch „Australia Did It“ wird von einem kleinen Team entwickelt und hat Ohrwurmqualitäten. Ob die Idee dieses Mal komplizierter ist, darüber lässt sich streiten. Zumindest sind die beiden Hälften des Spiels eher einfach. An Bahnhöfen erinnert der Überlebenskampf an Tower Defense, „Into the Breach“ und Schach: Wenige Einheiten müssen ein kleines Areal für ein paar Spielrunden verteidigen. Von der Bahnhofsmauer aus ballern sie rundenbasiert auf eine eskalierende Gegnerbrut, die am Rand des Spielfelds spawnt. Präsentiert wird alles in launiger Pixelart.

Mystic Forge
)
Bevor es zu viel wird, hüpfen die Einheiten dann in den Zug und fahren zur nächsten Station. Dabei wird nicht nur das Genre gewechselt. Der Grafikstil mischt unterwegs eine grobkörnige Kulisse und hochauflösenden Insektenblutlachen; das sieht immer noch unbestimmt retro aus, aber weniger überzeugend. Der Zug fährt allerdings von allein und braucht auch nur zwei Minütchen. Während der Fahrt darf man in jedem der drei Waggons zwischen zwei Einheiten wählen, für kurze Strecken zielen, und wenn es brenzlig wird, kann man noch eine Ultra-Attacke zünden. Fast wichtiger als die paar Knopfdrücke unterwegs ist aber die Frage, welche Einheiten man im rundenbasierten Modus entwickelt und in den Zug gesetzt hat.
Weiterlesen nach der Anzeige
Nach dieser kurzen Atempause werden verschiedene schwierige Streckenabschnitte für den weiteren Weg und ein Bonus für den Rest des Spiels gewählt, bevor wieder für knappe zehn Minuten taktiert werden darf. In diesem Rhythmus läuft jeder Run. „Tactical Reverse Bullet Hell“ nennt das Team die Idee. Das stimmt zwar alles, aber damit sind noch nicht alle Bezüge abgedeckt. Es sampelt geschickt zahlreiche Einflüsse zusammen und findet überraschende Synergien.
Aus zwei mach eins
Für diesen Artikel konnten wir nur eine Preview-Version anspielen, doch das Spiel macht von der ersten Minute an Spaß und besitzt bereits eine trügerische taktische Tiefe. Alles entscheidet sich in den rundenbasierten Stehzeiten an Bahnhöfen, wenn man Zeit zum Denken hat. Die Kämpfe hier sind übersichtlich wie ein Brettspiel, die Zug- und Schussweiten kurz. Der Clou versteckt sich in der einfachen, aber geschickten Art, wie Einheiten gekauft und entwickelt werden.
Lesen Sie auch
Jeder besiegte Gegner wirft ein paar „Cindermint“ ab. Von der Währung können wir nur drei verschiedene, schwächliche Einheiten kaufen: Der Radshot schießt weit und bewirkt seinen Strahlungs-Schaden nicht direkt, sondern erst am Ende der Runde. Für direkten Schaden ist der Gunslinger zuständig. Und der Nomad ist die Schrotflinteneinheit: Trifft mehrere Felder in der Nähe, wirft Gegner zurück.
Das Spiel hat aber nicht drei Einheiten, sondern dreißig. Um eine neue entstehen zu lassen, müssen einfach zwei Einheiten des gleichen Levels auf dasselbe Feld ziehen. So steigen sie einen Level auf und kombinieren sich ab Level 3 auch zu neuen Einheiten. Anfangs entstehen naheliegende Typen wie der Raketenwerfer oder eine Blitzeschleuder, auf Level 5 aber warten abgedrehte und mächtige Einheiten. In den Überlebenskampf mischt sich die Planung, welches Spezialistenteam man für spätere Level gerne hätte.
Gitarre spielen, Tote beschwören
Auf die letzte Entwicklungsstufe sind wir selten gekommen, dafür war die Zahl der Bahnhöfe pro Run in der Preview-Version etwas knapp bemessen. Aber genau hier lauert offensichtlich ein saftiges kleines Taktikspiel: Schon ab dem ersten Halt mischen wir ständig neue Einheiten, um bestimmte Effekte zu erzielen, weiter entfernte Gegner zu treffen oder mehr Schaden anzurichten. Schon die sechs neuen Einheiten ab Level 3 ergeben zahlreiche taktische Möglichkeiten. Und das auf einem sehr kleinen, übersichtlichen Spielfeld.
Jede Station misst nur fünf mal fünf Felder, darum ist eine Fließbandmauer errichtet, auf der Einheiten hin- und herfahren können. Vor den Mauern liegen noch einmal in jeder Richtung fünf mal fünf Felder, auf denen Gegner spawnen und heranrücken können. Das Areal ist klein genug, um immer übersichtlich wie ein Brettspiel zu bleiben. Es kommt auf jeden Schritt Laufweite und jedes Feld Schussweite an.
Smart und flüssig spielen sich die rundenbasierten Tower-Defense-Strecken, weil wir immer einen vollen Zug komplett planen können und erst dann bestätigen müssen. Erst, wenn wir uns sicher sind, führen wir den Zug aus. Das ist neben der griffigen Pixel-Art ein Hauptgrund, warum das Spiel hier an ein lässigeres, schnelleres „Into the Breach“ erinnert.
Vielleicht ist der Schwierigkeitsgrad dabei eine Stilfrage, vielleicht muss er noch richtig eingestellt werden. In der Preview-Version hat auch die härtere von zwei Stufen nie zu großen Problemen geführt. Wenn es knapp wurde, dann nur, weil offensichtliche Fehler gemacht wurden – Vorsicht beim Beschuss von Demon Bears!
Die Zugfahrt funktioniert zwar als Abwechslung zwischen den Stationen, wirkt aber noch weniger rund. Warum im Chaos der Effekte gerade welche Einheit im Zug getroffen wurde, ist nicht immer leicht nachzuvollziehen. Mal wurde der Zug fast zerstört, mal kam er fast ohne Kratzer durch, ohne dass wir so recht verstanden, warum. Das Problem könnte aber kleiner sein, als es klingt. Erstens sind die Action-Strecken kurz, zweitens würde schon ein bisschen mehr Übersicht hier vieles besser machen.
Eine Atlantik-Überquerung könnte sich lohnen
Die Balance scheint noch nicht ganz zu stimmen, aber das Spiel hat auch noch etwas Zeit. Einen offiziellen Veröffentlichungstermin gibt es noch nicht. Jetzt schon richtig vielversprechend sieht es für alle aus, die nicht auf der Suche nach dem nächsten Meisterwerk sind, sondern die für zehn bis dreißig Minuten makellosen Spaß wollen und die sich zwischen Schach, Roguelites und digitalen Brettspielen wohl fühlen.
Interesse am Atlantik oder Australien sind dagegen weniger entscheidend.
(dahe)
Künstliche Intelligenz
Cisco AI Summit: Nach dem KI-Durchbruch 2025 kommt der KI-Durchbruch 2026
Die Tech-Industrie hat sich beim zweiten Cisco AI Summit gegenseitig versichert, dass 2026 endlich das Jahr der produktionsreifen KI wird. Zwischen bemerkenswerten Einsichten und reichlich Wunschdenken zeichnet sich vor allem eines ab: Der Kampf um die KI-Infrastruktur hat begonnen
Weiterlesen nach der Anzeige
Cisco positioniert sich dabei klar als Infrastrukturlieferant für die KI-Ära, und eine sechsstündige Bühnenshow mit Jensen Huang, Sam Altman und Fei-Fei Li ist dafür keine schlechte Kulisse. Dennoch lohnt ein genauerer Blick: Hinter dem üblichen Superlativ-Gewitter stecken durchaus interessante Verschiebungen in der Debatte.
Von Chatbots zu KI-Fabriken
Die auffälligste Erzählung des Tages kam von Nvidias Jensen Huang. KI sei kein Feature, sondern eine Neuerfindung des gesamten Computing-Stacks. Statt Code zu schreiben, definierten Entwickler künftig Absichten – der Übergang von expliziter zu impliziter Programmierung. Neu war weniger diese These als die Konsequenz, die Huang daraus zieht: Unternehmen bräuchten nicht einzelne KI-Tools, sondern sogenannte „AI Factories“ – integrierte Systeme aus Rechenleistung, Netzwerk und Sicherheit, die Intelligenz industriell produzieren.
Bemerkenswert war auch Huangs Rat an Führungskräfte, in frühen Phasen von KI-Initiativen nicht primär nach klassischem ROI zu fragen, sondern zunächst explorativ vorzugehen und herauszufinden, wo KI den größten strategischen Hebel entfalten kann. Renditemaßstäbe wie bei einem klassischen ERP-Rollout könne man hier nicht anlegen.
Das Agenten-Versprechen
Sam Altman lieferte die erwartbare Steigerung: KI werde sich vom Werkzeug zum Teammitglied entwickeln, das eigenständig Computer bedient, Software schreibt und komplexe Aufgaben Ende-zu-Ende erledigt. Er prognostizierte, dass sich bis Ende 2026 die Bandbreite der Probleme, die KI-Systeme sinnvoll bearbeiten können, massiv erweitern werde. Aaron Levie von Box ergänzte diese Perspektive mit der These, Unternehmen könnten künftig ein Vielfaches an KI-Agenten im Vergleich zur Zahl ihrer Mitarbeitenden einsetzen.
Solche Aussagen klingen eindrucksvoll, bleiben aber erklärungsbedürftig, solange offenbleibt, wie Fortschritt konkret gemessen wird. Altman relativierte die Vision und räumte ein, dass die größten Engpässe derzeit nicht bei den Modellen liegen, sondern bei Energie, Infrastruktur und der schleppenden Einführung von KI in Organisationen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Infrastruktur als eigentliches Schlachtfeld
Fast alle der prominenten Sprecher landeten am Ende bei der Infrastruktur. Googles Amin Vahdat formulierte es besonders klar: Nicht primär die Modelle entschieden über den Erfolg im KI-Wettbewerb, sondern Rechenleistung, Netzwerke und Energieversorgung. Der Abschied von allgemeinen Standardarchitekturen ermögliche erhebliche Effizienzgewinne – in der Größenordnung des Faktors zehn –, setze aber voraus, dass Hardwarezyklen von bislang rund drei Jahren deutlich verkürzt würden. Vahdat brachte sogar weltraumgestützte Rechenzentren als langfristiges Gedankenspiel ins Spiel, um physische Skalierungsgrenzen zu überwinden.
AWS-Chef Matt Garman blieb bodenständiger. Viele KI-Projekte scheiterten weniger an der Technik als daran, dass Unternehmen vorab keine klaren Erfolgskriterien definierten. Fortschritte entstünden nicht durch einzelne clevere Experimente, sondern durch systematisch aufgebauten Kontext – etwa in Form von Daten, Prozessen und integriertem Fachwissen. Eine nüchterne Einsicht, die im Rauschen der großen Visionen beinahe unterging.
China als unbequeme Benchmark
Die geopolitisch brisanteste Passage des Summits lieferte Intel-CEO Lip-Bu Tan. China habe den eingeschränkten Zugang zu High-End-GPUs genutzt, um eigene CPU- und GPU-Ökosysteme aufzubauen und technologische Abhängigkeiten systematisch abzubauen. Der westliche Vorsprung existiere noch, könne aber schrumpfen – auch durch gezielte Personalrekrutierung, etwa bei Huawei.
Tans eigentlicher Punkt ging darüber hinaus: Die Unterschiede im KI-Fortschritt seien weniger technologischer als regulatorischer Natur. Während in westlichen Demokratien der Ausbau von Energieinfrastruktur durch langwierige Genehmigungsverfahren gebremst werde, setze China politische Entscheidungen deutlich schneller in Bauvorhaben um. Anne Neuberger und Brett McGurk ergänzten diese Analyse aus sicherheitspolitischer Perspektive: Wenn demokratische Staaten ihre eigene KI-Entwicklung stark ausbremsten, während geopolitische Rivalen schneller skalierten, könne daraus ein realer strategischer Nachteil entstehen.
Wie sich Softwareentwicklung verändert
Jenseits der großen Erzählungen gab es zwei Bereiche, in denen die Veränderungen bereits greifbar sind. In der Softwareentwicklung berichteten mehrere Speaker von deutlich steigenden Anteilen KI-gestützter Codeerstellung. Microsofts CTO Kevin Scott konstatierte nüchtern, der Engpass habe sich verschoben – weg von der reinen Code-Erstellung hin zu Bewertung, Qualitätssicherung und der Frage, ob Software das „richtige“ Problem löst.
Mike Krieger von Anthropic beschrieb, wie sich die menschliche Rolle stärker auf Produktvision und Architektur verlagere, während Figma-CEO Dylan Field voraussagte, dass Designer perspektivisch produktive Codebasen direkt über Design-Oberflächen beeinflussen könnten.
Wo sind die belastbaren Zahlen?
Was auf dem Summit weitgehend ausblieb, war eine ehrliche Bilanz des vergangenen Jahres. Auch 2025 war als Durchbruchsjahr angekündigt worden. Wie viele der damaligen Versprechen wurden tatsächlich eingelöst? Wo blieben belastbare Zahlen zu Produktivitäts- oder ROI-Effekten, deren Erhebung selbst Befürworter wie Jensen Huang für verfrüht halten?
HUMAIN-CEO Tareq Amin sprach offen aus, dass die bisherigen Produktivitätsgewinne vielerorts begrenzt seien, weil KI häufig nur auf bestehende Legacy-Plattformen aufgesetzt werde. Sein Ansatz, ein komplett neues, von Grund auf KI-zentriertes Betriebssystem zu bauen, ist radikal gedacht – ob er praxistauglich ist, bleibt offen.
Ebenfalls auffällig: Der Begriff „Halluzination“ fiel kaum. Fragen des Vertrauens wurden zwar unter dem Label Sicherheit diskutiert, aber vor allem im Kontext von Cyberangriffen und Geopolitik – weniger im Hinblick auf KI-Systeme, die schlicht falsche oder irreführende Ergebnisse produzieren.
Der Cisco AI Summit 2026 war aufschlussreicher als viele vergleichbare Branchenevents – weniger wegen einzelner Visionen als wegen der Linien, die sich zwischen ihnen abzeichnen. Die Debatte verschiebt sich von der Frage „Was kann KI?“ hin zu „Wer verfügt über die Infrastruktur, um KI im großen Maßstab zu betreiben?“. Für Unternehmen, die heute KI-Strategien definieren, bleibt die Erkenntnis: Nicht die Modelle sind das größte Problem, sondern Energie, Daten, Integration – und der Mut, bestehende Prozesse grundlegend umzubauen. Wer die Interviews des Cisco AI Summits nachsehen möchte, findet sie thematisch einzeln aufbereitet hier.
(axk)
Künstliche Intelligenz
Discord führt weltweit eine Altersprüfung ein
Der Social-Media-Dienst Discord gab am Montag bekannt, dass er ab März eine Altersüberprüfung auf seiner Plattform einführt. Dann werden alle neuen und bestehenden Benutzerkonten weltweit automatisch auf eine „jugendgerechte Erfahrung mit aktualisierten Kommunikationseinstellungen, eingeschränktem Zugang zu altersbeschränkten Bereichen und Inhaltsfiltern“ eingestellt, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Um bestimmte Einstellungen zu ändern oder auf sensible Inhalte wie altersbeschränkte Kanäle, Server oder Befehle sowie ausgewählte Nachrichtenanfragen zuzugreifen, müssen Nutzer demnach möglicherweise einen Prozess der Altersüberprüfung durchlaufen.
Weiterlesen nach der Anzeige
Mehrere Methoden zur Auswahl
Discord-Nutzer können wählen, ob sie zur Altersschätzung die Gesichtserkennung nutzen oder einen Ausweis als Identitätsnachweis vorlegen möchten. In Zukunft würden weitere Optionen hinzukommen, kündigte das Unternehmen an. Ferner werde man ein Altersschätzungsmodell implementieren, das im Hintergrund läuft und dabei hilft, festzustellen, ob ein Benutzerkonto einem Erwachsenen gehört, ohne dass die Nutzer immer ihr Alter nachweisen müssen. Wenn weitere Informationen zur Zuordnung zu einer Altersgruppe erforderlich sind, werden Nutzer möglicherweise aufgefordert, mehrere Methoden zur Altersprüfung zu verwenden.
Nicht als volljährig verifizierte Nutzer bleibt der Zugriff auf altersbegrenzte Server und Kanäle verwehrt und von Discord als sensibel eingestufte Inhalte werden gefiltert. Außerdem erhalten sie Warnmeldungen bei Freundschaftsanfragen von möglicherweise unbekannten Nutzern; und Direktnachrichten von potenziell unbekannten Nutzern werden automatisch in einen separaten Posteingang gefiltert.
Schaffung eines Teen Councils
Discord hat im vergangenen Jahr bereits in Großbritannien und Australien Altersüberprüfungen eingeführt. Die nunmehrige globale Implementierung dieser Schutzfunktion basiert auf den dabei gemachten Erfahrungen. „Die weltweite Einführung von Standardeinstellungen für Jugendliche baut auf der bestehenden Sicherheitsarchitektur von Discord auf und bietet Jugendlichen starken Schutz, während verifizierte Erwachsene Flexibilität genießen“, wird Savannah Badalich, Leiterin der Produktpolitik bei Discord, in der Unternehmensmitteilung zitiert.
Neben den erweiterten Sicherheitsfunktionen für jugendliche Nutzer kündigte Discord die Schaffung eines Teen Councils an, bestehend aus 10 bis 12 Teenagern. Dieses Beratungsgremium soll der Perspektive von Jugendlichen in der Entscheidungsfindung bei Discord mehr Gewicht verleihen. „Der Teen Council wird (…) dazu beitragen, dass Discord versteht – und nicht nur annimmt –, was Teenager brauchen, wie sie sinnvolle Beziehungen aufbauen und was ihnen das Gefühl gibt, online sicher und unterstützt zu sein“, schreibt Discord. Die Beiträge des Gremiums sollen in zukünftige Produktfunktionen, Richtlinien und Bildungsressourcen einfließen, heißt es weiter. Interessierte im Alter von 13 bis 17 Jahren können sich demnach ab sofort bis zum 1. Mai 2026 für die Teilnahme am Teen Council bewerben.
Weiterlesen nach der Anzeige
Um Kinder und Jugendliche stärker vor den negativen Auswirkungen von sozialen Medien und digitalen Angeboten zu schützen, werden immer öfter Altersverifikationen oder Altersgrenzen für Nutzer diskutiert. In Australien trat Anfang Dezember das weltweit erste umfassende Verbot von Social Media für unter 16-Jährige in Kraft. Die britische Regierung erklärte, dass man Australiens Ansatz „genau“ beobachte. Andere Länder haben dagegen bereits angekündigt, ähnliche Verbote einzuführen, darunter Malaysia, Dänemark und Norwegen. Dänemark einigte sich Anfang November auf ein Mindestalter von 15 Jahren beim Zugang zu Social Media, wobei Eltern ihren Kindern bereits mit 13 Jahren die Anmeldung zu diesen Netzwerken erlauben können. Das EU-Parlament verabschiedete Ende November eine Resolution, die sich für ein EU-weites Mindestalter von 16 Jahren für Social Media ausspricht.
(akn)
Künstliche Intelligenz
Vorratsdatenspeicherung: Massive Kritik an Regierungsplänen
Das Bundesjustizministerium hat mit dem Referentenentwurf zur Einführung einer IP-Adressspeicherung eine Debatte neu entfacht, die viele bereits für beendet hielten. Kern des Vorhabens ist die Pflicht für alle Internetprovider, die an Anschlussinhaber vergebene IP-Adressen und Portnummern minutiös zu protokollieren und drei Monate lang zu speichern. Das Ministerium bewirbt das Projekt als „digitales Kfz-Kennzeichen“, doch die Kritik ist vernichtend.
Weiterlesen nach der Anzeige
Der Arbeitskreis Vorrat (AK Vorrat) und die Digitale Gesellschaft warnen in jetzt veröffentlichten Stellungnahmen vor einem „Generalschlüssel zur Identität“. Denn mit einer IP-Adresse lasse sich nachträglich lückenlos rekonstruieren, wer hinter einem anonymen Forenbeitrag, einer sensiblen Suchanfrage oder dem Kontakt zu einer Enthüllungsplattform steht.
In der physischen Welt wäre ein solches Vorgehen undenkbar, heben die Aktivisten hervor: Es entspräche der Forderung, dass jeder Bürger ein sichtbares Nummernschild tragen müsse. Der Staat könnte zugleich flächendeckend mitschreiben, wann wir welches Lokal, welche Arztpraxis oder welche politische Versammlung aufsuchen.
Die Digitale Gesellschaft betont daher, diese Form der anlasslosen Massenüberwachung sei heute gefährlicher denn je. „Die Speicherung dieser teilweise sensiblen Daten kreiert eine Nachverfolgbarkeit und trägt damit zur Schaffung eines gläsernen Menschen bei“, warnt auch die Gesellschaft für Informatik (GI). Das anlasslose Speichern stelle jede Person unter Generalverdacht, was das Fundament einer freien Gesellschaft untergrabe.
Ende der digitalen Gastfreundschaft
Besonders hart trifft der Entwurf die Betreiber offener WLAN-Strukturen. Freifunk-Initiativen, die seit Jahren für einen barrierefreien Netzzugang kämpfen, sehen ihre Existenz bedroht. Sie monieren, dass die technische Umsetzung der Speicherpflicht für ehrenamtliche Betreiber und kleine Unternehmen kaum leistbar sei: „Eine solche lückenlose Protokollierung wäre in der physischen Welt undenkbar. Im digitalen Raum soll sie nun Normalität werden.“
Ohne eine explizite Ausnahme für Bürgernetze und nicht-kommerzielle Anbieter drohe das Aus für tausende Hotspots, da die Betreiber das Risiko einer fehlerhaften Zuordnung und damit verknüpfter rechtlicher Konsequenzen nicht tragen könnten.
Die Freifunker fordern daher den „Verzicht auf jede Art der Vorratsdatenspeicherung, ganz egal unter welchem Namen, für ISPs, Internetzugänge und WLAN-Hotspot-Betreiber“. Sollte dies politisch nicht durchsetzbar sein, müssten mindestens alle Bürgernetze und ehrenamtlichen Betreiber von der Erfassungspflicht ausgenommen werden.
Weiterlesen nach der Anzeige
Industrie ist gespalten
Der Branchenverband Bitkom bewertet den Entwurf dagegen insgesamt „positiv“. Er begrüßt, dass die bisherigen, europarechtswidrigen Regelungen zur Vorratsdatenspeicherung vollständig aufgehoben und durch ein neues Konzept ersetzt würden. Der Bitkom lobt insbesondere die „technologieoffene Ausgestaltung“, die Flexibilität für unterschiedliche Netzarchitekturen schaffe. Dennoch mahnt auch der Verband zur Vorsicht: Eine rechtssichere Lösung sei unabdingbar.
Ganz anders sieht das der eco-Verband der Internetwirtschaft. Er hält der Politik die massiven Kosten für den Aufbau einer Überwachungsinfrastruktur vor Augen, die am Ende womöglich erneut von Gerichten kassiert werde. „Die Speicherungsanforderungen genügen nicht der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes“, stellt der eco klar. Es sei den Firmen nicht zuzumuten, „massive Investitionen in eine erneut als unzulässig zu erwartende Infrastruktur“ zu tätigen.
Rechtsstaatliche Risiken und Fehlurteile
Ein technisches Detail bereitet Fachleuten besonders Kopfzerbrechen: die Speicherung von Portnummern bei „Carrier-grade NAT“. Da sich im Internet Hunderte Nutzer gleichzeitig eine einzige IP-Adresse teilen, ist die Portnummer das einzige Unterscheidungsmerkmal. Der AK Vorrat befürchtet, dass schon minimale Zeitabweichungen bei den Providern zu falschen Zuordnungen führen. „Unschuldige geraten ins Visier von Hausdurchsuchungen“, warnt der Arbeitskreis. Auch der Deutsche Anwaltverein (DAV) spricht von einer Gefahr für die Rechtsstaatlichkeit, wenn Ermittlungsmaßnahmen auf einer derart fehleranfälligen Datenbasis eingeleitet würden.
Der ADAC mahnt, dass die Bestimmtheitsanforderungen an die Datenerhebung hoch sein müssten. Es dürfe keine Grauzonen geben, in denen Behörden mehr Informationen erhielten, als unbedingt nötig. Doch hier hakt es im Entwurf: Die Zugriffsrechte für unzählige Behörden sind laut Kritikern viel zu weit gefasst und verzichten teils auf den zwingend erforderlichen Richtervorbehalt, was eklatant gegen die Vorgaben des EuGH verstoße.
Informantenschutz und das Schweigen der Quellen
Ein breites Medienbündnis, dem unter anderem die ARD, der DJV und Reporter ohne Grenzen angehören, sieht durch die Pläne das Redaktionsgeheimnis gefährdet. „Dieser Schutz ist unentbehrlich, weil Medien auf private Mitteilungen nicht verzichten können, diese Informationsquelle aber nur dann ergiebig fließt, wenn sich der Informant grundsätzlich auf die Geheimhaltung seiner Identität verlassen kann“, betonen die Medienvertreter.
Wenn Whistleblower fürchten müssten, dass ihre digitale Spur drei Monate lang beim Provider bereitliegt, würden sie den Kontakt zur Presse meiden. Das Ergebnis sei ein „Chilling Effect“, der die demokratische Kontrollfunktion der Medien schwäche.
Strafverfolger pochen derweil auf die neuen Befugnisse. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) argumentiert, dass „Ermittlungen heute zunehmend auf technische Anknüpfungspunkte angewiesen sind, die häufig den einzigen Zugang zu einem Sachverhalt bieten“. Aus Sicht der Polizei ist die IP-Speicherung kein Instrument der Überwachung, sondern eine notwendige Anpassung an die „Kriminalitätswirklichkeit“ des 21. Jahrhunderts.
Alternativen zur Massenüberwachung
Gegner wie der SPD-nahe netzpolitische Verein D64 weisen darauf hin, dass es grundrechtsschonendere Wege gäbe. Die Initiative sei daher „politisch widersprüchlich und technisch nicht notwendig“. D64 plädiert stattdessen für eine Login-Falle und das Quick-Freeze-Verfahren bei konkretem Anfangsverdacht. Dies würde auch den Anforderungen des Kinderschutzes gerecht, ohne die Bevölkerung unter Dauerüberwachung zu stellen.
Während in Berlin über den Referentenentwurf gestritten wird, braut sich auf EU-Ebene die nächste Stufe zusammen. Die EU-Kommission arbeitet unter dem Aufhänger Vorratsdatenspeicherung 2.0 an Plänen, die weit über IP-Adressen hinausgehen: Standortdaten, Telefonverbindungen und sogar Speicherauflagen für verschlüsselte Messenger wie WhatsApp stehen im Raum. Der AK Vorrat rügt, dass die Bundesregierung zu diesen Plänen im EU-Rat bisher schweige. Der deutsche Vorstoß gegen die Online-Anonymität drohe so zur Blaupause für die EU zu werden.
(vbr)
-
Entwicklung & Codevor 3 MonatenKommandozeile adé: Praktische, grafische Git-Verwaltung für den Mac
-
Künstliche Intelligenzvor 1 MonatSchnelles Boot statt Bus und Bahn: Was sich von London und New York lernen lässt
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 2 MonatenHuawei Mate 80 Pro Max: Tandem-OLED mit 8.000 cd/m² für das Flaggschiff-Smartphone
-
Apps & Mobile Entwicklungvor 3 MonatenFast 5 GB pro mm²: Sandisk und Kioxia kommen mit höchster Bitdichte zum ISSCC
-
Entwicklung & Codevor 2 MonatenKommentar: Anthropic verschenkt MCP – mit fragwürdigen Hintertüren
-
Datenschutz & Sicherheitvor 2 MonatenSyncthing‑Fork unter fremder Kontrolle? Community schluckt das nicht
-
Social Mediavor 2 MonatenDie meistgehörten Gastfolgen 2025 im Feed & Fudder Podcast – Social Media, Recruiting und Karriere-Insights
-
Künstliche Intelligenzvor 3 MonatenWeiter billig Tanken und Heizen: Koalition will CO₂-Preis für 2027 nicht erhöhen
